Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

Für weltweite Schockwellen indes sorgte erneut US-Präsident Donald Trump, der nach dem Eklat am Wochenende nun ankündigte, die Militärhilfen für die Ukraine vorerst einzustellen. Das betrifft auch Munition und Waffen, die sich bereits in Lieferung befinden. Wie schnell wird die Anordnung greifen? Das wollte mein Kollege Alexej Hock genauer wissen und hat beim deutschen Verteidigungsministerium nachgefragt – denn ein wesentlicher Teil der Logistik läuft über Deutschland. Ein Sprecher schrieb von „laufenden Abstimmungen“ dazu, denen er nicht vorgreifen könne. Es scheint als etwas in Bewegung zu sein.  

Thema des Tages: Falschbehauptungen zur Tat in Mannheim

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Faktencheck: Prognose, Hochrechnung, Ergebnis: Immer wieder Verwirrung um 18 Uhr am Wahlabend

Gute Sache(n): CORRECTIV-Interview: Wie verteidigungsfähig ist Deutschland? • Süchtig nach Süßem • Fotostrecke: Blick aus dem Fenster von Moscheen

CORRECTIV-Werkbank: Alle unter Frankreichs Atomwaffen-Schutzschirm?

Grafik des Tages: Wie lange dauert die Regierungsbildung?

Wer sind die Opfer?
Bei der Tat kamen zwei Personen ums Leben, eine 83-jährige Frau und ein 54-jähriger Mann. Es gab elf Verletzte, davon fünf Schwerverletzte. 

Wer ist der Täter? 
Der mutmaßliche Täter ist ein 40-jähriger Landschaftsgärtner aus dem benachbarten Ludwigshafen. In der Vergangenheit hatte er einige Vorstrafen gesammelt. So verbüßte er vor über zehn Jahren eine kurze Freiheitsstrafe wegen Körperverletzung. Für ein Delikt im Bereich der Online-Hassrede im Jahr 2018 war er zu einer Geldstrafe verurteilt worden – eingeordnet mit dem Vermerk Rechtsextremismus. 

Von einem politischen oder extremistischen Hintergrund gehen die Behörden allerdings nicht aus, stattdessen sehen sie Anhaltspunkte für psychische Probleme (mehr dazu hier). 

Wer versuchte, die Tat zu instrumentalisieren
Der Tatverdächtige ist Deutscher. Doch wer sich gestern in sozialen Netzwerken aufhielt, bekam einen völlig anderen Eindruck. Zahlreiche Meinungsmacher aus dem rechten Spektrum verbreiteten falsche Informationen zu dessen angeblichem Migrationshintergrund. Dazu gehörte etwa AfD-Spitzenpolitiker Maximilian Krah, der den Vorfall am frühen Nachmittag auf X mit den Worten: „Masseneinwanderung ist tödlich“ kommentierte. 

Unbeteiligter im Netz gejagt
Selbst nachdem die Behörden die Nationalität des Tatverdächtigen klargestellt hatten, verbreiteten sich die Behauptungen weiter. Eine vielfach geteilte, angeblich interne Polizeimitteilung, in der von einem Mann mit Bart und „dunklem Hauttyp“ die Rede war, gab dem Feuer. Die Botschaft: Der Tatverdächtige sei vielleicht Deutscher, aber bestimmt mit Migrationshintergrund. Falsch. Doch nur wenig später kursierte dann ein Foto, das Personalausweis und Führerschein des angeblich Gesuchten zeigte – mit einem Nachnamen, der im Libanon recht verbreitet ist. Die Online-Jagd traf einen 33-Jährigen aus Heidelberg, der nichts mit dem Vorfall zu tun hatte. 

Aus dem Leid von Menschen politisch Kapital schlagen 
Diese Reaktionen sind kaum ein Versehen. Sie folgen einem Muster, im Schatten solcher Taten Ressentiments zu schüren, selbst wenn noch keine Informationen vorliegen. Die Protagonisten versuchen, von Anfang an den Blick von individuellen Voraussetzungen einer solchen Tat abzulenken und eine gesamte Gruppe von Menschen unter Generalverdacht zu stellen. Dabei folgen sie einem völkischen Bild, wer Deutscher sei und wer nicht. Wie sich dieser gefährliche Volksbegriff politisch verbreitet, haben wir von CORRECTIV hier aufgearbeitet

Doch auch in der allgemeinen Medienberichterstattung fällt auf: Die Tat ist weniger präsent als die vorigen, vergleichbaren Fälle. Der Messerangriff von Aschaffenburg sorgte nicht nur für breite Berichterstattung, sondern veranlasste auch Kanzlerkandidat Merz dazu, Migration zum Top-Wahlkampfthema zu machen und gemeinsam im Parlament mit der AfD abzustimmen. Auch nach dem Anschlag in München gab es beispielsweise einen ARD-Brennpunkt. Gestern gab es den nicht. Man fragt sich unweigerlich, ob das auch so wäre, wäre der Täter kein Deutscher. Anders formuliert: Der Nachrichtenwert scheint nun nicht so hoch zu sein. 

