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Bewertung: teilweise falsch

Elektroauto mit „Salzwasser“-Antrieb? So einfach ist es nicht

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Dieses Bild mit Text wird im Netz geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

In einem Blog wird behauptet, es gebe ein extrem leistungsstarkes Elektroauto, das mit Salzwasser angetrieben werde und in der EU zugelassen sei. Das Modell war jedoch nur ein Prototyp – und die Aussage zu seinem Antrieb ist stark vereinfacht.

Der schweizerische Blog „Claudio Graf“ bebildert einen Artikel vom 27. Januar 2019 mit einem silbernen Sportwagen. Darauf steht: „Dieses Auto wird mit Salzwasser angetrieben. 920 PS, schafft 350 km/h und hat EU-Zulassung.“ Der Artikel trägt die Überschrift „Salzwasser als Treibstoff…ist Realität“. Er wurde auf Facebook bisher mehr als 37.300 Mal geteilt. 

Im Text geht es um ein Elektroauto der Firma Nanoflowcell, das auf dem 84. Genfer Autosalon vorgestellt worden sei. Das war 2014. „Claudio Graf“ schreibt, das Auto sei „die Alternative, die schon lange publik gemacht sein sollte“. Es könne den „ganze(n) Elite-Scheiss von Windräder, E-Mobiles (mit dreckigem und zu wenig Strom) Solar-Energie, CO₂-Lüge, Klima-Lüge, Missbrauch von jungen Menschen (Schüler und Kinder, wie die Greta Thunberg), endlich beenden.“ Als Quellen werden die Firma Nanoflowcell, die das Auto entwickelte, und ein Artikel des Focus von Mitte 2018 genannt. Darin heißt es, Investoren hätten 25.500 Elektroautos von Nanoflowcell bestellt, für 3,1 Milliarden Euro. In dem Focus-Artikel wird auch erwähnt, dass es bisher keine Belege für die Angaben der Firma gebe. 

Viele verschiedene Quellen

Der weitere Text von „Claudio Graf“ findet sich wortgleich auf diversen Internetseiten, zum Beispiel einer namens Der Storyteller. Die früheste Version, die wir finden konnten, stammt von August 2018 und wurde auf der Webseite Unser Planet veröffentlicht. 

Unsere Recherche zeigt: Vor einigen Jahren existierte tatsächlich ein Prototyp der Schweizer Firma Nanoflowcell namens Quant-E, auf den die von „Claudio Graf“ genannten Angaben zu PS und Spitzengeschwindigkeit passen. Allerdings lässt sich abgesehen von offiziellen Aussagen des Unternehmens nicht prüfen, ob das Auto wirklich diese Leistung bringen konnte. Zudem ist die Aussage, es werde mit „Salzwasser“ betrieben, stark vereinfacht und somit irreführend. 

Ein Bild des Sport-Elektroautos Quant-E in einem etwa drei Jahre alten Artikel auf der Webseite der Nanoflowcell AG. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Quant-E wurde 2014 vorgestellt

Es gibt zahlreiche Medienberichte über das Elektroauto mit dem angeblichen Salzwasser-Antrieb. Nanoflowcell bezeichnet sich selbst nicht als Hersteller von Elektrofahrzeugen, sondern als „Forschungs- und Entwicklungs-Partner der Industrie um umweltgerechte und zukunftsfähige Energieträger sowie innovative Antriebstechnologien“.  

Ein Bericht der Welt von 2014 und Pressemitteilungen der Firma Nanoflowcell stützen die Behauptungen aus dem Artikel von „Claudio Graf“ (925 PS, 350 km/h). Die Welt sprach in ihrem Artikel von einem „Salzwasser-Elektroauto“, das beim Genfer Automobilsalon vorgestellt worden sei. Zudem heißt es darin, das Auto habe die Abnahme durch den TÜV erhalten und sei somit für den Straßenverkehr zugelassen. Auch das deckt sich mit einer Pressemitteilung von Nanoflowcell. Die Firma schrieb 2014, der TÜV Saar habe dem Forschungsfahrzeug die Fahrerlaubnis für Deutschland und Europa erteilt. 

Den Prototypen gibt es nicht mehr

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV bestätigt ein Sprecher von Nanoflowcell, Ralf Kaiser, dass die bei „Claudio Graf“ angegebenen Leistungsdaten für den Quant-E korrekt seien. Allerdings werde das Fahrzeug bereits seit mehreren Jahren nicht mehr getestet. „Der QUANT-E ist ein Hochvolt-Elektrofahrzeug mit Flusszellenantrieb, das 2014 debütierte und über 920 PS sowie einer Höchstgeschwindigkeit von 350 km/h verfügte“, so Kaiser per E-Mail. „Seit 2017 sind wir bei allen unseren Testfahrzeugen auf den nanoFlowcell 48Volt Niedervolt E-Antrieb umgestiegen.“ Von „Hochspannung“ ist per Definition die Rede, wenn mehr als 30 Volt Wechselspannung oder mehr als 60 Volt Gleichspannung vorhanden sind. 

Die Nachfolgemodelle des Quant-E heißen Quantino-48-Volt und Quant-48-Volt. Sie haben laut Nanoflowcell wesentlich weniger Leistung. Es handelt sich auch dabei nur um Testfahrzeuge, die man bisher nirgends kaufen kann.

Werden die Autos mit Salzwasser angetrieben?

Die Aussage, das Elektroauto habe einen Antrieb, der mit Salzwasser funktioniere, sei „zu kurz gegriffen“, erklärt Kaiser weiter. Die Fahrzeuge haben laut Nanoflowcell einen sogenannten Flusszellenantrieb. 

Eine Flusszellenbatterie ist laut Fraunhofer-Institut für chemische Technologie ein elektrochemischer Energiespeicher mit einem flüssigen Speichermedium. Sie wird auch Redox-Flow-Batterie genannt. Diese Akkus seien sehr effizient und „deutlich langlebiger“ als herkömmliche Batterien. In einer Broschüre wird erklärt, wie das System funktioniert: Die Elektroden der Plus- und Minuspole sind jeweils von Flüssigkeit umgeben, der Elektrolytlösung. Eine ist positiv, die andere negativ geladen. Dazwischen gibt es eine spezielle Membran. Die Elektrolyte können durch eine externe Stromquelle geladen werden; so wird der Akku aufgeladen. 

„Die Idee einer Redox-Flow-Batterie ist die einer unsterblichen Batterie“, erklärt Peter Fischer vom Fraunhofer-Institut auf Anfrage von CORRECTIV telefonisch. Da die Flüssigkeiten in separaten Tanks gespeichert würden, findet laut der Broschüre im Stillstand „praktisch keine Selbstentladung statt“. Weltweit würden solche Flüssigzellen bereits als Großspeicher für Strom aus Solar- und Windenergie genutzt. 

Schematische Darstellung eines Redox-Flow-Systems. (Quelle: Fraunhofer ICT)

Aber es handelt sich bei der Flüssigkeit nicht um Salzwasser, stellt Nanoflowcell-Sprecher Ralf Kaiser auf unsere Anfrage klar. Die Elektrolytlösung namens „bi-ION“ bestehe aus einer Trägerflüssigkeit aus Wasser und darin gelösten „anorganischen und organischen Salzen“. Der eigentliche Ladungsträger sei ein spezielles, im Labor entwickeltes Molekül. Auf seiner Webseite gibt das Unternehmen an, die Elektrolytlösung sei von der Energiedichte her „gleichauf“ mit Lithium-Ionen-Batterien. 

Bisher nur Leistungsversprechen von Nanoflowcell

Die Aussagen in dem Text von „Claudio Graf“, aber auch die Darstellung zum Beispiel in dem Artikel der Welt („Salzwasser-Auto“) vereinfachen also die tatsächliche Technologie sehr stark. Was zudem aus dem Artikel von „Claudio Graf“ nicht deutlich wird, ist, dass von dem Elektroauto bisher nur Prototypen existieren und dass das Sportmodell Quant-E seit zwei Jahren nicht mehr getestet wird. 

Für die Leistung der Fahrzeuge und Behauptungen zur Umweltfreundlichkeit („keine schädlichen Emissionen, umweltfreundlich und nachhaltig im Betrieb, weder brennbar noch explosiv, zudem gesundheitlich unbedenklich, sicher in der Handhabung und umweltgerecht recycelbar“) gibt es bisher keine Beweise abgesehen von den Aussagen von Nanoflowcell. Journalisten von Auto-Motor-Sport und der BBC durften 2016 das Quantino-Modell zwar zur Probe fahren. Die Reichweite von angeblich insgesamt 1.401 Kilometern wurde damit aber nicht nachgewiesen. Zudem heißt es in dem Artikel von Auto-Motor-Sport, man habe den „Tankvorgang“ mit der Elektrolytlösung nicht sehen können. 

Firma macht Geheimnis aus dem Antrieb

Peter Fischer, der seit 2011 beim Fraunhofer-Institut für chemische Technologie an Redox-Flow-Batterien forscht, ist skeptisch, was die Versprechen von Nanoflowcell angeht. Flüssige Energieträger seien wegen der geringen Energiedichte problematisch, erklärt er uns am Telefon. Eine hohe Spannung mit wässrigen Lösungen zu erzeugen sei sehr schwierig. Es gebe Grenzen bei der Löslichkeit von Stoffen. Bei so vielen Hindernissen müsste Nanoflowcell „etwas sehr Geniales gemacht haben“, sagt Fischer. Es sei problematisch, dass die Firma seit Jahren ein großes Geheimnis daraus mache, wie genau ihr Antrieb funktioniere. 

Möglich sei, dass es sich um eine Art Brennstoffzelle statt einer echten Redox-Flow-Batterie handele, so Fischer. Eine Brennstoffzelle würde die Flüssigkeit, mit der sie funktioniert, verbrauchen. Das deckt sich mit einem Zitat von Nanoflowcell-Chef Nuncio la Vecchia gegenüber Auto-Motor-Sport: „Im Gegensatz zur normalen Redox-Technologie tauschen wir das Elektrolyt nicht aus, sondern es wird während der Fahrt verbraucht. Nach einer Filterung der Salze wird es fein zerstäubt als Wasser auf die Straße gesprüht.“

Die Firma Nanoflowcell wurde 2013 gegründet. Seit der Vorstellung des Flusszellenantriebs beim Genfer Automobilsalon 2014 sind fünf Jahre vergangen. Laut Nanoflowcell-Sprecher Kaiser wird es zudem noch bis zu weiteren fünf Jahren dauern, bis es zur „großserientechnischen Herstellung“ der Elektrolytlösungen kommt.  

Hinweis (14. August 2019): Ein Redakteur von Focus Online hat uns in einer Mail gebeten, darauf hinzuweisen, dass man in der weiteren Berichterstattung über Nanoflowcell Mitte 2018 auch Zweifel an der Plausibilität der Aussagen der Firma geäußert habe. 

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Bei dem Auto handelte es sich um einen Prototypen, dessen Antrieb mit speziellen Elektrolytlösungen funktionieren sollte. Nachweise über die Leistung und Umweltfreundlichkeit des Fahrzeugs gibt es bisher nicht. 

Bewertung: größtenteils falsch

Doch, CO2-Emissionen haben Einfluss auf das Klima

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Das Video, in dem behauptet wird, CO2 habe kaum Einfluss auf die Erderwärmung, wurde am 17. Juli 2019 auf Facebook veröffentlicht. (Screenshot: CORRECTIV)

von Katarina Huth

Der Einfluss von CO2 auf die Erderwärmung sei fast nicht vorhanden und Deutschlands CO2-Emissionen könnten folglich vernachlässigt werden – das wird in einem Video behauptet, welches auf Facebook geteilt wird. Die Aussagen sind größtenteils falsch.

Auf Facebook wurde auf der Seite „Klimaschwindel” am 17. Juli 2019 ein Video mit dem Titel „Drei von 10 Millionen Gasmolekülen sind CO2 aus Deutschland” geteilt. Innerhalb von zwei Wochen wurde der Beitrag fast 1.500 Mal geteilt. 

Die Hauptaussagen des Videos sind, dass der Anteil von CO2 an der gesamten Erdatmosphäre sehr gering ist und folglich CO2-Emissionen so gut wie keinen Einfluss auf das Erdklima hätten. Deutschland könne also das Klima mit seinen CO2-Emissionen nicht beeinflussen. Das Land habe keinerlei Verantwortung in puncto Klimaschutz. 

