
Im bayerischen Landshut wird eine Aufforstung beschlossen. Die Stadtwerke wollen dort ein artenreiches Grünland auf einer neuen Fläche schaffen. Klingt nach einer nicht gerade umwerfenden Lokalnachricht, oder? Dahinter steht aber eine wuchtige internationale Recherche, die gezeigt hatte, dass über hundert Stadtwerke in Deutschland mit fragwürdigen „Ökogas“-Tarifen Verbraucherinnen und Verbraucher täuschten.
Bei CORRECTIV sprechen wir ja häufiger davon, dass unsere Recherchen auch Wirkung entfalten sollen. Dahinter steht der einfache Gedanke: Wenn wir aufdecken, dass etwas falsch läuft, sollte doch daraus eine Debatte entstehen, wie es besser werden könnte.
Jüngst begann ein Artikel der Landshuter Zeitung damit, dass CORRECTIV vor fast zwei Jahren die „Ökogaslüge“ von Gasversorgern aufgedeckt hatte. Stadtwerke verkauften vermeintlich ökologisch sauberes Gas, indem sie Zertifikate kauften, die zeigen sollten, dass in anderen Teilen der Welt ökologische Projekte entstehen. Die Stadtwerke konnten nach unserer Recherche aber nicht nachweisen, ob die Projekte wirklich Emissionen senken.
In Landshut setzte im Stadtrat daraufhin ein Prozess ein. Einige Politiker forderten damals nachweisbare ökologische Maßnahmen von ihren Stadtwerken, die einen lokalen Bezug haben sollten. Die Stadtwerke machten sich daraufhin auf die Suche und haben nun eine Lösung präsentiert, die ökologische Ausgleichsmaßnahmen sichtbar machen: die erwähnte Aufforstung.
Als erste Reaktion auf unsere Recherche hatten damals über 40 Stadtwerke ihre windige „Ökogas“-Werbung eingestellt. Nun also auch mehr Grünland.
Die Recherche unserer Klimaredaktion zu einem komplexen globalen Zertifikate-Handel und der Verbrauchertäuschung hat in diesem Fall eine sehr lokale Wirkung. Uns hat das neue Grünland in Landshut diese Woche positiv überrascht. Vor allem zeigt es, wie Recherchen kurzfristig und langfristig Wirkung entfalten können.
Sie dürfen gespannt sein, denn von unserer Klimaredaktion wird kommende Woche eine neue Recherche kommen: Sie könnte den Umgang mit dem Rhein verändern und vielleicht Maßnahmen anstoßen, die Fehlentwicklungen vermeiden.
Am Ende dieses SPOTLIGHT nimmt Sie mein Kollege Marcus Bensmann zu einer persönlichen Begegnung mit dem Papst in Rom mit, die erst ein paar Tage her ist. Auch das ist Teil einer Recherche.
Herzlich,
Ihr Justus von Daniels
Verbrennen wir die Zukunft?
Eigentlich wissen wir, dass Benzin und Diesel dem Klima schaden – und trotzdem tanken Millionen weiter. Warum fahren wir also nicht viel mehr Elektroautos? Antworten geben Menschen an einem vertrauten Ort: an der Tankstelle. Hier treffen Gewohnheiten von Autofahrern, wirtschaftliche Interessen und politische Entscheidungen aufeinander. Panorama begleitet die 38-jährige Chefin einer Tankstelle in Niedersachsen. Die Erderwärmung macht ihr Sorgen, gleichzeitig lebt sie vom Verkauf klimaschädlicher Kraftstoffe. Welche Entscheidungen sorgen jetzt für eine gute Zukunft – für sie und für uns alle?
Tanken und das Klima (ardmediathek.de, Video)
Wirtschaftsministerin bei Alpen-Geheimtreffen
Bei einem exklusiven Treffen mit Wirtschaftsbossen und internationalen Politikern und Politikerinnen war Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) mittendrin – angeblich als Privatperson. Eine Broschüre, die FragdenStaat veröffentlicht, wirft daran Zweifel und Fragen auf.
Hier ist die Gästeliste des Alpen-Geheimtreffens (fragdenstaat.de)
Christfluencer mit rechter Agenda?
Zwei der bekanntesten Influencer sind Jasmin Friesen und Leonard Jäger. Oft geht es bei ihnen um Glaubensbotschaften oder Produkte, die sie verkaufen. Doch in ihrem Content findet sich auch die AfD, bei Jäger auch Verbindungen zu extrem rechten Kräften in den USA. Die „Christfluencer“-Szene ist groß und sehr unterschiedlich. Es gibt liberale und konservative Positionen, die Inhalte reichen von Lifestyle über Glaubenslehre und Musik bis hin zu politischen Positionen. Das Doku-Format Die Spur beleuchtet Jägers Kontakte, die bis in die USA reichen und ihn sogar in das direkte Umfeld von Donald Trump brachten. Dabei findet das Autorenteam Verbindungen zu US-Organisationen, die auch in Europa versuchen, eine radikal-religiöse Agenda voranzutreiben.
Christfluencer mit rechter Agenda? (zdf.de, Video)
Die Methode Aserbaidschan
Im Podcast Gen East erzählen die Investigativjournalistin Fatima Karimova und der Theaterregisseur Elmin Badalov von staatlicher Repression gegen unabhängige Medien, von Trollkampagnen, Hackerangriffen und Einschüchterungen in Aserbaidschan. Elmin schildert Polizeigewalt nach Theateraufführungen, berichtet von Zensur und zeigt, wie das Regime die Kunst systematisch zum Schweigen bringt. Welche Rolle spielt Europa dabei? Warum hält Deutschland trotz massiver Repressionen an einer engen Energiepartnerschaft mit Baku fest? Und was bedeutet das für Menschen wie Fatima und Elmin?
