Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

vor ein paar Tagen schickte mir eine SPOTLIGHT-Leserin einen Hinweis: Das Bundesamt für Migration habe schon seit Dezember keine Genehmigungen mehr für Integrationskurse für Geflüchtete erteilt. Die Leserin arbeitet an einer Volkshochschule, die solche Kurse anbietet. 

In unserer Redaktionsrunde haben wir uns gefragt: Wie passt das zusammen, dass einige Politiker beklagen, Asylsuchende würden sich nicht genügend bemühen, sich in unser Land zu integrieren – und ihnen andererseits nicht die Möglichkeit gewährt wird, genau dies zu tun?

Unser Reporterinnen-Team ist der Sache nachgegangen. Was herauskam, lesen Sie im Thema des Tages. Wenn auch Sie konkrete Hinweise für vergleichbare Recherchen haben, dann schreiben Sie mir gern: anette.dowideit@correctiv.org.

Wir haben heute außerdem zwei weitere Artikel veröffentlicht.

  • Einer dreht sich um die Epstein-Akten: Wir haben darin Hinweise gefunden, dass der Pädokriminelle Verbindungen zu einer Russin hatte, die Putin nahe stand. 
  • Im anderen geht es um die Festnahmen vor ein paar Tagen in einer deutschen Firma – wegen des Vorwurfs: Lieferungen an Russland trotz Sanktionen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!

Thema des Tages: Jetzt wird an Integration gespart

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Russische Aktivistin in Epstein Haus • Lübecker Firma schmuggelte Waren nach Russland

Faktencheck: Rettungswagen selbst bezahlen? Fall aus Hagen in NRW ist hypothetisch

Gute Sache(n): Neue Studie zu Elektroautos • Brustkrebs: Bunte Prothesen für Selbstvertrauen • Frankfurt tauscht kostenlos Haushaltsgeräte aus

CORRECTIV ganz persönlich: Eine Verfassungsviertelstunde macht noch keine Demokraten

Grafik des Tages: Immer längeres Warten auf Facharzttermine

Umso wichtiger erscheint es, dass Asylbewerber Integrationskurse besuchen. Was diese Kurse beinhalten und wozu sie dienen, erklärt das Bundesamt für Migration (BAMF) auf seiner Internetseite: Teilnehmende sollen dort Deutsch sprechen lernen und die Grundlagen deutscher Geschichte, Kultur und Rechtsordnung lernen.

„Das ist wichtig, um Arbeit zu finden, Anträge ausfüllen oder sich im Alltag verständigen zu können.“
Aus der offiziellen Auskunft des BAMF zu Integrationskursen

Umso erstaunlicher ist, was unsere Reporterinnen Pamela Kaethner und Dilara Schwidder bei ihrer Recherche herausfanden: Seit Dezember hat das BAMF die Genehmigungen für Integrationskurse auf Eis gelegt. Hier geht es zu unserem heute veröffentlichten Text.

Integrationskurs für Geflüchtete – hier in Nürnberg: Derzeit bleiben viele Klassenräume leer. Quelle: picture alliance / dpa | Daniel Karmann

Das Wichtigste:
Laut eigener Prognose und Planung des BAMF sollen in diesem Jahr rund 129.000 Migranten einen Kurs besuchen, den die Behörde bewilligen muss. Wie viele Menschen seit Dezember einen solchen Antrag gestellt haben und nun auf die Genehmigung warten, ist unklar – das BAMF hat uns dies auf Anfrage nicht beantwortet.

Auch der Grund, weshalb die Genehmigungen auf Eis liegen, ist nicht bekannt. Der niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Deniz Kurku, wies vor ein paar Tagen in einem Schreiben an die Bundesbeauftragte für Integration darauf hin, dass es sich bei dem Stopp um einen Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz handele. Denn darin ist der Anspruch auf Integrationskurse verankert.

Wir verfolgen das Thema weiter.

Wie es sonst um die Integrationshilfe steht:
Auch an anderer Stelle macht Deutschland es derzeit Geflüchteten nicht leicht, sich einzufügen – obwohl doch in der Politik der Wunsch danach besteht.

