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Faktencheck

Fakten für die Demokratie

Falschmeldungen stellen eine Gefahr für die Demokratie dar. Unsere Faktenchecker gehen Gerüchten nach und veröffentlichen ihre Rechercheergebnisse auf dieser Seite. Mehr erfahren

Bewertung: größtenteils falsch

Manipulation? Falsche Behauptung über rote Wetterkarte der „Tagesschau“

Bildschirmfoto 2019-06-05 um 15.34.12
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Auch in der Wettervorhersage der Tagesschau vom 19. August 2009 sind die hohen Temperaturen dunkelrot eingefärbt (Screenshot und Markierung des Jahres: CORRECTIV)

von Tania Röttger

Eine Collage vergleicht zwei unterschiedliche Ansichten und unterstellt Manipulation

Eine Collage aus zwei Bildern der ARD-Wettervorhersage verbreitet sich gerade auf Facebook, unter anderem teilte der Account „Gegenwind Deutschland“ sie am 5. Juni. „Fühlen Sie sich manipuliert?“, steht darauf. Das eine Bild soll von 2019 stammen, das andere von 2009. Sie sollen zeigen, dass die ARD versucht, durch Farben die Klimasituation zu dramatisieren.

Mehrer Facebook-Seiten teilten die Grafik, unter anderem „Gegenwind Deutschland“. (Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV)

Die Bilder sind echt, allerdings sind sie nicht vergleichbar. Sie zeigen unterschiedliche Ansichten: einmal den nächsten Tag, einmal die Vorschau für die drei Folgetage.

Zudem nutzte die ARD auch in der Tagesschau von 2009 ähnlich dunkle rote Farben, um die einzelne Tagesansicht zu illustrieren – wie im Titelbild von August 2009. Und auch heute zeigt die Tagesschau keine roten Stellen in der Ansicht für die kommenden drei Tage.

Tagesschau vom 4. Juni 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Rechercheweg

Das erste Bild stammt wohl aus einem aktuellen Wettervideo der ARD. Für den 5. Juni 2019 sind dort ähnliche Temperaturen und Einfärbungen zu sehen. Allerdings ist das Tagesschau-Logo an einer anderen Stelle. Das Wort „Heute“ taucht auf den Wettergrafiken in der Tagesschau nämlich nicht auf – dort steht nur Tag und Nacht oder die einzelnen Uhrzeiten.

Standbild vom aktuellen Wettervideo. (Screenshot: CORRECTIV)

Das zweite Bild laden wir bei der Bildersuch-Funktion in der russischen Suchmaschine Yandex hoch. So stoßen wir auf einen Forumsbeitrag vom 18. August 2009, der das Bild enthält. In der Tagesschau von dem Tag ist es tatsächlich auch zu sehen.

Forumsbeitrag auf „kiezkicker.de“ (Screenshot: CORRECTIV)
(Screenshot: CORRECTIV)

Wer sich in der Sendung aber auch die vorigen Wetterkarten anschaut, sieht, dass auch dort die rote Farbe zum Einsatz kommt.

(Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch: Die Bilder sind nicht vergleichbar.

Bewertung: unbelegt

Keine öffentlichen Informationen über unfaire Verlagsrabatte für Amazon

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Bei seiner Gründung in den 90er-Jahren war Amazon ein reiner Onlinemarkt für Bücher. Oft wird kritisiert, das Unternehmen schade lokalen Buchhändler. (Foto: Jonas Jacobsson / Unsplash)

von Alice Echtermann

Im Netz kursiert seit Jahren ein Foto einer Zettelbotschaft. Darauf behauptet ein Buchhändler, Amazon verlange beim Bücher-Einkauf bei Verlagen 60 Prozent Rabatt. Ob das stimmt, ist nicht zu belegen.

„Amazon will die Welt beherrschen“, steht auf einem Zettel, der offenbar an der Tür eines Buchladens hängt. Der Nutzer Enrico Piccin veröffentlichte am 10. Januar 2019 ein Foto davon auf Twitter, woraufhin der Beitrag mehr als 3100 Mal geteilt und 370 Mal kommentiert wurde. Die Seite „The best social media“ von Vice Digital griff die Diskussion auf, so verbreitete sie sich auf Facebook weiter. Mehr als 34.000 Mal wurde der Artikel dort geteilt.

Im Text auf dem Zettel wird behauptet, Amazon verlange von Verlagen beim Einkauf von Büchern 60 Prozent Rabatt. Buchhändler dagegen müssten sich „zwischen 20 und 30 Prozent des Nettopreises“ (schreibt Piccin) beziehungsweise mit einer „durchschnittlichen 25 % Spanne“ (handschriftliche Notiz) zufrieden geben.

Tweet vom 10. Januar 2019. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Buchhandelsrabatt ist ein Preisnachlass, den Verlage Buchhändlern gewähren. Die Händler kaufen die Bücher bei den Verlagen ein und erhalten einen Rabatt auf den Nettopreis. Für den Verkauf an den Kunden müssen sie sich an den Endpreis halten, den der Verlag vorschreibt. Laut der gesetzlichen Preisbindung für deutsche Bücher muss ein neues Buch überall gleich viel kosten – auch auf Amazon. Das heißt, der Einkauf zum Nettopreis bestimmt, wie viel Gewinn der Händler beim Verkauf eines Buches macht. Der Verfasser der handschriftlichen Notiz wirft Amazon vor, der Buchbranche mit zu hohen Rabattforderungen beim Einkauf zu schaden.

In den Kommentaren auf Twitter werden die Zahlen allerdings von anderen Nutzern angezweifelt. CORRECTIV hat die Angaben überprüft.

