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Der Facebook-Beitrag mit dem betreffenden Bild. (Quelle: Marco Rivas/Facebook, Screenshot und Collage: CORRECTIV)

von Steffen Kutzner

Auf Facebook wurde ein Foto von Leichensäcken geteilt, die auf einem Fußweg aufgereiht liegen. Eine Frau trägt mit einer Hand einen davon weg. Nutzer leiten daraus ab, dass sich in den Säcken nicht wirklich Leichen befinden können und die Pandemie deshalb ein „Schwindel“ sei. Unsere Recherche zeigt jedoch: Die Säcke waren Teil einer Protestaktion in Miami.

„Pandemie oder ein großer Schwindel?“ Diese Frage stellt ein Facebook-Nutzer in einem Beitrag vom 30. Mai. Auf einem Foto ist zu sehen, wie eine Frau einen schwarzen Sack, der aussieht wie ein Leichensack, mit nur einer Hand trägt. Neben ihr liegen auf einem Bordstein mindestens 15 weitere Säcke aufgereiht. Es sind auch einige Plüschtiere, Fotos und ein Kranz zu sehen, die den Eindruck erwecken, es handele sich um eine Aufbahrung von Verstorbenen auf offener Straße. Das ist jedoch nicht der Fall – die angeblichen Leichensäcke sind Teil einer Inszenierung während einer Protestaktion in Miami, Florida.

Keine echten Leichen, sondern symbolische Opfer

Der Facebook-Nutzer, dessen Beitrag mehr als 2.300 Mal geteilt wurde, merkt offenbar ironisch an, dass „amerikanische Frauen extrem stark“ seien, weil sie „einen Leichensack mit einer Hand bewegen“ könnten. Auch den Umstand, dass der Plastiksack nicht reißt, deutet der Nutzer als Hinweis darauf, dass sich in den Säcken keine Leichen befinden könnten. 

Damit liegt der Autor des Beitrags richtig – in den Säcken befinden sich keine Leichen. Das hatten allerdings auch weder die Veranstalter der Protestaktionen behauptet, noch wurde die These in Medienberichten aufgestellt.

Die Aufnahme stammt vom 27. Mai 2020 und zeigt laut der Bildbeschreibung des Fotos bei der Bilddatenbank Shutterstock einen symbolischen Trauerzug in Miami. Der war als Protest gegen die Wiedereröffnung der Wirtschaft ohne staatliche Corona-Hilfen abgehalten worden. In den Plastiksäcken befanden sich also keine echten Leichen, und dies wurde von den Fotografen auch deutlich gemacht. Das Foto beweist also nicht, dass die Pandemie ein „Schwindel“ ist, wie es der Facebook-Nutzer unterstellt.

Aktivisten nutzten Leichensäcke schon häufiger für Protestaktionen

Medien berichteten über die Aktion in Florida und machten ebenfalls deutlich, dass es ein symbolischer Protest war. Vergleichbare Aktionen gab es in den vergangenen Wochen häufiger, Berichten zufolge nicht nur in Florida, sondern auch in Washington D.C., Texas und Arizona. Der Text des Facebook-Beitrags wurde vermutlich mit einem Programm automatisch übersetzt, worauf etwa der Satz „Ich war noch nie gut in Physik, aber wenn ich mich recht erinnere, versuchen viele Pakete an diesem einen Punkt, wo sie aufbewahrt wird, die Tasche zu reißen“ hindeutet. 

Fazit: Das Foto mit den vermeintlichen Leichensäcken zeigt eine Protestaktion in Miami am 27. Mai 2020.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Das Foto wird in falschen Kontext gestellt. Es zeigt einen symbolischen Trauerzug bei einer Protestaktion.

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Dieses Bild mit einer Übersicht von Todeszahlen wurde auf Instagram geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

von Steffen Kutzner

Auf Instagram wurde ein Bild mit der Aufstellung angeblicher Opferzahlen durch verschiedene Todesursachen im ersten Quartal 2020 veröffentlicht. Die Zahlen basieren jedoch auf Schätzungen und sind teilweise veraltet. Die Statistiken sind nicht vergleichbar.

Auf Instagram wurde am 17. April vom Account „The Truth Hunters“ ein Bild mit einer Liste geteilt, in der angebliche Opferzahlen durch verschiedene Todesursachen aufgezählt werden. Sie enthält Zahlen zu Malaria, Verkehrsunfällen und Hunger. Auch Zahlen zum Coronavirus sind dort angegeben. Der Zeitraum, aus dem die Zahlen stammen, soll der 1. Januar bis 1. April 2020 sein. 

Als Quelle wird die Webseite „Wordometer“ genannt. Es finden sich für alle in der Liste aufgeführten Todesursachen Zahlen auf der Webseite. Die Aufstellung auf Instagram ähnelt einem im April auf Whatsapp und Facebook geteilten Bild, das ebenfalls die Zahlen verschiedener Todesursachen mit denen von Covid-19 verglich. Wir haben dazu einen Faktencheck veröffentlicht. 

Die Aufstellung der Zahlen zu verschiedenen Todesursachen auf Instagram. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf der Webseite „Wordometer“ werden vermeintliche Echtzeitzähler zu unterschiedlichen Themen aufgelistet, etwa zur Weltbevölkerung, verbrauchter und hergestellter Energie, oder Umweltthemen. Die Webseite hat keine Archivfunktion und die Betreiber der Seite haben bis zur Veröffentlichung nicht auf unsere Anfrage geantwortet, deshalb konnten wir nicht überprüfen, ob die angegeben Zahlen tatsächlich am 1. April auf der Webseite zu finden waren. 

Eine Ausnahme bildet die Angabe für die Coronavirus-Todesfälle. Am 1. April waren es laut „Worldometer“ 49.233 Fälle. Als Quelle dafür werden zum Beispiel offizielle Berichte von Regierungen und regionalen Medien genannt. Die WHO gibt abweichend davon für den 1. April 40.598 Tote an. Laut dem auf Instagram geteilten Bild lag die Zahl der Todesfälle durch das Coronavirus am 1. April bei 46.491, also zwischen den offiziellen Zahlen der WHO und denen von „Worldometer“. 

Die Übersicht der Opferzahlen für das Coronavirus auf der Seite „Worldometer“. (Screenshot: CORRECTIV)

In der Auflistung von „The Truth Hunter“ werden Todesursachen miteinander in Beziehung gesetzt, die nichts gemeinsam haben. Die einzigen Virus-Erkrankungen in der Aufstellung neben Covid-19 sind die saisonale Grippe und Aids. Zudem ist das Coronavirus die einzige Todesursache, die neuartig ist und deren Opferzahlen deshalb stark steigen.

Unsere Recherche ergibt zudem: Die Daten zu den anderen Todesursachen sind nicht aktuell. „Worldometer“ legt seine Berechnungsmethode nicht offen, sondern erklärt auf seiner Webseite, die Daten würden aus offiziellen Quellen stammen, aber nicht in Echtzeit erhoben. Sie würden lediglich auf Basis von teilweise mehrere Jahre alten Zahlen geschätzt: „Wir analysieren die verfügbaren Daten, führen statistische Analysen durch und erstellen unseren Algorithmus, der die Echtzeitschätzung liefert.

Auszug aus der FAQ-Seite von „Worldometer“. (Screenshot: CORRECTIV)

Abtreibung

Im Bild werden 10.670.908 Todesfälle durch Abtreibung genannt. Ob damit die abgetriebenen Föten gemeint sind oder die bei einer Abtreibung verstorbenen Schwangeren, ist nicht klar. Als Quellen gibt „Worldometer“ eine Übersichtsseite der WHO an, auf der sich die Information nicht findet und einen nicht funktionierenden Link zur Webseite „Society Of Obstetricians And Gynaecologists Of Canada“, einer kanadischen Vereinigung, die sich um Frauengesundheit und Familienplanung kümmert.

Die WHO gibt an, dass weltweit zwischen 2010 und 2014 pro Jahr durchschnittlich 56 Millionen Abtreibungen durchgeführt wurden. Dabei sterben pro 100.000 Abtreibungen – abhängig von der Region – 30 bis 520 Frauen.

Ausgehend von den Zahlen der WHO lassen sich die im geteilten Bild angegebenen 10,67 Millionen Opfer von Abtreibungen im ersten Quartal 2020 nicht nachvollziehen. Bezieht sich die Zahl auf die durchgeführten Abtreibungen, wären es pro Quartal 14 Millionen, nicht 10,67 Millionen. Und falls sich die Zahl auf die Frauen bezieht, die bei Abtreibungen sterben, müsste sie nach Angaben der WHO zwischen 4.200 und 72.800 pro Quartal liegen. 

Hunger

In der Liste auf dem Instagram-Bild ist zu lesen, dass im ersten Quartal 2020 2,81 Millionen Menschen an Hunger starben. Wir können diese Zahl nicht verifizieren. Es gibt hierzu keine aktuellen Daten. 

„Worldometer“ gibt drei Quellen für die Hungertoten pro Tag und seit Jahresbeginn an: Die Hunger Map des World Food Programme von 2019, auf der jedoch keine Zahlen für Hungertote genannt werden. Eine Übersichtsseite der WHO für den World Health Report 2013, auf der ebenfalls keine Zahlen genannt werden. Und die Seite von UNICEF, die Links zu den jährlichen Berichten zum Status von Unterernährung und Armut bei Kindern bietet. Auch dort werden keine Zahlen zu Hungertoten genannt. 

Wir konnten in den Berichten der Vereinten Nationen, der WHO, der Welthungerhilfe, des FSIN und UNICEF keine aktuellen Zahlen finden. Presseanfragen an die WHO und die Welthungerhilfe wurden mit Verweis auf die Berichte beantwortet. Die Welthungerhilfe und die FAO schrieben uns, es lägen keine aktuellen Zahlen vor. Eine Pressesprecherin der WHO teilte uns mit, man wüsste von keinen jährlichen Berichten, die Angaben zu Hungertoten machten.