Als einzige Quelle für die Aussagen wird eine Seite des Europäischen Instituts für Klima & Energie (EIKE) eingeblendet. EIKE ist entgegen seines Namens kein Institut, sondern ein Verein, der sich auf seiner Webseite immer wieder mit der Meinung positioniert, der menschenverursachte Klimawandel sei eine Lüge

Das Video wurde auf Facebook am 17. Juli 2019 veröffentlicht und innerhalb von zwei Woche fast 1.500 mal geteilt. (Screenshot vom 31. Juli 2019: CORRECTIV)

Im Video wird grafisch dargestellt, wie gering der Anteil der CO2-Emissionen von Deutschland an der Erdatmosphäre sei. So wird die Dicke eines Blattes Papier der Höhe des Eiffelturms gegenübergestellt. Die Dicke des Papiers entspreche den CO2-Emissionen Deutschlands; die Höhe des Eiffelturms der gesamten Luftmenge in der Erdatmosphäre, heißt es.

In einem Facebook-Video vom 17. Juli 2019  wird die Dicke eines Blattes Papier der Höhe des Eiffelturms gegenübergestellt. Dabei entspreche die Dicke des Papiers den CO2-Emissionen Deutschlands und die Höhe des Eiffelturms der gesamten Luftmenge in der Atmosphäre. (Screenshot vom 31. Juli 2019: CORRECTIV)

Welchen Anteil am Treibhauseffekt hat der Mensch? 

In dem Video wird die Zusammensetzung der Luft folgendermaßen aufgeschlüsselt: 78,08 Prozent der Luft bestehe aus Stickstoff, 20,95 Prozent aus Sauerstoff, 0,93 Prozent aus Argon, Dämpfen und Spurengase und 0,04 Prozent aus Kohlenstoffdioxid, kurz CO2. Somit seien 4.000 von 10 Millionen Molekülen in der Luft CO2. Diese Angaben sind in etwa korrekt, wie in einem regelmäßig aktualisierten Datenblatt der NASA nachgelesen werden kann. 

Des Weiteren wird in dem Video angegeben, dass 120 von den 4.000 CO2-Molekülen menschengemacht seien, und davon kämen drei aus Deutschland. Es wären also drei von 10 Millionen Gasmolekülen in der Atmosphäre CO2 aus Deutschland. Daraus wird die Schlussfolgerung gezogen, dass CO2 nur wenig zum Erdklima beitrage und Deutschland sich völlig „zurücklehnen” könne. 

Doch an dieser Stelle ist im Video ein entscheidender Denkfehler passiert. Laut Aussage per E-Mail an CORRECTIV von Norbert Frank, geschäftsführender Direktor des Instituts für Umweltphysik der Uni Heidelberg, werden hier Äpfel mit Birnen verglichen. Stickstoff, Sauerstoff und Argon tragen gar nicht zum Treibhauseffekt der Erde bei und seien somit völlig irrelevant in der Betrachtung, wie viel Anteil der Mensch am Klimawandel hat. Nur Wasserdampf und Treibhausgase hätten einen Effekt auf die globale Erwärmung. Wasserdampf sei laut Sceptical Science in Hinsicht auf den anthropogenen also vom Menschen verursachten Treibhauseffekt nicht als ursprünglicher Faktor zu betrachten, sondern lediglich als Feedback-Faktor, das heißt als sogenannter Verstärker des Temperaturanstiegs durch CO2-Emissionen. 

Somit ist ein Vergleich der unterschiedlichen Gase Stickstoff, Sauerstoff, Argon und CO2 laut Norbert Frank nicht sinnvoll. 9.996.000 Moleküle der im Video zur Veranschaulichung genannten 10 Millionen Moleküle in der Luft fallen demnach aus der obigen Rechnung raus, weil sie nicht relevant für den Treibhauseffekt sind. 4000 Moleküle (0,04 Prozent CO2-Anteil an der gesamten Luft) sind also für 100 Prozent des Klima-Effektes verantwortlich.  

Kommen nur drei Prozent des CO2-Anteils in der Luft vom Menschen?

Eric Fee vom Umweltbundesamt bestätigte CORRECTIV bereits für einen anderen Faktencheck per E-Mail, dass 97 Prozent der jährlichen globalen CO2-Emissionen natürlichen Ursprungs seien und somit Teil des natürlichen Kohlenstoffkreislaufs. Folglich sind drei Prozent der jährlichen CO2-Emissionen menschengemacht, werden also vom Menschen emittiert. Die Angabe bezieht sich jedoch nur auf den jährlichen CO2-Ausstoß. Da das vom Menschen emittierte CO2 laut Norbert Frank nur etwa zur Hälfte von der Biosphäre und den Ozeanen, also dem natürlichen CO2-Kreislauf aufgenommen werden kann, verbleibt der Rest in der Atmosphäre und addiert sich dort Jahr für Jahr. 

Für einen anderen Faktencheck zum Thema Klimawandel teilte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) CORRECTIV per E-Mail mit, dass im Mittel von 2008 bis 2017 nur 44 Prozent des insgesamt von Menschen produzierten CO2 von der Natur umgesetzt werden konnten. Den Angaben des PIK zufolge gelangten in diesem Zeitraum also 56 Prozent des CO2, das der Mensch produziert, nicht in den natürlichen CO2-Kreislauf. Dieser Anteil verbleibe in der Luft und erhöhe ihren CO2-Gehalt. 

Somit hat der Mensch laut Norbert Frank etwa 25 Prozent des CO2-Kreislaufs aus dem Gleichgewicht gebracht. Nach der Rechnung im Video wären das etwa 1.000 von 4.000 Molekülen statt der im Video genannten 120 Moleküle ausmacht. 

Auf Youtube wird die Störung des CO2-Kreislaufs seit ca. 1850 in einem Video veranschaulicht. Es ist zu erkennen, dass sich im Jahr 2017 deutlich mehr CO2 in der Atmosphäre befindet als im vorindustriellen Zeitraum und außerdem CO2 aus Industrie und fossilen Energieträgern hinzu kommt. 

Der CO2-Kreislauf im vorindustriellen Zeitalter mit einer CO2-Konzentration in der Atmosphäre von 276 ppm. (Screenshot aus Youtube-Video vom Physiker Robert Rohde vom 13. August 2019: CORRECTIV)
Der CO2-Kreislauf im Jahr 2017 mit einer CO2-Konzentration in der Atmosphäre von 406 ppm. (Screenshot aus Youtube-Video vom Physiker Robert Rohde vom 13. August 2019: CORRECTIV)

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CO2-Emissionen des Menschen haben großen Einfluss auf das Klima

Es ist also korrekt, dass der Anteil von CO2 in der Erdatmosphäre gering ist. Im Juni 2019 teilte Eric Fee vom Umweltbundesamt CORRECTIV für einen anderen Faktencheck zum Thema Klimawandel mit: „Zurzeit ist die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ca. 405 ppm (Teile pro Million). Das klingt sehr gering. Aber vor der Industrialisierung war die Konzentration nur 277 ppm.”

Die durch die anthropogenen CO2-Emissionen erhöhte CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist dennoch die Hauptursache für den Klimawandel, wie auch im Fünften Sachbericht des UN-Klimarats (IPPC) deutlich wird (Seite 5). Diese These unterstützen 97 Prozent der Klimaforscher, wie eine Studie von wissenschaftlichen Aufsätzen zum Thema im Jahr 2013 ergab.

Mit einem aktuellen CO2-Ausstoß von 799 Millionen Tonnen (2017) hat Deutschland laut „Global Carbon Atlas“ einen Anteil von 2,21 Prozent am weltweiten jährlichen CO2-Ausstoß – und liegt auf Platz 6 der Länder mit den größten CO2-Emissionen. Damit emittiert es pro Kopf etwa das Doppelte des weltweiten Mittels, wie Werner Aeschbach, Professor am Institut für Umweltphysik der Uni Heidelberg, CORRECTIV per E-Mail mitteilte. Somit hat Deutschland maßgeblich Anteil an der globalen Erwärmung und Verantwortung in Sachen Klimaschutz.

Update (16. August 2019): Wir haben einen Fehler berichtigt. Im Text fehlte die Angabe, dass Deutschland „pro Kopf“ etwa das Doppelte des weltweiten Mittels CO2 ausstoße. Das haben wir ergänzt.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Dass der CO2-Anteil in der Erdatmosphäre gering ist, ist korrekt. Die Schlussfolgerung, dass CO2-Emissionen des Menschen deswegen keinen Einfluss auf das Klima haben, stimmt nicht.

Bewertung: größtenteils richtig

Ja, Greta Thunberg ist laut ihrem Vater eine Nachfahrin von Svante Arrhenius

Bildschirmfoto 2019-07-29 um 16.21.26
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Svante Arrhenius, Nobelpreisträger der Chemie, sagte als einer der Ersten den Treibhauseffekt durch den Anstieg von CO2-Emissionen voraus. Das historische Foto ist im Wikipedia-Eintrag des Wissenschaftlers zu finden. (Screenshot: CORRECTIV)

von Katarina Huth

Auf Facebook wurde ein Beitrag veröffentlicht, in dem behauptet wird, dass der Nobelpreisträger Svante Arrhenius der Urgroßvater von Klima-Aktivistin Greta Thunberg sei. Arrhenius war der Erste, der 1895 eine globale Erwärmung prognostizierte. Aussagen von Thunbergs Vater bestätigen die Behauptung.

Auf Facebook wurde am 26. Juli 2019 ein Beitrag veröffentlicht, in dem behauptet wird, dass „[…]der Urgroßvater von Greta Thunberg der Erfinder des Klimawandels“ sei. Zusammen mit dem Text wurden vier Bilder geteilt: Ein Foto von Greta Thunberg, eines  von dem Nobelpreisträger Svante Arrhenius, eine Grafik zur Zusammensetzung der Luft und ein Ausschnitt der Titelseite der Bild vom 8. August 1975. 

Der Beitrag wurde am 26. Juli 2019 auf Facebook veröffentlicht und innerhalb von drei Tagen mehr als 250 Mal geteilt. (Screenshot vom 30. Juli 2019: CORRECTIV)

Svante Arrhenius sagte 1895 eine globale Erwärmung voraus

Dieses Foto von Svante Arrhenius wird auf Facebook verbreitet. (Screenshot vom 30. Juli 2019: CORRECTIV)

Der schwedische Wissenschaftler Svante Arrhenius, der von 1859 bis 1927 lebte, war laut NASA der Erste, der die Auswirkungen von steigenden CO2-Emissionen auf die Temperatur am Erdboden entdeckte. Er berechnete laut Umweltbundesamt, dass eine Verdopplung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu einem globalen Temperaturanstieg von 4 bis 6 Grad Celsius führen würde. 1903 erhielt er den Nobelpreis in Chemie, allerdings nicht wegen der Entdeckung, dass es einen Zusammenhang zwischen CO2 und der Erderwärmung gibt, sondern für seine Theorien zur elektrolytischen Dissoziation – dem Zerfall von Anionen und Kationen in einem Lösungsmittel. 

In einem Interview des US-Politmagazins Democracy Now mit Greta Thunberg und ihrem Vater Svante Thunberg erzählte Svante Thunberg (ab Minute 35:19), Svante Arrhenius sei ein „entfernter Verwandter” gewesen, vermutlich „ein Cousin [s]einer Urgroßmutter”. Sein Vater habe ihn nach Svante Arrhenius benannt, doch der Name habe für ihn keine Bedeutung gehabt bis er anfing, sich mit dem Thema Klimawandel zu beschäftigen.

Greta Thunberg ist also nach Aussage ihres Vaters eine Nachfahrin von Svante Arrhenius. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Wissenschaftler den Klimawandel „erfunden“ – also erlogen – hat. 

Grafik zur Zusammensetzung der Luft gibt Mengenverhältnisse korrekt wieder

Die Grafik zur Zusammensetzung der Luft wurde zusammen mit dem Beitragstext auf Facebook am 26. Juli 2019 veröffentlicht. (Screenshot: CORRECTIV)

Eines der anderen Bilder, die mit dem Foto von Arrhenius geteilt wurden, ist eine Grafik, in der der Anteil von CO2 in der Erdatmosphäre der Gesamtheit der Gasmoleküle in der Luft gegenübergestellt wird. Dabei sei der Anteil von CO2 0,038 %. 

Das Größenverhältnis ist in der Grafik korrekt dargestellt. Die Angaben sind allerdings etwas veraltet. Im Mai 2019 wurde durch das Earth System Research Laboratory ein CO2-Anteil von 414,66 pm in der Atmosphäre gemessen. Ppm steht für „parts per million”, also entspricht 1 ppm einem Anteil an der Atmosphäre von 0,0001 Prozent. 416,66 ppm sind also 0,041466 Prozent. Die CO2-Konzentration in der Luft ist seit Beginn der Industrialisierung stark gestiegen. 1855 betrug sie noch 288 ppm. Laut NASA überstieg der CO2-Anteil in der Atmosphäre 2013 erstmals in der aufgezeichneten Geschichte 440 ppm. 

