Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

Diese für Audio optimierte Kompaktfassung des täglichen Spotlight-Newsletters ist von einer KI-Stimme eingelesen und von Redakteuren erstellt und geprüft.

Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

willkommen zurück in unserer kostenlosen Tageszeitung per E-Mail – und Ihnen allen ein frohes und gesundes neues Jahr!

Wir starten heute mit einem Thema des Tages, in dem wir einordnen, weshalb die Entführung von Venezuelas Staatspräsident durch die Trump-Regierung auch für uns in Europa beunruhigend ist. 

Außerdem haben wir heute eine Einordnung zu den großen Protesten im Iran veröffentlicht: Was ist da los, warum wird protestiert – und stecken auch Unruhestifter im Auftrag des Staats dahinter? Das steht in diesem Text.

Und nun eine wichtige Ankündigung (Trommelwirbel): Wir gehen in die nächste Runde der SPOTLIGHT-Cartoon-Arena! Erinnern Sie sich? Im Herbst hatten wir die Testwoche gestartet. Die Idee: 

  • Sie, die Leserinnen und Leser, stimmen über EIN gemeinsames Thema ab, um das sich die Karikaturen der nächsten Woche drehen sollen.
  • Fünf kreative Zeichnerinnen und Zeichner machen sich Gedanken über den bissigsten, witzigsten, treffendsten Bilderwitz zu diesem Thema. Montag bis Freitag erscheint jeweils eine Karikatur hier im SPOTLIGHT und auf unserem CORRECTIV-Instagram-Kanal.
  • Am Ende der Woche küren Sie die Gewinnerin oder den Gewinner – und Sie können dabei an einer Verlosung teilnehmen.

Warum das Ganze? Wir wollen dem politischen Cartoon wieder die Aufmerksamkeit verschaffen, die er verdient – denn Karikaturen sind eine der wichtigsten politischen Ausdrucksformen, die uns als Medien zur Verfügung stehen, um die Demokratie zu erhalten und zu stärken.

Dies sind die drei Themen, zwischen denen Sie abstimmen können (ab sofort bis morgen Mittag):

  1. Preppen für den Ernstfall – und den Stromausfall
  2. Staatspräsidenten entführen
  3. Drohnen-Sichtungen über Europa

Danke für Ihre Mithilfe! Stimmen Sie hier ab, welches der drei Ihr Lieblingsthema ist.

Und wenn Sie andere Dinge haben, die Sie bewegen, dann schreiben Sie mir: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Staatschefs entführen ≠ Kavaliersdelikt

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

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Grafik des Tages: Wahljahr 2026 – hier wird es brisant

In dieser Haftanstalt im New Yorker Stadtbezirk Brooklyn sitzt Venezuelas Präsident Maduro derzeit ein. Quelle: picture alliance / Kyodo.

In der Berichterstattung geht nun einiges durcheinander und mancherorts liest und hört man, das sei doch irgendwie ok, weil Maduro im Grunde einfach ein Drogenboss sei und von vielen Staaten – zum Beispiel Deutschland – gar nicht als Staatschef anerkannt werde. Außerdem müsse Trump ja gegen die Drogenschwemme aus Venezuela vorgehen und dann seien da noch die Rohstoffe (Öl), von denen die Welt nun profitieren könne. Also ein paar Einordnungen:

Durfte Trump das?
Nein. Die Antwort ist eindeutig. Mit Militärmacht in einen anderen, souveränen Staat hineinzugehen und dort den Staatschef einzukassieren, ist ein eindeutiger Verstoß gegen das Völkerrecht.

Artikel 2 der Charta der Vereinten Nationen besagt:

„Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt.“

Was bedeutet das?
Dass man sich auch, wenn man einen Staatschef (zu Recht) für einen Schurken hält, nicht in dessen Souveränität einmischen darf. Das Recht, den Staatschef abzusetzen, hat nur das Volk eines Landes selbst.

Weshalb unsere Bundesregierung sich nicht klarer positioniert hat:
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte in einem Statement: „Die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes ist komplex.“ Auch Außenminister Johann Wadephul (CDU) sagte, es gebe „verschiedene Aspekte zu berücksichtigen“.

Das verwundert, weil die rechtliche Lage wie oben geschrieben ja eindeutig ist. So sehen es auch die meisten prominenten Stimmen beim Koalitionspartner SPD (und auch bei den Oppositionsparteien Grüne und Linke). 

