Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

Diese für Audio optimierte Kompaktfassung des täglichen Spotlight-Newsletters ist von einer KI-Stimme eingelesen und von Redakteuren erstellt und geprüft.

Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

in Nordrhein-Westfalen, Bremen und Niedersachsen waren heute die Schulen überwiegend geschlossen, in Hamburg und Teilen von Hessen war das schon am Freitag der Fall – wegen Glatteis. Tausende Schülerinnen und Schüler mussten (oder durften) zu Hause lernen. So schön dies einige Jugendliche finden, so viele Fragen wirft es aber auch auf – zum Beispiel: Weshalb funktioniert der Distanzunterricht an manchen Schulen viel besser als an anderen? Darum geht es im Thema des Tages.

Außerdem im SPOTLIGHT: Heute startet die neue Runde der Cartoon-Arena! Unsere fünf Karikaturistinnen und Karikaturisten konkurrieren um den besten humoristischen Blick auf das Thema „Staatschefs entführen“. Am Ende der Woche können Sie abstimmen, wer diese Woche die SPOTLIGHT-Cartoon-Krone verdient hat.

Grafik: Mohamed Anwar

In der Kategorie „CORRECTIV ganz persönlich“ geht es heute um Hintergründe zur riesigen Protestwelle im Iran. 

Und nun bitte ich Sie, uns zu unterstützen, indem Sie für uns im Netz abstimmen. Genauer gesagt: für unser Café mit angeschlossener Redaktion in Gelsenkirchen. Wir stehen damit zur Wahl für den „Deutschen Gastro-Preis“. Wie Sie abstimmen können: Einfach das hier verlinkte Instagram-Video mit einem „Like“ versehen. In dem Reel erklären unser Publisher David Schraven und unsere Gastronomin Lisa Hommel, worum es uns genau geht. Jedes „Gefällt mir“ zählt!

Ich hoffe, Sie hatten einen guten Wochenstart! Schreiben Sie mir gern Ihre Recherchehinweise: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Schule zu – und jetzt?

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Cartoon-Arena: Staatschefs entführen

Faktencheck: Nach US-Angriff – Video zeigt feiernde Menschen in Chile, nicht in Venezuela

Gute Sache(n): Trinkwasserverordnung leitet Ende von Bleirohren ein • Friseurinnen in Afrika als mentale Ersthelferinnen • Espresso als Alternative zu radioaktiven Kontrastmitteln

CORRECTIV ganz persönlich: Proteste im Iran – Hoffnung auf zwei blaue Häkchen

Grafik des Tages: Hunderttausende Ganztagsplätze fehlen

Meine beiden Söhne im Teenager-Alter jubelten und feixten, als uns am Sonntag die Info erreichte, dass heute die Schulen in ganz Nordrhein-Westfalen (bis auf Notbetreuung) geschlossen bleiben. Während ich dies hier schreibe, Stand 11 Uhr morgens, liegen beide noch im Bett. Später am Tag werde ich bei beiden mal nachfragen, ob sie diesmal Aufgaben von ihren Lehrkräften über das Microsoft-Programm Teams bekommen haben, mit dem die Schulen hier arbeiten. Das nämlich war bei vorherigen Distanzunterricht-Tagen oft nicht der Fall.

Ihre kleine Schwester dagegen, die auf eine andere weiterführende Schule geht, wusste direkt Bescheid, was zu tun ist: Punkt 8 Uhr startete die erste Video-Konferenz des Tages, bei der die Lehrerin die Anwesenheit vermerkte und Aufgaben für den Tag verteilte – sogar Sportaufgaben waren dabei, die im Jugendzimmer absolviert werden sollten. Meine Tochter war im Bilde, wo sie sich wann einloggen musste – weil die Schule für Fälle wie diesen regelmäßig Übungstage veranstaltet. 

Für das Gelingen spielt auch eine Rolle, dass an dieser Schule die Kinder ab Klasse 5 kostenlos mit Ipads ausgestattet werden.

Der politische Streit über die Schließungen:
In NRW setzen sich nun die Schulpolitikerinnen und -politiker über die Schließungen auseinander. Die FDP-Fraktion im Landtag hatte kritisiert: Schulen würden zu schnell geschlossen und das schmälere die Bildungschancen jener Kinder, die ohnehin nicht so gut im Unterricht mitkommen. 

Die zuständige Schulministerin im Land, Dorothee Feller (CDU), verteidigte ihren Entschluss. Die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen sei wichtiger, und sie habe ja nicht aus dem Bauch heraus entschieden, sondern auf eine Warnung des Deutschen Wetterdienstes reagiert.

Schulweg bei Schnee und Eis – unter Umständen ziemlich gefährlich. Hier eine Beispiel-Aufnahme aus München. Quelle: Picture Alliance / Wolfgang Maria Weber

In anderen Bundesländern jedenfalls hat man sich gegen eine generelle Schließungs-Vorgabe für die Schulen entschieden. Sachsen etwa hat den Schulen die Entscheidung selbst überlassen – mit Blick darauf, dass die Glatteis-Gefahr regional sehr unterschiedlich ausfällt. Ähnlich macht es Bayern.

Weshalb der Distanzunterricht so unterschiedlich gut funktioniert:
Darüber habe ich mit unserer Bildungsreporterin Alexandra Ringendahl gesprochen, die sich schon während der Corona-Pandemie ausführlich mit diesen Herausforderungen beschäftigt hat.

