
Liebe Leserinnen und Leser,
neuer Bundestag hin oder her: Heute berichten wir Ihnen im Schwerpunktthema über eine Recherche, an der wir mehrere Monate gearbeitet haben und die uns sehr am Herzen liegt. Es geht um einen bekannten Spielerberater im Profi-Fußball – er soll über Jahre hinweg bei seinen Schützlingen sexuelle Grenzen überschritten haben.
Die Recherche, die wir zusammen mit Jonas Hummels gemacht haben (einem Ex-Profifußballer) ist für uns der Startpunkt für eine Leser-Recherche – und dafür brauchen wir Ihre geballte Crowd-Power. Wir wollen Sie bitten, unseren Aufruf in Ihrem Bekanntenkreis zu teilen.
Wir wollen gemeinsam mit Ihnen und dem Fußball-Magazin 11Freunde herausfinden: Sind solche Übergriffe im Sport auf Jugendliche und junge Erwachsene ein Breitenphänomen? Hier geht es zum Crowd-Newsroom, in dem man auch anonym melden kann, was einem zugestoßen ist.

Dann noch eine andere ganz wichtige Sache: Die Union aus CDU/CSU will angeblich das Informationsfreiheitsgesetz abschaffen – also das Gesetz, das dafür sorgt, dass Behörden den Bürgern gegenüber ihre Arbeit transparent machen müssen. Und das eine der wichtigsten Grundlagen für investigative journalistische Arbeit ist – auch für uns.
Das berichtete heute zunächst das Redaktionsnetzwerk RND. Wir haben uns das entsprechende Arbeitspapier der Koalitionsverhandlungs-Arbeitsgruppe „Bürokratieabbau, Staatsmodernisierung, Moderne Justiz“ besorgt. Darin steht tatsächlich: „Das Informationsfreiheitsgesetz in der bisherigen Form wollen wir abschaffen.“ Allerdings nur in Klammern und in blauer Schrift – was heißt, die Union will das, die SPD aber nicht.
Wir haben also nachgefragt: bei der CDU, der SPD und verschiedenen Politikern aus dieser Arbeitsgruppe: Warum? Und: Ernsthaft? Erste Antwort der CDU-Bundestagsfraktion heute an uns: „Wir äußern uns nicht zu laufenden Koalitionsverhandlungen.“ Mehr dazu lesen Sie morgen bei uns.
Sie haben andere Hinweise für uns, die sich um Korruption, Machtmissbrauch oder einfach um haarsträubendes Behördenversagen drehen? Schreiben Sie mir Ihre Recherchevorschläge: anette.dowideit@correctiv.org.
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Faktencheck: 150 Euro Handysteuer pro Jahr? Angebliche Forderung von Friedrich Merz ist erfunden
CORRECTIV-Werkbank: Warum Exilmedien auch für die deutsche Berichterstattung wichtig sind
Ob Sie sich für Fußball interessieren oder nicht: Diese Recherche unseres Teams CORRECTIV.Lokal sollten Sie lesen.
Denn es geht eigentlich nicht um Fußball. Sondern darum: Wie ist es, wenn man jung ist und wenig Erfahrung damit hat, wie man über seinen eigenen Körper bestimmen kann? Wann kann/darf/muss man STOPP sagen, wenn ein Erwachsener Grenzen überschreitet? Jemand, der so mächtig ist, dass die eigene Zukunft vom Wohlwollen dieses Jemand abhängt?

