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Welche Themen zur Sexualerziehung sind in der Grundschule in Hessen verpflichtend? Dazu kursiert eine falsche Behauptung auf Facebook. (Symbolfoto: Aurelie Luylier / Pixabay)

von Alice Echtermann

Auf Facebook kursiert die Behauptung, es sei in Hessen verpflichtend, Grundschüler ab der 1. Klasse über die „Homo-Ehe“ und „Analverkehr“ aufzuklären. Tatsächlich werden gleichgeschlechtliche Partnerschaften thematisiert – aber keine Sexualpraktiken.

Eine Facebook-Nutzerin veröffentlichte am 9. September ein Bild, auf dem ein schaukelndes Kind und eine dunkle männliche Gestalt zu sehen sind. Darauf steht: „Ab heute werden Hesses Schulkinder ab der 1. Klasse über Homo-Ehe und Analverkehr aufgeklärt – und das verpflichtend laut Sexualerziehungsplan von CDU/Grüne.“ Unten sind die Parteilogos von der CDU und den Grünen zu sehen. In Hessen bilden diese beiden Parteien derzeit die Landesregierung

Der Facebook-Beitrag wurde mehr als 1.900 Mal geteilt. Die Behauptung ist jedoch größtenteils falsch.  

Der Facebook-Beitrag vom 9. September 2019. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Der Facebook-Beitrag soll offenbar Angst vor für Kinder verstörendem Unterricht schüren. Doch weder im Lehrplan zur Sexualerziehung an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Hessen noch im Rahmenplan Grundschule des Kultusministeriums Hessen kommt das Wort „Analverkehr“ vor. Es geht darin überhaupt nicht um konkrete Sexualpraktiken, auch nicht für ältere Schüler.

Der Lehrplan für Sexualerziehung ist zudem nicht kürzlich geändert worden, wie die Formulierung „ab heute“ im Facebook-Beitrag fälschlich vermuten lässt, sondern zuletzt im August 2016. Dies teilte ein Pressesprecher des hessischen Kultusministeriums, Stefan Löwer, CORRECTIV per E-Mail mit. Vermutlich entstand die Text-Bild-Collage in diesem Kontext. Der neue Lehrplan wurde damals unter anderem von Eltern kritisiert, weil er auch Familien mit gleichgeschlechtlichen Partnern und – bei Kindern ab zehn Jahren – unterschiedliche sexuelle Orientierungen thematisiert. 

Was steht im Lehrplan?

Löwer schreibt zu dem Facebook-Beitrag: „Die Meldung ist natürlich in der Form Unsinn.“ Er verweist auf den Inhalt des Lehrplans. Darin steht, verbindlich seien für die Sechs- bis Zehnjährigen Themen wie der menschliche Körper, Nein-Sagen, die Rolle von Medien oder Schwangerschaft und Geburt. Auch „unterschiedliche Familiensituationen“ sollen thematisiert werden, dazu zählen gleichgeschlechtliche Partnerschaften. 

Auszug aus dem Lehrplan für Sexualerziehung des Hessischen Kultusministeriums. (Screenshot: CORRECTIV)

Die gleichgeschlechtliche Ehe könnte in der Grundschule also ein Thema sein – als eine Form des Zusammenlebens, ebenso wie die Ehe zwischen Mann und Frau, Pflegefamilien, Patchwork-Familien oder alleinerziehende Eltern.

Neben dem Lehrplan gibt es noch den allgemeinen Rahmenplan Grundschule (Version von 1995). Darin steht, Kinder dürften bei der Sexualerziehung nicht einseitig beeinflusst werden: „Die Sexualerziehung soll das Bewußtsein für eine persönliche Intimsphäre und für partnerschaftliches, gewaltfreies Verhalten in persönlichen Beziehungen entwickeln und fördern sowie die grundlegende Bedeutung von Ehe und Familie vermitteln. Bei der Sexualerziehung ist Zurückhaltung zu wahren sowie Offenheit und Toleranz gegenüber den verschiedenen Wertvorstellungen in diesem Bereich zu beachten; jede einseitige Beeinflussung ist zu vermeiden.“ Zudem heißt es dort, dass die Eltern „rechtzeitig“ über „Ziel, Inhalt und Formen der Sexualerziehung“ informiert werden müssen. So steht es im Hessischen Schulgesetz (Paragraph 7)

Für die Inhalte verweist der Rahmenplan Grundschule auf den Lehrplan für Sexualerziehung – allerdings auf eine Version vor der Änderung von 2016. Von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ist dort deshalb nicht die Rede.

Auszug aus dem Rahmenplan Grundschule des Hessischen Kultusministeriums. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Behauptungen und Anspielungen in dem Facebook-Beitrag sind also größtenteils falsch. Weder werden Grundschulkinder in Hessen mit Sexualpraktiken konfrontiert, noch wird einseitig über Homosexualität informiert. Stattdessen sollen die Kinder etwas über ihre Körper und die Gesellschaft lernen. 

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Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. An Grundschulen wird grundlegend über Sexualität oder Partnerschaften aufgeklärt, aber nicht über „Analverkehr“.  

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Der Rafah Zoo in Gaza geriet Anfang 2019 in die Schlagzeilen. Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten warf ihm Misshandlung vor und holte dort im April 2019 47 Tiere ab. (Symbolfoto: SAID KHATIB / AFP) 

von Alice Echtermann

Auf Facebook verbreitete sich im November ein Artikel über „Tierquälerei“ in einem Zoo im Gazastreifen. Den Fall gab es wirklich, er ereignete sich aber schon Anfang des Jahres. 

Der Fall sorgte Anfang 2019 für internationale Aufmerksamkeit: Im Rafah Zoo im Gazastreifen wurden einer jungen Löwin die Krallen amputiert. Darüber berichtete am 28. März 2019 die Webseite Stimmung in einem Artikel. Der Text wurde laut dem Analysetool Crowdtangle insgesamt bisher mehr als 1.600 Mal auf Facebook geteilt. 

Obwohl der Fall im Januar geschah, teilte die Facebook-Seite von Stimmung ihn erneut am 26. November – ohne einen Hinweis, dass die Informationen schon älter sind. Der Beitrag wurde 1.200 Mal geteilt. 

Die Informationen aus dem Artikel sind korrekt. CORRECTIV fand bei der Recherche nicht nur zahlreiche Medienberichte von Februar 2019, zum Beispiel vom ZDF und von Fox News, sondern auch Videomaterial der Entfernung der Krallen der Löwin auf Youtube und Facebook, veröffentlicht von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten aus Österreich, die international tätig ist. Der Vorfall sei Ende Januar geschehen, die Löwin sei 14 Monate alt, berichtete Vier Pfoten. Der Grund für die Prozedur sei, dass die Besucher mit dem Tier spielen können sollten.

Vier Pfoten startete deshalb eine Petition zur Schließung des Rafah Zoos. Das Ziel von 200.000 Unterschriften wurde bis heute nicht erreicht. 

Im April holte die Organisation dann nach eigenen Angaben 47 Tiere aus dem Zoo und brachte sie in Tierschutzzentren in Jordanien und Südafrika. Medien wie BBC und RTL berichteten über die Aktion, und bei der Agentur AFP finden sich Fotos davon

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten hat im August 2019 zahlreiche Tiere aus dem Rafah Zoo geholt. Fotos davon finden sich bei AFP. (Screenshot: CORRECTIV)

Foto- und Videoaufnahmen belegen die Aktion

CORRECTIV hat Fotos von der Entfernung der Krallen bei der Agentur AFP und auf dem Portal Getty-Images gefunden. Die meisten wurden von dem Fotografen Said Khatib gemacht. Sie zeigen, wie die Löwin von zwei Männern getragen und am Boden festgehalten wird.