Die Geschichte des Fotos

Zum Ursprung des Fotos lohnt sich ein kleiner Exkurs. Fotos mit ähnlichen Zettelbotschaften kursieren schon seit mindestens vier Jahren im Netz. Im Juli 2015 veröffentlichte die Facebook-Seite „Buch & Cafe Lentner“ das Bild eines Zettels mit derselben Botschaft. Er hing im Schaufenster einer Münchener Buchhandlung. Das Bild ging später viral, mehrere Medien berichteten. Der Inhaber der Buchhandlung, Thomas Felber, schrieb 2018 einen Gastbeitrag für den Münchner Merkur, in dem er erklärt, der Text hänge in allen drei Filialen seines Geschäfts.

Dieses Foto eines Schaufensters der Buchhandlung Lentner wurde auf Facebook im Juli 2015 hochgeladen. (Screenshot: CORRECTIV)

60 Prozent Rabatt für Amazon?

Die Aussage, Amazon verlange 60 Prozent Preisnachlass von Verlagen, lässt sich nur schwer überprüfen. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels teilte auf Nachfrage von CORRECTIV mit, man könne die Richtigkeit der Behauptung nicht prüfen, da der Verein keinen Einblick in die Geschäftsbeziehungen von Amazon und den Verlagen habe. „Gemäß § 6 Abs. 3 des Buchpreisbindungsgesetzes dürfen Verlage Händlern, die sie direkt beliefern, keine höheren Preise oder besseren Konditionen gewähren als dem Buchgroßhandel“, erklärt Justiziar Christian Sprang.

Dem Börsenverein seien allerdings Klagen von Mitgliedsverlagen bekannt, wonach diese von Amazon zu deutlich besseren Konditionen genötigt würden. „Sollte es Fälle geben, in denen ein Verlag Amazon 60 Prozent Rabatt gewährt, wäre dies sowohl von Seiten Amazons als auch von Seiten des Verlags ein rechtswidriges Handeln.“

Wie die Vertragsbeziehung von Amazon und deutschen Verlagen aktuell aussehen, ist für die Öffentlichkeit nicht nachzuvollziehen. Der Börsenverein kann dazu keine Auskunft geben, und auch vier große Verlagshäuser in Deutschland wollten auf Nachfrage von CORRECTIV keinen Einblick geben, wie sie mit Amazon Geschäfte machen. Bonnier Media und Random House reagierten nicht auf unsere Anfrage, Cornelsen und die Westermann-Gruppe antworteten, sie könnten dazu keine Auskunft geben. Auch Amazons Sprecherin Ina Steinbach erteilte uns eine Absage: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir zu Vertragsvereinbarungen grundsätzlich keine Angaben machen.“

25 Prozent für Buchhändler?

Bleiben noch die Buchhändler, die dem Tweet zufolge zwischen 20 und 30 Prozent bekommen sollen. Laut Börsenverein hängt der Handelsrabatt von Buchgenre, Preis und Bezugsweg ab. „Generell und über all die genannten Faktoren hinweg sind 30 bis 40 Prozent Buchhandelsrabatt Usus. Die genannten 25 Prozent können aber je nach Ausrichtung der Buchhandlung und der Art der bezogenen Bücher auch einem normalen Rabatt entsprechen“, so Sprang. Die Angabe zu den Preisrabatten für Buchhändler in dem Tweet ist also nicht falsch, aber relativ niedrig angesetzt.

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EU-Kommission ermittelte gegen Amazon

„Im Bereich des E-Book-Handels wissen wir, dass Amazon seine Marktstellung in der Vergangenheit eindeutig missbraucht hat“, sagt Sprang. Im Jahr 2014 habe der Onlinehändler nach Medienberichten Verlage wie die Bonnier-Gruppe unter Druck gesetzt, starke Nachlässe auf E-Books zu geben. Zu Bonnier gehören deutsche Verlage wie Carlsen, Piper oder Ullstein. „Der Online-Händler forderte (…) eine Erhöhung der Rabatte beim E-Book-Einkauf von rund 30 Prozent auf 40 bis 50 Prozent“, so Sprang. „Damit hätte Amazon ohne sachlich gerechtfertigten Grund deutliche Vorteile gegenüber anderen Abnehmern elektronischer Bücher erhalten.“

Amazon habe seine Forderungen gegen die Verlage damals aggressiv vorangetrieben, unter anderem durch Lieferverzögerungen, mit denen Druck auf die Verlage aufgebaut wurde. Dieses Vorgehen sei publik geworden, nachdem Medien bereits zuvor über ähnliche Fälle bei der Verlagsgruppe Hachette in den USA berichtet hätten. Der US-Konzern wies die Vorwürfe damals zurück. Die Streitigkeiten mit Bonnier wurden Ende 2014 beigelegt, wie Meedia berichtete. Die deutsche Tochterfirma traf dem Bericht zufolge eine langfristige Vereinbarung mit Amazon. Über die genauen Konditionen wurde nichts bekannt.

Amazon verbesserte Vertragskonditionen

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte jedoch bereits Mitte 2014 Beschwerde gegen Amazons Vertragsklauseln für E-Book-Händler eingelegt. Zunächst beim Bundeskartellamt, das den Fall an die EU-Kommission weiterleitete. Diese leitete im Juni 2015 Ermittlungen ein.

Der Druck zeigte Wirkung, wenn auch erst fast drei Jahre später: Im Januar 2017 teilte die EU-Kommission Bedenken gegen die sogenannten Paritätsklauseln von Amazon mit, und verkündete gleichzeitig, das Unternehmen habe angeboten, die Vertragsbedingungen für die Verlage zu verbessern. Die Paritätsklauseln besagten, dass Verlage Amazon informieren und ebenso gute Konditionen einräumen müssten, wenn sie anderen Händlern bessere Konditionen anbieten, erklärte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2017 in seiner Pressemitteilung zu dem Fall.