Der Anteil des CO2 an der gesamten Atmosphäre ist gering. Dies heißt allerdings nicht, dass der Anstieg des CO2-Anteils keine Wirkung hat. CORRECTIV veröffentlichte hierzu bereits einen Faktencheck. In diesem wird deutlich, dass sich durch die CO2-Emissionen des Menschen die CO2-Konzentration in der Luft erhöht, da nur ein Teil der Emissionen durch die Natur aufgenommen werden kann. Diese Erhöhung der CO2-Konzentration gehe immer mit einer globalen Erwärmung einher, erläuterte uns das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Die Titelseite der Bild vom August 1975 zeigte eine Wetterprognose

Der Bildausschnitt wurde zusammen mit dem Beitragstext am 26. Juli 2019 auf Facebook veröffentlicht. (Screenshot: CORRECTIV)

Das vierte Bild ist ein Ausschnitt der Titelseite der Bild vom 8. August 1975. Es wurde wurde in den letzten Wochen viel in den Sozialen Medien geteilt, etwa auf Facebook. Der Titel wurde dabei oft so verstanden, dass 1975 eine Temperatur von 40 Grad Celsius gemessen wurde. Dies ist allerdings nicht korrekt – es handelte sich um eine Wetterprognose, wie aus dem Artikel hervorgeht. Sie bestätigte sich nicht. Tatsächlich lag die höchste Temperatur, die 1975 in Deutschland gemessen wurde, bei 32 Grad. CORRECTIV veröffentlichte auch hierzu bereits einen Faktencheck.

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Fazit

Die Behauptung, dass der Wissenschaftler Svante Arrhenius ein Vorfahre Greta Thunbergs ist, stimmt nach Aussage ihres Vaters. Insgesamt sollen die vier Bilder in Kombination jedoch in die Irre führen und den Eindruck erzeugen, der Klimawandel existiere nicht – er sei eine „Erfindung“ von Thunbergs Vorfahr. Die Thesen von Arrhenius wurden jedoch seitdem zahlreich bestätigt, beispielsweise durch diese Studie von US-Wissenschaftlern, die 2015 in der internationalen Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde. Dass der CO2-Anteil an der Luft gering ist, bedeutet nicht, dass er einen geringen Einfluss auf das Klima hat. Und die alte Titelseite der Bild-Zeitung belegt nicht, dass es in Deutschland schon 1975 40 Grad warm war.

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Greta Thunberg ist nach Aussage ihres Vaters eine Nachfahrin des Chemie-Nobelpreisträgers Svante Arrhenius. Die weiteren Schlussfolgerungen des Beitrags zum Klimawandel führen jedoch in die Irre.

Bewertung: größtenteils falsch

Doch, brennende Elektroautos können gelöscht werden

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Hier ist ein regulärer Kleinwagen zu sehen, aber auch brennende Elektroautos werden von der Feuerwehr normal mit Wasser gelöscht. (Symbolfoto: Reinhard Thrainer / Pixabay)

von Till Eckert

In den sozialen Medien wird behauptet, man könne den Brand eines Elektroautos nicht löschen. Stattdessen müsse die Batterie „über Tage kontrolliert ausbrennen“. Das stimmt so nicht.

Eine Facebook-Nutzerin teilte am 20. Juli die Aufnahme eines brennenden Autos mit dem Schriftzug: „Den Brand eines Elektroautos kann man nicht löschen. Die Batterie muss über Tage kontrolliert ausbrennen.” Dazu schrieb die Nutzerin: „Das ist also ‘klimaneutral’. Aha.“

Facebook-Beitrag mit der Behauptung. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf Facebook wurde der Beitrag bisher fast 18.000 Mal geteilt. Auch auf Twitter ist das Bild – ein Standbild eines Videos aus einem Beitrag von SWR Aktuell über den Brand eines Tesla 2018 in der Schweiz – mit der Schrift und demselben Kommentar zu finden. Hier wurde die Behauptung über 200 Mal retweetet. CORRECTIV hat sie überprüft.

Grundsätzlich besteht bei Lithium-Ionen-Batterien die Gefahr einer „explosionsartigen Zündung“

Über das grundsätzliche Gefahrenpotenzial durch Lithium-Ionen-Batterien informiert das Umweltbundesamt CORRECTIV auf Anfrage per Mail: „Die Lithium-Ionen-Batterien, die derzeit zum Großteil im Bereich der Elektromobilität eingesetzt werden, sind nach unserer Kenntnis Batteriesysteme mit Nickel-Mangan-Kobalt- und Nickel-Kobalt-Aluminium-Anode (LNMC und LNCA). Lithium ist ein hochreaktives Metall.“ Das Material solle daher nicht mit Wasser in Berührung kommen, „da es sonst zu heftigen Reaktionen bis hin zu Bränden oder Explosionen kommen kann“. 

Die Batterien sollten laut Umweltbundesamt auch keiner zu großen Hitze ausgesetzt sein oder geöffnet werden. Es drohe die Gefahr einer explosionsartigen Zündung.

Informationen des Umweltbundesamts zu Lithium-Ionen-Batterien per E-Mail. (Screenshot: CORRECTIV)

Das allerdings gilt für den Normalzustand, also verbaute Batterien, die nicht bereits in Flammen stehen. Für Fragen zur optimalen Brandbekämpfung und die Dauer des Löschvorgangs verweist das Umweltbundesamt an den Deutschen Feuerwehrverband.

Feuerwehrverband: Brand von Elektroautos ist wie jeder andere zu behandeln

Die Behauptung aus dem Facebook-Beitrag, man könne Elektroautos nicht löschen, entstammt offenbar einem Artikel der Hessenschau vom 9. Februar 2019. Dort wird Andreas Ruhs, Abteilungsleiter für Vorbeugung und Planung bei der Frankfurter Feuerwehr, zitiert, der sagt: „Eigentlich kann man es (das Elektroauto) nicht löschen.“ Und: „Es muss kontrolliert abbrennen oder ausbrennen.“ 

Carsten-Michael Pix vom Deutschen Feuerwehrverband schreibt CORRECTIV jedoch per Mail: „Die Behauptung ist so nicht richtig.“ Pix verweist auf ein Video des Verbands, in dem die Problematik behandelt wird: 

Christian Emrich, Feuerwehrmann und Koordinator für Fachempfehlungen zum Thema Lithium-Ionen-Batterien, berichtet darin, wie der Brand eines solchen Akkus zu bekämpfen ist: „Die Feuerwehr sollte ganz normal vorgehen. Wir nutzen unser Hauptlöschmittel Wasser, um einen hohen und schnellen Kühleffekt innerhalb des Akkus zu erzeugen und die Prozessgeschwindigkeit zu reduzieren.“ Aufgrund des entstehenden Rauches und Gases werde die normale persönliche Schutzausrüstung und Atemschutz genutzt, wie auch bei Bränden mit Kunststoffbeteiligung. „Es ist keine besondere Schutzausrüstung notwendig. Die aktuellen Standards sind ausreichend“, sagt der Fachmann. Man benötige allerdings mehr Wasser, weil lange gekühlt werden müsse.

In einem gemeinsamen Empfehlungsschreiben des Deutschen Feuerwehrverbandes und verschiedener Forschungseinrichtungen von Mai 2018 (PDF, Seite 3) steht: „Im Brandfall sind Elektrofahrzeuge mit Wasser zu löschen. Löschmittelzusätze können verwendet werden. (…) Um Rückzündungen zu vermeiden, ist der Batteriebereich ausreichend lange mit Wasser bis zur Übergabe an den Abschleppdienst zu kühlen.“

Aus einem Empfehlungsschreiben des Deutschen Feuerwehrverbands. (Screenshot: CORRECTIV)

Ruhs von der Feuerwehr Frankfurt bestätigt seine Aussage in der Hessenschau gegenüber CORRECTIV noch einmal am Telefon, differenziert aber: „Natürlich ist der Hauptbrand, das Fahrzeug, genauso wie sonst auch zu löschen. Nur stellt der Akku eine Herausforderung dar, weil man zwar kühlen, aber nicht hundertprozentig sicherstellen kann, dass die Brandgefahr in den Zellen, in denen chemische Reaktionen stattfinden, beseitigt ist.“ Dafür müsste das Fahrzeug laut Ruhs in ein Wasserbad getaucht werden, das auf einer Autobahn nicht mal eben zur Verfügung stehe. 

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Innerhalb der Feuerwehren werde über dieses Thema viel diskutiert, es kursierten viele unterschiedliche Meinungen. Grundsätzlich stimmt Ruhs mit der Einschätzung des Feuerwehrverbands überein, dass Elektrofahrzeuge sehr wohl gelöscht werden können – nur sei der Aufwand eben ein ganz anderer. Neue Technologien, die Wasser mit sehr hohem Druck durch die Spritzschläuche befördern könnten, könnten das laut Ruhs allerdings erheblich vereinfachen.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Brennende Elektrofahrzeuge werden von der Feuerwehr ganz normal mit Wasser gelöscht – die Akkus jedoch stellen eine Herausforderung dar.

Bewertung: falsch

Nein, Deutschland beeinflusst nicht 0,00004712 Prozent des CO2-Anteils in der Luft

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Eine Rechnung stellt CO2-Emissionen des Menschen denen der Natur gegenüber: Sie lässt aber wichtige Fakten außer Acht und hat deshalb keine Aussagekraft. (Foto: Ashraf Ali / Unsplash)

von Nina Breher , Katarina Huth

Eine Rechnung soll zeigen, wie gering der Beitrag des Menschen zum Klimawandel angeblich ist. Sie wird seit 2010 immer wieder zitiert. Sie fußt nicht nur auf falschen Annahmen sondern ist auch unlogisch.

Eine Rechnung zum Thema „Klimawandel und CO2“ kommt zu dem Ergebnis, Deutschland beeinflusse das in der Luft befindliche CO2 „mit nur 0,00004712 Prozent“. Das stehe nicht im Verhältnis zu geplanten Investitionen in den Klimaschutz – so impliziert es der Text auf einer Facebook-Grafik, die am 16. Juli auf der Facebook-Seite „Freie Medien“ veröffentlicht und seitdem rund 24.000 Mal geteilt wurde. 

Die Zahlen aus dieser Rechnung werden in den letzten Wochen wieder in den sozialen Medien zitiert. (Screenshot am 30. Juli 2019: CORRECTIV)

Wahrscheinlich tauchte die CO2-Rechnung erstmals im Januar 2010 in einem Leserbrief an die Frankfurter Allgemeine Zeitung auf (kostenpflichtig). Der Leser hatte damals den Wert von 0,0004712 Prozent errechnet.

Die Rechnung gelangte wahrscheinlich in einem FAZ-Leserbrief von 2010 an die Öffentlichkeit. (Quelle: FAZ-Archiv, Screenshot: CORRECTIV)

Viele berufen sich beim Teilen auf den Verein „EIKE – Europäisches Institut für Klima und Energie“, wo die Rechnung am 20. Januar 2010 unter Nennung des Leserbriefs als Quelle publiziert worden war. CORRECTIV hat kürzlich einen Faktencheck zu dem Text veröffentlicht. Da die Rechnung aber in verschiedenen Kontexten zitiert wird und nicht nur auf falschen Annahmen aufbaut, sondern auch in sich unlogisch ist, widmen wir ihr an dieser Stelle einen eigenen Faktencheck.

Die Rechnung ist unlogisch – der Mensch erzeugt nicht 0,00152 Prozent des weltweiten CO2

Ausgangsbasis für die Berechnung ist die Annahme, dass 0,038 Prozent der Luft aus CO2 bestehe und weltweit 4 Prozent dieses CO2 von Menschen verursacht werde. Daraus wird geschlussfolgert, der Anteil des Menschen an dem CO2 in der Luft betrage „4 Prozent von 0,038 Prozent, also 0,00152 Prozent“. 

Diese Folgerung ist aus zwei Gründen falsch: Erstens wird hier der Beitrag des Menschen zum CO2-Vorkommen ins Verhältnis zur gesamten Luft (100 Prozent) gesetzt – nicht ins Verhältnis zu den 0,038 Prozent CO2, die sich in der Luft befinden. Der Mensch beeinflusst mit seinen CO2-Emissionen 0,00152 Prozent der Luft, nicht 0,00152 Prozent des in der Luft befindlichen CO2. Der menschliche Anteil an den CO2-Emissionen würde nach dieser Rechnung vier Prozent betragen.

