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Bewertung: größtenteils richtig

Warum die EU Vorschriften für Lebensmittelimporte aus Fukushima gelockert hat

JAPAN-NUCLEAR-FUKUSHIMA-DISASTER
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JAPAN-NUCLEAR-FUKUSHIMA-DISASTER
Ein Mitarbeiter der Tokyo Electric Power Company misst die Strahlungswerte zwischen zwei Reaktoreinheiten des vom Tsunami beschädigten Kernkraftwerks Fukushima Dai-ichi in Okuma in der Präfektur Fukushima. (Foto: AFP / Kimimasa Mayama)

von Andreas Rossbach

In einem Facebook-Post der Seite „Netzfrauen“ wird behauptet, dass die EU-Kommission die Importbeschränkungen für Lebensmittel aus Fukushima gelockert hat. In dem Text steht auch, dass nach einer Verordnung der Europäischen Gemeinschaft Bananen mindestens 14 cm lang und 27 mm dick sein müssen. Beides ist richtig, hat aber nichts miteinander zu tun.

Das EU-Freihandelsabkommen mit Japan (JEFTA)  ist am 1. Februar 2019 in Kraft getreten und wird derzeit kontrovers in der Öffentlichkeit diskutiert. Einen Artikel über das Abkommen, der am 8. November 2018 auf dem Blog netzfrauen.org veröffentlicht wurde, teilen seit Wochen reihenweise Nutzer sozialer Netzwerke. Zuletzt wurde der Beitrag zum Beispiel in der Facebook-Gruppe „Für ein freies und demokratisches Deutschland“ geteilt.

Am 1. Februar teilte die Facebook-Seite „Netzfrauen“ den Artikel mit folgendem Text: „Bananen in der EU: Die Länge muss mindestens 14 cm und die Dicke mindestens 27 mm betragen. …aber Lockerung der Vorschriften für Lebensmittelimporte aus Fukushima!“ CORRECTIV hat die Behauptungen im Post überprüft.

Post vom 1. Februar 2019 auf der Facebook-Seite von „netzfrauen.org“, Screenshot: CORRECTIV

1. Behauptung: EU-Vorschrift für Bananen – 14 cm lang und 27 mm dick

Ja, die EU legt fest, wie eine Banane auszusehen hat. Seit 1993 gibt es die Bananenmarktordnung der EU. In der Verordnung (EG) Nr. 2257/94 zur Festsetzung von Qualitätsnormen für Bananen kann man nachlesen: „Die Länge muss mindestens 14 cm und die Dicke mindestens 27 mm betragen“. Es gibt aber auch Ausnahmen. „Schwierige Produktionsbedingungen in den Gemeinschaftsregionen Madeira, Azoren, Algarve, Kreta und Lakonien können aufgrund klimatischer Einflüsse dazu führen, daß die Bananen dort nicht die vorgeschriebene Mindestlänge erreichen. Solche Erzeugnisse können vermarktet werden, sind jedoch in die Güteklasse II einzustufen“, steht in der Verordnung. 

2. Behauptung: Vorschriften für Lebensmittelimporte aus Fukushima gelockert

In dem Facebook-Post und im Text des Blogs netzfrauen.org wird auch behauptet, dass „die Vorschriften für Lebensmittelimporte aus Fukushima gelockert wurden“. Das ist richtig. Der Kontext wird jedoch nicht erklärt.

Am 11. März 2011 kam es in Fukushima zu einem Reaktorunglück. Kurz darauf reagierten 54 Länder  mit einem Einfuhrverbot für Lebensmittel aus Japan. 29 Länder haben die Verbote mittlerweile wieder aufgehoben, zuletzt Brasilien. Acht Länder verbieten auch die Einfuhr von Agrarprodukten aus bestimmten Präfekturen. 16 Länder verlangen besondere Zertifikate, um die Ungefährlichkeit der Strahlenbelastung nachzuweisen. Die Europäische Union hatte im Dezember 2017 die Einfuhrkontrollen gelockert und verlangt für bestimmte Produkte, darunter Reis aus der Präfektur Fukushima, nicht mehr die Vorlage von Testzertifikaten.

„Wollen Sie wirklich ‘strahlende’ Lebensmittel auf dem Teller haben?“, diese Frage stellt Doro Schreier, die Autorin des netzfrauen.org-Artikels ihren Lesern. Was sie dabei verschweigt: Kontrollen verschiedener Lebensmittel durch japanische Behörden haben ergeben, dass landwirtschaftliche Lebensmittel sieben Jahre nach der Katastrophe von Fukushima nur gering radioaktiv belastet sind.