Unsere Bewertung:
Nicht belegbar. Zu den Vertragskonditionen zwischen Amazon und den Buchverlagen gibt es keine öffentlichen Informationen. Ein Rabatt von 60 Prozent wäre nach Einschätzung von Experten jedoch rechtswidrig.

Bewertung: teilweise falsch

Falscher Titel bei Artikel über UN-Studie zur Erwärmung der Arktis

NORWAY-LIFESTYLE-TOURISM-SURFING-WEATHER-ARCTIC
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Das Eis in der Arktis geht zurück, aber dass sie im Sommer 2030 eisfrei sein wird, ist nicht belegt. (Bild vom 5. März 2018, Lofoten Inseln in Norwegen; OLIVIER MORIN / AFP)

von Tania Röttger

Ist die Arktis ab 2030 eisfrei? Das behauptet „Focus Online“ – überspitzt dabei aber eine Pressemitteilung.

Am 25. März titelte Focus Online: „Schmelze nicht mehr zu stoppen – Dramatische UN-Studie: Die Arktis ist ab 2030 im Sommer eisfrei“. Auf Facebook enthält der Titel nicht den Zusatz „im Sommer“.

So erscheint der Artikel auf Facebook. (Screenshot: CORRECTIV)

Mehr als 1400 Mal wurde der Artikel auf Facebook geteilt, einige haben ihn als potenzielle Falschmeldung gemeldet.

Wir haben recherchiert. Es gibt die besagte UN-Studie, und dazu eine Pressemitteilung vom 13. März. Die drückt die Erkenntnisse allerdings etwas vorsichtiger aus. Dort steht: „Klimamodelle sagen voraus, dass bei der jetzigen CO2-Emissionsrate, die Arktis im Sommer ab den 2030er Jahren eisfrei sein wird.“ Das heißt: es sind Klimamodelle, und die Berechnung gilt nicht „ab 2030“, sondern „ab den 2030ern“.

Screenshot aus der UN-Pressemitteilung

In der 56-seitigen Studie selbst taucht die 2030er-Aussage nur einmal auf. Dabei steht der Hinweis, dass verschiedene Klimamodelle zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Das hat ein Aufsatz von Alexandra Jahn und anderen im Jahr 2016 thematisiert, der heißt: „Wie kalkulierbar ist das Timing der eisfreien Arktis?“ Eine eisfreie Arktis wird dort definiert als „weniger als 1 Million Quadratkilometer Eis“. Und eine Schlussfolgerung ist: Es gibt eine Vorhersageunsicherheit von 20 Jahren, wenn es darum geht, die erste eisfreie Arktis vorherzusagen. 

Screenshot aus dem Aufsatz

Sie kann früher kommen, aber auch später.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Eine bestimmte Jahreszahl als Tatsache darzustellen, ist irreführend.

Bewertung: völlig falsch

Kronberg bei Frankfurt: Nein, es ist kein Komodowaran aus dem Opel-Zoo entlaufen

Bildschirmfoto 2019-03-25 um 15.16.07
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Ein Komodowaran auf der Insel Rinca. Foto: Markofjohnson / Wikimedia Commons / CC0

von Till Eckert

In einem Facebook-Post wird behauptet, ein Komodowaran sei aus dem Opel-Zoo in Kronberg bei Frankfurt entlaufen und treibe nun sein Unwesen in Taunus. Doch im betroffenen Zoo werden gar keine Warane gehalten.

Wer in der Taunus-Region lebt und über einen Facebook-Post vom 19. März stößt, könnte es sich zweimal überlegen, ob er oder sie wirklich das Haus verlassen will: Zu sehen ist das Foto eines Plakats, das vor einem entlaufenen Komodowaran aus dem Opel-Zoo in Kronberg warnt. Er sei durch ein Loch im Elektrozaun entkommen.

Der hessische Tierschutzverband habe die Suche nach Willi, einem fünfjährigen Waran-Männchen, nach „einer zweistündigen Suche mit einem Helikopter“ aufgegeben. Wer von dem „giftigen Tier“ angegriffen werde, solle sich flach auf den Boden legen und auf Hilfe warten. Das Posting wurde bisher 423 Mal bei Facebook geteilt. Der Hessische Rundfunk berichtet außerdem, dass die Plakate in und um Königstein im Taunus aushingen und über Whatsapp die Runde machten.

Frei erfunden: Das Plakat, das in Königstein im Taunus aushängt und über Facebook und Whatsapp verbreitet wird. Screenshot: CORRECTIV

Mit dem Plakat hat sich aber offenbar jemand einen „schlechten Scherz erlaubt“, wie der Opel-Zoo auf seiner Webseite schreibt. Demnach halte der Zoo gar keine Warane. Willi ist eine Erfindung.

Die Meldung auf der Webseite des Opel-Zoos. Screenshot: CORRECTIV

Unter dem Posting mit der Falschmeldung schreiben mittlerweile Nutzer, die den Sachverhalt richtigstellen und den Initiator ermuntern, das Posting zu löschen – dieser schrieb dazu jedoch nur, dass das bei dem Teil mit der Hubschraubersuche klar sein sollte. Der Post steht weiterhin öffentlich in der Facebookgruppe „Kronberger“.

Die Polizei Westhessen bezeichnete die Meldung als „Fake“ und schrieb in einem Facebook-Post: „Wenn ihr diese Nachricht bekommt: bitte NICHT teilen und gerne die Versendenden mit unseren Tipps aufklären.“ Einer dieser Tipps: „Vermeidet es, Informationen ungeprüft und ungefiltert weiterzugeben oder zu teilen! Es kann schnell Panik entstehen.“

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Die Meldung ist frei erfunden. Der Opel-Zoo in Kronberg hält keine Warane.

