Video zeigt Fußballfans in Spanien, nicht Proteste in Albanien
Angeblich sind in einem Video Proteste in Albanien gegen ein privates Bauprojekt von Jared Kushner und Ivanka Trump zu sehen. Die Proteste gibt es wirklich, doch das Video zeigt etwas ganz anderes.
Faktensammlung
In einem kurzen Video skandiert eine Menschenmenge auf einer Straße entlang eines Strandes laute Parolen, die nicht eindeutig zu verstehen sind. Glaubt man Beiträgen auf Instagram und Tiktok, demonstrieren die Menschen dagegen, dass Israel Teile von Albanien kauft. Laut den Beiträgen skandieren sie: „Israel go away, our land is not for sale“, übersetzt in etwa „Israel, hau ab, unser Land steht nicht zum Verkauf“.
Hilf dabei, Fakes zu entlarven
Dieser Text entstand im CORRECTIV-Faktenforum. Dort kannst du Themen einreichen, mit uns recherchieren und lernen, wie man Fakten prüft. Mach mit und werde Teil unserer Faktencheck-Community!
Die Beiträge kursieren seit Anfang Juni in unterschiedlichen Sprachen, etwa Englisch, Deutsch und Französisch. Ein Tiktok-Video alleine hat rund 294.000 Aufrufe.
Wir entfernten mit einem KI-Tool den Text, der über das Video gelegt wurde. Über eine Bilder-Rückwärtssuche fanden wir so mehrere Beiträge mit ähnlichen Videos in Sozialen Netzwerken, die auf einen anderen Kontext der Aufnahme hindeuten. Sie zeigent feiernde Fußballfans der spanischen Mannschaft Deportivo La Coruña. Die Videos stammen vom 31. Mai. An diesem Tag feierten die Fans die Rückkehr in die erste spanische Liga, wie ein Youtube-Video auf dem offiziellen Kanal der Mannschaft zeigt.

Wir möchten von Ihnen lernen
CORRECTIV entwickelt sich weiter. Dafür möchten wir besser verstehen, wie Sie Nachrichten nutzen, welche Inhalte Ihnen wichtig sind und welche Erwartungen Sie an unabhängigen Journalismus haben.
Teilen Sie Ihre Perspektive in unserer kurzen Umfrage.
Im Video tragen viele Menschen blau-weiß gestreifte Kleidung, auch das passt zu den Farben von Deportivo La Coruña. Die Stadt A Coruña liegt an der Küste im Nordwesten Spaniens und hat einen Strand.
faktenforum.org
youtube.com
rcdeportivo.es
google.com
Ein Faktenforum-Mitglied hat den genauen Standort des Videos herausgefunden. Bei Sekunde 14 des Videos lässt sich an einer Häuserfassade eine weiße Schrift auf blauem Hintergrund ausmachen. Darauf steht „ibermutua“, der Name einer spanischen Versicherungsgesellschaft. Auf ihrer Seite hat die Firma die Standorte ihrer Büros aufgelistet: Drei davon sind in A Coruña, eines in unmittelbarer Strand-Nähe. Ein Vergleich mit Satellitenaufnahmen von Google Earth belegt, dass es sich bei dem Ort im Video um A Coruña handelt. Das lässt sich etwa an der gleich verlaufenden Küstenlinie und einem Häuschen am Strand erkennen.
Recherchen von anderen Faktencheck-Redaktionen, etwa AFP und Full Fact, kommen ebenfalls zum Ergebnis, dass das Video von A Coruña stammt.
faktenforum.org
ibermutua.es
faktenforum.org
faktencheck.afp.com
fullfact.org
Viele Beiträge, die die Fußballfeier in A Coruña als Demo in Albanien darstellen, blenden den Nutzernamen „Mr Lala Official“ ein. Ein Tiktok-Profil mit diesem Namen veröffentlichte das Video mit dem falschen Bezug auf Albanien am 1. Juni – nach unseren Recherchen könnte das der ursprüngliche Verbreiter sein. Auf eine Anfrage von uns, woher das Video stamme und ob die falsche Ortsangabe bekannt sei, antwortete der Tiktok-Nutzer bis zur Veröffentlichung nicht.
Kontext: In Albanien gibt es tatsächlich seit Ende Mai Proteste. Tausende Albanerinnen und Albaner demonstrieren gegen ein geplantes Luxusbauprojekt auf der albanischen Insel Sazan und dem Küstenabschnitt Zvërnec – die Gebiete stehen teilweise unter Naturschutz. Doch Jared Kushner, Ivanka Trumps Ehemann, will dort Hotels bauen. Einer der Slogans auf den Demonstrationen lautet „Albanien ist nicht zu verkaufen“.
In diesem Zusammenhang kommt immer wieder die Behauptung auf, dass Israel an dem Deal beteiligt sei. Albanien würde demnach das Land, auf dem die Hotels entstehen sollen, an Israel verkaufen. Dafür gibt es keine Belege. Das bestätigten uns Journalisten des Balkan Investigative Reporting Network (BIRN) und der albanischen Faktencheck-Redaktion Faktoje auf Anfrage. Ministerpräsident Edi Rama dementierte die Behauptung. Von der israelischen Regierung erhielten wir bis zur Veröffentlichung keine Rückmeldung.
zeit.de
theguardian.com
perma.cc
Diese Faktensammlung haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Viktor Marinov; Redigatur: Paulina Thom