Dort weist man darauf hin, dass die Trump-Aktion Tür und Tor auch für andere mächtige Staaten öffnen könnte, ebenfalls mit dem Militär in fremde Staaten einzufallen und dort Staatschefs festzunehmen. Wenn die USA das Völkerrecht nicht mehr ernst nehmen – warum sollte zum Beispiel Russland sich noch daran halten?

Was sagt denn Russland dazu?
Offiziell nichts, aber Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew – ein Gefolgsmann von Wladimir Putin und Scharfmacher gegen den Westen – sagte jetzt in einem Interview mit der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass

Er könne sich ähnliche Entführungsaktionen durchaus vorstellen. Zum Beispiel gegen Bundeskanzler Friedrich Merz. Oder auch gegen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

Und andere Staaten?
Wenn die USA sich so offensichtlich nicht mehr ans internationale Völkerrecht halten, so erwarten einige Beobachter, könnte sich zum Beispiel auch China eingeladen fühlen, einen Militäreinsatz in Taiwan zu starten. 

Dies erscheint insofern als reale Gefahr, weil China schon in der Vergangenheit immer wieder militärische Provokationen gegen Taiwan gestartet hat – etwa vergleichbar mit Russland und der Ukraine. Gerade erst Ende Dezember hatte China wieder eine neue Militäroperation vor Taiwan gestartet.

Unternimmt also nun jemand etwas gegen die Aktion der USA?
Bisher nicht erkennbar. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas schrieb auf der Plattform X: Die EU sei „in engem Austausch“ mit den USA und wolle den „Dialog aller beteiligten Parteien“ fördern. 

Anschlag auf Berliner Stromnetz: Suche nach Verantwortlichen
Eine linksextreme Gruppe bekennt sich zu dem Brandanschlag auf Teile des Berliner Stromnetzes. Während die Polizei das Schreiben als glaubhaft einstuft, gibt sich der Verfassungsschutz noch zurückhaltend.
handelsblatt.com

BND soll Ex-Präsident Obama abgehört haben 
Nach Angaben des Zeit-Journalisten Holger Stark soll der Bundesnachrichtendienst (BND) den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama mehrere Jahre abgehört haben. Einen offiziellen Spionageauftrag habe es dafür nicht gegeben. Die Informationen sollen als allgemeine Einschätzung über die Haltung der USA verwendet worden sein. 
spiegel.de

Auf Tiktok gibt es aktuell keine Funktion, mit der man Videos ansehen und Geld verdienen kann (Foto: Ritzau Scanpix / Ida Marie Odgaard / Picture Alliance)
Auf Tiktok gibt es aktuell keine Funktion, mit der man Videos ansehen und Geld verdienen kann (Foto: Ritzau Scanpix / Ida Marie Odgaard / Picture Alliance)

So geht’s auch
In Sozialen Netzwerken erreichen frauenfeindliche Influencer wie Andrew Tate Millionen von Menschen – auch und besonders in der jüngeren Generation. Deshalb setzt Großbritannien nun auf Bildung: Der kritische Umgang mit toxischer Männlichkeit wird Pflichtstoff an britischen Schulen. Die Jugendlichen sollen lernen, manipulative Online-Inhalte zu erkennen, mit Emotionen umzugehen und Hassrede entgegenzutreten. 
wdr.de / t-online.de

Fundstück

Neujahrsvorsätze – oft gut gemeint, vielfach aber zum Scheitern verurteilt. Warum ist das so? Ein wichtiges Kriterium ist laut Forschung die Messbarkeit. Oft sind Vorhaben nur vage oder die Ansprüche zu groß formuliert. Besser ist es, in kleineren, messbaren Schritten vorzugehen. Das helfe, die Motivation für das große Ziel zu behalten, erklärt die Frankfurter Rundschau hier:
fr.de

Elena Kolb

Da liegt Resignation nahe. Und doch gibt es Hoffnung: Denn es gab sie auch, die guten Klima-Nachrichten 2025.

So sind zum Beispiel Erneuerbare Energien nicht mehr aufzuhalten. Im ersten Halbjahr 2025 haben sie international mehr Strom erzeugt als Kohle. In Deutschland überholten Solarkraftwerke im vergangenen Jahr zum ersten mal Kohlekraftwerke in der Stromerzeugung. Außerdem: Vielen Menschen ist Klimaschutz noch wichtig. Das zeigte sich beispielsweise im Oktober beim Zukunftsentscheid in Hamburg, als die Mehrheit für sozialen Klimaschutz stimmte.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Lea Messerschmidt und Jule Scharun.