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Falschmeldungen stellen eine Gefahr für die Demokratie dar. Unsere Faktenchecker gehen Gerüchten nach und veröffentlichen ihre Rechercheergebnisse auf dieser Seite. Mehr erfahren

Bewertung: völlig falsch

Der Brief eines angeblichen Kommissars aus Chemnitz ist eine Fälschung

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Dieser Brief, der unter anderem per Whatsapp verschickt wird, ist eine Falschmeldung. (Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

In einem Brief eines angeblichen Kommissars aus Chemnitz wird behauptet, die Polizei habe einen Übergriff auf zwei Mädchen beim Bürgerfest Chemnitz durch junge Männer mit Migrationshintergrund verschwiegen. Laut Polizei Chemnitz und dem Veranstalter hat es den Vorfall nicht gegeben.

„Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin Polizeioberkommissar im Polizeirevier Chemnitz Mitte“: So beginnt ein Brief eines angeblichen Beamten, der im Netz und in Messenger-Diensten kursiert. Darin wird behauptet, es habe einen Übergriff beim Bürgerfest Chemnitz am 24. August gegeben. Mehrere Nutzer luden den Brief auf Facebook hoch, und ein Leser schickte ihn CORRECTIV auch per Email zu. Er hat ihn nach eigenen Angaben per Whatsapp erhalten.

Laut Polizei Chemnitz und dem Veranstalter des Bürgerfestes ist der Brief eine Fälschung. 

Einer der Facebook-Beiträge mit dem Foto des Briefes. (Screenshot am 6. September: CORRECTIV)

Der Brief, der zahlreiche Rechtschreibfehler enthält, ist auf den 27. August 2019 datiert. Darin wird geschildert, dass es beim Bürgerfest in Chemnitz am späten Samstagabend, 24. August 2019, einen Vorfall gegeben habe: Zwei 15-jährige Mädchen seien von einer Gruppe von sieben „jungen Männern mit Migrationshintergrund“ sexuell belästigt und geschlagen worden. Die zwei jugendlichen Begleiter der Mädchen seien ebenfalls geschlagen worden, einer habe „zwei Schnittverletzungen im Baubereich“ erlitten. 

Der Verfasser der Briefes erhebt zudem Vorwürfe gegen die Polizei Chemnitz: In einer Dienstbesprechung am Folgetag (Sonntag, 25. August) mit dem Revierleiter sowie einem Vertreter der Polizeipressestelle und zwei Personen von der Stadt Chemnitz sei beschlossen worden, über den Fall „aus Mangel an öffentlichem Interesse“ nicht zu berichten. Er und seine Kollegen hätten einen „Maulkorb“ bekommen. Der Grund dafür seien „das Parteibuch des Revierleiters“ und die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen.  

Polizei Chemnitz: Der Brief ist eine Falschmeldung

Auf eine Anfrage von CORRECTIV an die Pressestelle der Polizei Chemnitz schickte Sprecherin Jana Ulbricht uns eine Pressemitteilung vom 29. August 2019 zu, in der die Polizei erklärt, der Brief sei „in allen Belangen eine Falschmeldung“. „Der Polizei ist keine derartige Auseinandersetzung bekannt. Es waren keine Beamten der Polizeidirektion Chemnitz zu einem solchen Anlass im Einsatz.“ Zudem habe es keine Besprechung mit dem Revierleiter gegeben, und entsprechend auch „keine Anweisung zur Nichtberichterstattung oder zum Bewahren von Stillschweigen“. Die Mitteilung wurde auch am 29. August von der Polizei Sachsen auf Twitter verbreitet.  

Die Pressemitteilung der Polizei zu dem Brief. (Screenshot: CORRECTIV)

Es gibt kein Polizeirevier namens Chemnitz-Mitte mehr

Zudem schreibt Ulbricht in ihrer Mail an CORRECTIV: „Noch zu erwähnen wäre, dass es bereits seit der letzten Strukturreform zu Beginn des Jahres 2013 kein Revier Chemnitz-Mitte mehr gibt.“ 

Tatsächlich findet sich dieses Revier nicht auf der Webseite des Polizeidirektion Chemnitz. Dort sind alle Polizeireviere aufgelistet. Das Revier Chemnitz-Mitte wurde offenbar nicht geschlossen, aber umbenannt. Gibt man bei Google „Polizeirevier Chemnitz Mitte“ ein, wird es noch auf Seiten wie dem Branchenbuch angezeigt. Als Adresse steht dort die Hartmannstraße 24. An dieser Adresse werden auf der Webseite der Polizeidirektion Chemnitz jedoch aktuell nur die Polizeidirektion selbst und das Polizeirevier Chemnitz-Nordost geführt. 

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Auch in einer Antwort auf die Anfrage einer Grünen-Abgeordneten im Sächsischen Landtag von August 2013 wird die Umstrukturierung zum 1. Januar 2013 im Rahmen des Projektes „Polizei.Sachsen.2020“ erwähnt. In der Liste der Reviere und ihrer Personalausstattung gibt es kein Revier Chemnitz-Mitte – aber das Revier Chemnitz-Nordost. Das macht den Brief über das Bürgerfest sehr unglaubwürdig: Jemand, der als „Polizeioberkommissar“ in Chemnitz arbeitet, müsste die korrekte Bezeichnung kennen. 

Veranstalter des Bürgerfests nennt den Brief einen „Fake“

Ein Sprecher der Stadt Chemnitz, von der angeblich laut dem Verfasser des Briefes zwei Vertreter bei der Dienstbesprechung der Polizei anwesend gewesen seien, teilte CORRECTIV per Email mit: „Wir haben keinerlei Hinweise auf diesen Vorfall und waren als Stadt das gesamte Wochenende mit den Organisatoren des Bürgerfestes in Kontakt.“ 

Die Email eines Sprechers der Stadt Chemnitz. (Screenshot: CORRECTIV)

Und auch der Sprecher des Chemnitzer Bürgerfestes, Sebastian Thieswald, sagt CORRECTIV am Telefon über den Brief: „Ich bin auf das äußerste empört. Das ist ein Fake, von vorne bis hinten.“ Er habe selbst beim Bürgerfest von Freitagmorgen bis Montagnachmittag alle zwei bis drei Stunden mit der Polizei in Kontakt gestanden. Er sei ständig vor Ort und auch nachts der letzte gewesen, der eine Runde gedreht habe, um Müll einzusammeln. Zudem habe es eine eigene Security gegeben, mit der er auch stets über Funk und Telefon in Verbindung gewesen sei. Er wisse nichts von dem angeblichen Vorfall, sagt er. „Ich war über jeden Zwischenfall informiert.“ Das Bürgerfest sei friedlich verlaufen.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Der Brief ist eine Fälschung. Den Vorfall gab es nach übereinstimmenden Aussagen von Polizei, Veranstalter und der Stadt Chemnitz nicht.

Bewertung: falsch

Die Polizei berichtete nicht über die Vergewaltigung einer 13-Jährigen in Graz – zum Schutz des Opfers

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Warum wurde die Öffentlichkeit nicht über eine Vergewaltigung in Graz 2018 informiert? Die Polizei erklärt dies mit dem Schutz des minderjährigen Opfers. (Symbolfoto: fsHH / Pixabay)

von Alice Echtermann

In einem Leserbrief in der „Kleinen Zeitung“ in Österreich wird behauptet, über eine Vergewaltigung einer 13-Jährigen sei 2018 von der Polizei nicht berichtet worden, weil Ausländer beteiligt waren. Die Polizei bestreitet das. Der Grund sei der Schutz des Opfers gewesen.