Dass der CO2-Anteil an der Luft so gering ist, heißt zweitens nicht, dass ein Anstieg dieses Anteils keine Wirkung hat. Eric Fee vom Umweltbundesamt teilte CORRECTIV bereits im Juni 2019 per E-Mail mit: „Zurzeit ist die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ca. 405 ppm (Teile pro Million). Das klingt sehr gering. Aber vor der Industrialisierung war die Konzentration nur 277 ppm. Durch diese vergleichsweise starke Erhöhung der Konzentration ist die globale Durchschnittstemperatur um ca. 1°C gestiegen (Sonderbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) 2018, Punkt A.1).“

Der Mensch verursacht etwa drei Prozent der globalen CO2-Emissionen, der Rest ist natürlichen Ursprungs 

Die Werte, die der Rechnung zugrunde gelegt wurden, sind inzwischen meist veraltet, teilweise auch ungenau. Sie beginnt mit der Angabe, die Luft bestehe aus „78 Prozent Stickstoff, 21 Prozent Sauerstoff, 1 Prozent Edelgasen und 0,038 Prozent CO2“. Nimmt man an, dass die Zahl 0,038 – so wie die ersten auffindbaren Artikel zu dem Thema – aus dem Jahr 2010 stammt, stimmt das: Die CO2-Konzentration betrug laut dem Earth System Research Laboratory 2010 389 ppm (Textdatei), das entspricht 0,0389 Prozent CO2. Mittlerweile ist diese Zahl veraltet. 2018 wurden 407 ppm gemessen, das sind 0,0407 Prozent.

Die Rechnung gibt zweitens an, vier Prozent des globalen CO2 werde vom Menschen produziert. Damit sind Emissionen gemeint. Diese Zahl ist Wissenschaftlern zufolge etwas zu hoch gegriffen: „Etwa 97 Prozent der jährlichen globalen CO2-Emissionen sind natürlichen Ursprungs“, so Fee. Demzufolge verursacht der Mensch etwa drei Prozent der globalen CO2-Emissionen.

Wie groß ist Deutschlands Anteil an den CO2-Emissionen?

Zudem heißt es, Deutschland verursache 3,1 Prozent der menschengemachten CO2-Emissionen weltweit. Daraus zieht die Rechnung die Schlussfolgerung, Deutschlands Anteil am CO2 in der Luft betrage 0,00004712 Prozent. Das ist jedoch falsch, denn auch diese Angabe bezieht sich auf die Luft insgesamt, nicht auf das CO2 darin.

Laut Daten der Weltbank ist der Wert von 3,1 Prozent zu hoch gegriffen: 2010 haben Menschen weltweit 33.472 Millionen Tonnen CO2 emittiert, davon Deutschland 758 Millionen Tonnen. Das heißt, Deutschland hat 2010 2,27 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verursacht. Die aktuellsten Daten der Weltbank stammen von 2014, ihnen zufolge hat Deutschland in diesem Jahr 1,99 Prozent der menschengemachten CO2-Emissionen verursacht. CORRECTIV hat bereits in einem Faktencheck dargelegt, dass Deutschlands CO2-Emissionen in den vergangenen Jahren gesunken sind. Betrachtet man die Pro-Kopf-Emissionen, liegt Deutschland weltweit auf Rang 33. Das geht ebenfalls aus einer Übersicht der Weltbank von 2014 hervor.

Die weitere Behauptung in der Rechnung, dass die Bekämpfung des Klimawandels Deutschland „ca. 50 Milliarden Euro Steuern und Belastungen“ koste, lässt sich nur schwer überprüfen, weil der Facebook-Beitrag offen lässt, was genau damit gemeint ist. 

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Tatsächlich investiert Deutschland seit Jahren Geld in den Klimaschutz. Seit dem Pariser Übereinkommen 2015 werde gefordert, dass Investitionen in klimafreundliche Technologien fließen, so das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit in einer Zusammenfassung der Pariser Klimakonferenz. „Sowohl öffentliche als auch private Investitionen müssen die Umsetzung der vereinbarten Klimaziele unterstützen.“ 2015 investierte Deutschland zum Beispiel 13.880 Millionen Euro in die Errichtung von Erneuerbare-Energien-Anlagen, 2016 waren es 15.380 Millionen Euro und 2017 wurden 15.730 Millionen Euro investiert. Das geht aus Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie hervor (PDF, S. 14, Stand Dezember 2018).

Das überschüssige, von Menschen emittierte CO2 verursacht die aktuelle Klimaerwärmung

Selbst wenn die ganze Rechnung formal stimmen würde, wäre sie nicht sinnvoll. Denn CO2, das die Natur selbst emittiert, bleibt nicht in der Atmosphäre, sondern wird auf unterschiedliche Weisen umgesetzt („Kohlenstoffzyklus“). Laut dem Synthesebericht 2007 (Seite 78) des IPCC erhöhen die menschlichen CO2-Emissionen die CO2-Konzentration in der Atmosphäre, denn sie können im Kohlenstoffzyklus nicht komplett umgesetzt werden: Ein Teil des von Menschen produzierten CO2 verbleibt in der Atmosphäre. 

Der stark vereinfachte Kohlenstoffzyklus: Die Erde nimmt das CO2, das sie emittiert, wieder auf. Der Mensch verursacht zusätzliches CO2, das nicht vollständig wieder aufgenommen werden kann. (Quelle: IPCC, Screenshot: CORRECTIV)

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) teilt CORRECTIV per E-Mail mit, im Mittel konnten von 2008 bis 2017 nur 44 Prozent des insgesamt von Menschen produzierten CO2 von der Natur umgesetzt werden. Den Angaben des PIK zufolge gelangten in diesem Zeitraum also 56 Prozent des CO2, das der Mensch produziert, nicht in den Kreislauf. Dieser Anteil verbleibe in der Luft und erhöhe ihren CO2-Gehalt.

Die „vom Menschen zur Energiegewinnung praktizierten Verbrennung fossiler Energieträger, wie Kohle, Erdöl und Erdgas, die Millionen von Jahren in der Erdkruste eingelagert und somit dem natürlichen Kreislauf entzogen waren, sowie (in geringerem Umfang) [die] Veränderung von Landflächennutzungen (…) führen zu einer zusätzlichen Emission von CO2 und tragen zu dessen Anreicherung in der Atmosphäre bei“, so Eric Fee vom Umweltbundesamt.

Eine Gegenüberstellung von menschlichen und natürlichen CO2-Emissionen erlaubt also keine Schlüsse über den Einfluss des Menschen auf den Klimawandel. Die Emissionen der Natur erhöhen die CO2-Konzentration in der Luft nicht, die des Menschen schon.

Update (7. August 2019): Wir haben drei Fehler im Text korrigiert. Ursprünglich hatten wir geschrieben, dass Deutschland 2010 758 Tonnen CO2 emittiert habe. Richtig sind 758 Millionen Tonnen. Zudem haben wir in diesem Satz einen Tippfehler korrigiert: „Im Mittel konnten von 2008 bis 2017 nur 44 Prozent des insgesamt von Menschen produzierten CO2 von der Natur umgesetzt werden.” Statt 2008 hatten wir 2018 geschrieben. Direkt im Anschlussatz stand dann, dass folglich 66 Prozent der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen nicht vom CO2-Kreislauf gelangten. Es handelt sich natürlich um 56 Prozent. Wir haben die Zahl korrigiert.

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Ausgangszahlen sind zwar realistisch, aber weder die Rechnung selbst, noch die aus den Zahlen gezogenen Schlussfolgerungen stimmen.

Bewertung: teilweise falsch

Nein, im August 1975 wurde keine Temperatur von 40 Grad Celsius gemessen

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Die Hitze im Sommer 2019 führt derzeit zu Diskussionen über den Klimawandel. (Symbolfoto: Tanishq Tiwari / Unsplash)

von Nina Breher

Aus einer „Bild“-Schlagzeile von 1975 schließen einige Facebook-Nutzer, vor 44 Jahren seien in Deutschland 40 Grad Lufttemperatur gemessen worden. Das ist nicht der Fall.

Ein auf Facebook seit dem 25. Juli 2019 rund 28.000 Mal geteilter Beitrag erweckt den Eindruck, bereits im August 1975 seien in Deutschland 40 Grad gemessen worden. Es handelt sich um ein Foto von einer Bild-Schlagzeile in der Ausgabe vom 8. August 1975. Aus der jetzt wieder geteilten Zeitungsseite schließen einige Nutzer, die aktuelle Debatte um Klimaschutz sei überflüssig. „Früher sagte man einfach nur Sommer“, kommentiert ein Nutzer. Ein anderer schreibt: „Was ihr euch nur alle aufregt. Die Erde hat schon immer Klimawandel durchgemacht.“

Die Schlagzeile der „Bild“-Ausgabe von 1975 lautet „40 Grad Hitze – Jetzt wird das Wetter lebensgefährlich“. (Screenshot: CORRECTIV)

Überschrift ist missverständlich: Bild spricht von Prognose, nicht von gemessener Temperatur

Der Axel-Springer-Verlag bestätigt CORRECTIV auf Anfrage per E-Mail die Echtheit des Fotos: „Die genannte Seite ist genauso in unserer Datenbank dokumentiert.“ Es handele sich um die Bundesausgabe der Bild vom 8. August 1975. 

Die Überschrift „40 Grad Hitze – Jetzt wird das Wetter lebensgefährlich“ erweckt den Eindruck, 40 Grad seien gemessen worden. Aus dem Artikel selbst geht jedoch hervor, dass es sich um eine Prognose handelt, nicht um eine gemessene Temperatur. „Am Sonntag könnten es 40 Grad im Schatten werden, meint Diplom-Meteorologe Rainer Ripke vom Wetteramt Essen“, steht im Text.

Detailansicht des Textes, aus dem hervorgeht, dass es in der Überschrift um eine Prognose geht. (Screenshot: CORRECTIV)

1975 wurden nicht 40 Grad gemessen

Die damals vom Wetteramt Essen prognostizierte Temperatur wurde nicht erreicht. Diplom-Meteorologe Andreas Friedrich, Pressesprecher beim Deutschen Wetterdienst (DWD), hat die 1975 in Essen gemessenen Temperaturen für CORRECTIV überprüft: „Am 10. August wurde in Essen ein Höchstwert von 30,8 Grad Celsius gemessen“, so Friedrich am Telefon. Die Höchsttemperatur in Essen im August 1975 habe 31,7 Grad betragen (7. August). „Das waren im Vergleich zu heute sehr moderate Temperaturen“, so Friedrich am Telefon.

Ein Blick in die Suchmaschine Wolfram Alpha zeigt, dass die höchste Temperatur, die 1975 in Deutschland gemessen wurde, bei 32 Grad lag, und zwar am 10. August. In Essen wurden bis heute noch nie 40 Grad oder mehr gemessen. Der bisherige Essener Hitzerekord von 36,6 Grad wurde im August 2003 aufgestellt. 

Der gesamtdeutsche Hitzerekord seit Beginn der Aufzeichnungen hingegen wurde dieses Jahr gebrochen: Am 25. Juli 2019 wurden im niedersächsischen Lingen 42,6 Grad Celsius gemessen, wie der DWD am 26. Juli via Twitter bestätigte

Der DWD gab per Twitter bekannt, dass am 25. Juli 2019 der Temperaturrekord in Deutschland gebrochen wurde. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Der Zeitungsartikel ist echt, die Temperaturangabe ist aber eine Wetterprognose gewesen, die sich nicht erfüllt hat.

Bewertung: falsch

Nein, der ausgebrannte Bus in Kusterdingen war kein Elektrofahrzeug

Bildschirmfoto 2019-07-25 um 11.34.21
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Bildschirmfoto 2019-07-25 um 11.34.21
Das Video eines brennenden Busses wird auf Facebook verbreitet, um Stimmung gegen Elektrofahrzeuge zu machen. Es handelt sich aber um einen Dieselbus. (Screenshot am 25. Juli 2019: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Ein Video auf Facebook zeigt einen brennenden Linienbus. Nun wird behauptet, das Fahrzeug sei ein Elektrobus gewesen. Das stimmt nicht. 

Ein Video, das aus einem fahrenden Auto aufgenommen wurde, zeigt einen brennenden Linienbus in einer schmalen Straße mit historischen Häusern. Es wurde auf Facebook am 18. Juli hochgeladen und seitdem mehr als 5.800 Mal geteilt. Der Nutzer, der es veröffentlichte, schrieb dazu: „Klimaneutraler Elektrobus. Wer fängt jetzt die Co2 Belastung ein? GRETA wo bist du?“

In den Kommentaren wies ein Nutzer bereits darauf hin, dass die Behauptung nicht stimme; der Brand sei in Kusterdingen geschehen und es handele sich um ein Dieselfahrzeug. CORRECTIV hat das überprüft.

