Viel Gas, wenig Tempo

Heute ist die Bundesregierung seit einem Jahr im Amt. Wir ziehen eine erste Bilanz ihrer Klimapolitik.

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Autor Bild Anette Dowideit

heute ist die schwarz-rote Bundesregierung seit einem Jahr im Amt. Wir ziehen aus diesem Anlass eine erste Bilanz ihrer Klimapolitik – heute im Thema des Tages.

Gestern ging es bei uns schwerpunktmäßig um Datenschutz, genauer gesagt: um Pläne der Bundesregierung, der Polizei die Jagd nach Verbrechern zu erleichtern. Zum einen, indem sie Daten mit KI durchforsten und abgleichen darf.

Zum anderen durch die geplante Vorratsdatenspeicherung – die künftig Internetanbieter verpflichten soll, digitale Spuren von Nutzerinnen und Nutzern für drei Monate zu speichern – für alle Fälle. Ich hatte Sie gefragt, wie Sie dazu stehen, und wieder viele spannende E-Mails mit klugen Gedanken von Ihnen erhalten. Im Folgenden eine Auswahl:

„Ich bin dagegen, weil ich nicht weiß, welche korrupte Regierung in ein paar Jahren auf meine Daten guckt.“
Sylvia 

„Ich finde, man kann nicht auf der einen Seite über rechte Parolen, Hass, ‘Fake News’, rassistische Äußerungen und Aufhetzungen im Netz klagen – und auf der anderen Seite deren Verfolgung und Ahndung durch Ablehnung jeglicher Überwachung verhindern wollen.“
Stephan J.

„Mir macht weniger die zunehmende Überwachung Sorgen, sondern die so schwer zu ermittelnde Kriminalität im Netz. Ich sehe darin eine große Gefahr vor allem für Kinder und Jugendliche. Diese Gruppen brauchen Schutz. Dafür nehme ich mehr Überwachung in Kauf.“
Ingrid Z.

„Ich gewinne den Eindruck, dass (politische) Entscheidungen zugunsten des Datenzugriffs offenbar häufig bewusst abseits der Scheinwerferkegel getroffen werden und lese das als Zeichen dafür, dass bei Entscheidungen dieser Art Gegenwind erwartet wird und vielleicht sogar, dass Befürworter dieser Richtung demokratische Entscheidungsfindung (beim Einsatz für Ihre Sache) übergehenswert finden.“
Annegret L.

„Ich sorge mich sehr vor zunehmender Datensammelei und Überwachung wie Chatkontrolle, Palantir und was da noch so alles geplant wird.“
Jörg G.

„Es scheint gang und gäbe zu sein, über die angeblichen ‘sozialen Medien’ intimste persönliche Daten ins Netz zu stellen, auf die bestimmte Regierungen generell Zugriff haben und mit denen privatwirtschaftlich Handel betrieben wird. Nach dem Motto ‘ich habe ja nichts zu verbergen’. Dagegen erscheint mir die Vorratsdatenspeicherung als probates Mittel zur Terror- und Kriminalitätsbekämpfung in stabilen Demokratien zu sein – zumal bei uns der Zugriff zu diesen Daten einer richterlichen Genehmigung bedarf.“
Herbert S.

Thema des Tages: Viel Gas, wenig Tempo

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Wie christlich ist die CDU?

Faktencheck: Mutmaßliche Amokfahrt in Leipzig: Videos von angeblichen Pro-AfD-Demonstrationen sind manipuliert

Gute Sache(n): Demografischer Wandel bedroht Sozialstaat • Thunfisch schwimmt wieder in der Ostsee • Mehrheit der Deutschen bleiben der Demokratie treu

CORRECTIV ganz persönlich: Der Scam unter dem Artikel

Grafik des Tages: Gymnasialbesuch nach familiärem Hintergrund

Die Realität ein Jahr später ist widersprüchlicher:
Während Umweltminister Carsten Schneider (SPD) im März ein Klimaschutzpaket mit 67 Maßnahmen vorstellte, senkte das Kabinett gleichzeitig die Steuer auf Flugtickets. Sie verteuerte außerdem das Deutschlandticket und ebnete den Weg für neue Gasinfrastruktur – auf See, unter der Erde, in den Heizungskellern der Republik. 

Wir haben in unserer heute veröffentlichten Analyse die zehn klimapolitisch folgenreichsten Entscheidungen des ersten Regierungsjahres unter die Lupe genommen. 

Die wichtigsten Ergebnisse:
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine breite Lücke: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) steht auf dem Gaspedal, der Ausbau erneuerbarer Energien wurde gedrosselt, und mit dem Infrastruktur-Sondervermögen werden zu großen Teilen Haushaltslöcher gestopft, anstatt das Geld in den Ausbau erneuerbarer Energien zu investieren.

Besonders steht derzeit aber eine Maßnahme in der Kritik …
… und zwar das Gebäudeenergiegesetz. Dieses Gesetz nämlich baut die Bundesregierung derzeit komplett um, und dabei bleibt viel Klimaschutz auf der Strecke, zum Beispiel: Neue Öl- und Gasheizungen sollen sogar noch nach 2045 eingebaut werden können, wenn Deutschland eigentlich schon klimaneutral sein will.

Unter dem Strich:
Friedrich Merz hat sich selbst schon viele Labels angeheftet: Wirtschaftskanzler, Außenkanzler, Koalitionskanzler. Nicht auf der Liste der erstrebenswerten Eigenschaften scheint zu stehen: Klimakanzler.

Virusausbruch auf Kreuzfahrtschiff: Weiterleitung zu den Kanarischen Inseln 
Nach dem Ausbruch des Hantavirus auf der „MS Hondius“ vor einigen Tagen steuert das Kreuzfahrtschiff nun auf die Kanarischen Inseln zu. Dort wird die Lage auf dem Bord weiter untersucht. Drei Menschen starben, bei zweien wurde die Infektion bestätigt. Das Virus wird meist durch Nagetiere übertragen, eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist selten. Forschende halten einen größeren Ausbruch für unwahrscheinlich.
science.org/ndr.de/tagesschau.de

Projekt „Freedom“ wieder gestoppt
US-Präsident Donald Trump hat den Geleitschutz für Schiffe in der Straße von Hormus ausgesetzt. Die Blockade iranischer Häfen bleibt jedoch bestehen. Das „Project Freedom“ war erst am Montag gestartet. Jetzt prüft die US-Regierung, ob ein Abkommen mit Teheran möglich ist. Außenminister Rubio erklärte den Militäreinsatz im Iran für beendet. Das Militär konzentriere sich auf die Sicherung der Meerenge.
deutschlandfunk.de/zeit.de

Kerzen und Blumen auf dem Boden.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Tristan Devigne, Till Eckert, Elena Müller und Finn Schöneck.