Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

wir von CORRECTIV machen ja ein paar Dinge anders als andere Medienmarken. Besonders wichtig ist es uns, Journalismus nicht „von oben herab“ zu machen, sondern als Gemeinschaftsprojekt mit Ihnen, den Leserinnen und Lesern. Wir wollen Ihnen zuhören, wir wollen abbilden, was Sie interessiert.

Aus diesem Grund starten wir heute hier, im SPOTLIGHT, ein neues Recherche-Projekt, das Sie mitgestalten können und sollen. Eine neue Ausgabe unseres Formats „Gemeinsam Aufgedeckt“. Es geht um das riesige Infrastrukturpaket, das unsere neue Bundesregierung in den kommenden Jahren umsetzen wird. Mehr dazu im Thema des Tages.

Außerdem heute: In der Grafik des Tages lesen Sie die Auflösung unserer Umfrage von gestern – was halten Sie davon, einen Feiertag abzuschaffen, um die Wirtschaft anzukurbeln? Und im „Tag auf einen Blick“ geht es unter anderem um Trumps neue Zollpolitik und wie sie uns betrifft.

Thema des Tages: Wohin fließt das Infrastruktur-Geld?

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Denkanstoß: Polizeiliche Kriminalstatistik: Was in der Debatte grundlegend falsch läuft

Faktencheck: Keine Belege für geplante Kindergeld-Abschaffung durch CDU-Chef Friedrich Merz

Gute Sache(n): Bundesländer: Mehr Vergleichbarkeit bei Schulabschlüssen? • Richterbesetzung: Musks Millionen helfen Trump-Lager nicht • Tagebuch einer Lehrerin

CORRECTIV-Werkbank: Entscheidet jetzt das LKA, wer abgeschoben werden kann?

Grafik des Tages: Ergebnis der Umfrage: Würden Sie auf einen Feiertag verzichten?

Dafür wurde das größte Finanzierungspaket aller Zeiten auf den Weg gebracht: eine halbe Billion Euro.

Bedarf gibt es viel: bei Bahnschienen, Straßen, Brücken, aber auch Schulen, öffentlichen Verwaltungsgebäuden, Katastrophenschutz – und vielem mehr. Eine Übersicht, wo wie viele Milliarden Euro gebraucht werden, haben wir neulich im SPOTLIGHT gegeben (hier zum Nachlesen).

Wie das Geld verteilt wird, wer sich davon einen Batzen sichert, wo am Ende wirklich wie viel ankommt – all das sind Fragen, die uns alle direkt betreffen. Und die enorm wichtig für die Zukunft sind.

Deshalb starten wir heute ein Projekt, das über mehrere Monate oder sogar Jahre laufen wird und für das wir Ihre Hilfe benötigen: Gemeinsam Aufgedeckt.

Eine Lupe zoomt auf Baden-Württemberg. Münzstapel zeigen die Verteilung von Bußgeldern durch das Amtsgericht Baden-Baden.
Grafik: Nina Bender

Was heißt das?
Gemeinsam Aufgedeckt ist ein durchlaufendes Rechercheprojekt im SPOTLIGHT: 

  • Wir sammeln alle paar Tage wieder Ihre Ideen. 
  • Wir entwickeln gemeinsam mit Ihnen Fragestellungen, denen wir mit unserem CORRECTIV-Rechercheteam nachgehen.
  • Wir halten Sie die ganze Zeit über ganz konkret auf dem Laufenden darüber, was und wie wir gerade recherchieren – weil wir finden, Journalismus sollte keine Blackbox sein. Sondern ein transparenter Vorgang, an dem alle Spaß haben sollten.

Das Ganze haben wir im vergangenen Jahr schon einmal gemacht, und zwar zum Thema Bildungsgerechtigkeit. Damals hat unser Reporter Till Eckert Ihre Fragen und Ideen gesammelt, Ihr Wissen angezapft – und daraus immer wieder neue Nachrichtentexte gemacht. 

Zum Beispiel diesen Text über die Verantwortlichen für Bildung in den Bundesländern.

Wie soll das diesmal konkret aussehen?
Wir wollen jenen, die das Geld verteilen, genau auf die Finger schauen. Und dokumentieren: 

  • Wie entscheiden nun im ersten Schritt die Verantwortlichen in den Bundesministerien, wo wie viel Geld hinfließt? 
  • Wer trifft diese Entscheidungen? 
  • Gibt es Beratungsfirmen, die erstmal mitmischen und mitverdienen?
  • Wie viel Geld kommt wirklich in den Kommunen an?

Wie legen wir gemeinsam los?
Im ersten Schritt benötigen wir Sie als mögliche „Quellen“. Also als Hinweisgeber, die uns während der nächsten Monate immer mal wieder unterstützen; mit denen wir telefonieren oder schreiben können.

Besonders gute Quellen sind Sie, wenn Sie bei einem der verantwortlichen Bundesministerien arbeiten, oder auf Landesebene, oder in einer Kommunalbehörde. Oder zum Beispiel auch in einer Schule, die sich demnächst darum bemühen wird, Geld aus dem Fonds zu beantragen.

