Was für ein Wohn-Sinn!
Die einen wohnen in viel zu kleinen Wohnungen, die anderen in zu großen. Schuld sind zu hohe Mieten. Was lässt sich dagegen tun?

Liebe Leserinnen und Leser,
was ist mit dem Mietmarkt in Deutschland bloß los? Die einen wohnen in zu kleinen Wohnungen, die anderen in zu großen – und gerade in Großstädten ist es oft extrem schwer, ein neues Zuhause zu finden, in dem man sich wohlfühlt und das man sich auch leisten kann. Darum geht es heute im Thema des Tages.
Und jetzt möchte ich Sie wieder um Ihre Hilfe bitten: Unser Team werkelt gerade hinter den Kulissen an einem neuen Nachrichten-Podcast. Wir wollen in ein paar Wochen damit starten und den SPOTLIGHT täglich als Podcast auf verschiedenen Streaming-Diensten anbieten. Vielleicht erinnern Sie sich: Wir hatten zunächst eine Hörversion, die eine KI-Stimme eingesprochen hat – haben dann aber entschieden, dass uns das nicht hörenswert genug war. Jetzt kommt ein eigener SPOTLIGHT-Podcast – mit echten Sprecherinnen und Sprechern.
Für dieses neue Produkt wollen wir jetzt Ihre Namensvorschläge sammeln. Wie soll der Podcast heißen? Schreiben Sie sie uns hier – oder per Klick aufs Bild.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend! Schreiben Sie mir gern, was Sie bewegt: anette.dowideit@correctiv.org.
Thema des Tages: Was für ein Wohn-Sinn!
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Faktencheck: Facebook-Netzwerk streut Zweifel an Wahlen in Deutschland – Spur führt nach Vietnam
CORRECTIV ganz persönlich: Dass Rheinmetall-Chef Papperger sauer ist, kann ich gut verstehen
Unsere heute auf correctiv.org veröffentlichte Story beginnt so:
Kilian Rosini und Kim Aichholz leben auf 45 Quadratmetern in Berlin. Eineinhalb Zimmer, Erdgeschoss, zweiter Hinterhof im Bezirk Prenzlauer Berg. Eher dunkel, ziemlich eng, und eigentlich auch zu teuer: Etwa 40 Prozent des gemeinsamen Haushaltseinkommens des Paares geht für die Miete drauf: 1.325 Euro warm.
Rückblickend wirkt es dennoch fast wie ein Glücksgriff, als sie 2022 die Zusage für die Wohnung bekamen: 2.500 Bewerbungen gab es, 30 Interessierte kamen zur Besichtigung.
Von solchen und vielen anderen Fällen deutschen Miet-Wahnsinns handelt die Story, die wir in Kooperation mit der ARD und dem Deutschen Mieterbund recherchiert haben. Sie ist Teil eines größeren Rechercheprojekts namens #besserwohnen.

Darum geht es:
Rund 700 Menschen haben an einer Umfrage der ARD in Kooperation mit CORRECTIV teilgenommen. Ein Ergebnis: Fast jeder zweite Befragte lebt in einer Wohnung, die nicht zur eigenen Lebenslage passt. Während vor allem ältere, oft alleinstehende Menschen in zu großen Wohnungen leben, suchen junge Paare und Familien oft vergeblich nach mehr Platz.
Als wir heute in der Morgenkonferenz über die Ergebnisse der Umfrage sprachen – und darüber, wie irre der deutsche Mietmarkt in Großstädten mittlerweile ist –, sagte eine Kollegin: Ihr gehe es genauso wie dem Paar, das wir am Anfang des Textes beschreiben. Sie lebe schon seit Jahren mit ihrem Partner auf 40 Quadratmetern.
Solche Geschichten hört man natürlich leider häufiger. Überraschender war für uns das Ergebnis der Umfrage: dass auch Leute, die sich wohnungsmäßig verkleinern möchten, dies oft nicht können – weil sie dann mehr Miete zahlen müssten als vorher.
Problem fürs Klima:
Eine Kollegin aus unserem Klima-Team wies darauf hin, dass zu große oder zu kleine Wohnungen nicht nur ein Problem für deren Bewohner sind, denen es entweder zu eng ist oder die zu viele unnötige Nebenkosten bezahlen müssen.
Sondern, dass es auch ein riesen Problem fürs Klima ist, wenn Leute (freiwillig oder unfreiwillig) auf zu vielen Quadratmetern leben. Weil dann eben zu viele Zimmer unnötig beheizt werden.
Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf seit der Wiedervereinigung um 37 Prozent gestiegen ist: auf sagenhafte 47,7 Quadratmeter. Immerhin deutet sich einer Studie zufolge langsam eine Trendwende an und die Wohnungen werden wieder kleiner – weil die Immobilienpreise steigen und Entwickler deshalb nun (erst) langsam anfangen, wieder kleinere Wohnungen zu bauen.
Was tun?
Für das Problem mit den unpassenden Wohnungsgrößen gibt es mancherorts schon gute Lösungsansätze. Wir stellen in unserem Text einen solchen Ansatz in München vor:
Dort verwaltet und vermietet die kommunale Wohnungsgesellschaft „Münchner Wohnen“ rund 150.000 Wohnungen. Sie vermittelt ihren Mietern mit zu groß gewordener Wohnung kleinere Einheiten – zum selben Quadratmeterpreis.
Mitmachen:
Sie können noch bis zum 4. April an unserer Umfrage zu #besserwohnen teilnehmen. Dafür geht es hier entlang.
Australien: Behörde prüft mögliche Verstöße gegen Social-Media-Verbot
Die australische Aufsichtsbehörde Esafety hat Untersuchungen gegen mehrere Tech-Konzerne eingeleitet. Der Grund dafür sei, dass das Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nicht konsequent durchgesetzt werde. Den Betreibern drohen Strafen in Höhe von umgerechnet rund 30 Millionen Euro.
tagesschau.de
Gedenken in Butscha: Vier Jahre nach Befreiung der Stadt
Außenminister Johann Wadephul (CDU) und weitere EU-Spitzenpolitiker sind zum vierten Jahrestag der Befreiung von Butscha in die Ukraine gereist. Vor vier Jahren war es der ukrainischen Arme gelungen, die Stadt zurückzuerobern. Dort hatten die russischen Truppen zuvor ein Massaker verübt. Rund 400 getötete Zivilisten wurden registriert. Die russische Regierung bestreitet bis heute, dafür verantwortlich zu sein.
zeit.de
Kritik an Merz-Aussage zur Ausreise von Syrern
Bei dem Treffen mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa im Kanzleramt erklärte Friedrich Merz, dass 80 Prozent der Syrer in Deutschland in den nächsten drei Jahren in ihr Heimatland zurückkehren sollten. Kritik kommt von SPD und Grünen sowie aus dem Gesundheitssektor. Denn unter Pflegekräften und Ärzten befinden sich nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft viele Personen aus Syrien. Diese seien für die Versorgung in Deutschland wichtig.
welt.de