Worum geht es?
Viele junge Männer, die sich eine Hoffnung auf eine Zukunft im Profi-Fußball machten, gingen in den vergangenen Jahren zum bekannten Spielerberater N. Er ist einflussreich in der Branche, er hatte Macht und sein Wort konnte viel bewegen.
Das Problem: N. führte bei einigen seiner Schützlinge – so berichtete es uns eine Reihe von ihnen – „Behandlungen“ durch. Also eine Art Physiotherapie.
Warum macht ein Spielerberater überhaupt solche Behandlungen? Das war das erste, was ich mich gefragt habe, als ich von der Recherche hörte.
Es ging aber noch weiter.
Die Übergriffe:
Ein paar der jungen Männer, mit denen wir sprachen, erzählten zum Beispiel dies: Sie sollten sich auf eine Liege legen, nackt, den Intimbereich nur mit einem winzigen Handtuch bedeckt. Dann „behandelte“ sie N. – was immer wieder auch bedeutete, dass er sie wie zufällig im Intimbereich berührte.
Im Nachhinein sagen jene, mit denen wir sprachen, mittlerweile erwachsen: Sie wussten einfach nicht, wie sie damit umgehen sollten. Wann sagt man STOPP? Wann ist klar, dass hier eine Grenze überschritten wird?
Der Berater selbst bestreitet die Vorwürfe. Es habe keine „gezielten Berührungen im Intimbereich“ gegeben, schreibt er CORRECTIV
Die Mitmach-Recherche:
Wir haben einen CrowdNewsroom aufgesetzt, in dem wir zusammen mit dem Fußballmagazin 11Freunde sammeln wollen: Haben Sie selbst auch schon mal so etwas im Sport erlebt? Man kann dort anonym mitmachen.

Bitte teilen Sie den Aufruf über Ihre sozialen Netzwerke.
Demonstrationen im Gaza gegen die Hamas
Hunderte Menschen in Gaza waren in den letzten Tagen auf den Straßen, um gegen die herrschende Hamas zu demonstrieren. Sie fordern in Form von Sprechchören die Hamas auf, zu gehen. „Die Hamas sagt uns, wir sollen geduldig sein, aber sie leben in Sicherheit. Ihre Kinder werden nicht bombardiert“, sagt einer von ihnen. Auch in Israel gab es gestern wieder Demonstrationen gegen das Handeln der Regierung Netanjahu.
faz.net
Dänemark führt Wehrpflicht für Frauen ein
Ab Juli 2025 sollen auch Frauen einen Wehrdienst in Dänemark ableisten, damit ist Dänemark das zweite Land in der Europäischen Union, das eine Wehrpflicht für Männer und Frauen einführt. Ursprünglich sollte die Wehrpflicht für Frauen erst 2027 eingeführt werden. Doch auf Grund der aktuellen Sicherheits- und Verteidigungsanlage wurde diese vorgezogen.
spiegel.de
Lokal: Keine Ermittlungen wegen Volksverhetzung gegen AfD-Verband
Im Februar verteilten Mitglieder der AfD Flyer in Heidelberg und Karlsruhe, die wie ein Flugticket aussahen. Infolgedessen erstatteten rund 20 Menschen Anzeige wegen Volksverhetzung. Die Staatsanwaltschaft entschied nun, keine Ermittlungen wegen Volksverhetzung einzuleiten.
swr.de
Recherche: Bislang unbekannte Firma entwirft mit Hilfe von Investor Peter Thiel Kriegsdrohnen
Zurzeit werden in Deutschland nur sogenannte Überwachungsdrohnen hergestellt. Ein noch unbekanntes Startup möchte dies nun ändern. Mit der Unterstützung des kürzlich beigetretenen Investors Peter Thiel möchte das Startup waffenfähige Drohnen bauen.
finanzen100.de

