Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

ich muss zugeben: Als Kölnerin war ich anfangs nicht ganz so überzeugt, als unser Klima-Team im vergangenen Sommer ankündigte: Jetzt machen wir die große Recherche zur Frage, wie schmutzig Deutschlands längster Fluss ist – der Rhein. 

Denn uns Kölnern ist kaum ein Thema präsenter. Der bei uns oft besungene „Vater Rhein“ galt zumindest schon in meiner Kindheit in den Achtzigerjahren als geradezu ätzend dreckig dank diverser Chemiewerke, die ihr Abwasser einleiteten. 1983 sangen die Bläck Fööss in „Dat Wasser vun Kölle“ treffend (gesamter Text hier nachzulesen):

„Ming Filme entwickel‘ ich ovends em Rhing,
dat jeit janz jot, do es alles dren.“

Für Nicht-Kölner: Meine Filme entwickle ich abends im Rhein, das geht ganz gut, da ist alles drin. Seit den Achtzigern wurden allerdings große Anstrengungen unternommen, um den Rhein wieder sauber zu bekommen. Insofern hat mich letztendlich doch einigermaßen umgehauen, was das Klima-Team herausgefunden hat. Mehr im Thema des Tages.

Haben Sie Feedback zur heutigen Recherche? Dann schreiben Sie an annika.joeres@correctiv.org.

Thema des Tages: Das unsichtbare Gift im Rhein

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Faktencheck: Zustand des Great Barrier Reefs schwankt stark

Gute Sache(n): Weshalb ist Grönland so begehrt? • „Lernen mit Rückenwind“ • Hunde streicheln gegen Reisestress

CORRECTIV ganz persönlich: Wie wir unseren Umgang mit KI-Bildmaterial ändern müssen

Grafik des Tages: So viel arbeiten die Deutschen tatsächlich

Weshalb das Baden im Rhein aber vielerorts keine gute Idee ist, zeigt unser Text. Es macht wirklich – abgesehen vom ernsten Inhalt – Spaß, ihn zu lesen; auch, weil unser Grafik-Team ihn so anschaulich aufbereitet hat.

Bild von der Uferseite des Rheins

Das Wichtigste:
Der Rhein führt zwar heute weniger der bekannten Schadstoffe als noch vor Jahrzehnten – zugleich aber Tausende Substanzen, deren Risiko niemand sicher beurteilen kann. Der saubere Rhein bleibt ein Mythos.

Was das genau heißt:
In einem Glas Rheinwasser finden sich an einem beliebigen Tag Hunderte Stoffe unbekannter Herkunft. Und mit jedem Kilometer flussabwärts werden es mehr. In Köln-Leverkusen sind es doppelt so viele wie in Basel, in den Niederlanden wiederum fast doppelt so viele wie in Köln.

Bis zu 30.000 chemische Stoffe sollen im Rheinwasser schwimmen, so Schätzungen des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima NRW. 

Wie wir recherchiert haben:
Wir haben an drei Stellen am Rhein Proben entnommen: in Basel, dann weiter flussabwärts in Köln-Leverkusen, kurz hinter dem Chemiepark Currenta. Dort soll auch künftig eine riesige Pipeline Rheinwasser zum Braunkohletagebau Hambach leiten, um die Löcher zu fluten. Und schließlich eine dritte Probe kurz hinter der niederländischen Grenze. Das Augsburger Labor AFIN-TS GmbH, das auf die Analyse unbekannter Stoffe spezialisiert ist, hat alle Proben in aufwändigen Verfahren untersucht. 

Und wir haben natürlich viele, viele Expertengespräche geführt.

Weshalb die Stoffe im Rhein so wichtig sind:
Dazu schreibt die Chefredakteurin des Kölner Stadt-Anzeigers, der die Recherche gemeinsam mit uns veröffentlicht hat, heute in ihrem Newsletter

„Zwar sind lange nicht alle der im Rhein gefundenen Chemikalien gefährlich. Experten warnen jedoch vor möglichen Folgen dieser riesigen Wissenslücke. Ein Professor vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung sagt zum Beispiel: Es sei gut möglich, dass viele der heute unbekannten Stoffe sich noch als toxikologisch bedenklich erweisen.“

Das wäre vor allem deshalb ein Problem, weil der Rhein auch für Millionen Menschen Trinkwasser liefert. 