Auszug aus der Antwort-E-Mail der WHO auf die Frage, ob Zahlen zu Hungertoten bekannt seien. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Hilfsorganisation Mercy Corps gibt auf ihrer Webseite „mehr als neun Millionen Tote“ pro Jahr durch Hunger an, die Quelle für diese Zahl ist jedoch unklar. Auf das Quartal heruntergerechnet wären das 2,25 Millionen.

Krebs

Krebstote laut Aufstellung der WHO aus dem Jahr 2018. (Screenshot: CORRECTIV)

„Worldometer“ gibt als Grundlage für ihren Schätzwert der Krebs-Todesfälle eine Übersichtsseite der WHO an. Dort findet sich aber lediglich der gerundete Wert von 9,6 Millionen Krebstoten für das Jahr 2018. Das wären 2,39 Millionen pro Quartal. Aktuellere Zahlen gibt es nicht. 

Für die 2,06 Millionen Todesfälle, die im Bild genannt werden, fanden wir also keine Belege. 

Rauchen

„Worldometer“ gibt als Quelle für die durch das Rauchen verursachten Todesfälle eine Seite der WHO an, auf der jedoch keine jährlichen Opferzahlen genannt werden. Aktuelle Zahlen aus 2020 liegen hierzu nicht vor, deshalb kann die Zahl von 1,25 Millionen, die in dem Instagram-Bild genannt wird, nicht überprüft werden. 

Im Jahr 2016 starben laut dem von der amerikanischen Krebsgesellschaft herausgegebenen ‘Tabakatlas’ weltweit 7,1 Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens. Die WHO spricht auf einer zuletzt im Mai 2020 aktualisierten Webseite von mehr als acht Millionen pro Jahr. Daraus ergeben sich für das Quartal rund 1,78 bis 2 Millionen Tote weltweit. 

Aids

Angeblich sind laut der Aufstellung im ersten Quartal diesen Jahres 422.032 Menschen an Aids gestorben. „Worldometer“ nennt als Quelle das AIDS-Programm der Vereinten Nationen UNAIDS, auf deren Webseite sich die Zahl von 770.000 Todesfällen durch Krankheiten in Verbindung mit Aids im Jahr 2018 finden lässt. Es handelt sich jedoch um eine Schätzung, die Variable wird mit 570.000 bis 1,1 Millionen angegeben.

Screenshot aus dem Aids-Bericht der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2019. (Screenshot: CORRECTIV)

Die im auf Instagram geteilten Bild angegebene Zahl von 422.032 bisher im Jahr 2020 ist nicht nachvollziehbar. 

Verkehrsunfälle

Für die behauptete Zahl von 338.886 Verkehrstoten im ersten Quartal 2020 gibt es keine direkte Quelle. Als Berechnungsgrundlage nennt „Worldometer“ eine Pressemitteilung der WHO aus dem Jahr 2011, in der für das Jahr 2020 1,9 Millionen Tote durch Verkehrsunfälle vorausgesagt wurden.

Dem Global Status Report On Road Safety der WHO aus dem Jahr 2018 zufolge sind in jenem Jahr 1.354.840 Menschen bei Verkehrsunfällen gestorben, Fußgänger und Radfahrer mit eingeschlossen. Heruntergerechnet entspricht das 339.000 Fällen pro Vierteljahr. Die Zahl der Verkehrstoten weltweit steigt seit Jahren.

Suizid

Als Quelle für die Selbstmorde pro Tag und seit Jahresbeginn gibt „Worldometer“ eine Übersichtsseite der WHO zu Suizidraten an, auf der von „close to 800.000 people“ pro Jahr gesprochen wird.

Die aktuellsten Zahlen, die die WHO zu Todesfällen durch Suizid erhoben hat, stammen aus dem Jahr 2016. Die Schätzung geht von 793.000 Suiziden weltweit aus. Auch im von der WHO herausgegebenen Bericht World Health Statistics 2019 wird sich noch darauf bezogen (Seite 31), allerdings sind es hier 800.000 Todesfälle durch Selbstmord. 

Selbst wenn die Zahl auf 2020 übertragbar wäre, wären es etwa 198.000 Fälle pro Quartal. Die im Bild angegebene Zahl von 269.209 ist also mit diesen Daten nicht nachvollziehbar. 

Malaria

Laut der Aufstellung sind im ersten Quartal diesen Jahres angeblich 246.250 Menschen an Malaria gestorben. Diese Zahl ist unbelegt. „Worldometer“ verweist als Quelle für die Zahl pro Tag und seit Jahresbeginn auf eine Übersichtsseite der WHO, auf der die Zahlen für Malaria-Tote jedoch nicht genannt werden.

Der World Malaria Report 2019 der WHO gibt für das Jahr 2018 weltweit schätzungsweise 405.000 Gestorbene an. Aktuellere Zahlen gibt es bisher nicht. Heruntergerechnet auf ein Quartal ergibt sich damit eine ungefähre Zahl von 101.000 Toten. 

Verunreinigtes Trinkwasser

Zu dieser Todesursache gibt es auf „Worldometer“ keine Angabe. Es ist jedoch denkbar, dass damit die Todesfälle durch Krankheiten gemeint sind, die mit Wasser in Verbindung stehen. Dass damit jedoch verunreinigtes Trinkwasser gemeint ist, wird auf „Worldometer“ nicht gesagt. Laut des geteilten Bildes lag die Zahl am 1. April bei 211.416 und laut „Worldometer“ am 27. Mai bei etwa 340.000.

Screenshot der Daten, die „Worldometer“ für Wasser zur Verfügung stellt. (Screenshot: CORRECTIV)

Als Quellen werden auf „Worldometer“ zwei Webseiten der WHO zum Thema Wasser genannt, auf denen erklärt wird, dass verunreinigtes Wasser Krankheiten wie Cholera, Diarrhö, Ruhr, Hepatitis A, Typhus und Polio auslösen kann. Im World Water Development Report 2020 der Vereinten Nationen heißt es, dass verunreinigtes Wasser und mangelnde Hygienebedingungen vorsichtig geschätzt jährlich knapp zwei Millionen Leben kosten (Seite 71). 

Die Quelle dafür ist ein WHO-Bericht, der schon aus dem Jahr 2008 stammt. Die Zahl von zwei Millionen verstorbenen Menschen ist dort allerdings nicht zu finden. Zu den 211.416 Toten durch verunreinigtes Trinkwasser in der geteilten Aufstellung gibt es keine Quelle. Die Angabe auf „Worldometer“ bezieht sich auf Todesfälle durch Krankheiten, die mit Wasser in Zusammenhang stehen, nicht explizit auf verunreinigtes Wasser. Die verlinkte Quelle schließt zudem mangelnde Hygienebedingungen mit ein. 

Saisonale Grippe

Die Angabe der im Bild genannten 122.062 Toten durch die saisonale Grippe seit Anfang 2020 ist nicht nachvollziehbar. „Worldometer“ gibt als Quelle für die Schätzung eine Pressemitteilung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC aus dem Jahr 2017 und eine Pressemitteilung der WHO aus demselben Jahr an.

Die WHO schätzt laut einer Übersichtsseite aus dem Jahr 2018 weltweit 290.000 bis 650.000 Grippetote pro Jahr. Auch die Johns-Hopkins-Universität geht von schätzungsweise 291.000 bis 646.000 Todesfällen pro Jahr aus. Die beiden Pressemitteilungen, auf die sich „Worldometer“ bezieht, nennen dieselben Zahlen. 

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Fazit

Die Zahlen der auf Instagram verbreiteten Aufstellung sind unbelegt. Wir fanden, bis auf den Zahlen zu Covid-19, keine Quellen mit aktuellen Daten, anhand derer wir die Werte von „Worldometer“ nachvollziehen könnten. 

Darüber hinaus gibt es zwei Probleme mit der Grafik.

Zum einen überschneiden sich die Zahlen der Aufstellung teilweise: So wird etwa eine Zahl für Krebstote angegeben und auch eine Zahl für Tote durch Rauchen. Raucher sterben aber zumindest zum Teil an Krebs. Das Deutsche Krebsforschungszentrum geht davon aus, dass bis zu 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle auf das Rauchen zurückzuführen seien. 

Zum anderen werden in der Übersicht Zahlen nebeneinander gestellt, die teilweise geographische Schwerpunkte haben. Von den 405.000 offiziellen Malaria-Toten des Jahres 2018 sind zum Beispiel sind 380.000 in Afrika gestorben. Ähnliches gilt für Hunger: Im April 2020 veröffentlichte das Global Network Against Food Crises einen Report. Dieser verortet mehr als die Hälfte der von Hunger betroffenen Menschen in Afrika.

Grafik aus dem Global Report On Food Crises 2020. (Screenshot: CORRECTIV)

In der Aufstellung der Todeszahlen werden also Todesursachen, die vor allem die afrikanischen Länder betreffen, neben Todesursachen gestellt, welche die ganze Welt betreffen. 

Die Vergleiche der Zahlen führen insgesamt in die Irre. Dass mehr Menschen zum Beispiel bei Verkehrsunfällen sterben, bedeutet nicht, dass das Coronavirus ungefährlich ist.

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Die Zahlen zu den verschiedenen Todesursachen sind unbelegt und nicht mit denen durch Covid-19 vergleichbar.

FilipFilipovic Pixabay
Symbolbild: Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York. (Quelle: Filip Filipovic/Pixabay)

von Steffen Kutzner

Ein Online-Artikel behauptet, die UN wolle Pädophilie legalisieren. Das solle ein neu ernannter, unabhängiger Experte umsetzen. Den Experten gibt es, aber die „Legalisierung“ von Pädophilie gehört nicht zu den Zielen des Mandats.

