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Faktencheck

Fakten für die Demokratie

Falschmeldungen stellen eine Gefahr für die Demokratie dar. Unsere Faktenchecker gehen Gerüchten nach und veröffentlichen ihre Rechercheergebnisse auf dieser Seite. Mehr erfahren

Bewertung: richtig

Ja, Grundschulkinder aus Melle führten Theaterstück in Moschee auf

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Dieser Elternbrief einer niedersächsischen Grundschule wird derzeit auf sozialen Netzwerken verbreitet. (Screenshot von Correctiv)

von Caroline Schmüser

Ein Elternbrief einer Grundschule nahe Osnabrück sorgte für Kritik auf den sozialen Netzwerken: Grundschulkinder würden anlässlich des Geburtstags des Propheten Mohammeds ein Theaterstück in einer örtlichen Moschee besuchen. Ist das Schreiben echt? CORRECTIV hat bei der Schulleitung nachgefragt.

Auf Facebook verbreitet sich derzeit das Foto eines Elternbriefs einer Grundschule im niedersächsischen Melle vom 18. Januar. Darin heißt es, „anlässlich des Geburtstags des Propheten Mohammeds“ würden Schülerinnen und Schüler der Grundschule am 22. und 23. Januar 2019 gemeinsam mit ihren Lehrkräften ein Theaterstück in einer örtlichen Moschee ansehen. Datiert ist das Schreiben auf den 18. Januar.

Die Fotografie eines Elternbriefes einer Grundschule in Melle verbreitet sich derzeit auf Facebook. (Screenshot mit Schwärzung von Correctiv)

Viele Kommentierende scheinen erbost über den Elternbrief. „Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. Mein Kind wäre an diesem Tag krank“, schreibt ein Nutzer. Andere sehen in dem Schreiben kein Problem. „Meine Tochter musste auch immer an den evangelischen Gottesdiensten in der Schule teilnehmen, obwohl wir Atheisten sind. Es hat ihr nicht geschadet“, schreibt eine Kommentatorin. Weitere Nutzer hingegen zweifeln die Echtheit des Briefes an.

Wir haben mit dem Leiter der Grundschule telefoniert. Das Schreiben ist echt.

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Theaterstück wurde von Schülerinnen und Schülern der Grundschule aufgeführt

Tatsächlich hatten die Schülerinnen und Schüler ein Theaterstück in einer örtlichen Moschee angesehen. Organisiert wurde die Aufführung jedoch nicht von der Moscheegemeinde. Schülerinnen und Schüler der Grundschule hatten das Stück vorbereitet und aufgeführt.

Die Aufführung sei mit der Landesschulbehörde, dem Schulamt sowie dem Pressesprecher der Gemeinde abgeklärt worden, so der Schulleiter im Telefonat mit CORRECTIV. Thematisch sei im Theaterstück die Geburt des Propheten behandelt worden, ähnlich eines Krippenspiels.

Der Brief sei dem Schulleiter zufolge von einem Elternteil ohne vorherige Absprache mit der Schule abfotografiert und über Whatsapp verbreitet worden. Daraufhin hatte die Schule zahlreiche wütende Anrufe und E-Mails erhalten. „Wir sind gerne bereit, Fragen der Eltern von Kindern unserer Grundschule zu beantworten“, sagte der Schulleiter gegenüber CORRECTIV – nicht jedoch von Personen aus ganz Deutschland.

Von Seiten der Eltern der Grundschulkinder habe es sonst nur eine kritische Rückmeldung zum Theaterstück gegeben – die Zweifel des Elternteils hätten sich jedoch nach einer kurzen Rücksprache mit dem Schulleiter ergeben.

Vermeintlicher Elternbrief von Dresdner Grundschule ist eine Fälschung

Zur selben Zeit war auch ein ähnlicher Brief auf sozialen Medien verbreitet worden, datiert auf den 23. Januar 2019. Darin empfahl die Schulleiterin einer Dresdner Grundschule vermeintlich den Kauf eines Korans für eine Themenwoche „im Sinne des Korans“. Sie kündigt außerdem angeblich den Besuch von vier Imamen an.

Dabei handelte es sich um eine Fälschung, bestätigte die Pressestelle des sächsischen Bildungsministeriums auf Twitter.

Möglicherweise war das Fake-Schreiben von den Gerüchten um den Elternbrief der Grundschule Melle beeinflusst.

Unsere Bewertung:
Wahr. Schülerinnen und Schüler der Grundschule hatten ein Theaterstück in einer örtlichen Moscheegemeinde aufgeführt, das die anderen Klassen besuchten.

Bewertung: größtenteils richtig

Nein, Flüchtlinge dürfen Busse der Deutschen Bahn nicht kostenlos nutzen

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Ticketautomat der Deutschen Bahn am Berliner Hauptbahnhof. (Photo by John MACDOUGALL / AFP)

von Caroline Schmüser

Eine Dienstanweisung der Deutschen Bahn macht derzeit auf Facebook die Runde. Demnach sollen Flüchtlinge die Busse einer Tochtergesellschaft kostenlos nutzen dürfen. Ist die Weisung echt? CORRECTIV hat mit der Deutschen Bahn gesprochen.

Ein Facebook-Nutzer veröffentlichte am 3. Februar ein Foto einer Dienstanweisung der Regionalbusgesellschaft Südbadenbus, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn. In dem Schreiben heißt es, in den Bussen des Unternehmens würde „das Thema Flüchtlinge immer akuter“.

Daher sei eine „einheitliche Vorgehensweise“ eingeführt worden: „Flüchtlinge werden grundsätzlich befördert auch ohne Fahrschein. Der Fahrer entscheidet nach bestem Wissen und Gewissen wer Flüchtling ist – im Zweifel mitnehmen.“ Das Schreiben ist datiert auf den 8. Oktober 2015. Ist es echt? Wir haben bei der Deutschen Bahn nachgefragt.

Diese Dienstanweisung veröffentlichte ein Facebook-Nutzer – das Schreiben ist zwar echt, beruhte jedoch auf einem Missverständnis. (Screenshot CORRECTIV)

Dienstanweisung ist echt, beruht jedoch auf Missverständnis

Die Dienstanweisung gab es wirklich – sie wurde jedoch laut der Deutschen Bahn wegen eines Missverständnisses versehentlich herausgegeben, und kurz darauf wieder zurückgenommen.

