Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

die Bewohner sogenannter strukturschwacher Regionen sind tendenziell unzufriedener: mit ihrer Lebenssituation, mit der Regierung, mit der Demokratie insgesamt. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung hat jetzt einen Plan vorgestellt, um dagegen anzukämpfen. Kann das klappen? Heute unser Thema des Tages.

Außerdem im SPOTLIGHT: In den USA muss Donald Trump demnächst wohl ohne Elon Musk auskommen. Und eine neue Story von CORRECTIV: Die AfD-Politikerin Lena Kotré gilt jetzt sogar im Ausland offenbar als Vorbild für Rechtsnationalisten.

Gestern haben wir an dieser Stelle gemeinsam mit Ihnen ein neues großes Rechercheprojekt gestartet: eine neue Staffel unserer Serie „Gemeinsam aufgedeckt“. Zusammen mit Ihnen werden wir in den nächsten Monaten recherchieren: Wer sichert sich welches Stück vom Kuchen des riesigen Infrastrukturpakets? 

Was am ersten Tag geschah, lesen Sie in der Rubrik, die jetzt wieder regelmäßig ganz am Ende des SPOTLIGHT steht. Schreiben Sie mir gern, was Sie zum Thema Infrastruktur umtreibt: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Mit Geld die Wut bekämpfen

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste aus Nachrichten, Lokalberichten und Investigativrecherchen

Faktencheck: Video von Papst-Besuch in Osttimor fälschlich den Protesten in der Türkei zugeordnet

Gute Sache(n): Was jede und jeder gegen Falschinfos tun kann • Gürtelrose-Impfung senkt Demenz-Risiko • Ideen aus dem Internet: Wer folgt Musk bei Doge nach?

CORRECTIV-Werkbank: Hinter den Kulissen des verschobenen Lieferkettengesetzes im EU-Parlament

Grafik des Tages: Neue US-Zölle für die EU, die Welt – und einige unbewohnte Inseln

Gemeinsam aufgedeckt: Werden Sie eine Quelle für uns!

Der Ostbeauftragte Carsten Schneider (SPD). Quelle: picture alliance / photothek.de | Dominik Butzmann.

Worum geht es?
Menschen, die in sogenannten strukturschwachen Regionen leben, zweifeln – kaum verwunderlich – mehr als andere an der Funktionsfähigkeit unserer Demokratie. Das gilt demnach für die Bewohner von 60 Prozent aller Kommunen, denn diese gelten als besonders „steuerschwach“.

Schneider und sein Team haben jetzt einen Plan entwickelt, wie die Ungleichheiten abgemildert werden sollen und dadurch die besonders Unzufriedenen wieder etwas zufriedener werden könnten.

Was steht in dem Plan?
Er umfasst fünf Punkte. Der Spiegel stellt sie heute ausführlich dar, allerdings hinter der Bezahlschranke. Hier eine Zusammenfassung:

  1. Jene 60 Prozent der Kommunen sollen stärker als bisher vom bundesweiten Finanzausgleich zwischen den Bundesländern profitieren. Also einfach gesagt: mehr Geld von steuerstarken Kommunen bekommen.
  2. Bei bundesweiten Investitionsprogrammen soll das Geld anders als bisher auf die Kommunen verteilt werden: Momentan läuft die Aufteilung nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel. Der besagt im Prinzip: Wie viel Geld eine Kommune bekommt, hängt von ihren Steuereinnahmen und von der Zahl der Einwohner ab. Schneider schlägt jetzt vor, mehr auf den tatsächlichen Bedarf zu achten.
  3. Die strukturschwachen Regionen sollen zusätzlich Geld für ihre Infrastruktur (Schiene, Straße, schnelles Internet, Schulen etc.) bekommen – damit der Anreiz steigt, dorthin zu ziehen.
  4. In Kleinstädten sollen mit Finanzspritzen die Innenstädte schöner gestaltet werden.
  5. Große, leere Flächen in diesen Regionen sollen jetzt schon einmal vorbereitet werden, damit sich dann schneller Unternehmen mit ihrer Produktion dort ansiedeln können. Also zum Beispiel mit Strom- und Straßenanschlüssen.