Die Facebook-Seite „Einzelfälle in Österreich“ veröffentlichte am 18. August ein Foto eines Leserbriefs, offenbar aus einer Zeitung. Er bezieht sich auf einen Artikel mit dem Titel „13-Jährige brutal vergewaltigt“, laut des angegebenen Datums wurde dieser am 7. August veröffentlicht. In dem Brief schreibt ein Leser namens Werner S., über die Vergewaltigung habe nichts im Polizeibericht an die Presse gestanden. Weiter behauptet er, Amtshandlungen, die Ausländer betreffen, würden regelmäßig „in den Schubladen von Polizei und Justiz verschwinden“. Somit würden Verbrechen vertuscht und Täter geschützt. Der Facebook-Beitrag wurde bisher mehr als 2.800 Mal geteilt. 

CORRECTIV-Recherchen haben ergeben, dass der Leserbrief aus der regionalen Tageszeitung Kleinen Zeitung stammt. Auf Anfrage schickte die Redaktion uns den Zeitungsbericht und den Leserbrief zur Bestätigung als PDF zu. Der Leserbrief erschien demnach am 18. August. Der Artikel ist online nicht zu finden, allerdings gibt es auf der Webseite der Kleinen Zeitung eine andere Version vom 6. August (bezahlpflichtig), in der es um denselben Fall geht.

Der Facebook-Beitrag mit dem Foto des Leserbriefs. (Screenshot am 9. September: CORRECTIV)

Der Artikel, der in der gedruckten Zeitung am 7. August 2019 erschienenen ist, beginnt mit den Worten: „Fast ein Jahr lang wurde dieser schockierende Fall der Öffentlichkeit verschwiegen.“ Allerdings wird im Artikel kein Grund dafür genannt. 

Im Text steht weiter, ein 13-jähriges Mädchen aus Afghanistan sei Ende Oktober 2018 in Graz von fünf jungen Männern – ebenfalls Afghanen – in einer Wohnung vergewaltigt worden. Die fünf Täter seien zwischen 17 und 22 Jahre alt gewesen. Sie seien am 11. Juli 2019 vor dem Grazer Landesgericht verurteilt worden, zu sechseinhalb, vier, sieben und zweimal acht Jahren Haft. Die Urteile seien aber noch nicht rechtskräftig. Das Mädchen sei ein „Flüchtlingsmädchen“, heißt es in dem Artikel. 

Polizeisprecher: Keine Pressearbeit zum Schutz des Opfers

Fritz Grundnig, Sprecher der Landespolizeidirektion Steiermark, bestätigte auf eine Anfrage von CORRECTIV per Mail, dass das Mädchen und die Täter die afghanische Staatsbürgerschaft haben. Er bestreitet aber, dass dies der Grund war, warum über den Fall nicht berichtet wurde. Es habe „aufgrund interner Vorschriften und in Absprache mit der Staatsanwaltschaft als Leiterin des Ermittlungsverfahrens bei Sexualdelikten aus Gründen des Opferschutzes keine aktive Pressearbeit“ gegeben. Das Opfer sei minderjährig und alle Verdächtigen seien bekannt gewesen, so dass keine Öffentlichkeitsfahndung nötig gewesen sei. „Dass Opferschutz in derartigen Fällen besonders zu beachten ist, beweist auch die Entscheidung des Gerichtes, die Verhandlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchzuführen.“

Die Email des Sprechers der Landespolizeidirektion Steiermark, Fritz Grundnig. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch Barbara Schwarz, Sprecherin des Landesgerichts für Strafsachen Graz, bestätigt, dass die Eckdaten des Falls im Bericht der Kleinen Zeitung korrekt wiedergegeben seien. Sie erklärt auf Anfrage per Email: „Bei dem von Ihnen angesprochenen und im Leserbrief monierten Fall handelt es sich um die Verurteilung von jugendlichen Straftätern, daher war die Öffentlichkeit bei der Verhandlung ausgeschlossen und gab und gibt es auch keine Informationen zu den einzelnen Personen (Täter und Opfer), dies zum gesetzlich vorgesehenen Schutz der jugendlichen Täter und des – ebenfalls jugendlichen – Opfers.“ 

Die Email der Sprecherin des Landesgerichts Graz, Barbara Schwarz. (Screenshot: CORRECTIV)

Polizei und Gericht betonen, die Nationalität der Täter oder des Opfers hätten bei der Entscheidung, die Öffentlichkeit nicht zu informieren, keine Rolle gespielt. „Die Nationalität von Täter und Opfer ist unerheblich, bedeutsam ist allein das jugendliche Alter von Täter und Opfer und der damit verbundene besondere rechtliche Schutz“, so Schwarz. 

Und Polizeisprecher Grundnig schreibt: „Die im von Ihnen zitierten ‘Leserbrief’ behaupteten Vorwürfe gegen Polizei und Justiz entbehren jeglicher Grundlage. Die Staatsangehörigkeit von Opfern und von Tatverdächtigen spielen für polizeiliche Ermittlungstätigkeit und die damit einhergehende Berichterstattung keine Rolle.“

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Nationalität von Tätern und Opfer war nicht der Grund, die Öffentlichkeit nicht zu informieren. Es ging um den Schutz des minderjährigen Opfers.

Bewertung: richtig

Ja, dieses Video zeigt eine Schlägerei in Berlin-Neukölln im August 2019

Bildschirmfoto 2019-09-05 um 12.33.28
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Bildschirmfoto 2019-09-05 um 12.33.28
Dieses Video wird tausendfach auf Facebook geteilt. Es stammt aus Berlin. (Screenshot am 5. September 2019: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Ein tausendfach in Sozialen Netzwerken geteiltes Video zeigt eine Gruppenschlägerei in Berlin. Die Polizei bestätigt, dass es Ende August in der Weserstraße in Neukölln aufgenommen wurde. Die Angaben über das Video sind korrekt.

Auf Facebook veröffentlichte ein Nutzer am 28. August ein Video mit der Beschreibung „Willkommen in Berlin“. Es zeigt einen Tumult in einer Straße, bei dem mehrere Männer unter anderem mit Straßenschildern aufeinander losgehen. Ein Mann läuft mit einem schwertähnlichen Gegenstand in der Hand herum. Gefilmt wurde offenbar von einer  erhöhten Position aus einem Haus gegenüber. Das Video wurde innerhalb von neun Tagen mehr als 13.000 Mal geteilt. 

Der Facebook-Beitrag vom 28. August 2019. (Screenshot am 5. September 2019: CORRECTIV)

Am 29. August tauchte noch eine zweite Version des Videos auf Facebook auf, in der ab der Hälfte weiteres Material zu sehen ist, das von jemandem unten auf der Straße aufgenommen wurde. Der Nutzer schreibt zu dem Video, es zeige Berlin Neukölln am 28. August 2019. Tatsächlich scheinen die beiden Aufnahmen denselben Vorfall zu zeigen: Die Merkmale der Straße stimmen in beiden Video-Teilen überein, in beiden Videos ist ein weißer Lieferwagen am Straßenrand zu sehen.  

Eine zweite Version des Videos vom 29. August, bei der die Szene aus einem anderen Blickwinkel gezeigt wird. (Screenshot am 5. September: CORRECTIV)

Polizei bestätigt Echtheit des Videos

Die Polizei Berlin veröffentlichte am 28. August eine Pressemitteilung, die zu dem Fall passt. Darin heißt es, es sei „gestern“ – also am 27. August 2019 – zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung in der Weserstraße zwischen Fulda- und Weichselstraße gekommen, bei der 40 bis 50 Personen unter anderem Verkehrsschilder eingesetzt hätten. Am Einsatzort sei zudem eine Machete gefunden worden. Zwei Männer und ein 13-Jähriger seien verletzt worden.