„Es gibt keine besondere Regelung für Flüchtlinge“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Telefon gegenüber CORRECTIV. Flüchtlinge benötigten – wie alle anderen Fahrgäste auch – einen Fahrschein, um das Angebot der Deutschen Bahn zu nutzen.

Die österreichischen Faktenchecker von Mimikama berichteten bereits im Oktober 2015 über die Hintergründe der Dienstanweisung.

Unsere Bewertung:
Die Weisung ist echt, wurde aber bereits im Jahr 2015 zurückgenommen. Flüchtlinge benötigen Fahrscheine, um das Angebot der Deutschen Bahn zu nutzen.

Bewertung: teilweise falsch

Tayfun Keltek fordert nicht nur Türkisch- statt Englischunterricht an Grundschulen in NRW

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Nordrhein-Westfalen diskutiert über eine Reform der Grundschulen Foto: DALIBRI [CC BY-SA 3.0], from Wikimedia Commons

von Hüdaverdi Güngör

Eine Facebook-Umfrage sorgt für große Aufregung: Tayfun Keltek vom Landesintegrationsrat soll statt Englisch-Unterricht Türkisch an den Grundschulen in Nordrhein-Westfalen gefordert haben. Die Nutzer können abstimmen, ob sie für Englisch oder Türkisch sind. Die Angaben in dem Beitrag zu der Umfrage sind jedoch nicht vollständig.

Die Facebook-Seite „SAT.1-NRW“ startete am 08. Februar 2019 eine Umfrage. Innerhalb weniger Stunden wurde die Umfrage über 450 Mal geteilt. Insgesamt gaben Nutzer 7705 Stimmen ab (Stand 08. Februar 18:23 Uhr). Die Seite schreibt zu der Umfrage: „Der Englischunterricht an den NRW-Grundschulen soll reformiert werden.Tayfun Keltek vom Landesintegrationsrat schlägt jetzt vor: Unterrichtet türkisch statt englisch! Was haltet ihr von der Idee?“ Die Nutzer konnten zwischen Englisch und Türkisch wählen. Wir haben recherchiert, was es mit der Forderung auf sich hat.

Screenshot des Beitrages Foto: CORRECTIV

Beleidigungen und Spott für den Vorschlag

Der Vorschlag des türkeistämmigen Politikers und Vorsitzenden des Landesintegraionsrats Nordrhein-Westfalen sorgt in den Kommentaren für große Aufregung und für zum Teil beleidigende Bemerkungen. Ein Nutzer schreibt: „Türkisch statt englisch R. I. P. Germany“, ein weiterer schreibt: „Bevor deutsche Kinder Türkisch lernen sollen türkischen Mitbürger erstmal richtig Deutsch lernen“. Eine andere Nutzerin schlägt vor, Tayfun Keltek des „Landes zu verweisen“.

Screenshot aus den Kommentaren Foto: CORRECTIV

Wir haben über Google-News nach der Originalquelle für den Vorschlag von Keltek gesucht. Mehrere Medien berichteten heute darüber. Die FAZ titelt: „Türkisch- statt Englischunterricht in der Grundschule?“, die BILD titelt; Türkisch statt Englisch? Gebauer lehnt Vorstoß ab“. Nur Der Westen und das Contra Magazin führen im Titel ihrer Artikel den Vorschlag weiter aus. Denn tatsächlich hat Keltek nicht nur Türkischunterricht als Ersatz für Englisch gefordert, sondern auch Polnisch und Russisch. Fast alle Artikel nennen als Quelle den Kölner Stadtanzeiger.

Ergebnisse der Google-Suche Foto: CORRECTIV

Ursprung und Kontext der Information

Der Kölner Stadtanzeiger veröffentlichte am 8. Februar 2019 um 06.03 Uhr ein Interview mit Tayfun Keltek, Vorsitzender des nordrhein-westfälischen Integrationsrats. Das Interview trug den Titel: „‘Signal der Wertschätzung’ – Muttersprache statt Englisch an NRW-Grundschulen gefordert“. Hintergrund des Artikels ist eine geplante Reform der Grundschulen in NRW nach der der Englischunterricht in den ersten beiden Schuljahren abgeschafft werden soll.

In dem Interview sagte Keltek unter anderem: „Ich bin dafür, den Englischunterricht an Grundschulen ganz abzuschaffen – nicht nur in den ersten beiden Schuljahren.

Bezüglich einer Alternative zum Englischunterricht, der gestrichen werden soll, äußert er folgenden Vorschlag: „(Die Kinder) sprechen zum Beispiel türkisch, russisch, polnisch. Für die deutschen Kinder wäre es einfacher, sie würden diese Sprachen erlernen. Und die Kinder mit Migrationshintergrund hätten mehr Zeit, sich auf das Deutsche zu konzentrieren.“

Sechs stunden später veröffentlichte die WAZ ebenfalls ein Interview mit Keltek. Dort ist sein Vorschlag ausführlicher: „Die Entscheidung, welche Sprache gemeinsam mit den deutschen Kindern gelernt wird, soll sich in der Grundschule an der Größe der Gruppe orientieren. Gibt es in einer Klasse unter den Kindern mit Migrationshintergrund vor allem Türken, würde Türkisch angeboten. Möglich wäre auch Polnisch-, Russisch- oder Italienischunterricht.“

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Erklärung von Keltek zum Interview mit dem Kölner-Stadtanzeiger

Der Landesintegrationsrat veröffentlichte am 8. Februar eine Pressemitteilung in Reaktion auf das Interview im Kölner Stadtanzeiger.

