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Alice Echtermann

Faktencheckerin

Alice wurde Journalistin, weil sie alles genau wissen möchte. Deshalb prüft sie für den CORRECTIV-Faktencheck täglich Meldungen im Netz auf ihre Richtigkeit. Während ihres Volontariates beim Weser-Kurier in Bremen schrieb sie über Filterblasen-Effekte und Algorithmen. Später, als Onlineredakteurin, recherchierte sie, wie Facebook instrumentalisiert wird, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Für eine Reportage über ihren Heimat-Stadtteil in Bremen wurde sie 2019 mit dem Dritten Preis des Ralf-Dahrendorf-Preis für Lokaljournalismus ausgezeichnet.

E-Mail: alice.echtermann(at)correctiv.org
Twitter: @echt_alice

Youtube-Video von Roby Facchinetti
Der Sänger Roby Facchinetti möchte die Erlöse mit seinem Lied „inascerò, Rinascerai“ an ein Krankenhaus in Bergamo spenden. Er hat der Klinik aber nicht die Rechte daran übertragen. (Quelle: Youtube, Roby Facchinetti / Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

In einem Whatsapp-Kettenbrief wird ein Link zu einem Youtube-Video verbreitet und behauptet, mit jedem Klick werde Geld an ein Krankenhaus in Bergamo gespendet, denn der Sänger habe die Rechte an das Hospital übertragen. Das ist falsch. 

Derzeit kursiert in Messenger-Apps wie Whatsapp ein Text mit einem Youtube-Link und der Behauptung: „Dieses Lied ist von der berühmtesten Band Italiens der 70er Jahre. Sie haben die Urheberrechte an das Krankenhaus in Bergamo überschrieben. Jeder Klick auf das Video ist damit quasi eine Spende, da YouTube dem Inhaber Geld pro Klick bezahlt. Im Krankenhaus von Bergamo sind alleine gestern 800 Menschen gestorben. Bitte teilt das!“

Inzwischen hat das Video mit dem Lied „Rinascerò, Rinascerai“ des Sängers Roby Facchinetti mehr als sieben Millionen Aufrufe. Es wurde mit englischen Untertiteln und deutscher Video-Beschreibung am 27. März 2020 auf Youtube veröffentlicht und soll laut der Aussage von Facchinetti der Hilfe für den Kampf gegen Covid-19 dienen. Wer es anklickt, spendet aber nicht automatisch an ein Krankenhaus in Bergamo. Die Aussage, jeder Klick käme direkt einer Spende an das Krankenhaus gleich, ist falsch.

Zwar ist dem Video Werbung vorgeschaltet, mit der Facchinetti ebenfalls Geld über Youtube verdient. Dieses Geld ist jedoch offenbar nicht primär gemeint mit der Unterstützung des Krankenhauses. Facchinetti schreibt in der Beschreibung des Videos und auf seiner Webseite, wie er helfen will: „Alle Einnahmen aus Downloads, Urheberrechten und Redaktionsrechten (Facchinetti / D’Orazio) werden vollständig gespendet zugunsten des Papa Giovanni XXIII Krankenhauses in Bergamo für den Kauf von medizinischen Geräten.“ 

Aus dieser Formulierung wird klar, dass der Sänger die Urheberrechte nicht auf das Krankenhaus übertragen hat – er besitzt sie weiterhin selbst. Für den Fall, dass jemand direkt an die Klinik in Bergamo spenden möchte, gibt Facchinetti die Bankverbindung des Krankenhauses an. 

Webseite von Roby Facchinetti
Hinweis auf der Webseite des Sängers Roby Facchinetti (Screenshot: CORRECTIV)

Auf seiner Webseite weist der Sänger außerdem seit dem 27. März darauf hin, dass die Informationen, die per Whatsapp verschickt werden, falsch seien. Klicks auf das Video seien keine Spenden. Der einzige Weg der Hilfe sei der Download des Liedes über einen Link, den er zur Verfügung stelle.

Auch die Aussage aus der Whatsapp-Nachricht, allein in Bergamo seien 800 Menschen an einem Tag gestorben, ist irreführend. Zwar meldete Italien teilweise 800 bis 900 Todesfälle pro Tag, diese Zahlen bezogen sich aber auf das ganze Land, nicht nur auf Bergamo. Aus den Zahlen des italienischen Gesundheitsministeriums geht hervor, dass Menschen in Italien insgesamt nicht nur in der Lombardei (wo Bergamo liegt) sterben, sondern auch in anderen Regionen. Über die hohen täglichen Todeszahlen berichteten auch Medien, zum Beispiel die BBC oder das ZDF

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Klicks auf das Video helfen dem Krankenhaus in Bergamo nicht direkt. Der Sänger möchte vielmehr die Erlöse durch den Song spenden. 

Coronavirus
Es gibt keine geheime Vorhersage zur aktuellen Coronavirus-Pandemie. (Symbolbild: picture alliance / ZUMAPRESS)

von Alice Echtermann

Ein Artikel von „MZW-News“ behauptet, das Coronavirus sei absichtlich freigesetzt worden, um die Wirtschaft zu schwächen – und die Bundeskanzlerin habe dies seit 2013 gewusst. Das ist falsch.

Ein Artikel von MZW-News verbreitet unter der Überschrift „Was Angela Merkel den Deutschen verschweigt“ aktuell Spekulationen über den Ausbruch des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2. Er sei angeblich geplant gewesen, um die schwächelnde Wirtschaft in den Abgrund zu treiben – und Angela Merkel habe davon seit 2013 gewusst. 

Als angeblichen Beleg zieht der Artikel eine Bundesdrucksache aus dem Jahr 2013 heran. Darin sei angeblich der Ablauf der aktuellen Pandemie ganz genau beschrieben. Der Artikel wurde laut dem Analysetool Crowdtangle bereits mehr als 6.900 Mal auf Facebook geteilt. Die Behauptungen darin sind falsch.

Die Webseite MZW-News verbreitet sonst unter anderem antisemitische und den Nationalsozialismus verharmlosende Beiträge.  

Artikel vom MZW-News
Auszug aus dem Artikel von MZW-News vom 22. März. (Screenshot: CORRECTIV)

Bei der zitierten Drucksache handelt es sich um den „Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012“, der 2013 dem Bundestag vorgelegt wurde. Wie CORRECTIV bereits in einem anderen Faktencheck recherchiert hat, handelte es sich dabei nicht um einen „Geheimplan“ oder eine Vorhersage der aktuellen Pandemie. Sondern um eine Analyse einer hypothetischen Pandemie mit einem ausgedachten Virus namens „Modi-SARS“. 

Der öffentlich zugängliche Bericht stammt vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und sollte der besseren Prävention einer Virus-Pandemie dienen.

Der hypothetische Erreger „Modi-SARS“ war eng an das SARS-Virus angelehnt, das im Februar 2003 erstmals identifiziert wurde. Das aktuelle Coronavirus SARS-CoV-2 ist ebenfalls eng mit diesem alten Virus verwandt. 

Es war keine Vorhersage

Wie uns eine Sprecherin des BBK per E-Mail mitteilte, dienen solche Risikoanalysen der Vorbereitung auf Gefahren. Das Bundesamt hat seit 2012 mehrere Analysen veröffentlicht, beispielsweise zu einem Wintersturm (2013), einer Sturmflut (2014) und einer Dürre (2018). Alle Analysen sind auf der Webseite des BBK abrufbar.

Das RKI bestätigt auf Anfrage von CORRECTIV per E-Mail: „Bei dem damaligen Szenario Modi-SARS handelte es sich NICHT um eine Vorhersage der Entwicklung und der Auswirkungen eines pandemischen Geschehens, sondern um ein Maximalszenario ausgelöst durch einen fiktiven Erreger, um das theoretisch denkbare Schadensausmaß einer Mensch-zu-Mensch übertragbaren Erkrankung mit einem hochvirulenten Erreger zu illustrieren und die hiervon betroffenen Bereiche zu sensibilisieren.“

Risikoanalyse unterscheidet sich auch von der aktuellen Pandemie

Der Risikobericht 2012 war also ein solches theoretisches Szenario. Tatsächlich wurde darin angenommen, dass sich das Virus „Modi-SARS“ von Asien her ausbreitet (Seite 58 bis 60). Er weist aber in einigen Punkten auch große Unterschiede zu der aktuellen Pandemie mit SARS-CoV-2 auf. 

So nahmen die Autoren in der Risikoanalyse an, dass alle Altersgruppen gleich betroffen wären (Seite 58). Zudem ging sie davon aus, dass zehn Prozent der Erkrankten sterben würden (Seite 64). Bei der aktuellen Covid-19-Pandemie zählen ältere Personen (ab etwa 50 bis 60 Jahren) nach Angaben des RKI zur Risikogruppe für schwere Verläufe (unter Punkt 2). Sie sind also stärker betroffen als jüngere Menschen. 

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Über die Letalität – also den Anteil der Verstorbenen an den Erkrankten – gibt es laut Robert-Koch-Institut noch keine verlässlichen Daten (unter Punkt 8), weil nicht klar ist, wie viele Menschen momentan insgesamt erkrankt sind. Zum Anteil der Verstorbenen an den bisher erfassten Erkrankten liefern Studien sehr unterschiedliche Zahlen, je nach Region, schreibt das Institut. Alle Angaben liegen jedoch deutlich unter den hypothetischen zehn Prozent der Risikoanalyse aus dem Jahr 2012.

Auch für in dem Artikel von MZW-News verbreitete Behauptung, das Coronavirus stamme aus einem Labor in Wuhan gibt es übrigens keinerlei Belege. Eine große Gruppe von Wissenschaftlern – darunter auch der deutsche Virologe Christian Drosten – hat jedoch bereits am 19. Februar im Journal The Lancet ein Statement veröffentlicht und darin betont, die „Verschwörungstheorien“, dass das Virus keinen natürlichen Ursprung habe, seien haltlos. Sie würden nur Angst, Gerüchte und Vorurteile schüren: „Wissenschaftler aus mehreren Ländern haben das Genom des Virus SARS-CoV-2 analysiert und veröffentlicht, und sie kommen mit überwältigender Mehrheit zu dem Schluss, dass dieses Coronavirus seinen Ursprung in der Natur hat, wie so viele andere Erreger.“

Hinweis: Kurz vor Veröffentlichung dieses Artikels wurde der Text von MZW-News verändert und ergänzt um Aussagen des Mediziners Sucharit Bhakdi. Diese wurden bereits von den Faktencheckern der DPA entkräftet. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Angela Merkel wusste 2013 nichts von der aktuellen Coronavirus-Pandemie. 

Screenshot des Videos
„Teilt dieses Video in Deutschland“, fordert die Frau und behauptet, selbst in Italien zu sein. (Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

In einem Video gibt eine Frau, die selbst sagt, sie sei in Italien, Anweisungen an Menschen in Deutschland, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Manche Hinweise sind sinnvoll, sie werden jedoch vermischt mit teils irreführenden Tipps. 

Die blonde Frau trägt eine Schutzmaske um den Hals und filmt sich selbst: „Ich mach jetzt das Video, weil wir haben jetzt hier in Italien ein totes Kind von vier Monaten“, sagt sie aufgeregt. Sie wolle ja keine Panik verbreiten, aber: „Die sterben hier wie die Fliegen.“ Das Video wird laut Hinweisen, die Leser CORRECTIV gesandt haben, aktuell auf Whatsapp verbreitet. Auf Facebook wurde es bereits mehr als 22.000 Mal geteilt. 

