Wirtschaft und Umwelt

Nein, für Greta Thunbergs Atlantiküberquerung sind keine Militärflugzeuge im Einsatz

In einem Facebook-Beitrag wird behauptet, die Atlantik-Überquerung von Greta Thunberg mit einem Segelboot würde von „mehr als einem Dutzend militärischen Überwachungsflugzeugen“ überwacht. Das stimmt nicht.

von Alice Echtermann

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Greta Thunberg in Großbritannien, kurz vor dem Aufbruch mit der „Malizia II“. (Foto: Kirsty Wigglesworth / POOL / AFP)
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Falsch. Greta Thunbergs Reise über den Atlantik wird nicht von Militärflugzeugen überwacht oder begleitet. 

Ein Facebook-Nutzer hat am 14. August ein Bild mit Text hochgeladen, das bisher mehr als 1.700 Mal geteilt wurde. Darauf steht: „Wusstest Du das [sic] bei der Atlantiküberquerung der Greta Thunberg auf einem Segelboot auch ein Filmteam (aus medialen Gründen) an Bord der Jacht ist und die Fahrt der Jacht von mehr als ein Dutzend militärischen Überwachungsflugzeugen mit weit mehr als 100 Einsatzflügen über dem Nordatlantik aus Sicherheitsgründen überwacht wird…“

Der Facebook-Beitrag mit der Behauptung. (Screenshot am 22. August und Schwärzungen: CORRECTIV)

Die Faktenchecker der Deutschen Presse-Agentur und von Mimikama haben die Behauptung bereits als falsch eingestuft. 

CORRECTIV hat überprüft, ob sich ein Filmteam an Bord befindet und ob die Jacht von militärische Überwachungsflugzeugen überwacht wird, die dafür Einsätze fliegen. Die weiteren Behauptungen auf dem Bild, dies sei die „mit Abstand teuerste Atlantiküberquerung der Neuzeit“ mit dem höchsten CO2-Verbrauch „seit dem 2. Weltkrieg“ lassen sich nicht überprüfen. 

Nur ein Filmemacher an Bord, kein Team

Greta Thunberg segelt mit der Jacht „Malizia II“ über den Atlantik. Es handelt sich um eine Sportjacht, mit dem das „Team Malizia“ normalerweise in Regatten antritt. Sie verfügt zwar über einen Motor, der werde jedoch während der Überfahrt nach Angaben des Teams nicht genutzt. 

Neben Greta Thunberg seien ihr Vater Svante Thunberg, der schwedische Filmemacher Nathan Grossman, „Team-Malizia“-Gründer Pierre Casiraghi aus Monaco und der deutsche Segler Boris Herrmann an Bord. Herrmann und Casiraghi segeln gemeinsam bei Regatten von „Team Malizia“. 

Von einem ganzen Filmteam ist also nicht die Rede – es handelt sich um eine Person, Nathan Grossman. Auf einem Foto von Bord des Segelschiffs, das Boris Herrmann selbst machte und das im Südkurier veröffentlicht wurde, ist die vollständige Crew auch zu sehen – ebenso wie in einem Tweet von Greta Thunberg selbst am 19. August.

Die Crew an Bord der „Malizia II“ auf einem Foto, das Greta Thunberg auf Twitter veröffentlichte. Filmemacher Nathan Grossman ist der zweite von rechts. (Screenshot am 22. August: CORRECTIV)

Keine Überwachung durch Flugzeuge

Wären Militärflieger für Thunberg im Einsatz, müssten Behörden davon Kenntnis haben – das Militär ist schließlich eine staatliche Institution. Das Schiff „Malizia II“ segelt unter deutscher Flagge. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, Markus Herholt, sagte auf CORRECTIV-Anfrage am Telefon, er könne die Behauptung, es gebe militärische Überwachungsflüge über dem Atlantik, nicht bestätigen. 

Ein Nato-Sprecher schrieb CORRECTIV per Email: „Keine Einsatzkräfte unter Nato-Kommando verfolgen diese Reise.“

Und auch ein Sprecher des schwedischen Verteidigungsministeriums schrieb auf unsere Frage, ob Schwedens Militär Thunbergs Reise aus der Luft verfolge: „Die Antwort ist definitiv absolut nicht.“

Die Email des Pressesprechers des Schwedischen Verteidigungsministeriums. (Screenshot: CORRECTIV)

Team-Malizia-Sprecher: Crew hat Unterstützung an Land

Auf eine Anfrage per Email antwortete zudem der Sprecher des Segelteams, Andreas Kling, es finde „überhaupt keine Überwachung mit Flugzeugen“ statt. Die Fahrt werde mit einem GPS-basierten Tracker überwacht, mit dem auch jeder auf der Webseite von „Boris Herrmann Racing“ – dem offiziellen Internetauftritt von „Team Malizia“ – die Reise des Schiffes nachverfolgen könne. Auch auf der Webseite Marine Traffic gibt es Informationen zur aktuellen Position. 

Außerdem gebe es eine Internetverbindung per Satellit mit dem Team an Land. Ebenfalls per Satellit stehe der Crew eine Wetterberatung und medizinische Beratung zur Verfügung, so Kling.

Die Email von Team-Malizia-Sprecher Andreas Kling an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Segelschiff sei ganz allein unterwegs und werde auch nicht von anderen Booten begleitet, heißt es auch auf der Webseite von „Team Malizia“