Keltek stellt darin klar: „Es geht nicht ums Türkische. Es geht darum, den Lebensrealitäten der Kinder in unserem Land gerecht zu werden. Angenommen, ein Kind spricht von Haus aus Italienisch und Deutsch, wäre es für die sprachliche Entwicklung dieses Kindes von großem Vorteil, diese Kenntnisse gerade in den ersten Schuljahren zu vertiefen und Italienisch auch in der Schriftsprache zu beherrschen. Es gibt ausreichend Studien darüber, dass auf diesem Weg das Erlernen bzw. Verbessern der deutschen Sprache leichter fällt und die kognitiven Fähigkeiten der Kinder ausgebaut werden.‘“

Unsere Bewertung:
Kontext fehlt. Tayfun Keltek schlug neben der türkischen Sprache auch Polnisch, Russisch und Italienisch als Alternativen zu Englisch vor.

Bewertung: unbelegt

Unbelegte Gerüchte über den Tod einer Grundschülerin

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Der Tod einer Schülerin wird von Gerüchten und Spekulationen begleitet. (Symbolbild: coyot / pixabay)

von Andreas Rossbach

Nach dem Tod einer elfjährigen Grundschülerin in Berlin sind noch viele Fragen ungeklärt. Zunächst berichteten Medien von einem Suizid wegen Mobbing. Doch bislang gibt es weder eine offizielle Bestätigung für den Suizid, noch ist der genaue Hintergrund bekannt.

Ein angeblicher Suizid, angeblich wegen Mobbing – bisher ist davon nichts offiziell bestätigt. Hinzu kommt nun die unbelegte Behauptung, dass „Neubürgerkinder“ gemobbt hätten. Mehr als 600 Mal haben Facebook-Nutzer das Bild mit der Behauptung von Höhne Ralf geteilt.

Facebook-Post von Nutzer Ralf Höhne

Tod im Krankenhaus nach Suizidversuch?

In einem Artikel vom 5. Februar 2019 schreibt der Tagesspiegel, die Grundschülerin habe „vor einigen Tagen einen Suizidversuch unternommen“ und sei später „an den Folgen im Krankenhaus gestorben“. Dem Text zufolge bestätigten Elternvertreter der Grundschule, dass das Mädchen gemobbt worden sei und sich in der vergangenen Woche das Leben genommen habe. In den sozialen Medien wird das tragische Ereignis seit einigen Tagen kontrovers diskutiert. Bislang gibt es jedoch weder eine offizielle Bestätigung für den Suizid, noch ist der genaue Hintergrund des Todes klar. Mobbing und Gewalt in der Schule sind jedoch kein Einzelfall. Immer wieder, wurde in der Vergangenheit über ähnliche Fälle berichtet.

Ein  Pressesprecher der Senatsbildungsverwaltung gibt im Namen der Familie des Mädchens folgende Bitte an die Medien weiter: „Als Familie, die um ihre verstorbene Tochter trauert, bitten wir die Medien darum, die öffentlichen Spekulationen über die Umstände des Todes unserer Tochter zu beenden.“ Durch die Berichterstattung würden sie sich in ihren Persönlichkeitsrechten und Privatsphäre verletzt fühlen, so die Angehörigen. „Wir haben unser Kind verloren und wünschen uns, endlich in Ruhe und ohne mediale Aufmerksamkeit in der Familie trauern zu können. Bitte respektieren Sie diesen Wunsch“, schreibt der Sprecher in einer E-Mail.

Im Sekretariat der Hausotter-Grundschule, die im Berliner Bezirk Reinickendorf liegt, ist wegen der Schulferien niemand erreichbar. Elternvertreter werfen der Grundschulleitung vor, nicht genug gegen Mobbing zu tun. Der Vorsitzende der Gesamtelternvertretung (GEV) der Schule, Yeliz Demirel sagte in einem Interview mit dem Tagesspiegel: „Natürlich ist es auf der einen Seite ganz wichtig, dass die massiven Probleme, die es an der Schule zweifellos gibt, endlich gelöst werden. Aber dazu sind jetzt auch wir Eltern gefragt. Wir haben schon ein Krisenteam gebildet.“

Zusammenhang zwischen Mobbing und Tod?

Viele Medien behaupten zwar, dass der Tod im Zusammenhang mit Mobbing steht – zum Beispiel „In Tod gemobbt: Grundschülerin in Berlin begeht Selbstmord“ (Sputnik) oder „Junge Schülerin tot – war Mobbing der Grund?“ (T-Online) – doch rund eine Woche nach dem Tod des Mädchens ist weiterhin unklar, was die tatsächlichen Ursachen sind.

Auf Anfrage von CORRECTIV sagt ein Sprecher der Senatsbildungsverwaltung: „Bisher ist nicht geklärt, inwieweit das Mädchen gemobbt wurde.“ Es könne aktuell lediglich bestätigt werden, dass es im letzten Schuljahr (vor den Sommerferien) in der Klasse des Mädchens Mobbing gab.

„Es wurde ein Todesermittlungsverfahren in die Wege geleitet, eine Pressekonferenz der Polizei Berlin wird es nicht geben, für weitere Informationen, wenden Sie sich bitte an die Staatsanwaltschaft“, sagt eine Pressesprecherin der Polizei Berlin am Telefon.

Auf Nachfrage von CORRECTIV teilt eine Pressesprecherin der Generalstaatsanwaltschaft Berlin mit: „Es folgt eine Obduktion des Leichnams, um festzustellen, ob ein strafrechtlicher Tatbestand vorliegt.“ Wenn nicht, werde das Verfahren eingestellt. Eine Obduktion sei noch nicht erfolgt.

Unsere Bewertung:
Unklar. Im Netz kursieren verschiedene Versionen der Tragödie. Bis jetzt steht jedoch nur fest, dass die elfjährige Grundschülerin gestorben ist. Ob es sich dabei tatsächlich um einen Suizid handelt und ob es einen Zusammenhang mit Mobbing gibt, ist unklar. Die Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln.

Bewertung: völlig falsch

Nein, Demokraten feiern Abtreibungsgesetz nicht mit Kuchen in Babyform

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Der Kuchen, mit dem angeblich Demokraten das neue Abtreibungsgesetz in New York gefeiert haben soll, wurde eigentlich für eine Halloween-Party kreiert – vor mehr als vier Jahren. (Symbolbild, Foto von Counselling / pixabay)

von Caroline Schmüser

Eine Facebookseite behauptet, Demokraten hätten das im Bundesstaat New York kürzlich neu beschlossene Abtreibungsgesetz mit einem Kuchen in Form eines Babys gefeiert. Stimmt das? CORRECTIV hat recherchiert.