Die unbekannte Frau fordert Menschen auf, starke Desinfektionsmittel zu kaufen, Kleinkinder zu Hause zu lassen und aufzuhören, Toilettenpapier zu hamstern. Das ist nicht falsch. Sie gibt in dem Video aber auch einige konkrete Handlungsanweisungen mit alarmierenden Behauptungen über das Coronavirus. Am Schluss fordert sie: „Ich möchte, dass ihr das Video jetzt teilt, so weit wie es geht innerhalb Deutschlands.“

CORRECTIV hat die Behauptungen der Frau über das Virus überprüft: Sie sind überspitzt, teilweise unbelegt oder irreführend. 

1. Behauptung: Kleidung und Schuhe sollte man draußen ausziehen und sofort waschen – mit Wäschedesinfektionsmittel.

Wäschedesinfektionsmittel schadet zwar vielleicht nicht, ist aber nicht nötig. Wie uns das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) per E-Mail mitgeteilt hat, sind Coronaviren von einer Fettschicht (Lipidschicht) umhüllt, deshalb reagieren sie empfindlich auf fettlösende Substanzen, die in Waschmitteln enthalten sind. „Im normalen Alltag können Personen in Privathaushalten ihre Wäsche wie gewohnt waschen.“ 

Für den Umgang mit Textilien im Falle einer Erkrankung rät das BfR: „Kleidung, Bettwäsche, Unterwäsche, Handtücher, Waschlappen von Erkrankten sowie Textilien, die mit infektiösen Körperflüssigkeiten in Kontakt gekommen sind, sollten bei einer Temperatur von mindestens 60°C in der Waschmaschine mit einem Vollwaschmittel gewaschen und gründlich getrocknet werden. Beim Umgang mit Wäsche von Erkrankten sollte der direkte Kontakt von Haut und Kleidung mit kontaminierten Materialien vermieden werden, die Wäsche nicht geschüttelt und im Anschluss die Hände gründlich gewaschen werden.“

2. Behauptung: Das Virus haftet bis zu neun Stunden am Boden.

Diese Aussage ist unbelegt. Es ist noch unklar, wie lange das neuartige Coronavirus auf Oberflächen überleben kann. Das BfR informiert auf seiner Webseite, die Stabilität des Virus hänge ab von Umweltfaktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und der Beschaffenheit der Oberfläche. „Im Allgemeinen sind humane Coronaviren nicht besonders stabil auf trockenen Oberflächen. In der Regel erfolgt die Inaktivierung in getrocknetem Zustand innerhalb von Stunden bis einigen Tagen.“ 

Für SARS-CoV-2 zeigten erste Laboruntersuchungen, dass es „nach starker Kontamination bis zu drei Stunden als Aerosol, bis zu vier Stunden auf Kupferoberflächen, bis zu 24 Stunden auf Karton und bis zu zwei bis drei Tage auf Edelstahl und Plastik infektiös bleiben kann“. Von Fußböden ist nicht die Rede. Die Studie ist zudem noch nicht durch ein Peer-Review-Verfahren, also durch andere Wissenschaftler, überprüft worden.

3. Behauptung: Das Virus wird auch über den Wind übertragen. Deshalb sollte man nie ohne Schutzmaske und Sonnenbrille aus dem Haus gehen.

Diese Aussage erweckt den falschen Eindruck, dass es vor allem gefährlich sei, sich draußen aufzuhalten. Wie der Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast mehrfach erklärt hat, besteht jedoch eine größere Ansteckungsgefahr mit infizierten Personen in geschlossenen Räumen. 

Wenn jemand huste oder niese, würden feine Tröpfchen in der Luft stehen, erklärt Drosten. Die Reichweite betrage etwa zwei Meter. Die „kleine Virus-Wolke in der Luft“ falle in etwa fünf Minuten zu Boden. „Und wenn man durch diese Wolke in diesen fünf Minuten durchläuft und die eingeatmet hat, dann wird man sich mit einiger Wahrscheinlichkeit infizieren.“ (Podcast vom 27. Februar)

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Die Situation in geschlossenen Räumen spiele deshalb eine größere Rolle, weil sich draußen das, was man ausatme, stark verdünne „und es verdünnt sich dann natürlich auch das Virus. Außerdem hat man ja fast immer ein kleines bisschen Wind.“ (Podcast vom 23. März) Sich im Freien anzustecken ist deshalb laut Christian Drosten eher unwahrscheinlich: „Das ist nicht so, dass man sich beim Spazierengehen infiziert, wenn man sich begegnet. Das ist nicht so, dass da draußen jetzt irgendwo Virus in entscheidender Konzentration in der Luft steht.“ (Podcast vom 13. März)

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt uns: „Eine Übertragung durch die Luft ohne Tröpfchen ist nach dem derzeitigen Stand des Wissens unwahrscheinlich.“ 

Laut WHO sollte man eine Schutzmaske vor allem dann tragen, wenn man selbst hustet oder niest. Die Tröpfcheninfektion ist laut Robert-Koch-Institut der häufigste Übertragungsweg des Virus. Theoretisch sei auch eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Brillen zu tragen ist also nicht falsch. Wie Masken sind sie aber völlig nutzlos, wenn man sich nicht regelmäßig die Hände wäscht. 

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Die Aussagen sind stark zugespitzt. Die Behauptungen über den Verbreitungsweg und die Lebensdauer des Virus sind irreführend oder unbelegt. 

Beatmungsgerät im Krankenhaus
In der Sprachnachricht wird behauptet, nur junge Menschen hätten weltweit einen Anspruch auf einen Beatmungsplatz. Das ist falsch. (Symbolbild: Roland Weihrauch / dpa)

von Alice Echtermann

In einer Sprachnachricht werden mehrere falsche Behauptungen über das Coronavirus verbreitet: Es sei nicht natürlichen Ursprungs, Vitamin-D-Mangel und 5G-Mobilfunkstrahlen wären Schuld an schweren Erkrankungen und sehr alte Patienten würden gemäß „weltweiter Regeln“ nicht mehr behandelt. Das alles ist falsch. 

In einer mehr als elf Minuten langen Sprachnachricht berichtet eine unbekannte Frau einer angeblichen Bekannten namens „Claudi“ von ihren Erkenntnissen über das Coronavirus, die sie bei ihrer Arbeit in einer alternativmedizinischen Zahnklinik in der Schweiz gewonnen habe. Die Frau bittet darum, den Blog der Klinik, „swiss-biohealth.com“, zu lesen und stellt zahlreiche falsche Behauptungen über SARS-CoV-2 auf. 

Auf der Webseite von Swiss Biohealth steht dieser Hinweis dazu: „Derzeit kursieren Fake-News in Form einer Sprachnachricht, welche angeblich in unserem Namen verbreitet werden oder unsere Meinung widerspiegeln sollen. Wir distanzieren uns von allen News, welche subjektive Meinungen im Zusammenhang mit der Swiss Biohealth AG oder SDS Swiss Dental Solutions AG zum Inhalt haben.“  

CORRECTIV hat die Behauptungen der Frau einzeln überprüft. 

1. Behauptung: Alle schwerkranken Covid-19-Patienten hatten Vitamin-D-Mangel. Man sollte hohe Dosen Vitamin D und Vitamin C zu sich nehmen. 

Die Frau behauptet, eine Behandlung mit Vitamin D, Vitamin C und Kortison würde „das Immunsystem hochziehen“, so dass eine Chance bestehe, die Infektion mit dem Coronavirus zu überleben. Deshalb sollten alle Vitamin D zu sich nehmen, und zwar „mindestens die dreifache empfohlene Tagesdosis“. 

Diese Hinweise sind irreführend und vermitteln falsche Hoffnungen. 

Wir konnten bei unserer Recherche keinerlei zuverlässige Quellen finden für die Behauptung, alle schwerkranken Covid-19-Patienten hätten einen Vitamin-D-Mangel gehabt. Auf unsere Anfrage schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) per E-Mail, auch dort habe man keine Kenntnis darüber. „Da SARS-CoV-2 erst seit kurzer Zeit bekannt ist, gibt es keine Studien, die untersucht haben, ob eine Vitamin-D-Supplementierung vor einer Infektion mit diesem Virus schützt. Fallberichte weisen darauf hin, dass die chronisch sehr hohe Einnahme von Vitamin-D über Präparate ohne ärztliche Kontrolle gesundheitliche Risiken bergen kann.“

Ein möglicher Hintergrund der Behauptung könnte ein am 25. März veröffentlichtes Papier zweier Wissenschaftler von der Universität Turin sein, die darauf hinweisen, dass Vitamin D möglicherweise zur Prävention von Covid-19 hilfreich sein könnte. Es handelt sich jedoch nicht um eine Studie, und es geht um Vorbeugung, nicht um die Behandlung der Krankheit. Ältere Forschungsarbeiten, die die WHO 2017 analysiert hat legen nahe, dass eine gute Versorgung mit Vitamin D bei Kindern und Jugendlichen das Risiko von Atemwegserkrankungen verringern kann. Die WHO weist jedoch darauf hin, dass regelmäßige kleine Dosen wirksamer und sicherer seien als einzelne hohe Dosen.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) ist Vitamin-D-Mangel in Deutschland recht verbreitet: 45,6 Prozent der Kinder und 56 Prozent der Erwachsenen seien nicht ausreichend damit versorgt (Stand: Januar 2019). Vor allem in den Wintermonaten, da 80 bis 90 Prozent des Vitamin D in der Haut gebildet werden, wenn sie der Sonne ausgesetzt ist. Das heißt aber nicht, dass Menschen wegen dieses Mangels an Covid-19 erkranken. Wir haben zudem bereits in einem anderen Faktencheck recherchiert, dass es auch keine Belege dafür gibt, dass Vitamin C Viren abtöten kann. 

Es gibt laut WHO bisher weder ein Heilmittel noch eine Impfung gegen das Coronavirus. Auch wenn Vitamine grundsätzlich helfen, das menschliche Immunsystem zu stärken, sollte man nicht zu viel davon einnehmen. Die Verbraucherzentrale warnt aktuell auf ihrer Webseite davor, zu hohe Dosen Vitamin D zu sich zu nehmen. „Es gibt keine Nahrungsergänzungsmittel, die eine Erkrankung mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) verhindern können. Nahrungsergänzungsmittel dienen auch nicht der Behandlung von Erkrankungen.“ 

Hinweis der Verbraucherzentrale
Warnung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen vor der Einnahme von zu viel Vitamin D. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät dazu, nicht mehr als 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag zu sich zu nehmen. Die Obergrenze von 100 Mikrogramm pro Tag sollte nicht überschritten werden, sonst könnten Nebenwirkungen wie die Bildung von Nierensteinen oder Nierenverkalkung auftreten. 

2. Behauptung: Kinder sind „außen vor“, weil die Rezeptoren, bei denen die Viren ansetzen, noch nicht entwickelt sind. 

Die Andeutung, dass Jugendliche oder Kinder nicht gefährdet seien, ist falsch. Richtig ist nach aktuellem Stand allerdings, dass Kinder offenbar seltener an Covid-19 erkranken. Es gibt bisher keine Belege, dass der Grund dafür nicht entwickelte Rezeptoren sind. 

