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Thema des Tages: Hier ist das Wohnen unbezahlbar

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Rückkehrzentrum in der Schweiz – weder ausreisen noch bleiben ist erlaubt

Faktencheck: Trotz EU-Sanktionen: Inhalte von RT DE erreichen immer noch Millionen Aufrufe

Gute Sache(n): Löst die Reichensteuer wirklich Probleme? • Simson-Mopeds: Familie distanziert sich von AfD-Vereinnahmung • Heute erscheinen Memoiren von Gisèle Pelicot

CORRECTIV ganz persönlich: Ich finde die AfD-Verbots-Rede von Martenstein gut – aus einem bestimmten Grund

Grafik des Tages: Zu wenige Plätze in Frauenhäusern

So ist die Lage in Deutschland
In Deutschland ist die Wohnkrise vor allem im Süden und in den Metropolen sichtbar. In sieben der zehn größten Städte sind die durchschnittlichen Angebotsmieten mit dem Gehalt von Pflegefachkräften nicht bezahlbar. Doch auch in den Urlaubsregionen in den Bergen oder am Meer sind die Wohnkosten unerschwinglich. Wo die Probleme besonders groß sind, können Sie in der interaktiven Karte selbst nachsehen. 

Das ist auch ein Problem für die Wirtschaft 
Ob für Kliniken oder Industriebereiche: „Die Wohnungskrise in der EU bremst die Wettbewerbsfähigkeit und das Wirtschaftswachstum“, warnen Fachleute des European Policy Centre. Junge Fachkräfte können sich städtischen Wohnraum kaum leisten. Das führt zu einem Mangel an Nachwuchskräften in wichtigen Städten – ein ernstes Problem für Unternehmen und Startups. 

Auch im Rest Europas ist die Lage problematisch
Die Analyse zeigt: In jeder siebten Kommune in Europa ist neu Mieten oder Kaufen zu teuer für Pflegefachkräfte. Ihr durchschnittliches Gehalt reicht demnach nicht, um eine 45-Quadratmeter-Wohnung zu finanzieren.

Die Preisdaten stammen vom EU-Forschungsprojekt ESPON House4All. Es hat die durchschnittlichen Angebotsmieten und Kaufpreise in den knapp 100.000 Städten und Gemeinden der EU zwischen März 2024 und März 2025 durch Analyse von mehr als 100 Millionen Angeboten auf Immobilienportalen ermittelt. CORRECTIV hat diese Daten mit den nationalen und teils regionalen Einkommen von Pflegekräften kombiniert.

Wohnen als soziale Frage des 21. Jahrhunderts
Hohe Bodenpreise, zu wenig Neubauten in Ballungszentren oder auch Preistreiberei durch Geldwäsche – hier muss die Politik in Deutschland und Europa dringend handeln. Bis dahin bleibt Betroffenen oft nur, kreativ zu werden. Wie das aussehen kann, erfahren Sie in der gesamten Recherche:
correctiv.org.

EU-Klimabeirat: Europa nicht genug auf Klimawandelfolgen vorbereitet
Die EU muss sich nach Einschätzung von Klimaforschern besser auf die Risiken vorbereiten, die mit dem Klimawandel verbunden sind. Dazu gehören Hitzewellen, Waldbrände oder Überschwemmungen. Laut dem Klima-Expertenbeirat sollten sich die EU-Staaten auf eine weltweite Erderhitzung von drei Grad einstellen. Weil sich Europa schneller erhitzt als andere Kontinente, sei dabei hierzulande mit vier Grad zu rechnen.
taz.de

Verfassungsschutz stuft AfD Niedersachsen als extremistisch ein 
Die AfD Niedersachsen wird vom Verfassungsschutz als extremistische Bestrebung eingestuft. Innenministerin Daniela Behrens (SPD) in Hannover erklärte: „Die größte Gefahr für unsere Gesellschaft geht vom Rechtsextremismus aus und die AfD Niedersachsen ist nach der Einstufung eindeutig diesem Phänomenbereich zuzuordnen.“ Diese Einstufung ermöglicht es den Behörden, die Partei mit nachrichtendienstlichen Methoden zu beobachten.
fr.de