Ein Foto des Fotografen Said Khatib von der Aktion im Rafah Zoo auf dem Portal Getty-Images. (Screenshot: CORRECTIV)

Die zwei jungen Männer, die die Löwin tragen, sind dieselben, die in den Videoaufnahmen von Vier Pfoten zu sehen sind. 

Standbild des Videos von Vier Pfoten auf Youtube. Die zwei Männer, die die Löwin tragen, sind dieselben wie auf den Fotos von Said Khatib. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch die Szene, in der die Löwin mit einem grünen Sack über dem Kopf neben einem Metallzaun am Boden liegt, stimmt auf den Fotos und dem Video überein.

Weiteres Foto der Szene von dem Fotografen Said Khatib. (Screenshot: CORRECTIV)

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Dauerhaft geschlossen wurde der Rafah Zoo nach der Evakuierung der Tiere offenbar nicht. Bei der Agentur AFP finden sich Fotos von September und Dezember 2019, die neugeborene Löwenjungen zeigen. In der Bildbeschreibung steht, der Zoo habe im August neu eröffnet, mit zwei Löwen und drei Löwenjungen. 

Unsere Bewertung:
Richtig. Anfang 2019 wurden einer jungen Löwin in einem Zoo in Gaza die Krallen entfernt. 

BlackFriday
Dieses Bild wird von Nutzern auf Facebook geteilt und soll als angeblicher Beleg dienen, dass der „Black Friday“ im Sklavenhandel entstanden sei. Das ist falsch. Tatsächlich zeigt es gefangene Aborigines in Australien. (Screenshot: CORRECTIV).

von Cristina Helberg

Immer wieder behaupten Menschen im Netz, der Begriff „Black Friday“ sei entstanden, weil an diesem Tag ursprünglich Sklaven verkauft wurden. Das ist falsch.

Am „Black Friday“ locken zahlreiche Geschäfte mit besonders hohen Rabatten, besonders in den USA, aber auch zunehmend in Deutschland. Doch woher stammt die Bezeichnung „Black Friday“? Ein Facebook-Nutzer veröffentlichte dazu am diesjährigen „Black Friday“, dem 29. November, eine Theorie. Das von ihm veröffentlichte Foto zeigt mehrere schwarze Männer, die mit Ketten um den Hals gefesselt sind und in Reihen hintereinander stehen, darunter steht „Black Friday“ und die Behauptung: „Der Begriff ‘Black Friday’ entstand aus der Praxis, Sklaven am Tag nach Thanksgiving zu verkaufen.“ 

Das ist falsch. 

Der Facebook-Beitrag vom 29. November 2019. Der Beitrag wurde 175 Mal auf Facebook geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

Das sagt ein Professor für Nordamerikanische Geschichte

Jedes Jahr vor dem „Black Friday“ taucht die Behauptung wieder auf. Wir haben sie bereits 2018 in einem Faktencheck geprüft und auch mit einem Historiker gesprochen. Norbert Finzsch war damals Professor für Nordamerikanische Geschichte an der Universität Köln. Mittlerweile lehrt er dort nicht mehr

Norbert Finzsch schrieb auf Nachfrage von CORRECTIV: „An dem Gerücht ist nichts dran. Der innere Sklavenhandel wurde 1865 abgeschafft und der Begriff ‘Black Friday’ taucht zum ersten Mal 1951 auf. Er stammt aus der Praxis amerikanischer Arbeiter, sich am Freitag nach Thanksgiving krank zu melden, um vier hintereinander liegende Feiertage zu haben.“

Außerdem gibt es laut dem Professor für Nordamerikanische Geschichte noch eine weitere Herleitung. Demnach stammt der Begriff von der Verkehrspolizei des Philadelphia Police Department. Die Polizisten bezeichneten damit den Tag der schlimmsten Staus im Jahr, zu denen es immer am Freitag nach Thanksgiving kam. Das schrieb Joseph P. Barrett am 25. November 1994 in der Zeitung The Philadelphia Inquirer

Auch die Faktenchecker von Snopes haben die Behauptung schon 2013 geprüft und für falsch befunden.

Das Bild zeigt versklavte Menschen in Australien 

Das für die Falschmeldung genutzte Bild lässt sich über eine Bilder-Rückwärtssuche bei Google zurückverfolgen. Gleich die ersten zwei Suchtreffer führen zu einem Buch mit dem Foto als Titelbild. Der Titel des Buches lautet: „Every Mother’s Son is Guilty: Policing the Kimberley Frontier of Western Australia 1882-1905“. Laut Beschreibung des Verlags handelt das Sachbuch von der Gewalt der kolonialen Besiedlung und des damit verbundenen Polizei- und Strafrechtssystems in Westaustralien gegenüber Aborigines von 1882 bis 1905. 

Auch die Faktenchecker von Lead Stories haben den aktuellen Facebook-Beitrag geprüft und sind dabei auf eine Bildbeschreibung in der britischen Zeitung Guardian gestoßen: „Das Foto zeigt etwa 100 Gefangene, Männer und Jungen der Aborigines, die an ihren Hälsen gefesselt sind, in Wyndham, der kleinen Hafenstadt des späten 19. Jahrhunderts, die für die Viehzucht und den Bergbau der Kimberley gegründet wurde. Das Bild wurde zwischen 1898 und 1906 aufgenommen.“

Eine Rezension des Buches über Australien samt einer Beschreibung des Titelbildes in der britischen Zeitung Guardian (Screenshot: CORRECTIV).

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Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Der Begriff „Black Friday“ hat nichts mit der Geschichte des Sklavenhandels zu tun.

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Das Foto aus dem Facebook-Beitrag kursiert mindestens seit 2017 (Screenshot: CORRECTIV).

von Cristina Helberg

Wie jedes Jahr vor Weihnachten kursiert auch dieses Jahr wieder die Behauptung, Supermärkte würden traditionelle Weihnachtsprodukte unter neutralen Namen vertreiben. Das Narrativ und die Falschmeldung zu den Weihnachtsmännern sind nicht neu.

Gehen christliche Traditionen verloren, weil Menschen mit anderen Religionen in Deutschland leben? Besonders vor christlichen Feiertagen und Festen versuchen Webseiten im Netz immer wieder dieses Narrativ zu verbreiten. In diesem Fall veröffentlichte ein Facebook-Nutzer am 17. November ein Bild von Schoko-Weihnachtsmännern in einem Einkaufsregal. Auf dem Preisschild steht als Warenbezeichnung angeblich „Jahresendfigur“. Zu dem Bild schrieb er den Kommentar: „Neu bei Netto“. Der Beitrag wurde bisher mehr als 350 Mal geteilt. 

Wir haben den Beitrag überprüft. 

Der Facebook-Beitrag vom 17. November 2019 (Screenshot: CORRECTIV).