Die Webseite Einreich behauptet in einem Beitrag vom 25. Mai, die Vereinten Nationen (UN) hätten das Ziel, „die Legalisierung und die uneingeschränkte Unterstützung des Transgenderismus zu erreichen, die auch die Legalisierung der Pädophilie beinhaltet.“ 

Wir haben recherchiert. Es zeigt sich: Ein erklärtes Ziel der UN ist es zwar, die Rechte von Transgendern zu stärken, aber nicht die von Pädophilen.

Um Homo-, Bisexuelle und Transgender vor Diskriminierung und Gewalt zu schützen, hatte der UN-Menschenrechtsrat den Posten eines unabhängigen Experten innerhalb der UN geschaffen. Darauf bezieht sich auch der Artikel von Einreich. Dort heißt es, der Menschenrechtsrat der UN habe „letzte Woche globale Empörung“ ausgelöst, „als er einen UN-Offiziellen ernannte, dessen Aufgabe es sein soll, die Normalisierung der Homosexualität und des Transgenderismus in der ganzen Welt zu überwachen.“ Diese Ernennung war aber nicht „letzte Woche“, sondern im schon Juni 2016, wie ein Protokoll des Menschenrechtsrates belegt.

Der Beitrag von Einreich gibt fälschlicherweise Aktualität vor, obwohl über dem Text eine Quelle verlinkt ist, die denselben Beitrag von derselben Autorin auf einer anderen Webseite enthält. Dort wurde der Text schon am 19. März 2019 veröffentlicht.

UN verurteilt alle Formen von Gewalt gegen Kinder – auch Pädophilie

In dem Protokoll des Menschenrechtsrates und auf einer Webseite des Hohen Kommissars für Menschenrechte der UN sind die Aufgaben des Mandatsträgers in sechs Punkten definiert. Bei allen geht es um die Stärkung der Rechte Homo- und Bisexueller und von Transgendern. Keine der Zielsetzungen befasst sich mit der „Legalisierung“ von Pädophilie.

Im Gegenteil „verurteilt“ die UN Pädophilie, wie es in einer im Dezember 2017 verabschiedeten Resolution der Generalversammlung heißt: „[Die Generalversammlung] verurteilt alle Formen der Gewalt gegen Kinder in allen Umfeldern, namentlich körperliche, seelische, psychische und sexuelle Gewalt, […] Pädophilie, Kinderprostitution, Kinderpornografie, Kindersextourismus…“ (Seite 10-11). 

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Das Amt des „Unabhängigen Experten für den Schutz vor Gewalt und Diskriminierung wegen sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität“ wurde 2016 für eine Periode von drei Jahren festgelegt. Erster Mandatsträger war der thailändische Menschenrechtsanwalt Vitit Muntarbhorn, der im Oktober 2017 zurückgetreten war. Sein Nachfolger ist seitdem Victor Madrigal-Borloz, Anwalt für Menschenrechte aus Costa Rica, der im Juli 2019 für weitere drei Jahre bestätigt wurde.

Fazit: Die UN hatte im Jahr 2016 einen eigenen Posten für einen unabhängigen Experten geschaffen, der den Schutz von Homosexuellen, Bisexuellen und Transgendern vorantreiben und sicherstellen soll. Pädophilie wird von der UN verurteilt.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Die UN will Pädophilie nicht legalisieren.

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Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dem Tod von 13 Menschen aus Italien und der Grippeschutz-Impfung. (Symbolbild: Anna Shvets/Pexels.com)

von Bianca Hoffmann

In einem Artikel von Zentrum der Gesundheit wird behauptet, in Italien seien 13 Personen in Folge einer Grippeschutz-Impfung gestorben. Der Fall ist von 2014, die zuständigen Behörden sehen keinen Zusammenhang zwischen den Todesfällen und der Impfung.

„Über zehn Menschen starben in Italien unmittelbar nach der Grippeschutz-Impfung“, heißt es in einem Artikel von Zentrum der Gesundheit. Der Artikel ist schon mehrere Jahre alt, wurde aber laut der Zeitangabe der Webseite am 11. März 2020 aktualisiert. Dem Text zufolge hat der Impfstoff „Fluad“ des Pharmakonzerns Novartis 2014 angeblich dazu geführt, dass insgesamt 13 Todesfälle in „unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit der Grippeschutzimpfung“ stehen. 

Nach Angaben des Analysetools Crowdtangle wurde der Artikel schon mehr als 8.600 Mal auf Facebook geteilt. Seit Februar wird er wieder verstärkt verbreitet, nachdem er unter anderem in der Gruppe „Qanon deutsch Blumenberger“ geteilt wurde. 

Unsere Recherche zeigt: Die Todesfälle gab es tatsächlich, zuständige Behörden haben aber einen Zusammenhang zur Grippeschutzimpfung ausgeschlossen. 

Zwei Chargen des Grippe-Impfstoffes wurden vorsichtshalber zurückgerufen

Der Inhalt bezieht sich auf Vorfälle im Jahr 2014. Verschiedene Fachmedien wie das Ärzteblatt und die Pharmazeutische Zeitung berichteten, es habe insgesamt 13 Todesfälle in Italien gegeben, die mutmaßlich in zeitlichem Zusammenhang mit Grippe-Impfungen mit dem Impfstoff Fluad stehen würden. Es handele sich vor allem um ältere Menschen. 

Als Vorsichtsmaßnahme hat die italienische Arzneimittelbehörde (AIFA) zwei Chargen des Impfstoffes am 27. November 2014 zurückgerufen. Am 29. November berichtete die Behörde von 12 Todesfällen und einem weiteren per E-Mail gemeldeten Fall, der noch nicht überprüft worden sei. 

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) untersuchte den Impfstoff und gab am 3. Dezember 2014 in einer Pressemitteilung Entwarnung: „Es gibt keine Beweise dafür, dass Fluad, ein von Novartis hergestellter Grippe-Impfstoff, schwerwiegende Ereignisse einschließlich Todesfälle in Italien verursacht hat.“ Auch die AIFA teilte am 23. Dezember mit, die Sperre für den Impfstoff sei wieder aufgehoben, alle Tests hätten seine Sicherheit bestätigt.

Die gestorbenen Patienten hatten laut EMA aufgrund ihres hohen Alters diverse Vorerkrankungen, sodass es keine Beweise für einen kausalen Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Tod gebe. Acht der Verstorbenen seien nach Angaben der AIFA älter als 80 Jahre gewesen, acht von den 13 Patienten starben aus kardiovaskulären Gründen, also wegen Herz-Kreislauf-Problemen.  

Keine Hinweise auf Verunreinigung von Impfstoffen

Das wird auch in dem Artikel von Zentrum der Gesundheit erwähnt, aber in einen anderen Kontext gesetzt. Dort wird gemutmaßt, die „Lobby der Pharmakonzerne“ würde mögliche Qualitätsprobleme mit den betroffenen Chargen verbergen. In diesem Zusammenhang wird auf die angebliche Gefahr von Quecksilber in Impfstoffen hingewiesen. 

Der Grippe-Impfstoff Fluad ist auch in Deutschland zugelassen. Inzwischen hat ein Hersteller namens Seqirus das Geschäft mit den Grippe-Impfstoffen von Novartis übernommen. Derselbe Impfstoff, der in Italien 2014 verwendet wurde, kam auch in Deutschland zum Einsatz. „Die jährliche Stammanpassung bezieht sich auf die sich verändernde Antigenzusammensetzung, die sonstige Zusammensetzung bleibt unverändert“, schreibt Corinna Volz-Zang vom Paul-Ehrlich-Institut per E-Mail an CORRECTIV. 

In den Inhaltsstoffen zur momentanen Zusammensetzung der Stammwirkstoffe, die durch die WHO jedes Jahr neu festgelegt wird, findet sich kein Hinweis auf die Quecksilberverbindung Thiomersal, die früher zur Konservierung von Impfstoffen verwendet wurde. Das wird auch noch einmal von Volz-Zang vom PEI bestätigt: „Wie Sie der Auflistung entnehmen können, ist in Fluad kein Thiomersal enthalten.“ 

Zu diesem Thema haben wir bereits im Oktober 2019 einen Faktencheck veröffentlicht – normale Grippe-Impfstoffe enthalten kein Quecksilber. 

Artikel zu Grippe-Impfung erstmals 2015 gesichert

Eine Suche nach dem Artikel von Zentrum der Gesundheit im Internet Archive zeigt, der Artikel wurde am 8. Januar 2015 zuerst gesichert. Das bedeutet, er ist mindestens fünf Jahre alt, nur das Datum wird offenbar regelmäßig aktualisiert. Der Inhalt wurde jedoch nie angepasst, obwohl bereits Ende 2014 offiziell bekannt gegeben wurde, dass der Impfstoff sicher sei. 

Eine Version des Artikels mit der Zeitangabe 3. August 2016. (Screenshot: CORRECTIV)
Eine Version des Artikels mit der Zeitangabe 3. August 2016. (Screenshot: CORRECTIV)

Durch die Untersuchung der Impfstoff-Chargen durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und die italienische Arzneimittelbehörde (AIFA) kann eine Verunreinigung ausgeschlossen werden. Bei acht der 13 Verstorbenen waren die Todesursache ein Herz-Kreislauf-Probleme. Ob diese durch eine Vorerkrankung oder die Grippeschutz-Impfung hervorgerufen wurden, ist nicht untersucht worden.

Die Untersuchungen der europäischen und italienischen Arzneimittelbehörden liefern keine Hinweise darauf, dass die 13 gemeldeten Todesfälle in 2014 durch eine Grippeschutz-Impfung mit Fluad zurückzuführen sind.  