Gen East (podigee.io, Audio)
Menschen aus Afrika für Putins Krieg
Mit Aussicht auf einen Job gehen viele junge Menschen von Afrika nach Russland. Dort werden sie genötigt, Drohnen für den Ukraine-Krieg zu produzieren oder sie müssen an die Front. Einige afrikanische Länder unterstützen offenbar die Rekrutierungen.
Wie Russland Menschen aus Afrika für den Krieg rekrutiert (deutschlandfunk.de, Audio)
Zu meinen Aufgaben als investigativer Journalist gehört es, Menschen zu befragen. Die Person oder Organisation, über die ich recherchiere, muss ich mit meinen Erkenntnissen vertraut machen, damit sie Stellung beziehen kann. Dafür gibt es ein Wort: Konfrontieren.
Der Zeitpunkt solcher Anfragen kann variieren. Manchmal geschieht dies wenige Tage vor der Veröffentlichung, manchmal ist es sinnvoll, frühzeitig Kontakt aufzunehmen. Die Recherche ist ein strategisches Kunstwerk. Viel hängt von Zeit und Ort ab.
Meistens sende ich eine E-Mail und rufe an, um sicherzustellen, dass die E-Mail angekommen ist. Alternativ nutze ich auch schon mal ein Fax – ja, das gibt es auch noch – oder eben einen Brief per Einschreiben, hin und wieder sogar mit Füller geschrieben. Wichtig ist, dass die Fragen angekommen sind.
Eigentlich ist das Routine. Doch bei der Recherche zum Missbrauch in der katholischen Kirche war es anders.
Seit 2018 recherchiert CORRECTIV dazu. Unsere Recherchen führten uns anfänglich von Bottrop nach Garching an der Alz. Wir hatten dabei schon früh Papst Benedikt XVI. im Blick. Vor drei Jahren erweiterten wir die Recherche und suchten weltweit nach Hinweisen auf Briefe zwischen Bistümern und der Glaubenskongregation im Vatikan über Missbrauchsfälle.
Wir wurden fündig und planen, Ende März einen Film dazu zu zeigen. Das wird spannend, das kann ich schon versprechen. Wir dachten, es wäre am besten, den Papst dazu zu befragen. Seit letztem Sommer versuchen wir das. Wir schickten E-Mails und handgeschriebene Briefe. Eine Antwort kam, dass ein anderer Bischof sich kümmern würde. Doch wie wissen wir, ob unser Brief wirklich den Papst erreicht hat?
Robert Francis Prevost ist ein recht junger und auch fitter Papst. Seit seiner Wahl fährt er, nun Papst Leo XIV., meistens nach dem Sonntagsgottesdienst in die Residenz nach Castel Gandolfo, eine Stunde Autofahrt von Rom, und bleibt dort bis Dienstagabend. Er soll dort reiten und Tennis spielen. So hört man.

Beim Verlassen der Residenz stehen Gläubige und Pressevertreter vor dem Tor, und es ergibt sich eine für römische Verhältnisse sehr ungezwungene Gesprächssituation. Im Dezember war ich schon mal dort, es war kalt, windig und regnete, und Papst Leo verschwand schnell im Auto. An diesem Dienstag war ich wieder da. In einem Brief haben wir unsere Rechercheergebnisse beschrieben und um Antworten gebeten. „Wir sind Journalisten aus Deutschland und haben Fragen“, sagte ich, und der Papst nahm den Umschlag. Jetzt wissen wir: Unsere Fragen sind angekommen. Ob und welche Antwort wir erhalten, erfahren Sie Ende März.

Ein Alptraum für Putin?
Während Russlands Machthaber Putin die Kräfte des Landes auf den Krieg gegen die Ukraine konzentriert, könnte sich im Nordkaukasus ein Machtkonflikt zusammenbrauen. Es geht um die Nachfolge des tschetschenischen Machthabers Kadyrow, der schwer krank sein soll.
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Aufstieg der deutschen Waffen-Start-ups
Helsing und Stark wollen ins Zentrum der deutschen Rüstungsmodernisierung vorstoßen. Ihre Kamikaze-Drohnen sind nur die sichtbare Spitze: Hinter den Start-ups stehen mächtige Netzwerke.
correctiv.org
„Wir fangen bei null an“: Mehr als 40.000 Kinder wiederholen die erste Klasse
Nach Recherchen von CORRECTIV steigt die Zahl der Kinder, die länger in der Grundschule bleiben. In sozialen Brennpunkten sind es bis zu 90 Prozent. Der Grund: Fehlende Sprachkenntnisse und sinkende Konzentrationsfähigkeit.
correctiv.org
Menschen mit Behinderungen: Warum sie im Katastrophenfall bislang auf sich allein gestellt sind
Eine CORRECTIV-Abfrage zeigt: Städte und Landkreise haben zwar Notfallpläne. Informationen über besonders gefährdete Menschen liegen aber nur vor, wenn diese in Einrichtungen leben. Wer zu Hause auf mit Strom betriebene medizinische Geräte angewiesen ist, bleibt ohne eigenes Zutun unsichtbar.
correctiv.org
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Martin Böhmer, Nora Pohl & Finn Schöneck.
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