Für Putin sind auch wir Beute

Heute vor vier Jahren fiel Russland in die gesamte Ukraine ein. Was seither geschah.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

heute vor vier Jahren fiel Russland mit einer Großinvasion in die Ukraine ein. Kaum jemand rechnete wohl damals damit, dass der Krieg so lange dauern würde. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sprach heute Morgen in einem Interview von einem „Abnutzungskrieg“ – denn Russlands Präsident Putin ziele darauf, die Ukraine durch die lange Dauer zu zermürben.

Wie viele Opfer der Krieg schon gefordert hat, zeigen wir in der Grafik des Tages. Und im Tagesthema zeichnen wir nach, dass nicht nur die Ukraine auf Putins Speiseplan steht. Sondern auch Westeuropa.

Außerdem im SPOTLIGHT: 

  • Ein bayerischer AfD-Politiker phantasierte über das Erschießen von Linksextremisten.
  • Die AfD-Spitze traf sich, um über ihr Vetternwirtschaftsproblem zu beraten.
  • Beim geplanten neuen „Heizungsgesetz“ steht die Entscheidung über eine „Grüngas-Quote“ an.
  • Vor einem Jahr stellte die CDU ihre mittlerweile berühmten 551 Fragen zu angeblichen Regierungs-Verbindungen von Nichtregierungsorganisationen (und CORRECTIV). Wir haben geschaut, wer eigentlich die Idee dafür hatte.

Ich danke Ihnen, dass so viele von Ihnen mir seit gestern zum Fun-Facts-Projekt geschrieben haben – und durchweg positiv und ermunternd! Wir hatten gestern Abend eine grandiose Eröffnungsfeier mit vielen Comedians und Musikern auf der Bühne. Mehr steht hier.

Rebecca Pap, Marcant, Eva Karl Faltermeier, Anette Dowideit, Karoline Herfurth, Marc-Uwe Kling, Sarah Bosetti, Maren Urner, Sebastian 23, Abdul Kader Chahin, Nico Semsrott, Siegfried und Joy & Team bei der Weltpremiere vom News im Netz Format FUN FACTS im Delphi Filmpalast Berlin am 23. Februar 2026 © Clemens Porikys
Rebecca Pap, Marcant, Eva Karl Faltermeier, Anette Dowideit, Karoline Herfurth, Marc-Uwe Kling, Sarah Bosetti, Maren Urner, Sebastian 23, Abdul Kader Chahin, Nico Semsrott, Siegfried und Joy bei der Weltpremiere vom „News im Netz“-Format FUN FACTS im Delphi Filmpalast Berlin am 23. Februar 2026 © Clemens Porikys

Thema des Tages: Für Putin sind auch wir Beute

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Klimaschädliche Heizkostenfalle? Regierung plant neue Gasquote im „Heizungsgesetz“ • Filz und Flügelkampf: Die Personal-Affäre verschärft den Machtkampf in der AfD • Verfahren gegen AfD-Politiker wegen Tötungsfantasien gegen Linke eingestellt

Faktencheck: Ukraine-Krieg dauere länger als Zweiter Weltkrieg – Fachleute kritisieren Aussage von Merz

Gute Sache(n): Neue US-Zölle: Wer profitiert und wer muss zahlen? • Brasilianische Regierung verhindert Ausbau der Wasserwege im Amazonas • First Lady unterlegt Instagram-Beitrag mit Musik von Bad Bunny

CORRECTIV ganz persönlich: Ein Jahr nach den „551 Fragen“ – was bleibt?

Grafik des Tages: Russlands Bilanz in der Ukraine: Zehntausende verschleppte Kinder, hunderttausende Tote, Millionen an Verwundeten

Wenig hört man dagegen in offiziellen Politiker-Statements darüber, dass Europa aus Putins Sicht auch eher eine potenzielle Beute ist. Dass Putin ein europäisches Land mit dem Militär angreifen könnte, ist nicht ausgeschlossen. Es gibt aber wahrscheinlichere Szenarien – und einfachere Angriffspunkte.

