Verbrennermotor ist halt geil

Vor der Baden-Württemberg-Wahl: Unser Klima-Team hat recherchiert, wo/wie/ob sich Grüne und CDU im Klimaschutz unterscheiden.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

am Wochenende wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Falls Sie in  diesem Bundesland leben und noch unentschieden sind, für wen Sie abstimmen möchten, hilft Ihnen vielleicht der Wahl-O-Mat des SWR weiter.

Und falls Sie noch zusätzliche Entscheidungshilfe benötigen – zum Beispiel zur Frage, wie die wichtigsten Parteien im Land zum Klimawandel stehen – empfehle ich Ihnen unser heutiges Thema des Tages. Stichwort: Nähe von Grün und Schwarz zur Autolobby.

Außerdem heute im SPOTLIGHT: 

  • Auch im heutigen Faktencheck geht es um die Ba-Wü-Wahl – und eine Behauptung, die CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel untergejubelt wurde.
  • Ein „Zwischenruf“ von Journalistin und Iran-Expertin Daniela Sepehri zur Lage der Menschen im Land – in Form einer Schwerpunkt-Folge Fun Facts.
  • Und: Aus aktuellem Anlass haben wir unseren Tracker zur Vetternwirtschaft in der AfD wieder aktualisiert.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend! Was sind Ihre Prognosen, Sorgen und Hoffnungen für den Ausgang der Wahl in Baden-Württemberg? Schreiben Sie mir gern: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Verbrennermotor ist halt geil

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Zu viele Einzelfälle, zu wenig Gesamtbild: Ab wann ist die AfD „gesichert rechtsextremistisch“?

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Raketen, Luxus und Atommüllabfuhr

Zwischenruf: Der Iran steht zwischen Tyrannen – Daniela Sepehri

Faktencheck: Nein, Manuel Hagel sagte nicht, dass Bio-Diesel-LKW CO2-neutral seien

Gute Sache(n): Einsamkeit bei Jugendlichen • Digitale Souveränität: Was ist Peertube? • 30.000 Zigaretten als Kekse getarnt – „für die Familienfeier“

CORRECTIV ganz persönlich: Kommt am Ende doch die Wehrpflicht?

Grafik des Tages: Heizungsabsatz fällt auf niedrigsten Stand seit 15 Jahren

Unser Klima-Team hat das Vorgehen der beiden Politiker und ihrer Landesparteien in dieser zentralen Klima-Frage unter die Lupe genommen. Hier geht es zu unserer heute erschienenen Story.

Fotocollage auf der der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und die Spitzenkandidaten Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU) neben den Firmenlogos von Mercedes, Porsche und Bosch zu sehen sind. Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV, Quelle: picture alliance
Unter dem Deckmantel der Jobsicherheit: Grüne und CDU übernehmen Wunschprogramm der Automobilindustrie. Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV, Quelle: Picture Alliance

Darum geht es:
Sowohl der grüne Spitzenkandidat Özdemir als auch sein CDU-Kontrahent Hagel erklären die Autobranche zum unverzichtbaren Jobmotor. Und dafür brauche es weiterhin Verbrenner.

Unter den Schlagworten „Technologieoffenheit“ und „Flexibilität“ werben sie für mehr Spielraum bei Verbrennern und alternativen Antrieben – selbst auf Kosten der Klimaziele. Ihr Argument: die Arbeitsplätze. Aktuell sind rund 235.000 Menschen im Fahrzeugbau in Baden-Württemberg beschäftigt.

„Das Ziel der klimaneutralen Mobilität bleibt unverändert. Aber auf dem Weg dorthin müssen wir Vernunft walten lassen.“
Cem Özdemir
auf Anfrage von CORRECTIV

Nähe zur Autolobby:
Unsere Recherchen zeigen, dass sich Mitglieder der aktuellen Landesregierung im vergangenen Jahr mehrfach mit Vertretern und Verbänden der deutschen Automobilindustrie getroffen haben: Allein Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) traf sich elf Mal mit den Geschäftsführern oder Aufsichtsratsvorsitzenden von Mercedes-Benz, BMW und Bosch. 

Unklar bleibt aber, was bei diesen Treffen genau besprochen wurde. Ein Sprecher von Ministerpräsident Kretschmann schreibt auf Anfrage von CORRECTIV: „Protokolle der Treffen wurden nicht angefertigt.“

Wie es um die Umfragen derzeit steht …
Vier Tage vor der Wahl liegt die CDU einer aktuellen Umfrage zufolge vor den Grünen: 27 Prozent der Wählerinnen und Wähler im Land wollen demnach die CDU wählen, 24 Prozent die Grünen.