Und nicht zuletzt wirkt sich die Verschmutzung des längsten deutschen Flusses natürlich auf die Tier- und Pflanzenwelt aus: Der Rhein und seine Umgebung sind Heimat für Forellen, Eisvögel und Laubfrösche – und viel wertvolle Flora.

AfD-Parteispitze warnt vor Treffen mit Martin Sellner
Die AfD plant ein Auftrittsverbot für Politiker der Partei bei Veranstaltungen mit Martin Sellner, um negative Auswirkungen auf die Partei zu begrenzen. Innerhalb der AfD wird deshalb über strengere interne Regeln und mögliche Sanktionen für Parteimitglieder diskutiert, die ihn einladen oder mit ihm auftreten wollen. Martin Sellner ist eine entscheidende Figur der rechtsextremen Szene. Sein Konzept der „Remigration“ – also die Vertreibung von Millionen Menschen aus Deutschland – war das zentrale Thema auf dem von CORRECTIV aufgedeckten Geheimtreffen in Potsdam.
welt.de

Frankreich: Haushalt für 2026 beschlossen
Die Minderheitsregierung von Premierminister Sébastien Lecornu überstand zwei weitere Misstrauensvoten der Opposition in der Nationalversammlung wegen des Budgetstreits. Somit gilt der Haushalt für 2026 als beschlossen und die Regierung bleibt im Amt. 
deutschlandfunk.de

Luftaufnahme des Great Barrier Reefs
Luftaufnahme von Teilen des Great Barrier Reefs in der Nähe der Whitsunday Islands (Foto: Marco Brivio / Zoonar / Picture Alliance)

So geht’s auch
Schülerinnen und Schüler starten mit extrem unterschiedlichen Chancen in die Bildung – das haben zuletzt auch CORRECTIV-Recherchen verdeutlicht. Einzelne Länder versuchen, das zu ändern. So unterstützt Baden-Württemberg Schülerinnen und Schüler etwa mit dem Förderprogramm „Lernen mit Rückenwind“. Das Projekt wurde ursprünglich gestartet, um Kinder und Jugendliche in der Corona-Pandemie zu fördern. Inzwischen besteht es in weiterentwickelter Form fort. Ziel ist, bestehende Lernrückstände auszugleichen und die sozialen Kompetenzen zu stärken. Dabei dienen etwa pensionierte Lehrkräfte oder Studierende als zusätzliche pädagogische Kräfte. Dafür werden Unterstützungskräfte gesucht. 
baden-wuerttemberg.de

Fundstück
Wer am Flughafen Felipe Ángeles bei Mexiko-Stadt Flugangst hat, kann jetzt auf vier tierische Helfer zählen: Marshall, Delta, Tacho und Mamut. Seit November sind die Welpen in Schichten von 60 bis 90 Minuten im Einsatz. Die Streicheleinheiten sollen gegen Reisestress und Flugangst helfen. Nun prüft der Flughafen, ob das Programm in ganz Mexiko eingeführt werden kann. 
zdfheute.de


Also wandte ich mich an Fachleute. Das Ergebnis: Eine Stelle beurteilte die Videos mit hoher Wahrscheinlichkeit als echt, zwei sagten, es sei vermutlich echt, zwei wollten kein Urteil fällen und eine Stelle sah Hinweise auf Manipulation.

Der Fall zeigt: Selbst Fachleute und technische Analysen kommen bei KI-generierten Aufnahmen manchmal nicht weiter. Immerhin gibt es auch einen Graubereich zwischen echt und KI-generiert, ein Video kann zum Beispiel echt, aber mit KI aufgebessert sein. Das einzuordnen ist selbst für Expertinnen und Experten schwierig.

In Zukunft müssen wir uns also noch stärker auf den Inhalt beziehen: Ist das, was wir sehen, schlüssig? Existiert der Ort? Ist das angebliche Geschehen belegt?

Im Faktencheck-Team prüften wir vor kurzem mehrere Videos, die angeblich extreme Schneeverwehungen im russischen Kamtschatka zeigen sollten, so hoch, dass sogar darauf gerodelt wird. Selbst etablierte Medien hatten die Aufnahmen weiter verbreitet – ohne ihren Inhalt vorher zu prüfen. KI-Artefakte waren zwar da, aber schwer greifbar. Also gingen wir es anders an, sprachen mit Wetter- und Wintersportexperten darüber, ob Schnee sich wirklich so verhält, wie in dem Video. Das Ergebnis: Nein. Die Aufnahmen sind fake.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt und Dilara Schwidder.