Der Facebook-Beitrag mit dem Video. (Screenshot am 25. Juli 2019 und Schwärzung: CORRECTIV)

Tatsächlich brannte am 7. Juli 2019 ein Linienbus in Kusterdingen, Baden-Württemberg, vollständig aus. Mehrere Medien wie die Südwest-Presse und T-Online berichteten darüber. Auf den Fotos ist das Fachwerkhaus zu sehen, das im Video sichtbar ist.

Links: der Artikel von Südwest-Presse über den Bus-Brand. Rechts: das Video von Facebook. (Screenshots am 25. Juli 2019 und Montage: CORRECTIV)

Laut der Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Reutlingen zu dem Vorfall geriet der Bus am 7. Juli in Brand, verletzt wurde niemand. Ursache soll ein technischer Defekt sein. Das Feuer sei im Motorraum ausgebrochen. Zum Modell des Busses steht dort nichts. 

Die Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Reutlingen zu dem Brand. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf Nachfrage von CORRECTIV teilte Polizeisprecher Martin Raff per Mail mit, es habe sich bei dem Linienbus nicht um einen Elektrobus gehandelt sondern um ein Dieselfahrzeug, das bereits etwa 20 Jahre alt gewesen sei.

Unsere Bewertung:
Falsch. Der ausgebrannte Bus war ein älteres Dieselfahrzeug. 

Bewertung: größtenteils falsch

Nein, dieses Foto zeigt nicht das Resultat einer Umweltschutz-Demo

Design ohne Titel
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Design ohne Titel
Dieses Foto aus Madrid wird im Internet verbreitet und teilweise in falschen Kontext gestellt. (Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Auf Facebook wird ein Foto einer völlig mit Plastikmüll verschmutzten Straße verbreitet – mit der Behauptung, es stamme von einer Demonstration von Umweltschützern. Das ist falsch. Das Bild entstand nach einem Festival für Lesben, Schwule und Transgender in Madrid mit 400.000 Teilnehmern.

Eine Straße bei Nacht, überall liegt Plastikmüll: Dieses Foto hat ein Nutzer auf Facebook am 19. Juli hochgeladen. Er kommentiert dazu: „Madrid, Überreste einer Demo… gegen Umweltverschmutzung.“ Das Bild wurde innerhalb von einer Woche mehr als 5.300 Mal geteilt. Zahlreiche Nutzer ziehen in den Kommentaren darunter jedoch die Echtheit des Fotos in Zweifel. CORRECTIV hat geprüft, woher die Aufnahme stammt. 

Der Beitrag auf Facebook mit dem Foto. (Screenshot am 25. Juli 2019 und Schwärzung: CORRECTIV)

Eine Bilder-Rückwärtssuche über Google zeigt, dass das Foto vor allem auf Twitter zahlreich hochgeladen wurde. Die früheste Version, die wir finden konnten, wurde am 8. Juli 2019 gegen 4.30 Uhr morgens veröffentlicht. Der Twitter-Nutzer schrieb dazu auf Spanisch: „So war Madrid nach dem ‘LGTBIQ Pride’-Marsch… Alles sehr bürgerlich, höflich und respektvoll, wie man (…) auch an diesem Bild (sieht), das den ‘Gemeinsinn’ der Demonstranten demonstriert.“ LGTBIQ steht für lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle und queere Menschen. 

Ein Tweet mit dem Foto vom 8. Juli 2019, 4.33 Uhr morgens. (Screenshot am 24. Juli 2019 und Schwärzung: CORRECTIV)

Ein anderer Twitter-Nutzer veröffentlichte das Foto am 8. Juli um 10.30 Uhr und verband es mit der Behauptung, dieselben Leute, die den Müll verursacht hätten, seien die, die anderen Lektionen über Umweltschutz erteilen wollten. 

Ein weitere Tweet mit dem Foto vom 8. Juli, 10.30 Uhr. Darauf steht auf Spanisch: „Dieselben, die das hier in Madrid hinterließen, erteilen Lektionen über Plastik in den Meeren, arme Eisbären und die Scheußlichkeit, mit dem Flugzeug zu verreisen.“ (Screenshot am 24. Juli 2019: CORRECTIV)

Zahlreiche Belege weisen jedoch darauf hin, dass die Demonstration in Madrid, nach der diese Bilder aufgenommen wurden, nichts mit dem Thema Umweltschutz zu tun hatte. 

Ein Pressesprecher der Stadt Madrid, Javier Monzón Piñeiro, antwortete per Mail auf eine Anfrage von CORRECTIV, ihm sei dieses Foto nicht bekannt. Es zeige aber eine Straße in Madrid, den Paseo del Prado auf Höhe des Platzes Plaza de Cibeles. Auf Google Streetview ist erkennbar, dass die Gebäude dort mit denen auf dem Foto übereinstimmen. 

Das Foto zeigt den Paseo del Prado in Madrid, wie ein Abgleich mit Google Maps belegt. (Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV)

Vom 28. Juni bis 7. Juli fand in Madrid ein großes LGBT-Festival („Madrid Orgullo“, kurz „Mado“) für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender statt. Der Höhepunkt mit einer großen Parade („Manifestación“) war am Samstag, 6. Juli. Insgesamt nahmen laut Medienberichten an dem Wochenende rund 400.000 Personen teil. 

Die Menschenmassen verursachten große Mengen Müll. Einer Pressemitteilung der Stadt Madrid vom 8. Juli zufolge wurden im gesamten Zeitraum des Festivals 603.350 Kilogramm Abfall gesammelt (inklusive der mobilen Toiletten). Das sei noch einmal eine „Steigerung von 19,08 Prozent gegenüber dem World Pride 2017“, bei dem bisher am meisten gesammelt worden war. 2017 wurde in Madrid das 40. Jubiläum des ersten Marsches für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern in Spanien gefeiert. 

Auszug aus der Pressemitteilung der Stadt Madrid vom 8. Juli 2019 mit der Bilanz des LGBT-Festivals. (Screenshot am 24. Juli 2019: CORRECTIV)

Auch die spanische Zeitung El Independiente berichtete am 7. Juli über die Plastikmassen in Madrid und begleitete die Reinigungskräfte am Morgen nach der Parade im Stadtteil Chueca. Die Zeitung veröffentlichte am selben Tag auch ein Video auf Youtube, in dem die Verschmutzung der Straßen zu sehen ist. 

Das Video von „El Independiente“ auf Youtube zeigt die Umweltverschmutzung nach dem Festival in Madrid. (Screenshot am 24. Juli 2019: CORRECTIV)

Ein weiterer Beleg, dass das Foto von dem LGBT-Event stammt, ist ein anderes Bild vom 8. Juli auf dem Internet-Portal Picbear. Es zeigt ebenfalls die Müllmassen auf der Straße. Das markante, bunt erleuchtete Gebäude auf der linken Seite ist der Palacio de Cibeles. Somit wurde dieses Foto ebenfalls an der Plaza de Cibeles aufgenommen, aus einem anderen Blickwinkel. Demnach werden beide Fotos beim selben Event entstanden sein: dem „Madrid Orgullo 2019“. 

Das Foto auf „Picbear“ vom 8. Juli zeigt den Palacio de Cibeles, darunter steht, dass es beim Madrid Orgullo aufgenommen wurde. (Screenshot am 24. Juli 2019: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Die Aufnahme stammt aus Madrid, zeigt aber nicht das Resultat einer Demo von Umweltschützern sondern eines großen LGBT-Festivals.

Bewertung: richtig

Ja, der CO2-Ausstoß von Deutschland ist seit 1990 gesunken

Bildschirmfoto 2019-07-23 um 13.19.29
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von Katarina Huth

Auf Facebook wird eine Grafik verbreitet, in der behauptet wird, der weltweite CO2-Ausstoß sei von 1990 bis 2015 gestiegen – der von Deutschland jedoch gesunken. Die dargestellten Trends sind korrekt.

Auf Facebook wird seit dem 14. Juli 2019 eine Grafik verbreitet, in der die Entwicklung des CO2-Ausstoßes von Deutschland und der Welt von 1990 bis 2015 gegenübergestellt wird. Es werden weder Quellen noch Maßeinheiten für die Zahlen angegeben. Vermutlich wurden die Daten aus einer Grafik vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) übernommen und geben den CO2-Ausstoß in Millionen Tonnen an.

Das Bild mit Text und einem Säulendiagramm wurde innerhalb von drei Tagen fast 5.000 Mal auf Facebook geteilt. In weißer Schrift auf dunkelgrauem Hintergrund ist in Großbuchstaben zu lesen: Während unser CO2-Ausstoß sinkt, nimmt er weltweit zu. Vor allem in Asien und Amerika. Was soll da eine CO2-Steuer bringen?

Die Grafik wurde auf Facebook am 14. Juli 2019 veröffentlicht. (Screenshot vom 17. Juli 2019: CORRECTIV)

Werte beziehen sich auf Kraftstoffverbrennung

Eine Grafik zur Entwicklung der CO2-Emissionen in Deutschland und weltweit vom Bundesministerium für Wirtschaft und Umwelt. Die Zahlen beziehen sich auf den CO2-Ausstoß durch Kraftstoffverbrennung. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Umwelt gibt in einer Grafik dieselben Daten wie die Facebook-Grafik für die Entwicklung des CO2-Ausstoßes an. Als Quelle wird die Internationale Energieagentur angegeben. Deren Dokument von 2017 bezieht sich allerdings nur auf CO2-Ausstoß durch Kraftstoffverbrennung (Fuel Combustion). Die Werte für Deutschland und die Welt stimmen mit denen in der Facebook-Grafik überein. 

Die Werte der Internationalen Energieagentur vergleichen den CO2-Ausstoß durch Kraftstoffverbrennung in Millionen Tonnen. (Seite 94, Screenshot: CORRECTIV)

Deutschland liegt hier im Vergleich der Länder mit dem größten CO2-Ausstoß weltweit auf Platz sechs hinter China, den USA, Indien, Russland und Japan (S. 12).

Die Grafik der Internationalen Energieagentur zeigt das Ranking der Länder mit den größten CO2-Emissionen aus Kraftstoffverbrennung weltweit. (Screenshot: CORRECTIV)

Weltweiter CO2-Ausstoß ist gestiegen

Für den CO2-Ausstoß weltweit gibt die Grafik an, er sei von 20.509 Millionen (1990) auf 32.294,2 Millionen Tonnen (2015) angestiegen. CORRECTIV hat die Zahlen mit anderen verfügbaren Quellen abgeglichen; die Werte weichen nach oben ab, die Tendenz aber bleibt bei allen gleich. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass sich die Grafik ausschließlich auf CO2 durch Kraftstoffverbrennung bezieht. 

Laut der Weltbankgruppe lag der weltweite CO2-Ausstoß

  • 1990 bei rund 22.149 Millionen Tonnen, 
  • 2005 bei 29.490 Millionen Tonnen und
  • 2014 bei 36.138 Millionen Tonnen, für 2015 wird kein Wert angegeben. 

Die Werte beziehen sich auf den CO2-Ausstoß durch Verbrennung fossiler Energieträger und Zementherstellung und enthalten auch die CO2-Produktion durch den Konsum von Fest-, Flüssig- und Gasbrennstoffen sowie das Abfackeln von Gas.

Die Weltbankgruppe gibt unter „Details“ an, was ihre angegeben Werte vom CO2-Ausstoß beeinhalten. (Screenshot: CORRECTIV)

Laut Global Carbon Atlas sind weltweit… 

  • 1990 22.182 Millionen Tonnen CO2, 
  • 2005 29.255 Millionen Tonnen CO2 und 
  • 2015 32.463 Millionen Tonnen CO2 durch Kraftstoffverbrennung, Zementherstellung und Landnutzung entstanden, wie auf der Website angegeben wird. 

Es wird deutlich, dass die CO2-Emissionen weltweit stark angestiegen sind. Je nach Berechnungsgrundlage ergibt sich ein Anstieg von 57,5 Prozent (Internationale Energieagentur) oder 46,6 Prozent (Weltbankgruppe und Global Carbon Atlas).

CO2-Ausstoß von Deutschland ist seit 1990 gesunken

Für Deutschland gibt die Internationale Energieagentur an, der Ausstoß von CO2 sei von 940,3 Millionen (1990) auf 729,8 Millionen Tonnen (2015) gesunken. 