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In einer Meldung des Bundesamtes für Strahlenschutz heißt es, dass die japanischen Behörden pro Jahr bis zu 11 Millionen Reissäcke untersucht haben. In den letzten zwei Jahren sei dabei kein einziger Sack entdeckt worden, der oberhalb der geltenden Grenze für Höchstwerte lag.

Auch bei anderen untersuchten Lebensmitteln habe entweder keine oder nur eine sehr geringe Anzahl von Proben oberhalb der Höchstwerte gelegen. Die einzige Ausnahme: Wildfleisch.  Im Jahr 2016 kontrollierten die japanischen Behörden der Meldung zufolge insgesamt 31.845 Lebensmittel auf mögliche Kontamination. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass davon „290 Proben über den japanischen Höchstwerten für Lebensmittel lagen“. Der größte Teil (280) der beanstandeten Proben stamme aus Fleisch von wildlebenden Tieren.

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Es wird nicht erwähnt, dass laut japanischen Untersuchungen rund 99 Prozent der kontrollierten Lebensmittel aus Fukushima unbedenklich sind.

Bewertung: größtenteils falsch

Gelbwesten-Protest in Den Haag: Im Kinderwagen befand sich eine Puppe

Niederlande Gelbwesten 5
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Niederlande Gelbwesten 5
Zeigt dieses Bild eine Gelbwesten-Demonstrantin, die durch die Polizei von ihrem Kind getrennt wurde? (Facebookpost von „Deutsche Werte erhalten“, Screenshot von Correctiv)

von Caroline Schmüser

Eine deutsche Facebookseite behauptet, in den Niederlanden sei eine Mutter während eines Gelbwesten-Protests festgenommen und von ihrem Baby getrennt worden. Das sollen zwei Fotoaufnahmen beweisen. Was ist wirklich passiert? CORRECTIV hat recherchiert.

Die Facebookseite „Deutsche Werte erhalten“ veröffentlichte am 12. Januar zwei Bilder, mutmaßlich aufgenommen während einer Aktion von sogenannten „Gelbwesten“. Auf einer der Fotoaufnahmen sieht man eine Frau mit Kinderwagen, sie trägt eine gelbe Warnweste. Mehrere Polizisten stehen um die Frau herum und scheinen die Frau festzunehmen. Auf den Uniformen der Polizisten ist das Logo der niederländischen Polizei zu sehen. Ein zweites Foto zeigt einen Polizisten mit dem Kinderwagen.

Die Facebookseite „Deutsche Werte erhalten“ kommentiert die Szenerie wie folgt: „Eine Mutter ist mit ihrem Kinderwagen entlang spaziert (…). Die Polizisten forderten sie auf, die Weste auszuziehen. Weil sie sich weigerte, haben die Polizisten sie von ihrem Kind getrennt und in einem Mannschaftswagen gezerrt, also verhaftet. Das Baby blieb ohne Mutter zurück.“

Eine deutsche Facebookseite schreibt, in den Niederlanden sei eine Mutter mit Kinderwagen von der Polizei festgenommen worden. Das Baby sei ohne Mutter zurückgeblieben. (Screenshot von Correctiv)

Stimmt diese Darstellung? CORRECTIV hat recherchiert.

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Pegida Niederlande veröffentlichte Video des Vorfalls

Über die Rückwärtsbildersuche von Google stießen wir auf ein YouTube-Video, das den Vorfall zeigt. In der oberen linken Ecke des Videos ist das Logo der niederländischen Bewegung Pegida Nederland zu erkennen.

Das Video konnten wir daraufhin auf der Facebook-Seite „Pegida Nederland“ finden. Es wurde dort am 5. Januar 2019 veröffentlicht. Die Beschreibung: „Frau mit Kinderwagen verhaftet (es lag kein Baby darin), weil sie die gelbe Weste nicht ablegen wollte.“

Die Facebookseite Pegida Nederland veröffentlichte das Video am 5. Januar. (Screenshot von Correctiv)

 

Im Kinderwagen befand sich eine Puppe

Über den Vorfall berichtete auch die niederländische Tageszeitung AD. Diese titelte am 5. Januar 2019: „Frau mit Puppe im Kinderwagen während Protest der Gelbwesten festgenommen“. Der Protest habe dem Artikel zufolge in Den Haag stattgefunden, 80 bis 100 Personen sollen sich dort für die Demonstration eingefunden haben.