Das RKI schreibt: „Bisherigen Daten zufolge ist die Symptomatik von Covid-19 bei Kindern deutlich geringer ausgeprägt ist als bei Erwachsenen. Zum tatsächlichen Beitrag von Kindern und Jugendlichen an der Transmission in der Bevölkerung liegen keine Daten vor. Aufgrund der hohen Kontagiosität des Virus und dem engen Kontakt zwischen Kindern und Jugendlichen untereinander erscheint es jedoch plausibel, dass Transmissionen stattfinden.“ 

In einer Pressekonferenz am 26. März sagte Lothar Wieler, Präsident des RKI: „An Covid-19 können alle Menschen in Deutschland erkranken, unabhängig vom Alter und unabhängig vom Gesundheitszustand […].“ Auch jüngere und gesunde Menschen könnten sehr schwer erkranken oder sterben, betonte er (ab Minute 7:50). 

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Wissenschaftler haben in einer kürzlich veröffentlichten, noch nicht abschließend bewerteten Untersuchung von 391 SARS-CoV-2-Fällen in Shenzhen (China) herausgefunden, dass die Wahrscheinlichkeit einer Infektion bei Kindern genauso hoch sei wie bei Erwachsenen. Und eine Auswertung von Fällen in China im Journal Pediatrics kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass Kinder auch erkranken können: „Obwohl klinische Manifestationen der Covid-19-Fälle bei Kindern generell weniger schwer waren als bei erwachsenen Patienten, waren junge Kinder, insbesondere Kleinkinder, anfällig für eine Infektion.“

Warum Kinder seltener schwer erkranken, ist unklar. Einer der Gründe könnte sein, dass sie weniger ACE2-Rezeptoren in ihren unteren Atemwegen haben, vermutet James Diaz, Professor an der New Orleans School of Public Health, laut einem Artikel von Science Daily. Es gibt aber auch laut Medienberichten noch andere mögliche Erklärungen, zum Beispiel, dass Kinder häufiger anderen Arten von Coronaviren ausgesetzt sind, oder dass ihr Immunsystem bei einer Infektion nicht so leicht überreagiert. 

3. Behauptung: Das aktuelle Coronavirus ist eine Mutation, die nicht natürlich entstanden sein kann. 

Für diese Spekulation gibt es keinen Beleg. Die Frau in der Sprachnachricht behauptet, das RKI habe diese „unnatürliche Mutation“ bestätigt – im RKI-Steckbrief zu SARS-CoV-2 steht jedoch nichts davon

Eine große Gruppe von Wissenschaftlern – darunter auch der deutsche Virologe Christian Drosten – hat jedoch bereits am 19. Februar im Journal The Lancet ein Statement veröffentlicht und darin betont, die „Verschwörungstheorien“, dass das Virus keinen natürlichen Ursprung habe, seien haltlos. Sie würden nur Angst, Gerüchte und Vorurteile schüren. 

„Wissenschaftler aus mehreren Ländern haben das Genom des Virus SARS-CoV-2 analysiert und veröffentlicht, und sie kommen mit überwältigender Mehrheit zu dem Schluss, dass dieses Coronavirus seinen Ursprung in der Natur hat, wie so viele andere Erreger“, heißt es in dem Artikel von The Lancet. Die Wissenschaftler nennen als Quellen mehrere Studien und fordern auch dazu auf, Unterstützung für ihr Statement durch eine Online-Unterschrift zu bekunden. Die Petition wurde bereits mehr als 18.600 Mal unterschrieben.  

Auch das Robert Koch Institut antwortete auf unsere Anfrage per E-Mail, es liege „keinerlei Evidenz“ vor, dass das Virus eine unnatürliche Mutation sei. „Aufgrund der bisherigen Datenlage vermutet man, dass SARS-CoV-2 aus einem Fledermaus-Coronavirus hervorgegangen ist.“

4. Behauptung: Das Virus ist nicht wärmeempfindlich, deshalb werden die Infektionen im Frühjahr und Sommer nicht abnehmen. 

Wenn man die „Temperaturempfindlichkeit“ nur auf das Wetter bezieht, stimmt die Behauptung im Wesentlichen überein mit Prognosen von Experten: Wärmeres Wetter allein wird das Virus vermutlich nicht aufhalten. 

Professor Marc Lipsitch vom Center for Communicable Disease Dynamics (Harvard T.H. Chan School of Public Health), schrieb in einem Artikel: „Die kurze Antwort ist, dass wir eine moderate Verringerung der Ansteckungsrate von SARS-CoV-2 bei wärmerem, feuchterem Wetter erwarten können […].“ Man könne jedoch nicht davon ausgehen, dass diese allein die Ausbreitung stoppt. Denn das Virus sei neu und es gebe keine Immunität in der Bevölkerung. 

Die WHO hat ebenfalls bereits darauf hingewiesen, dass sich das Coronavirus grundsätzlich auch in heißem, feuchtem Klima ausbreiten kann. 

Das heißt aber nicht, dass das Wetter gar keine Rolle spielt. So sagte der Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast (Folge 4 am 2. März, Transkript zum Download), das wärmere Wetter werde wahrscheinlich helfen, die Krankheit zu bekämpfen. „Die Fälle werden sich vermehren, aber die zunehmende Trockenheit und die UV-Strahlung werden mit großer Wahrscheinlichkeit die Übertragungsereignisse verringern.“

Auf Nachfrage schrieb uns eine Sprecherin des Robert Koch Instituts: „Man kann noch nichts zur möglichen Saisonalität von Covid-19 sagen. Allgemein hat Saisonalität von Viren aber nicht ausschließlich etwas mit der Stabilität der Viren zu tun.“ Es geht also nicht nur um die Temperatur. Bei Grippeviren zum Beispiel vermute man, dass die Schleimhäute der oberen Atemwege anfälliger seien bei trockener Luft, und das Immunsystem im Winter weniger stark sei als im Sommer. „Ein weiterer Faktor könnte auch sein, dass man sich im Winter längere Zeit zusammen mit anderen Menschen in weniger belüfteten Räumen aufhält und dadurch eine Ansteckung wahrscheinlicher ist.“

5. Behauptung: Patienten werden nach ihren Überlebenschancen in drei Gruppen aufgeteilt, nur jüngere Menschen werden beatmet. Diese Regelung („Triage“) gilt weltweit. 

Die Frau behauptet, gemäß der „Triage“ würden die ältesten Patienten „auf die Seite gelegt zum Sterben“ und gar nicht behandelt. Die zweite Gruppe, ältere Menschen mit guter Verfassung, würden zwar behandelt, aber nicht beatmet. Nur die dritte Gruppe der jüngeren Menschen werde zugelassen für einen Beatmungsplatz. Die Frau unterstellt, dass diese dritte Gruppe die „Leistungsträger der Gesellschaft“ seien und man sie deshalb retten wolle.

Diese Darstellung ist falsch. 

Der Begriff „Triage“ stammt aus der Katastrophenmedizin; er bezeichnet die Einteilung von Patienten in Gruppen, wenn viele Menschen zeitgleich behandelt werden müssen und es nur begrenzte Möglichkeiten gibt. Weltweit gibt es hier laut Ärzteblatt verschiedene Systeme, mit drei, vier oder fünf Stufen beziehungsweise Patientengruppen.  

Wir haben die aktuelle Situation in Deutschland recherchiert. In einer Pressekonferenz am 26. März sagte Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, noch sei es in Deutschland nicht so weit, dass solche Entscheidungen getroffen werden müssen (ab Minute 53:30). 

Das Land bereitet sich jedoch auf diesen Fall vor. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete kürzlich, sieben medizinische Fachgesellschaften hätten ein Papier veröffentlicht, das Handlungsempfehlungen für den Notfall enthält. Darin steht: „Wenn die Ressourcen nicht ausreichen, muss unausweichlich entschieden werden, welche intensivpflichtigen Patienten akut-/intensivmedizinisch behandelt und welche nicht (oder nicht mehr) akut-/intensivmedizinisch behandelt werden sollen.“ Dann müsse „analog der Triage in der Katastrophenmedizin“ entschieden werden, bei wem die Behandlung die beste Erfolgsaussichten habe. 

Eine Einteilung aufgrund des „kalendarischen Alters oder sozialer Kriterien“ schließen die Autoren aber kategorisch aus. Zudem betonen sie, dass es sich um Empfehlungen handele, die nicht juristisch geprüft wurden. 

Triage für Deutschland
Auszug aus dem Papier mit Handlungsempfehlungen im Notfall, das die FAZ exklusiv veröffentlicht hat. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin gehört ebenfalls zu den Organisationen, die das Papier verfasst haben, In der Pressekonferenz am 26. März sagte Uwe Janssens, es sei als Vorbereitung zu verstehen – und das Alter sei ganz bewusst nicht das alleinige Entscheidungskriterium. Niemand in Deutschland müsse Angst haben, dass Entscheidungen mit „Daumen rauf oder Daumen runter“ gefällt würden (ab Minute 53:30). 

6. Behauptung: Mobilfunkstrahlen (5G) schwächen das Immunsystem. 

Die Frau stützt ihre Aussage darauf, dass es angeblich überall, wo SARS-CoV-2 stark ausgebrochen sei, den neuen Mobilfunkstandard 5G gebe. „Man weiß, dass Wlan und Elektrosmog vom Handy, Funkwellen, alles was über 3G hinausgeht, immens das Immunsystem nach unten fährt“, behauptet sie.

Das ist falsch. Wie uns das Bundesamt für Strahlenschutz bereits für einen früheren Faktencheck mitteilte, können alle Mobilfunksendeanlagen (also von 2G bis 5G) „höchstens eine geringfügige, nicht wahrnehmbare Erwärmung verursachen, die sich vor allem auf die Körperoberfläche beschränkt“. Die geltenden Grenzwerte für Strahlung seien bereits von dieser Wärmewirkung abgeleitet: „Eine messbare Erhöhung der Körperkerntemperatur infolge der Felder von Mobilfunksendeanlagen ist nicht zu erwarten.“ 

Eine negative Wirkung elektromagnetischer Felder auf das Immunsystem sei zudem nicht wissenschaftlich nachgewiesen, ebensowenig wie bei Wlan, schreibt uns das Bundesamt per E-Mail. Es gebe es eine Reihe von Studien aus Frankreich und Italien zu diesem Thema: „Ein negativer Einfluss wurde nicht gefunden.“

Update, 31. März 2020: Wir haben einen Hinweis auf ein Papier italienischer Forscher und ältere Studien zum Thema Vitamin D ergänzt. Zudem haben wir zwei Antworten des Robert-Koch-Instituts auf unsere Presseanfrage eingefügt. 

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Die Sprachnachricht enthält fast ausschließlich falsche Informationen zum Coronavirus. 

Schutzmaske gegen Coronavirus
Italien hat Masken in der Türkei gekauft – doch die Lieferung wurde zwei Wochen lang blockiert. (Symbolbild: Pixabay / Orna Wachman) 

von Alice Echtermann

Ein Facebook-Nutzer behauptet, die Türkei habe Italien in der Corona-Krise geholfen, aber niemand würde darüber berichten. Die italienische Luftwaffe habe 200.000 Masken und medizinische Geräte in der Türkei abgeholt. Diese Darstellung ist irreführend, weil Kontext fehlt.