Netto und Lindt dementieren die Bezeichnung „Jahresendfigur“

Den Namen „Netto“ führen in Deutschland zwei Supermarktketten: Netto Marken-Discount AG & Co. KG mit rot-gelbem Schriftzug und Netto ApS & Co. KG mit schwarzem Schriftzug und Hunde-Logo. Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV haben beide Unternehmen dementiert, dass das Preisschild von ihnen stammt 

Die vom letzteren Markt beauftragte Agentur Public Link antwortete: „Das Preisschild stammt nicht von unserem Kunden Netto ApS & Co. KG.“ Christina Stylianou, Leiterin der Unternehmenskommunikation von Netto Marken-Discount AG & Co. KG, antwortete auf unsere Anfrage: „Die Schokoladenweihnachtsmänner unserer beliebten Eigenmarke Santa Claus in town als auch die Markenprodukte der Firma Lindt werden bei uns unter der Bezeichnung ‘Weihnachtsmann’ geführt.“

Auch Lindt selbst hat sich auf unsere Presseanfrage von der Bezeichnung „Jahresendfigur“ distanziert: „Wir bieten dieses Produkt als ‘Lindt Weihnachtsmann’ an. Der Lindt Weihnachtsmann ist seit vielen Jahren ein fester Bestandteil unseres Weihnachtssortiments und es ist nicht geplant, unseren […] beliebten Weihnachtsmann umzubenennen. Die Bezeichnung des Produktes auf dem Preisschild im Lebensmitteleinzelhandel ist in der Verantwortung des Händlers.” 

Wir haben den Barcode geprüft 

Um die Angaben zu prüfen, haben wir den Barcode, der in dem Facebook-Beitrag zu sehen ist, mit der App „CodeCheck“ eingescannt. Die Produktbeschreibung in der App lautet: „Lindt, Weihnachtsmann“. 

Produktbeschreibung des Barcodes aus dem Facebook-Beitrags in der App „CodeCheck“ (Screenshot: CORRECTIV).

Außerdem haben wir am 20. November stichprobenartig das Preisschild für Weihnachtsmänner in einem Netto Marken-Discount AG & Co. KG-Supermarkt in Düsseldorf überprüft. Dort wird die Schokoladenfigur zum selben Preis ebenfalls als „Weihnachtsmann“ bezeichnet. 

Preisschild in einem Netto-Markt in Düsseldorf am 20. November 2019 (Foto: CORRECTIV).

Rechtes Narrativ: Traditionelle Weihnachtsprodukte werden angeblich neutral umbenannt

Das Bild samt der Behauptung ist nicht neu. Die Faktenchecker von Mimikama berichteten bereits im Dezember 2017 darüber. In das Narrativ, das mit solchen Meldungen genährt werden soll, passen auch andere Falschmeldungen aus den vergangenen Jahren. Die Botschaft ist immer dieselbe: Traditionelle deutsche Produkte und christliche Traditionen werden angeblich aus Rücksicht auf Andersgläubige neutral umbenannt. 

Debatten gab es im November 2017 um eine Weihnachtsstern-Pflanze, die angeblich in „Liebesstern“ umbenannt wurde. Auch das war falsch, wie Mimikama damals recherchierte. Dieses Jahr griffen rechte Internetseiten das Thema wieder auf, wie Recherchen des Bayerischen Rundfunks zeigen. 

Im November 2018 haben wir in einem Faktencheck erklärt, dass die Grünen entgegen anderer Behauptungen nie forderten, den Namen des Nikolaus in „Zipfelmützenmann” zu ändern. Weihnachten sollte auch nicht abgeschafft werden, als die Stadt Elmshorst ihren traditionellen Weihnachtsmarkt im selben Monat als „Lichtermarkt“ ankündigte. 

Schoko-Osterhasen gerieten ebenfalls schon in den Fokus, weil sie auf Kassenbons als „Traditionshasen“ gelistet wurden. Was dahinter steckte, haben wir in diesem Faktencheck im März 2018 aufgeschrieben. Und auch die christliche Bezeichnung „Pfingstrose“ sollte nicht von Blumenläden in „Traditionsrose“ umbenannt werden, wie eine Seite im Mai 2018 behauptete. 

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Unsere Bewertung:
Falsch. Beide deutschen Netto-Supermarktketten haben das Preisschild dementiert. Bei einem stichprobenartigen Besuch eines Marktes in Düsseldorf fanden wir die Bezeichnung „Weihnachtsmann“ vor.

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Greta Thunberg am 1. November 2019 auf einer Klima-Demonstration in Los Angeles. (Foto: J. Brown / AFP)

von Joana Splieth

Die Webseite News For Friends behauptet, Greta Thunberg habe gedroht, Facebook zu verlassen, wenn Kritik an ihr nicht „zensiert“ werden würde. Diese Aussage hat sie so allerdings nie getroffen. 

Die Webseite News For Friends, die nach eigenen Angaben unter anderem über „Politik“, „News“, „Verschwörungen“ und „Chemtrails“ schreibt, behauptet in einem Artikel vom 1. November 2019 anhand eines Facebook-Beitrags von Greta Thunberg, sie drohe, „Facebook zu verlassen, wenn ihre Kritiker nicht zum Schweigen gebracht werden“. 

Im Text ist als eine Quelle die rechte US-amerikanische Webseite Breitbart angegeben. Auf ihr wurde der Artikel auf Englisch bereits am 31. Oktober 2019 veröffentlicht. Als zweite Quelle ist ein ähnlicher Artikel der Webseite News Punch vom 1. November 2019 angegeben, ebenfalls in englischer Sprache. Auch diese Webseite hat ihren Sitz in den USA und ist laut FactCheck.org die Neuaufsetzung der für Verschwörungstheorien und Fehlinformationen bekannten Seite Your News Wire. Alle drei Artikelversionen wurden laut dem Analysetool Crowdtangle insgesamt mehr als 11.500 Mal auf Facebook geteilt. 

Der Artikel auf Breitbart wurde über 9.000 Mal über Facebook geteilt (Screenshot: CORRECTIV).

Greta Thunberg spricht sich nicht gegen Kritik aus, sondern gegen Falschmeldungen

Im Artikel wird Greta Thunberg unterstellt, sie wolle Kritik an ihr verhindern: „Dennoch findet Frau Thunberg Kritik bedenklich und schlägt vor, dass diejenigen, die sich ihrem Kreuzzug widersetzen, ‘die Demokratie stören’ und von Facebook zensiert werden sollten. Das Klima-Symbol forderte ihre Fans auf, Facebook zum Schweigen zu bringen und darauf zu bestehen, dass ‘wenn genug von uns Veränderungen fordern, dann werden Veränderungen kommen’.“ 

Die Seite News For Friends verbreitet die Unterstellung, Greta Thunberg würde drohen Facebook zu verlassen, „wenn ihre Kritiker nicht zum Schweigen gebracht werden“ würden. (Screenshot: CORRECTIV).

Greta Thunberg, bekannt für ihr Engagement als Klimaaktivistin, äußerte in dem von News For Friends zitierten Facebook-Beitrag jedoch Kritik an Facebook und nicht an Kritikern. Ihr Vorwurf zielte auf die „fehlende Faktenüberprüfung“, das „Erlauben von Hassrede“ und „Fragen der Einmischung in die Demokratie“ durch das Soziale Netzwerk ab. 

Sie sprach sich zudem gegen Falschmeldungen über sie aus, nicht gegen Kritik: „Die ständigen Lügen und Verschwörungstheorien über mich und natürlich unzählige andere führen zu Hass, Morddrohungen und letztendlich zu Gewalt.“ Ihre Aussage wird demnach übertrieben und aus dem Kontext gerissen.