Bewertung: falsch

Was hinter diesem Wolfsrudel-Bild steckt

Bildschirmfoto 2019-01-22 um 15.09.37
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Bildschirmfoto 2019-01-22 um 15.09.37
Auf Facebook verbreitetes Bild eines Wolfsrudels, Screenshot: CORRECTIV

von Cristina Helberg

Seit Jahren teilen Menschen im Internet das Bild eines Wolfsrudels samt sozialromantischer Erklärung. Die hat allerdings nichts mit der Realität zu tun und ist frei erfunden.

Die Geschichte dieses Wolfsrudels trifft einen Nerv. Zehntausende Nutzer haben den Text samt Bild in den letzten Jahren im Internet geteilt. Zu sehen ist ein Wolfsrudel, aufgeteilt in vier Gruppen. Angeblich sind die drei rot markierten Wölfe vorne „alt und krank“. Sie würden vorne laufen, „um das Tempo der Gruppe zu setzen, damit sie nicht zurückgelassen werden“. Dahinter folgen im gelben Kasten fünf der stärksten Tiere, so der Text. Am hinteren Ende würden grün markiert noch einmal fünf der stärksten Tiere laufen und ganz zuletzt „der Anführer“. So sei das Rudel ideal gegen Angriffe geschützt. Die Geschichte hat nur einen Haken: Sie ist frei erfunden.

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Das ist auch schon länger bekannt. Trotzdem teilen Nutzer das Bild weiter. Am 15. Januar veröffentlichte beispielsweise eine private Nutzerin das Wolfsbild auf ihrer Facebookseite. Innerhalb weniger Tage wurde es 5.052 Mal geteilt.

Facebookbeitrag mit falschen Behauptungen vom 15. Januar 2019

US-Faktenchecker im Jahr 2015: Einer der stärkeren Wölfe führt Gruppe an

Nicht nur auf Deutsch auch auf Englisch verbreitet sich die Geschichte des Wolfrudels im Netz. 2015 widmeten die US-amerikanischen Faktenchecker von Snopes dem Thema einen Artikel und kamen zu folgendem Schluss: „Dieses Foto ist ‘echt’ in dem Sinne, dass es im Wood Buffalo National Park ein Rudel Wölfe zeigt. Das Rudel wird jedoch nicht von den drei ältesten Mitgliedern angeführt und von einem ‘Alpha’ -Wolf verfolgt, wie dies ein viraler Facebook-Post impliziert . Stattdessen führt eines der stärkeren Tiere die Gruppe, um für sie einen Weg durch den Schnee zu schaffen.“ Wie kamen die Faktenchecker zu diesem Schluss?

Das Bild des Wolfsrudels stammt den Recherchen unserer Kollegen zufolge aus der BBC Dokumentation „Frozen Planet“. Die britische Zeitung Guardian veröffentlichte im Oktober 2011 Fotos aus dem Film. Darunter auch das Bild des Wolfsrudels, allerdings ohne farbliche Markierung und mit anderer Bildunterschrift.

Bild des Wolfsrudels in einem Artikel des Guardian aus dem Jahr 2011, Screenshot: CORRECTIV

Dort steht neben allgemeinen Beschreibungen nur ein Satz zu der Aufteilung des Wolfrudels: „Das Wolfsrudel, angeführt von dem Alpha-Weibchen, läuft in einer einzelnen Reihe durch den tiefen Schnee, um Energie zu sparen.“

Gibt es Alpha-Wölfe?

In den letzten Jahren hat sich in der Wissenschaft die Erkenntnis durchgesetzt, dass es Alpha-Wölfe in dem Sinne wohl gar nicht gibt. Vielmehr geht die Wissenschaft heute von Familienverbänden aus. Darauf verweisen auch die Snopes Faktenchecker mit Link auf diesen Artikel aus dem Jahr 1999.

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Erklärung mit den bunten Markierungen ist frei erfunden.

Bewertung: falsch

Nein, Dieselfahrverbote gibt es nicht nur in Deutschland

autos pixel2013 pixabay
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autos pixel2013 pixabay
Nicht nur in deutschen Innenstädten herrschen Dieselfahrverbote. (Foto von pixel2013 / pixabay)

von Caroline Schmüser

Ein Facebooknutzer behauptet, Dieselfahrverbote gebe es ausschließlich in Deutschland. Das ist falsch, wie ein Blick auf die Webseite des ADAC zeigt.

Am 6. Januar veröffentlichte ein Facebooknutzer ein Bild einer Weltkugel mit Fokus auf Europa. Deutschland wird darauf als einziges Land grün hervorgehoben. „So klein ist Deutschland und es ist schon komisch das es nur bei uns Probleme mit feinstaub und Dieselfahrverbote gibt“, kommentiert der Nutzer die Karte.

Dieselfahrverbote gibt es nur in Deutschland? Das behauptete am 6. Januar ein Nutzer auf Facebook. (Screenshot von Correctiv)

Das ist falsch. In verschiedenen europäischen Ländern gibt es bereits Zufahrtsbeschränkungen für einige Diesel- sowie Benzinfahrzeuge in Innenstädten – das dokumentiert der ADAC auf seiner Webseite.

In dreizehn weiteren europäischen Ländern gelten ebenfalls Zufahrtsbeschränkungen

Zufahrtsbeschränkungen existieren dem ADAC zufolge bereits in diesen EU-Ländern: Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Spanien, und Tschechien. Welche Fahrzeuge den Beschränkungen unterliegen und welche Regelungen dabei angewendet werden, unterscheidet sich in den jeweiligen Ländern und Städten.