Wir fragten daraufhin bei der Polizei Den Haag an. Eine Sprecherin bestätigte schrfitlich gegenüber CORRECTIV, dass sich ein solcher Vorfall mit einem Kinderwagen in Den Haag abspielte – während eines Protests von Gelbwesten am 5. Januar. „Die Frau trug eine Puppe im Kinderwagen, es war kein Kind in die Situation verwickelt“, so die Sprecherin auf Nachfrage von CORRECTIV. Die Frau sei außerdem nicht gebeten worden, ihre Weste abzulegen.

Antwort der Polizei Den Haag auf eine Anfrage von CORRECTIV. (Screenshot von Correctiv)

Die Beamten hätten sie gefragt, ob sie sich ausweisen könne – in den Niederlanden herrscht Ausweispflicht. Die Frau habe sich nicht ausweisen können. Deshalb, und aufgrund des „seltsamen Umstandes“, so die Sprecherin, dass sie eine Puppe in einem Kinderwagen mit sich trug, sei sie zum Verhör zu einer nahegelegenen Polizeistation gebracht worden.

Das bestätigte die Polizei Den Haag auch in einem Tweet am 5. Januar. Darin heißt es: „Während der Demonstration der #gelehesjes #denhaag wurde eine Frau auf der Grundlage der Ausweispflicht festgenommen. Sie lief mit einem Kinderwagen mit einer Puppe darin umher. Sie konnte sich nicht ausweisen.“

Tweet der Polizei Den Haag. (Screenshot von Correctiv)
Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Während eines Gelbwesten-Protests in Den Haag war eine Frau der Polizei vorübergehend festgenommen worden. Der Grund: Sie hatte sich nicht ausweisen können. In ihrem Kinderwagen befand sich kein Baby, sondern eine Puppe.

Bewertung: teilweise falsch

Nein, es durchbrechen nicht 20.000 Flüchtlinge mit Kreditkarten die kroatische Grenze

Das Video des Users Micha Elel zeigt mehrere Menschen, die an Polizisten vorbei über die Grenze rennen. Screenshot: CORRECTIV
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Das Video des Users Micha Elel zeigt mehrere Menschen, die an Polizisten vorbei über die Grenze rennen. Screenshot: CORRECTIV
Das Video des Users Micha Elel zeigt mehrere Menschen, die an Polizisten vorbei über die Grenze rennen. Screenshot: CORRECTIV

von Anna Mayr

Auf Facebook kursiert ein Video, auf dem Menschen eine Polizeikette durchbrechen. Doch die Behauptungen, die im Kontext des Videos aufgestellt werden, sind falsch.

Der User Micha Elel hat auf Facebook ein Video geteilt, auf dem Menschen aus einer Ansammlung Zelte herauslaufen und versuchen, durch eine Polizeikette zu rennen.

Micha Elel schreibt dazu: „Jetzt sind sie durch. An der serbisch/kroatischen Grenze. Ca 20.000 hochagressive Mohammedaner. Bewaffnet und mit Kreditkarten der EU und UN ausgestattet…“

Das stimmt so nicht.

Unruhen am Grenzübergang

Richtig ist, dass es sich tatsächlich um eine Szene handelt, bei der Menschen versuchen, von Bosnien nach Kroatien zu gelangen. Richtig ist auch, dass diese Menschen Flüchtlinge sind.

Die gefilmte Szene zeigt eine Brücke, daneben zwei Wiesen. In dem Video sieht man außerdem ein Straßenschild. Der Faktenfinder der Tagesschau hat bereits einen Beitrag über das Gerücht geschrieben, es wären 20.000 Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. In diesem Beitrag ist auch ein Foto. Der Untertitel des Fotos: „Die Polizei blockiert etwa 100 Flüchtlinge im Grenzgebiet zu Kroatien.“

Der Faktenfinder der Tagesschau zeigt den Aufstand aus einer anderen Perspektive. Screenshot: Correctiv
Der Faktenfinder der Tagesschau zeigt den Aufstand aus einer anderen Perspektive. Screenshot: Correctiv

Links auf dem Foto erkennt man das Straßenschild, das man auch in dem Video auf Facebook sieht. Nach etwa einer Minute ist im Video auch ein gelbes Schild zu sehen. So auch auf dem Bild, das die ARD der bosnisch-kroatischen Grenze zuordnet. Das Straßenschild zeigt in Richtung zweier Städte: Velika Kladusa in Bosnien-Herzegowina und Karlovac in Kroatien. Anhand der Lage beider Städte haben wir auf Google Maps den Grenzübergang gefunden, an dem sich die Szene abgespielt hat. Die Satellitenansicht deckt sich mit dem, was man auf dem Video und dem Bild der ARD von der Szene sieht.