Netanjahu reist trotz internationalem Haftbefehl nach Ungarn
Gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu wurde im November wegen möglicher Kriegsverbrechen ein internationaler Haftbefehl erlassen. Eigentlich sind deshalb alle Vertragsstaaten des Internationalen Strafgerichtshofs dazu aufgefordert, ihn festzunehmen, sobald er ihr Territorium betritt. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán fühlt sich jedoch nicht an diese Vorgabe gebunden und hatte Netanjahu eingeladen.  
zeit.de

Thüringen: AfD-Kandidat wird  ins Verfassungsgericht gewählt 
Mit einer deutlichen Mehrheit von 64 zu 20 wird der Rechtsanwalt als stellvertretender Richter in das Verfassungsgericht des Landes gewählt. Es ist das erste Mal, dass ein von der AfD vorgeschlagener Kandidat die Mehrheit für dieses Amt bekommt. 
mdr.de

Bild:© Tunahan Turhan/SOPA Images via ZUMA Press Wire

So geht’s auch
Eine Gürtelrose kann jeden treffen, besonders aber Menschen über 50 oder mit geschwächtem Immunsystem. Die Impfung dagegen hat noch einen weiteren Effekt: Sie senkt das Demenzrisiko, vor allem bei Frauen. 
n-tv.de 

Fundstück

Meme auf X

Elon Musk soll die Leitung der Behörde für Regierungseffizienz Doge wohl bald niederlegen. Wer folgt ihm nach? Diese Frage kommentiert das Internet sehr kreativ – wie hier im Bild. Weitere Memes hat die britische Daily Mail gesammelt.  
dailymail.co.uk


Eigentlich sollte die Richtlinie europäische Unternehmen dazu verpflichten, bei ihren Zulieferern in fernen Ländern Menschenrechte und Umweltschutz zu beachten. Wie stark sich die Zeiten in Brüssel geändert haben, sieht man daran, dass sogar die Grünen für den Aufschub stimmten. Warum? Hätten sie sich nicht gefügt, hätte die konservative EVP-Gruppe wohl mit den Rechten und Rechtsextremen gestimmt. Es ging also auch um die Brandmauer auf EU-Ebene.

Übrigens: Russland fehlt auf der Liste mit Extra-Zöllen. Zwar haben die Sanktionen den Handel zwischen den beiden Staaten deutlich reduziert, aber das Handelsvolumen ist immer noch höher als etwa mit dem Inselstaat Mauritius, für den nun ein Zoll von 40 Prozent gelten soll.
t-online.de

Autor Bild Anette Dowideit

Gestern hatte ich Sie gefragt: Arbeiten Sie in einem Bundesministerium, einer Landesbehörde oder einer Kommunalverwaltung – und meinen, Sie könnten in den kommenden Monaten mit der Verteilung des Infrastruktur-Topfes in Berührung kommen? Dann werden Sie unsere „Quelle“ – also geben Sie uns regelmäßig (gern natürlich auch anonym) einen Zwischenstand.

Warum das Netzwerk?
Denn so gehen wir Journalistinnen und Journalisten bei solchen großen Recherchen vor: Wir bauen uns zunächst ein Netzwerk von Expertinnen auf, die zum Thema möglicherweise etwas Relevantes zu sagen haben. Das können in diesem Fall zum Beispiel auch Lehrerinnen an maroden Schulen sein – die sich demnächst um Geld bemühen. Oder verantwortliche Mitarbeitende bei der Deutschen Bahn. Oder beim Straßenbau.

Wer sich bisher gemeldet hat:
Wir haben eine Reihe von E-Mails bekommen, von teilweise ziemlich vielversprechenden möglichen Hinweisgebern. Vier Beispiele:

  • ein Wirtschaftsexperte. Er will uns dabei unterstützen: Wie hoch waren die Preise für Waren (wie Zement) und Dienstleistungen (wie Baubetriebe) vor dem Sondervermögen – und wie entwickeln sie sich jetzt?
  • ein Hochschulprofessor für öffentliche Verwaltung. Wenn demnächst Geld an Beratungsfirmen gehen, will er uns helfen zu prüfen: Ist diese Beratung sinnvoll?
  • eine Gemeinderatsvertreterin, die sagt: Sie habe Einblicke in die Kommunalfinanzen und können sicher interessante Infos beisteuern.
  • der Leiter eines städtischen Amts für Infrastruktur.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Sebastian Haupt und Jule Scharun.