Greta Thunbergs Facebook-Beitrag vom 24. Oktober 2019 (Screenshot: CORRECTIV).

Greta Thunberg übt Kritik an Facebook

Zu ihrem Beitrag teilte sie außerdem ein Video von einer Befragung, der sich Mark Zuckerberg, Facebook-Gründer, am 23. Oktober 2019 stellen musste. Darin wiesen US-amerikanische Kongressabgeordnete Zuckerberg auf gleiche oder ähnliche Probleme hin, die auch Greta Thunberg kritisierte. Auf diese Situation bezog Thunberg sich mit ihrer Kritik an Facebook: „Ich frage mich, wie viele andere auch, ob ich Facebook weiterhin nutzen soll oder nicht. Das Erlauben von Hassrede, das Fehlen von Tatsachenüberprüfung und natürlich Fragen der Einmischung in die Demokratie … sind unter anderem sehr beunruhigend.” 

Aus dem Facebook-Beitrag von Thunberg geht hervor, dass sie nicht damit „gedroht“ hat Facebook zu verlassen, wenn ihre Kritiker nicht „zensiert“ werden würden. Thunberg überlegte, das Netzwerk als Kritik an Facebooks Umgang mit Verschwörungstheorien und Lügen zu verlassen.

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Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Greta Thunberg will keine Kritik zensieren lassen, sondern hat Facebook für den Umgang mit Lügen, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien kritisiert. 

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Der ehemalige ARD-aktuell-Chefredakteuer Kai Gniffke im Jahr 2017. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Seit 2015 taucht im Netz immer wieder ein angebliches Zitat von Kai Gniffke auf, in dem er vermeintlich die öffentlich-rechtlichen Medien diffamiert. Der Spruch ist frei erfunden und entstand wohl ursprünglich als Aprilscherz.

Die Facebook-Seite „Gelbe Westen Berlin“ veröffentlichte am 12. November eine Collage mit einem angeblichen Zitat des langjährigen ARD-aktuell Chefredakteur Kai Gniffke. Er soll laut der Collage gesagt haben: „Ich kann diese Lügen und Manipulationen der deutschen Öffentlichkeit nicht länger ertragen und erkläre hiermit meine sofortige Kündigung“. Der Beitrag wurde bisher mehr als 400 Mal geteilt. 

Wir haben das angebliche Zitat geprüft. 

Der Facebook-Beitrag vom 12. November 2019 (Screenshot: CORRECTIV).

SWR und NDR dementieren das Zitat

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV haben sowohl der NDR als auch der SWR das Zitat dementiert. Für den NDR war Kai Gniffke 16 Jahre lang bis zum 8. August 2019 bei ARD-aktuell Chefredakteur und in dieser Position verantwortlich für die Sendungen Tagesschau und Tagesthemen. NDR-Pressesprecher Frank Jahn schrieb uns per E-Mail: „Dieses Zitat ist frei erfunden.“ 

Seit September 2019 ist Gniffke Intendant des SWR. Er arbeitet also weiter für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Auch der Pressesprecher des SWR, Wolfgang Utz, schrieb uns per E-Mail: „Das ist natürlich ein Fake, der schon 2016 ein solcher war und durch die Wiederholung nicht wahrer und nicht witziger wird.“

Kai Gniffke selbst schrieb in seiner Abschiedskolummne auf der Seite der Tagesschau außerdem nichts von angeblichen „Lügen und Manipulationen“, wie ihm auf dem im Netz geteilten Bild unterstellt wird. Stattdessen schrieb er: „Nach 16 Jahren verlasse ich die Redaktion, die ich das Glück und die Ehre hatte, 16 Jahre lang leiten zu dürfen. Ich hatte richtig Schiss vor diesem Tag. Denn es fällt mir emotional ganz, ganz schwer. […] Ich habe immer Stolz empfunden, hier zu arbeiten. […] Die Tagesschau hat einen gesellschaftlich ganz wichtigen Auftrag und wird ihn bestimmt glänzend erfüllen.“  

Mimikama berichtete schon 2016 über das falsche Zitat 

Eine Google-Suche nach dem angeblichen Zitat führt auch zu einem Faktencheck der österreichischen Webseite Mimikama vom 4. Oktober 2019. Die Redaktion stufte das Zitat erstmals 2016 als falsch ein. Damals war es von der Seite Propagandaschau als vermeintlicher Aprilscherz verbreitet worden. Mimikama schrieb: „Im Gegensatz zu vielen anderen Aprilscherzen, nimmt man bei der Webseite ‘Propagandaschau’ augenscheinlich wohlwollend in Kauf, dass die Leser diesen ‘Scherz’ einfach mal für wahr halten und weitergeben, so wie auch alle Blogs, die sich auch die ‘Propagandaschau’ beziehen.“ Mimikama fragte damals auch bei der Tagesschau nach, die das Zitat dementierte. 

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Völlig falsch. Das Zitat ist frei erfunden. Kai Gniffke arbeitet weiter für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, seit September 2019 als Intendant für den SWR.

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Ein Foto aus Berlin von 2018 mit der aktuell geteilten Behauptung, es zeige einen „Käfig“ für den Weihnachtsmarkt. (Screenshot: CORRECTIV)

von Till Eckert

In einem Facebook-Post wird anhand eines Fotos aus Berlin behauptet, es würde „Weihnachten in Käfigen“ gefeiert. Die Perspektive des Fotos verzerrt jedoch die Szenerie. Die Sicherheitsabsperrungen sind brusthoch und umgeben nicht den gesamten Platz.

„Soweit ist es gekommen“, steht in einem Facebook-Beitrag vom 1. November, „wir feiern Weihnachten in Käfigen.“ Dazu ist ein Foto eines Metallgitters zu sehen, im Hintergrund Weihnachtsbäume und die Gedächtniskirche auf dem Berliner Breitscheidplatz. Der Beitrag wurde bisher mehr als 450 Mal auf Facebook geteilt. 

Die Behauptung auf Facebook. (Screenshot: CORRECTIV)

Richtig ist: Das Foto wurde 2018 auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin aufgenommen. Die Perspektive lässt jedoch den Aufbau höher wirken, als er ist. Die Formulierung, es sei ein „Käfig“ ist irreführend, weil sie suggeriert, die Absperrung gehe um den gesamten Platz herum.

Eine Bilder-Rückwärtssuche über Google zeigt, dass mehrere Medien 2018 über Sicherheitsmaßnahmen auf dem Berliner Weihnachtsmarkt berichteten und das Foto als Titelbild für ihre Artikel verwendeten. In den Berichten heißt es unter anderem, der Weihnachtsmarkt sei nach dem Terroranschlag 2016 zur „Festung“ geworden. Als Bildquelle wird die DPA angegeben. 

Brusthohe Absperrungen auf zwei Straßenzügen nahe des Breitscheidplatzes

Eine CORRECTIV-Suche in der nicht-öffentlichen Bilderdatenbank der DPA, „Picture Alliance“, zeigt, dass das Bild von dem Fotografen Paul Zinken aufgenommen wurde. Zinken hat mehrere Fotos aus unterschiedlichen Perspektiven gemacht. Auf einem ist etwa zu sehen, dass es sich bei der Absperrung um einen breiten Aufbau aus Gitterstangen und Sandsäcken handelt. Das sieht man auch in einem Artikel der Berliner Zeitung von 2018. 