In einem Facebook-Post am 22. März behauptet ein Nutzer, die italienische Luftwaffe habe 200.000 Masken, Corona-Testkits, Beatmungsgeräte und anderes medizinisches Material in der Türkei abgeholt. „Die Türkei hat geholfen und keiner will es wissen! Was für eine traurige Welt unsere Medien uns verkaufen!“, schreibt er. Der Beitrag wurde bereits mehr als 7.900 Mal geteilt. 

Der Nutzer lässt hier jedoch relevanten Kontext weg, wodurch ein falscher Eindruck entsteht. 

Facebook-Beitrag über die Türkei
Der Facebook-Beitrag vom 22. März. (Screenshot am 24. März: CORRECTIV)

Laut einem Bericht der italienischen Zeitung Corriere vom 19. März hatte die Türkei den Export von 200.000 Masken nach Italien tagelang blockiert. Die italienische Firma Comitec hatte die Masken demnach bei einer türkischen Firma namens Ege Maske für 670.000 Euro gekauft. Am 4. März sei die Charge ausgeliefert worden, seitdem lag sie beim Zoll in Ankara und durfte nicht das Land verlassen. Der italienische Premierminister Conte habe den türkischen Präsidenten Erdogan angerufen, bisher ohne Erfolg. 

Export von Masken und Schutzausrüstung aus der Türkei seit dem 4. März genehmigungspflichtig

Der Hintergrund: Die Türkei hat ihre Exportbestimmungen für medizinische Schutzausrüstung am 4. März verändert. Seitdem muss die Ausfuhr von Schutzausrüstung wie Masken, Overalls, Schutzbrillen oder Handschuhe vorab vom türkischen Gesundheitsministerium genehmigt werden, berichteten die deutsche Ausgabe der Zeitung Hürriyet und weitere türkische Medien

Die Türkei ist mit solchen Regelungen nicht allein. Deutschland zum Beispiel hat am 5. März sogar ein Exportverbot für medizinische Schutzgüter erlassen.

Wie TRT Haber am 23. März berichtete, wurde die Blockade der Masken-Lieferung nach Italien schließlich „nach hochrangigen und diplomatischen Kontakten“ der beiden Länder überwunden. 

Das passt zusammen mit offiziellen Mitteilungen aus Italien. Am 21. März schrieb das italienische Außenministerium auf seiner Webseite, man habe die Lieferung von 200.000 Masken in der Türkei „entsperrt“. Sie würden nun entweder das Land verlassen, oder man würde sie selbst abholen. 

Mitteilung Außenministerium Italien
Auszug aus der Mitteilung des italienischen Außenministeriums am 21. März. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch auf Twitter teilte Außenminister Luigi di Maio diese Nachricht am 22. März mit, und in einer weiteren Mitteilung des Ministeriums vom 23. März steht ebenfalls, man habe die Lieferung „endlich entsperrt“. 

Es handelte sich also bei den 200.000 Masken – anders als man aus dem Facebook-Beitrag herauslesen könnte – nicht um eine humanitäre Hilfslieferung der Türkei an Italien. Zudem waren es ausschließlich Masken, keine Beatmungsgeräte. Die Türkei half insofern, als dass sie die Ausfuhr der Masken genehmigte. 

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Eine Google-Rückwärtssuche nach dem Foto, das in dem Facebook-Beitrag verwendet wurde, führt zu möglichen Quellen der Behauptung: mehrere türkischsprachige Accounts auf Twitter. Darin ist die Rede von einer angeblichen Lieferung von 200.000 Masken, Testkits und anderen medizinischen Gütern aus der Türkei nach Italien. Es kann auch hier nur die Lieferung der 200.000 Masken gemeint sein, andere Berichte konnten wir bei unserer Recherche nicht finden.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Es fehlt Kontext. Italien hat 200.000 Masken in der Türkei gekauft.  

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Offenbar versuchen Betrüger, aus der Coronavirus-Krise Kapital zu schlagen. (Symbolbild: Pixabay) 

von Alice Echtermann

Derzeit teilen viele Menschen in sozialen Netzwerken Warnungen, dass Menschen in Schutzanzügen herumlaufen und sich als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ausgeben. Die Meldung hat einen wahren Kern. Es ist allerdings unklar, welches Ausmaß die Masche wirklich hat.

Während sich das neuartige Coronavirus weiter ausbreitet, verstärken über soziale Netzwerke verbreitete Warnungen die Ängste der Menschen. Aktuell geht die Nachricht um, Menschen in Schutzanzügen würden sich als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ausgeben und versuchen, sich Zutritt zu Wohnungen zu verschaffen. 

Ein Facebook-Beitrag dazu vom 19. März wurde bereits mehr als 8.100 Mal geteilt. Auch in Messenger-Diensten wie WhatsApp wird die Nachricht verbreitet, wie uns Leser per E-Mail mitteilten. Das Problem an dieser Nachricht ist, das sie unspezifisch ist – sie enthält keinen genauen Ort. 

Nachricht auf Whatsapp
Diese Nachricht auf Whatsapp wurde CORRECTIV von Lesern geschickt. (Quelle: privat)

Wie real diese Gefahr ist, ist schwer einzuschätzen. Einzelne Vorfälle, vor denen Polizei und Medien warnten, könnten zu falschem Alarm andernorts geführt haben. Fest steht aber: Warnungen der Polizei vor einer solchen Betrugsmasche gibt es. 

Warnung in Nienburg stammte vom Landkreis 

In dem Facebook-Beitrag geht es konkret um Nienburg. Tatsächlich warnte der Landkreis Nienburg am 20. März vor Personen, die sich als Gesundheitsamt-Mitarbeiter ausgeben. Mehrere Medien griffen die Warnung auf, zum Beispiel Radio Bremen

Der Pressesprecher des Landkreis Nienburg, Cord Steinbrecher, schrieb uns per E-Mail, dass eine Person in Quarantäne von Menschen in Schutzkleidung aufgesucht wurde, die einen Abstrich nehmen wollten – es habe aber nachweislich durch das Gesundheitsamt keinen Einsatz dort gegeben. „Parallel erreichten uns zwei weitere Hinweise mit ähnlichen Schilderungen. Wir haben uns daraufhin entschieden, die uns zur Verfügung stehenden Kanäle (BIWAPP, Internetseite und Twitter) zu nutzen, um die Bevölkerung vor dieser Gefahr zu warnen.“ BIWAPP ist eine Bürgerinfo- und Warn-App. 

Auf Nachfrage teilte die Polizei Nienburg CORRECTIV per E-Mail mit: „Die Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg ist in einem solchen Sachverhalt alarmiert worden, die eingesetzten Beamten konnten aber vor Ort keine Feststellungen treffen. Am Wochenende haben sich aus polizeilicher Sicht in unserem Zuständigkeitsbereich keine weiteren derartigen Sachverhalte ereignet bzw. sind uns nicht gemeldet worden.“

Lokale Polizeidienststellen warnen vor verschiedenen Tricks

Überall in Deutschland gibt es aktuell Berichte über mutmaßliche Betrugsmaschen, die oft vor allem ältere Menschen zum Ziel haben. Manchmal scheint es eine Variante des telefonischen „Enkeltricks“ zu sein – zum Beispiel in Mannheim. Manchmal kommen offenbar Menschen vorbei und behaupten, sie müssten Tests durchführen.

So berichtete die Leipziger Polizei am 18. März von einem konkreten Fall, bei dem Unbekannte einem Mann am Telefon sagten, ein Verwandter sei infiziert und man müsse ein Team von Coronavirus-Testern vorbeischicken. Es seien dann tatsächlich Personen in Schutzanzügen aufgetaucht und hätten unter anderem einen Mundabstrich gemacht. Es sei jedoch nichts gestohlen worden. 

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Die Polizei Leipzig stellte deshalb klar: „Sowohl Ärzte als auch Teams des Gesundheitsamtes kommen im Stadtgebiet Leipzig nicht zu potentiell infizierten Personen nach Hause und nehmen dort auch keine Abstriche! Ebenso wird ein so genannter ‘Schweißtest’ an den Unterarmen bei einer Coronainfizierung nicht durchgeführt.“

Von einer anderen Variante schreibt die Polizei Konstanz: In Anrufen sei behauptet worden, Geldscheine seien mit dem Coronavirus verseucht und müssten ausgehändigt werden. 

Oft kein konkreter Verdacht

Eine Suche im Presseportal zeigt, dass diverse weitere Polizeistellen Warnungen herausgegeben haben, zum Beispiel in:

Wichtig ist aber auch: Nicht immer liegt den Warnungen ein konkreter Fall zugrunde. Die Polizei im Kreis Minden-Lübbecke schreibt zum Beispiel, das LKA warne zwar vor einer neuen Betrugsmasche, aber: „Derartige Fälle aus dem Kreis Minden-Lübbecke sind gegenwärtig weder der Kreispolizeibehörde noch dem Krisenstab des Kreises bekannt.“

Und die Polizei Konstanz schreibt, eine Meldung, nach der Menschen in Schutzanzügen herumlaufen würden, habe sich nicht bestätigt: „Sämtliche Überprüfungen der Polizei verliefen negativ, es konnten keine Personen angetroffen oder Nachweise erlangt werden, dass tatsächlich solche Personen unterwegs waren.“

Unsere Bewertung:
Richtig. Es gibt Warnungen von Polizeidienststellen und einzelnen Städten, dass Betrüger sich als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ausgeben. Das Ausmaß der Masche ist unklar. 

Ibuprofen Schmerztabletten
Macht die Einnahme des entzündungshemmenden Schmerzmittels Ibuprofen die Krankheit durch das Coronavirus schlimmer? Dafür gibt es keine Belege. (Symbolfoto: Sven Simon / picture alliance)

von Alice Echtermann

Eine Whatsapp-Sprachnachricht verbreitet eine erfundene Geschichte: Die Uniklinik in Wien habe nachgewiesen, dass Ibuprofen die Infektion mit dem Coronavirus verschlimmere. Das stimmt nicht. Die Frage nach möglichen Auswirkungen des Schmerzmittels ist ungeklärt. 

Eine Sprachnachricht wird zehntausendfach auf Whatsapp weitergeleitet – darin erzählt eine Frau auf Deutsch, eine Bekannte von ihr arbeite in der „Uniklinik Wien“. Dort habe man im Labor angeblich herausgefunden, dass Ibuprofen (ein Schmerzmittel, das Fieber senkt) die Vermehrung des Coronavirus beschleunige. Am vergangenen Wochenende schickten uns zahlreiche Leser Hinweise auf diese Nachricht per E-Mail zu.

Innerhalb kurzer Zeit veröffentlichte die Medizinische Universität Wien ein Statement: Die Nachricht sei ein Fake. „Achtung, bei den derzeit kursierenden WhatsApp-Text- und Sprachnachrichten rund um angebliche Forschungsergebnisse der ‘Wiener Uniklinik’ zu einem Zusammenhang zwischen Ibuprofen und Covid19 handelt es sich um Fake News, die in keinerlei Verbindung mit der Med Uni Wien stehen.“

Tweet Medizinische Uni Wien
Tweets der Medizinischen Universität Wien auf Deutsch und Englisch. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch das österreichische Gesundheitsministerium schrieb auf Twitter, die Nachricht sei eine „Falschmeldung“. 