Ein Taxifahrer stoppte den Tatverdächtigen  
Übrigens: Zum Helden avancierte gestern offenbar ein etwa 50-jähriger Taxifahrer. Er reagierte blitzschnell auf das vorbeirasende Tatfahrzeug und verfolgte es mit dem eigenen Wagen, bis es in einer Sackgasse zum Stehen kam. Der Name des Taxifahrers: Afzal Muhammad, nach Angabe der Welt ein Pakistani, der vor einigen Jahren nach Deutschland gekommen war.

Nahost: Arabische Liga berät über Gaza
Auf einem Sondergipfel in Ägypten haben die Staaten heute über die Zukunft Gazas gesprochen. Anders als Donald Trump, der eine „Riviera des Nahen Ostens“ ohne Palästinenser will, plant die Arabische Liga, das Land in drei Jahren wieder zu einer Heimat für das Volk aufzubauen – ohne die Hamas an der Macht. 
tagesschau.de

Hamburg: Razzia wegen rechtsextremer Polizei-Chats
Gegen insgesamt 15 aktive und pensionierte Beamte wird ermittelt. Zehn der aktiven Verdächtigen wurden suspendiert. Sie sollen rassistische Nachrichten verschickt und empfangen haben. Die Polizei durchsuchte Wohnungen und Diensträume, zudem stellte sie Datenträger sicher. 
t-online.de / abendblatt.de (€)

Investigativ: Wieso der Rechtspopulismus der Umwelt schadet
Eine der ersten Amtshandlungen von Donald Trump war es, diverse Maßnahmen zum Klimaschutz zurückzunehmen und den Austritt der USA vom Pariser Klimaschutzabkommen zu erklären. Nicht nur der US-Präsident setzt auf umweltfeindliche Politik. Weltweit verfolgen Populisten diese Strategie – haben sie weiter Erfolg, könnten die Konsequenzen verheerend sein.
theins.press

Eine Box für die Nachwahlbefragung für die 18-Uhr-Prognose der ARD steht in einem Wahllokal
Foto: Sebastian Gollnow / DPA / Picture Alliance

Im Interview mit CORRECTIV-Publisher David Schraven spricht Sensburg über die Herausforderungen der deutschen Verteidigungspolitik, etwa den Aufbau einer Massenarmee, die Notwendigkeit zur Verteidigung gegen Diktatoren, den Atomschild über Europa und die Wiedereinführung der Wehrpflicht.
youtu.be

So geht’s auch
Humorvoll verpackt schreibt der Journalist Robert Hofmann über seine Sucht nach Haribo, die sich schon in seiner Kindheit entwickelt hat. Ob er heute davon weggekommen ist, lesen sie hier:
dummy-magazin.de

Fundstück
Der Fotograf Marwan Bassiouni fotografiert typische Ausblicke in den Niederlanden, Großbritannien und der Schweiz. Das Besondere: Er fotografiert aus Moscheen heraus. In diesem Interview erklärt er, wie er auf die Idee zu dem Projekt „New Western Views“ kam.
www.fluter.de


Zuletzt hatte Friedrich Merz angekündigt, als künftiger Kanzler Gespräche mit Frankreich über mögliche gemeinsame atomare Abschreckungspläne führen zu wollen. Bislang verhielten sich deutsche Regierungschefs zu diesem Thema zurückhaltend. Das hat vor allem zwei Gründe.

Der erste und wohl wichtigste: Man möchte den USA keinen Alleingang in dieser Frage signalisieren. Das sagen mir Experten und Politiker immer wieder. Das Bündnis und damit auch Europa soll nicht durch den Aufbau paralleler Strukturen gespalten werden. 

Das aktuelle System der sogenannten „nuklearen Teilhabe“ funktioniert seit den 60er-Jahren, es gibt dafür innerhalb der NATO ein eigenes Gremium, die „Nukleare Planungsgruppe (NPG)“. So lagern etwa US-Atomsprengköpfe auf deutschem Boden, die im Ernstfall – und bei entsprechenden gemeinsamen Beschlüssen – mittels Tornado-Jets der Bundeswehr vom Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz aus transportiert und abgeworfen werden sollen. 

Das führt zum zweiten Grund: Frankreich verfolgt eine völlig eigenständige, nationale Nuklearstrategie. Die etwa 290 französischen Nuklearwaffen sind nicht in die NATO-Planung integriert. Und aktuell sieht es auch nicht danach aus, als ob Frankreich dazu bereit wäre, sich in die etablierten Strukturen der NATO einzubringen und dem Bündnis seine Nuklearwaffen zur Verfügung zu stellen. 

Damit würde, „Schutzschirm“ hin oder her, allein ein französisches Staatsoberhaupt darüber entscheiden, wann – und ob – es auf den roten Knopf drückt. Diese Abhängigkeit möchte offensichtlich niemand ernsthaft eingehen; schon gar nicht die baltischen Staaten, die von Russland besonders bedroht sind

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Robin Albers, Till Eckert und Bianca Poersch.