Auf den Fotos ist außerdem zu sehen, dass der Aufbau etwa brusthoch ist. Das Größenverhältnis zeigen auch die Warnbaken, die auf dem Foto ebenfalls zu sehen sind.  

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In einem Artikel des Tagesspiegel vom April 2019 ist zu lesen, dass der Breitscheidplatz nun dauerhaft mit solchen Absperrungen gesichert werden solle. 

Wir haben dazu bei der Senatsverwaltung für Inneres und Sport in Berlin angefragt. Sprecher Martin Pallgen antwortete CORRECTIV per E-Mail: „Das Bild auf FB vermittelt den Eindruck, dass um den Breitscheidplatz ein Zaun gezogen ist. Dem ist nicht so. Derzeit wird der Breitscheidplatz auf der Basis eines Zufahrtschutzkonzeptes mit mobilen Sperrsystemen geschützt, die schnellstmöglich durch dauerhafte Sicherungsmaßnahmen ersetzt werden sollen. Im Augenblick stehen mit Sandsäcken gefüllte und miteinander verbundene Drahtkörbe an der Budapester Straße und dem Tauentzien.“

E-Mail der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport. (Screenshot: CORRECTIV)

Es stehen also derzeit provisorische Aufbauten auf zwei Straßen nahe des Breitscheidplatzes. Dabei handelt es sich nicht um einen Zaun um den gesamten Platz, oder einen „Käfig“, wie im Facebook-Beitrag behauptet. Der Zufahrtsschutz soll außerdem dauerhaft bestehen, nicht nur an Weihnachten.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Es stehen aktuell Sicherheitsabsperrungen auf zwei Straßen nahe des Breitscheidplatzes, es handelt sich aber nicht um einen durchgängigen Zaun oder einen „Käfig“.

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Der „Zeit-Online“-Autor Christian Bangel. (Foto: Maurice Weiss)

von Till Eckert

Auf der Webseite Anonymous News wird behauptet, der Zeit-Online-Autor Christian Bangel fordere in einem Artikel den „Genozid am deutschen Volk“. Das stimmt nicht.

„Nach AfD-Wahlerfolg im Osten: ZEIT-Autor fordert gezielten Völkermord durch Migration“, titelte die Webseite Anonymous News in einem Artikel vom 3. November. Der Publizist Akif Pirinçci behauptet darin unter anderem, Autor Christian Bangel von Zeit Online habe in einem Artikel einen „eine ‘sofortige und massive Zuwanderung durch Migranten aus dem Ausland’ und damit einen Genozid am deutschen Volk“ gefordert. „Denn genauso definiert die UN Völkermord“, behauptet Pirinçci.

Der Artikel auf „Anonymous News“ mit falscher Behauptung über den „Zeit-Online“-Autoren Christian Bangel. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Artikel wurde bisher laut des Analysetools Crowdtangle als 550 Mal auf Facebook geteilt, unter anderem vom AfD-Ortsverband Schwandorf.

Bangel schreibt, Zuwanderung könnte Situation im Osten Deutschlands stabilisieren

Hintergrund ist ein Zeit-Online-Artikel vom 27. Oktober von Bangel. Er ist als Kommentar gekennzeichnet, also als Meinung des Autors (PDF, Seite 10). Bangel schreibt darin darüber, wie die AfD bei der Thüringen-Wahl abgeschnitten hat und darüber, wie er die Situation in Ostdeutschland wahrnimmt. 

Er macht unter anderem den Vorschlag: „Wer den Osten dauerhaft stabilisieren will, der muss vor allem für eines kämpfen: Zuwanderung. Massiv und am besten ab sofort. Zuwanderung aus dem Westen, Binnenzuwanderung aus den großen Städten in die ländlichen Räume, und ja, auch gezielte Migration aus dem Ausland.“ So könnten auch in „Verliererregionen“ stabile wirtschaftliche Strukturen aufgebaut werden, schreibt Bangel.

Christian Bangel in seinem Kommentar für „Zeit Online“. (Screenshot: CORRECTIV)

Diese Passage wird im Anonymous-News-Text herausgestellt und als Beleg dafür angeführt, dass Bangel sich für eine „Umvolkung“ ausspreche, einen „Genozid“, weil das die UN-Definition dafür sei. Bangel schreibt im Text aber nirgends von „Umvolkung“, „Genozid“, oder nutzt das Wort „Völkermord“. Das Ziel seines Vorschlags – also der gezielten Zuwanderung aus dem Westen, Binnenzuwanderung und Migration aus dem Ausland – sei im Gegenteil, dass in wirtschaftlich schwächeren Regionen Deutschlands „ein Miteinander von Generationen, Milieus und Haufarben“ entstehe.

Die UN definiert Zuwanderung und Migration nicht als Parameter für das Verbrechen Genozid

Genozid als internationales Verbrechen wurde erstmals 1946 von der UN-Generalversammlung festgestellt und 1948 in der sogenannten Genozid-Konvention (PDF) definiert. Alle Staaten sind laut dem internationalen Gerichtshof an den Grundsatz gebunden, dass Völkermord ein völkerrechtlich verbotenes Verbrechen ist, wie die UN schreibt. Das wurde 1948 ins deutsche Bundesgesetzblatt aufgenommen (PDF).

Die Handlungen, die erforderlich sind, damit ein Verbrechen als Genozid gilt, werden in Artikel 2 der Konvention definiert. Laut UN gibt es dabei zwei Hauptelemente: Ein mentales, „die Absicht, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören“. Und ein physisches, das diese fünf Handlungen beinhaltet:

  1. Das Töten von Mitgliedern der Gruppe
  2. Das Verursachen von schweren körperliche oder geistigen Schäden an den Mitgliedern der Gruppe
  3. Das bewusste Einwirken auf die Lebensbedingungen der Gruppe, die dazu führen sollen, diese ganz oder teilweise zu zerstören
  4. Die Einführung von Maßnahmen zur Verhinderung von Geburten innerhalb der Gruppe
  5. Gewaltsames Übertragen von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe

Zuwanderung oder Migration werden in der Konvention dagegen nicht genannt. Pirinçcis Aussage dazu ist demnach falsch.

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Im weiteren Verlauf des Textes schreibt Pirinçci, Zeit-Online-Autor Bangel gebe eine explizite Handlungsempfehlung und empfehle eine „Umvolkung“. Er legt Bangel damit nicht nur das Wort in den Mund, sondern offenbar auch seine eigene Theorie der „Umvolkung“, nach der mit Migration und Flüchtlingsaufnahme angeblich ein Plan verfolgt werden soll, die deutsche Gesellschaft auszutauschen. Pirinçci schrieb darüber selbst ein Buch mit dem Titel „Umvolkung“

Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen erwähnte den wegen Volksverhetzung verurteilten Pirinçci im Bericht 2017, weil er in diesem Jahr auf einer Veranstaltung des Vereins Pro Köln auftrat (PDF, Seite 30). Weiter steht im Bericht: „Der Begriff ‘Umvolkung’ stammt aus dem Sprachgebrauch des Nationalsozialismus für bevölkerungspolitische Maßnahmen im Sinne der NS-Ideologie. Derzeit verwenden den Begriff Rechtsextremisten, um ihre fremdenfeindlichen Positionen zu verbreiten. Sie wollen den Eindruck erwecken, dass durch Einwanderung eine ethnisch homogene Bevölkerungsgruppe durch eine andere ethnisch homogene Bevölkerungsgruppe vertrieben würde“. 