Google-Maps-Karte: Die Straße, die die etwa 100 Flüchtlinge überquert haben, um nach Kroatien zu gelangen.
Google-Maps-Karte: Die Straße, die die etwa 100 Flüchtlinge überquert haben, um nach Kroatien zu gelangen.

Die Zahl 20.000 kommt laut Faktenfinder daher, dass im Jahr 2018 in Bosnien-Herzegowina insgesamt 20.000 Flüchtlinge registriert wurden. Von ihnen halten sich allerdings nur etwa 5.000 dauerhaft in Bosnien-Herzegowina auf. Und nicht alle versuchen gerade, über die Grenze nach Kroatien zu kommen. Das bestätigten auch das österreichische Innenministerium und die UNHCR gegenüber Faktenfinder.

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Beide Stellen bestätigten außerdem, dass die Lage zur Zeit unter Kontrolle sei. Auf dem Video sieht das anders aus. Die Polizeikette wirkt machtlos gegen die Menschen, die sie durchbrechen. Auf dem Bild, das die ARD gepostet hat, sieht man eine andere Perspektive: Deutlich mehr Polizisten blockieren die Straße, hinter ihnen auf der Brücke, die der einzige Weg über den Grenzfluss in Richtung Kroatien ist, warten noch mehr Polizisten.

Dass die Flüchtlinge Kreditkarten der UNHCR haben, ist auch falsch. CORRECTIV hat über dieses Gerücht bereits berichtet: Diese Kreditkarten erhalten nur Flüchtlinge in Griechenland – und dort ausschließlich registrierte Asylbewerber oder Drittstaatsangehörige mit polizeilichen Führungszeugnissen, die sich legal in Griechenland aufhalten. Die Karten der UNHCR sind nur in dem Land verwendbar, in dem sie ausgestellt wurden. Die Flüchtlinge würden beim Grenzübertritt in ein anderes Land diese finanzielle Hilfe also verlieren.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Das Video zeigt tatsächlich eine Szene an der Grenze zwischen Bosnien-Herzegowina und Kroatien. Aber es waren nur etwa 100 Menschen, die über die Grenze laufen wollten. Sie sind nicht mit Kreditkarten der UNHCR ausgestattet.

Bewertung: teilweise falsch

Diese Bilder stammen nicht von den Gelbwesten-Protesten in Frankreich

FRANCE-SOCIAL-POLITICS-ENVIRONMENT-OIL-DEMO
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FRANCE-SOCIAL-POLITICS-ENVIRONMENT-OIL-DEMO
Die Bereitschaftspolizei konfrontiert Demonstranten der Gelbwesten-Bewegung am 24. November 2018 in der Nähe des Arc de Triomphe auf den Champs Elysees in Paris. Die Proteste richten sich gegen steigende Ölpreise und Lebenshaltungskosten. (Photo by Bertrand GUAY / AFP)

von Caroline Schmüser

Auf sozialen Netzwerken kursieren derzeit Bilder, die verletzte Demonstranten der Gelbwesten-Proteste in Frankreich zeigen sollen. Nicht alle Fotos wurden in Frankreich aufgenommen.

Die Facebookseite Döbeln wehrt sich veröffentlichte am 25. November einen Screenshot,  scheinbar von einem anderen Facebook-Post. Darauf zu sehen sind mehrere Fotoaufnahmen mit blutenden Personen und Szenen von Protesten. SO geht Macron mit friedlichen Demonstranten um!, kommentiert Döbeln wehrt sich die Fotos.

Laut der Facebookseite Döbeln wehrt sich stammen diese Fotos angeblich von den Gelbwesten-Protesten in Frankreich. (Screenshot von Correctiv)

Döbeln wehrt sich suggeriert, die Bilder seien während der Proteste der französischen „Gelbwesten“-Bewegung entstanden. Die Bewegung ist nach den gelben Auto-Warnwesten benannt. Sie richtete sich ursprünglich gegen zu hohe Spritpreise, inzwischen ist Präsident Emmanuel Macron persönlich ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Eine einheitliche politische Richtung verfolgt die Bewegung nicht.