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Dass Rheinmetall-Chef Armin Papperger gerade sauer ist, kann ich nachvollziehen. Immerhin ziehen deutsche und ukrainische Start-ups technologisch in rasanter Geschwindigkeit an seinem Rüstungstanker vorbei.
Insofern wundert sein Spott gegenüber ukrainischen Drohnenherstellern auch nicht. Papperger wird im US-Magazin Atlantic mit den Worten zitiert: „Es sind ukrainische Hausfrauen.“ Diese hätten in der heimischen Küche 3D-Drucker stehen und würden damit Teile für Drohnen herstellen. An anderer Stelle stellte Papperger demnach einen Zusammenhang zu Spielzeug her, er sagte: „So spielt man mit Lego.“ Im Gegensatz dazu sei die Produktion von Konzernen wie seinem viel professioneller.
Natürlich ließ die Empörung nicht lange auf sich warten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj konterte umgehend, demnach könnte jede ukrainische Hausfrau Rheinmetall-CEO sein.
Abgesehen von dem Wortgefecht finde ich spannender, wie es aktuell eigentlich in Pappergers eigenem Haus so läuft. Denn gerade bei einer der wichtigsten Bundeswehr-Beschaffungen der letzten Jahre ging Rheinmetall bisher leer aus: ausgerechnet bei den Kampfdrohnen, auf die er sich bezieht. Der Grund: Man hat nicht rechtzeitig gezeigt, dass man es kann. Und so haben die jungen Unternehmen Helsing und Stark bisher Milliardenverträge zur Lieferung von Kampfdrohnen erhalten, nicht aber Rheinmetall.
Rückwirkend hat Papperger sich aber offenbar doch noch einen Platz als Lieferant erkämpft. Im April soll auch sein Unternehmen einen Vertrag bekommen, zur Verwunderung der beiden Konkurrenten. Uns bei CORRECTIV interessiert, wie das zustande kam: Liegt das an einem Direktkontakt zu Pappergers Bekannten Boris Pistorius (SPD), dem deutschen Verteidigungsminister?
Unter anderem, um solche Fragen zu beantworten, streiten wir gerade mit dem Verteidigungsministerium um die Herausgabe von Messenger-Chatverläufen zwischen Regierungsangehörigen und Rüstungsunternehmern. Wir halten Sie darüber auf dem Laufenden.

Eine gigantische illegale Deponie in Gelsenkirchen sorgt seit Jahren für Streit im Ruhrgebiet. Ein Teil des Mülls stammt von kommunalen Betrieben, wie CORRECTIV im Februar aufgedeckt hat. Unsere jüngste Recherche zeigt: In Gelsenkirchen wurde nicht nur abgekippt. Der Standort diente auch als Umschlagplatz und Drehkreuz, um Abfälle anderswo illegal zu beseitigen – auf einer Deponie von Thyssenkrupp, die eigentlich saniert werden sollte.
correctiv.org
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt und Jule Scharun.
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