Die Massentierhaltung ist verantwortlich für die Nitrat-Belastung des Grundwassers in vielen Regionen. Einerseits drängt die EU die Deutschen, das Problem zu lösen, andererseits fördert sie dieselben Verursacher mit Millionen-Subventionen. Was muss geschehen, damit dieser Widerspruch endet?

In einer Datenrecherche haben wir gezeigt, dass viele Massentierhalter, bei denen Tonnen von Schadstoffen anfallen, großzügige EU-Gelder erhalten. Der einzelne Landwirt handelt nach der jetzigen Agrarlogik vernünftig. Denn es gibt kaum Umweltauflagen für die Schadstoffe und den Großteil an Subventionen zahlt die EU pauschal nach Fläche. Aber das Ergebnis dieser Subventionspolitik ist schädlich für Verbraucherinnen und Verbraucher. Wenn die Politik will, könnte sie Folgendes tun:

1. Höfe umbauen mit staatlichen Geldern

Die Höfe müssen umweltgerecht umgebaut werden. Es gibt immer noch keine bundesweite Filterpflicht für Massentierställe, in denen Tonnen von übelriechendem und umweltschädlichem Ammoniak entstehen. Großbetriebe sollten endlich per Gesetz gezwungen werden, Filter in Ställe einzubauen, damit sie die Luft nicht mit Ammoniak verpesten. Damit sich Höfe von mittlerer Größe dies auch leisten können, muss es gezielte Subventionen für den Umbau geben. In Niedersachen wird dieser Umbau schon vorangetrieben. Aber es gibt bisher zu wenig Förderung für die kleinen Betriebe.

2. Tierzahl begrenzen

Die Anzahl der Tiere sollte begrenzt werden. Vor allem pro Region. Jeder Bauernhof, jeder Stallbetrieb soll weiterhin frei entscheiden dürfen, ob er viele oder wenig Tiere hält. Aber unter den jetzigen Bedingungen ist die Fleisch-, Eier- und Milchproduktion oft vollkommen abgekoppelt von natürlichen Produktionsbedingungen. Eine Begrenzung kann erreicht werden, wenn ein Hof für jedes Tier nachweisen muss, dass er auch Fläche vorhält, auf die er die Gülle bringen kann. In einigen Bundesländern gibt es das schon. So kann vermieden werden, dass zu viel Gülle, zu viel Ammoniak an einem Ort entsteht.

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So wollen sich viele die Tierhaltung vorstellen. Im Laden greifen viele dann doch zu den billigen Produkten. Und die kommen aus den Massentällen.

3. Verursacher an den Kosten beteiligen

Große Tierbetriebe stoßen hohe Mengen an Umweltschadstoffen aus. Das ergibt sich schlicht aus der Menge an Tieren. Je mehr Kühe, Schweine und Hühner, desto mehr Mist fällt an. Auch hier sollte es Grenzwerte geben. Wenn die überschritten werden, müßte es eine Art Gebühr geben. Das Problem dabei: Schlaue Besitzer könnten auf die Idee kommen, ihre Ställe in lauter kleine Betriebe aufzuspalten, um die Grenzwerte zu unterlaufen. Wirksames Gegenmittel: die Schadstoffe müssten von den Muttergesellschaften gemeldet werden.

Für Betriebe sollte das ein Anreiz sein, in umweltfreundliche Technologien zu investieren. Das geht bei Ammoniak zum Beispiel mit Filtern für große Ställe. Und bei der Gülle gibt es technisch die Möglichkeit, die Gülle so zu trennen, dass ein Düngekonzentrat entsteht, und in der Menge weniger wird.

4. Zielgerichtete Subventionen

Bisher wird der Großteil der Agrarsubventionen pauschal nach Hektar bezahlt. Ein Agrarriese profitiert von diesem System deutlich mehr als ein lokal verwurzelter Landwirt. Das muss sich ändern, wenn das Ziel eine nachhaltige Landwirtschaft sein soll.

Subventionen sollte es auch zukünftig geben. Aber vor allem für artgerechte, umweltfreundliche, nachhaltige Landwirtschaft. Das haben auch Agrarforscher in einem Gutachten für das Bundeslandwirtschaftsministerium im Jahr 2015 schon gefordert: Sie sind dafür, Subventionszahlungen für die Fläche deutlich zu reduzieren und stattdessen mit mehr gezielten Subventionen eine umweltschonende, nachhaltige Landwirtschaft zu fördern. Die Autoren machen auch die Gefahren durch Ammoniak und Nitrat deutlich, verweisen auf das Tierwohl. Nach ihren Plänen würden Massentierhalter kein Geld pauschal für ihren Futtermais erhalten. Sondern nur Betriebe, die tierfreundliche Ställe bauen und sicherstellen, dass sie ihre Gülle schonend entsorgen.

Ein erster Schritt zu mehr Gerechtigkeit wäre: die Subventionszahlungen für Großbetriebe zu reduzieren. Öffentliche Gelder sollten ab einer bestimmten Größe deutlich gekürzt werden. Das Geld, das dadurch frei wird, könnte besser an Höfe ausgezahlt werden, die ihren Betrieb nachhaltig umbauen.

5. Verbrauchern helfen

Eine Agrarwende bringt nichts, wenn der Kunde nicht mitmacht. Nachhaltige Betriebe, die den Staat viel Geld kosten, haben keine Chance, wenn die Verbraucher am Ende wieder nur zu Billigfleisch greifen, das dann aus dem Ausland kommt.

Billiges Fleisch essen und zugleich gegen die Massentierhaltung sein: Viele Verbraucher verhalten sich widersprüchlich. Selbst wenn bei einigen oft Biofleisch auf dem Teller landet, essen viele in der Kantine das Hähnchen, greifen zum günstigen Schinken im Laden oder genießen eine Bratwurst im Biergarten. Herkunft des Fleisches: unbekannt.

Ob sich nachhaltige Tierhaltung lohnt, liegt auch am Verbraucher.

Ob sich nachhaltige Tierhaltung lohnt, liegt auch an den Verbrauchern. Sie müssen bereit sein, mehr für Fleisch und Milch zu zahlen.

Auch sie könnten Druck auf die Betriebe ausüben, wenn sie auf die Herkunft des Fleisches achten – oder schlicht weniger Fleisch essen würden.

Verbraucher sind aber auch ahnungslos, was für Fleisch oder welche Milch sie kaufen. Um das zu ändern, sollte es ein Gütesiegel-System geben, mit dem Verbraucher erkennen können, ob sie Fleisch aus Massentierhaltung kaufen und wie die Tiere gehalten werden. Bei Eiern gibt es das schon. Dort wissen Verbraucher, ob die Hühner in Boden- oder Freilandhaltung leben oder ob die Eier vom Biohof kommen.

Was ein grüner Landwirtschaftsminister fordert:

Ab Herbst neue EU-Verhandlungen

Im Herbst beginnen in Brüssel die Neuverhandlungen für die EU-Subventionen ab 2020. Die EU-Kommission bereitet zur Zeit neue Vorschläge vor. Noch steht nicht fest, wer ab Herbst das Landwirtschaftsministerium führt und wer die Bundesregierung in Brüssel vertreten wird – auch wenn derzeit viel dafür spricht, dass das Agrarministerium in der Hand der CSU bleibt.

 

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