Es steht also fest, dass die Medizinische Universität Wien keinen Labornachweis erbracht hat, dass Ibuprofen Covid-19 verschlimmert. 

Die Sprachnachricht enthält eine erfundene Geschichte – aber die Frage zur Wirkung von Ibuprofen bleibt offen

Der Fall ist jedoch etwas komplizierter. Denn beinahe zeitgleich warnte der französische Gesundheitsminister auf Twitter vor der Einnahme von „entzündungshemmenden Medikamenten“ wie Ibuprofen oder Kortison. Er riet dazu, stattdessen Paracetamol gegen Fieber zu nehmen. 

Tweet französischer Gesundheitsminister
Der Tweet des französischen Gesundheitsministers mit automatischer Übersetzung. (Screenshot: CORRECTIV)

Laut Tagesschau äußerte sich auch der nationale Gesundheitsdirektor Jérôme Salomon ähnlich und riet von der Einnahme von „nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR)“ ab. Dazu zählt Ibuprofen, aber auch Aspirin. 

Frankreichs Arzneimittelbehörde ANSM hat bereits im April 2019 gewarnt, Umfragen und Analysen hätten gezeigt, dass Mittel wie Ibuprofen eine verschlimmernde Wirkung bei Infektionskrankheiten haben könnten. In Frankreich besteht also generell Vorsicht bei diesen Medikamenten. Auf eine Nachfrage der französischen Faktenchecker von Libération teilte die französische Gesundheitsbehörde mit, die Aussage des Ministers auf Twitter basiere „noch nicht auf einer validierten Studie zum Coronavirus“, sei jedoch „Konsens“.

Es gibt auch Aussagen von weiteren Medizinern, die aktuell vor der Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten warnen. Das Science Media Centre hat am 16. März mehrere Experten-Aussagen gesammelt, die alle eher zu Paracetamol statt Ibuprofen oder Kortison raten, aber auch betonen, dass Forschung zu Covid-19 noch nicht vorhanden sei. Der Guardian zitiert einen Arzt aus Toulouse, der sagte, sie könnten das Risiko einer Komplikation bei Fieber oder Infektionen erhöhen. Und Al-Jazeera veröffentlichte einen Artikel eines Arztes, der der Ansicht ist, dass entzündungshemmende Medikamente bei Infektionskrankheiten negativ sein könnten, da sie die Reaktion des Immunsystems hemmen würden. 

Wichtig ist: Dies sind allgemeine Aussagen und Warnungen. Unsere Recherche zeigt: Es gibt keine Belege für eine Auswirkung von Ibuprofen konkret auf Corona-Patienten. 

Woher stammt die Warnung vor Ibuprofen?

Eine mögliche Quelle der Behauptung ist ein kurzer Artikel im wissenschaftlichen Journal The Lancet vom 11. März. Darin geht es um die Frage, ob Patienten mit Bluthochdruck und Diabetes ein erhöhtes Risiko durch Covid-19 haben. Diese Krankheiten seien häufig bei Patienten, bei denen die Infektion einen schweren Verlauf nahm – und sie hätten eine Gemeinsamkeit: „Die am häufigsten erfassten zusätzlichen Erkrankungen [Komorbiditäten] von Patienten mit Covid-19 werden oft behandelt mit ACE-Hemmern; die Behandlung wurde jedoch in keiner Studie beurteilt.“

ACE ist ein Enzym, das vorwiegend in der Lunge gebildet wird und an der Regulierung des Blutdrucks beteiligt ist. Laut der Autoren des Artikels in The Lancet binden Coronaviren wie SARS-CoV-2 ihre „Zielzellen“ durch das Enzym ACE2. Da die Behandlung von Diabetes und Bluthochdruck oft mit „ACE2-stimulierenden Medikamenten“ geschehe, ist die Hypothese der Wissenschaftler, dass diese Medikamente das Risiko eines schweren Verlaufs von Covid-19 erhöhen. 

Der entscheidende Satz in diesem Artikel ist: „ACE2 kann auch gesteigert werden durch […] Ibuprofen.“ Eine Quelle dafür wird nicht genannt. 

Der Artikel ist also keine Studie, bei der nachgewiesen wurde, dass Ibuprofen den Krankheitsverlauf von Covid-19 beeinflusst. Es wird lediglich die Möglichkeit erwähnt, dass dies so sein könnte. Eine Hypothese.  

Keine Belege für Verschlimmerung von Corona-Infektionen

Die Pharmazeutische Zeitung schreibt, laut einer Studie vom 5. März nutze das Virus SARS-CoV-2 das Enzym ACE2 tatsächlich als Rezeptor, um in menschliche Wirtszellen zu gelangen. Der Artikel von The Lancet sei aber „spekulativ“: „Die Arbeit läßt nicht erkennen, dass die Autoren ihre Hypothese durch eigene experimentelle Studien stützen. […] Nicht nur aus diesem Grund muss noch einmal nachdrücklich darauf hingewiesen werden, wichtige Medikamente nicht ohne Rücksprache mit den behandelnden Ärzten abzusetzen.“

Auch die Deutsche Apotheker-Zeitung bezeichnete das Ganze als „unbestätigte Hypothese“. 

Spanische Faktenchecker haben die Behauptung über Ibuprofen und Corona ebenfalls untersucht und kamen zu dem Schluss, es gebe keine Belege, dass Ibuprofen die Krankheit verschlimmert. Sie verweisen auf  eine Erklärung des spanischen Gesundheitsministeriums, der zufolge es keine Daten gibt, die einen solchen Zusammenhang belegen. Es sei für Patienten nicht erforderlich, entzündungshemmende, nicht-steroidale Medikamente abzusetzen.  

Gleiches betonte auch der deutsche Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast: Es gebe keine Daten zu diesem Thema (ab Minute 1:22). 

Das Bundesamt für Gesundheit in der Schweiz teilt mit: „Es gibt derzeit keine eindeutigen Hinweise darauf, dass diese Art von Medikamenten den Krankheitsverlauf verschlimmert. In Einzelfällen wurden beobachtet, dass sie zu einem schwereren Krankheitsverlauf führen. Bewiesen ist dies jedoch nicht. Überprüfungen dazu laufen.“

Und auch die Europäische Gesellschaft für Kardiologie schreibt: „Diese Spekulation über die Sicherheit von ACE-Behandlungen im Zusammenhang mit Covid-19 wird durch keine fundierte wissenschaftliche Basis oder Belege gestützt.“ 

Update, 17. März 2020: Am 17. März warnte auch die WHO laut Medienberichten vor der Einnahme von Ibuprofen bei Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion. Es sollte nicht ohne ärztlichen Rat eingenommen werden, auch wenn es keine neuen Studien dazu gebe. Wir haben außerdem im Text einen Hinweis auf eine Veröffentlichung des Science Media Centre und den Faktencheck von Libération ergänzt. 

Update, 19. März 2020: Die WHO verkündete auf Twitter: „Basierend auf den momentan verfügbaren Informationen rät die WHO nicht vom Konsum von Ibuprofen ab.“ 

Tweet der WHO am 19. März zu Ibuprofen. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es gibt keine Belege, dass Ibuprofen eine negative Wirkung auf Corona-Patienten hat.  

Whatsapp Kettenbrief
Über Whatsapp verbreiten sich Falschnachrichten zum Coronavirus. (Symbolbild: NurPhoto / picture alliance)

von Alice Echtermann

Sie tauchte in den USA, in Asien und auch Deutschland auf – eine Nachricht mit angeblichen Tipps, wie man sich vor dem neuen Coronavirus schützt. Unzählige Menschen leiten die Hinweise aktuell weiter. Sie sind jedoch falsch. 

Mehrere Leser haben uns in den vergangenen Tagen auf eine Nachricht hingewiesen, die vor allem über Whatsapp, aber auch auf Facebook verbreitet wird. Der „Kettenbrief“ enthält mehrere Tipps, wie man angeblich verhindert, sich mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) anzustecken – oder wie man erkennt, ob man bereits infiziert ist. 

Faktenchecker auf der ganzen Welt haben sich bereits damit befasst und sind zu dem Ergebnis gekommen: Die Hinweise sind falsch und irreführend. 

Die Nachricht auf Whatsapp beginnt auf Deutsch mit den Worten: „So werden die Menschen in Kanada informiert.“ Danach folgen mehrere Behauptungen über das Coronavirus und die Lungenkrankheit Covid-19. Wir gehen hier einzeln auf sie ein.

Facebook-Post mit Kettenbrief
Ein Facebook-Post mit Screenshots des Whatsapp-Kettenbriefs. (Screenshot: CORRECTIV)

1. Behauptung: Die Inkubationszeit des Coronavirus betrage bis zu 20 Tage, bevor Symptome auftreten.

Das ist falsch. Laut WHO liegt die Inkubationszeit zwischen einem Tag und 14 Tagen, am häufigsten seien rund fünf Tage. Das Robert-Koch-Institut nennt identische Zahlen. 

Inkubationszeit des Coronavirus
Angaben der WHO zur Inkubationszeit des Coronavirus. (Screenshot: CORRECTIV)

2. Behauptung: Wenn man mit Fieber und Husten ins Krankenhaus gehe, sei die Lunge „normalerweise zu 50 Prozent fibrös und es ist recht spät“. 

Dafür gibt es keine Belege. Fibrose ist ein Überbegriff für Lungenerkrankungen, bei denen sich – oft aufgrund einer chronischen Entzündung – Bindegewebe in der Lunge bildet („Narbenlunge“). Wie uns eine Sprecherin des Lungeninformationsdienstes des Helmholtz-Zentrums München per E-Mail mitteilte, vergehen laut Experten nach den ersten Symptomen oft zwei Jahre, bis die Diagnose „Lungenfibrose“ gestellt wird. 

Das passt nicht mit dem zusammen, was über das Coronavirus bekannt ist. Nach der Infektion mit dem Virus tritt die Krankheit laut Robert-Koch-Institut im Mittel (Median) nach fünf bis sechs Tagen auf. Bei den in Deutschland gemeldeten Fälle waren die häufigsten Symptome (58 Prozent), Fieber (43 Prozent) und Schnupfen (38 Prozent). In China sei das häufigste Symptom Fieber gewesen (über 80 Prozent), gefolgt von Husten und Kurzatmigkeit. Die Krankheit verlaufe in etwa 80 Prozent der Fälle mild, also ohne Pneumonie (Lungenentzündung). 

In den Informationen des Robert-Koch-Instituts zum Coronavirus ist nirgends von Fibrose die Rede. Allerdings gibt es einen Artikel im medizinischen Journal Precision Clinical Medicine vom 11. Februar, in dem es heißt, die Infektion mit dem neuartigen Coronavirus könne manchmal mit Fibrose einhergehen.

3. Behauptung: Wenn man zehn Sekunden die Luft anhalten könne, ohne Beschwerden oder Husten, bedeute das, man sei nicht mit dem Coronavirus infiziert. 

Einen solchen Selbsttest, der laut dem Kettenbrief angeblich von „taiwanesischen Experten“ empfohlen wird, gibt es nicht. Das Taiwan Fact-Check Center hat die Behauptung schon im Februar überprüft und zwei Experten befragt. Beide hatten von einem solchen Vorgehen noch nicht gehört, einer bezeichnete den Hinweis als falsch. 