Die Facebookseite „100% Jesus“ veröffentlichte am 1. Februar eine Fotomontage. Darauf zu sehen sind Bilder eines Kuchens in Form eines Babys, darüber folgender Text: „Das ist der Kuchen mit dem die linken Demokraten in New York ihren Sieg über das neue Abtreibungsgesetz gefeiert haben.“

Mit diesem Kuchen sollen Befürworter des neuen Abtreibungsgesetzes in New York die Verabschiedung gefeiert haben, behauptet eine Facebookseite.. Das ist aber falsch. (Screenshot von Correctiv)

Stammt das Bild tatsächlich von einer Party von Befürwortern des neuen Gesetzes zu Schwangerschaftsabbrüchen? CORRECTIV hat recherchiert.

Kuchen wurde vor einigen Jahren für Halloween-Party kreiert

Der Kuchen wurde von einem Dessert-Laden in New York hergestellt, genannt „Deviant Desserts“. Der Shop ist bekannt für seine außergewöhnlichen, teilweise gruseligen Kreationen. Lange suchen muss man nach den Fotos des Baby-Kuchens nicht: Das Gebäck ist bereits Teil des Titelbildes des Facebook-Accounts der „Deviant Desserts“-Konditorin Katherine Dey.

Erstmals stellte Dey Fotos des Kuchens im Oktober 2014 auf Facebook, ein weiteres Mal im Oktober 2016. „In Erinnerung an meinen Babykuchen“, kommentierte sie die Bilder. Den Kuchen kreierte sie also vor mehr als vier Jahren.

„Ich habe diesen Kuchen für eine Halloween-Party 2014 gemacht“, bestätigte Dey auf Nachfrage von CORRECTIV. „Wir haben ihn absolut NICHT für eine Abtreibungsparty nachgebildet.“ Sie sei derzeit damit beschäftigt, Herztrüffel für den Valentinstag herzustellen.

E-Mail der New Yorker Konditorin auf Nachfrage von CORRECTIV. (Screenshot von Correctiv)

US-Bundesstaat New York verabschiedete im Januar ein neues Gesetz zu Schwangerschaftabbrüchen

Der Kontext: In New York war am 22. Januar 2019 ein neues Gesetz zur Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen verabschiedet worden. Demnach können Frauen nun bis zur 24. Schwangerschaftswoche abtreiben – also bis zum sechsten Monat. Auch nach der 24. Schwangerschaftswoche ist eine Abtreibung theoretisch möglich, sollte „keine Lebensfähigkeit des Fötus bestehen“ oder das Verfahren „zum Schutz des Lebens oder der Gesundheit der Patientin erforderlich“ sein. Diese Feststellung muss von einem zugelassenen Mediziner getroffen werden.

Bisher waren Abtreibungen nach der 24. Woche nur dann erlaubt, wenn das Leben der Mutter gefährdet war.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Die Fotos sind bereits einige Jahre alt. Der Kuchen wurde von einer New Yorker Konditorin für eine Halloweenparty hergestellt.

Bewertung: unbelegt

Trinkwasser-Warnung in Heidelberg: Nein, keine Hinweise auf Terror

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In Heidelberg soll das Trinkwasser aktuell nicht genutzt werden. (Symbolbild: Pixabay / TanteTati)

von Cristina Helberg

Nach einer amtlichen Warnung vor dem Trinkwasser in Heidelberg kursieren im Netz Spekulationen. Richtig ist: Die Stadt hat den Verzehr des Trinkwassers untersagt. Der Hintergrund ist unklar. Hinweise auf Terror gibt es laut dem Pressesprecher der Stadt nicht.

„Aufgrund einer unbekannten Verunreinigung des Trinkwassers ist der Gebrauch sowie der Verzehr des Trinkwassers untersagt“. Diese Warnung erhielten Bürger für die Stadt Heidelberg heute Vormittag um 11 Uhr über die offizielle Warn-App NINA. Im Netz wird seitdem wild spekuliert. „War nur eine Frage der Zeit, bis der Terror auch hier ankommt. Gibt ja genug Leute, die das Land gerne auslöschen würden – siehe Jusos, Antifa etc.“, schreibt eine Facebook-Nutzerin. Ein anderer Nutzer schreibt „Darauf, dass sie uns das Wasser vergiften, habe ich gewartet!“. Für beide Behauptungen gibt es keine Belege.

Meldung der Warn-App NINA vom 7. Februar 2019

Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt die Pressestelle der Stadt Heidelberg die amtliche Warnung. Der Pressesprecher Timm Herre erklärt am Telefon: „Es gibt bisher keine Hinweise auf Sabotage oder Terror“. Das Wasser sei bläulich verfärbt und der Ursprung der Verfärbung unklar. Er betont jedoch: „Alle Werte der Trinkwasserverordnung werden eingehalten“. Das habe man bereits getestet. Solange man nicht wisse, woher die Verfärbung stamme, sei der Verzehr und Gebrauch des Trinkwassers untersagt.

Spekulationen im Netz. Laut Pressestelle der Stadt Heidelberg gibt es keine Hinweise auf Terror. Screenshot: CORRECTIV
Spekulationen ohne Belege im Netz. Screenshot: CORRECTIV
Unsere Bewertung:
Fehlende Belege. Laut der Stadt Heidelberg gibt es bisher keine Hinweise auf einen Zusammenhang zu Terror oder Sabotage.

Bewertung: völlig falsch

Dresden: gefälschter Brief zu Islam-Woche an Grundschule

Grundschule
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Der gefälschte Brief soll vermeintlich aus einer Grundschule in Dresden stammen. (Symboldbild: DALIBRI [CC BY-SA 3.0], from Wikimedia Commons)

von Hüdaverdi Güngör

Eine Facebookseite veröffentlicht einen Brief, den die Schulleiterin einer Grundschule in Dresden an die Eltern der Schüler geschrieben haben soll. Darin heißt es unter anderem, dass der Islam den Schülern in einer Themenwoche näher gebracht werden soll. Der Brief ist eine Fälschung.