Erste deutsche Bürger aus Kriegsregion evakuiert
Am Frankfurter Flughafen landete heute Morgen die erste Evakuierungsmaschine mit deutschen Staatsbürgern aus der Golfregion. Die Lufthansa-Maschine aus Maskat, der Hauptstadt des Oman, brachte Urlauber zurück, die wegen des Iran-Kriegs gestrandet waren. Sie mussten zunächst auf dem Landweg nach Oman reisen. Außenminister Johann Wadephul (CDU) kündigte zwei weitere Flüge für Donnerstag und Freitag an. Insgesamt sollen rund 30.000 deutsche Touristen in der Krisenregion festsitzen.
deutschlandfunk.de

Aserbaidschan meldet Drohnenangriffe – Iran bestreitet Angriff 
Am sechsten Kriegstag soll Iran Aserbaidschan mit Drohnen angegriffen haben. Der Präsident Aserbaidschands, Ilham Aliyev, sprach von einem „Terrorakt“ – und drohte mit Vergeltung. Die Streitkräfte seien in Alarmbereitschaft versetzt worden. Iran bestreitet den Angriff. 
welt.de

Daniela Sepehri, Journalistin und Iran-Expertin, hat gestern in einer Schwerpunkt-Folge des neuen „Fun Facts“-Formats eingeordnet: Was sollte man zur aktuellen Lage im Iran wissen?

Sie sagt: Es ist völlig in Ordnung, wenn man benennt, dass die US- und Israel-Intervention im Iran nicht völkerrechtskonform war – und gleichzeitig anerkennt, dass der Tod Chameneis eine Befreiung für die Menschen bedeutet, die das Mullah-Regime unterdrückt und getötet hat.

Manuel Hagel auf einem Parteitag der CDU im Februar 2026
Manuel Hagel auf einem Parteitag der CDU im Februar 2026 (Foto: Edward Cheung / Eibner-Pressefoto / Picture Alliance)

So geht’s auch
Die EU-Kommission will den Umstieg auf europäische Digital-Plattformen vorantreiben. CORRECTIV geht dabei voran: So wird das neue Format „Fun Facts“ künftig im Newsletter SPOTLIGHT nur auf Peertube statt Youtube verlinkt sein. Peertube ist eine öffentlich zugängliche, dezentralisierte und föderierte Videoplattform. Sie wird von der französischen Non-Profit-Organisation Framasoft unterstützt. Mit der Software kann man Veröffentlichungen von Videos und Streams betreiben. Das dürfte ganz im Sinne der EU-Kommission sein, die am 25. März das Thema Digitale Souveränität besprechen wird, wie Tagesspiegel Background kürzlich berichtete.
Fun Facts, background.tagesspiegel.de, european-alternatives.de  

Fundstück
In Bayern nahe Deggendorf entdeckte der Zoll in einem bulgarischen Kleintransporter eine vermeintlich süße Ladung: Was sich in den Kekspackungen jedoch verbarg, waren 30.000 unversteuerte Zigaretten. Kurios: Der Fahrer soll angegeben haben, dass sie für eine größere Familienfeier gedacht gewesen seien. 
nordbayern.de


Ich beschäftige mich für CORRECTIV schwerpunktmäßig mit nationaler Sicherheit, Rüstung und Militärischem, und bin dazu häufig im Bundestag unterwegs. In diesem Jahr bekamen Tausende junge Menschen Post: Sie sollten einen Fragebogen ausfüllen. Die Bundeswehr will anhand dessen prüfen, wie viele Menschen sich für den Dienst an der Waffe melden würden. Das Modell nennt sich „freiwilliger Wehrdienst“. Wir haben im SPOTLIGHT berichtet

Der Grund dafür ist eine NATO-Vorgabe, nach der Deutschland im Ernstfall 460.000 Soldatinnen und Soldaten bereitstellen können soll, bis spätestens 2039. Laut internen Regierungspapieren, die ich einsehen konnte, sollen 200.000 davon aus der Reserve kommen, 260.000 aus dem aktiven Dienst. 

Ein kurzer Abgleich: Bei der Reserve stehen derzeit 70.000 Menschen bereit, die tatsächlich beordert und damit eingesetzt werden können. Der aktive Dienst wird derzeit von 184.000 Soldatinnen und Soldaten geleistet. 

Sie sehen: Die Vorstellung und die Realität klaffen derzeit noch weit auseinander. Und in beiden Kategorien wächst die Truppe nur sehr langsam. So fragen sich viele Beobachtende: Wie soll die Bundeswehr Hunderttausende freiwillige Soldatinnen und Soldaten finden? 

Nicht wenige, vor allem unter den Parlamentariern, sehen es hinter vorgehaltener Hand daher als gesetzt an, dass am Ende doch eine Wehrpflicht kommen muss, möglicherweise sogar schon Pläne dazu im Schrank liegen. 

Aber: Niemand hat eine Kristallkugel. Das Programm, das die Bundeswehr gerade zur freiwilligen Nachwuchsgewinnung auffährt, läuft erst seit wenigen Wochen. Es kann sein, dass es verfängt und innerhalb weniger Jahre genug Soldatinnen und Soldaten bringt. 

Quelle: Pressegrafik BDH

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Ulrich Kraetzer und Samira Joy Frauwallner.