Die Pressemitteilung der Polizei Berlin zu dem Fall. (Screenshot am 5. September: CORRECTIV)

CORRECTIV schickte der Polizei Berlin das Video per Email zu, mit der Bitte um eine Überprüfung. Daraufhin bestätigte Sprecher Martin Halweg am Telefon: „Ja, das Video gibt in Teilen wieder, was sich in der Weserstraße zugetragen hat.“ Es werde wegen gefährlicher Körperverletzung sowie des Verdachts auf Landfriedensbruch ermittelt. Zusätzlich verwies Halweg in einer Mail auf die Pressemitteilung vom 28. August.

Die Email mit der Bestätigung der Polizei Berlin, dass das Video den Vorfall in Neukölln zeigt. (Screenshot: CORRECTIV)

Weitere Details zum aktuellen Stand der Ermittlungen teilte Halweg auf Nachfrage nicht mit. Es werde noch geprüft, ob ein Zusammenhang mit einem Vorfall einen Tag zuvor, am Montag, 26. August, bestehe, hieß es. Bei dem Vorfall kam es laut Pressemitteilung der Polizei in der Fuldastraße – also in unmittelbarer Nähe des Ortes, an dem das Video am 27. August entstand – zu einem Streit zwischen zehn bis 15 Personen. Zwei Männer erlitten Stich- beziehungsweise Schnittverletzungen.

Mit einem Abgleich der Aufnahmen von Google-Streetview lässt sich zusätzlich bestätigen, dass das Video an dem Ort aufgenommen wurde, den die Polizei in der Pressemitteilung nennt: in der Weserstraße zwischen Fulda- und Weichselstraße. Das Haus sieht heute etwas anders aus als in den Streetview-Bildern von 2008, aber die Anordnung der Fenster, Balkone und Türen stimmt überein.

Das Haus in der Weserstraße, vor dem der Streit passierte. Die Aufnahme von Google-Streetview ist mehrere Jahre alt, die Anordnung der Fenster, Balkone und Türen stimmt jedoch überein. (Screenshot am 5. September und Schwärzung: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Richtig. Das Video zeigt eine Schlägerei in Berlin-Neukölln am 27. August 2019.  

Bewertung: größtenteils richtig

Ja, dieses Video ist echt, aber Wiesbaden ist so sicher wie seit 1984 nicht mehr

Wiesbaden 6
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Wiesbaden 6
Szene aus dem bei Facebook veröffentlichten Video von der Auseinandersetzung in Wiesbaden-Biebrich. (Screenshot: CORRECTIV)

von Philip Steeg

Ein vielfach geteiltes Video auf Facebook zeigt eine Szene in Wiesbaden-Biebrich, bei der sich zwei Personengruppen anschreien und mit Gegenständen bewerfen. Das Video ist authentisch. Dass Wiesbaden immer unsicherer werde, wie in der Video-Beschreibung behauptet wird, ist allerdings nicht richtig.

Das am 2. August auf Facebook veröffentlichte Video zeigt eine Auseinandersetzung zwischen zwei Personengruppen, die sich an einer Straßenkreuzung gegenüberstehen, bedrohen und einander mit Gegenständen bewerfen. Zu sehen sind etwa ein Dutzend Männer und einige Zuschauer. Der Facebook-Beitrag wurde bereits mehr als 4.800 Mal geteilt. 

Der Beitrag wurde bereits mehr als 4.800 Mal geteilt (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Wie die Polizei Wiesbaden auf Anfrage von CORRECTIV per Mail mitteilt, zeigt das Video einen Vorfall, der sich am 1. August 2019 gegen 21.30 Uhr in der Rathausstraße Ecke Adolf-Todt-Straße zutrug. Die Pressestelle der Polizei Wiesbaden veröffentlichte hierzu am 2. August eine Pressemitteilung

Auszug aus einer Pressemitteilung der Polizei Wiesbaden vom 2. August 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Die Polizei teilte CORRECTIV außerdem mit, dass der Vorfall möglicherweise die Folge eines Streits sei, der sich am 24. Juli 2019 gegen 19 Uhr vor einer Bar in der Rathausstraße zugetragen habe. Dabei soll ein 48-Jähriger einen 32-jährigen Barbesitzer beleidigt und bedroht haben. Die Polizei nahm hierzu nach eigenen Angaben eine Anzeige auf. 

Eine Mail der Polizei Wiesbaden an CORRECTIV. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)
Eine weitere Mail der Polizei Wiesbaden an CORRECTIV. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Doch, die Polizei war vor Ort 

Einige Nutzer fragen in den Kommentaren unter dem Video auf Facebook, warum die Polizei bei der Auseinandersetzung am 1. August nicht aktiv geworden sei. Die Annahme, die Polizei sei nicht eingeschritten, ist jedoch falsch. 

Aus dem Pressebericht der Polizei Wiesbaden geht hervor, dass diese vor Ort war. So seien nach dem Eintreffen der Polizei „die Personalien mehrerer mutmaßlicher Beteiligter festgestellt“ worden. Verletzte seien nicht festgestellt worden. Ebenfalls habe keiner der Beteiligten Anzeige erstattet. Die Polizei ermittle aber trotzdem in dem Fall.

Kommentar eines Facebook-Nutzers (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)
Kommentar eines Facebook-Nutzers (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Die Behauptung im Beschreibungstext des Videos, die Menschen auf der Straße seien keine Deutschen, stimmt: Wie die Polizei CORRECTIV per Email bestätigte, hatten die an den Vorfällen vom 24. Juli und 1. August beteiligten Personen, deren Personalien aufgenommen wurden, die rumänische Staatsbürgerschaft. 

Wiesbaden ist heute sicherer als in den 40 Jahren zuvor 

Nicht richtig ist jedoch die Botschaft, die im Beschreibungstext des Videos impliziert wird: dass die Stadt immer unsicherer werde. Wie aus der Kriminalstatistik der Polizei Hessen hervorgeht, sinkt die Kriminalitätsrate in dem Bundesland seit mehreren Jahrzehnten stetig. So sei „die Gefahr, in Hessen Opfer von Kriminalität zu werden, […] so gering, wie seit 40 Jahren nicht mehr“. Auch in Wiesbaden sank die Zahl der registrierten Straftaten laut Kriminalstatistik (Seite 5) insgesamt. Demnach stellten die in 2018 erfassten Fallzahlen in der Stadt den niedrigsten Wert seit 1984 dar.

Auszug aus der Kriminalitätsstatistik 2018 des Polizeipräsidiums Westhessen zur allgemeinen Entwicklung der Kriminalität in der Landeshauptstadt Wiesbaden. Die Aufklärungsquote (AQ) stieg in den letzten Jahre an. (Screenshot: CORRECTIV)

Einer  Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Westhessen vom 20. Mai 2019 zufolge, ist auch die Straßenkriminalität in Wiesbaden laut Statistik gesunken. Diese befinde sich auf dem niedrigsten Stand seit 1989. 2018 wurden 4.139 Fälle gezählt. Das sind 549 Fälle weniger als im Vorjahr. Auch die Aufklärungsquote von Kriminalität generell habe sich in Wiesbaden verbessert und liege „nun mit glatt 64,0 Prozent auf dem höchsten Wert seit 1984“.

Auszug aus der Kriminalitätsstatistik 2018 des Polizeipräsidiums Westhessen zur Straßenkriminalität. Auch bei dieser stieg die Aufklärungsquote (AQ) in den letzten Jahre an. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Das Video ist echt. Es wurde in Wiesbaden gefilmt und zeigt einen Streit zwischen zwei Gruppen. Dass die Stadt immer unsicherer werde, stimmt aber nicht.