Die „fünfte Kolonne“ Moskaus:
So nennt man all jene, die Putins Anspruchsdenken auf Kontrolle über Europa in Westeuropa unterstützen – etwa, indem sie seine Narrative weiterverbreiten oder den Widerstand gegen seine Eroberungen schwächen wollen. 

In Deutschland ist das besonders die AfD – die Putin unter anderem die Tür für Investitionen öffnen will. Diese AfD-Strategie ist ausführlich in dieser Recherche nachgezeichnet:

Die Collage zeigt einen Bruderkuss zwischen Putin und dem AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla. Im Hintergrund ist das Gemälde des Bruderkusses zwischen Breschnew und Honecker zu sehen.
Die AfD wendet sich systematisch Russland zu. Eine Collage mit den Politikern Tino Chrupalla und Wladimir Putin von Ivo Mayr.

Auch die Partei BSW tritt immer wieder als Fürsprecher Putins auf. Zur „fünften Kolonne“ zählt man auch russlandfreundliche Staatschefs wie Viktor Orbán in Ungarn – der gerade erst wieder neue EU-Sanktionen gegen Russland blockiert hat.

Türöffner für Russlands wirtschaftliche Kontrolle:
Wenn aber Russland in Deutschland oder anderswo in Europa Energiekonzerne, Pipelines oder andere Kritische Infrastruktur kaufen kann, dann machen wir uns faktisch politisch abhängig von Putins Politik. 

Und wenn Sanktionen gegen Russland aufgehoben oder gar nicht erst verhängt werden, dann können Putins Leute hier viel einfacher auf Einkaufstour gehen.

Wir von CORRECTIV beobachten die Energieabhängigkeit von Russland deshalb sehr genau. Hier haben wir uns zum Beispiel angeschaut, welche dieser Kritischen Energie-Infrastruktur Russland im Blick hat.

Collage: Ivo Mayr/CORRECTIV (Fotos: unsplash.com)
Russisches Gas und Öl durch US-amerikanische Pipelines nach Europa. Ist das der Deal? Collage: Ivo Mayr/CORRECTIV (Fotos: unsplash.com)

Einfluss übers Internet:
Vor ein paar Tagen machte eine Aussage der Grünen-Politikerin Marina Weisband in einer Talkshow die Runde:

„Wenn ich Putin wäre, würde ich uns nicht mit Panzern angreifen, wenn es Facebook gibt.“

Damit meinte sie: Die Sozialen Netzwerke seien heute derart wirkmächtig, dass mit ihrer Hilfe ganze Demokratien gestürzt werden könnten. 

Dass Putins Trollfabriken seit Langem genau dies versuchen, haben wir und andere in vielen Recherchen belegt. Zum Beispiel in der Story, die unser Faktencheck-Team und unser Russland-Experte Alexej Hock letztes Jahr veröffentlicht haben. 

Darin zeigten wir, dass eine solche russische Einfluss-Operation die Bundestagswahl beeinflussen sollte.

Symbolbild zur Bundestagswahl mit den Farben der Flagge Russland
Collage: Ivo Mayr/CORRECTIV (Vorlage: Picture Alliance)

Trump widerspricht Meldungen, dass sein Top-General vor Militärschlag auf den Iran warnte
Der höchstrangige General des US-Militärs, Dan Caine, soll den US-Präsidenten Donald Trump vor einem Militärangriff gegen den Iran gewarnt haben. Offenbar machte er dabei auf die Gefahr aufmerksam, in einen langwierigen Konflikt verwickelt zu werden. Zudem gäbe es Engpässe bei wichtigen Waffen und mangelnde Unterstützung durch Verbündete. Trump wies US-Medienberichte über solche Warnungen als „Fake News“ zurück.  
spiegel.de  

