Es gibt heute viele Möglichkeiten, sich über die Qualität von Kliniken und Ärzten zu informieren. Doch nicht alle sind verlässlich. Vorsicht etwa bei gewissen Bewertungsportalen im Internet.

Diese Recherche veröffentlichen wir in Kooperation mit dem Deutschlandradio.

Vor einer Operation müssen sich Patienten für ein Krankenhaus entscheiden. Empfehlungen bekommt man an vielen Stellen. Bei Internetportalen wie der Weißen Liste der Bertelsmann-Stiftung , dem Krankenhausnavigator der AOK oder auf Arztbewertungsportalen wie klinikbewertungen.de. Oder, ganz klassisch: Über eine Empfehlung des Hausarztes.

Wie geht man am besten bei der Auswahl vor? In drei Schritten:

Schritt Eins: Welches sind meine Kriterien?

Das beste Krankenhaus gibt es nicht. Jeder Patient muss herausfinden, was ihm wichtig ist. Für den einen zählt die Qualität der Chirurgen, ihre Ausbildung, ihre Erfahrung. Für den nächsten mag der allgemeine Komfort, die Atmosphäre in der Klinik wichtiger sein. Ein wichtiger Faktor vor allem für ältere Menschen: Wie weit ist die Klinik von meinem Wohnort, von meinen Verwandten entfernt?

„Jeder Patient hat seine eigenen Kriterien, was für ihn ein gutes Krankenhaus ausmacht“, sagt Dörte Elß, Gesundheitsexpertin der Berliner Verbraucherzentrale. Ranglisten, in denen die 100 besten Ärzte aufgelistet sind, seien deshalb nur bedingt hilfreich.

Schritt Zwei: Das Arztgespräch

Die ersten Ansprechpartner haben Patienten im direkten Umfeld. Dazu gehören Freunde, Familie – und der niedergelassene Arzt. Er hat die Operation in der Regel empfohlen. Bei der Überweisung soll er ein oder besser zwei Krankenhäuser angeben, zwischen denen der Patient wählen kann. Im Idealfall hat der Arzt einen entscheidenden Vorteil: „Er sieht die Patienten auch hinterher, wenn sie aus dem Krankenhaus wiederkommen“, sagt Elß von der Verbraucherzentrale. Sind die Patienten zufrieden mit ihrer Behandlung gewesen? Genau wie der Arzt?

Wer sich unsicher ist, ob er überhaupt operiert werden soll, und wenn ja, so wie der Arzt das vorgeschlagen hat, kann sich kostenlos eine Zweitmeinung von einem anderen Arzt einholen. Die meisten Krankenkassen vermitteln kostenlos Termine zu Fachärzten.

Schritt Drei: Die Internetsuche

Im Internet gibt es viele Angebote, die über die Krankenhausqualität informieren sollen. Doch nicht alle sind seriös, warnt Verbraucherschützerin Elß. Gerade bei Portalen, auf denen Patienten die Qualität von Kliniken bewerten, sollte man ein paar Fragen klären, um die Informationen auf der Webseite einschätzen zu können. „Ein Blick ins Impressum hilft schon mal ein ganzes Stück weiter“, sagt Elß. „Oder auch die Frage: Wie finanzieren die sich?“

Zwar behaupten die meisten dieser Webseiten von sich, unabhängig zu sein. Wenn sich die Seite über Werbung finanziert oder Krankenhäuser ihren Auftritt auf der Seite mit einer Premium-Mitgliedschaft aufhübschen können, kann man an der Unabhängigkeit getrost zweifeln.

Ein Beispiel: Auf der Startseite von klinikbewertungen.de tauchen oben, links und rechts Werbebanner auf. Prominent in der Mitte platziert, sind ausgewählte Profile von Kliniken. Im Impressum wirbt der Betreiber der Seite, eine Firma aus den USA, unter Klinikmitarbeitern für seine Premium-Mitgliedschaft. Elß ist von der Webseite nicht überzeugt. Sie verlässt sich lieber auf die Weiße Liste der Bertelsmann-Stiftung.

Erste Anlaufstelle Weiße Liste

Die Weiße Liste sei die erste Anlaufstelle bei der Krankenhaussuche im Internet, sagt Elß. Hierin finden sich zu fast jedem Krankenhaus in Deutschland umfangreiche Informationen. Die Zahlen für Operationen und Personal, Betten und Apparate, zum Beispiel. Oder weichere Faktoren wie ein Entlass- und Qualitätsmanagement. Neben diesen grundlegenden Daten, bietet die Weiße Liste auch Infos zur medizinischen Qualität mancher Eingriffe. Diese Daten decken allerdings nur 30 Leistungsbereiche ab, zum Beispiel die Behandlung von Lungenentzündungen.

Der Großteil der Informationen in der Weißen Liste stammt aus den Qualitätsberichten, die die Kliniken seit 2005 veröffentlichen müssen. Diese Berichte sind zwar umfangreich, doch auch sie sind nicht vollkommen verlässlich. Die Krankenhäuser müssen die Daten selbst angeben und können dabei mit Schlupflöchern ihre Statistik aufbessern. „Die Transparenz dieser Berichte ist gering“, sagt Wolf-Dietrich Trenner, der die Patienten jahrelang im höchsten Gremium des Gesundheitswesens vertreten hat, dem Gemeinsamen Bundesausschuss.

In 16 Leistungsbereichen zieht der Krankenhausnavigator der Krankenkasse AOK deshalb zusätzlich die sogenannten Routinedaten heran. Diese nutzen die Krankenkassen für die Abrechnung. Sie haben mehrere Vorteile. Zum einen vergleichen sie die Behandlungsqualität über mehrere Jahre hinweg. Zum anderen sind sie vollständiger.


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Der Autor dieser Serie ist mit einem Datenfellowship der Rudolf Augstein Stiftung gefördert worden.

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