Illustration: Iris Weidmann
Symbolbild: Picture Alliance / Zumapress.com / Muhammad Ibrahim Ali

So geht’s auch
Die Kult-Moped-Marke Simson wird von Mitgliedern der AfD bei Wahlveranstaltungen als politisches Symbol eingesetzt, um eine ostdeutsche Identität zu suggerieren. Die Nachfahren der jüdischen Gründer-Familie wehren sich nun entschieden gegen diese Vereinnahmung und empfinden jede Verbindung zur Partei als „Beleidigung ihres Namens“. Die Familie wurde 1936 von den Nationalsozialisten vertrieben und lebt heute in den USA. 
spiegel.de

Fundstück
Heute erscheinen weltweit die Memoiren von Gisèle Pelicot: „Eine Hymne an das Leben“. Sie wurde jahrelang von ihrem ehemaligen Ehemann mit Medikamenten betäubt und anschließend von Männern vergewaltigt. In ihrem Buch beschreibt sie ihr Schicksal und wie sie ihren Weg zurück ins Leben fand. Patricia Klobusiczky hat das Buch ins Deutsche übersetzt. Im Interview berichtet sie, welche Herausforderungen es bei der Übersetzung gab und welche Wirkung das Buch ihrer Meinung nach in der Gesellschaft entfalten sollte. 
ndr.de

Autor Box Marcus Bensmann

Es stimmt: Eine Demokratie muss auch populistische Positionen zu Klima, Putin oder Migration aushalten. Und Martenstein kritisiert zu recht, oft werde zu früh „Nazi“ gerufen. 

Und ja, über ein Verbot einer Partei zu reden, die bundesweit bei über 20 Prozent liegt, ist problematisch. Doch das Grundgesetz hat aus den Erfahrungen der Weimarer Republik heraus gleichwohl diese Notbremse eingebaut.

Und Martenstein zeigt in der Rede selbst die Grenze auf.

„Die entscheidende Frage ist, ob so eine Partei legitime oder illegitime Ziele verfolgt. (…) Illegitime Ziele wären zum Beispiel die Beseitigung der Meinungsfreiheit, der Entzug von Grundrechten für Teile der Bevölkerung oder das Verbot von Parteien, die von den Regierenden als störend empfunden werden.“

Das illegitime Ziel muss man nicht lange suchen. Es ist im Vorfeld der AfD mit starken Verflechtungen in die Partei hinein formuliert: Das „Remigrationskonzept“ auch für „nicht-assimilierte Staatsbürger“, vom Kopf der Identitären Bewegung, Martin Sellner. Das entspringt einer völkischen Ideologie.

Seit 2024 bewerten Gerichte durchgängig dieses Konzept als grundgesetzwidrig, weil es genau das zum Ziel habe, was Martenstein als illegitim bezeichnet: Den Entzug der Grundrechte für Teile der Bevölkerung. Das Bundesverwaltungsgericht nennt es „menschenwürdewidrig“. 

Das steht zwar so nicht im AfD-Programm, doch für die Gerichte ist nicht nur das Programm, sondern die „Vielzahl“ der Äußerungen der Mitglieder wichtig. Das Urteil des Oberverwaltungsgericht Münster von 2024 ist einfach zusammenzufassen: Wenn eine „Vielzahl“ von Mitgliedern durch Äußerungen auch nur „nahe“ legt, das politische Ziel zu verfolgen, die rechtliche Gleichheit von Staatsbürgern mit migrantischem Hintergrund „in Frage“ zu stellen, ohne dass die Partei einschreitet, verstößt die Partei gegen Menschenwürde und Grundgesetz. Das Bundesamt für Verfassungsschutz sammelte für sein Gutachten über die AfD eine Vielzahl solcher Äußerungen.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Ulrich Kraetzer, Jule Scharun und Dilara Schwidder.