Unsere Bewertung:
Es gibt keine Belege, dass 2014 13 Menschen in Italien durch die Grippeschutz-Impfung verstorben sind.

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Dieser Flyer kursiert auf Sozialen Netzwerken. Er ist echt – es handelt sich um ein Projekt aus 2016, an dem das Bundesfamilienministerium jedoch nicht direkt beteiligt war. (Screenshot: CORRECTIV)

von Till Eckert

Auf Facebook wird das Bild von einem alter Flyer verbreitet, auf dem „Kein Sex mit Nazis“ steht. Der Flyer ist echt – er wurde als Begleitzettel für Kondome auf einem Festival verteilt. Es handelte sich um die Aktion eines Jugendforums, das Bundesfamilienministerium war nicht direkt beteiligt.

Ein Facebook-Nutzer teilte das Bild eines Flyers auf Facebook, auf dem „Kein Sex mit Nazis“ steht. Darunter ist zu lesen, dass es sich um eine Anti-Rassismus-Kampagne des Jugendforums Kronach handele, die vom Bundesfamilienministerium gefördert werde.

Nutzer haben das Bild bei Facebook als potenzielle Falschmeldung gemeldet. Wir haben es überprüft.

Flyer ist echt – er wurde 2016 auf einem Festival verteilt

Wir haben das Bundesfamilienministerium mit dem Flyer konfrontiert. Per E-Mail schrieb uns Sprecher Michael Matzke: „Der Flyer war ein Begleitzettel für eine Aktion des Jugendforums der PfD [Anmerkung der Redaktion: Partnerschaft für Demokratie] Kronach. Im Rahmen des Festivals ‘Festung rockt 2016’, das am 28.05.2016 stattfand, wurden 1.000 Kondome verteilt. Über dieses unkonventionelle Give-Away wurden Gespräche mit den jugendlichen Teilnehmer*innen des Festivals über Demokratie, Rechtsextremismus und die Problematik eines zunehmenden Rassismus angeregt. Die Resonanz des Publikums war durchweg positiv.“

E-Mail des Bundesfamilienministeriums. (Screenshot: CORRECTIV)

Eine direkte Förderung der Aktion durch das Bundesfamilienministerium sei allerdings nicht erfolgt. Die „Partnerschaften für Demokratie“ werden laut Sprecher Matzke im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert. Es gebe bundesweit 300 solche Partnerschaften. Über die Verwendung der Fördermittel entscheide dabei das federführende Amt, in dem Fall die Kommunen, selbst. 

„Eine direkte Förderung der Aktion durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist nicht erfolgt“, schreibt Matzke.

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Solche Flyer gab es – sie wurden 2016 auf einem Festival verteilt, wurden aber nicht direkt vom Bundesfamilienministerium gefördert.

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Auf Facebook werden irreführende Behauptungen zur angeblichen Gesundheitsgefahr von Masken verbreitet. (Symbolbild: Unsplash / Vera Davidova)

von Lea Weinmann , Bianca Hoffmann

Seit Wochen wird im Netz behauptet, dass das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen gesundheitsschädlich sei. Auf Facebook kursiert nun ein Beitrag, in dem es heißt: Masken schwächten das Immunsystem und förderten Atemwegserkrankungen. Die Behauptungen sind teils falsch, teils unbelegt.

In einem Beitrag auf Facebook vom 12. Mai wird behauptet, Masken würden krank machen und unser Immunsystem schwächen. Bisher wurde der Beitrag etwa 4.500 Mal auf Facebook geteilt. Die Behauptungen darin sind irreführend

Der Facebook-Beitrag zeigt ein Bild, in dem steht: „Bakterien, Viren sowie Keime aus der Mundhöhle gelangen durch die Maske in die Lunge und sorgen für Atemwegserkrankungen.“

Screenshot des Beitrags, der am 12. Mai auf Facebook geteilt wurde. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)
Screenshot des Beitrags, der am 12. Mai auf Facebook geteilt wurde. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)

In dem Text, den der Nutzer dazu geschrieben hat, wird der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Bodo Schiffmann zitiert. Er habe angeblich über die Masken gesagt, dass sie krank machen würden, weil durch sie verhindert werde, dass Viren, Pilze und Bakterien in den Körper eindringen. Das habe zur Folge, dass das Immunsystem geschwächt werde. 

Die Aussage aus dem geteilten Bild und der dazugehörige Text widersprechen sich, sind aber auch für sich genommen falsch und unbelegt. 

Erste Behauptung: Bakterien, Viren und Keime aus der Mundhöhle gelangen durch die Mund-Nasen-Bedeckung in die Lunge und sorgen für Atemwegserkrankungen

„Hierfür gibt es keine Hinweise“, schreibt Dominic Dellweg, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), auf unsere Anfrage per E-Mail. Normalerweise atme der Mensch durch die Nase ein – wegen der Filterfunktion der Nase und aus Gründen der Atemgaserwärmung und Anfeuchtung. „Eine Maske wird nicht dazu führen, dass Erreger, die bereits in Mund oder Nasenhöhle sind, in die Lunge getragen werden“, schreibt Dellweg.

Es ist allerdings richtig, dass sich durch das Tragen an der Mund-Nasen-Bedeckung Bakterien bilden können. Marieke Degen, Pressesprecherin des Robert Koch-Institutes schrieb in einer E-Mail an CORRECTIV, dass es zu einer Kontamination der Maske mit der Mund-Rachen-Flora kommen könne. „Systemische und vergleichbare Studien gibt es hierzu bislang aber nicht.“

Es ist also möglich, dass sich durch die angesammelte Feuchtigkeit in der Maske Keime vermehren können, allerdings nicht in der Lunge, sondern an der Maske und im Mund-Rachen-Raum. 

Ob das dauerhafte Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung das Risiko für Atemwegserkrankungen erhöhen könnte, wurde in einer Studie von 2015 untersucht. Darin ging es eigentlich um die Effizienz von Stoffmasken. Mitarbeiter vietnamesischer Krankenhäuser sollten für die Studie während ihrer gesamten Schicht einen Mundschutz tragen. Eine Gruppe nutzte einen medizinischen Mundschutz, die andere Gruppe einen Stoffmundschutz. Einer Kontrollgruppe wurde freigestellt, ob sie einen Mundschutz tragen wollte – mit dem Resultat, dass sie die Maske weniger lange trugen und außerdem häufiger zu dem medizinischen Mundschutz griffen (PDF, Seite 6). 

Das Ziel der Studie war es, zu vergleichen, ob die zwei Maskenarten gleich effektiv sind. Das Ergebnis nach vier Wochen: Die Rate von Atemwegserkrankungen und grippeähnlichen Erkrankungen war in der Gruppe mit Stoffmasken am höchsten (PDF, Seite 1).

In der Diskussion zur Studie heißt es: „Die physikalischen Eigenschaften einer Stoffmaske, die Wiederverwendung, die Häufigkeit und Wirksamkeit der Reinigung sowie die erhöhte Feuchtigkeitsspeicherung können möglicherweise das Infektionsrisiko für HCWs [Anm. d. R.: Health Care Workers] erhöhen“ (PDF, Seite 6).

In dem Text in dem auf Facebook geteilten Bild wird jedoch nicht erklärt, um welche Art von Maske es geht. Die Studie aus Vietnam bezieht sich zudem auf den speziellen Fall, dass eine Stoffmaske stundenlang bei der Arbeit im Krankenhaus getragen wird.

Fazit: Die Behauptung ist unbelegt.

Zweite Behauptung: Mund-Nasen-Bedeckung „tötet“ das Immunsystem, weil sie verhindert, dass Viren, Bakterien und Keime in den Körper gelangen 

In dem Text zum Bild auf Facebook wird behauptet, man „töte“ mit den Masken das eigene Immunsystem, weil dadurch der „Zugang“ zu Viren, Pilzen und Bakterien geschwächt sei. Das steht komplett im Widerspruch zur ersten Behauptung und ist zudem nicht korrekt. 

„Durch die Mund-Nasenmaske werden Erreger abgefiltert und erreichen so nicht mehr die oberen und unteren Atemwege“, schreibt Dominic Dellweg von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin per E-Mail. Ein Erreger, der nicht in das Körperinnere eindringe, werde auch keine Immunantwort hervorrufen. 

Jedoch: „Eine Schwächung der Immunantwort in dem Sinne, dass das Immunsystem auf ein Antigen schwächer reagiert, ist nicht zu erwarten.“

Fazit: Die Behauptung, dass das Immunsystem geschwächt werde, ist falsch. 

Rund um das Thema Masken verbreiten sich in der Corona-Krise zahlreiche irreführende oder falsche Behauptungen, zu denen wir bereits Faktenchecks veröffentlicht haben. Beispielsweise haben wir die falschen Behauptungen geprüft, unter Masken sammele sich gesundheitsschädliches CO2 oder Masken seien gefährlich für Kinder. Die Behauptungen, dass Masken die Sauerstoffversorgung verschlechtern und Lungenkrankheiten fördern, kursierten kürzlich zudem auch in Form eines Flyers auf Facebook und Whatsapp. 

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Das Tragen einer Maske schwächt das Immunsystem nicht. Unklar ist, ob Stoffmasken das Risiko, krank zu werden, erhöhen können.

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Symbolbild: Pillen. (Quelle: Bru-nO/Pixabay)

von Steffen Kutzner

Auf Facebook und Youtube wird derzeit behauptet, Ernährungsministerin Julia Klöckner wolle Vitamin D verbieten. Das ist weder richtig, noch möglich. Sie will lediglich die Höchstwerte in Nahrungsergänzungsmitteln in der EU vereinheitlichen.

