Wir haben seit unserem Update mehr als 350 Millionen Euro in der Justizgelder-Datenbank erfasst. Jeder von Euch kann schauen, an wen die deutsche Justiz dieses Geld verteilt hat. Um in den Daten nicht unterzugehen, hilft ein struktureller Ansatz. Hier geben wir Euch sieben Tipps für die eigene Recherche.

In den letzten Monaten standen wir immer wieder mit Bürgern und Journalisten in Kontakt. Immer wieder haben wir mit Euch darüber gesprochen, wie Ihr die Datenbank mit den mehr als 350 Millionen Euro am besten nutzen könnt – zum Beispiel für Geschichten in lokalen Medien und Blogs.

1.) Die veröffentlichten Daten sind Ausgangspunkt für eine tiefere Recherche. Wer fragwürdige Überweisungen aufschlüsseln will, muss weiter bohren. Zum Start bietet Euch die Datenbank aber auch schnelle Erkentnisse. Ihr könnt Ranglisten erstellen: Wer hat in meinem Bundesland am meisten Geld bekommen? Welche Zahlungen tauchen auf, wenn ich den Namen meiner Stadt eingebe? Schaut Euch an, wie sich die Zuweisungen über die vergangenen acht Jahre entwickelt haben. Gab es Jahre, in denen eine Organisation besonders viel Geld erhalten hat? Lässt sich das begründen?

2.) Die Grundstuktur der erfassten Daten ist ganz einfach. Ihr findet Namen von Organistionen, die Geld erhalten haben. Ihr seht, in welchen Jahren sie aus welchem Bundesland welche Summe erhalten haben. Dann wird es spannend: Ihr seht, aus welchem Justizbezirk das Geld kam und findet die Originaldokumente, die wir zusammengtragen haben. Wer mehr verstehen will, sollte sich beide Seiten ganz genau anschauen: Die Organisation, die Geld erhält. Und das Gericht oder die Staaatsanwaltschaft, die das Geld verteilt hat.

3.) In der Organisation solltet Ihr nach allen Beteiligten schauen. Ihr könnt im Handelsregister die Vorstandsmitglieder finden. Haben diese Personen irgendeine Verbindung zur Justiz? Arbeiten sie in diesem Bereich oder haben sie Verwandte in der Justiz?

4.) Neben den Personen ist der Zweck jeder Organisation interessant. Was steht in der Satzung? Welche Informationen finden sich auf der Internetseite des Vereins? Passt die Förderung durch die Justiz zu einer solchen Organisation? Hilft der Verein der Rehabilitation von Straffälligen oder der Prävention von Straftaten.

5.) Besonders spannend ist die Frage, wer konkret das Geld verteilt hat. Die Datengrundlage variiert hier von Bundesland zu Bundesland. Zum Teil kann man das Geld aber relativ gut zurückverfolgen: Schaut bei der Organisation in der Spalte „Justizbezirk.“ In diesem Bezirk wurde das Geld verteilt. Im schlechtestens Fall wird dort nur das Justizminsterium als oberste Justizbene gelistet. In einem besseren Fall steht dort ein Landgericht. Dann wisst Ihr schon: In diesem Landgericht oder einem zugehörigen Amtsgericht wurde das Geld zugewiesen. Wenn Ihr wisst, an welchem Gericht das Geld verteilt wurde, schaut in die Geschäftsverteilungpläne der Gerichte rein. Dort findet Ihr die Namen der zuständigen Richter. Diese Organigramme stehen nicht überall öffentlich und müssen zum Teil angefragt werden.

6.) Ein weiterer Tipp: Gleicht die Datenbank mit fragwürdigen Vereinen aus eurer Region ab, die Ihr schon kennt. Haben Organisationen mit rechtsradikalen Bezügen profitiert? Kennt Ihr andere fragwürdige Vereine, die sich über Gelder freuen konnten? Welche Vorstände sind Euch bekannt, die in der Vergangenheit komische Geschäfte betrieben haben oder als korrupt aufgefallen sind?

7.) Nutzt die intelligente Suche. Wie Ihr es von Suchmaschinen wie Google kennt, könnt Ihr Eure Suche mit entsprechen Befehlen verfeiern. Die meisten der hier beschrieben Befehle funktionieren auch in der Justizgelder-Datenbank. Einfach mal ausprobieren.

Und eine Bitte haben wir noch: Teilt Eure Ergebnisse mit uns und anderen interessierten Bürgern. Wir stellen diese Datenbank frei zur Verfügung, damit das System transparenter wird. Ihr könnt dabei helfen. Falls Euch seltsame Zahlen oder Organisationen auffallen, kommentiert gerne unter diesem Text, schreibt uns eine E-Mail, twittert unter dem Hashtag #Spendengerichte und verlinkt bei Euren Recherchen auf unsere Datenbank, damit möglichst viele Leute davon erfahren.

10 Euro für unabhängigen Journalismus