Die Facebookseite „Merkel Muss Weg“ veröffentlichte am 26. Januar 2019 einen abfotografierten Brief. Bei dem Brief soll es sich um eine Mitteilung an die Eltern einer Grundschule in Dresden handeln. Darin empfiehlt die Schulleiterin vermeintlich den Kauf eines Korans für eine Themenwoche „im Sinne des Korans“. Sie kündigt außerdem angeblich den Besuch von vier Imamen an, und bittet die Eltern „an diesem Tag kein Schweinefleisch als Frühstück“ mitzugeben. Wir haben die Echtheit des Schreibens überprüft.

Der Brief auf diesem Foto ist eine Fälschung. Facebookbeitrag vom 26. Januar 2019, Screenshot: CORRECTIV

Zu dem abfotografierten Brief schreibt die Seite „Soweit ist es gekommen!!“. Der Beitrag wurde bisher über 200 Mal geteilt. Die Reaktionen in der Kommentarspalte unter dem Brief sind unterschiedlich. Einige Nutzer bezweifeln, dass der Brief echt ist und kommentieren: „Bei den ganzen Grammatik und Rechtschreibfehlern kann das unmöglich eine Schulleiterin geschrieben haben. Fake…“. Andere glauben an die Echtheit und schreiben: „Die kack schule würde ich boykottieren und meine kinder sofort an einer anderen schule anmelden.“

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Briefkopf teilweise entschwärzt

Mit einem Bildbearbeitungsprogramm haben wir die relevanten Passagen bearbeitet. Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV

Wir haben uns den geschwärzten Briefkopf näher angesehen. Mit einem einfachen Bildbearbeitungsprogramm haben wir den Kontrast und die Helligkeit erhöht und konnten so einen Teil des Briefkopfs sichtbar machen. Statt eines Namen oder der Adresse der Schule sieht man Buchstabenreihen wie: „ssdhdfsdf“ oder „dsdkjsdlf“.

Nach der Bildbearbeitung sind die Buchstabenreihen zu erkennen. Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV

„Das Schreiben ist ein Fake.“

Der Brief wurde auf verschiedenen Sozialen Netzwerken verbreitet. Ein Twitter-Nutzer wandte sich direkt an den offiziellen Twitter Account des sächsischen Bildungsministeriums. Er adressierte einen Tweet mit dem Brief an das Ministerium, die Stadt Dresden und die Polizei in Sachsen. In seinem Tweet verwies er darauf, dass mit dem Brief „Stimmung“ gemacht werde. Die Pressestelle des sächsischen Bildungsministeriums antwortete auf Twitter: „Liebe Nutzer, das LaSuB hat mit allen infrage kommenden Grundschulen gesprochen. Ergebnis: Das Schreiben ist ein Fake. Beste Grüße aus der Pressestelle!“

Statement der Pressestelle vom 26. Januar 2019, Screenshot: CORRECTIV
Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Bei dem Brief handelt es sich um eine Fälschung.

Bewertung: teilweise falsch

Frauenmord in Viersen – kein Zusammenhang mit Flüchtlingen

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Insgesamt wurden 2017 laut dem Bundeskriminalamt 32 Männer und 141 Frauen von ihren Partnern getötet. (Symbolbild: Volkan Olmez / Unsplash)

von Cristina Helberg

Nach der Ermordung einer 15-Jährigen in Viersen im Juni 2018 teilt ein Nutzer aktuell auf Facebook ein Foto der getöteten Frau mit dem Titel „Merkels jüngstes Opfer“. Er unterstellt, dass Merkels „Gäste“, also Flüchtlinge, Schuld an dem Tod seien. Dabei hat die Tat nichts mit Flüchtlingen zu tun. Stattdessen aber mit einem anderen Thema: Morde an Frauen durch ihre Partner.

„Ich bin die 15-jährige Iulia. Ich bin Ihr letztes Opfer“, so beginnt ein an Angela Merkel gerichteter Text, den ein Facebooknutzer am 25. Januar 2019 veröffentlichte. Bisher wurde der Post 2.930 Mal geteilt. Weiter steht in dem Text: „Ich habe mich gestern eingereiht in die Reihe der vielen toten Mädchen und Jungen, Frauen und Männer, die Sie mit Ihren unfähigen Politikerkollegen auf dem Gewissen haben. Aber ich befürchte, dass ich nicht das letzte Opfer Ihrer Gäste sein werde. Ich war gestern im Casinogarten in Viersen. Und bin dort abgeschlachtet worden. Einfach so“.

Was ist am 24. Januar in Viersen passiert?

Facebookbeitrag über einen Mord in Viersen (Screenshot und Unkenntlichmachung: CORRECTIV)

Mord in Viersen im Juni 2018

Wer im Internet sucht, stellt fest, dass die Zeitangabe im Post falsch ist. Die Beschreibung bezieht sich auf einen Mord im Sommer 2018, nicht im Januar 2019.

Am 11. Juni 2018 veröffentlichte die Polizei Viersen eine Pressemitteilung. „Am Montag ist es gegen Mittag in Viersen im Casinogarten zu einem Tötungsdelikt gekommen. Die Tat ereignete sich in dem Stadtpark, wo ein Mann eine junge Frau niederstach und danach vom Tatort flüchtete“, steht dort. Die verletzte 15-Jährige starb der Polizei zufolge kurze Zeit später.

Haben Flüchtlinge etwas mit der Tat zu tun, wie in dem Facebookpost indirekt behauptet wird, wenn von Merkels „Schuld“ und ihren „Gästen“ die Rede ist? Wir haben recherchiert.

Tatverdächtiger lebt seit zehn Jahren in Deutschland

In den Tagen nach der Tat informierte die Polizei in zwei weiteren Pressemitteilung, am 12. und am 13. Juni 2018 über die Festnahme eines Tatverdächtigen: „Es handelt sich um einen 17-jährigen Jugendlichen, der aus Bulgarien stammt und in Viersen wohnt“.