Bewertung: falsch

Kindesentführung mit weißem Lieferwagen? Wie ein Gerücht von 2012 wieder Eltern verunsichert

Bildschirmfoto 2019-07-05 um 16.42.54
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Bildschirmfoto 2019-07-05 um 16.42.54
Das Gerücht eines weißen Lieferwagens, aus dem Kinder angesprochen werden, kursiert bereits seit 2012. (Symbolbild: weis2 /pixabay, Bearbeitung: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Ein Facebook-Beitrag aus dem Jahr 2012 wurde in den letzten 24 Stunden von mehr als 12.500 Personen geteilt. Darin werden Eltern gewarnt, ein Mann in einem weißen Lieferwagen versuche, Kinder zu entführen. Der Beitrag wurde schon vor sieben Jahren entkräftet.

Am 12. Juni 2012 veröffentlichte ein Facebook-Nutzer einen Beitrag, der Eltern davor warnt, ein Mann in einem „weißen Bulli“ versuche, Kinder anzusprechen und zum Einsteigen in seinen Lieferwagen zu überreden. Der Nutzer schrieb: „Heute war die Polizei an den Schulen in KH und hat nochmal darauf hingewiesen, dass wir allen Kindern sagen sollen, dass sie auf kein Fall in einen weißen Bulli steigen sollen. Denn es wurde mehrfach ein VW Bulli gesehen und der Mann hat sich als Fahrer der VBE ausgegeben und sagte den Kindern, die Busse sein defekt. Der Typ fährt wohl durch ganz Deutschland.“ Der Beitrag wurde insgesamt mehr als 28.000 Mal geteilt. Davon mehr als 12.500 Mal in den letzten 24 Stunden. 

Facebook-Beitrag aus dem Jahr 2012, der aktuell wieder tausendfach geteilt wird. (Screenshot: CORRECTIV)

Unklar bleibt in dem Beitrag, wo sich der Vorfall ereignet haben soll. Eine Google-Suche nach den Begriffen „weißer bulli kinder“, führt zu mehreren Artikeln zum Thema. Der erste Treffer ist ein Artikel des österreichischen Faktencheck-Vereins Mimikama aus dem Jahr 2012. Der Titel des Textes: „Stille Post 2.0: Der weiße Bulli! Der Mann im weißen Kleinbus welcher an Haltestellen Kinder anspricht – ist ein Fake!“. 

Die Autoren des Mimikama-Artikels gingen im Juni 2012 auf denselben Facebook-Beitrag ein, der nun wieder tausendfach geteilt wird. Detailliert recherchierte sie, was hinter der damals verbreiteten Warnung steckte. Das Ergebnis: Alles basierte auf einem Missverständnis im September 2011. Darüber berichtete im Oktober 2011 auch die Augsburger Allgemeine Zeitung. Ein Großvater hatte auf der Suche nach seiner Enkelin am 19. September 2011 in Kempten eine Gruppe Schüler aus seinem blauen Wagen angesprochen. Die Polizei klärte den Vorfall auf. Laut Berichten der Augsburger Allgemeine Zeitung verbreiteten sich im Netz jedoch weiter Gerüchte über Personen die Kinder in Fahrzeuge locken würden, diesmal über einen weißen Lieferwagen. 

Polizei: „Dabei handelt es sich de facto um eine Falschmeldung!““

Wir haben die zuständige Polizeistelle Schwaben Süd kontaktiert und den Facebook-Beitrag weitergeleitet. Die Antwort des Pressesprechers Christian Eckel: „Dieser Post ist mir persönlich aus dem Jahr 2012 bekannt. Damals wurde er deutschlandweit geteilt und ploppte immer wieder mal auf. Dabei handelt es sich de facto um eine Falschmeldung!“ Der Pressesprecher verweist auf den Artikel der Faktenchecker von Mimikama, der damals in Zusammenarbeit mit der Polizei entstanden sei und die Historie des Posts nachverfolge. 

Auch aktuell gebe es im Zuständigkeitsbereich der Dienststelle keine Vorfälle, auf die die Beschreibung im Facebook-Beitrag zutreffen könnte. Trotzdem kursieren Gerüchte. „In den folgenden Monaten und Jahren, bis heute, kommt es immer wieder zur ‘Auffrischung’ der Fälle des weißen Bullys und des blauen Wagens. Teilweise vermischt“, so der Polizeisprecher. 

Auch keine Fälle in Bad Kreuznach 

Weil in dem Facebook-Beitrag als Ort „KH“ erwähnt wird, haben wir auch bei der Polizei in Bad Kreuznach nachgefragt. KH ist das Ortskürzel auf Nummernschildern für Bad Kreuznach. Die dortige Kriminalpolizei antwortete uns, aktuell sei kein Fall von einem Kinderansprecher bekannt. Der Sprecher schrieb aber auch: „Ich kann nicht ausschließen, dass im Jahr 2011 oder 2012 Kinder aus einem weißen Bulli angesprochen wurden. Entsprechende Meldungen bewahren wir nicht so lange auf. Aber ich kann ausschließen, dass wir aktiv nach einem weißen Kastenwagen o.ä. gefahndet haben, weil der Verdacht bestand, dass ein Kind entführt werden sollte.“

Außerdem erinnere sich eine Mitarbeiterin daran, „dass es damals diese Warnung vor einem weißen Kastenwagen in den sozialen Medien schon gab und diese Warnung auch in der HOAX- Liste aufgeführt war“.

Email der Kriminalinspektion Bad Kreuznach. (Screenshot: CORRECTIV)

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Auch Entwarnung in Mittelfranken

Wer im Netz nach den Begriffen „weißer bulli kinder“ sucht, stößt jedoch auch auf aktuelle Meldungen von April und Mai 2019. Damals tauchten erneut Gerüchte um einen weißen Lieferwagen auf. Diesmal hieß es unter anderem, aus einem weißen Lieferwagen heraus seien in Mittelfranken Fotos von Kindern gemacht worden. 

Wir haben die zuständige Polizeidienststelle Mittelfranken kontaktiert. Pressesprecher Michael Hetzner sagte uns am Telefon: „Die Vorwürfe konnten nicht bestätigt werden. In einem Fall hatten offenbar Touristinnen Fotos gemacht. Es handelte sich nicht um eine Straftat“. In Whatsapp-Gruppen und anderen sozialen Netzwerken seien trotzdem Gerüchte ohne Quelle weiterverbreitet worden. In einer Pressemitteilung im Mai schrieb die Polizei zu den Beobachtungen: „Bislang konnten jedoch keine Erkenntnisse gewonnen werden, welche den genannten Sachverhalt bestätigen.“ Daran habe sich laut Pressesprecher bis heute nichts geändert.

Pressemitteilung der Polizei Mittelfranken vom 8. Mai 2019 (Screenshot: CORRECTIV).
Unsere Bewertung:
Falsch. Das Gerücht eines weißen Lieferwagens, aus dem Kinder angesprochen werden, kursiert bereits seit 2012. In Südschwaben, Bad Kreuznach und Mittelfranken gibt es laut Polizei keine Fälle, auf die die Beschreibung im Facebook-Beitrag zutreffen könnte.

Bewertung: falsch

Nein, der Polizist in Ostritz und der Neonazi-Sänger „Lunikoff“ sind nicht dieselbe Person

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Diese Bildmontage kursiert im Netz. Darauf ist links ein Bundespolizist zu sehen, und rechts der Neonazi Michael Regener. (Screenshot und Anonymisierung: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Im Einsatz bei einem Neonazi-Festival in Ostritz geriet ein Polizist in den Fokus, weil er Aufnäher mit Bezügen zu Kreuzrittern und Spartanern trug. Nun vergleicht ihn eine Fotomontage mit dem rechtsextremen Sänger Michael Regener.