Zum Vergleich hat CORRECTIV Daten des Umweltbundesamts herangezogen. In seiner Trendtabelle über Treibhausgase von 2017 heißt es, Deutschland emittierte

  • 1990 rund 1.053 Millionen Tonnen CO2, 
  • 2005 rund 867 Millionen Tonnen CO2 und
  • 2015 rund 796 Millionen Tonnen CO2.

Diese Berechnungen beziehen sich auf sämtliche CO2-Emissionen; auch hier liegen die Werte etwas höher als die der Internationalen Energieagentur, die sich nur auf Kraftstoffverbrennung beziehen. 

Übereinstimmend zeigt sich ein Abwärtstrend der CO2-Emissionen Deutschlands. Deutschland verringerte seine CO2-Emissionen laut Internationaler Energieagentur von 1990 bis 2015 um 22,4 Prozent, nach Umweltbundesamt um 24,4 Prozent. 

Der Global Carbon Atlas gibt an, dass sich der CO2-Ausstoß von Europa im gleichen Zeitraum etwa um 30 Prozent verringerte. 

CO2-Ausstoßes von Asien und Amerika stark gestiegen

Zum CO2-Ausstoß von Asien und Amerika nennt die Grafik auf Facebook keine genauen Werte, sondern trifft die generelle Aussage, die Emissionen seien von 1990 bis 2005 gestiegen. CORRECTIV hat die Behauptung anhand der Daten für Amerika als Kontinent überprüft.

Die Internationale Energieagentur, dessen Zahlen in der Grafik verwendet werden und die sich nur auf den CO2-Ausstoß durch Kraftstoffverbrennung beziehen, gibt an, dass sich die CO2-Emissionen von Amerika von 1990 bis 2015 um 18,8 Prozent und von Asien im gleichen Zeitraum um 196,3 Prozent gesteigert haben (Seite 94). 

Laut Global Carbon Atlas hatte Amerika im Jahr 1990 insgesamt einen CO2-Ausstoß von 6.584 Millionen Tonnen. 

    • Nordamerika hatte einen Ausstoß von 5.904 Millionen Tonnen, 
    • Zentralamerika 97 Millionen Tonnen und 
    • Südamerika 583 Millionen Tonnen.

2015 hatte Amerika insgesamt einen CO2-Ausstoß von 7.857 Millionen Tonnen.

    • Nordamerika: 6.464 Millionen Tonnen, 
    • Zentralamerika: 189 Millionen Tonnen und 
    • Südamerika: 1.204 Millionen Tonnen.

Zwischen 1990 und 2015 stiegen die CO-Emissionen von Amerika also um fast 20 Prozent.

Manchmal wird Amerika auch synonym für die USA verstanden. Der Global Carbon Atlas gibt an, dass die CO2-Emissionen von den USA von 5121 Megatonnen (1990) auf 5421 Megatonnen (2015) um 5,5 Prozent gestiegen sind.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die CO2-Emissionen von Amerika gestiegen sind, unabhängig davon, ob Nord-, Zentral- und Südamerika oder auch nur die USA betrachtet werden.

Für den Kontinent Asien hat CORRECTIV die Daten des Global Carbon Atlas für „Asien“ und den „Mittleren Osten“ addiert. Sie zeigen, dass Asien 1990 einen CO2-Ausstoß von 6.592 Millionen Tonnen hatte. Im Jahr 2015 erreichte der Kontinent einen Wert von 18.930 Millionen Tonnen. In Asien haben sich die CO2-Emissionen von 1990 bis 2015 folglich fast verdreifacht. 

China allein als weltweit größter CO2-Emittent hat seinen CO2-Ausstoß von 2420 Megatonnen (1990) auf 9717 Megatonnen (2015) fast vervierfacht. 

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Fazit 

Es ist korrekt, dass Europa und insbesondere Deutschland die CO2-Emissionen im betrachteten Zeitraum verringern konnten und es im Gegensatz dazu auf den anderen Kontinenten einen starken Anstieg dieser Emissionen gab. 

Die Grafik suggeriert, Deutschland spiele für die Bekämpfung der globalen Klimakrise keine große Rolle. Allerdings darf die Verantwortung Deutschlands nicht unterschätzt werden. Mit einem aktuellen CO2-Ausstoß von 799 Millionen Tonnen (2017) liegt Deutschland laut Global Carbon Atlas immer noch auf Platz 6 der Länder mit den größten CO2-Emissionen. Es hat somit maßgeblich Anteil an der globalen Erwärmung. 

Mit einem CO2-Ausstoß von 799 Millionen CO2 im Jahr 2017 liegt Deutschland auf Platz 6 der Länder mit den größten CO2-Emissionen. (Quelle: Global Carbon Atlas, Screenshot: CORRECTIV)

Laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat sich Deutschland das Ziel gesetzt, seine klimaschädlichen Emissionen im Vergleich zum Basisjahr um 40 Prozent bis 2020 zu senken. Im Klimaschutzbericht der Bundesregierung 2018 steht, dass dieses Ziel vermutlich noch weiter verfehlt werden wird, als im Klimaschutzbericht im Jahr zuvor geschätzt. Somit wird Deutschland im Jahr 2020 seine Treibhausgas-Emissionen, darunter auch CO2, lediglich um 32 Prozent verringert haben (Seite 18). 

Unsere Bewertung:
Richtig. Die in der Grafik angegeben Daten stammen von der Internationalen Energieagentur und beziehen sich auf CO2-Emissionen durch Kraftstoffverbrennung. Andere Quellen nennen abweichende Zahlen, beschreiben die Trends jedoch ähnlich.

Bewertung: falsch

Nein, der Ätna stößt nicht mehr CO2 aus als der Mensch

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von Katarina Huth

Auf Facebook wird ein Bild verbreitet, welches einen Ausbruch des sizilianischen Vulkans Ätna zeigen soll. Die Behauptung, dass bei solch einem Ausbruch mehr CO2 ausgestoßen wird, als durch den Menschen je produziert wurde, ist nicht korrekt.

Auf Facebook wurde am 7. Juli 2019 ein Foto veröffentlicht, welches einen Ausbruch des Ätna, des höchstgelegensten aktiven Vulkan Europas, zeigen soll. Der Urheber des Fotos ist unbekannt. Das Foto lässt sich zurückverfolgen zu einem Twitter-Post aus dem Dezember 2015. Es ist nicht genau belegbar, ob das Foto tatsächlich den in Sizilien gelegenen Ätna zeigt. 

Der Beitragstext zum Foto lautet: Liebe Umweltaktivisten, dieser kleine Rülpser des Ätna hat mehr CO2 in die Luft geblasen, als die gesamte Menschheit während ihres Daseins auf der Erde von sich gegeben hat. Aber keine Sorge, das ist ja Italien – also weit weg…“

Innerhalb von drei Tagen wurde der Beitrag über 13.000 mal geteilt. 

Dieser Facebook-Beitrag wurde am 7. Juli 2019 veröffentlicht und mehr als 13.000 mal geteilt. (Screenshot vom 10. Juli 2019: CORRECTIV)

CO2-Ausstoß durch Vulkane 100 mal kleiner als durch den Menschen  

Der Vulkan Ätna ist zuletzt am 1. Juni 2019 ausgebrochen. Er ist laut British Geological Survey der größte und meistgasendste Vulkan Europas (Seite 6). Laut Boris Behncke, Vulkanologe am Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) in Italien, ist der Ätna mit einer täglichen CO2-Produktion von etwa 16.000 Tonnen einer der weltweit bedeutendsten vulkanischen CO2-Produzenten. 

Aus der E-Mail von Boris Behncke an die Faktencheck-Redaktion vom 15. Juli 2019. (Screenshot: CORRECTIV)

Behncke schrieb uns per E-Mail, dass das Kohlenstoffdioxid zum großen Teil dem Magma des Vulkans entweicht – bereits lange bevor das CO2 die Erdoberfläche erreicht. Es wird also nicht erst durch den Ausbruch selbst ausgestoßen. Das heißt, selbst größere Eruptionen des Ätna produzieren nicht sehr viel mehr CO2 als sein normaler, alltäglicher Gasausstoß.

Somit spielt weniger der einzelne Vulkanausbruch eine Rolle als die insgesamte CO2-Emission. In der British Geological Survey wird der jährliche CO2-Ausstoß des Ätnas auf maximal 25 Millionen Tonnen geschätzt (Seite 6). 

Laut Christian von Savigny, geschäftsführender Direktor und Professor am Institut für Physik der Ernst-Moritz-Arndt Universität in Greifswald, liege der durchschnittliche weltweite CO2-Ausstoß von Vulkanen zwischen 200 und 300 Millionen Tonnen im Jahr, wie er uns telefonisch mitteilte.

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Laut Umweltbundesamt beträgt die Kohlenstoffdioxid-Emission des Menschen um die 30 Milliarden Tonnen pro Jahr (2013). Auch von Savigny sagt, dass der jährliche CO2-Ausstoß durch den Menschen zwischen 30 und 35 Milliarden Tonnen betrage und somit etwa 100 mal größer sei als die insgesamten vulkanischen CO2-Emissionen pro Jahr. 

Ebenso ist im Fünften Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC) von 2013/14 zu finden, dass die vulkanischen CO2-Emissionen mindestens 100 mal kleiner sind als die vom Menschen verursachten Emissionen (Seite 56). Somit lässt sich zusammengefasst sagen: Die vulkanischen Kohlenstoffdioxid-Emissionen sind nur ein Bruchteil der durch den Menschen verursachten CO2-Emissionen. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Bei einem Vulkanausbruch wird nur ein Bruchteil des CO2 ausgestoßen, welches durch den Menschen produziert wird.

Bewertung: teilweise falsch

Nein, durch die CO2-Steuer zahlt nicht jeder Pendler 1.000 Euro mehr im Jahr

Bildschirmfoto 2019-07-11 um 11.43.28
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Dieses Foto stammt von der Deutschen Presse-Agentur. Es wurde auch auf der Webseite der Schwäbischen Zeitung verwendet, unter Angabe der Quelle. (Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Auf Facebook wird ein Foto von Umweltministerin Svenja Schulze neben einem großen BMW verbreitet, um ihre Pläne für eine CO2-Steuer zu kritisieren. Diese koste jeden Berufspendler jährlich 1.000 Euro mehr. Das stimmt nicht. 

Die Facebook-Seite „Befreiter Blick“ veröffentlichte am 9. Juli ein Foto von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), das bisher mehr als 19.500 Mal geteilt wurde. Es zeigt Schulze beim Aussteigen aus einem großen Auto, einem BMW. Darüber schreibt „Befreiter Blick“: „Hier sehen wir unsere Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) mit Ihrem ‘Kleinwagen’. Sie wird dafür sorgen, dass demnächst jeder kleine Berufspendler ca. 1000€ zusätzliche CO2-Steuer im Jahr zahlen wird.“

Der Facebook-Beitrag wurde innerhalb kürzester Zeit tausendfach geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

Damit, dass Schulze mit einem großen Auto unterwegs ist, sollen ihre jüngst vorgestellten Pläne für eine Bepreisung von CO2 unglaubwürdig gemacht werden. CORRECTIV hat geprüft, ob die Behauptung, eine CO2-Steuer würde jeden Pendler 1.000 Euro im Jahr kosten, stimmt – und um was für ein Auto es sich auf dem Foto handelt. 

Pläne zur CO2-Steuer sind noch offen

Die eigentliche Behauptung von „Befreiter Blick“ bezieht sich auf die Anfang Juli vorgestellten Pläne von Schulze, eine CO2-Steuer einzuführen. Drei Gutachten hat das Bundesministerium dazu in Auftrag gegeben: vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dem Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung (IMK) und dem Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS). 

Vorweg: Die Aussage auf Facebook, Svenja Schule werde „dafür sorgen, dass demnächst jeder kleine Berufspendler ca. 1000€ zusätzliche CO2-Steuer im Jahr zahlen wird“ ist irreführend, weil sie andeutet, die Steuer sei beschlossene Sache. Das ist nicht so, wie wir in einem anderen Faktencheck bereits geschrieben haben: Die politische Diskussion ist noch nicht abgeschlossen.

So hat aktuellen Medienberichten vom Freitag, 12. Juli, zufolge, eine Gruppe Abgeordneter von CDU und CSU noch einen Alternativvorschlag vorgelegt, in dem sie für einen kombinierten CO2-Preis aus einem festen Sockelbetrag und einem variablen Marktpreis plädieren. Zudem legten am Freitag auch die sogenannten Wirtschaftsweisen ein eigenes Sondergutachten zur CO2-Steuer vor. Das Klimakabinett der Bundesregierung will sich den Berichten zufolge ab dem 18. Juli mit den verschiedenen Vorschlägen befassen, im September solle eine Entscheidung getroffen werden.   