Auf Nachfrage von CORRECTIV erklärt die Polizei detaillierter per Email: „Der 17-Jährige stammt aus Bulgarien meint: Er ist in Bulgarien geboren und dort zunächst aufgewachsen. Er besitzt die bulgarische Staatsbürgerschaft.“ Der Tatverdächtige lebt laut Polizei schon seit zehn Jahren in Deutschland. Auf Nachfrage bestätigt die Polizei auch, dass der Tatverdächtige der Ex-Freund der getöteten Frau ist. Sie besaß der Polizei zufolge die deutsche und die rumänische Staatsbürgerschaft. Ihre Eltern kommen aus Rumänien. Sie selbst ist in Viersen geboren.

Die 15-Jährige wurde also mutmaßlich von ihrem bulgarischen Ex-Freund umgebracht, der seit zehn Jahren in Deutschland lebt. In dem Facebookpost wird seine Staatsangehörigkeit kurz aufgegriffen. „Es spielt in diesem Fall keine Rolle, ob mich ein Bulgare oder ein Moslem umgebracht hat.“

Gewalt unter Partnern in Deutschland

Im November 2018 veröffentlichte das Bundeskriminalamt für das Jahr 2017 eine kriminalstatistische Auswertung von Gewalt unter Partnern. Insgesamt wurden 2017 demnach 32 Männer und 141 Frauen von ihren Partnern getötet. Auf Seite 33 der Auswertung geht es auch um die Nationalitäten der Tatverdächtigen. Diese liegt allerdings nur für die Gesamtzahl der versuchten und vollendeten Fälle von Mord und Totschlag unter Partnern vor. Demnach waren von 469 tatverdächtigen Frauen und Männern 324 Deutsche. Danach folgten als nächst größere Gruppen 27 Türken, 18 Afghanen und 15 Syrer.

Auszug aus der kriminalstatistischen Auswertung Partnerschaftsgewalt Berichtsjahr 2017, Seite 33
Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Die 15-Jährige wurde mutmaßlich von ihrem bulgarischen Ex-Freund umgebracht, der seit zehn Jahren in Deutschland lebt.

Bewertung: falsch

Nein, dieses Google Maps-Bild zeigt keinen Mord

Bildschirmfoto 2019-01-16 um 17.09.09
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Bildschirmfoto 2019-01-16 um 17.09.09
Facebookbeitrag vom 14. Januar 2019 mit falscher Behauptung

von Cristina Helberg

Mit seinen Kameras filmt Google immer wieder skurrile Situationen. 2013 glaubten viele Internetnutzer bei Google Maps Aufnahmen eines Mordes entdeckt zu haben. Doch hinter den Fotos steckte eine unspektakuläre Erklärung.

„Gibt man bei Google Maps die Koordinaten 52.376552, 5.198303 ein, sieht man zwei Männer die versuchen eine Leiche in einen See zu werfen“, behauptet ein Post der Facebookseite „Bluefacts“ vom 14. Januar 2019. Stimmt das?

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Facebookbeitrag vom 14. Januar 2019 mit falscher Behauptung

Die Spur führt in die Niederlande

Wer der Anleitung im Post folgt, landet anhand der Koordinaten bei einem See in der niederländischen Stadt Almere. Zu erkennen ist ein runder Steg, der ins Wasser ragt.

Koordinaten des Facebookpost bei Google Maps, Screenshot: CORRECTIV

Genau dort vermuteten Internetnutzer im Jahr 2013 den Tatort eines Verbrechens. Auf Aufnahmen glaubten sie zwei Männer entdeckt zu haben, die eine Leiche ins Wasser werfen wollten. Außerdem waren auf den Bildern Spuren auf dem Steg zu erkennen. Nutzer vermuteten, dies seien Blutspuren des vermeintlichen Mordes.

Die Auflösung des Rätsels

Im April 2013 lieferte die britische Zeitung The Sun dann die Erklärung für die Bilder. Jacquelina Koenen hatte sich und ihren Hund auf dem Bild erkannt. Ihre Erklärung: Die Spuren hinterließ ihr nasser Hund nach einem Bad im See.

Erklärung der Spuren in der britischen Zeitung The Sun, Screenshot: CORRECTIV
Erklärung im Artikel der Zeitung The Sun: Jacquelina Koenen mit ihrem Hund, Screenshot: CORRECTIV

Damit war das Rätsel um die mysteriösen Aufnahmen gelöst. T-Online zufolge hat auch die niederländische Polizei die Auflösung bestätigt. „Die niederländische Polizei bestätigte die Geschichte. ‘Es war kein Mord, es war ein Hund’, sagte eine Sprecherin. Wie die Lokalzeitung Almere Vandaag berichtete, wusste die Polizei schon seit Längerem von dem ‘Google Maps’-Foto“.

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Bild zeigt keinen Mord, sondern die Spuren eines nassen Hundes. Das ist seit 2013 bekannt.

Bewertung: völlig falsch

Nein, Anton Hofreiter fordert keine 15 Grad Raumtemperatur

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Wäre die Wohnung 15 Grad kalt, wäre es im T-Shirt nicht gemütlich. (Foto: Dmitry Schemelev / Unsplash)

von Tania Röttger

Fordert Anton Hofreiter von den Grünen, dass Leute ihre Wohnung nur auf 15 Grad heizen? Nein. Die Webseite „Berliner Express“ veröffentlicht Artikel, die frei erfunden sind und nennt das Satire. Trotzdem schenken Menschen ihnen immer wieder Glauben.

Am 13. Januar veröffentlichte die Webseite Berliner Express einen Artikel mit dem Titel „Grüne: Wohnung auf 15 Grad heizen ist genug“. Demnach soll er der „Nachrichtenagentur fna“ gesagt haben: „Es reicht völlig aus, die Wohnungen und Häuser nur minimal zu beheizen. 15 Grad sind genug. Man kann auch mit Pullover in der Wohnung sitzen.“ Das Kürzel „fna“ steht laut laut Webseite für „Fake News Agency“. Hofreiter hat das also nicht gesagt.

Inzwischen haben mehr als 3.000 Facebook-Nutzer den Artikel geteilt, unter anderem die Facebook-Seiten „AfD Freunde Kinzigtal“ und die Seite des Contra Magazins. Dort fehlt jeweils der Hinweis, dass es sich beim Berliner Express um eine selbsternannte Satire-Seite handelt, deren Artikel frei erfunden sind.