Nach dem Rechtsrock-Festival „Schild und Schwert“ im sächsischen Ostritz wurde über das Bild eines Bundespolizisten diskutiert, weil er zwei Aufnäher auf seiner Jacke trug. Diese weisen Bezüge zu den Kreuzrittern und Spartanern auf und wecken damit Assoziationen zur rechten Szene. Sie sind jedoch kein Beleg dafür, dass der Beamte mit dieser Szene sympathisiert. CORRECTIV hat in einem Faktencheck dargelegt, dass das Foto echt ist. 

Einer von mehreren Facebookbeiträgen mit der Bildmontage. (Screenshot und Anonymisierung: CORRECTIV)

Kurze Zeit später tauchte auf Facebook eine Bildmontage auf, die das Foto des Polizisten neben das eines Sängers einer Rechtsrock-Band stellt. Darüber steht: „Skandalöse Doppelbelastung in Ostritz: Wenn du nach dem Dienst direkt auf die Showbühne musst.“ Das Bild wurde auf vielen Seiten geteilt. In einer etwas anderen Version heißt es in der Überschrift: „Cool, wenn man sein eigenes Nazi-Publikum vorher in Uniform kennenlernen kann.“ Zahlreiche Facebook-Nutzer reichten die Montage als potentielle Falschmeldung ein. Falls sie satirisch gemeint sein sollte, wird dies nicht deutlich. CORRECTIV hat das Bild überprüft. 

Konzert der „Lunikoff-Verschwörung“ fand 2009 statt

Die beiden Männer sehen sich auf den Fotos ähnlich. Beide haben eine Glatze und einen langen Bart. Sie tragen dunkle Sonnenbrillen, allerdings nicht dasselbe Modell. Unsere Recherche zeigt: Es handelt sich nicht um dieselbe Person.

Das Konzertfoto stammt nicht aus Ostritz; es ist zehn Jahre alt. Mit einer Bilderrückwärtssuche lässt sich das Original finden. Es zeigt den Sänger Michael Regener, auch genannt „Lunikoff“, im Jahr 2009. Es erschien 2010 in einem Artikel der Taz, als Quelle ist die Seite Infothek Dessau genannt.

Die Taz verwendete ein Foto der „Infothek Dessau“ von 2009 in einem Artikel von 2010. (Screenshot: CORRECTIV)

Bei der Infothek Dessau wurden im Juli 2009 zur Berichterstattung über das Festival „Rock für Deutschland“ in Gera zahlreiche Fotos des Auftritts von Regener hochgeladen. Er trägt darauf dasselbe T-Shirt und dieselbe Sonnenbrille, auch die Menschen im Hintergrund sind dieselben.

Auszug aus dem Artikel der „Infothek Dessau“ über „Rock für Deutschland“ in Gera 2009. (Screenshot: CORRECTIV)

Regener war Sänger in der Neonazi-Band „Landser“, die inzwischen verboten ist. Er und die Mitglieder der Band wurden 2001 verhaftet und 2003 verurteilt. Regener erhielt als „Rädelsführer einer kriminellen Vereinigung“ drei Jahre und vier Monate Haft. 2008 wurde er entlassen und tritt heute mit der Band „Die Lunikoff Verschwörung“ auf. 

Heute sieht Michael Regener mutmaßlich aber wesentlich älter aus als auf dem Foto, das für die Bildmontage verwendet wurde. Auf dem Portal Belltower-News der Amadeu-Antonio-Stiftung findet sich ein Foto von 2017, auf dem sein Bart deutlich mit grauen Haaren durchzogen ist. 

Das Foto von „Belltower-News“ zeigt Michael Regener im Jahr 2017. (Screenshot: CORRECTIV)

Anmerkung, 28. August 2019: Wir haben das Gesicht des Polizisten in den Fotos verpixelt.

Unsere Bewertung:
Falsch. Die zwei Fotos in der Montage zeigen nicht dieselbe Person. Das Bild des Neonazi-Sängers stammt von einem Konzert in Gera 2009.

Bewertung: richtig

Ja, in Ostritz trug ein Polizist Aufnäher mit Bezügen zu Kreuzrittern und Spartanern

Bildschirmfoto 2019-08-28 um 15.46.48
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Dieses Foto eines Polizeibeamten verbreitete die Initiative „Rechts rockt nicht“ am 22. Juni im Netz. (Screenshot, rote Markierung und Verpixelung: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Beim Rechtsrock-Festival im sächsischen Ostritz am vergangenen Wochenende machte im Netz ein Foto eines Polizisten die Runde. Er trug Aufnäher auf seiner Weste, die angeblich Sympathien für die rechte Szene symbolisieren sollen.

Hunderte Neonazis haben am Wochenende in Ostritz in Sachsen das Rechtsrock-Festival „Schild und Schwert“ gefeiert. Am 22. Juni verbreitete sich ein Foto eines Polizisten, der dort im Einsatz war, auf Twitter und Facebook. Es zeigt angeblich, dass der Mann auf seiner Jacke zwei Aufnäher angebracht hatte. Der Tweet der Initiative „Rechts rockt nicht“, in dem das Bild zuerst hochgeladen wurde, wurde mehr als 1.000 Mal geteilt. Darin fragen die Autoren die Polizei Sachsen, ob die Abzeichen „offiziell oder mal wieder ein Einzelfall“ seien.

Auch Francesco Garita, Kreisvorstand der Linken in Ingolstadt, verbreitete das Bild auf Facebook und unterstellte dem Polizisten, dieser fühle sich womöglich als „spartanischer Beschützer des christlichen Abendlandes“. Er fragte: „Wen hat die Polizei Sachsen denn da in ihren Reihen?“ Der Beitrag wurde mehr als 1.400 Mal geteilt. 

Der Beitrag von Francesco Garita auf Facebook. (Screenshot und Verpixelung: CORRECTIV)

Das Foto ist keine Fälschung: Es zeigt einen Beamten der Bundespolizei. Das stellte die Polizei Sachsen in ihrer Reaktion auf das Bild klar. Auf Twitter schrieb sie, die Aufnäher seien nicht strafrechtlich relevant und seien nach Rücksprache entfernt worden. Ob ein Verstoß gegen die Bekleidungsvorschriften bestehe, müsse die Bundespolizei klären. 

Reaktion der Polizei Sachsen auf den Twitter-Beitrag der Initiative „Rechts rockt nicht“ am 22. Juni. (Screenshot: CORRECTIV)

Ähnlich steht es auch in der Pressemitteilung mit der Bilanz des Einsatzes. Die Bundespolizei unterstützte die Polizei Sachsen am Wochenende in Ostritz. 

Wie die Bundespolizei auf Anfrage von CORRECTIV per E-Mail mitteilte, hatte der Polizist keine Genehmigung, die Aufnäher auf der Uniform zu tragen. Private Abzeichen seien genehmigungspflichtig. Der Beamte habe keine Erlaubnis eingeholt, und eine solche „Genehmigung wäre auch nicht erteilt worden“. Deshalb werde der Vorgang dienstrechtlich geprüft. Mögliche Folgen für den Polizisten würden in einem gesonderten Verfahren geprüft. 

Die Antwort der Bundespolizei per E-Mail an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Was zeigen die Aufnäher?