Fazit

Zeit-Online-Autor Bangel hat in seinem Kommentar keinen „gezielten Völkermord durch Migration“ gefordert, sondern schreibt von Zuwanderung als Vorschlag für ein stabileres Ostdeutschland. Die UN definieren Zuwanderung und Migration zudem nicht, wie im Artikel von Anonymous Nnews behauptet, als eine der Handlungen, die einen Genozid ausmachen.

Unsere Bewertung:
Falsch. Der „Zeit-Online“-Autor forderte keinen Völkermord. Die UN nennt „Zuwanderung“ oder „Migration“ nicht in ihrer Genozid-Konvention.

Geiss
Robert Geiss hier vermeintlich zu sehen mit Klaas Heufer-Umlauf in der TV-Sendung Late Night Berlin (Screenshot und Collage: CORRECTIV).

von Joana Splieth

Bilder von Robert Geiss werden derzeit für Anzeigen in Sozialen Netzwerken missbraucht, um dubiose Investment-Deals anzupreisen.

Auf Facebook kursieren mehrere Links, die zu einem kurzen Artikel über einen angeblichen Investment-Deal von Robert Geiss, bekannt unter anderem als Fernsehdarsteller in der Serie Die Geissens – Eine schrecklich glamouröse Familie, führen. Der Artikel zitiert vermeintliche Aussagen aus der TV-Sendung Late Night Berlin, in der Geiss von einer neuen „Cryptocurrency-Investmentplattform“ geschwärmt haben soll. Das ZDF-Logo über dem Artikel soll vortäuschen, dass es sich um die offizielle Seite der Show Late Night Berlin handelt, welche tatsächlich allerdings auf ProSieben läuft. Beim weiteren Recherchieren fällt auf, dass der Artikel kein Erscheinungsdatum trägt und weder auf der Website noch unter dem Artikel Autoren oder Kontaktpersonen genannt werden.

Robert Geiss bezieht Stellung

Robert Geiss war tatsächlich nie in der Sendung Late Night Berlin zu Gast, wie den Episodenzusammenfassungen von Staffel 1 und Staffel 2 auf der Webseite von Pro Sieben zu entnehmen ist. Auf Nachfrage wird uns von der Agentur der Familie Geiss bestätigt: Robert Geiss hat nie für derartige Investments geworben. In einer Stellungnahme für die Webseite Boulewahr, die sich nach eigenen Angaben für „fairen und ehrlichen Journalismus“ einsetzt und „lieber mit als über Prominente spricht“, äußert sich Robert Geiss zu dem Fall: „Das kommt auf keinen Fall von mir! Ich bin in keiner Talkshow gewesen und habe mich auch noch nie über Kryptowährungen ausgelassen. Und erst recht, habe ich damit kein Vermögen verdient. Das ist eine ganz klare irreführende Werbung, die da gelaufen ist.“

E-Mail vom Management von Robert Geiss. (Screenshot: CORRECTIV).

Der URL des Fake-Artikels zum Investment-Deal ist zu entnehmen, dass es sich eigentlich um die Webseite Ohfeelyah handelt. Weitere Anzeigen mit exakt dem gleichen Inhalt werden unter alternativen Links verbreitet (zum Beispiel unter Vegtrue). Die Domains sind über Google nicht auffindbar. Auch der Versuch über die Anzeige, auf deren Startseite zu gelangen scheitert. Jeder weitere Klick – etwa auf „Nachrichten“ oder „Doku/Wissen“ führt immer auf die selbe Bitcoin-Trading Webseite

Auf der Bitcoin Seite sind Logos großer Sicherheitsunternehmen wie Norton Security eingefügt. Sie sollen Seriosität suggerieren (Screenshot: CORRECTIV).

Die irreführende Webseite

Alles auf der Bitcoin Webseite ist darauf angelegt, dem Nutzer einzureden, dass man mit dem Bitcoin Trader sehr reich werden könne. Erst im Kleingedruckten am unteren Ende der Webseite findet sich der Hinweis, dass unvorhersehbare Risiken aufgenommen werden und Nutzer des Dienstes enorme Verluste verzeichnen können: „Sie können und sollten davon ausgehen, dass Sie wahrscheinlich Geld verlieren werden.“

„You may, and should assume you probably will, lose money trading“, heißt es im Kleingedruckten (Screenshot: CORRECTIV).

Sollte dennoch ein Besucher der Webseite in die Falle tappen und sich dafür entscheiden, der dubiosen Trading Seite seine Daten zu geben, so findet sich in den Datenschutzbestimmungen des Kleingedruckten die Klausel, dass die Daten weltweit zu Werbezwecken genutzt werden können und ein Schutz vor Missbrauch der Daten nicht garantiert wird: „Wir können den Gebrauch oder Missbrauch der angegebenen persönlichen Daten durch andere nicht verhindern.“

In den Datenschutzbestimmungen ist die Warnung zu finden: „We cannot prevent the use or misuse of such personal data by others“ (Screenshot: CORRECTIV).

Offenbar geht es bei dieser Bitcoin-Trading Webseite darum, Menschen in die Irre zu führen. Personen und Unternehmen, bekannt aus Medien und Gesellschaft, wie auch Robert Geiss, werden häufiger dazu benutzt, um einen Schein der Glaubwürdigkeit zu erzeugen. Es ist ein Versuch aus der Gutgläubigkeit von Personen Profit zu schlagen. Wir haben bereits andere Faktenchecks zu ähnlichen Fällen durchgeführt und sind bisher bei allen, sei es bei einer angeblichen Abnehmpille, bei Oliver Welke oder Elon Musk, immer zum selben Ergebnis gekommen: Dass die Meldungen falsch sind.

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Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Die Webseite des Artikels ist eine Fälschung und die angebliche TV-Sendung mit Robert Geiss hat es nie gegeben. Im Artikel wird eine Seite beworben, bei der es offenbar um Datenmissbrauch geht und bei der man ein hohes Risiko eingeht, Geld zu verlieren.

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Die Aufnahmen stammen aus dem Film „Pawn Shop Chronicles - 2013“. (Screenshot von den auf der Webseite News for friends verbreiteten Filmaufnahmen: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Die Webseite News for friends reißt Filmaufnahmen aus dem Kontext und nutzt sie als vermeintliche Belege für eine Verschwörungstheorie. Wir haben die Fakten recherchiert.

Die Webseite News for friends veröffentlichte am 17. Oktober einen Artikel mit der Überschrift: „2100 eingesperrte Kinder von US-Marines und Navy Seals aus DeepState-eigenen Untergrundbasen in Kalifornien befreit und gerettet!“ Dazu veröffentlichte sie Bilder von in Käfigen eingesperrten Frauen. Der Beitrag wurde bisher mehr als 1.200 Mal geteilt. 

Wir haben die Behauptungen geprüft. 