In einem Youtube-Video wird behauptet, Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (CDU), wolle Vitamin D verbieten. Klöckner finde den Zugang zu Vitamin D „zu einfach“ und man bekomme „zu hohe Dosen“ (ab Minute 7:02). 

Das ist so jedoch nicht richtig. Klöckner möchte den Handel mit Nahrungsergänzungsmitteln regulieren und einheitliche Höchstmengen festlegen. Das Youtube-Video des Kanals „Rohe Energie“ wurde seit Anfang Mai 2020 mehr als 216.000 Mal angeklickt. Es handelt sich um einen Blog für vegane Ernährung. In der Beschreibung des Videos werden zahlreiche Links zu Webseiten gesetzt, die Vitamin-Produkte verkaufen. 

Auch der Arzt Michael Spitzbart griff die Behauptung am 11. Mai in einem Facebook-Beitrag auf. Er hatte in der Vergangenheit wiederholt irreführende oder falsche Behauptungen verbreitet – zum Beispiel, dass Vitamin C Viren „abtöten“ könne.

Vitamin D zu verbieten, wie es im Titel des Youtube-Videos heißt, ist nicht möglich, weil der Körper Vitamin D von selbst bildet. Die Behauptung basiert auf dem Vorschlag Klöckners, laut dem für den Handel mit Nahrungsergänzungsmitteln – also auch Vitamin-D-Präparaten – EU-Richtlinien eingeführt werden sollen. 

Am 20. April 2020 hatte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine Pressemitteilung herausgegeben, in der Klöckners Forderungen an die EU-Kommission festgehalten sind. Es geht dabei um „verbindliche europäische Regeln für Nahrungsergänzungsmittel“ und „Höchstgehalte für Vitamine und Mineralstoffe“. 

Es ging also um Nahrungsergänzungsmittel im Allgemeinen und nicht nur um Vitamin-D-Präparate. Eine starke Überdosierung von Vitamin D durch solche Präparate kann gesundheitsschädlich sein. Es drohen laut Bundesinstitut für Risikobewertung unter anderem Nierenverkalkung und Nierensteine. Wie die Verbraucherzentrale Niedersachsen 2018 mitteilte, gibt es gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwerte weder auf Bundes- noch auf EU-Ebene.

Reaktion auf falsche Werbeversprechen

Klöckner reagiert mit ihrem Vorstoß auch auf Behauptungen von Anbietern von Nahrungsergänzungsmitteln, diese würden Schutz vor dem Coronavirus bieten.  Gesundheitsbezogene Werbung wie die Aussage „schützt vor Viren“ sei verboten. „Man spielt nicht mit der Angst der Menschen. Diese Geschäftemacher dürfen keinen Erfolg haben!“, wird Klöckner zitiert. 

Weiter heißt es in der Pressemitteilung des Ministeriums: „Es gibt kein Nahrungsergänzungsmittel, das eine Infektion mit dem Virus verhindern kann. […] Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die eine Wirksamkeit von bestimmten Pflanzen, Vitaminen oder Mineralstoffen gegen COVID-19 beweisen.“

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Ein Kooperationspartner des Youtube-Kanals, die Xucker GmbH, hat sich offenbar von dem Video distanziert. So findet sich in der Beschreibung auf Youtube der Hinweis, man empfinde „die falschen Behauptungen darin als problematisch“. „Die frühere Zusammenarbeit mit dem veganen Blog ‘Rohe Energie’ ist in Folge dieses Videos beendet.“

Vitamin D wurde in der Vergangenheit schon häufiger als vermeintliches Heil- oder Schutzmittel gegen SARS-CoV-2 angepriesen. Überprüft haben wir die Behauptungen etwa hier und hier. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten irgendeinen Einfluss auf eine Infektion mit dem Coronavirus hat. Das gelte auch für alle anderen Infekte, schrieb uns Jürgen Floege, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, im Zusammenhang mit einer anderen Recherche im April 2020.

Auszug aus der E-Mail von Jürgen Floege, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit: Julia Klöckner möchte nicht Vitamin D verbieten, sondern hat die EU-Kommission aufgefordert, einheitliche Höchstwerte für Nahrungsergänzungsmittel festzulegen.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Julia Klöckner will Vitamin D nicht verbieten, sondern den Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln regulieren.

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Drohte das sächsische Kultusministerium Eltern mit „Kindesentzug“ durch das Ordnungsamt, wenn sie einer Unterschriftenpflicht nicht nachkommen? Die Behauptung kursiert im Netz und ist größtenteils richtig – das Ministerium ruderte jedoch zurück. (Symbolbild: Pexels / CC0)

von Till Eckert

Im Netz kursiert die Behauptung, das sächsische Kultusministerium habe Eltern mit „Kindesentzug“ gedroht, wenn verpflichtende Unterschriften einer Gesundheitsbestätigung für die Schule fehlen. Das stimmt großteils – das Ministerium spricht von einer „unglücklichen Formulierung“.

In mehreren Blog-Artikeln wird berichtet, Sachsen drohe Eltern mit Kindesentzug, wenn sie ihren Kindern nicht eine tägliche Gesundheitsbestätigung in die Schule mitgeben sollten (hier und hier). Als Beleg dafür wird jeweils ein Elternbrief des sächsischen Kultusministeriums vom 16. Mai angegeben. Er ist unterschrieben von Christian Piwarz, Staatsminister für Kultus in Sachsen.

Auf Seite zwei geht es um eine tägliche Gesundheitsbestätigung für Kinder, die man auf der Coronavirus-Webseite Sachsens herunterladen kann. Sie muss im Rahmen der Corona-Maßnahmen täglich unterschrieben von Eltern abgegeben werden. Sie bestätigen damit, dass das Kind oder die Personen, die mit ihm zusammen leben, keine Covid-19-Symptome zeigen.

Die Artikel beziehen sich auf einen Unterpunkt im Brief des Kultusministeriums. Darin ist zu lesen: „Sie als Eltern sind verpflichtet, Ihr Kind umgehend von der Schule abzuholen, wenn Ihre Unterschrift für den konkreten Tag fehlt. Sofern Sie dem nicht nachkommen, ist die Schule in letzter Konsequenz verpflichtet, das Ordnungsamt einzuschalten – bis zur Inobhutnahme Ihres Kindes.“ 

Aus dem Brief des sächsischen Kultusministeriums an Eltern. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Seite Wochenblick spekuliert in ihrem Artikel, dass mit dieser Regelung angeblich „Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen gefügig gemacht werden“ sollen. Mit der Teilnahme an Demonstrationen durch die Eltern hat das Ganze aber nichts zu tun. Es geht um die Dokumentation des Gesundheitszustands der Kinder.

Kultusministerium: Brief ist echt, Formulierung „unglücklich“

Sprecherin Susann Meerheim vom Kultusministerium bestätigte CORRECTIV die Echtheit des Briefs telefonisch. Man habe Eltern damit jedoch vor allem sensibilisieren und keine Drohung aussprechen wollen: „Das mit der ‘Inobhutnahme’ war eine unglückliche Formulierung, die wir in unserem Blog inzwischen wieder gerade gezogen und aktualisiert haben“, sagt Meerheim. 

In dem Blog ist unter der Frage „Was passiert, wenn Eltern der Verpflichtung nicht nachkommen?“ aktuell zu lesen: „Das wiederholte Fehlen der Unterschrift kann unter Umständen auch ein Signal für häusliche Probleme, ggf. sogar eine Vernachlässigung sein, das heißt: der andauernden oder wiederholten Unterlassung fürsorglichen Handelns. In solchen Fällen kann in letzter Konsequenz gemäß § 50a Abs. 1 SächsSchulG die Einschaltung des Jugendamtes erfolgen.“

Meerheim sagt, man verstehe die Sorgen der Eltern, es gehe dabei allerdings nicht um Haftungsfragen, sondern um die Information für die Einrichtungen, ob die Kinder gesund sind.

Gerichtliche Verfahren zu Verhältnismäßigkeit der Gesundheitsbestätigung dauern an

Der Elternbrief löste dennoch eine Debatte aus. Auch der MDR berichtete darüber. Ein Vater hatte dem Medienbericht zufolge den Sinn einer Gesundheitsbestätigung in Frage gestellt; sie stelle einen Eingriff in die Grundrechte dar. Das Verwaltungsgericht Leipzig hatte sie daraufhin für „unverhältnismäßig“ erklärt. Das Kultusministerium fechtet diese Entscheidung jedoch an. 

Das Verwaltungsgericht Chemnitz schätzt die Unterschriftsabgabe laut MDR in einem zweiten Fall, in dem eine Frau geklagt hatte, als zumutbar für Eltern ein. Ein Antrag der Frau auf vorläufigen Rechtsschutz wurde abgelehnt. Das Chemnitzer Gericht bestätigte uns gegenüber einen entsprechenden Beschluss vom 25. Mai per E-Mail. „Inhaltlich hat das Verwaltungsgericht Chemnitz die Abgabe der Gesundheitsbestätigung für verhältnismäßig und zulässig erachtet“, schreibt Sprecher Jeannot Reichert.

Ein gerichtlicher Streit um die Gesundheitsbestätigung dauert demnach an. 

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Der Elternbrief ist echt, das Kultusministerium spricht von einer „unglücklichen Formulierung“.

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Symbolbild: Ziege. (Quelle: NickyPe/Pixabay)

von Steffen Kutzner

John Magufuli, der Präsident Tansanias, hat in einer auf Youtube kursierenden Rede behauptet, dass in seinem Land unter anderem eine Papaya, ein Huhn und eine Ziege positiv auf das Coronavirus getestet worden wären. Es gibt viele Gründe für Zweifel an dieser Aussage.

Tansanias Präsident John Magufuli hat behauptet, in seinem Land seien unter anderem Proben einer Papaya, einer Ziege und eines Frankolinhuhns mit erfundenen Namen versehen und im Labor positiv auf das Coronavirus getestet worden. 