Am Samstag den 17. November – dem Höhepunkt der Proteste –  hatten landesweit über 280.000 Menschen demonstriert. Das berichtete das französische Innenministerium. Am darauffolgenden Samstag sanken Medienberichten zufolge die Teilnehmerzahlen: demnach gingen an diesem Tag 106.000 Personen in ganz Frankreich auf die Straße.

Nicht alle Bilder auf dem Screenshot von Döbeln wehrt sich wurden in Frankreich aufgenommen. Wir haben den Ursprung der Fotografien recherchiert.

Foto von junger Frau mit blutüberströmten Gesicht in Madrid aufgenommen

Eines der Bilder zeigt eine Frau mit blutüberströmten Gesicht, neben ihr augenscheinlich ein Polizist mit Helm. Das Foto stammt nicht von den Protesten in Frankreich. Über die Google-Bildersuche konnten wir den Ursprung des Fotos nachvollziehen.

Die Aufnahme stammt von dem in Madrid lebenden Fotografen Denis Doyle. Auf seiner Webseite kann man nicht nur das Foto finden, sondern auch über dessen Hintergrund erfahren: Es zeigt eine von der spanischen Polizei festgenommene Frau während der Bergarbeiter-Proteste in Madrid am 11. Juli 2012.

Das Bild wurde vom Fotografen Denis Doyle aufgenommen. Es zeigt die Festnahme eine Demonstrantin in Madrid. (Screenshot von Correctiv)

Auch in der Datenbank der Bildagentur Getty Images ist das Foto auffindbar.

Herkunft des Fotos von älterer Frau liegt in Spanien

Auf einem weiteren Bild ist eine ältere Frau zu sehen. Sie hat ebenfalls ein blutendes Gesicht. Das Foto wurde nicht in Frankreich aufgenommen, sondern in Spanien.

Laut der Rückwärts-Suchmaschine Tineye.com tauchte die Aufnahme erstmals am 1. Oktober 2017 auf Twitter auf. Ein Nutzer veröffentlichte das Bild und schrieb: Shame on you Spain! We won’t forget #CatalanReferendum.

Das Bild soll laut einem Twitternutzer während den Auseinandersetzung um das Katalanische Unabhängigkeitsreferendum am 1. Oktober 2017 aufgenommen worden sein. (Screenshot von Correctiv)

An diesem Datum hatte die Lokalregierung Kataloniens ein umstrittenes Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens abgehalten. Die spanische Regierung versuchte das Referendum durch mitunter gewaltsamen Einsatz der spanischen Polizei zu verhindern. Auf Twitter diskutieren Nutzer über die Echtheit des Bildes.

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Zwei Bilder zeigen Szene von Gelbwesten-Protesten

Ein anderes Bild zeigt einen Mann, der von Polizisten über den Boden gezogen wird. Er trägt eine gelbe Warnweste. Hierbei handelt es sich tatsächlich um eine Szene der Gelbwesten-Proteste in Frankreich.

Über die Google-Bildersuche landeten wir auf der Webseite der englischen Tageszeitung The Mercury News, die das Bild in einem Artikel über die Proteste in Frankreich verwendete. Als Urheber nennt die Zeitung den Fotografen Fred Tanneau.

Das Bild konnten wir ebenfalls in der Datenbank von Getty Images finden, so wie weitere Aufnahmen des Fotografen von den Protesten in Frankreich. Demonstranten werden am 17. November 2018 in Quimper, Westfrankreich, während eines landesweit initiierten Protests gegen hohe Spritpreise mit dem Namen ‘gelbe Westen’ evakuiert, heißt es in der offiziellen Beschreibung des Bildes.

Auf der Webseite der Bildagentur Getty Images konnten wir die Bilder von Fred Tanneau finden. (Screenshot von Correctiv)

Auch ein anderes Foto von Fred Tanneau ist auf dem Screenshot der Facebookseite Döbeln wehrt sich zu sehen. Darauf sieht man eine Person, die von Polizisten weggetragen wird. Es wurde ebenfalls am 17. November in Quimper aufgenommen.

Wer Bilder erstmals gebündelt teilte, bleibt unklar

Den Ursprung des verbleibenden Bildes – darauf zu sehen ist ein junger Mann mit schwarzer Kapuze und blutigem Gesicht – konnten wir nicht herausfinden.