Weder bei der WHO noch beim Robert-Koch-Institut wird ein solcher Test erwähnt. Das Bundesgesundheitsministerium schreibt generell: „Ein Schnelltest, mit dem eine Bestätigung der Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 eigenhändig durchgeführt werden kann, in etwa analog zu einem Schwangerschaftstest, existiert nicht.“ 

Die häufigsten Symptome von Covid-19 sind laut WHO Fieber, Müdigkeit und Husten. Aber auch eine laufende Nase kann ein Symptom sein, ebenso wie Schmerzen, eine zugeschwollene Nase, Halsschmerzen oder Durchfall. Auf diese Symptome sollte man also achten. Nur bei einem von sechs Patienten, die schwer krank werden, treten laut WHO Atemprobleme auf.

Symptome von Coronavirus
Hinweis der WHO zu möglichen Symptomen der Krankheit. (Screenshot: CORRECTIV)

4. Behauptung: Man solle alle 15 Minuten einen Schluck Wasser trinken, um das Virus vom Mund in den Magen zu spülen, wo es durch Magensäure getötet werde. Ansonsten könne das Virus über die Luftröhre in die Lunge gelangen.

Das ist falsch. Viel Wasser zu trinken ist zwar generell gesund. Laut WHO kann es jedoch eine Infektion mit dem Coronavirus nicht verhindern. Das teilte die Organisation bereits am 8. Februar auf Twitter mit. Ebensowenig helfe es, Alkohol zu trinken.  

Der Hinweis, dass das Virus über die Luftröhre in die Lunge gelangen könnte, ist irreführend. Laut Robert-Koch-Institut ist der häufigste Infektionsweg wahrscheinlich die Tröpfcheninfektion (Speicheltröpfchen durch Niesen, Husten oder Sprechen). Aber auch eine Infizierung über die Bindehaut der Augen könne möglich sein. 

Anders ausgedrückt: Ist das Virus erst einmal im Körper, gibt es keinen Weg, die Infektion durch Trinken zu verhindern. 

Die Falschnachricht macht international Karriere

Wir haben die drei Behauptungen zu Fibrose, Luft anhalten und Wasser trinken auch David Heymann, Gesundheitsexperte der WHO, mit einer Bitte um eine Einschätzung geschickt. Seine Antwort per E-Mail: „Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für irgendeine dieser drei Behauptungen.“

Statement David Heymann
Die Antwort von David Heymann (WHO) auf die Anfrage von CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Dennoch geht der Kettenbrief um die ganze Welt. Folgende Faktencheck-Organisationen haben sich bereits mit denselben Behauptungen befasst:

Außerdem berichtete Motherboard, dass die Nachricht in den USA mit der Stanford University als angeblicher Quellenangabe verbreitet werde. Laut AFP tauchte die Behauptung, man könne sich selbst testen, indem man zehn Sekunden die Luft anhalte, auf Englisch in den USA, Nigeria und Indien auf und kursierte auch in Kambodscha. Auch in Deutschland haben Medien bereits vor den Kettenbriefen gewarnt (Mimikama) oder die Behauptungen überprüfen lassen (MDR). 

Alle Faktenchecks kommen zu dem Ergebnis, dass die Ratschläge nicht gegen das Coronavirus helfen. 

Update, 17. März 2020: Wir haben im Text die fehlende Information ergänzt, dass sich die am häufigsten gemeldeten Symptome auf Krankheitsfälle in Deutschland bezogen. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Tipps verhindern keine Infektion mit dem Coronavirus oder geben Hinweise auf eine Ansteckung.

Strichliste Todenhöfer
Ein direkter Vergleich von islamistischen und rechten Terroranschlägen in Deutschland wie in dieser Strichliste von Jürgen Todenhöfer ist nicht möglich. (Quelle: Todenhöfer / Screenshot und Collage: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Der Publizist Jürgen Todenhöfer vergleicht die Todesopfer durch rechten und islamistischen Terror in Deutschland. Die Zahlen, die er verwendet, sind jedoch nicht vergleichbar. 

In einem Bild auf seiner Facebookseite stellt der Journalist und Autor Jürgen Todenhöfer vermeintlich Todesopfer durch islamistische und rechte Anschläge in Deutschland seit 1990 gegenüber. In einer Strichliste sind 15 Tote durch „islamistischen Terror“ und 208 Tote durch „rechten Terror“ vermerkt. Der Facebook-Beitrag vom 26. Februar wurde bisher mehr als 2.400 Mal geteilt. 

Als Quellen nennt Todenhöfer eine Auflistung der Amadeu-Antonio-Stiftung zu rechter Gewalt und eine Liste von ausgewählten islamistischen Anschlägen des Verfassungsschutzes. Die Zahlen finden sich darin wieder, doch sie sind nicht direkt miteinander vergleichbar. 

Facebook-Post von Jürgen Todenhöfer
In Strichlisten vergleicht Jürgen Todenhöfer die Opferzahlen islamistischen und rechten Terrors in Deutschland. Er verwendet aber Zahlen, die nicht vergleichbar sind. (Screenshot am 10. März 2020: CORRECTIV)

Die Liste des Verfassungsschutzes enthält „ausgewählte islamistisch-terroristische Anschläge“ weltweit, darunter sieben in Deutschland. Der früheste Fall in Deutschland ist ein Angriff auf US-Soldaten am Frankfurter Flughafen 2011, der letzte ein Messerangriff in einem Supermarkt in Hamburg 2017. Nicht bei allen Anschlägen gab es Todesopfer. 

Insgesamt wurden 15 Menschen getötet, davon 12 bei dem Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz in Berlin. 

Amadeu-Antonio-Stiftung zählt 208 Todesopfer rechter Gewalt von 1990 bis heute

Die Amadeu-Antonio-Stiftung hat nach eigenen Angaben von 1990 bis Ende 2019 198 Tote durch rechtsextreme und rassistische Gewalt identifiziert. Dazu kämen noch 12 Verdachtsfälle. Auch der Mord an Walter Lübcke und der Anschlag in Halle 2019 sind verzeichnet. Mit den zehn Toten des Anschlags in Hanau dieses Jahr steigt die Zahl auf 208. 

Es handelt sich bei den Taten in der Liste aber nicht ausschließlich um Anschläge oder Terror im Sinne von Terrorismus. „Aufnahme in diese Liste fanden alle Mordfälle, die nach gründlicher Sichtung der Quellen aus rechtsextremen und rassistischen Motiven erfolgten oder wenn plausible Anhaltspunkte für diese Annahme bestehen“, heißt es zur Erklärung der Liste. Nicht immer sei ein rechtsextremer Hintergrund offensichtlich, teilweise handelten die Täter „auf Grundlage eines diffusen rechten Weltbilds“.  

Auszug des Berichts auf der Webseite der Amadeu-Antonio-Stiftung
Auszug des Berichts auf der Webseite der Amadeu-Antonio-Stiftung. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf der Liste sind auch zum Beispiel Fälle wie der eines 24-jährigen Mannes, der 1990 von Skinheads in seiner Wohnung aufgesucht wurde, um Schulden einzutreiben, und aus dem Fenster sprang und starb. Oder Skinheads, die einen Obdachlosen so verprügelten, dass er starb. 

Bundesregierung zählt 83 Todesopfer durch rechte Gewalt von 1990 bis 2018

Die Liste der Amadeu-Antonio-Stiftung belegt, dass Deutschland, wie Jürgen Todenhöfer in seinem Facebook-Beitrag andeutet, ein andauerndes Problem mit Rassismus und rechter Gewalt hat. Auch der Tagesspiegel und Die Zeit kamen in einem Artikel von 2018 zu einer  einer Langzeitrecherche auf 169 Todesopfer zwischen 1990 bis 2018. Bei weiteren 61 Opfern gebe es Indizien für ein rechtes Motiv des Täters. 

Die offiziellen Zahlen der Bundesregierung zu rechter Gewalt liegen niedriger – was die Amadeu-Antonio-Stiftung auch kritisiert. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion 2018 hieß es, es habe „bundesweit 76 vollendete rechts motivierte Tötungsdelikte mit 83 Todesopfern seit 1990“ gegeben. In der Liste der Bundesregierung enthalten sind die zehn Todesopfer durch den NSU von 2000 bis 2007. Die meisten Fälle stammen aus den 90er-Jahren.

In einem im März 2020 zuletzt aktualisierten Bericht schrieb die Amadeu-Antonio-Stiftung, die offizielle Zahl der Bundesregierung liege bei 94 Todesopfern durch rechts motivierte Gewalt. Ob darin jüngere Fälle wie der Mord an Walter Lübcke einbezogen sind, ist unklar.

Zahlen sind nicht vergleichbar

Ein direkter Vergleich dieser Zahlen mit Todesopfern durch islamistische Terroranschläge ist nicht möglich. Der Sammlung der Fälle liegen unterschiedliche Kriterien zugrunde, und außerdem spielt die zeitliche Dimension eine Rolle. 

Islamistischer Terrorismus ist im Vergleich zum Rechtsextremismus in Deutschland ein neues Phänomen. Laut Generalbundesanwalt identifizierten Sicherheitsbehörden erstmals im Dezember 2000 eine islamistische Terrorzelle in Deutschland. Seit dem Anschlag von Al-Qaida auf das World Trade Center 2001 in den USA beschäftigt man sich verstärkt mit dem Thema. 

Den ersten Terroranschlag mit islamistischem Hintergrund gab es in Deutschland 2011, teilt uns eine Sprecherin des Bundeskriminalamts (BKA), Laura Doßmann, auf Nachfrage mit. Damals schoss ein islamistischer Attentäter am Frankfurter Flughafen auf US-Soldaten. 

BKA nennt uns aktuelle Zahlen seit 2010

Wir haben das BKA auch um aktuelle Zahlen zu Todesopfern durch rechtsextreme und islamistische Anschläge in Deutschland gebeten. Doßmann teilte uns jedoch mit, das Merkmal „Anschlag“ werde in der Statistik des Kriminalpolizeilichen Meldedienstes bei „Politisch motivierter Kriminalität“ nicht gesondert erfasst. 

Wenn man also Zahlen gegenüberstellen möchte, kann nur die Statistik für politisch motivierte Kriminalität als Quelle dienen. Es macht zudem aufgrund des ersten islamistischen Anschlags 2011 mehr Sinn, die Zahlen der letzten zehn Jahre zu nehmen, statt seit 1990. 

Seit 2010 gab es laut BKA 18 Todesopfer durch rechte Gewalt. 

Islamistisch motivierte Taten seien bis 2016 unter dem Oberbegriff „politisch motivierte Ausländergewalt“ erfasst worden. Hier habe es 16 Fälle von 2010 bis 2016 gegeben. Erst Anfang 2017 sei der Bereich aufgespalten worden in „religiöse Ideologie“ (drei Todesopfer seitdem) und „ausländische Ideologie“ (ein Todesopfer seitdem). Eine statistische Vergleichbarkeit ist also nicht gegeben.

Die E-Mail der Sprecherin des Bundeskriminalamts
Die E-Mail der Pressesprecherin des Bundeskriminalamtes. (Screenshot: CORRECTIV)

Religiös motivierte Straftaten mit Todesopfern seien in Deutschland „bislang ausschließlich aus islamistischer Ideologie begangen“ worden, erklärt die BKA-Sprecherin. Vergleichbare Taten mit christlicher Motivation seien bisher nicht gemeldet worden. 