Getestet worden seien Magufulis Behauptungen zufolge auch Proben von Motoröl und einem Schaf, die negativ gewesen seien, sowie einer Zibetfrucht und eines Kaninchens. Diese seien ohne eindeutigen Befund gewesen, sagt er in einer Rede, die am 7. Mai auf Youtube hochgeladen und seither 60.000 Mal aufgerufen worden war. Auch die Nachrichtenagentur Reuters griff die Behauptung Magufulis auf. 

In einem Facebook-Post, in dem die Rede aufgegriffen wurde, wird behauptet, Christian Drosten hätte den Test entwickelt. „Es war schon immer eine große Diskussion, wie genau der PCR-Test bezüglich Covid-19 ist“, schreibt der Nutzer. Es gebe Befürchtungen, der Test sei „nicht effektiv“. Da jedoch nicht klar ist, welcher Test in Tansania eingesetzt wurde, ist die Behauptung, es sei dieselbe Art von Tests wie in Deutschland, nur Spekulation. 

In einem Faktencheck hat CORRECTIV drei deutsche Universitätskliniken zu dem dort eingesetzten PCR-Test befragt. Alle teilten mit, dass der Test sehr genau sei. „Falsch positive“ Ergebnisse, also der Nachweis des Coronavirus wenn es eigentlich gar nicht vorhanden ist, seien „nahezu ausgeschlossen“, so die Experten. 

Magufulis Aussagen fehlt zudem entscheidender Kontext: Die gängigen PCR-Tests auf den Coronavirus SARS-CoV-2 wurden für die Anwendung bei Menschen konzipiert. 

PCR-Tests liefern bei Papayas keine zuverlässigen Ergebnisse

Karsten Becker, Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie der Universitätsmedizin Greifswald, schreibt auf eine Anfrage von CORRECTIV: „PCR-basierte Tests können die Nukleinsäure des Virus vom Testprinzip her in den verschiedensten Materialien nachweisen“. Allerdings könne das Untersuchungsmaterial die Testreaktion negativ beeinflussen und insbesondere zu falsch-negativen Befunden führen. Denn die Reaktion in den Tests müsse „immer für das zu untersuchende Material evaluiert werden, bevor man valide Testergebnisse bekommen kann“, so Becker. 

Auszug der E-Mail von Karsten Becker, Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie der Universitätsmedizin Greifswald. (Screenshot: CORRECTIV)

Das bedeutet: Wird ein Test, der eigentlich für die Verwendung beim Menschen entwickelt und evaluiert wurde, für Ziegen, Papayas und Motoröl verwendet, ist das Testergebnis – ob positiv oder negativ – in jedem Fall zweifelhaft.

Infektion von Pflanzen „in höchstem Maße unwahrscheinlich“ 

Abgesehen davon, dass die PCR-Tests nicht für Papayas ausgelegt sind, ist Magufulis Schlussfolgerung, die Papaya sei offenbar vom Coronavirus befallen, fragwürdig. 

Uwe Truyen, Professor für Tierhygiene und Tierseuchenbekämpfung an der Universität Leipzig schrieb uns: „Dass ein Virus Säugetiere und Pflanzen befällt und sich in beiden Wirten vermehren kann, ist nie beschrieben worden und in meinen Augen auch völlig unmöglich.“

Auszug aus der E-Mail von Uwe Truyen. (Screenshot: CORRECTIV)

Und auch Christina Wege, Leiterin der Forschungseinheit Molekulare und Synthetische Pflanzenvirologie der Universität Stuttgart, erklärt dazu: „Meines Wissens gibt es keinen einzigen Fall, in dem ein Säugetiervirus in einer Pflanze aktiv ist bzw. eine Pflanze aktiv befällt und sich darin vermehrt/ausbreitet.“ 

Auszug der E-Mail von Christina Wege, Leiterin der Forschungseinheit Molekulare und Synthetische Pflanzenvirologie der Universität Stuttgart. (Screenshot: CORRECTIV)

Hühner nicht infizierbar, Ziegen noch ungeprüft

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, hat zum Coronavirus und Tieren bereits erste Erkenntnisse durch Infektionsstudien in Schweinen, Hühnern, Flughunden und Frettchen gewonnen. Schon am 2. April veröffentlichte das Institut eine Pressemitteilung, in der es heißt, Flughunde und Frettchen seien empfänglich für eine Infektion, Schweine und Hühner dagegen nicht. 

Eine Pressesprecherin des FLI erklärt gegenüber CORRECTIV, der Grund dafür sei, dass die für eine Infektion notwendigen Zellrezeptoren bei Vögeln nicht gut passen würden. Damit ist die Aussage von John Magufuli, es sei auch ein Frankolinhuhn positiv getestet worden, ebenfalls zweifelhaft. 

Auszug aus der E-Mail des FLI. (Screenshot: CORRECTIV)

Warum der Kontext von Proben wichtig ist

Ein Kontext, den John Magufuli in seiner Rede weglässt, ist, dass ein positiver Test nicht zwingend bedeutet, dass eine Infektion da vorliegt, wo die Probe entnommen wurde. Das Virus kann laut Studien auch auf Karton, Edelstahl oder Kunststoff nachgewiesen werden, das bedeuten aber nicht, dass diese Stoffe „infiziert“ wären. Sondern nur, dass das Virus auf der Oberfläche vorhanden ist, weil zum Beispiel jemand vorher darauf gehustet hat. Dasselbe gilt für Papayas, deren Isolation Magufuli ironisch vorschlägt. (ab 1:56 im Video) 

Auch das FLI weist darauf hin, dass ein alleiniger Nachweis des Virus im Fell oder auf den Schleimhäuten einer Ziege nicht gleichbedeutend sei mit einer Infektion. Eine Übertragung sei zum Beispiel auch durch Anniesen möglich. „Eine solche Übertragung bedeutet nicht, dass eine Infektion in dem Tier angeht und es zu einer relevanten Virusvermehrung kommen muss.“

Auszug aus der E-Mail des FLI. (Screenshot: CORRECTIV)

Falsche Handhabung als Fehlerquelle

Magufuli unterstellt in seiner Rede, dass entweder die Mitarbeiter des Labors bestochen wurden, oder dass die importierten Testkits manipuliert sein müssen. Er forderte die WHO auf, etwas dagegen dieses „schmutzige Spiel“ zu unternehmen. (ab 2:35 im Video

Zur Fehlerquelle von falschen Testergebnissen haben wir im April für einen Faktencheck deutsche Universitätskliniken um Einschätzung gebeten. Corinne Klett vom Zentralinstitut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin am Klinikum Stuttgart schrieb dazu: „Als Fehlerquelle kommt vor allem die Präanalytik in Frage, also bspw. ungenügende Abstrichtechnik, Probenverwechslung oder auch zu lange Lagerung bzw. Transportzeiten.“

Welche Tests in Tansania verwendet wurden, ist unklar

Laut ZDF wurden die Tests vom Africa CDC und der Stiftung des Alibaba-Gründers Jack Ma bereit gestellt. CORRECTIV hat die Africa Centres for Disease Control and Prevention ebenfalls angeschrieben, um herauszufinden, welche Art von Coronatests benutzt worden sein sollen und von welchem Hersteller sie stammten. Wir haben jedoch keine Antwort erhalten. Auch das Medical Stores Department antwortete uns nicht auf diese Fragen. Das Medical Stores Department ist die tansanische Behörde, die im Land für die Verteilung von medizinischem Equipment an Krankenhäuser zuständig ist.

Jedoch wären die Angaben der Behörden Tansanias auch mit Vorsicht zu genießen. Präsident Magufuli leugnet laut Medienberichten die Gefährlichkeit des Virus und hat für die Bekämpfung von Covid-19 Gebete, eine Kräutermischung und das Inhalieren von Wasserdampf empfohlen. Die Faktenchecker von Africa Check haben das bereits als nutzlos entlarvt.

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Am 25. Mai hatte Tansania laut WHO 509 bestätigte Corona-Fälle und 21 Tote. Seit 17 Tagen wurden keine neuen Fälle mehr gemeldet. Tansania ist eines der wenigen Länder Afrikas, die nicht täglich neue Zahlen an die WHO melden. Die US-Botschaft in Tansanias größter Stadt Daressalam bewertete das Risiko, sich dort mit Covid-19 zu infizieren am 13. Mai als „extrem hoch“; Krankenhäuser seien „seit Wochen überfüllt“.

Fazit

Die Aussagen John Magufulis lassen sich nicht belegen, zumal unklar ist, welche Art von Tests verwendet wurde. Ein positiver Test bedeutet zudem nicht zwingend, dass eine Infektion da vorliegt, wo die Probe entnommen wurde.

Die gängigen PCR-Tests auf SARS-CoV-2 sind nicht für die Anwendung an Papayas oder Ziegen ausgelegt, sondern für Menschen, daher sind die Ergebnisse bei dieser Anwendung zweifelhaft. Das FLI und Wissenschaftler verschiedener Universitäten bestätigten uns, dass eine natürliche Übertragung des Coronavirus in das Innere von Pflanzen und Früchten sehr unwahrscheinlich sei. Auch Hühner seien nachweislich nicht infizierbar. Ob Ziegen infiziert werden können, ist bisher noch unklar, laut FLI aber unwahrscheinlich.

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es ist unklar, welche Tests verwendet wurden.

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Symbolbild. (Quelle: Dagmar Bendel/Pixabay)

von Steffen Kutzner

Bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Gera habe eine Polizistin mit dem Einsatz der Waffe gedroht, behaupten Nutzer auf Facebook und Youtube. Tatsächlich ist die Aussage der Frau in dem Video schwer zu verstehen. Sie drohte, Pfefferspray einzusetzen.