In einigen EU-Ländern findet das Konzept der sogenannten „Umweltzone“ Anwendung. Umweltzonen sind einzelne städtische Gebiete, in denen das Befahren von Straßen durch Fahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß verboten ist. Das schreibt das Bundesumweltamt auf seiner Webseite. Dadurch soll die verkehrsbedingter Umweltbelastung reduziert werden.

Von solchen Umweltzonen betroffen sind beispielsweise im belgischen Antwerpen Diesel- und Benzinfahrzeuge bestimmter Emissionsklassen. In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen wiederum fallen nur dieselbetriebene Busse und Lkw über 3,5 Tonnen unter die Verkehrsbeschränkungen. Das Konzept der Umweltzonen hat sich auch in Deutschland durchgesetzt. Ein Beispiel: Im Stuttgarter Stadtgebiet gilt seit dem 1. Januar 2019 ein ganzjähriges Verkehrsverbot für alle Kraftfahrzeuge mit Dieselmotoren der Abgasnorm 4 und schlechter. „Dem Diesel-Verkehrsverbot liegt die hohe Schadstoffbelastung der Luft zugrunde“, schreibt die Stadt Stuttgart.

Ein anderes Konzept: die City-Maut, auch genannt Innenstadtmaut. Diese gilt zum Beispiel in der Innenstadt von London sowie im maltesischen Valletta. Die City-Maut-Modelle unterscheiden sich in Preis und Art der Ausführung voneinander. In Valletta unterliegen beispielsweise alle inländischen Fahrzeuge der Maut. Ziel einer solchen Maut ist die Verringerung des Verkehrsaufkommens in Innenstädten – dadurch soll unter anderem eine Verbesserung der Luftqualität erwirkt werden.

Unsere Bewertung:
Das ist falsch. Zufahrtsbeschränkungen in Innenstädten bestehen neben Deutschland in vierzehn EU-Ländern. Welche Fahrzeuge von den jeweiligen Fahrverboten betroffen sind, ist in den jeweiligen Ländern und Städten unterschiedlich.

Bewertung: falsch

Das ist kein Diesel-Großaggregator für eine Elektroauto-Ladestation

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Tesla-Ladestationen für Elektroautos; in Warburg werden sie nicht von einem Dieseaggregator betrieben (Symbolbild: JamesQube / pixabay)

von Tania Röttger

Ein Facebook-Nutzer teilt ein Bild von einer Tesla-Ladestation für Elektroautos – daneben angeblich ein Dieselstromerzeuger. Bereits im Mai 2018 kursierte das Bild und schon damals wurde belegt: Der vermeintliche Dieselerzeuger ist gar keiner.

Am 15. Januar postet die Facebook-Seite „Angela Merkel Rücktritt jetzt“ ein Bild. Darauf zu sehen: eine Ladestation für Elektroautos, dahinter ein Aluminium-Kasten mit Auspuff. Das Bild trägt die Überschrift: „Tesla Ladestation an der Burg Warberg (südöstlich von Helmstedt) mit passendem Diesel-Großaggregat. Jetzt wird alles gut :-)“. Und darunter: „Die Volksverblödung schreitet voran :-(“.

Gerade kursiert das Bild wieder auf Facebok. Screenshot von CORRECTIV

Kurz: Auf dem Bild ist kein Dieselaggregat zu sehen, sondern eine Pelletheizung, die zum Hotel Burg Warberg nebenan gehört, wie das Hotel am 14. Mai 2018 auf Facebook mitteilte.

Über die Hintergründe zu dem Bild hatten der Faktencheck-Verein Mimikama und die FAZ schon im Mai 2018 berichtet, als das Bild erstmals kursierte. Auf diese und weitere Artikel stößt, wer die Begriffe „Tesla Ladestation Diesel Großaggregat“ in eine Suchmaschine eingibt.

Was das für ein Container ist, teilte ein Hotel am 14.Mai 2018 über Facebook mit. Screenshot von CORRECTIV

Keine Verbindung zwischen Container und Ladestation

Die Intention ist offenbar, angebliche Heuchelei bloßzustellen – da es immer mehr Fahrverbote für Autos mit Diesel-Motoren gibt, und Elektroautos als Alternative angepriesen werden. Das US-Unternehmen Tesla stellt solche Elektroautos her.

Eine Sprecherin von Tesla schrieb uns auf Anfrage, dass „kein Zusammenhang zwischen dem Supercharger und dem Aggregator“ bestehe, „auch wenn die Perspektive des Fotos dies suggerieren mag“.

Email einer Tesla-Sprecherin

Auch die Webseite „Going Electric“, die Ladestationen für Elektroautos listet, reagierte auf die Gerüchte. Zu dieser Ladestation steht nun ausdrücklich: „Der Container am Bild ist eine mobile Pellets-Heizung für den Hotelbetrieb in der Burg und hat NICHTS mit den Ladestationen zu tun!“

Screenshot von der Webseite „Going Electric“, wo das Bild entsprechend markiert wurde

Ein Sprecher von „Going Electric“ bestätigte uns am Telefon, dass dazu das Bild mit der Aufschrift „Pellet-Heizung“ am 24. Mai 2018 hochgeladen wurde, das heißt, nachdem die Kontroverse im Netz hochgekocht war.

Unsere Bewertung:
Falsch. Der Container ist kein Diselaggregator und hat nichts mit der Elektro-Ladestation zu tun.