Auf eine zweite Nachfrage erklärt das BKA, was genau diese Statistik umfasst: „Die Zählweise umfasst alle religiös motivierten Taten z. B. auch Beziehungstaten.“ Deshalb liegt die Zahl höher als die der 15 Todesopfer durch islamistische Anschläge, die aus der Auflistung des Verfassungsschutzes hervorgeht.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Die Zahlen in dem Facebook-Post sind nicht miteinander vergleichbar. 

Video von der griechischen Grenze zu Mazedonien
Ein Video auf Facebook zeigt, wie Migranten und Flüchtlinge versuchen, ein Grenztor aufzubrechen. Es ist vier Jahre alt. (Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Derzeit wird auf Facebook ein Video verbreitet, das angeblich Flüchtlinge und Migranten zeigt, die aktuell die Grenze zu Griechenland durchbrechen wollen. Es entstand jedoch an der griechisch-mazedonischen Grenze und ist mutmaßlich von 2016. 

Der Nutzer, der das Video am 5. März auf Facebook hochgeladen hat, schreibt dazu: „Unfassbar, was sich da abspielt. Griechenland braucht Hilfe. Sofort. Solche Szenen werden von den Mainstream Medien nicht gezeigt.“ Im Video ist zu sehen, wie Polizisten vor einem weißen Tor stehen, offenbar ein Grenzübergang. Dahinter sind zahlreiche Menschen, vor allem Männer, die schreien und am Tor rütteln und es auch einmal schaffen, es aufzustoßen. 

Der Kommentar des Nutzers weist darauf hin, dass sich diese Szene angeblich an der türkisch-griechischen Grenze abgespielt hat, wo seit etwa einer Woche Flüchtlinge und Migranten laut UN-Flüchtlingskommisariat versuchen, aus der Türkei in die EU zu gelangen. Das Video wurde auf Facebook bereits fast 13.000 Mal geteilt. 

Die Behauptung ist jedoch falsch. Das Video wurde an der griechisch-mazedonischen Grenze aufgenommen, und zwar höchstwahrscheinlich 2016. Die Menschen in dem Video, die das Tor aufbrechen wollten, befanden sich in Griechenland und wollten nach Mazedonien (heute: Nordmazedonien).

Tausende Flüchtlinge saßen 2016 in Griechenland fest, weil Mazedonien sie an der Grenze abwehrte

Die Polizisten in dem Video tragen Schutzschilde, auf denen Buchstaben zu sehen sind, die dem kyrillischen Alphabet ähneln. Mit Hilfe der Google-Translate-App identifizieren wir die Sprache als Mazedonisch. Auf den Schilden steht „Polizei“. 

Foto Polizisten Mazedonien
Die Polizisten in dem Facebook-Video tragen Schutzschilde mit kyrillischen Buchstaben. (Screenshot: CORRECTIV)

Eine Google-Recherche zeigt: Der Schriftzug stimmt überein mit dem der mazedonischen Polizei. 

Ein Polizei-Auto aus Mazedonien
Ein Archivbild eines mazedonischen Polizeiautos. (Foto: Dickelbers, Macedonia police car 06, CC BY-SA 4.0)

Bei einer Google-Suche auf Englisch nach „break gate Macedonia border Greece“ fanden wir Artikel von 2016, in denen es darum geht, dass Migranten ein Grenztor zu Mazedonien niedergerissen hätten. Zum Beispiel fanden wir einen Bericht der Irish Times und einen der BBC – beide mit Videos.  

Die Videos zeigen mutmaßlich die gleiche Situation, nur von der anderen Seite des Grenzzauns aus gefilmt. Die Szenen sind nicht ganz identisch, anhand von Umgebungsmerkmalen lässt sich aber sagen, dass sie am selben Ort entstanden sind. 

In allen Videos ist das weiße Grenztor mit Stacheldraht zu sehen, durch das unten Bahnschienen führen. Im Hintergrund auf griechischer Seite sind drei markante, hohe Masten.

Screenshot aus dem Facebook-Video
Das Tor mit den drei Masten im Hintergrund (von Mazedonien aus gesehen rechts vom Tor) im Facebook-Video. (Screenshot: CORRECTIV)
Screenshot aus dem Video der BBC
Das Tor mit den drei Masten (von Mazedonien aus gesehen rechts vom Tor) im Video der BBC von 2016. (Screenshot: CORRECTIV)

Zudem ist in allen drei Videos ein rautenförmiges Straßenschild sichtbar. 

Screenshot aus dem Facebook-Video mit Schild
Schild in der Facebook-Aufnahme. (Screenshot und rote Markierung: CORRECTIV)
Screenshot aus dem Video der Irish Times
Schild im Hintergrund des Videos der Irish Times von 2016 (Screenshot und rote Markierung: CORRECTIV)
Screenshot aus dem Video der BBC mit Schild
Schild im Hintergrund des Videos der BBC von 2016. (Screenshot und rote Markierung: CORRECTIV)

Fest steht also: Das Video auf Facebook wurde an der griechisch-mazedonischen Grenze aufgenommen. Es zeigt nicht die aktuelle Situation an der türkisch-griechischen Grenze. 

Den genauen Zeitpunkt der Aufnahme von Facebook können wir nicht verifizieren. Das Video passt jedoch zu den Berichten von Anfang 2016. Laut BBC und Irish Times saßen Ende Februar 2016 etwa 6.500 bis 7.000 Menschen an der griechischen Grenze zu Mazedonien fest. Sie campten dort laut den Medien tagelang, die Stimmung wurde immer angespannter und die Menschen versuchten, das Tor zu durchbrechen. 

Laut deutschen Medienberichten hatte Mazedonien die Grenze zu Griechenland im Januar 2016 geschlossen, damit wurde die Balkanroute in die EU blockiert. Bereits Ende 2015 hatte Mazedonien laut Berichten mit dem Bau eines Grenzzauns begonnen.  

Die aktuelle Lage an der türkisch-griechischen Grenze entstand, nachdem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan am 29. Februar 2020 laut Medienberichten erklärt hatte, die Tore zur EU seien für Flüchtlinge und Migranten geöffnet. Daraufhin hatte es einen Ansturm auf die Grenze gegeben. Griechenland lässt die Menschen jedoch nicht ins Land. 

Update, 10. März 2020: Wir haben im Text die Information ergänzt, dass Mazedonien heute Nordmazedonien heißt. Das Land wurde 2019 umbenannt. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Video zeigt eine Situation an der griechisch-mazedonischen Grenze 2016. 

Eine Frau am Strand von Lesbos
Zahlreiche Fotografen waren vor Ort, als ein Boot mit Menschen an der Küste von Lesbos ankam. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Bilder inszeniert wären. (Foto: picture alliance / Photoshot)

von Alice Echtermann

Anhand eines Videos wird behauptet, Journalisten hätten Fotos von ankommenden Flüchtlingen und Migranten auf Lesbos inszeniert. Die Vorwürfe von „Fotoshootings“ oder „Schauspielern“ sind haltlos. Die Ankunft der Menschen mit einem Schlauchboot ist aus verschiedenen Quellen dokumentiert. 

Sind die Flüchtlingen und Migranten, die an der Küste der griechischen Insel Lesbos ankommen, in Wahrheit Models oder Schauspieler und die Fotos von ihrer Ankunft inszeniert? Diese Behauptung wird gerade im Netz verbreitet. Insbesondere das Foto einer Frau mit rötlichen Zöpfen, die kniet und ihre Arme emotional zum Himmel streckt, steht dabei im Fokus. 

Nutzer auf Facebook verbreiten Fotos und Videos von der Szene und behaupten, sie sei gestellt („Dreharbeiten“). Die Beiträge werden tausendfach geteilt. Unter den Verbreitern sind auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Johannes Huber und der hessische AfD-Landtagsabgeordnete Dimitri Schulz. 

Schulz schrieb am 1. März auf Facebook: „So entstehen die Fake News unserer Medien! […] wenn man sich dieses Video mal anschaut, kann man genau erkennen, dass alles inszeniert ist. Ein Mann schnallt sich einen Rettungsring um und begibt sich ins Wasser. Ein Kameramann gibt der Frau Anweisungen, wie sie zu schreien hat. Nur das Klacken der Fotolinsen übertönt die ganze Szenerie.“ Sein Beitrag wurde 9.500 Mal geteilt.

Die Behauptung, alles sei inszeniert, ist falsch

CORRECTIV hat Material von der Ankunft der Menschen auf Lesbos zusammengetragen und Journalisten und Fotografen kontaktiert. Das Ergebnis: Die Behauptungen, das Ganze sei inszeniert und die Menschen seien Schauspieler oder Models, sind falsch. 

Facebook-Post von Johannes Huber (AfD)
Der Facebook-Beitrag des AfD-Abgeordneten Johannes Huber (Screenshot: CORRECTIV)

Die Facebook-Beiträge enthalten ein kurzes Video von der Szene an der Küste von Lesbos. Darin ist zu sehen, wie ein Mann vor der knienden Frau steht und sie fotografiert. Im Hintergrund sind weitere Fotografen. In dem Beitrag von Johannes Huber heißt es, die Menschen hätten sich „mehrmals in Szene geworfen“. Tatsächlich ist in Hubers Video – und auch in dem von Dimitri Schulz und einem Video auf Youtube – aber einfach zweimal derselbe Clip hintereinander geschnitten. Er ist im Original nur neun Sekunden lang. 

Das Video stammt von der Journalistin Liana Spyropoulou, die vor Ort berichtete

Das Originalvideo stammt von der Journalistin Liana Spyropoulou, die für die Bild-Zeitung vor Ort in Griechenland berichtet. Sie hat es am 29. Februar auf Twitter hochgeladen mit dem Kommentar: „Lesbos früher am heutigen Tag. Die Ankunft von mehr Booten voller Flüchtlinge auf den östlichen Ägäischen Inseln wird erwartet, weil der Wind sich beruhigt hat.“ 

Spyropoulou hatte außerdem zuvor zwei Tweets veröffentlicht, die die Ankunft des Bootes dokumentieren. In dem ersten schreibt sie, es sei ein „Boot mit Flüchtlingen“ auf dem Meer gesichtet worden, ein Navy-Schiff nähere sich ihm. 

In dem zweiten Tweet sind zwei Fotos zu sehen. Eines zeigt ein graues Schlauchboot mit Flüchtlingen und einen Fotografen im Vordergrund. Auf dem zweiten sind Menschen an Land, darunter der Fotograf und die Frau aus dem Video. Im Hintergrund links ist das graue Schlauchboot erkennbar. 

Tweet der Journalistin Liana Spyropoulou
Der zweite Tweet von Liana Spyropoulou. Im rechten Foto ist im Hintergrund die Frau mit den rötlichen Zöpfen. (Screenshot: CORRECTIV)

Wir konnten außerdem zahlreiche Fotos von der Ankunft des Bootes von verschiedenen Fotografen in der Pressedatenbank Picture Alliance finden. Video-Aufnahmen finden sich außerdem bei dem türkischen Sender TRT World am 29. Februar auf Twitter, in einem Youtube-Video der Welt und einem Video der britischen Daily Mail. Letzteres Video zeigt auch das Schlauchboot weit draußen auf dem Meer, und das Navy-Schiff, das Spyropoulou in ihrem Tweet erwähnte.