Screenshot der Webseite des Berliner Express

Die Kommentare unter den Beiträgen zeigen die Empörung über die vermeintliche Forderung. Sie zeigen auch, dass Nutzer den Beitrag nicht als Satire verstehen, obwohl einzelne Kommentatoren darauf hinweisen.

Kommentare unter einem Facebook-Post des Artikels

Der Berliner Express

Das Impressum des Berliner Express gleicht dem Impressum des Mediums Contra Magazin, dessen Facebook-Seite auch die Beiträge des Berliner Express verbreitet.

Demnach ist Marco Maier Chefredakteur von beiden Medien, beide haben ihren Sitz in den Philippinen und dieselbe Telefonnummer, Herausgeber von beiden ist die sogenannte „All Inclusive Media Inc.“ mit Sitz auf den Seychellen.

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Dies ist nicht die erste Meldung vom Berliner Express, die Nutzer glauben und weiter verbreiten. Zum Beispiel gab es eine Geschichte über die angebliche Forderung, während des Ramadan keinen Alkohol zu verkaufen oder darüber, dass Berliner Polizisten nur noch Deutsche auf Drogenbesitz kontrollieren würden. Beides war erfunden.

In der Rubrik „Über uns“ schreibt die Webseite, ihre Artikel würden geglaubt, weil es den Politikern zugetraut werde, solche Forderungen zu stellen. Sie spielt also bewusst mit den Vorurteilen der Menschen.  

Grüne: Medienkompetenz ist wichtig

Ein Sprecher der Grünen im Bundestag schreibt auf unsere Anfrage zu diesem Fall: „Immer wieder wird versucht, mit bewussten Falschmeldungen politische Stimmung zu machen – nicht nur die Grünen sind Ziel solcher Angriffe. Leider fallen viele Menschen auf die Falschmeldungen herein.“ Das zeige, wie wichtig eine hohe Medienkompetenz sei.

Email von der Pressestelle der Grünen im Bundestag

15-Grad-kalte Wohnung ist zu kalt

Übrigens: Ließe sich eine Wohnung tagsüber nicht über 15 Grad heizen, wäre das ein erlaubter Grund, weniger Miete zu bezahlen. Das haben mehrere Gerichte geurteilt, wie die Portale „Mietminderung.org“ und „Mietrechtslexikon.de“ zusammengetragen haben. Zum Beispiel hieß es in einem Urteil von 1998, Wohnräume müssten tagsüber 20 Grad warm sein, nachts mindestens 18 Grad.

Unsere Bewertung:
Frei erfunden, die Meldung soll Satire sein.

Bewertung: falsch

Doch, Medien und Politik haben über Prügel-Angriffe in Amberg berichtet

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Interview mit dem Bürgermeister von Amberg im „Heute Journal“ vom 2. Januar 2019, Screenshot: CORRECTIV

von Cristina Helberg

Auf Facebook behauptet die Seite „Wir gemeinsam objektiv & mutig“, Presse und Politik hätten nicht über prügelnde jugendliche Asylbewerber im bayerischen Amberg berichtet. Das ist falsch.

„In Amberg (BY) prügelt eine Gruppe junger Asylbewerber wahl-und grundlos Passanten krankenhausreif. 12 Opfer, darunter auch Kinder. Presse und Politik kein Wort“. So steht es in einem Post der Facebookseite „Wir gemeinsam objektiv & mutig“ vom 3. Januar 2019. Der Beitrag wurde 400 Mal geteilt. Die Behauptung der Seite, Politik und Presse hätten sich nicht zu den Angriffen geäußert, lässt sich leicht widerlegen.

Facebookbeitrag der Seite „Wir gemeinsam objektiv & mutig“, Screenshot: CORRECTIV

Die Prügelangriffe von Amberg sorgten bundesweit für Aufsehen und zahlreiche Medien berichteten darüber – und zwar schon bevor „Wir gemeinsam objektiv & mutig“ am 3. Januar den Post veröffentlichte. Aber der Reihe nach.

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Prügelattacken zwei Tage vor Silvester

Am Abend des 29.Dezember 2018 zog eine Gruppe von Jugendlichen durch die bayerische Stadt Amberg und griff mehrere Passanten an, so schreibt es die Polizei in ihrer Pressemitteilung vom 30. Dezember. Vier Tatverdächtige nahm die Polizei kurz nach den Angriffen fest. Sie sind laut Polizei zwischen 17 und 19 Jahren alt und „afghanische, syrische und iranische Staatsangehörige“. Insgesamt sollen sie „zwölf Personen im Bereich des Bahnhofes und der angrenzenden Altstadt körperlich attackiert und verletzt zu haben“, so die Pressemitteilung.

Verschiedene Medien griffen die Meldung am 30. Dezember auf, unter anderem die Welt , die Süddeutsche Zeitung, T-Online und der Bayerische Rundfunk.

Seehofer forderte Gesetzesänderung

Hat die Politik zu dem Vorfall geschwiegen, wie der Facebookpost behauptet? Im Gegenteil.

Am 2. Januar veröffentlichte Bild einen ausführlichen Bericht zu dem Vorfall in Amberg samt Interviews mit Opfern. In dem Artikel kamen auch zahlreiche Politiker zu Wort: „Bundesinnenminister Horst Seehofer (69, CSU) zeigte sich bestürzt. ‘Die Ereignisse in Amberg haben mich sehr aufgewühlt. Das sind Gewaltexzesse, die wir nicht dulden können’, sagte er BILD“. Seehofer forderte als Reaktion auf die Angriffe eine Gesetzesänderung. „Wenn Asylbewerber Gewaltdelikte begehen, müssen sie unser Land verlassen. Wenn die vorhandenen Gesetze dafür nicht ausreichen, müssen sie geändert werden.“

Auch Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft und die zwei CDU-Politiker Philipp Amthor und Patrick Sensburg forderten in dem Artikel eine Abschiebung der Tatverdächtigen. Am 2. Januar veröffentlichte außerdem das bayerische Innenministerium eine Pressemitteilung, in der Innenminister Joachim Herrmann die Tat verurteilte und Details zu den Asylverfahren der vier Tatverdächtigen öffentlich machte.