Welcher Facebook-Account die Bilder erstmals gebündelt teilte, bleibt ebenfalls unklar.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Zwei der Bilder haben ihren Ursprung in Spanien, die Herkunft eines anderen Bildes bleibt unklar. Zwei weitere Bilder wurden tatsächlich während der Gelbwesten-Proteste in Frankreich aufgenommen.

Bewertung: falsch

Junckers Schuhe hatten die gleiche Farbe

Participation of Jean-Claude Juncker, President of the EC in the EU-South Africa summit.
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Participation of Jean-Claude Juncker, President of the EC in the EU-South Africa summit.
Participation of Jean-Claude Juncker, President of the EC in the EU-South Africa summit. © European Union , 2018 / Source: EC - Audiovisual Service / Photo: Etienne Ansotte

von Jacques Pezet

Auf sozialen Netzwerken wird behauptet, dass der Präsident der europäischen Kommission eine Konferenz verließ, weil er einen braunen und einen schwarzen Schuh trug. Das stimmt nicht.

Es ist ein bisschen wie die Geschichte des schwarz-blauen Kleides, das 2015 im Internet auftauchte und das man in verschiedenen Farben sehen konnte. Mehrmals wurde ein Video aus einer Pressekonferenz geteilt, in dem Jean-Claude Juncker, der Präsident der EU-Kommission, den Raum verlässt. Als seine Assistentin zu ihm kommt, scheint sie auf seine Schuhe zu gucken. Für viele Menschen, die ihm im Internet eher feindselig gegenüberstehen, ist der Grund für seinen Abschied bei der Konferenz die Tatsache, dass er einen schwarzen Schuh und einen braunen Schuh trug.

Das Video mit dem Vorwurf wurde von der Facebook Seite „Voice of Europe“ und viele anderen geteilt und erhielt mehr als eine Million Views.

Here's EU boss Juncker who wants an EU army. He holds a press conference with a black and a brown shoe

Gepostet von Voice of Europe am Freitag, 16. November 2018

Correctiv hat nach anderen Bildern des Treffens gesucht, um zu sehen, ob der Kommissionspräsident sich an diesem Tag von Pierre Richards Kleidungsstil im „großen Blonde mit dem schwarzen Schuh“ inspirieren hat oder ob es sich um eine optische Illusion handelt.

Woher kommt das Video?

Das Originalvideo hat die Financial Times Journalistin Mehreen Kahn am 15. November um 13.36 Uhr auf Twitter gepostet. Sie schrieb: „Jean Claude Juncker hat eine Pressekonferenz mit dem südafrikanischen Präsidenten mittendrin verlassen. Nicht sicher, warum“.

In weiteren Tweets erklärte die Journalistin: „Juncker rief seine Assistentin auf der Bühne an und sagte ihr, dass er gehen müsse. Kein Zeichen dafür, dass er eine Nachricht oder Aufforderung erhalten hat. Juncker ist nach einem kurzen Zwischenspiel wieder da – die Assistentin sagt, dass er an Erkältung / Husten leidet. Sieht so aus, als ob diese Pressekonferenz nach ein paar Fragen abgebrochen wird – und Juncker hat es ein wenig schwer. Juncker wird von einem Journalisten gefragt, ob es ihm nach der Abreise und der Rückkehr zur Pressekonferenz gut geht. Er antwortet: Nein“

 Juncker trug nur schwarze Schuhen

Am 15. November nahmen Jean-Claude Juncker‚ Präsident der Europäischen Kommission, Donald Tusk, Präsident des Europäischen Rates und der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa an dem Gipfeltreffen EU-Südafrika teil. Von diesem Treffen kann man verschiedene Bilder in der Fotodatenbank verschiedener Nachrichtenagenturen finden. Für AP und AFP haben die Fotografen John Thys und Emmanuel Dunand Bilder vor der Pressekonferenz gemacht. Das weiß man, weil die Nachrichtenagentur AP teilt, dass die Fotos vor der Pressekonfenz an ihre Kunden geschickt worden sind. Auf beiden Fotos sind die Schuhen von Juncker schwarz.