Auf Youtube wurde am 17. Mai ein Video hochgeladen, in dem eine Polizistin einen Demonstranten mit den Worten zurückdrängt: „Gehen Sie zurück oder ich setze [undeutlich] ein!“ Über die Stelle, die nicht ganz klar verständlich ist, wird von einigen Nutzern behauptet, die Polizistin habe „die Waffe“ gesagt. Etwa im Titel dieses Videos, das bei Minute 8:04 dieselbe Szene aus einer anderen Perspektive zeigt. Auch der Deutschland Kurier veröffentlichte eine Version des Videos auf Youtube, die bis zum 27. Mai über 70.000 Mal angeklickt wurde. 

Tatsächlich drohte die Polizistin jedoch den Einsatz von „Pfeffer“, also Pfefferspray, an. 

Das Video entstand offenbar bei einer Demonstration in Gera am 16. Mai. Der Ort wird in der Beschreibung mehrerer Youtube-Videos genannt. Eine Pressereferentin der Stadtverwaltung bestätigte gegenüber CORRECTIV, dass es an diesem Tag eine genehmigte Demonstration mit 50 angemeldeten Teilnehmern geben sollte. Die Demonstration sei jedoch noch vor Beginn von dem Verantwortlichen abgebrochen worden. Es demonstrierten dennoch etwa 200 Teilnehmer.

Screenshot der E-Mail der Stadtverwaltung Gera. (Screenshot: CORRECTIV)

Polizei Thüringen dementiert Androhung der Waffe 

Die Polizei Thüringen äußerte sich noch am 16. Mai auf Twitter zu dem Vorfall. Demnach sei die Polizistin „von einem Versammlungsteilnehmer körperlich und verbal angegangen“ worden und „drohte daraufhin unmittelbaren Zwang an“. Weiter schrieb die Polizei: „In gewissen Kreisen wird diese Ansage als Androhung der Schusswaffe ausgelegt, was wir aufgrund der aktuell vorliegenden Informationen nicht bestätigen können.“ 

Tweet der Polizei Thüringen vom 16. Mai zu dem Vorfall im Video. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV schrieb ein Sprecher der Landespolizeidirektion Thüringen, dass die Beamtin „Gehen Sie zurück, oder ich setze Pfeffer ein!“ gesagt habe. 

Auszug aus der E-Mail der Landespolizeidirektion Thüringen (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

Verschiedene Videos zeigen die Situation

Auf Youtube sind mehrere Videos zu finden, die die Situation aus unterschiedlichen Perspektiven aufgezeichnet haben, unter anderem hier. In den Videos ist deutlich zu erkennen, dass ein Demonstrant plötzlich schnell auf eine Polizistin zugeht, die ihn daraufhin zurückdrängt. In einem kurzen Gerangel ruft sie: „Gehen Sie zurück, oder ich setze Pfeffer ein.“ Bei einer verlangsamten Wiedergabegeschwindigkeit von 0,75 ist das Wort „Pfeffer“ zum Beispiel in diesem am 16. Mai hochgeladenen Video auf Youtube deutlich zu hören. Dazu schrieb der Kanalinhaber: „Der für heute geplante Stadtspaziergang in Gera für Grundrechte und gegen Corona Maßnahmen wurde durch die Polizei mit Androhung von Waffengewalt? (Pfeffergas) aufgelöst (Minute 8.50).“ 

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Unsere Bewertung:
Falsch. Die Polizistin drohte mit dem Einsatz von „Pfeffer“, nicht der Waffe.

SWITZERLAND WORLD ECONOMIC FORUM WEF 2019
Bill Gates am 22. Januar 2019 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz. Einen Tag später gab er dem Fernsehsender CNBC ein Interview. (Symbolfoto: picture alliance/KEYSTONE)

von Cristina Helberg

In der Telegram-Gruppe „QAnons Channel Germany“ wird ein aus dem Kontext gerissenes Zitat von Bill Gates verbreitet. Angeblich habe er in einem Interview verraten, er wolle alle Menschen impfen und so einen Gewinn von 2.000 Prozent machen. Das ist irreführend verkürzt.

„Bill Gates hat am Mittwoch bei CNBC verraten, warum er uns alle impfen will: Für einen Gewinn von 2000 Prozent“, schrieb am 20. Mai ein Nutzer in die deutsche Telegram-Gruppe „QAnons Channel Germany“. Dazu veröffentlichte er einen zehn Sekunden langen Videoausschnitt als angeblichen Beleg. Der Post wurde laut den Angaben bei Telegram mehr als 116.00 Mal gesehen. Wir haben die Behauptung geprüft. 

Das Video ist ein Ausschnitt eines Fernsehinterviews des US-amerikanischen Senders CNBC mit dem Microsoft-Gründer Bill Gates am 23. Januar 2019 beim Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz. 

Die Reporterin fragt Bill Gates zu Beginn des Videos mit Verweis auf einen kürzlich von ihm erschienen Artikel: „Sie haben in den letzten zwei Jahrzehnten 10 Milliarden Dollar in Impfungen investiert und Sie haben die Rentabilität der Investition ausgerechnet. Könnten Sie uns die Zahlen erklären?“

Bill Gates antwortet darauf: „Es ist ziemlich beeindruckend, wenn man diese Impfstoffe nimmt, sie sehr preiswert macht, […] ein Liefersystem entwickelt, so dass sie wirklich die Abdeckung da draußen bekommen, rettet man buchstäblich Millionen von Leben. […] Wir sehen eine phänomenale Erfolgsgeschichte. Es waren hundert Milliarden, die die Welt insgesamt investiert hat, unsere Stiftung etwas mehr als 10 Milliarden, aber wir haben das Gefühl, dass es einen Mehrwert von mehr als zwanzig zu eins gegeben hat. Wenn man sich also nur den wirtschaftlichen Nutzen anschaut, ist das eine ziemlich starke Zahl im Vergleich zu allem anderen, der menschliche Nutzen in Millionen von geretteten Leben […]“. 

Der Teil der Antwort, in dem deutlich wird, dass Bill Gates als Wertsteigerung den immateriellen Wert geretteter Leben betrachtet, ist in der Telegram-Nachricht abgeschnitten. So wird suggeriert, Bill Gates wolle durch Impfprogramme extrem hohe finanzielle Gewinne machen. 

Die Reporterin fragt in dem Interview weiter nach: „Ich denke, die Zahlen, die Sie durchgespielt haben, waren, wenn Sie das Geld in den S&P 500 [Anmerkung der Redaktion: Aktienindex von 500 der größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen] investiert und die Dividende reinvestiert hätten, würden Sie auf etwa 17 Milliarden Dollar kommen, aber Sie denken, es sind 200 Milliarden Dollar? 

Bill Gates antwortet: „Hier, ja. Wissen Sie, kleinen Kindern zu helfen, zu leben, die richtige Ernährung zu bekommen, einen Beitrag für ihre Länder zu leisten, das hat eine Rückvergütung, die über jeden typischen finanziellen Ertrag hinausgeht”.

Bill Gates veröffentlichte Artikel in Wall Street Journal 

Bei dem von der Reporterin zu Beginn erwähnten Artikel, handelt es sich um einen Text, den Bill Gates wenige Tage vor dem CNBC-Interview, am 16. Januar 2019, im Wall Street Journal veröffentlicht hatte.

Darin schreibt er über seine Investitionen in drei internationalen Gesundheitsorganisationen: Die Impfallianz Gavi, den Global Fund und die Global Polio Eradication Initiative (GPEI). Diese hätten mit ihrem Ziel, Leben zu retten und Leid zu beenden, nicht nur alle Erwartungen übertroffen, sondern seien auch in einem traditionellen Sinn von Investitionen erfolgreich gewesen: „Sie haben eine Menge Wohlstand geschaffen, denn wenn die Menschen nicht krank im Bett liegen, können sie zur Arbeit oder zur Schule gehen.“

Darauf folgt ein Gedankenexperiment von Gates, in dem er auf ein Rechenmodell des Copenhagen Consensus Center verweist. 

„Nehmen wir an, unsere Stiftung hätte nicht in Gavi, den Global Fund und GPEI investiert und stattdessen diese 10 Milliarden Dollar in den S&P 500 gesteckt und versprochen, den Rest 18 Jahre später den Entwicklungsländern zukommen zu lassen. In der vergangenen Woche hätten diese Länder etwa 12 Milliarden Dollar erhalten, inflationsbereinigt, oder 17 Milliarden Dollar, wenn wir die reinvestierten Dividenden mit einbeziehen.“

Weiter rechnet Gates vor, eine Investition der 10 Milliarden Dollar in Energieprojekte in den Entwicklungsländern hätte eine Rendite von 150 Milliarden Dollar gebracht. Eine Investition der Summe in Infrastruktur 170 Milliarden Dollar. 

„Durch Investitionen in globale Gesundheitsinstitutionen haben wir jedoch all diese Renditen übertroffen: Die 10 Milliarden Dollar, die wir für die Bereitstellung von Impfstoffen, Medikamenten, Moskitonetzen und anderen Hilfsgütern in den Entwicklungsländern zur Verfügung stellten, brachten einen geschätzten sozialen und wirtschaftlichen Nutzen von 200 Milliarden Dollar“, so Gates. 

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Die Telegram-Gruppe „QAnons Channel Germany“, in der die falsche Behauptung verbreitet wurde, hat mehr als 22.000 Abonnenten. „QAnon“ ist ein Netzwerk US-amerikanischer Verschwörungsanhänger, die glauben, es gebe einen „Tiefen Staat“ („Deep State“) von Eliten, und Donald Trump gehe gegen diese vor. Teil dieses Mythos ist auch die Behauptung, eine Elite aus Politikern und Stars entführe Kinder in unterirdische Lager, um sie dort sexuell zu missbrauchen und das Stoffwechselprodukt Adrenochrome aus Ihnen zu sammeln und sich so zu verjüngen. 