Medien berichten bundesweit über den Fall

Am 1. und 2. Januar berichteten bundesweit zahlreiche Medien über die Details der Angriffe und die politischen Reaktionen. Am 1. Januar unter anderem Zeit Online und Handelsblatt.

Am 2. Januar berichteten Spiegel Online, RTL.de, Bayerischer Rundfunk , Augsburger Allgemeine, Tagesschau und viele weitere Medien. Das „Heute Journal“ berichtete an dem Abend ausführlich, samt eines Interviews mit dem Bürgermeister von Amberg, Michael Cerny. Erst einen Tag später veröffentlichte die Facebookseite „Wir gemeinsam objektiv & mutig“ ihre Behauptung: „Presse und Politik kein Wort“.

Unsere Bewertung:
Falsch. Presse und Politik haben die Angriffe in Amberg thematisiert und darüber berichtet.

Bewertung: falsch

Wer übergibt sich denn da?

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Gesammelte Beispiele auf der Seite „KnowYourMeme“, Screenshot: CORRECTIV

von Cristina Helberg

Immer wieder taucht im Netz ein Mann auf, der sich vor allen möglichen Motiven übergibt. Was steckt hinter dem weit verbreiteten Bild?

Ein Mann übergibt sich vor einem Bild von Claudia Roth (Grüne). Dieses Motiv postete die Facebookseite „Gegen Til Schweiger und andere Gutmenschen“ einen Tag vor Silvester. 127 Nutzer teilten es bisher. Schon auf den ersten Blick lässt sich erkennen: Das Bild ist offenbar bearbeitet. Claudia Roths Foto wurde unsauber hineinkopiert, das sieht man an den Rändern. Auch die Perspektive scheint nicht stimmig. Aber was steckt dahinter?

Facebookbeitrag vom 30.Dezember 2018, Screenshot: CORRECTIV

Viraler Hit: Art Gallery Puking

Alles begann am 1. Weihnachtsfeiertag im Jahr 2005: Der Youtuber Kristofer Paetau veröffentlichte ein Video mit dem Titel „Art Forum accident“. Darauf ist zu sehen, wie ein Mann in einer Ausstellung plötzlich erbricht.

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In der Beschreibung unter dem Video steht: „I started to feel really bad at the opening of the Art Forum 2005 Art Fair in Berlin. And suddenly I couldn’t help myself, I had to vomit. Kristofer Paetau“ (Auf Deutsch: Bei der Eröffnung der Art Forum 2005 in Berlin begann ich mich sehr schlecht zu fühlen. Und plötzlich konnte ich nicht anders, ich musste mich übergeben. Kristofer Paetau). Das Video ist auch heute noch auf Youtube abrufbar und wurde mehr als 11.000 Mal angesehen.

Screenshot des YouTube Videos „Art Forum accident“

Die Seite „Know Your Meme“ hat zusammengetragen, wie Internetnutzer in den Jahren danach begannen, das Bild zu bearbeiten und in unterschiedlichen Versionen zu verbreiten. Ob Jesus, Trump oder Manga – im Netz übergibt sich Kristofer Paetau jetzt vor allem möglichen. Zumindest, wenn man den Fotomontagen Glauben schenkt. Das virale Phänomen hat auch einen Namen: Art Gallery Puking

Gesammelte Beispiele auf der Seite „KnowYourMeme“, Screenshot: CORRECTIV
Unsere Bewertung:
Falsch. Das Bild ist eine Fotomontage. Das Originalbild stammt aus einem Video aus dem Jahr 2005 und zeigt nicht Claudia Roth, sondern ein Kunstwerk.

Bewertung: richtig

Ja, dieses Bild ist echt und stammt aus dem Jahr 2012

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Beitrag eines Facebooknutzers vom 2. Januar 2019, Screenshot Facebook: CORRECTIV

von Cristina Helberg

Aktuell wird auf Facebook wieder ein älteres Bild geteilt. Darauf zu sehen: Geflüchtete Menschen, die Bargeld statt Essenspakete für ihre Verpflegung fordern. Nutzer diskutieren, unter dem Bild, ob es eine Fälschung ist. Wir haben die Hintergründe des Fotos recherchiert.

Mehrere Männer stehen in einer Reihe und halten ein Plakat, darauf steht: „Keine Essenspakete Wir wollen Bargeld Selbstbestimmung“. Dieses Bild wird seit Jahren im Netz geteilt. Aktuell von einem privaten Nutzer, der es am 2. Januar 2019 auf Facebook veröffentlichte. Seitdem wurde sein Beitrag 1.675 Mal geteilt. Unter dem Post ist eine Diskussion entbrannt, ob das Foto echt oder eine Fälschung ist.

Diskussion unter dem Facebookbeitrag, Screenshot: CORRECTIV

Das steckt hinter dem Foto

Im Juni 2012 berichtete die Heilbronner Stimme über eine Kundgebung in Sinsheim, die auf Missstände in einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber aufmerksam machen wollte. Der Artikel ist online verfügbar und zeigt ein Foto der Aktion. Deutlich zu erkennen ist dasselbe Plakat wie im Facebookpost, nur die Perspektive ist eine andere.

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Die Heilbronner Stimme berichtet, dass die geflüchteten Menschen wegen verschiedener Probleme demonstrierten. Grund für den Protest seien zu wenig und zu teurer Sprachunterricht, fehlende Sportmöglichkeiten und enge Wohnverhältnisse. „Auch bei der Ernährung hapert es, klagen die Bewohner. Das Essenspaket, das jeder zweimal pro Woche bekommt, enthalte fast immer das gleiche, oft Lebensmittel, die viele nicht gewohnt seien. Die Menschen wünschen sich Gutscheine wie in anderen Städten, mit denen sie selbst Essen kaufen können“, schreibt die Heilbronner Stimme.

Berichterstattung der Heilbronner Stimme von Juni 2012

Auch die Faktenchecker von Mimikama berichteten bereits 2015 über das Bild und den Hintergrund.

Unsere Bewertung:
Das Bild zeigt eine Kundgebung von Geflüchteten im Jahr 2012 in Sinsheim.