Faktencheck

Angeblich hat CDU-Chef Friedrich Merz eine Steuer in Höhe von 150 Euro pro Jahr und Haushalt für die Handynutzung gefordert. Teils wird online auch behauptet, die Bundesregierung habe die Steuer bereits beschlossen. Beides ist frei erfunden.
CORRECTIV.Faktencheck
Endlich verständlich
Für das Wort „Schadenfreude“ gibt es in den meisten anderen Sprachen keine Entsprechung. Ist Schadenfreude also ein Gefühl, das typisch deutsch ist? So einfach ist es natürlich nicht, aber Sprache und Kultur hängen durchaus mit Emotionen zusammen. Wie genau und wie Emotionen überhaupt entstehen, das erklärt Psychologe Arvid Kappas im Interview mit unserer Jugendredaktion Salon5.
Salon5 (Podcast)
So geht’s auch
Was tun gegen den Leerstand in Innenstädten? Forscher der Universität Koblenz haben untersucht, wie viele Häuser im Gebiet Mittelrhein leer stehen – und warum. Wichtiger Bestandteil des Teams: Zahlreiche Bürgerwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die mit ihren Ortskenntnissen zur Ergründung von Ursachen und Zukunftsperspektiven beigetragen haben.
swr.de
Fundstück
Seit anderthalb Tagen beschäftigt ein Chat auf dem Nachrichtendienst „Signal“ die Weltöffentlichkeit. Denn dort tauschten sich hochrangige US-Vertreter wie US-Vizepräsident JD Vance über Militäroperationen gegen die Huthi-Miliz im Jemen aus. Offenbar versehentlich war auch ein Reporter des Magazins The Atlantic beim Chat dabei. Weil die Regierung Trump versuchte, die Sicherheitspanne herunterzuspielen und bestritt, dass dort vertrauliche Dinge diskutiert wurden, veröffentlichte The Atlantic den Chat als Gegenbeweis. Sie könne ihn hier nachlesen:
t-online.de
Wie stellen Sie sich den Arbeitsalltag von Journalistinnen und Journalisten vor? Immer direkt vor Ort, kritische Fragen – doch was, wenn kritische Fragen nicht gestellt werden dürfen und dafür sogar Gefängnis droht?
In der Exil-Abteilung von CORRECTIV arbeiten wir für und mit Medienschaffenden, die ihr Heimatland verlassen mussten. Ohne sie wären Recherchen, die oft auch Bezüge zu Deutschland haben, kaum möglich. Der drohende Energie-Deal zwischen den USA und Russland? Eine gemeinsame Recherche von CORRECTIV und dem russischen Exilmedium iStories. Dass ein AfD-Abgeordneter in Belarus eine Zwiebelfarm betreibt, auf der politische Gefangene arbeiten? Aufgedeckt vom belarusischen Exilmedium reform.news, mittlerweile recherchiert auch der MDR.
Die Netzwerke autoritärer Regime überschreiten Grenzen, also muss dies auch der Journalismus tun. Doch wie gelingt es Exilmedien, trotz geografischer Distanz im Einsatz zu bleiben? Welche Herausforderungen müssen sie meistern und wie nutzen sie digitale Innovationen? Antworten darauf und Einblicke gibt es in unseren monatlichen „Exile Talks“. Klingt spannend? Dann melden Sie sich gerne an.
Am 1. April berichten zwei preisgekrönte ukrainische Medienschaffende, wie sie unter Bedingungen von Krieg, Trauma und Exil arbeiten und dabei auch ihre Kolleginnen und Kollegen unterstützen. Die Veranstaltung ist kostenlos, findet in Berlin und auf Englisch statt. Anmeldung hier.
Haben Sie Themenvorschläge oder wünschen Sie einen besonderen Gast bei „Exile Talks“? Schreiben Sie mir: nora.pohl@correctiv.org

Immer mehr Jugendliche erleben Cyber-Mobbing im Umfeld. Das geht aus einer Studie im Auftrag der Krankenkasse Barmer hervor. Dabei haben sich die Orte des Mobbings etwas verlagert: Besonders beim Netzwerk TikTok (43 Prozent) ist das Problem deutlich größer als noch vor vier Jahren (26 Prozent). Bei Whatsapp sanken die Werte von 59 auf 50 Prozent.
zdf.de
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Sebastian Haupt und Jule Scharun.
CORRECTIV ist spendenfinanziert
CORRECTIV ist das erste spendenfinanzierte Medium in Deutschland. Als vielfach ausgezeichnete Redaktion stehen wir für investigativen Journalismus. Wir lösen öffentliche Debatten aus, arbeiten mit Bürgerinnen und Bürgern an unseren Recherchen und fördern die Gesellschaft mit unseren Bildungsprogrammen.