Zum Beispiel bei den umstrittenen Bezahlkarten für Geflüchtete: In vielen Bundesländern bekommen Geflüchtete das Geld nicht mehr einfach ausgezahlt, das ihnen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zusteht – sondern auf die Bezahlkartensysteme überwiesen.

Demnächst will auch Berlin das System einführen. Und auch Gelsenkirchen in NRW, wo es dies bislang noch nicht flächendeckend gibt, hat entsprechende Pläne (über die unsere Gelsenkirchen-Redaktion kürzlich hier berichtete).

Maja T. in Ungarn zu acht Jahren Haft verurteilt 
In Ungarn wurde die nicht-binäre Person Maja T. zu acht Jahren Haft verurteilt. Ihr wird vorgeworfen, zwei Überfälle auf Rechtsextremisten verübt zu haben. Der Prozess ist sehr umstritten, denn Maja T. war im Dezember 2023 in Berlin verhaftet und im Juni 2024 rechtswidrig nach Ungarn ausgeliefert worden. 
fr.de  

Thüringen: Misstrauensvotum der AfD gegen Mario Voigt (CDU) gescheitert
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt musste sich nach der Aberkennung seiner Doktorarbeit einem Misstrauensvotum stellen. AfD-Politiker Björn Höcke kandidierte gegen Voigt, erhielt jedoch keine Mehrheit. 
deutschlandfunk.de

Foto: Picture Alliance / Captital Pictures

Zerschlagenes Netzwerk: Wie eine Lübecker Firma ihre Waren nach Russland schmuggelte
Wegen mutmaßlicher Sanktionsverstöße und Bildung einer kriminellen Vereinigung ließ die Bundesanwaltschaft fünf Personen festnehmen. Einer der Beschuldigten führte in Lübeck ein Unternehmen, das über Jahre Geschäfte in Russland machte. CORRECTIV-Recherchen zeigen das Schema – und teils skurrile Details.
correctiv.org

Fronten von verschiedenen Rettungswagen hintereinander im Profil.
(Foto: Henning Westerkamp / Pixabay)

So geht’s auch
Heute ist Weltkrebstag. Die Kenianerin Mary Mwangi hat den Brustkrebs überlebt und strickt nun für Betroffene bunte Brustprothesen. Diese stellen eine Alternative zu den teuren Silikonprothesen dar. Denn diese Behandlung ist sehr kostspielig, viele Patientinnen in ihrer Heimat können sich diese nicht leisten. Laut Mary Mwangi sind die Prothesen aber wichtig, weil sie Selbstvertrauen geben und das Stricken dient als Therapie, um mit der Krankheit umzugehen. Sie zeigt auch anderen Frauen, wie man die Prothesen selbst stricken kann. 
zdfheute.de

Fundstück
Alte Haushaltsgeräte sind oft ineffizient und verbrauchen viel Strom. Für viele Menschen ist es aber zu teuer, sich neue anzuschaffen. Die Stadt Frankfurt hat deshalb einen Energiehilfefonds über vier Millionen Euro eingerichtet. Damit sollen beispielsweise alte Kühlschränke oder Waschmaschinen kostenlos durch neue ersetzt werden. Menschen, die Bürgergeld oder Wohngeld erhalten oder einen Frankfurt-Pass besitzen, können einen Antrag stellen. Voraussetzung ist, dass die Geräte älter als zehn Jahre sind oder besonders viel Strom verbrauchen.
wdr.de / zeit.de


Immerhin ein Anfang, um Raum zu geben für aktuelle Politik, denke ich spontan als Mutter. Egal ob Trump-Wahl oder Gaza: Mit meiner Tochter hat darüber in der Schule keiner gesprochen. Als Bildungsreporterin muss ich leider sagen: Mal wieder ein Reförmchen, dass es nicht auf die Höhe des Problems schafft. Jugendliche informieren sich in den sozialen Medien und sind dort mit rechter Hetze konfrontiert. Wohl mehr denn je ist Schule der wichtigste Ort politischer Bildung. Aber in einer Viertelstunde pro Woche macht man niemanden zum Demokraten. 

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Jule Scharun und Dilara Schwidder.