Francesco Garita von den Linken und Medien wie Spiegel Online wiesen bereits am Wochenende auf den Hintergrund der Symbole hin. Der obere Aufnäher an der Jacke des Polizisten zeigt ein Zeichen der Kreuzritter mit zwei Flügeln und einem roten Templer-Kreuz über einem Schwert. Darüber steht vermutlich der lateinische Spruch „Recte Faciendo Neminem Timeas“, der übersetzt „Tue recht und scheue niemand“ bedeutet, oder auch sinngemäß „Keine Angst zu handeln“. Die Auflösung des Fotos aus Ostritz erlaubt es nicht, den Spruch zu lesen, doch es gibt in Onlineshops Aufnäher zu kaufen, die ähnlich aussehen.  

Auf der Webseite „Jackets to go Berlin“ wird ein ganz ähnlicher Aufnäher angeboten. (Screenshot: CORRECTIV)

Der zweite Aufnäher auf der Jacke zeigt ein Symbol mit einem Helm. Auch hier ist der Schriftzug nicht eindeutig lesbar. Eine Bildersuche zeigt aber, dass es in denselben Onlineshops, die das Tempelritter-Abzeichen führen, auch Aufnäher mit dem Helm-Symbol gibt. Darauf steht „molon labe“. Auf Amazon gibt es ähnliche Artikel. 

Das zweite Abzeichen, ebenfalls zu finden auf der Webseite „Jackets to go Berlin“. (Screenshot: CORRECTIV).

„Molon labe“ ist Altgriechisch und bedeutet so viel wie „Komm und hol (sie dir)“. Der Spruch soll auf König Leonidas von Sparta im antiken Griechenland zurückgehen. Die militärische Stärke der Spartaner und ihre Disziplin sind sprichwörtlich. Berühmt ist vor allem die Schlacht gegen die Perser (Schlacht bei den Thermopylen), bei der Leonidas angeblich mit einer Armee von nur 300 Männern antrat und starb. 

Bezüge zur rechten Szene?

Die Kreuzritter werden von Menschen in der rechten Szene als Vorbilder gesehen. Der Attentäter von Christchurch, der bei einem Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland 51 Menschen tötete, hatte laut Medienberichten eine Affinität zu den christlichen Kreuzrittern mit ihrem Krieg gegen Muslime. Und auch der norwegische Massenmörder Anders Breivik bezog sich laut Medienberichten auf die Tradition der Kreuzritter

Verherrlichende Bezüge auf Sparta finden sich in verschiedenen Kontexten immer wieder. Heute verwendet zum Beispiel die rechtsextreme sogenannte „Identitäre Bewegung“ das griechische Symbol Lambda als Logo. Es soll von den Spartanern im Kampf gegen die Perser getragen worden sein. Zudem beziehen sich Waffen-Befürworter in den USA gerne auf die Spartaner, wie die waffenkritische Organisation „The Trace“ berichtet. Der Spruch „molon labe“ finde sich zum Beispiel in einer Rede des konservativen Politikers Allen West, in der er sich für das Recht auf Waffenbesitz ausspricht.   

Die Abzeichen wecken also Assoziationen zur rechten Szene. Ein Beleg, dass der betreffende Polizist in Ostritz Sympathien für sie hegt, sind sie aber nicht. In den Onlineshops, die die Aufnäher führen, gibt es militärische Kleidung und Ausrüstung für Outdoor-Aktivitäten inklusive Waffen zu kaufen. Verfassungswidrige Symbole haben wir bei unserer Recherche dort nicht gefunden.

Mittlerweile kursiert übrigens auf Facebook auch eine mutmaßlich satirische Bildmontage, die das Foto des Polizisten neben das eines Sängers einer Rechtsrock-Band montiert. Darüber steht: „Skandalöse Doppelbelastung in Ostritz: Wenn du nach dem Dienst direkt auf die Showbühne musst.“ Es handelt sich aber nicht um dieselbe Person. Das ist unter anderem an der Haarfarbe und den Ringen am linken Ohr erkennbar. Das Konzertfoto stammt zudem nicht aus Ostritz. Mit einer Bilderrückwärtssuche lässt sich das Original finden: Es zeigt den Sänger Michael Regener, auch genannt „Lunikoff“, im Jahr 2009.   

Ein Facebook-Post zeigt den Polizisten und den Rechtsrock-Sänger Michael Regener. (Screenshot, Schwärzung und Verpixelung: CORRECTIV)

Anmerkung, 28. August 2019: Wir haben das Gesicht des Polizisten in den Fotos verpixelt.

Unsere Bewertung:
Richtig. Ein Bundespolizist trug beim Einsatz in Ostritz eine Jacke mit Aufnähern mit Bezügen zu den Kreuzrittern und dem antiken Sparta.

Bewertung: falsch

Dieses Foto stammt nicht von den „Ende Gelände“-Aktionstagen, sondern von den Stuttgart-21-Protesten im Jahr 2010

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Das am 23. Juni auf Twitter geteilte Bild wurde mit dem Hashtag #EndeGelaende versehen. (Screenshot: CORRECTIV)

von Nina Breher

Ein Tweet stellt ein Foto von den Stuttgart-21-Protesten 2010 fälschlicherweise in den Kontext der jüngsten „Ende Gelände“-Aktionen im rheinischen Braunkohlerevier.

Ein Nutzer hat am 23. Juni 2019 ein Bild auf Twitter geteilt, das eine Jugendliche zeigt, die einen Polizisten fassungslos anblickt. Es ist mit den Hashtags #EndeGelaende und #fridaysforfuture betitelt.

Der Tweet mit dem irreführenden Bild. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Tweet suggeriert, dass das Bild von den aktuellen „Ende Gelände“-Protesten im rheinischen Braunkohlerevier stammt, die am 22. und 23. Juni 2019 stattfanden. Bei der Räumung des von Aktivisten kurzzeitig besetzten Braunkohlereviers gab es laut Tagesschau „zwischen Polizei und Demonstranten einige kurze heftige Auseinandersetzungen“. Die Tagesschau zitiert die Polizei, nach deren Angaben acht Einsatzkräfte verletzt worden seien.

Das Aktionsbündnis „Ende Gelände“ berichtet in einer Pressemitteilung von „zahlreichen Rechtsverstößen von Seiten der Polizei“. Es habe „zahlreiche verletzte Aktivist*innen durch den Einsatz von Schlagstöcken, Pfefferspray, Schlägen und Tritten“ gegeben.

Das Bild, das eine junge Demonstrantin vor einer Polizeikraft in voller Montur zeigt, war jedoch bereits am 6. Oktober 2010 auf dem Blog fakeblog.de erscheinen. Das Internet-Archiv archive.org belegt, dass das Bild bereits seit 2010 online ist. Der Tweet weist weder auf die Quelle hin, noch darauf, dass das Bild in einem anderen Kontext entstanden ist. Andere Twitter-Nutzer kritisierten das.

Nutzer weisen den Verfasser des Tweets auf die unangemessene Verwendung des Fotos hin. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Foto zeigt laut fakeblog.de eine Szene einer Demonstration im Stuttgarter Schlossgarten am 30. September 2010, die gewaltsam geräumt wurde. Die Demonstranten protestierten dort gegen das Stuttgart-21-Projekt. Laut dem Blog hat das Bild ein Fotograf namens Jan Petersen geschossen, der sein Facebook-Profil jedoch mittlerweile gelöscht hat. Der Betreiber des Blogs war kurzfristig nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Screenshot des Blogbeitrags auf fakeblog.de, wo das Bild 2010 erschienen war. (Screenshot: CORRECTIV)

Update (25. Juni 2019, 10.34 Uhr): Der Twitter-Nutzer @bckaemper hat uns auf die Präsenz von Jan Petersen Fellbach auf der Internetseite fotocommunity.de hingewiesen. Der Fotograf lud das Foto dort 2011 hoch. Die Bildunterschrift bestätigt die Aussage auf fakeblog.de, dass das Bild von den Stuttgart-21-Protesten am 30. September 2010 stammt.