Immer wieder tauchen in diesem Zusammenhang Falschmeldungen auf, zum Beispiel Bilder dieser angeblichen Untergrundlager, die wir unter anderem hier geprüft haben.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Das Zitat ist irreführend verkürzt. Bill Gates bezieht sich auf einen theoretischen sozialen und wirtschaftlichen Mehrwert durch Gesundheitshilfe.

Keime
Dieses Foto kursiert auf Facebook. Es zeigt angeblich Keime, die von einem Mundschutz stammen und belegen sollen, dass das Tragen einer Maske gesundheitsgefährdend sei. (Screenshot: CORRECTIV)

von Kathrin Wesolowski

Auf Facebook kursiert ein Foto einer Petrischale voller Keime. Es soll beweisen, dass ein Mundschutz der Gesundheit schade. Im Text dazu werden Symptome beschrieben, die nach dem Tragen auftreten sollen. Die Behauptungen sind teilweise unbelegt und irreführend.

Auf Facebook kursiert seit mehreren Wochen ein Foto, das angeblich eine Petrischale voller Keime zeigt. In dem Text dazu wird behauptet, dass sich diese Keime nach dem siebenstündigen Tragen einer Atemmaske angesammelt hätten. Laut dem Bild handelte es sich vermutlich um einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz (OP-Maske). Mit dem Text Angeblich sollen uns diese Masken schützen! Leider ist das Gegenteil der Fall wird suggeriert, dass ein solcher Mundschutz gesundheitsschädlich sei. Zudem werden mehrere Symptome aufgezählt, die das Tragen angeblich hervorruft, so wie Atemnot oder Hautprobleme. 

Das Bild wurde von verschiedenen Personen auf Facebook geteilt, zum Beispiel hier und hier. Beide Beiträge wurden am 16. Mai veröffentlicht und insgesamt mehr als 46.000 Mal geteilt.  Auch in der Telegram-Gruppe Geheimnis der Gesundheit mit mehr als 6.500 Mitgliedern wurde es geteilt. CORRECTIV überprüfte die Behauptungen: Sie sind unbelegt und teilweise falsch. 

Erste Behauptung: Am Mundschutz sammeln sich zahlreiche Keime

In dem Text zu dem Foto einer Petrischale voller Keime wird behauptet, dass von einem Mundschutz, der sieben Stunden lang getragen wurde, ein Abstrich genommen wurde und nach 24 Stunden in einem Brutschrank zahlreiche Keime entstanden seien. Es wird suggeriert, dass diese Keime gefährlich seien.

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) schrieb dazu per E-Mail auf eine Anfrage von CORRECTIV: „Welche Keime das sind, ist aus der Kultur alleine nicht zu erkennen. Die Kulturplatte würde aber auch so aussehen, wenn man darauf spucken würde. Im Mundraum und den Atemwegen sind eben viele Bakterien bei jedem von uns. Man bezeichnet das als die normale ,Flora’. Diese Bakterien haben aber keinen Krankheitswert.”

E-Mail von der Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. (Screenshot: CORRECTIV)

Mundschutz muss regelmäßig gewechselt werden

Wie wir in einem Faktencheck bereits recherchiert haben, ist der richtige Umgang mit dem Mund-Nasen-Schutz wichtig. Wenn die Maske nach längerem Tragen feucht sei, sollte sie gewechselt werden, schrieb uns Marieke Degen vom Robert-Koch-Institut. Es könne zu einer Kontamination der Maske mit der Mund-Rachen-Flora kommen – also mit Bakterien. „Systematische und vergleichbare Studien gibt es hierzu bislang aber nicht”, schrieb sie zudem.

Der Mundschutz muss regelmäßig gewechselt und – im Falle einer wiederverwendbaren Maske aus Stoff – gereinigt werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte empfiehlt, selbstgenähte Masken nach der Nutzung in einem Beutel luftdicht verschlossen aufzubewahren oder sofort zu waschen. Idealerweise bei 95 Grad, mindestens aber bei 60 Grad. 

Bewertung: Das Foto der Petrischale belegt nicht, dass sich gesundheitsgefährdende Keime in der Maske sammeln.

Zweite Behauptung: Mundschutz ruft Atemnot hervor durch Einatmen des ausgeatmeten CO2 

Diese Behauptung haben wir bereits in einem anderen Faktencheck überprüft. Sie ist falsch. 

Eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts schrieb dazu per E-Mail an CORRECTIV: „Dass man mehr CO2 einatmet, stimmt nicht, dass die Atmung behindert wird, schon.“ 

Und die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) erklärte uns, dass ein Mund-Nasen-Schutz aus Stoff die Zusammensetzung der eingeatmeten Luft nicht ändere. „Alle Moleküle der Raumluft, und das sind im wesentlichen Sauerstoff, Stickstoff und Kohlendioxid, können die Maske passieren und werden nicht abgefiltert.“

Der Ursprung der Behauptung über CO2 ist eine Studie an der Technischen Universität München aus dem Jahr 2005, die sich mit der „Rückatmung von Kohlendioxid bei Verwendung von Operationsmasken als hygienischer Mundschutz an medizinischem Fachpersonal“ beschäftigte. Die Studie kam damals zu dem Ergebnis, dass CO2 beim Ausatmen durch eine OP-Maske nur teilweise entweichen könne. „Dieser Effekt führte zu dem Ergebnis, dass die Probanden Luft einatmeten, deren CO2-Gehalt höher war als derjenige der umgebenden Raumluft“, schrieb die Autorin. Dadurch steige die Kohlendioxid-Konzentration im Blut. (PDF, S. 35)

Das könne zu einer Zunahme der Reaktionszeit und Abnahme der Leistungsfähigkeit führen. Die Autorin der Studie empfahl Herstellern von OP-Masken deshalb, ihre Produkte durchlässiger für Kohlendioxid zu machen. (PDF, S. 41 und 42)

Die Studie beschäftigte sich ausschließlich mit zwei Modellen von OP-Masken, also dem klassischen Mund-Nasen-Schutz (PDF, S.18 bis 20). Das Tragen von filtrierenden Halbmasken (FFP-Masken) oder selbstgenähten Masken wurde nicht untersucht. Sowohl der medizinische Mund-Nasen-Schutz als auch die filtrierenden Halbmasken sind durch das Deutsche Institut für Normierung (DIN) zertifiziert und zugelassen. Beide Zertifizierungen wurden zuletzt 2009 überarbeitet, also vier Jahre, nachdem die Studie an der TU München erschienen ist.

Bewertung: Die Behauptung ist falsch, durch das Tragen eines Mundschutzes atmet man nicht zu viel CO2 ein. 

Dritte Behauptung: Mundschutz löst Bronchialbeschwerden und Gerstenkörner aus

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin  schrieb CORRECTIV per E-Mail, dass Bronchialbeschwerden beispielsweise bei einer normalen Baumwollmaske nicht auftreten. „Die zum Maskenbau benutzten Stoffe sollten ,biokompatibel’ sein, so nennt es die EN 14683 Norm.“ 

„Biokompatibilität“ ist in der Norm eine Anforderung, die die Verträglichkeit ohne negative oder unerwünschte Nebenwirkungen zusichern soll. Das heißt, um zugelassen zu werden, müssen medizinische Masken frei von Nebenwirkungen sein – das schließt Bronchialbeschwerden ein. 

Selbstgenähte Stoffmasken sind nicht zertifiziert und können aus verschiedenem Material sein, daher kann nicht geprüft werden, ob sie Beschwerden verursachen können.

Auszug aus der Norm EN 14483. (Screenshot: CORRECTIV)

In dem Text wird zudem behauptet, dass das Tragen von Mund-Nasen-Schutz ein Gerstenkorn, also eine akute Entzündung durch eine bakterielle Infektion am Augenlid, hervorrufen könne. Dass dies eine Nebenwirkung des Masketragens sein könnte, verneint die DGP. Ein Mund-Nasen-Schutz berührt beim ordnungsgemäßen Tragen auch nicht die Augen. 

Bewertung: Die Behauptungen sind laut DGP größtenteils falsch. Ein medizinischer Mundschutz muss Normen entsprechen, daher löst er keine Bronchialbeschwerden und auch kein Gerstenkorn aus.

Vierte Behauptung: Hautjucken und Pickelbildung sind Symptome nach dem Tragen eines Mundschutzes

Auf Anfrage von CORRECTIV schrieb die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, dass Hautjucken entstehen könne, wenn jemand auf das Material des Mund-Nasen-Schutzes allergisch sei. Hier weist die DGP nochmals auf die Biokompatibilität hin. 

Zudem könne jede Hautbedeckung am Körper zu Pickelbildung führen. „Das ist im Gesichtsbereich keine Ausnahme, aber auch kein besonderes Problem.“

Auszug aus der E-Mail der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. (Screenshot: CORRECTIV)

Bewertung: Die Behauptung ist teilweise falsch, weil Kontext fehlt. Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz führt nur bei Allergien gegen das Material des Mundschutzes zu Hautjucken. Zudem können bei jeder Art von Hautbedeckung Pickel auftreten.

Fazit: Die Behauptungen sind unbelegt und teilweise falsch. Das Foto der Petrischale belegt nicht, dass sich gesundheitsgefährdende Keime in der Maske sammeln. Die pauschale Behauptung, durch das Tragen eines Mundschutzes atme man mehr CO2 ein, ist falsch. Zudem treten die beschriebenen Symptome nicht auf, wenn keine Allergie besteht und der Mund-Nasen-Schutz ordnungsgemäß getragen wird.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Das Foto belegt nicht, dass ein Mundschutz die Gesundheit gefährdet; die Behauptungen sind zudem irreführend.