Muss jeder Pendler 1000 Euro mehr pro Jahr zahlen?  

  Mit den folgenden Eckdaten der möglichen CO2-Steuer haben alle drei Gutachter ihre Modelle durchgerechnet: 35 Euro pro Tonne CO2 als Einstieg im Jahr 2020, dann eine lineare Erhöhung auf bis zu 180 Euro pro Tonne im Jahr 2030. 

Tabelle der Entwicklung des Preises pro Tonne CO2 laut dem Gutachten des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft. (Screenshot: CORRECTIV)

Focus berechnete Kosten für Pendler

Die wahrscheinliche Quelle für die Aussage, dass Berufspendler angeblich etwa 1.000 Euro mehr im Jahr zahlen müssten, ist ein Artikel des Focus vom 10. Juli. Er trägt den Titel „Fast 1000 Euro mehr pro Jahr: Das kostet Autofahrer die neue Luft-Steuer“. 

Focus rechnet darin ein konkretes Beispiel vor. Ausgehend von einem aktuellen Benzinpreis von 1,50 Euro würde ein Liter Benzin sich angeblich folgendermaßen verteuern:

  • ab 2020: 1,60 Euro (10 Cent)
  • ab 2025: 1,80 Euro (30 Cent)
  • ab 2030: 2 Euro (50 Cent)

Das würde am Ende eine Preissteigerung pro Liter Benzin von rund 33 Prozent bedeuten. Für Diesel, ausgehend von aktuell 1,30 Euro pro Liter, betrage die Preissteigerung ab 2030 57 Cent (rund 43,9 Prozent). Focus schreibt selbst, dass dabei Schwankungen im Ölpreis nicht mit einkalkuliert seien.

Wenn ein Berufspendler jeden Tag 50 Kilometer jeweils hin und zurück zur Arbeit fahre, und sein Auto im Schnitt acht Liter Benzin auf hundert Kilometern verbrauche, zahle er im Jahr 2.760 Euro, so Focus weiter. Mit der Preiserhöhung durch die CO2-Steuer seien es 2030 dann 3.680 Euro pro Jahr. Ein Plus von 920 Euro, also „fast 1.000 Euro“.

Nicht jeder Pendler entspricht diesen Daten

Wir haben die Annahmen des Focus zu den steigenden Spritpreisen anhand der Gutachten im Auftrag des Bundesumweltministeriums überprüft; sie sind plausibel. Das Gutachten des FÖS und das des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) berechnen die Preissteigerungen bis zum Jahr 2023 (80 Euro pro Tonne CO2). Übereinstimmend kommen sie dabei für Benzin für das Jahr 2020 auf eine Steigerung von rund 10 Cent pro Liter. Für 2023 sind es rund 22 Cent mehr. 

Auszug aus der Berechnung des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS). (Screenshot: CORRECTIV)

Eine weitere Quelle ist der Verein CO2-Abgabe; er berechnet auf seiner Webseite den Benzinpreis bis zur Stufe von 120 Euro pro Tonne CO2. Diese Stufe wäre ungefähr im Jahr 2026 erreicht. Dann würde dem Verein zufolge ein Liter Benzin rund 35 Cent mehr kosten. Auch das passt zu den Werten des Focus

Berechnung des Vereins CO2-Abgabe. (Screenshot: CORRECTIV)

Wichtig ist aber: Die Berechnung des Focus lässt sich nicht auf alle Pendler übertragen. Wenn „Befreiter Blick“ von 1.000 Euro mehr für „jeden kleinen Berufspendler“ spricht, ist das falsch. Denn nicht jeder Pendler fährt 50 Kilometer zur Arbeit und hat ein Auto, das acht Liter Benzin auf 100 Kilometern verbraucht.

Mögliche Entlastungen werden außer Acht gelassen

„Befreiter Blick“ berücksichtigt auch andere Faktoren einer möglichen CO2-Steuer nicht. Zum Beispiel, dass nicht nur die Spritpreise steigen würden, sondern auch die für Erdgas und Heizöl. Jeder Haushalt würde unterschiedlich stark belastet, je nachdem, wie viele Personen darin leben, wie hoch das Einkommen ist und wie viel konsumiert wird. Zudem enthalten alle Gutachten für eine CO2-Steuer einen sozialen Ausgleich, eine Rückzahlung an die Bürger, teilweise zusätzlich kombiniert mit einer Senkung der Stromsteuer oder der EEG-Umlage.

Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) zum Beispiel rechnet für alle Einkommensgruppen verschiedene Modelle durch, mit Rückzahlungen einer „Klimaprämie“ zwischen 80 und 100 Euro pro Kopf und Jahr. Gleichzeitig werden auch mögliche Entlastungen beim Strompreis berechnet. Jedes Modell unterscheidet sich vom anderen. Im Szenario einer „Klimaprämie“ von 100 Euro und einer gleichzeitigen Absenkung der Stromsteuer geht das FÖS zum Beispiel für das Jahr 2021 davon aus, dass nur hohe Einkommensgruppen zu Nettozahlern werden. 

Auszug aus dem FÖS-Bericht: Szenario einer Klimaprämie von 100 Euro in Kombination mit einer Absenkung der Stromsteuer. Es ist nur eines von vielen Szenarien, die berechnet wurden. (Screenshot: CORRECTIV)

Gutachter sehen stärkere Belastung für Pendlerhaushalte

Pendler stellen allerdings einen Sonderfall dar. Zwei der Gutachten enthalten deshalb Berechnungen für Pendlerhaushalte. Diese werden darin definiert als Haushalte, in denen mindestens eine Person mehr als 20 Kilometer täglich zur Arbeit fährt. „Pendlerhaushalte dürften von der CO2-Steuer stärker belastet werden und haben angesichts des lückenhaften öffentlichen Personenverkehrs in vielen Regionen ggf. keine Ausweichmöglichkeiten“, schreiben die Gutachter von der Hans-Böckler-Stiftung (S. 31). Und: „Durchschnittlich haben alle Pendlerhaushalte eine deutliche Nettobelastung, die zwischen 220 Euro und 560 Euro im Jahr 2030 liegen wird.“ (Seite 46)

Durchgerechnet werden in dem Gutachten drei Beispiele für Pendlerhaushalte: Paare mit und ohne Kinder und Singles, jeweils vom Land und in der Stadt. Darin wird deutlich, dass tatsächlich oft Mehrausgaben von mehr als 1.000 Euro pro Jahr anfallen. Doch das ist nicht die Summe, die sie am Ende netto mehr zahlen. Den höchsten Nettoeffekt erreicht eine Familie mit zwei Kindern, in der zwei Personen pendeln. Sie hätte im Jahr 2030 Mehrkosten von mehr als 1.700 Euro; netto wäre das eine Belastung von 616,20 Euro. 

Beispielrechnungen für Pendlerhaushalte von der Hans-Böckler-Stiftung. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Gutachten des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (Seite 14) kommt zu ganz ähnlichen Ergebnissen. Beide schlussfolgern, dass finanzielle Entlastungen für Pendler nötig seien. Kurzfristig könne dies zum Beispiel über eine Anhebung der Pendlerpauschale oder ein „Pendlergeld“ geschehen (PDF, Seite 52). „Die aktuelle Regelung einer Entfernungspauschale ist nur wenig geeignet, Haushalte mit geringen Einkommen zu entlasten“, schreibt die Hans-Böckler-Stiftung. „Viele – insbesondere Familien mit mehreren Kindern – zahlen keine Einkommensteuer und können durch die Entfernungspauschale nicht entlastet werden.“ Die Erhöhung des Pendlergeldes käme daher vor allem Haushalten mit höherem Einkommen zugute. 

Ein Pendlergeld oder „Mobilitätsgeld“ habe eine bessere Wirkung, sei aber „sehr kostspielig“ und komme deshalb nur als „Härtefallregelung“ für Menschen mit geringem Einkommen infrage (Seite 55). Langfristig seien diese Maßnahmen zudem nicht sinnvoll; um die gewünschte Lenkungswirkung zu erzielen, sollten stattdessen „klimafreundliche Verhaltensweisen“ gezielt gefördert werden. 

Auszug aus dem Fazit des Gutachtens der Hans-Böckler-Stiftung mit Bezug auf Pendler. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Dienstwagen auf dem Foto ist ein Hybrid-Fahrzeug

Zusätzlich haben wir den Hintergrund des Fotos geprüft, mit dem der Beitrag illustriert wurde. Die Urheberin ist die Deutsche Presse-Agentur; es stammt offenbar von der Webseite der Schwäbischen Zeitung, wo es mit Angabe der Quelle verwendet wurde. Auf unsere Nachfrage teilt die Pressesprecherin des Bundesumweltministeriums, Svenja Kleinschmidt, mit, bei dem BMW auf dem Foto handele sich sich um den Dienstwagen von Svenja Schulze, einen BMW 740e iPerformance in der Version von 2018. Das Fahrzeug ist also ein sogenannter Plug-In-Hybrid. Insgesamt bestehe die Flotte des Umweltministeriums aus 22 Fahrzeugen: zwei Elektrofahrzeugen, 18 Plug-In-Hybridfahrzeugen und zwei Diesel-Kleinbussen, so Kleinschmidt. 

Im Katalog von BMW (ab Seite 24) von Juli 2018 sind Abbildungen des Fahrzeugs zu sehen. Es ist plausibel, dass es sich um dasselbe Modell wie das auf dem Foto handelt.

Abbildungen für den BMW-Plug-In-Hybrid 740e iPerformance im Katalog von BMW. (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit

Die Aussage, Pendler würden 1.000 Euro mehr im Monat zahlen, bezieht sich auf einen Artikel des Focus. Darin wird jedoch nur ein ganz spezieller Fall eines Pendlers durchgerechnet, der sich nicht auf alle übertragen lässt. 

Gutachten im Auftrag des Bundesumweltministeriums stellen zwar klar, dass eine CO2-Steuer sich für Pendler ungünstig auswirken kann, insbesondere, wenn sie zu den unteren Einkommensgruppen gehören. Die Aussage, „jeder kleine Berufspendler“ würde 1.000 Euro mehr pro Jahr zahlen, lässt sich aber daraus nicht ableiten. Es werden zahlreiche mögliche finanzielle Entlastungen im Rahmen einer CO2-Steuer außer Acht gelassen. 

Bei dem Foto von Umweltministerin Svenja Schulze fehlt ebenfalls Kontext. Mit der Aufnahme soll ihre Motivation für die Einführung einer CO2-Steuer unglaubwürdig gemacht werden. Es handelt sich bei dem abgebildeten Auto um ihren Dienstwagen; einen Plug-In-Hybrid.

Update, 17. Juli 2019: Im Fazit hatten wir versehentlich einmal von 1000 Euro „pro Monat“ geschrieben. Wir haben den Fehler korrigiert. 

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Nicht jeder Pendler würde durch eine CO2-Steuer 1.000 Euro mehr pro Jahr zahlen, hier wird wichtiger Kontext weggelassen. Bei dem Dienstauto von Svenja Schulze handelt es sich um einen Plug-In-Hybrid.

Bewertung: größtenteils falsch

Diese „4 unglaublichen Klimafakten“ stimmen nur zum Teil

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von Katarina Huth

Auf Facebook wird eine Grafik mit vier Behauptungen zum Thema Klima verbreitet. Es geht um den Anteil verschiedener Länder an Emissionen sowie den Bau von Kern- und Kohlekraftwerken. Die Behauptungen sind größtenteils falsch.

Die Facebook-Seite „Wissen ist Macht“ veröffentlichte am 1. Juli 2019 eine Grafik, auf der vier Tatsachenbehauptungen zum Thema Klima in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund zu sehen sind. Sie wurde bisher mehr als 17.000 mal geteilt (Stand: 8. Juli 2019). Die Aussagen auf der Grafik wurden weder mit Quellen noch Belegen gestützt. Außerdem ist in roter Schrift und Großbuchstaben zu lesen: „Aber Deutschland will die Welt retten, indem es alles abschaltet, verbietet, versteuert und seine Schlüsselindustrie demontiert???“. Im Hintergrund der Grafik ist der Weltraum, ein Satellit und ein Teil der Erde zu sehen.

Es wird suggeriert, dass Deutschland so gut wie keine Beteiligung an den weltweiten Treibhausgas-Emissionen habe und eine umwelt- und klimafreundliche Politik zu Lasten der Bürgerinnen und Bürger falle, anstatt in ihrem Sinne zu sein. 

