Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

Diese für Audio optimierte Kompaktfassung des täglichen Spotlight-Newsletters ist von einer KI-Stimme eingelesen und von Redakteuren erstellt und geprüft.

Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist gut ein halbes Jahr her, dass ich mir beim Scrollen auf Instagram verwundert die Augen rieb: Mir wurde ein Kurzvideo von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) eingespielt. Darin sagte er: Die Deutschen müssen endlich wieder mehr fliegen! Die Flugbranche als wichtiger Wirtschaftszweig solle gestärkt werden. Also müsse die Flugverkehrsteuer runter, und zwar ganz bald.

Was?, dachte ich, ernsthaft? Warum das denn? Hatte Schnieder noch nicht mitbekommen, dass Klimawandel ist? Wir berichteten damals im SPOTLIGHT über den Vorgang, das Interesse der Leserinnen und Leser war riesig. Viele wollten wissen: Wie kam es ganz genau zu der umstrittenen politischen Entscheidung? Wir haben nachgeforscht und uns den internen Schriftverkehr dazu aus dem Verkehrsministerium besorgt. Das Ergebnis lesen Sie hier und im Thema des Tages.

Dann noch zu Trump: Seit gestern Abend haben mir etwa 50 Leserinnen und Leser Ihre Meinung dazu geschrieben, dass der US-Präsident den venezolanischen Staatschef Maduro mit Militärmacht hat einkassieren lassen – und zur zaghaften Reaktion Deutschlands und der EU: 

Die meisten von Ihnen schreiben, wir Europäer erschienen hier als  zahnloser Tiger. Viele von Ihnen erkennen aber auch an, dass wir in Europa in einem Dilemma stecken: Wir könnten politisch nicht allzu sehr auf Konfrontation mit den USA gehen, solange wir diese noch brauchen, um die Ukraine gegen Putin zu verteidigen.

Und hier noch das Thema für die Cartoon-Arena nächste Woche im SPOTLIGHT, für das Sie abgestimmt haben: Staatspräsidenten entführen

Es kamen ein paar Leser-Rückfragen zum Ablauf: Montag bis Freitag zeigen wir jeweils eine der Karikaturen (und natürlich wird jeder unserer Karikaturisten dafür bezahlt). Über das Wochenende können Sie dann abstimmen, welcher humoristische Blick auf das Thema Ihnen am besten gefällt, und fürs Abstimmen können Sie etwas aus unserem CORRECTIV-Merchandise-Shop gewinnen. 

Ganz wichtig ist auch: Teilen Sie gern Ihre Lieblings-Karikatur in Ihren Sozialen Netzwerken – damit sich möglichst breit herumspricht, dass im SPOTLIGHT nun regelmäßig der Wettstreit mit dem spitzen Zeichenstift ausgetragen wird.

Und nun, wie immer: Schreiben Sie mir gern, welche Themen Sie gerade besonders beschäftigen, an anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Fliegen wieder billig dank Lobbyarbeit

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Faktencheck: KI oder veraltet – diese falschen Aufnahmen kursieren nach der Gefangennahme Maduros

Gute Sache(n): Was ein Böllerverbot bewirken würde • Studie zu Tempo 30 in Städten • Glatteis – wie man Stürze vermeidet

CORRECTIV ganz persönlich: Jugendredaktion in Chemnitz: So war das erste Jahr

Grafik des Tages: So viel Geld aus Sondervermögen und Klimafonds bremsen die Klimapolitik

Herr der Fliegen(den): Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU). Quelle: picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Die Vorgeschichte:
Die vorherige Bundesregierung – die Ampel-Koalition – hatte dafür gesorgt, Flüge zu verteuern. Weil Flugreisen massiv dem Klima schaden, hatte die Ampel die sogenannte Luftverkehrsteuer erhöht. Auf einen Langstreckenflug fallen seither für Ticketkäufer rund 70 Euro an Steuern an. Vorher waren es 58 Euro gewesen. 

Unsere jetzige Bundesregierung dagegen hatte in ihrem Koalitionsvertrag geschrieben (nachzulesen ab Zeile 4330), sie wolle den „Binnenmarkt als Motor unserer Wirtschaft weiterentwickeln“ und dafür unter anderem den Luftverkehr stärken. 

Was die Recherche zeigt:
Wichtige Leute aus dem Bundesverkehrsministerium, etwa ein Staatssekretär, trafen sich in den Monaten nach der vorgezogenen Bundestagswahl mehrfach mit Vertretern der Luftverkehrsbranche.

Terminpläne und Gesprächsprotokolle, die uns vorliegen, zeigen: Das Ministerium ging nicht nur widerstandslos auf die Forderungen der Wirtschaftsvertreter ein, die Luftverkehrsteuer müsse wieder sinken. Es trat vielmehr sogar innerhalb der Bundesregierung als Anwalt der Luftfahrtbranche auf. 

Sogar der Minister selbst wurde tätig. Dies geht aus einem Memo aus dem Ministerium von Mitte Juli 2025 hervor:

„BMV hat BMF mit Ministerschreiben um zügige Umsetzung der Rücknahme der Luftverkehrsteuererhöhung gebeten und darin deutlich gemacht, dass weitere Entlastungen für die Branche erforderlich sind.“

Verkehrsminister Schnieder ging also mit Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) auf Konfrontationskurs. Dieser nämlich hatte wenige Tage zuvor seinen Amtskolleginnen und -kollegen in der Regierung mitgeteilt: Eine Senkung der Luftverkehrsteuer könne sich der Bundeshaushalt erstmal nicht leisten.