South African President Cyril Ramaphosa (C) is welcomed by European Council President Donald Tusk (L) and European Commission President Jean-Claude Juncker at the start of a EU-South Africa summit at the European Council on November 15, 2018. (Photo by Emmanuel DUNAND / POOL / AFP)
South African President Cyril Ramaphosa (L) meets with European Council President Donald Tusk (C) and European Commission President Jean-Claude Juncker at the start of a EU-South Africa summit at the European Council on November 15, 2018. (Photo by Emmanuel DUNAND / POOL / AFP)

Einen anderen Beweis für die  schwarzen Schuhe vom EU-Kommisionspräsidenten kann man in den Fotos der EU-Kommission finden. Dort sind die Schuhen auch nur schwarz. Correctiv hat die Fotos des Treffens heruntergeladen und ihre Metadaten gelesen. So konnten wir herausfinden, dass das Bild im Stehen um 10.06 Uhr, wenige Minuten vor dem Bild im Sofa um 10.08 Uhr gemacht wurde. Bilder der Pressekonferenz zeigen, dass sie zwischen 13.28 Uhr und 13.55 stattfand.

Diese Reihenfolge beweist auch ein Video der EU-Kommission, in dem die drei Männer im Stehen fotografiert werden und dann in den Raum mit den Sofas gehen.

Unsere Bewertung:
Jean-Claude Juncker trug nicht einen schwarzen und einen braunen Schuh bei einem Gipfeltreffen mit dem südafrikanischen Präsidenten.

Bewertung: teilweise falsch

Nein — es gibt keine EU-Norm für zu große Zucchini

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Es gibt keine EU-Norm für die Größe von Zucchini. (Symbolbild)© krzys16 / pixabay

von Kjell Knudsen

Sind EU-Normen schuld, dass ein Bauer eine ganze Ladung Zucchinis wegwerfen musste? Nein. Warum das falsch ist, erklären wir in unserem Faktencheck.

Der Blog „Politikstube“ hat über einen deutschen Bauern berichtet, der angeblich eine Ladung Zucchini entsorgen musste. Schuld sei der „Normwahn der EU“ heißt es im Titel der Meldung. Weil die Früchte zu groß waren, dürfe der Bauer die Zucchini nicht auf den Markt bringen. CORRECTIV hat diese Behauptung überprüft und herausgefunden: Eine EU-Norm für Zucchini gibt es nicht.

Am 5. August 2018 hat der Bauer Andre Fennert Bilder seiner Zucchini-Ernte auf Facebook gepostet. Zu den Fotos veröffentlichte er einen Kommentar. Er schreibt, die Zucchini seien „Abfall“ und könnten nicht verkauft werden. Durch die anhaltende Hitze seien die Früchte außergewöhnlich schnell gewachsen und überschritten die zulässige Maximalgröße. Nur Zucchini, die maximal 28 Zentimeter lang seien, hätten in Deutschland eine Chance auf Vermarktung.

Den Text dieses „Facebook“-Posts hat die Seite „Politikstube“ übernommen und am 7. August unter dem Titel: „Bauer berichtet über den Normwahn der EU“ veröffentlicht. In seinem Facebook-Post erwähnte der Landwirt Andre Fennert jedoch gar keine EU-Normen.

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Screenshot des Facebook-Posts von Landwirt Andre Fennert

Gibt es eine EU-Norm für die Größe von Zucchini?

Stimmt die Behauptung, die die Seite „Politikstube“ aufstellt? Können wegen einer EU-Norm keine zu großen Zucchini verkauft werden?

Zum 1. Juli 2009 wurden alle speziellen Vorgaben der Europäischen Union für Zucchini und 25 weitere Obst- und Gemüsesorten aufgehoben. Für Zucchini gelten seitdem keine speziellen Vermarktungsnormen mehr.

Alle Obst- und Gemüsesorten müssen aber den allgemeinen Vermarktungsnormen entsprechen. Das heißt, sie müssen etwa frei von Schädlingen und Schimmel sein. Auch Früchte, die zu lange oder zu kurz gereift sind, dürfen nicht vermarktet werden. Eine Größenvorgabe gibt es von der EU aber nicht.

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Screenshot vom 15.08.2018 der allgemeinen Vermarktungsnorm für Obst und Gemüse in der EU

Unabhängig von der EU gibt es für Obst und Gemüse Richtlinien der Vereinten Nationen. Die Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) schlägt in diesen Richtlinien Vermarktungsnormen für den internationalen Handel vor. Das hat uns der Deutsche Bauernverband in einer Antwort auf eine Presseanfrage von CORRECTIV mitgeteilt.