Der Beitrag auf der Facebook-Seite „Wissen ist Macht“ vom 1. Juli 2019. (Screenshot: CORRECTIV, 8. Juli 2019)

Mittlerweile hat die Facebook-Seite „Wissen ist Macht“ ihren Beitrag selbst korrigiert, indem die Graphik durch den Faktencheck der Deutschen Presse-Agentur im Beitragstext ergänzt wurde. Allerdings wird die unkorrigierte Graphik selbst nach wie vor geteilt und verbreitet. 

Das Prüfen der einzelnen Aussagen ergab folgendes Ergebnis:

Behauptung Nr. 1: „85 Prozent sämtlicher Emissionen werden von drei Ländern erzeugt: China, Indien und den USA.“

 Dies ist nicht korrekt. Laut dem Emissions Gap Report 2018 erzeugen die drei Länder China, Indien und USA zusammen einen Anteil von 47,1 Prozent an sämtlichen Treibhausgas-Emissionen weltweit. Dabei hat China einen Anteil von 27 Prozent, Indien von 7,1 Prozent und die USA von 13 Prozent (Seite 7 des Reports). Der Emissions Gap Report ist ein vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen regelmäßig herausgegebener Bericht zu den Themen Klimawandel und Treibhausgas-Ausstoß. 

Behauptung Nr. 2: „Die Anzahl der weltweit momentan im Bau befindlichen Kohlekraftwerke beträgt 1400.“

 Diese Aussage stimmt in etwa. In einer Pressemitteilung gab die Kohle-kritische Umweltorganisation Coalexit im Oktober 2018 an, dass derzeit 1380 neue Kohlekraftwerke in 59 Ländern in Planung sind oder gebaut werden. Das Umweltbundesamt kann diese Angabe weder bestätigen noch widerlegen, doch schätzt die Größenordnung der Zahl als korrekt ein, wie sie uns per Email mitteilten.

 Behauptung Nr.3: „Die Anzahl der weltweit momentan im Bau befindlichen Kernkraftwerke beträgt 147.“ 

 Diese Zahl stimmt nicht. Eine Übersicht der Internationalen Atomenergie-Organsiation IAEO zeigt, dass derzeit 54 Kernkraftwerke in 18 verschiedenen Ländern gebaut werden. Die IAEO ist eine autonome zwischenstaatliche Organisation, die regelmäßig an die Generalversammlung der Vereinten Nationen berichtet. Sie setzt sich ein für den sicheren und friedvollen Einsatz von Atomwissenschaft und -technologie und ist verpflichtet, den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen direkt anzurufen, wenn sie eine Gefährdung der internationalen Sicherheit feststellt.

Behauptung Nr. 4: „Der Anteil des von Deutschland ausgestoßen CO2 beträgt im Verhältnis zum Gesamtvorkommen des CO2 in der Luft 0,0004712 Prozent.“ 

Diese Zahl ist seit Jahren im Internet an mehreren Stellen zu finden – vor allem in Foren, Kommentarspalten oder persönlichen Blogs, in denen der menschengemachte Klimawandel als Schwindel dargestellt wird. Es ist korrekt, dass der Anteil von CO2 in der Erdatmosphäre sehr gering ist. Allerdings hat er großen Einfluss auf das Klima. Das durch den Menschen produzierte CO2 bringt zudem den natürlichen CO2-Haushalt der Erde aus dem Gleichgewicht und ist Hauptursache für den Klimawandel, wie im Fünften Sachbericht des UN-Klimarats (IPPC) deutlich wird (Seite 5). 

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Laut IPCC wird natürlich produziertes CO2 ausgeglichen, in dem es auf natürlichem Wege absorbiert wird. Das anthropogene CO2, das heißt, das CO2, das von Menschen produziert wird, kommt zusätzlich hinzu und kann nur zum Teil von der Natur aufgenommen werden. Im Sonderbericht des IPCC von 2018 wird dargestellt, dass die derzeitige Klimaerwärmung vorrangig anthropogen, also durch die vom Menschen produzierten Treibhausgase verursacht wird. Diese These unterstützen 97 Prozent der Klimaforscher, die sich mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen, wie eine Studie von wissenschaftlichen Aufsätzen zum Thema im Jahr 2013 ergab. Es macht demnach also Sinn, den Anteil Deutschlands an den anthropogenen CO2-Emissionen zu betrachten.

Deutschland stößt laut Bundesumweltamt rund 798 Millionen Tonnen (2017) CO2 jährlich aus und ist damit auf Platz 6 der Länder mit der größten CO2-Emission. 

Die Aussage, Deutschland beeinflusse nur einen geringen Teil des gesamten CO2-Gehalts in der Luft, ist zwar korrekt, es darf aber nicht der falsche Schluss gezogen werden, dass dieser Einfluss irrelevant wäre. Dies haben wir auch in einem anderen Faktencheck bereits gezeigt.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Zwei der drei Aussagen sind eindeutig nicht korrekt. Die letzte Aussage vermittelt einen falschen Eindruck.

Bewertung: unbelegt

Keine Belege, dass diese Mars-Verpackung jemals im Meer war

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Es gibt keine Belege dafür, dass diese Verpackung kürzlich an einen Strand gespült wurde. (Foto: Beach Guardian / Instagram; Collage: CORRECTIV)

von Hüdaverdi Güngör

In den sozialen Netzwerken kursieren Bilder einer angeblich mehr als 33 Jahre alten Verpackung eines Schokoriegels, welche kürzlich an einen Strand gespült worden sei. Sie zeigt zwar das Logo des Riegels aus den 80er Jahren, jedoch lässt sich nicht überprüfen, ob sie jemals im Meer war.

Die Facebook-Seite „Train Hard Vienna by Melissa“ veröffentlichte am 24. Juni eine Text-Bild-Collage. Auf dem Text über den Bildern ist zu lesen: „Wer bei dieser kürzlich am Strand angespülten Verpackung denkt, wir hätten kein Problem mit Plastik, sollte seine Lebenseinstellung überdenken! Abgelaufen am am 27.09.1986!! Bitte ganz oft teilen“ Auf den Bildern ist eine Verpackung der Schokoriegel-Marke„Mars“ zu sehen. Auch erkennt man das im Beitrag erwähnte Haltbarkeitsdatum und einen Strand im Hintergrund. Der Beitrag wurde über 13.000 Mal geteilt. Wir haben recherchiert, woher das Bild stammt. 

Der Beitrag wurde mehr als 13000 mal geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

Ist die Verpackung echt?

Wir haben die Fotos aus der Behauptung der MARS GmbH in Deutschland vorgelegt. Auf Nachfrage wollte MARS die Echtheit der Verpackung nicht bestätigen, weil die Fotos die Verpackung nur Ansatzweise zeigen würden. Trotzdem haben wir die Logos der Marke verglichen. Zumindestens wurde das Logo auf der Verpackung auch in den 80’er Jahren verwendet. Mittlerweile nutzt MARS ein anderes Logo. 

Oben: Das Logo aus der Behauptung, Screenshot: CORRECTIV. Mitte: Logo von Mars aus den 80’ern, Quelle: CNBC. Unten: Das aktuelle Logo des Schokoriegels, Quelle:Kirschblut  via Wikimedia Commons

Bild stammt von einer Umweltschutzorganisation

Wir haben die Bilder der Verpackung durch die Google-Bilder-Rückwärtssuche laufen lassen und haben die Urheberin des Fotos gefunden. Laut eines am 10. Mai von Cornwalllive veröffentlichten Artikels hat Emily Stevenson das Foto gemacht. Stevenson säubert regelmäßig mit ihrer Organisation Beach Guardian (deutsch: Strandwächter) verschiedene Strände. Ihre Funde präsentieren die Umweltschützer regelmäßig auf Facebook und Instagram. 

Auszug der Bilder auf dem Instagram-Account von Beach Guardian. (Screenshot: CORRECTIV)

Bereits am 9. Mai veröffentlichte die Organisation die Fotos der Schokoriegel-Verpackung auf ihrem Instagram-Account. Allerdings ohne den deutschen Text. Im Beitrag zu den Bildern schreibt die Organisation unter anderem: „I found this #MarsBar wrapper from 1986 on a beach in #NorthCornwall this week…“ (Deutsch: Ich habe diese Mars-Verpackung von 1986 diese Woche an einem Strand in North Cornwall gefunden)

Bereits am 9. Mai veröffentlichte Beach Guardian auf Instagram beide Fotos. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Verpackung wurde also an einem Strand in England gefunden. Die Organisation Beach Guardian konkretisiert in den Kommentaren die Umstände des Fundes: „We find old packaging on this beach all the time. This beach has some of the biggest sand dunes in Cornwall. When they break down, the packets come out!“ (Deutsch: „Wir finden an diesem Strand immer wieder alte Verpackungen. Dieser Strand hat einige der größten Sanddünen Cornwalls. Wenn sie zusammenbrechen, kommen die Verpackungen heraus!“) 

Auf Nachfrage eines Nutzers konkretisiert Beach Guardian die Umstände des Fundes. (Screenshot: CORRECTIV)

Keine Belege dafür, dass die Verpackung im Meer war

Anders als in der deutschen Behauptung wird jedoch nicht erwähnt, dass die Verpackung kürzlich aus dem Meer an den Strand gespült worden sei. Wir haben die Text-Bild-Collage Dr. Ulrike Braun von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung vorgelegt und um eine Einschätzung gebeten. In einer Mail an CORRECTIV schreibt Braun: „Eine Bewertung des Materials anhand eines Bildes ist natürlich aus wissenschaftlicher Sicht nicht möglich, insbesondere auch nicht deshalb, weil ich nicht weiß, welches Material eine Mars Verpackung ist. Persönlich halte ich es aber für unwahrscheinlich, dass die Verpackung über 20-30 Jahre einer Beanspruchung in der Umwelt, inklusive UV, Wasser und Wärme, ausgesetzt war.

Die vollständige Antwort von Dr. Ulrike Braun. (Screenshot: CORRECTIV)

Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe e.V. schreibt in einer Einschätzung für CORRECTIV: „Angenommen, die Verpackung und das Ablaufdatum sind echt, dann muss es zunächst für etwa 30 Jahre in einer sehr konservierenden Umgebung gelagert gewesen sein und erst kurz vor dem Foto an den Strand gelangt sein.“

Die vollständige Antwort von Philipp Sommer. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch ein Facebook-Nutzer stellt in den Kommentaren unter dem Instagram-Beitrag von Beach Guardian die Echtheit des Bildes infrage: „… all I am seeing here is a wrapper from 1986 & no proof of where it came from either…“ (Deutsch: „… alles, was ich sehe, ist eine Verpackung von 1986 und keinen Beweis dafür, woher sie kommt…“)

Ein Nutzer stellt die Echtheit des Fotos infrage. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Organisation verweist in ihrer Antwort auf ein Video, das den Fund zeigen soll. Auf dem Video (ab Minute 5:35) ist zu sehen, wie die Verpackung aus einem Gebüsch am Strand herausgeholt wird. Auch soll die Verpackung jahrelang unter dem Sand gelegen haben; sie sei erst durch die Erosion der Dünen zum Vorschein gekommen.

Anders als in der deutschen Text-Bild-Collage behaupten die Urheber der Fotos also nicht, dass die Verpackung kürzlich an den Strand gespült wurde. Tatsächlich wurde die Verpackung im Sand am Strand gefunden.

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Beach Guardian bestätigt fund im Sand

In einer Mail an CORRECTIV bestätigt Beach Guardian, dass die Verpackung nicht im Meer, sondern im Sand gefunden wurde und vermutet: „This Mars bar wrapper must have been dropped by someone having a picnic on a beach in 1985 or 1986. It would have blown into the sand dunes and was covered by sand where it could have stayed preserved probably in definitely…“ (Deutsch: „Diese Mars-Verpackung muss von jemandem fallen gelassen worden sein, der 1985 oder 1986 ein Picknick an dem Strand machte. Es könnte vom Wind in die Sanddünen geblasen worden sein und war mit Sand bedeckt, wo er wahrscheinlich in diesem Zustand erhalten blieb.“)

Die vollständige Stellungnahme von Beach Guardian. (Screenshot: CORRECTIV)

Kein Grund zur Entwarnung vor Plastik im Meer 

Trotzdem gibt der Fundort der Verpackung keine Entwarnung für die Gefahr von Plastik im Meer. Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe weist in seiner Antwort darauf hin, dass die Zersetzung von Plastikmüll im Meer Jahre bis Jahrzehnte dauern kann. 

Unsere Bewertung:
Keine Belege: Die Urheber des Fotos haben nie behauptet, dass die Verpackung an den Strand gespült wurde. Tatsächlich wurde sie im Sand einer Düne gefunden.