Bewertung: teilweise falsch

Warum der niedrige Rheinpegel für Engpässe an Tankstellen sorgt

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Ein Schiff auf dem Rhein. (Symbolbild: SatyaPrem / pixabay)

von Cristina Helberg

Im Ruhrgebiet und im Rheinland mussten Tankstellen in den letzten Wochen zeitweise schließen. Schuld ist der niedrige Rheinpegel. Im Internet zweifeln Nutzer diesen Zusammenhang an. Was ist dran an den Zweifeln?

„Jetzt aber mal Klartext“ beginnt ein Leserkommentar, der offenbar unter einem Artikel des Focus gepostet wurde. Ein Facebooknutzer hat davon einen Screenshot gemacht und am 19. November gepostet. Mehr als 25.000 Mal wurde der Screenshot seitdem geteilt. Unter der Überschrift „Volksverdummung“, schreibt dort jemand: „Wie kann da der Rheinpegel Ursache für diese merkwürdige Verknappung der Kraftstoffe und die damit verbundene Preissteigerung sein?“. Die Argumentation des Autors ist etwas kompliziert. Wir haben sie Schritt für Schritt geprüft.

Screenshot Facebook

1. Behauptung: Das Rohöl kommt per Pipeline

Zuerst behauptet der Nutzer, die Shell-Raffinerien in Köln Godorf und Wesseling würden per Pipeline mit Rohöl versorgt. Deshalb seien dafür keine Schiffe notwendig. Er schreibt:

„Godorf wird per Rotterdam-Rhein Pipeline direkt vom Ölhafen Rotterdam beliefert, Wesseling bekommt das Öl über die Nordseepipeline. direkt aus Wilhelmshaven. Es erfolgt keine Anlieferung von Rohöl per Schiff. Lediglich Spezialraffinate und Gase werden per Schiff an die Abnehmer weitergeleitet.“

Auf Nachfrage von CORRECTIV bestätigt, das NRW-Verkehrsministerium die Versorgung der Raffinerien durch Pipelines, auch wenn die Details im Netz nicht ganz richtig wiedergegeben seien. „Die Raffinerien in Nordrhein-Westfalen sind sowohl an die RRP-Pipeline aus Rotterdam als auch an die NWO-Pipeline aus Wilhelmshaven angeschlossen. Insofern ist die Aussage, dass Godorf per RRP-Pipeline und Wesseling per Nordseepipeline aus Wilhelmshaven versorgt werde, so nicht korrekt. Korrekt ist hingegen, dass das Rohöl per Pipeline transportiert wird und damit keine Engpässe hinsichtlich Rohöl bestehen“, so das Ministerium.

Es stimmt also: Die Raffinerien in NRW bekommen ihr Rohöl per Pipeline. Der Rheinpegel spielt dabei keine Rolle. Die Raffinerien stellen aus dem Rohöl Kraftstoff her. Und der muss dann an die Tankstellen geliefert werden. Die Tankstellen sind nämlich nicht an Pipelines angeschlossen. Wie kommen sie also an ihren Kraftstoff?

2. Behauptung: Tankstellen werden nicht mit Schiffen beliefert

Der Autor des Kommentars im Netz schreibt: „Tankstellen und Zwischenlager werden ebenfalls nicht mit Binnenschiffen sondern per Lkw beliefert. (…) Wie kann da der Rheinpegel Ursache für diese merkwürdige Verknappung der Kraftstoffe und die damit verbundene Preissteigerung sein?“ Das klingt auf Anhieb logisch. Natürlich können Schiffe nicht bis zur Zapfsäule vorfahren.

Aber ist diese Darstellung richtig? Nein, schreibt uns das NRW-Verkehrsministerium. „Die Aussage ist – zumindest bezogen auf Zwischenlager – so nicht korrekt, da es auch Tanklager entlang der Rheinschiene gibt, die nur über einen Zugang per Schiff verfügen und keinen Schienen- oder Straßenanschluss besitzen. Die Belieferung von Tankstellen ist zumindest teilweise ebenfalls auf den Transport per Schiff ausgelegt.“

Wir haben auch bei Shell selbst nachgefragt. Das Unternehmen antwortet uns: „Der Post enthält leider eine Reihe von Falschaussagen, Fehlannahmen und Irreführungen.“ Der Konzern erklärt: „Die Tankwagen zur Belieferung von Tankstellen, holen den Kraftstoff unter normalen Umständen aus den nächstgelegenen Tanklagern. Diese werden aber zum großen Teil von Binnenschiffen beliefert. So werden einige Tanklager entlang des Rheins von uns normalerweise ausschließlich über spezielle Binnenschiffe versorgt. Infolge der niedrigen Wasserstände ist diese Art des Transports seit geraumer Zeit massiv eingeschränkt – zuweilen sogar unmöglich.“

Das führt zu einem Dominoeffekt. Denn wenn die Tanklager leer sind, können die Lkw dort auch nichts abholen und zu den Tankstellen liefern. Weil die Lkw den Kraftstoff andernorts abholen müssten, seien die Strecken viel länger und entsprechend schaffe man weniger Touren am Tag.

Die Behauptung im Kommentar ist also falsch. Zwar liefern Schiffe den Kraftstoff nicht bis an die Tankstelle, dafür versorgen sie aber Zwischenlager. Sind diese Lager leerer oder sogar ganz leer, weil die Schiffe nicht durchkommen oder nur wenig Kraftstoff laden können, können die Lkw dort auch nur weniger oder gar keinen Kraftstoff laden. Dann sitzen die Tankstellen auf dem Trockenen.    

