Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Justus von Daniels

Bei CORRECTIV sprechen wir ja häufiger davon, dass unsere Recherchen auch Wirkung entfalten sollen. Dahinter steht der einfache Gedanke: Wenn wir aufdecken, dass etwas falsch läuft, sollte doch daraus eine Debatte entstehen, wie es besser werden könnte. 

Jüngst begann ein Artikel der Landshuter Zeitung damit, dass CORRECTIV vor fast zwei Jahren die „Ökogaslüge“ von Gasversorgern aufgedeckt hatte. Stadtwerke verkauften vermeintlich ökologisch sauberes Gas, indem sie Zertifikate kauften, die zeigen sollten, dass in anderen Teilen der Welt ökologische Projekte entstehen. Die Stadtwerke konnten nach unserer Recherche aber nicht nachweisen, ob die Projekte wirklich Emissionen senken.

In Landshut setzte im Stadtrat daraufhin ein Prozess ein. Einige Politiker forderten damals nachweisbare ökologische Maßnahmen von ihren Stadtwerken, die einen lokalen Bezug haben sollten. Die Stadtwerke machten sich daraufhin auf die Suche und haben nun eine Lösung präsentiert, die ökologische Ausgleichsmaßnahmen sichtbar machen: die erwähnte Aufforstung.

Als erste Reaktion auf unsere Recherche hatten damals über 40 Stadtwerke ihre windige „Ökogas“-Werbung eingestellt. Nun also auch mehr Grünland.

Die Recherche unserer Klimaredaktion zu einem komplexen globalen Zertifikate-Handel und der Verbrauchertäuschung hat in diesem Fall eine sehr lokale Wirkung. Uns hat das neue Grünland in Landshut diese Woche positiv überrascht. Vor allem zeigt es, wie Recherchen kurzfristig und langfristig Wirkung entfalten können.

Sie dürfen gespannt sein, denn von unserer Klimaredaktion wird kommende Woche eine neue Recherche kommen: Sie könnte den Umgang mit dem Rhein verändern und vielleicht Maßnahmen anstoßen, die Fehlentwicklungen vermeiden. 

Am Ende dieses SPOTLIGHT nimmt Sie mein Kollege Marcus Bensmann zu einer persönlichen Begegnung mit dem Papst in Rom mit, die erst ein paar Tage her ist. Auch das ist Teil einer Recherche.

Herzlich,

Wirtschaftsministerin bei Alpen-Geheimtreffen
Bei einem exklusiven Treffen mit Wirtschaftsbossen und internationalen Politikern und Politikerinnen war Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) mittendrin – angeblich als Privatperson. Eine Broschüre, die FragdenStaat veröffentlicht, wirft daran Zweifel und Fragen auf.
Hier ist die Gästeliste des Alpen-Geheimtreffens (fragdenstaat.de)

Christfluencer mit rechter Agenda?
Zwei der bekanntesten Influencer sind Jasmin Friesen und Leonard Jäger. Oft geht es bei ihnen um Glaubensbotschaften oder Produkte, die sie verkaufen. Doch in ihrem Content findet sich auch die AfD, bei Jäger auch Verbindungen zu extrem rechten Kräften in den USA. Die „Christfluencer“-Szene ist groß und sehr unterschiedlich. Es gibt liberale und konservative Positionen, die Inhalte reichen von Lifestyle über Glaubenslehre und Musik bis hin zu politischen Positionen. Das Doku-Format Die Spur beleuchtet Jägers Kontakte, die bis in die USA reichen und ihn sogar in das direkte Umfeld von Donald Trump brachten. Dabei findet das Autorenteam Verbindungen zu US-Organisationen, die auch in Europa versuchen, eine radikal-religiöse Agenda voranzutreiben.
Christfluencer mit rechter Agenda? (zdf.de, Video)

Autor Box Marcus Bensmann

Der Zeitpunkt solcher Anfragen kann variieren. Manchmal geschieht dies wenige Tage vor der Veröffentlichung, manchmal ist es sinnvoll, frühzeitig Kontakt aufzunehmen. Die Recherche ist ein strategisches Kunstwerk. Viel hängt von Zeit und Ort ab.

Meistens sende ich eine E-Mail und rufe an, um sicherzustellen, dass die E-Mail angekommen ist. Alternativ nutze ich auch schon mal ein Fax – ja, das gibt es auch noch – oder eben einen Brief per Einschreiben, hin und wieder sogar mit Füller geschrieben. Wichtig ist, dass die Fragen angekommen sind.

Eigentlich ist das Routine. Doch bei der Recherche zum Missbrauch in der katholischen Kirche war es anders.

Seit 2018 recherchiert CORRECTIV dazu. Unsere Recherchen führten uns anfänglich von Bottrop nach Garching an der Alz. Wir hatten dabei schon früh Papst Benedikt XVI. im Blick. Vor drei Jahren erweiterten wir die Recherche und suchten weltweit nach Hinweisen auf Briefe zwischen Bistümern und der Glaubenskongregation im Vatikan über Missbrauchsfälle.

Wir wurden fündig und planen, Ende März einen Film dazu zu zeigen. Das wird spannend, das kann ich schon versprechen. Wir dachten, es wäre am besten, den Papst dazu zu befragen. Seit letztem Sommer versuchen wir das. Wir schickten E-Mails und handgeschriebene Briefe. Eine Antwort kam, dass ein anderer Bischof sich kümmern würde. Doch wie wissen wir, ob unser Brief wirklich den Papst erreicht hat?

Foto: CORRECTIV / Davide F. Jabes

Beim Verlassen der Residenz stehen Gläubige und Pressevertreter vor dem Tor, und es ergibt sich eine für römische Verhältnisse sehr ungezwungene Gesprächssituation. Im Dezember war ich schon mal dort, es war kalt, windig und regnete, und Papst Leo verschwand schnell im Auto. An diesem Dienstag war ich wieder da. In einem Brief haben wir unsere Rechercheergebnisse beschrieben und um Antworten gebeten. „Wir sind Journalisten aus Deutschland und haben Fragen“, sagte ich, und der Papst nahm den Umschlag. Jetzt wissen wir: Unsere Fragen sind angekommen. Ob und welche Antwort wir erhalten, erfahren Sie Ende März.

Bleibt die Macht in der Familie? Tschetscheniens Machthaber Ramsan Kadyrow, sein Sohn Adam und Russlands Präsident Wladimir Putin. Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV, Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Martin Böhmer, Nora Pohl & Finn Schöneck.