Das Ergebnis:
Schnieder setzte sich gegen Klingbeil durch. Im November 2025 einigte sich der Koalitionsausschuss tatsächlich wie vom Verkehrsminister gewünscht: Ab 1. Juli dieses Jahres wird das Fliegen für uns Deutsche wieder billiger. 

Bei der Luftverkehrsbranche hat der Minister nun wohl einen dicken Stein im Brett.

Wie wir recherchiert haben:
Wir haben für diese Story ein einfaches Handwerkszeug angewendet, das Sie als Privatleute auch nutzen können: Wir haben eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz gestartet. 

Das Gesetz besagt, dass Behörden (also auch Ministerien) uns Bürgerinnen und Bürgern Rechenschaft über ihre Arbeit ablegen müssen – schließlich arbeiten sie ja in unserem Auftrag. Das bedeutet konkret, dass sie auf Anfrage zum Beispiel den Schriftverkehr zur Entstehung von Gesetzen in Kopie bereitstellen müssen. Oder auch Notizen zu Treffen. Oder Kalendereinträge, die zeigen, mit wem sich ein Minister wann getroffen hat.

In diesem Fall hat das Verkehrsministerium uns die relevanten Memos und Gesprächsunterlagen ohne viel Aufhebens herausgegeben. 

In vielen Fällen drücken sich Behörden aber um Auskünfte. Was man dann tun kann, zeigen wir in diesem Video-Workshop unserer CORRECTIV-Erwachsenen-Bildungs-Sparte, der Reporterfabrik.

Wie Nachbar Frankreich zum Flugverkehr steht:
Während unsere Bundesregierung findet, die Deutschen müssten mehr fliegen, geht Frankreich den entgegengesetzten Weg. Dort sind schon seit 2023 kurze Inlandsflüge verboten – überall dort, wo es Zugverbindungen in weniger als 2,5 Stunden gibt. 

Na gut, dazu muss man sagen, dass Frankreich den Superschnellzug TGV hat, der zum Beispiel in 3,5 Stunden von Paris nach Marseille fährt – während bei uns die „Sprinter“, also die Super-Schnell-ICEs mit einer Fahrzeit von höchstens vier Stunden von einer Großstadt zur anderen häufiger auf mysteriöse Weise ausfallen, wie wir in dieser Story zeigten

Krach im Wahljahr: AfD Sachsen-Anhalt schließt Abgeordneten aus 
Gegen die zwei AfD-Landtagsabgeordneten Matthias Lieschke und Jan Wenzel Schmidt laufen zurzeit Parteiausschlussverfahren. Lieschke soll eine parteiinterne Videokonferenz aufgezeichnet und an Jan Wenzel Schmidt weitergeleitet haben. Ihm wird nun partei- und fraktionsschädigendes Verhalten vorgeworfen. 
mdr.de   

Bundesweit einzige Koalition von SPD und BSW nach nur einem Jahr gescheitert 
Die Koalition zwischen SPD und BSW in Brandenburg ist nach nur einem Jahr zerbrochen. SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke erklärte, dass keine Basis für die Zusammenarbeit mehr bestehe. Zuletzt hatte die Koalition wegen des Austritts mehrerer BSW-Abgeordneter ihre Mehrheit verloren. 
süddeutsche.de

Der gefangengenommene Machthaber Venezuelas, Nicolas Maduro, und seine Frau werden über einen Flughafen gebracht.
Foto: CNP / ABACA / Picture Alliance

So geht’s auch
Tempo 30 in Städten – die Debatte darüber wird schnell emotional. Doch wie viel Sicherheit lässt sich dadurch gewinnen? Eine Studie der Björn Steiger Stiftung, die sich bundesweit für einen leistungsfähigen Rettungsdienst engagiert, ergibt: Das Tempolimit sorgt für deutlich weniger Unfälle. Die Fahrzeit nimmt hingegen nur unwesentlich zu.
zdfheute.de   

Fundstück
In Deutschland ist es eisig, mancherorts kommt es zu Glatteis. Wie schützt man sich gegen Stürze, wenn man nicht gerade zu Hause bleiben kann? Das Portal Utopia gibt Tipps. Hilfreich sei etwa der Pinguingang: Watscheln wie die Seevögel reduziert die Gefahr auszurutschen.    
utopia.de


Gemeinsam mit einigen Kolleginnen und Kollegen unserer Jugendredaktion baue ich unseren Stand auf. Bald darauf strömen die ersten Jugendlichen auf die Schlossteichinsel. An unserem Stand nehmen sie Videobotschaften auf, machen bei unserem Faktencheck-Spiel mit und tauschen sich mit uns über Chemnitz aus. Ich spüre die Energie der jungen Menschen. Dass sie Bock haben, mehr aus ihrer Stadt herauszuholen, mehr auf die Beine zu stellen und selbst aktiv zu werden.

Das zeigt sich auch bei anderen Veranstaltungen, bei denen sächsische Jugendliche an unsere Podcast-Stationen leidenschaftlich darüber diskutieren, ob sie ihre Zukunft in der Heimat sehen – oder lieber weg wollen. Ihnen dabei zuzusehen, wie sie für ihre Überzeugungen einstehen und mutig Probleme ansprechen, war mein persönliches Highlight des ersten Jahres bei Salon5 in Chemnitz.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Maximilian Billhardt, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Lea Messerschmidt und Jule Scharun.