Der Beitrag auf der Webseite News for friends vom 17. Oktober 2019. (Screenshot: CORRECTIV)

Über eine Google-Bilder-Rückwärtssuche gelangten wir zu einem Reddit-Thread über das Bild, unter dem Nutzer über die Authentizität der Meldung diskutierten. Dort schrieb ein Nutzer am 22. Oktober: „This is a damn Fake Picture and anyone can find it. it’s from the damn movie ‘Pawn Shop Chronicles – 2013’ […]“. Tatsächlich finden sich im Netz mehrere Aufnahmen aus dem Film „Pawn Shop Chronicles – 2013“, die zu den von News for friends verbreiteten Bildern passen. Unter anderem hier, hier und hier.

Links zwei Aufnahmen aus dem Film „Pawn Shop Chronicles – 2013“, rechts das jeweils verfremdete Bild von der Webseite News for friends. (Collage aus Screenshots: CORRECTIV)

Als weiterer vermeintlicher Beleg wird im Artikeltext neben den Bildern eine Großübung von „von Marines und Navy Forces in Kalifornien“ genannt, in deren Verlauf die 2.100 Kinder aus der „Gefangenschaft in unterirdischen Bunkern“ befreit worden seien. Richtig ist: Laut der offiziellen Webseite der US-Marines gibt es eine Großübung, die jedoch erst Anfang November beginnen wird und nichts mit der Befreiung von Kindern zu tun hat. Die US-Marines beschreiben die Übung als „Kriegsspiel“ mehrerer Regimente. 

Auszug der Pressemitteilung der US-Marines. (Screenshot: CORRECTIV)

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Unsere Bewertung:
Falsch. Die Bilder zeigen keine geretteten Kinder, sondern stammen aus dem Film „Pawn Shop Chronicles – 2013“.

AUSTRIA-CONCERT-GROENEMEYER
Herbert Grönemeyer bei einem Auftritt im März 2019. (Symbolbild: Hans Punz/APA/AFP)

von Cristina Helberg

Im Netz kursiert seit Jahren die Behauptung, Herbert Grönemeyer zahle in Deutschland keine Steuern. Dafür gibt es keine Belege. Grönemeyer selbst sagt, er zahle hierzulande Steuern und hat auch kürzlich als Zeuge vor Gericht als Wohnsitz Berlin angegeben.

In mehreren Beiträgen in Sozialen Netzwerken wird aktuell behauptet, Herbert Grönemeyer zahle in Deutschland keine Steuern. Ein Facebook-Beitrag mit dieser Behauptung vom 16. September auf der Seite des bekannten Rockers Tim K. wurde bisher mehr als 3.800 Mal geteilt. Tim K. bezeichnet Herbert Grönemeyer darin als „Steuerflüchtling“, der „in England wohnt und keinen einzigen Cent Steuern in Deutschland zahlt“. 

Ein anderer Facebook-Nutzer schrieb am 16. September: „Grönemeyer […] lebt in London vermutlich Steuerflucht. Er zahlt in Deutschland keine Steuern […]“. Der Beitrag wurde bisher mehr als 1.600 Mal geteilt. 

Wir haben die Behauptungen geprüft. 

Der Vorwurf der Steuerflucht kursiert seit 2015 

Herbert Grönemeyer wurde schon 2015 vorgeworfen, in Deutschland keine Steuern zu zahlen. Er hatte zuvor in einer Talkshow gefordert, Reiche über höhere Steuern an den Kosten für Geflüchtete zu beteiligen. Auf die Vorwürfe reagierte er mit einer Pressemitteilung, die er im Oktober 2015 auch auf seinem verifizierten Facebook-Profil veröffentlichte. Darin schrieb er: „Der Musiker Herbert Grönemeyer versteuert seine Einnahmen ordentlich, rechtmäßig, rechtzeitig und sozialverträglich seit Ewigkeiten schon in Deutschland, beim Finanzamt Berlin.“ 

Eine Mitteilung vom 5. Oktober 2015 auf dem verifizierten Facebook-Account von Herbert Grönemeyer. (Screenshot: CORRECTIV)

Bei einer Pressekonferenz im November 2018 sagte Grönemeyer zu seinem Wohnsitz laut der Webseite Planet Interview: „Ich wohne seit neun Jahren in Berlin. Das habe ich nicht jedem auf die Nase gebunden, weil das ganz angenehm ist. Ich zahle auch mein Leben lang Steuern in Deutschland, selbst zu der Zeit als ich in England gewohnt habe […]“ Laut einem Bericht der Welt von Februar 2019 gab Grönemeyer bei einer Vernehmung als Zeuge vor dem Kölner Landgericht ebenfalls als Wohnort Berlin an. 

Höcke und Poschardt nahmen Behauptungen über Grönemeyer zurück 

Im vergangenen Monat hat Grönemeyer offenbar Anwälte eingeschaltet, um gegen die Behauptung vorzugehen. Am 2. Oktober 2019 veröffentlichte die Rechtsanwaltskanzlei Schertz Bergmann auf Twitter eine von ihr erwirkte Unterlassungserklärung. Darin verpflichtet sich der AfD-Politiker Björn Höcke, einen zuvor von ihm auf Twitter veröffentlichten Satz über Grönemeyer nicht mehr zu verbreiten. Höcke hatte behauptet: „Grönemeyer flüchtete aus dem ‘bunten’ Bochum und vor dem Finanzamt.“ Auch der Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt korrigierte seine Behauptung, Grönemeyer sei vor Steuersätzen nach London geflohen, am 18. September öffentlich in einem Tweet und schrieb: „Herr Grönemeyer hat seinen steuerlichen Wohnsitz in Deutschland.“ 

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Die Senatsverwaltung für Finanzen Berlin verweist auf telefonische Nachfrage von CORRECTIV auf das Steuergeheimnis. Deshalb lässt sich nicht verifizieren, ob Grönemeyer in Deutschland Steuern zahlt. 

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV an Herbert Grönemeyer antwortete die ihn vertretende Rechtsanwaltskanzlei Schertz Bergmann am 4. November per E-Mail: „Zu Ihrer Anfrage kann ich Ihnen mitteilen, dass Herr Grönemeyer seine Steuern in Deutschland zahlt. Jedwede Berichterstattung, die etwas anderes behauptet, ist rechtswidrig und falsch.“

Update, 04.11.2019: Am 4. November antwortete die Rechtsanwaltskanzlei Schertz Bergmann auf eine Presseanfrage von CORRECTIV an Herbert Grönemeyer. Wir haben den Text um die Antwort ergänzt. 

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es gibt keine Hinweise, dass Herbert Grönemeyer keine Steuern in Deutschland zahlt.

Fertige Collage Friedhof
Dieses Foto wird auf Facebook verbreitet – es ist nicht in Magdeburg entstanden. (Screenshot und Collage: CORRECTIV)

von Hüdaverdi Güngör

Bei Facebook wird ein Foto von Menschen verbreitet, die auf einem Friedhof grillen. Ein Nutzer behauptet, die Szene sei in Magdeburg aufgenommen. Wir waren vor Ort: Die Ortsangabe ist falsch. Die genaue Herkunft des Fotos ist unklar.

Ein Facebook-Nutzer veröffentlichte am 30. Juli einen Screenshot eines anderen Facebook-Beitrages. Auf dem Screenshot sind mehrere Personen zu sehen, die auf einem Friedhof grillen. Der Originalbeitrag ist nicht mehr verfügbar, aber die Person, die ihn ursprünglich veröffentlichte, markierte als Standort den Westfriedhof in Magdeburg und erweckte damit den Eindruck, dass das Foto dort entstanden sei. 