Auf den Bildern und Videos ist zu sehen, wie die Menschen wegen der Wellen Schwierigkeiten haben, aus dem Boot auszusteigen. Darunter ist auch die Frau mit den rötlichen Zöpfen. Man sieht bei TRT World, dass sich mehrere Fotografen auf sie konzentrieren, weil sie so emotional reagiert. Das bedeutet aber nicht, dass die Szene nicht echt wäre. 

Flüchtlinge auf Lesbos
Die Menschen in dem Schlauchboot, darunter die Frau mit den rötlichen Zöpfen (links vorne im Boot). (Foto: Angelos Tzortzinis/dpa)

Journalisten warten auf die Ankunft von Booten

Auf Nachfrage erklärt uns Liana Spyropoulou, wie die Journalisten die Ankunft der Menschen abpassen, um Fotos zu machen. Wir chatten mit ihr über Twitter. Sie und ihre Kollegen hätten an dem Tag die „übliche Methode“ in Skala (wo die meisten Boote ankämen) angewendet, schreibt sie: Morgens um 5.30 Uhr aufzustehen und mit dem Auto an der Küste entlang zu fahren. „Wir haben große Kameraobjektive und halten Ausschau nach Booten, weil das unser Job ist. Zu berichten und Material von den Ankünften zu haben. Wenn einer von uns ein Boot sieht, ruft er die anderen an“, erklärt die Journalistin.

Das Wetter an dem Tag sei „schrecklich“ gewesen, schildert sie weiter. Die Journalisten seien überrascht gewesen, dass die Menschen die Überfahrt geschafft hätten. 

Emotionale Reaktionen habe sie bei Geflüchteten schon oft erlebt: „Ich habe das Schlimmste erlebt. Schiffbrüche mit Babys und Kindern, die ertrunken sind und deren Eltern schrien. Andere brachen zusammen, als ihre Füße die Steine des Strandes berührten.“ In ihren Nachrichten an uns drückt Spyropoulou auch ihre Empörung über die Behauptungen aus: „Ich habe hunderte von Videos und Fotos von 2015. Sind die alle Fake?“, fragt sie.  

Weitere Reporter schildern den Vorfall auf gleiche Weise

Wir haben zudem den Fotografen Giorgos Moutafis, der Fotos an dem Tag gemacht hat (hier), angeschrieben. Er antwortet uns knapp: „Bitte vertraut den Fotografen.“ Und schickt ein weiteres Video von Euronews, in dem die Ankunft des Bootes und die anschließende Versorgung der Menschen durch Helfer zu sehen ist. 

Auch die französischen Faktenchecker von Libération haben die Behauptungen am 2. März überprüft und kamen zum Ergebnis, dass sie falsch sind. Sie befragten mehrere Journalisten und Fotografen, darunter Aris Messinis von der Nachrichtenagentur AFP, der ebenfalls vor Ort war. Er sagte Libération, es sei keine Inszenierung gewesen. „Einige Migranten fingen an zu weinen, zu beten, zu singen. […] Wir haben angefangen, sie zu fotografieren, als wir ihre Reaktion sahen.“ 

Und der Videojournalist Savvas Karmaniolas sagte den französischen Faktencheckern: „Das Wetter war sehr schlecht, es war sehr windig und wir waren überrascht, dass sie das Ufer erreichen konnten. Das Boot hätte sinken können. Ich denke, die Migranten hatten große Angst, was die Reaktion dieser Frau erklärt. Ich glaube nicht, dass sie die Kameras in Betracht gezogen hat. Die Videojournalisten und Fotografen kamen zusammen, um Bilder aus verschiedenen Blickwinkeln aufzunehmen.“

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Menschen an der Küste von Lesbos sind keine Models oder Schauspieler. Die Fotos sind nicht inszeniert worden.  

Grenzübergang Pazarkule Griechenland
Dieses Tor des Grenzübergangs Pazarkule (hier ein Pressefoto) ist auch im Hintergrund einiger Bilder auf Facebook zu sehen. (Foto: Arnaud Dumontier/MAXPPP/dpa)

von Alice Echtermann

Nutzer auf Facebook verbreiten angebliche Fotos von Ausschreitungen an der Grenze zu Griechenland. Einige der Bilder stammen jedoch nicht von dort. 

Hinweis: Einige der Fotos in diesem Artikel enthalten Darstellungen von Gewalt. 

„Griechenland bringt gerade mit Knüppel und Tränengas den Syrischen Flüchtlingen, egal ob Frauen, Kinder oder Männer die Europäischen Menschenrechte bei“, schreibt ein Nutzer zu Fotos, die er am 29. Februar auf Facebook hochgeladen hat. Sie zeigen angeblich Szenen vom Grenzübergang zwischen der Türkei und Griechenland und Menschen, die dort verletzt wurden. Der Post wurde bereits mehr als 2.500 Mal geteilt. 

Die Zusammenstellung der Bilder ist jedoch irreführend: Nicht alle Fotos entstanden in der aktuellen Situation an der türkisch-griechischen Grenze. 

Ein Facebookbeitrag mit fünf Fotos
Dieser Beitrag mit fünf Fotos wurde mehr als 2.500 Mal auf Facebook geteilt. (Screenshot: CORRECTIV)

Am 29. Februar hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan laut Medienberichten verkündet, die Türkei habe ihre Grenzen zu Griechenland und Bulgarien für Flüchtlinge geöffnet. Zahlreiche Flüchtlinge und Migranten versuchen laut dem Flüchtlingskommissariat der UN seitdem, nach Griechenland zu gelangen. Es kursieren Fotos und Videos im Netz, die angeblich die Lage vor Ort zeigen sollen. 

Das Foto des Mannes mit blutigem Gesicht ist von 2015

Im Vordergrund der Fotos auf Facebook steht vor allem das Foto des Mannes mit blutigem Gesicht (oben links), der ein Kind in gelbem T-Shirt auf dem Arm hält. Das Bild ist jedoch alt und stammt von einem anderen Ort. Es wurde 2015 an der serbisch-ungarischen Grenze aufgenommen. 

Eine Rückwärtssuche des Fotos bei der Bildersuchmaschine Tineye zeigt, dass das Foto erstmals im September 2015 im Netz auftauchte. Auf der russischen Webseite Vesti ist ein Video vom 17. September 2015 zu finden, in dem der Mann zu sehen ist. Es ist betitelt mit: „Migranten versuchen, die ungarisch-serbische Grenze zu überschreiten“. Auch in einem russischen Youtube-Video vom 18. September 2015 ist die Szene zu sehen (ab Minute 0:47), und in einem Video von Euronews vom 16. September 2015 läuft derselbe Mann mit dem Kind durchs Bild (ab Minute 0:49). 

Auch aktuelle Fotos aus Griechenland dabei

Die weiteren Bilder des Facebook-Posts haben wir ebenfalls einzeln überprüft. Zwei davon zeigen den Grenzübergang Pazarkule zwischen der Türkei und Griechenland. Fotos dieses Grenzübergangs finden sich auch zum Beispiel in der Datenbank Picture-Alliance. 

Menschen stehen vor dem geschlossenen Grenzübergang Pazarkule zu Griechenland
Dieses Tor des Grenzübergangs Pazarkule (hier ein Pressefoto vom 2. März 2020) ist auch im Hintergrund einiger Bilder auf Facebook zu sehen. (Foto: Arnaud Dumontier/MAXPPP/dpa)
  • Das Bild von zwei Personen vor dem Grenzübergang (oben rechts), ist in einem Artikel vom 1. März 2020 auf der griechischen Seite Alfavita zu finden. Im Text geht es um Zusammenstöße von Polizei und Flüchtlingen an einem Grenzübergang.  
  • Das Bild von mehreren Personen vor demselben Grenzübergang (unten links) tauchte laut der Bilder-Suchmaschine Tineye erstmals am 29. Februar 2020 im Netz auf, ist also authentisch. 
  • Eine Quelle des Bilds einer Familie, deren Kinder sich unter einem Wellblech verstecken (unten rechts), konnten wir nicht finden. Es wurde von dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu auf Twitter verbreitet, aber er hat nicht angegeben, wann und wo das Foto aufgenommen wurde. Deshalb wissen wir nicht mit Gewissheit, ob es aktuell ist und von der türkisch-griechischen Grenze stammt. 
Tweet von Mevlüt Çavuşoğlu
Mevlüt Çavuşoğlu wirft auf Twitter Griechenland Brutalität gegen Flüchtlinge vor. (Screenshot: CORRECTIV)

Fotos von Tränengas-Dosen

Die zwei Fotos, auf denen jemand Dosen in der Hand hält, die laut Aufschrift Tränengas enthielten (Mitte und unten rechts), postete der Grünen-Europaabgeordnete Erik Marquardt am 29. Februar auf seinem verifizierten Twitter-Kanal. Er schrieb dazu: „An der türkisch-griechischen Landgrenze werden Geflüchtete von Griechenland mit CS-Gas und Gewalt zurückgedrängt.“ Auf einem der Bilder ist der Grenzübergang Pazarkule im Hintergrund zu sehen. 

Auf Nachfrage schrieb Marquardt CORRECTIV bei Twitter, die Fotos seien ihm geschickt worden. Er leitete uns die Nachrichten auf Whatsapp weiter. Darunter sind weitere Fotos und Videos, die den Grenzübergang zeigen und dichte Gaswolken, die sich von dort ausbreiten. Wir können den genauen Zeitpunkt der Aufnahme nicht verifizieren. Es gibt jedoch auch zahlreiche weitere Medienberichte aus Deutschland und dem Ausland, dass Griechenland Tränengas an der Grenze eingesetzt habe. Das spricht dafür, dass die Fotos authentisch sind. 

Fotos kursieren auch auf Twitter – dort mit einem älteren Bild einer klagenden Frau

Auch auf Twitter kursieren vier der Fotos, die auf Facebook verbreitet wurden, in einer Collage. Ein weiteres Bild, das dort gezeigt wird, ist das einer verzweifelten Frau, die ein Kind umarmt. 

Woher es stammt, ist unklar – Fakt ist aber, es kann keinen direkten Bezug zu den aktuellen Ausschreitungen an der Grenze haben. Diese begannen erst nachdem der türkische Präsident Erdoğan am 29. Februar sagte, die Türkei habe die Tore geöffnet. Das Bild der Frau jedoch wurde bereits am 9. Februar 2020 genutzt, um Artikel über Flüchtlinge auf Lesbos auf Yahoo.de und Nau.ch zu bebildern. Es tauchte laut einer Rückwärtssuche bei Tineye erstmals am 3. Februar 2020 im Netz auf. 

Ein Tweet mit Fotos, die Griechenland zeigen sollen
Ein Tweet mit mehreren der Fotos und zusätzlich dem einer weinenden Frau. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Das Bild soll laut den Quellenangaben eine Frau auf Lesbos zeigen und von der Nachrichtenagentur AFP stammen. Wir konnten das Originalfoto jedoch nicht finden. 

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Unter die echten Bilder von den Ereignissen an der Grenze werden dramatische Bilder aus anderem Kontext gemischt. Das ist irreführend.