Das Land NRW hat übrigens schon reagiert und das Sonntagsfahrverbot für Tanklaster bis Ende Mai 2019 aufgehoben. Das NRW-Verkehrsministerium schreibt in der Begründung: „Tanklaster dürfen in Nordrhein-Westfalen ab sofort auch sonntags fahren, um Engpässe in der Belieferung mit Sprit oder Heizöl wegen der Transportprobleme bei Binnenschiffen zu lindern.“

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Durch den niedrigen Rheinpegel können die Tanklager nicht wie sonst gefüllt werden.

Bewertung: teilweise falsch

Video des Bauern, der Demonstranten mit Gülle besprüht, wurde in England gefilmt

Capture d’écran 2018-11-19 à 18.53.25
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Capture d’écran 2018-11-19 à 18.53.25
Screenshot aus dem Youtube Video „Farmer sprays poop all over protestors trespassing on his land“

von Jacques Pezet

Ein Video, in dem ein Bauer angeblich Grüne mit Gülle besprüht, kursiert auf Facebook. Doch es wurde 2016 in England gedreht, nicht in Deutschland.

Seit dem 15. November 2018 kursiert ein Video auf Facebook, das fast 1000 Mal geteilt worden ist. Im Video sieht man einen Traktor, der eine Gruppe von Menschen mit einer braunen Flüssigkeit besprüht. In der Beschreibung steht: „Was passiert, wenn die Grünen (Kopftücher im Bild sind reiner Zufall), ohne den Bauern zu fragen, eine unangemeldete Veranstaltung auf seinem Boden durchführen und dabei den Acker zertrampeln?“

Was passiert, wenn die Grünen (Kopftücher im Bild sind reiner Zufall), ohne den Bauern zu fragen, eine unangemeldete Veranstaltung auf seinem Boden durchführen und dabei den Acker zertrampeln? 🚜

Gepostet von Marco Kurz am Donnerstag, 15. November 2018

Geht es um deutsche Aktivisten der politischen Partei die Grünen? Wo wurde dieses Video gedreht? Auf diese zwei Fragen wollen wir in diesem Faktencheck antworten.

Dafür fanden wir zuerst die Quelle für dieses Video heraus. Mit Hilfe des kostenlosen INVID-Videoüberprüfungs-Tools konnten wir Screenshots vergleichen und sehen, dass dieses Video auf Englisch veröffentlicht wurde.

Auf einer Website erschien das Video im Zusammenhang mit einer Veranstaltung in West-England, an der die Hollywood-Schauspielerin Emma Thompson und Greenpeace-Aktivisten teilgenommen hatten. Durch diesen Hinweis stießen wir in mehreren britischen Medien (Telegraph, The Guardian, BBC) auf sehr ausführliche Artikel über die Aktion und das Missgeschick der Demonstranten.

Hintergrund der Demonstration

Laut dem Telegraph demonstrierte Emma Thompson mit ihrer Schwester Sophie am 27. April 2016 „auf einem Feld einer Farm in Lancashire, wo das Energieunternehmen Cuadrilla plante, nach Schiefergas zu fracken“. Sie wurden bei ihrer Aktion von der Umweltorganisation Greenpeace unterstützt. Die Zeitung berichtete, dass ein Bauer mit einem Miststreuer um die Demonstranten herum fuhr, weil er angeblich „sehr verärgert“ war, dass ihn die Demonstranten daran hinderten, auf seinem Feld zu arbeiten. Laut Medienberichten kam die Polizei, verhaftete aber niemanden.

Außerdem: Der Facebook-Post vom 15. November enthält eine antimuslimische Bemerkung gegen Frauen, die das islamische Kopftuch tragen. Ein zweites Video, das die Demonstranten aus der Nähe zeigt, macht deutlich: Die angeblichen Kopftücher sind eigentlich gelbe Stirnbänder. Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass Frauen, unabhängig von ihrer Religion, das Recht haben, gegen Fracking – oder jedes andere Thema – zu demonstrieren.

Unsere Bewertung:
Mangel an Kontext. Das Video wurde bei einer Anti-Fracking Demo in England gefilmt.

Bewertung: völlig falsch

Manipuliertes Bild soll angeblich Beleg für Chemtrails liefern

Bildschirmfoto 2018-11-15 um 17.21.00
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Gegenüberstellung des gefälschten Bildes (links, Screenshot Facebook) und des Originalbildes (rechts, Bild von Hannes Sallmutter, Airbp, CC BY-SA 3.0)

von Cristina Helberg

Auf Facebook kursiert ein Bild, das einen Beweis für Chemtrails liefern soll. Es ist gefälscht.

Eine Facebooknutzerin veröffentlichte am 7. November ein Bild eines Fahrzeuges an einem Flughafen. Darauf soll der Schriftzug „chemtrailzusatz” zu sehen sein. Fast 900 Nutzer teilten das Bild.

Eine Bilderrückwärtssuche bei Google ergibt schnell zwei Erkenntnisse. Erstens: Das Bild ist manipuliert. Zweitens: Faktenchecker von Mimikama aus Österreich haben das bereits aufgeklärt.

Das gefälschte Bild (Screenshot Facebook)

Durch die Rückwärtsbildersuche bei Google stoßen wir auf das Originalbild in der Datenbank von Wikipedia. Demnach wurde es im Jahr 2008 aufgenommen und zeigt eine „Flugzeug-Betankung am Flughafen Wien-Schwechat”. Auf dem Originalbild ist keine Spur des Wortes „Chemtrailzusatz”.

Das Originalbild in der Wikipedia Datenbank (Screenshot, Originalbild Hannes Sallmutter, Airbp, CC BY-SA 3.0)
Unsere Bewertung:
Das Bild ist gefälscht.