Die Richtlinien der UNECE sind nur eine Empfehlung und können vom Einzelhandel freiwillig befolgt werden. In den Richtlinien ist angegeben, dass Zucchini in einem Packstück beim Verkauf an den Einzelhändler eine einheitliche Größe haben müssen. Ein Packstück kann zum Beispiel eine Kiste mit fünf Kilogramm losen Zucchini sein. Eine Maximalgröße ist von der UNECE nicht vorgeschrieben. Alle Zucchini, die länger als 35 Zentimeter sind, können in einem Packstück verkauft werden.

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Screenshot der UNECE Normen für Zucchini aus der Antwortmail des Bauernverbandes vom 09.08.2018

Kommen große Zucchini nicht in den Verkauf?

In seinem Facebook-Post erwähnt der Landwirt Andre Fennert keine EU-Normen. Er schreibt, dass er seine Zucchini wegen der „vom LEH aufgelegten Norm zur Vermarktung“ entsorgen musste. „LEH“ bedeutet: Lebensmitteleinzelhandel.

Stimmen die Aussagen im Facebook-Post? Müssen deutsche Bauern zu große Zucchinis wegwerfen, weil sie nicht verkauft werden können?

Wir haben mit dem Landwirt Fennert gesprochen. Dabei erklärte Fennert, dass die „Handelspartner die Regeln vorgeben.“ Jede Ladenkette könne eigene Richtlinien aufstellen. Wir haben diese Aussagen geprüft und beim Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels nachgefragt.

„Die Regelungen über die Beschaffenheit des Produktes unterliegen der Vertragsfreiheit“, antwortete Christian Böttcher vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels auf unsere Presseanfrage. Supermärkte können also frei entscheiden, welche Zucchini sie annehmen oder nicht.

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Screenshot einer Antwortmail vom 14.08.2018 von Christian Böttcher, Pressesprecher des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels, auf eine Presseanfrage von EchtJetzt

„Der deutsche Markt orientiert sich sehr stark an den UNECE-Normen“, schreibt eine Sprecherin der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in ihrer Antwort auf eine Presseanfrage von EchtJetzt. „Auch Zucchini werden daher häufig nach der UNECE-Norm FFV-41 gehandelt“, erklärt sie. Daher ordere der deutsche Lebensmitteleinzelhandel oftmals 21 bis 28 cm große Zucchinis. Dabei könnten die Märkte auch strengere Kontrollen durchführen, als von der Norm vorgesehen.

Auf ihrer Website betont die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, dass generell der Verkauf von Zucchinis über 35 cm möglich ist.

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Screenshot vom 17.08.2018 von der Seite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

Wieso erwähnt „Politikstube“ die EU?

Mit der Überschrift „Bauer berichtet über den Normwahn der EU“ zog die Seite „Politikstube“ eine Verbindung zwischen dem Facebook-Post und angeblichen EU-Normen.

Wir haben bei dem Blog „Politikstube“ nachgefragt, auf welchen Quellen diese Behauptung beruht.

In seiner Antwort erklärte das „Team Politikstube“, die Größenangaben für die Vermarktung hätten etwas mit der EU-Norm für Verpackungen zu tun und verwies auf einen Artikel der „Mallorca Zeitung“ als Quelle.

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Screenshot einer Antwortmail von „Politikstube“ vom 13.08.2018 auf eine Presseanfrage von EchtJetzt

Dort schreibt die Autorin: „Weil die EU-Norm es vorschreibt, dass in ein „Packstück” lauter gleich große Früchte kommen müssen, werden die Erntearbeiter darauf achten, dass jede Zucchini zwischen 14 und 21 Zentimeter lang ist.“

Eine EU-Norm gibt es aber seit 2009 nicht mehr, das hat die Pressestelle der europäischen Kommission gegenüber CORRECTIV bestätigt. Nach der UNECE-Norm, müssen die Zucchini in einem Packstück zwar gleichmäßig groß sein, es ist aber keine Höchstlänge festgelegt.

Tatsächlich können Supermärkte Obst und Gemüse ablehnen, sie unterliegen dabei keinen gesetzlichen Vorschriften. Eine maximale Größe von Zucchini schreiben weder die EU, noch die UNECE-Normen vor. Die Überschrift des „Politikstube“-Artikels ist deshalb irreführend.

Unsere Bewertung:
Falscher Titel. Es gibt keine EU-Norm, die eine maximale Größe für Zucchini vorschreibt. Supermärkte können eigene Richtlinien aufstellen und sind gesetzlich nicht gebunden.