Der Nutzer, der den Screenshot verbreitet, schreibt unter anderem dazu: „Wo bleiben da die Medien um davon zu berichten?“ Der Beitrag wurde mehr als 10.600 Mal geteilt. Wir haben recherchiert, ob das Foto tatsächlich auf dem Westfriedhof in Magdeburg entstanden ist. Nach unserem Besuch vor Ort und einer Anfrage bei der Stadt Magdeburg können wir das ausschließen.

Das Foto wurde mehr als 10.600 Mal geteilt. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Das Foto ist nicht auf dem Westfriedhof in Magdeburg entstanden

Der Westfriedhof in Magdeburg umfasst rund 62 Hektar, die in einzelne Abschnitte unterteilt sind. Während unserer Suche nach einer Stelle, an der das Bild entstanden sein könnte, haben wir uns an Anhaltspunkten wie den Grabsteinen orientiert. Trotzdem konnten wir keine entsprechende Stelle vor Ort finden. 

Deshalb haben wir das Foto vor Ort dem Magdeburger Friedhofsgärtner Ernst Martin Einecke vorgelegt. Auf Nachfrage, ob das Foto auf dem Westfriedhof entstanden sein könnte, sagt er: „Auf dem Westfriedhof glaube ich nicht, die engen Steine und die Einfassung, eigentlich gibt es das hier so in der Art auf dem Westfriedhof nicht.“ 

Der Westfriedhof in Magdeburg umfasst 62,5 Hektar. (Foto und Collage: Güngör / CORRECTIV)

Zusätzlich haben wir das Foto aus dem Facebook-Beitrag der Pressestelle der Stadt Magdeburg vorgelegt. Auf Nachfrage bestätigt der Pressesprecher Michael Reif die Aussagen des Friedhofsgärtners: „Hiermit teile ich Ihnen […] mit, dass das Foto NICHT den Westfriedhof der Landeshauptstadt Magdeburg zeigt und auch nicht dort aufgenommen wurde.“

Die vollständige E-Mail des Pressesprechers der Stadt Magdeburg. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Herkunft des Fotos ist nicht geklärt

Wir haben das Foto durch die Google-Bilder-Rückwärtssuche laufen lassen. Die Suchergebnisse zeigen: Das Bild wurde in mehreren Ländern verbreitet. Außerdem findet man eine Version des Fotos, auf dem der Himmel und grüne Hügel im Hintergrund zu sehen sind. Demnach muss der Friedhof in einem eher ländlichen Gebiet liegen. 

Das vollständige Foto ist auf verschiedenen Webseiten im Netz zu finden.(Screenshot: CORRECTIV)

Auch der österreichische Faktencheck-Verein Mimikama hat zu dem Foto recherchiert, konnte die Herkunft aber nicht klären. Mimikama bezieht sich auf Artikel der serbischen Webseiten Telegraf und Hronograf, in denen gemutmaßt wird, dass das Foto in Serbien entstanden sein könnte, genauer gesagt in der Stadt Šabac. 

Dafür, dass der Friedhof in Šabac liegt, gibt es allerdings keine Belege. Der Stil der Gräber (schwarze Steine mit weißen Verzierungen links und rechts) ist zwar ähnlich wie auf einer Aufnahme von 2006, die in der Bilddatenbank Alamy zu finden ist. Ein Abgleich mit Satellitenaufnahmen von Google Maps zeigt jedoch, dass keiner der fünf Friedhöfe in der Stadt oder Umgebung in einem hügeligen ländlichen Gebiet liegt. Die grünen Hügel im Hintergrund des Fotos passen also eher nicht zu Šabac. 

CORRECTIV ist spendenfinanziert
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Unsere Bewertung:
Falsch. Das Foto ist nicht auf dem Westfriedhof in Magdeburg entstanden. Wo es aufgenommen wurde, ist unklar.

Collage ohne Titel-2
Hinterließen hier Klima-Demonstranten Müll? Das ist unklar. Sicher ist allerdings, dass das Bild eine Straße in Neapel zeigt. (Screenshot des Facebook-Beitrags und Collage: CORRECTIV)

von Tania Röttger

Auf Facebook kursiert ein Bild, das angeblich eine vermüllte Straße nach einer Klimaschutz-Demo zeigen soll. Das Foto stammt aus Italien. Ob Klima-Demonstranten den Müll hinterlassen haben, ist unklar.

Das Foto zeigt einen Mülleimer, der bis oben vollgestopft ist; um ihn herum auf dem Bürgersteig und auf der Straße liegt weiterer Müll, unter anderem Plastikflaschen und Verpackungen von McDonald’s. Ein Facebook-Nutzer veröffentlichte das Bild am 27. September, seitdem wurde es mehr als 2.500 Mal geteilt. Der Kommentar dazu lautet: „Klima und Umwelt Protest der Jugend heute in ? [sic] Ich habe dieses Foto von einem Freund zugesandt bekommen, anscheinend handelt es sich nicht um Bozen, sondern um eine andere Stadt! Egal, es macht keinen Unterschied!“

Auf dem Bild steht in weißer Schrift ein Name und auf Italienisch: „Hier sind die Umweltschützer…“. 

Woher stammt das Foto?

Eine Google-Rückwärtssuche nach dem Bild führt zu mehreren Artikeln darüber auf verschiedenen Webseiten, sowohl auf Englisch als auch auf Italienisch.

Ergebnisse der Bilder-Rückwärtssuche bei Google. (Screenshot: CORRECTIV)

In einem der Berichte findet sich der Hinweis, dass das Bild in Italien, genauer auf der Via Toledo in Neapel aufgenommen worden sei. Ein Vergleich mit einer Aufnahme von Google-Streetview zeigt, dass der Makeup-Laden Kiko, die Pizzeria und das Schuhgeschäft XEX, deren Schilder in dem Foto auf Facebook zu sehen sind, sich dort befinden.

Links die Aufnahme der Via Toledo 249 von Google-Streetview, rechts das Bild, das aktuell auf Facebook kursiert. (Screenshots und Markierungen: CORRECTIV)

Der Nutzer, der das Foto am Freitag, 27. September, auf Facebook verbreitete, schreibt, die Szene habe „heute“ stattgefunden. Ob das Bild jedoch vom 27. September stammt, ist unbelegt.

Zeigt das Bild Klima-Demonstranten?

Tatsächlich führte der offizielle Demonstrationszug, den die neapolitanische Fridays-for-Future-Bewegung für den 27. September auf ihrer Facebook-Seite ankündigte, nicht an der Stelle an der Via Toledo vorbei, von der das Foto stammt.

Der offizielle Verlauf des Umzugs laut der Facebook-Seite der Fridays-for-Future-Bewegung Neapel. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)
Die Route auf Google-Maps rekonstruiert, mit dem Standpunkt unten rechts, wo sich der Kiko-Laden und die Pizzeria befinden. (Screenshot: CORRECTIV).

Selbst wenn das Foto in der Via Toledo also am Tag der Klima-Demonstration entstanden sein sollte, gibt es keine Belege dafür, dass die Personen, die den Müll verursacht haben, auch daran teilnahmen.

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Das Foto stammt aus Neapel; wann es entstand, ist unklar. Der offizielle neapolitanische Fridays-for-Future-Umzug vom 27. September führte zudem nicht an der Stelle vorbei, an der das Foto aufgenommen wurde.