Bewertung: teilweise falsch

Zuspitzungen in Berichten über Rodungen im Reinhardswald

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Windräder in einem Waldgebiet (Symbolbild). Foto: Pixel2013 / Pixabay

von Tania Röttger

Vor der hessischen Landtagswahl kursierten Artikel und Bilder auf Facebook, die den Grünen „Heuchelei“ vorwerfen. Es geht um den hessischen Reinhardswald, den die Grünen angeblich abholzen lassen. Die Vorwürfe sind extrem zugespitzt, enthalten aber einen wahren Kern.

„Die Heuchelei steht zur Wahl: Die Grünen lassen in Hessen den Reinhardswald abholzen“ titelte Pravda.Tv am 20.Oktober 2018. Derselbe Text erschien am 25. Oktober auch bei Watergate.Tv mit dem Titel: „Grüne lassen uralten Märchenwald abholzen“ und dem Zusatz: „Der nächste Wald ist dran“, in Anspielung auf die Proteste wegen der geplanten Rodung des Hambacher Forsts in Nordrhein-Westfalen. Und am 27. Oktober brachte auch die Freie Presse den Artikel.

Die Berichte beziehen sich auf einen Artikel von Tichys Einblick. Dort erschien im Juli 2018 ein Beitrag über den Wald: „Grüne und CDU zerstören Gebrüder Grimms Wald.“

Das ist übertrieben. Was stimmt: Ein kleiner Teil des Waldes gehört zu den Gebieten in Hessen, in denen Windräder gebaut werden dürfen. Dafür würden im Fall einer Genehmigung auch Bäume gefällt. Ein konkretes Bauvorhaben ist jedoch noch nicht genehmigt. Im Großteil des Waldes darf aber nicht gerodet werden, unter anderem auch in dem als „Märchenwald“ bekannten Gebiet Urwald Sababurg.

Die Grünen waren daran beteiligt, Flächen für diese Bebauung zu bestimmen. Aber sie haben das nicht alleine entschieden. Auch die CDU, SPD, die FDP und die Piraten haben zugestimmt. Nur die Linken nicht – weil sie damals nicht in der Regionalversammlung vertreten waren.

Wie es zu der Entscheidung kam

In Hessen sollen Windparks gebaut werden, als Beitrag zur Energiewende. Allerdings entschieden die Parteien, dass das Bundesland entscheiden soll, wo die Windräder gebaut werden – nicht die einzelnen Kommunen oder gar die zukünftigen Betreiber von Windparks.

Heraus kam: Zwei Prozent der Fläche in Hessen dürfen für die Bebauung von Windrädern genutzt werden. 98 Prozent nicht. Die Regionalversammlung entschied im Jahr 2016, wo sich diese Flächen befinden sollten. Und wies sogenannte Vorrangflächen aus. Nur dort dürfen Windräder gebaut werden. Naturschutzgebiete oder Naturdenkmäler konnten kein Vorranggebiet sein.

Tatsächlich finden sich Vorranggebiete im Reinhardswald. Ausgeschlossen sind aber Teile wie der Urwald Sababurg.

Email eines Sprechers der hessischen Grünen.
Der Reinhardswald mit blau markierten Vorrangflächen. Screenshot aus: http://rpkshe.de/teilregionalplan-energie/Anhang-STECKBRIEFE_kleiner.pdf

Bisher wurde aber noch kein Antrag für eine Rodung und Bebauung des Vorranggebietes im Reinhardswald genehmigt, wie das hessische Umweltministerium per Email mitteilte.

Email des hessischen Umweltministeriums.

Was sagen Naturschutzorganisationen?

Thomas Norgall arbeitet für den BUND in Hessen. Er findet die Vorranggebiete eine gute Lösung, sagt er gegenüber Correctiv – auch das im Reinhardswald. Das teilte die Organisation bereits im Oktober 2016 in einer Pressemitteilung mit. Es gebe immer einen Konflikt bei Windrädern, sagt Norgall. Zwischen Bürgerinitiativen der Anwohner in der Umgebung, die keine Windräder wollen, oder von den Betreibern der Windparks, die noch mehr Fläche beanspruchen. Es komme außerdem zu Konflikten zwischen Klimaschutz – also dem Bau von Windrädern für Windenergie – und Naturschutz – weil mit dem Bau in die Natur eingegriffen wird.

Der NABU Hessen sieht das ähnlich. Mark Harthun sagt: „Der Konflikt ist lösbar.“ Indem man Windräder dorthin baut, wo sie am verträglichsten sind. Ihn stört an den aktuellen Behauptungen besonders die Bebilderung. Das seien nämlich oft Bilder aus dem Urwald Sababurg, der aber gerade nicht für Windräder abgeholzt werden darf.

Dieses Bild wird gerade viel auf Facebook geteilt. Die Bilder zeigen den Urwald Sababurg.

Er befürchtet, dass Windrad-Bauer diese Falschdarstellungen nutzen könnten, um auch legitimen Naturschützern Lügen vorzuwerfen.

Harthun ist nämlich nicht mit jedem Windrad-Vorhaben einverstanden. Der NABU Hessen hat sogar Klage gegen eines eingereicht. Doch mit dem Teilgebiet im Reinhardswald hat Harthun kein Problem. Solange die alten Bäume wie geplant unberührt bleiben und der Artenschutz beim etwaigen Bau von Windrädern beachtet wird.

Screenshot aus der Email von Mark Harthun, NABU.
Unsere Bewertung:
Nicht der ganze Wald soll gerodet werden. Teile davon sind aber potenzielle Standorte für Windräder zur Energie-Gewinnung. Die Grünen waren an der Entscheidung beteiligt, jedoch zusammen mit CDU, SPD, FDP und den Piraten. Naturschutzorganisationen halten die Gebiete im Reinhardswald für unbedenklich.