Es ist eine kurze Frist: Bis zum Monatsende soll das Diakoniewerk Bethel Forderungen der Dachorganisation Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO) akzeptieren. Sonst droht der Ausschluss. DWBO-Direktorin Eschen nennt die bekannt gewordenen Fälle im Diakoniewerk Bethel „schlicht unanständig“.

Dem Diakoniewerk Bethel drohen nach Bekanntwerden von Vorwürfen über die Machtfülle des Geschäftsführers jetzt Konsequenzen. Die Dachorganisation „Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz“ (DWBO) veröffentlichte am Freitag vier Forderungen, die Bethel bis Monatsende akzeptieren soll. Sonst droht der Ausschluss aus dem Verband (​zur Stellungnahme). 

CORRECTIV hatte berichtet, wie der Bethel-Vorstand Karl Behle das Diakoniewerk im Lauf der Jahre unter seine Kontrolle gebracht hat. So gründete Behle zwei Stiftungen, die die Eigentümer des Werks sind. Eigentümer der Stiftungen wiederum ist Geschäftsführer Behle selbst. Die Rede ist zudem von einem Jahresgehalt in Höhe von etwa 700.000 Euro sowie einer Auszahlung von Pensionsansprüchen in Millionenhöhe. Außerdem kaufte Behle eine Konzernvilla zu einem erstaunlich niedrigen Preis dem von ihm beherrschten Diakoniewerk ab und führte die Villa in seinen Privatbesitz über.

Behle und das Diakoniewerk haben sich bisher auf Anfrage zu den Vorwürfen nicht geäußert.

Das DWBO fordert jetzt den „unverzüglichen“ Rücktritt von Karl Behle aus dem Vorstand des Diakoniewerkes Bethel. „Die aufgedeckten Vorgänge wären in keiner Weise vereinbar mit den Grundsätzen der Arbeit der Diakonie,“ heißt es in der Stellungnahme. Sowie: „Wir sind erschüttert über diese Informationen“, die bekannt gewordenen Vorwürfe seien „schlicht unanständig“ und „rufschädigend“, wie DWBO-Direktorin Barbara Eschen in der Stellungnahme schreibt. Wenn das Diakoniewerk Bethel die Forderungen nicht bis zum 31. Juli akzeptiert, geht der Verband von einem Austritt des Diakoniewerks aus dem DWBO aus. Angesichts der Kürze der Frist käme das einem Ausschluss gleich.

Mehr Transparenz, mehr Aufsicht

Das Diakoniewerk Bethel solle zudem durch Prüfberichte nachweisen, inwieweit die Immobiliengeschäfte, die mögliche Auszahlung der Pensionsansprüche sowie die Übernahme des Werks durch zwei Stiftungen rechtmäßig gewesen seien, heißt es weiter. Die Stiftungsräte sollen künftig mit mehreren Vertretern des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) und mindestens einem des DWBO besetzt werden.

Das kritisierte Diakoniewerk Bethel wollte sich telefonisch zunächst nicht zu den Forderungen des DWBO äußern, kündigte aber schriftliche Antworten an. Das Diakoniewerk Bethel ist nicht zu verwechseln mit dem „Bodelschwinghschen” Namensvetter. Das von Karl Behle kontrollierte Diakoniewerk betreibt mit rund 1.700 Mitarbeiters 13 Krankenhaus- und Pflegeeinrichtungen in ganz Deutschland.

Es ist nicht das erste Mal, dass der DWBO Ärger mit einem Mitgliedsverband hat. 2010 schloss der Verband die Treberhilfe Berlin aus, nachdem interne Details wie das hohe Gehalt eines Geschäftsführers bekannt wurden. Die Vorgänge wurden in Anlehnung an seinen Dienstwagen die „Maserati-Affäre” getauft. Später stellte das Landgericht Berlin allerdings fest, dass der Ausschluss unwirksam war.

Der DWBO habe seine Satzung nach den Erfahrungen mit der Treberhilfe überarbeitet, sagte das Vorstandsmitglied Martin Matz gegenüber CORRECTIV. Außerdem habe der DWBO unter den eigenen Mitgliedern eine Gehaltsumfrage durchgeführt. „Wir haben aus einer Vielzahl von Diskussionen in und außerhalb der Gremienarbeit Anlass davon auszugehen, dass unsere über 420 Mitglieder in der übergroßen Mehrzahl das nötige Problembewusstsein spätestens seit der „Treberhilfe“ mitbringen,“ sagte Matz.

Im Falle des Diakoniewerkes Bethel liege eine Schwierigkeit darin, dass die beiden von Behle gegründeten Stiftungen nicht Mitglieder im DWBO seien. „Wir kennen die Satzungen unserer Mitglieder, nicht jedoch die der Nichtmitglieder“, so Matz.

Das Diakoniewerk Bethel ist auch Mitglied im Bund Evangelisch Freikirchlicher Gemeinden (BEFG). Auch der BEFG hat nach der Berichterstattung das mögliche Gehalt von Behle kritisiert. „Sollte die beschriebene Höhe des Vorstandsgehalts zutreffen, wäre dies aus unserer Sicht inakzeptabel“, hieß es. Der BEFG hatte bereits selber eine Untersuchung der Vorgänge im Diakoniewerk Bethel eingeleitet, sich aber im Mai dafür entschieden, das Diakoniewerk Bethel nicht auszuschließen.

Die vollständige Stellungnahme des DWBO:

 

 

Update 17. Juli 2017: Wir haben den Artikel mit Äußerungen des DWBO-Vorstands Martin Matz ergänzt.

 

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