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Minister will islamischen Gebetsruf in Dänemark verbieten – Prüfung steht noch aus

Dänemark habe den Islam verboten, heißt es auf Tiktok und Facebook. Doch das stimmt nicht. Der Integrationsminister will ein Verbot des Muezzinrufs prüfen – ähnliche Pläne sind seit 2020 schon zweimal gescheitert.

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Ein Muezzin ruft in einer Moschee in Bordeaux, Frankreich, zum Gebet auf – in Dänemark eine Seltenheit (Quelle: Philippe Lissac / Picture Alliance / Godong)
Behauptung
Dänemark verbiete den Islam.
Einordnung
Falsch. Es gibt in Dänemark keine Diskussionen oder Pläne für ein allgemeines Islam-Verbot. Der aktuelle Minister für Integration will prüfen, ob er den islamischen Gebetsruf verbieten könnte. Das ist aber bislang nur geplant, ähnliche Pläne sind in der Vergangenheit schon zweimal gescheitert.

Faktensammlung

Dänemark habe den Islam verboten, heißt es in einem kurzen Video, das auf Tiktok und Facebook kursiert. Ein weiteres Video nimmt diese Behauptung zum Anlass, seine Zuschauer zu fragen, wie sie dazu stehen. Allein dieser Beitrag hat mehr als 240.000 Aufrufe.

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perma.cc


Eine Suche nach Medienberichten auf Englisch, Deutsch und Dänisch liefert keine Belege dafür, dass Dänemark den Islam verbieten will. Die eigentliche Nachricht: Der aktuelle Minister für Migration und Integration, Morten Bødskov, will prüfen, ob Dänemark den islamischen Gebetsruf (auch als Muezzinruf bekannt) verbieten kann.

Die dänische Tageszeitung Politiken schreibt, dass Bødskov der dritte Minister der dänischen sozialdemokratischen Partei ist, der eine solche Überprüfung starten will. In 2020 und 2025 sind diese Pläne schon zweimal gescheitert. Das berichtet auch der Spiegel in einem Kommentar zum Thema. Dort schreibt der Autor auch, dass die größte Moschee in der Hauptstadt Kopenhagen schon freiwillig auf den Muezzinruf per Lautsprecher verzichte. Er sei „vereinzelt“ aus kleineren Moscheen zu hören.

politiken.dk
archive.is

Nicht einfach.
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Nach Informationen aus dem Migrationsministerium gibt es Muezzinrufe in Dänemark nur selten – bei einer Umfrage unter 83 Gemeinden in Dänemark meldeten nur drei von ihnen Fälle von Muezzinrufen. Das dänische öffentlich-rechtliche Radio fasste die Umfrage so zusammen: „Eine Partei will etwas verbieten, das in Dänemark praktisch nicht passiert.“

dr.dk


Dänemark hat 2018 bereits Kleidungsstücke, die das Gesicht verhüllen, verboten. Darunter fallen auch Burkas und Nikabs. Ein solches Verbot gibt es auch in anderen europäischen Ländern, etwa in Frankreich und Belgien. Über ein allgemeines Verbot einer ganzen Religion geht es dabei aber nicht – auch nicht in der jetzigen Diskussion rund um den Gebetsruf.

zeit.de
derstandard.de


Wir konfrontierten die zwei deutschen Verbreiter mit unserem Recherche-Ergebnis, dass die Behauptung falsch ist. Auf unsere Anfragen bekamen wir bis zur Veröffentlichung keine Antwort.


Diese Faktensammlung haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Viktor Marinov; Redigatur: Max Bernhard