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Bild ist schon seit 2010 online und offenbar bei den Stuttgart-21-Protesten entstanden, nicht bei den Ende-Gelände-Protesten 2019.

Bewertung: falsch

Flucht in Köln: Psychisch kranker Straftäter bereits Mitte April gefasst

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Polizeiwagen vor dem Kölner Hauptbahnhof (Foto Patrik Stollarz / AFP)

von Hüdaverdi Güngör

Eine Facebook-Seite teilt das Bild eines verurteilten Straftäters und behauptet, dass dieser flüchtig sei. Der Mann wurde jedoch längst gefasst.

Die Facebook-Seite „Pawinga“ veröffentlichte am 23. April ein Foto eines Mannes. Unter dem Foto ist zu lesen: „Am Sonntag ist der psychisch kranke Straftäter Otto K. geflohen.“ Die Seite verlinkt in dem Beitrag einen Artikel von RTL. Der Facebook-Post wurde 658 Mal geteilt. 

Das Posting der Facebook-Seite. (Screenshot und Unkenntlichmachung: CORRECTIV)

In dem RTL-Artikel werden weitere Details der Flucht und des Flüchtigen beschrieben. K. soll nach einem Ausgang nicht mehr in die Kölner Psychiatrie zurückgekehrt sein. Veröffentlicht wurde der Artikel am 8. April 2019.

Ja, der psychisch kranke Straftäter war auf der Flucht

Diese Darstellung bestätigt auch eine Pressemitteilung der Kölner Polizei vom 7. April, in der sie um Zeugenhinweise bat. Vier Tage später, am 11. April, folgte in einer weiteren Pressemitteilung die Entwarnung. K. wurde am Kölner Hauptbahnhof gefasst.

Erst zwölf Tage später teilte die Facebook-Seite das Bild mit dem Fahndungsaufruf. K. war da längst festgenommen.

Die Veröffentlichungen in chronologischer Reihenfolge. (Bearbeitung und Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Otto K. wurde schon am 11. April 2019 gefasst. Der Facebook-Post wurde 12 Tage nach seiner Festnahme veröffentlicht.

Bewertung: falsch

Falscher Suchaufruf in Koblenz: Nein, dieses Mädchen wird nicht vermisst

koblenz1
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Das Foto des angeblich vermissten Mädchens (Screenshot und Unkenntlichmachung CORRECTIV)

von Simon Wörz

Eine junge Frau veröffentlichte auf Facebook das Foto eines vermeintlich vermissten Mädchens aus dem Raum Koblenz. Innerhalb von 24 Stunden wird der Beitrag von 9000 Nutzern geteilt. CORRECTIV ist der Sache nachgegangen.

Am 3. April teilte eine Facebook-Nutzerin das Bild eines blonden Mädchens, welches angeblich im Raum Koblenz vermisst werde. Bei dem Foto handelt es sich offensichtlich um einen Screenshot von dem Foto-Messenger Snapchat. In einem kurzen Text wird zur Verbreitung des Bildes aufgerufen: „Dieses Mädchen wird seit gestern im Raum Koblenz vermisst. Wer sie gesehen hat bitte melden. Bitte teilt dieses Foto! Danke.“

Innerhalb weniger Stunden kamen tausende Nutzer dem Aufruf nach. Knapp einen Tag später wurde das Foto bereits 9000 Mal geteilt.

Der Polizei Koblenz ist der Fall nicht bekannt

Auf Nachfrage von CORRECTIV teilte das Polizeipräsidium Koblenz mit, dass das Mädchen nicht als vermisst gemeldet wurde und ein entsprechender Fall nicht bekannt sei.

Die schriftliche Antwort der Polizei Koblenz (Screenshot CORRECTIV)

Das Foto zeigt eine kurzzeitig vermisste 14-Jährige in Russland

Mithilfe der umgekehrten Bildersuche der Suchmaschine Yandex recherchierte CORRECTIV den Ursprung des Originalbildes: Das Foto zeigt ein Mädchen, das vor wenigen Tagen in Russland als vermisst galt. Am Abend des 28. März berichteten russische Lokalmedien wie astv.ru und Sakhalin.info über eine Teenagerin, die nach einem Einkaufsbummel mit einer Freundin nicht nach Hause zurückgekehrt sei. Dabei handele es sich um eine 14-jährige, die auf der Insel Sachalin im Südosten Russlands lebe.

Am Vormittag des 29. März ergänzten die lokalen Medien die Meldung. Das Mädchen sei gefunden worden und wieder bei ihren Eltern.

Die Vermisstenmeldung auf astv.ru (Screenshot und Unkenntlichmachung CORRECTIV)
Die Vermisstenmeldung von Sakhalin.info (Screenshot und Unkenntlichmachung CORRECTIV)

CORRECTIV kontaktierte die Facebook-Nutzerin, die das Bild veröffentlicht hat und konfrontierte sie mit der Tatsache, dass es sich um eine Falschmeldung handelt. Die Nutzerin antwortete, sie stamme aus Koblenz und habe den Screenshot von dem Snapchat-Bild eines anderen Mädchens aus Koblenz gemacht. Woher ihre Bekannte das Bild habe, könne sie nicht sagen. Mittlerweile hat die Nutzerin das Bild gelöscht.

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Unsere Bewertung:
Falsch. Das Mädchen wurde in Russland vermisst, ist aber wieder aufgetaucht.

Bewertung: falsch

Toter in Wuppertal: keine Hinweise auf Ebola

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Der Polizei zufolge gibt es keine Hinweise auf eine Ebola-Infektion. (Symbolbild: Ivo Mayr/CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Nach dem Fund eines toten Mannes in Wuppertal, kursieren im Netz Gerüchte über eine mögliche Ebola-Infektion. Mehrere Artikel der Kölner Boulevardzeitung „Express“ mit irreführenden Überschriften heizen die Stimmung an. Die Polizei hat keine Hinweise auf Ebola. Eine Obduktion ist für morgen geplant.

Update, 19. Februar 2019: Inzwischen hat der Express die Überschrift geändert: „Ebola-Entwarnung in Wuppertal Was hat den 19-Jährigen so schrecklich dahingerafft?“

Anwohner haben am 17. Februar in einem Treppenhaus in Wuppertal einen toten Mann gefunden, so schilderte es die Polizei in einer Pressemitteilung. Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt die Polizei, der Mann stamme aus Guinea und habe viel Blut verloren. In der Pressemitteilung stellte die Polizei klar: „Ursächlich könnte eine nicht ansteckende oder meldepflichtige Blutkrankheit gewesen sein. Eine Gewaltanwendung oder ein Fremdverschulden kann zurzeit ausgeschlossen werden.“

Im Netz kursierten nach dem Vorfall Gerüchte, der Mann könnte an einer Ebola-Infektion gestorben sein. Der Polizei zufolge gibt es dafür keine Hinweise. Die Zeitung Express wählte für zwei Artikel über den Vorfall irreführende Überschriften: Afrikaner (19) lag tot in Blutlache Ebola-Angst in Wuppertal“ und „Polizei spricht über Ebola-Verdacht Leiche aus Wuppertal wird in Düsseldorf untersucht“.  

Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)
Artikel der Zeitung Express vom 18. Februar 2019 mit irreführender Überschrift (Screenshot: CORRECTIV)

In den Artikeln löste die Zeitung diese irreführende Behauptung jeweils erst im letzten Absatz auf: „Aber zumindest für Ebola kann man wohl doch Entwarnung geben. ‘Der Mann wohnte seit zwei, drei Jahren in Wuppertal. Wir haben Zeugenaussagen, die bestätigen, dass er in dieser Zeit nicht im Ausland war’, erklärt eine Polizeisprecherin. Ebola hat eine wesentlich kürzere Inkubationszeit.“

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Gegenüber CORRECTIV bestätigte die Polizei, dass es bisher keine Hinweise auf eine Auslandsreise gebe und erklärte außerdem: „Es gibt Hinweise, dass der Mann eine Bluterkrankung hatte, die nicht ansteckend ist“. Mit letzter Gewissheit, könne das aber erst eine für Dienstag geplante Obduktion klären.

Berichterstattung verschiedener Medien über den Fall (Screenshot: CORRECTIV)

Am Nachmittag änderte die Redaktion des Express den Artikeltext und wies im ersten Absatz daraufhin, dass es eine „Ebola-Entwarnung“ gebe. Tatsächlich hatte es zuvor aber nie eine Warnung vor Ebola gegeben. Die irreführende Artikelüberschrift änderte Express nicht.

Facebook-Nutzer verbreiten unterdessen die Überschriften der Express Artikel ohne Kontext weiter.

Post mit aus dem Kontext gerissener falscher Behauptung (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf Ebola.

Bewertung: falsch

Nein, der Amokfahrer von Bottrop war kein Bosnier

Titel_Bottrop
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Titel_Bottrop
In der Silvesternacht fuhr ein Mann mehrere Menschen an. Sie mussten ins Krankenhaus gebracht werden. (Symbolbild: Hans/pixabay)

von Hüdaverdi Güngör

Auf Facebook kursiert die Behauptung, der Amokfahrer von Bottrop und Essen wäre Bosnier oder habe bosnische Wurzeln. Das ist falsch, es handelt sich bei dem Attentäter um den deutschen Staatsbürger Andreas N.

Auf Facebook finden sich mehrere Postings mit Aussagen wie: „‘Der ausländerfeindliche Deutsche’, der in eine Gruppe illegaler Einwanderer gefahren sein soll ist ein Bosnier mit deutschem Pass.“ Sie wurden tausendfach geteilt.

Screenshot von Facebook
Screenshot von Facebook

Zwar haben einige Nutzer in den Kommentaren darunter auf die falsche Meldung hingewiesen, dennoch wittern einige eine große Verschwörung. Ein Facebook-Nutzer kommentiert zum Beispiel, dass der Täter ein Muslim sein muss. Die Politiker würden die Menschen für Dumm verkaufen.

Screenshot von Facebook

Der 50-jährige Essener Andreas N. fuhr in der Silvesternacht mit seinem Auto mehrere Male in Gruppen von Menschen mit ausländischen Wurzeln. Die Angriffe waren mutmaßlich rassistisch motiviert: Polizei und Staatsanwaltschaft gingen laut Pressemitteilung „von einem gezielten Anschlag aus, der möglicherweise in der fremdenfeindlichen Einstellung des Fahrers begründet“ sei. Acht Menschen wurden verletzt. Die Staatsanwaltschaft Essen erließ einen Haftbefehl wegen mehrfachen versuchten Mordes.

Immer wieder behaupteten einige Facebook-Nutzer, der Amokfahrer sei Bosnier oder habe bosnische Wurzeln. Die Beiträge stehen noch so auf Facebook. Auf Nachfrage von CORRECTIV verweist die Pressestelle der Polizei Münster auf ihre Pressemitteilung vom 2. Januar. Aus der Pressemitteilung geht hervor, dass es Andreas N. deutscher Staatsbürger ist.

Es gab allerdings einen anderen Fall am 20. Dezember, nicht weit von Bottrop, in Recklinghausen. Ein 32 jähriger Mann aus Herten, mit bosnischer Staatsbürgerschaft, fuhr mit einem Auto in eine Menschenmenge. Er verletzte mehrere Menschen. Eine Seniorin starb. Laut Polizei gibt es Hinweise auf einen Suizid-Versuch.

Unsere Bewertung:
Falsch. Der mutmaßliche Amokfahrer der Anschläge in Essen und Bottrop ist deutscher Staatsbürger, nicht Bosnier.

Bewertung: größtenteils richtig

Ja, Facebook-Video von Schlägerei wurde in Gelsenkirchen aufgenommen

Gelsenkirchen 3
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Gelsenkirchen 3
Auf Facebook verbreitet sich derzeit ein Video, das eine Schlägerei in Gelsenkirchen zeigt. (Facebook-Video, Screenshot von Correctiv)

von Caroline Schmüser

Auf Facebook wird derzeit ein Video geteilt, das eine Schlägerei in Gelsenkirchen zeigen soll. Die Beteiligten hätten einen libanesischen Migrationshintergrund, heißt es. CORRECTIV hat recherchiert, ob das stimmt.

„Dieses Video zeigt möglicherweise Gewaltdarstellungen oder explizite Inhalte“, warnt Facebook bei Aufruf eines Videos, das ein Nutzer am 13. Dezember auf dem sozialen Netzwerk teilte. Wer die Warnung wegklickt, sieht eine Schlägerei zwischen mehreren Person. Ein Mensch liegt scheinbar blutend am Boden. Wenig später treffen Polizeibeamte ein und gehen gegen die Beteiligten vor – auch mit Pfefferspray und Schlagstöcken.

Dieses Video veröffentlichte ein Facebooknutzer am 13. Dezember. Es wurde mehr als 5000 Mal geteilt. (Screenshot von Correctiv)

Der Verbreiter des Videos schreibt, das Geschehen habe sich in Gelsenkirchen abgespielt. Bei den „Angreifern” würde es sich um Libanesen handeln.

Stimmen diese Aussagen? CORRECTIV hat recherchiert.

Video zeigt Polizeieinsatz bei Schlägerei in Gelsenkirchen

„Das Video bezieht sich auf einen Polizeieinsatz in Gelsenkirchen vom 01. Dezember 2018“, bestätigte Polizeihauptkommissarin Karin Schute vom Polizeipräsidium Gelsenkirchen auf Anfrage von CORRECTIV.

Laut Pressemitteilung war es an diesem Tag am Hauptbahnhof in der Gelsenkirchener Altstadt zu einer größeren Schlägerei zwischen etwa zehn Personen gekommen. Als die ersten Streifenwagen eintrafen, lag eine Person bereits am Boden, mindestens vier weitere schlugen und traten noch auf einander ein. Der Polizeieinsatz sei durch eine Gruppe Schaulustiger von ungefähr hundert Personen teilweise behindert worden, weshalb laut Pressemitteilung Pfefferspray zum Einsatz kam.

Die Polizeikräfte konnten die Schlägerei schließlich beenden. Nach notärztlicher Erstversorgung vor Ort wurden die Beteiligten mit Krankenwagen zur weiteren Behandlung in örtliche Krankenhäuser gebracht, zwei der Personen wurden stationär aufgenommen. Zwei Polizeibeamte wurden leicht verletzt. Ein Strafverfahren wurde eingeleitet.

Beteiligte haben türkischen Migrationshintergrund

Die Aussage des Facebooknutzers, bei den Angreifern handle es sich um libanesische Staatsangehörige, konnte Hauptkommissarin Schute nicht bestätigen. „Die festgestellten Beteiligten haben einen türkischen Migrationshintergrund“, sagte sie gegenüber CORRECTIV.

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig: Das Video zeigt einen Polizeieinsatz bei einer Schlägerei in Gelsenkirchen am 1. Dezember 2018. Die bisher festgestellten Beteiligten haben einen türkischen Migrationshintergrund.