Friedrich Merz beim Politischen Aschermittwoch in Trier.
Foto: Thomas Frey / DPA / Picture Alliance

So geht’s auch
Sieg für den Umweltschutz: Der Ausbau von Wasserwegen im Amazonas wurde gestoppt. Das erklärte das Büro des brasilianischen Präsidenten Lula da Silva nach einem Treffen mit Vertretern der indigenen Völker aus der Region. Geplant war es, mehrere Flüsse auszubaggern, um die Durchfahrt für größere Schiffe zu ermöglichen. Indigene und Umweltverbände hatten dagegen protestiert, da sie Umweltschäden befürchteten. 
deutschlandfunk.de

Fundstück
Am Wochenende veröffentlichte Melania Trump einen Beitrag auf Instagram und unterlegte ihn mit Musik des Künstlers Bad Bunny. Das sorgte für Aufsehen in den Kommentaren, denn der Künstler gehört zu den schärfsten Kritikern ihres Mannes, US-Präsident Donald Trump. Dieser hatte den Sänger in der Vergangenheit immer wieder wegen seiner Musik und politischen Aussagen attackiert. Ob der Beitrag der First Lady eine stille Botschaft war oder nur ein Zufall des Algorithmus, bleibt offen. 
spiegel.de


Wir haben diese Anfrage damals direkt zum Anlass genommen, die CDU einzuladen, um uns kennenzulernen. Als Journalisten interessierte uns natürlich auch, wie es zu dieser Anfrage kam und wer sie vorangetrieben hat. Naja, da kam zunächst gar nichts, dann aber doch ein paar überraschende Aussagen. 

Im Sommer saß ich auf einem öffentlichen Podium neben einem prominenten CDU-Bundespolitiker, der mir auf der Bühne in einer Gesprächspause (also als unsere Mikros gerade aus waren) erklärte, dass die Anfrage ja nicht „so durchdacht“ gewesen sei. Damals war Wahlkampf, da hätte man es eben gemacht. Dafür, dass sie nicht „so durchdacht“ war, hat sie allerdings einen relativ großen Flurschaden angerichtet, denn plötzlich war der Begriff NGO auch in der CDU extrem negativ besetzt, eben als angeblicher „Deep State“ für linke Politik.

Einige Monate später traf ich mich mit einem führenden CDU-Politiker, der sich für unsere Arbeit interessiert. Er wusste auch nicht genau, wer die Anfrage eigentlich formuliert hatte. In der heißen Wahlkampfphase seien ja alle Abgeordneten unterwegs gewesen. Strategisch sei das in der Zeit im Detail nicht ganz oben abgestimmt worden. Aha. War es vielleicht ein Praktikant? Nein, nein, aber wer es so formuliert hatte, sei im Nachhinein nicht ganz klar.

Oder man will es nicht zugeben? Die Antwort der Regierung auf die kleine Anfrage einen Monat später war deutlich kürzer und kulminierte in diesem Satz: „Die Bundesregierung sieht keine Anhaltspunkte für die in der Kleinen Anfrage enthaltene Behauptung, wonach die geförderten ‚NGOs eine Schattenstruktur‘ bildeten.“

Also viel Lärm um nichts? Nicht ganz, denn es hat uns und vor allem viele der genannten Organisationen eine Menge Energie gekostet, klarzustellen, was gemeinnützige Organisationen dürfen, warum nicht alle mit allen zusammenhängen und was die Rolle des gemeinnützigen Journalismus ist. Es war vor allem eine Steilvorlage für die AfD, deren Anfrage-Strategie die CDU ja kopiert hatte. 

Die AfD schrieb im Januar übrigens eine Stelle für eine Person aus, die eine Datenbank zu Fördergeldern, Personen und Netzwerken aufbauen und daraus parlamentarische Anfragen entwickeln soll. Gewünscht ist unter anderem Zuarbeit „im Themenfeld NGO-Komplex“.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Pamela Kaethner, Dilara Schwidder und Jule Scharun.