Sie erklärt, dass die Schulen zum Beispiel in NRW in diesem Fall – aufgrund der Kurzfristigkeit – selbst entscheiden durften, wie sie den Unterricht gestalten: ob sie also Video-Konferenzen anbieten oder lediglich schriftlich Aufgaben verteilen. Und wie oben erwähnt: Es gibt Schulen, die regelmäßig Übungen mit den Schülerinnen und Schülern absolvieren und andere, die dies nicht tun.

Wie es ein Winter-erprobtes EU-Land macht:
Wir haben uns heute Morgen in unserer Redaktionskonferenz gefragt: Wie geht man in nordischen Staaten mit Wintereinbrüchen um – bleiben dort die Kinder und Jugendlichen auch regelmäßig daheim und lernen zu Hause? Und wenn ja, weshalb schneidet dann zum Beispiel Finnland regelmäßig so gut in den Pisa-Vergleichstests ab?

Die Antwort ist die: Zum einen, sagt unsere Bildungsreporterin Ringendahl, werden die Schulen trotz Dauerfrosts im Winter fast nie geschlossen. Das liegt daran, dass die Schulwege dort in der Regel höchste Priorität bei den Räumungsdiensten haben – und dass die Familien an Winter gewöhnt sind. Schüler schnallen sich für den Schulweg zum Beispiel Spikes an die Schuhe.

Zum anderen: Finnland war in den vergangenen Jahren vergleichsweise geschickt darin, EU-Gelder zu beantragen und sie gezielt ins Bildungssystem zu stecken – unter anderem in die Digitalisierung der Schulen. Eine genaue Analyse der finnischen Bildungsinvestitionen findet sich hier (bei der Investmentbank der Europäischen Union).

Aber selbst, wenn wie im Bildungswunderland Finnland eines fernen Tages alle Schulen in Deutschland mit Tablets für alle ausgestattet sind: Die Schulen brauchen Routine in Sachen Distanzunterricht. Der Präsident des Lehrerverbandes, Stefan Düll, hatte zuletzt mal verpflichtend regelmäßige Homeoffice-Tage für Schülerschaft und Lehrkräfte vorgeschlagen, um den Online-Unterricht ein- bis zweimal im Jahr zu testen. 

Kämpfe in Syrien
Nach dem Sturz Assads waren dies die schwersten gewaltsamen Auseinandersetzungen in Syrien. In Aleppo kämpften zwischen Dienstag und Sonntag die islamistisch geprägte Miliz HTS gegen die Kurdenmiliz SDF. Dabei wurden 20 Menschen getötet. Die Kämpfe endeten mit einer Waffenruhe und dem Rückzug der SDF-Kämpfer und Zivilisten in den Norden und Osten des Landes. 
taz.de / spiegel.de (€) 

Proteste in den USA gegen ICE-Vorgehen 
Drei Tage nachdem ein ICE-Agent die US-Amerikanerin Renee Nicole Good in ihrem Auto erschossen hat, fanden in den gesamten USA Demonstrationen statt. Unter dem Motto „Ice Out for Good“ demonstrierten die Bürgerinnen und Bürger gegen das Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE. Die New York Times zeigt die landesweiten Proteste in Fotos. 
nytimes.com

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Panoramabild der Stadt Santiago de Chile
Foto: Sascha Selli-Grabowski / Imagebroker / Picture Alliance

So geht’s auch
Ein Projekt in Westafrika namens „Heal by Hair“ schafft in Friseursalons neue Orte für Gespräche. Das Projekt sieht eine therapeutische Weiterbildung für Friseure vor, mit der Menschen geholfen werden kann, die an psychischen Erkrankungen leiden. Bereits 400 Friseurinnen wurden als mentale Ersthelferinnen geschult. Da psychische Erkrankungen in vielen Teilen Afrikas noch ein Tabuthema sind, gibt es sehr wenige Therapieangebote dort.
watson.de

Fundstück
Für die Laboruntersuchung biologischer Proben wird häufig das giftige und radioaktive Färbe- und Kontrastmittel Uranylacetat verwendet. Forscherinnen und Forscher der Technischen Universität Graz haben nun eine mögliche, harmlose Alternative entdeckt: Espresso. Demnach soll Espresso teils sogar eine bessere Qualität in der Analyse von Proben mit dem Elektronenmikroskop liefern.
derstandard.at


In meiner iranischen Familie wird hingegen kein Wort darüber gesprochen. Der Fernseher bleibt ausgeschaltet und in der Küche herrscht Radioverbot. Mit Mitte 60 hat meine Mutter die Hoffnung verloren – dafür hat der lange Kampf für einen freien Iran in ihren Augen schon zu viele Opfer gefordert. 

Während der Islamischen Revolution floh meine Familie nach Deutschland. Meine Mutter lernte ein fremdes Land als ihr Zuhause kennen und blickte immer wieder optimistisch in den Iran. Doch die brutale Niederschlagung der Protestwellen der letzten Jahrzehnte nahm ihr die Hoffnung auf Rückkehr. Wie meiner Mutter geht es vielen Iranerinnen im Exil. Jahrelange Verzweiflung macht taub. 

Die aktuellen Zahlen erschüttern: Erste Informationen über tausendfache Festnahmen und mehr als 500 Tote dringen langsam nach außen. Durch die anhaltende staatliche Internetsperre wissen auch wir nicht, wie es unseren Verwandten in Teheran geht. Gleichzeitig halten die Proteste an und die wenigen Informationen zeigen, dass eine breite, laute iranische Gesellschaft auf die Straßen geht. 

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Maximilian Billhardt, Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Ulrich Kraetzer, Lea Messerschmidt und Jule Scharun.