US-Präsident Trump verkündet weitere Zölle 
Seit Wochen spricht Donald Trump vom 2. April als „Liberation Day“, dem Tag der „Befreiung Amerikas“. Um die angeblich unfaire Handelsbilanz der USA zum Rest der Welt auszugleichen, verkündet er heute im Weißen Haus seine neue Zollstrategie. Dabei steht Europa wohl besonders im Fokus.
n-tv.de  


Nein, tatsächlich ist das ein Beispiel für eine sogenannte Scheinkorrelation. Also einen scheinbaren, aber nicht tatsächlichen Zusammenhang. Ähnlich ist das mit der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), die heute wieder vorgestellt wurde. In Sozialen Netzwerken wird jedes Mal rauf und runter behauptet: Die Kriminalität steigt. Die Migration steigt. Ergo: Migration führt zu mehr Kriminalität! Aber so einfach ist es nicht.

Auch die neuen PKS-Zahlen zeigen in vielen Bereichen Anstiege, zum Beispiel bei Gewalt- oder Sexualstraftaten. Und: Ausländische Tatverdächtige sind überrepräsentiert. In der Bevölkerung beträgt ihr Anteil 15 Prozent, bei Gewalttaten 35 Prozent. Bei Messerangriffen liegt der Anteil nicht-deutscher Tatverdächtiger zwischen einem Drittel und der Hälfte.

Die Zahlen sind deutlich und nicht zu leugnen – Zugewanderte werden aktuell überproportional oft straffällig. Vor Gerichten und in Gefängnissen landen sie deutlich häufiger. Aber: Hier darf die Erklärung nicht anhalten. Zwischen Migration und Kriminalität gibt es keinen direkten Zusammenhang, aber einen indirekten. Es sind die sozialen Unterschiede, die zu mehr Kriminalität führen.

Migranten sind statistisch gesehen jünger, eher männlich und sie leben häufiger in „Brennpunkt-Vierteln“ als der Durchschnitt. Wenn man das berücksichtigt, bleibt vom vermeintlich klaren Unterschied in den Kriminalitätsraten von Deutschen und Ausländern nicht mehr viel übrig, wie der Mediendienst Integration in einem FAQ zum Thema zeigt.

Das ist kein wissenschaftliches „Wegerklären“ – es geht um konkrete Gegenmaßnahmen. Wer etwas Sinnvolles gegen Kriminalität tun will, der muss zuerst verstehen, woher sie kommt. Die Befunde der Kriminologie zeigen: Härtere Strafen bringen wenig. Messerverbotszonen vielleicht. Schnelle Aufklärung und Bestrafung, bessere Job-Chancen und eine stärkere Durchmischung von Stadtteilen – ziemlich sicher.

Und noch andere Wege haben sich in den letzten Jahrzehnten bewährt. Zum Beispiel muss Gewalt im Elternhaus geächtet und unterbunden werden. In migrantischen Familien kommt sie häufiger vor und hier muss man ansetzen. Prävention von Gewalt an Schulen, Familienzentren, Sozialarbeit, Elternarbeit – all das muss ausgebaut werden und nicht eingespart, wenn man wirklich etwas gegen Kriminalität tun will. Auch damit hat man nach der Jahrtausendwende deutliche Erfolge erzielt.

CDU-Chef Friedrich Merz bei den Sondierungen zwischen Union und SPD Anfang März 2025 (Foto: dts-Agentur / Picture Alliance)
CDU-Chef Friedrich Merz bei den Sondierungen zwischen Union und SPD Anfang März 2025 (Foto: dts-Agentur / Picture Alliance)

So geht’s auch
Mit Millionengeschenken versuchte Elon Musk, die Richterwahl für den Obersten Gerichtshof im US-Bundesstaat Wisconsin zu beeinflussen. Mit seinem Engagement machte er sie zur teuersten Justizwahl der US-Geschichte, insgesamt beliefen sich die Wahlkampfausgaben auf rund 81 Millionen Dollar. Dennoch setzte sich die von den Demokraten unterstützte Kandidaten deutlich gegen den konservativen Brad Schimel durch – und sicherte so eine liberale Mehrheit im wichtigen Swing State.    
t-online.de

Fundstück
Wie sieht der Alltag an der Schule aus – aus der Sicht einer Lehrerin? Corinna Wolf-Bartens arbeitet an einer Hauptschule in Salzgitter und hat ihren Unterricht mit einer Stirnkamera mitgefilmt. 
ardmediathek.de


Das Brisante: Es reichten dafür wohl Hinweise des LKA aus. Die zuständige Beamtin warnte, das sei rechtswidrig. Senatsleiter Oestmann (SPD) antwortete per Blackberry (!): Er sehe das anders. Durchführung: trotzdem.

Entscheidet jetzt das LKA, wer abgeschoben werden kann – ohne Gericht? Im Ergebnis: besonders harte Bescheide, begründet mit „deutscher Staatsräson“. Ich denke da an Mahmoud Khalil, Student in den USA, der abgeschoben werden soll, weil er „unamerikanisch“ sei. Verschiedene Länder, verschiedene Systeme – doch gleiche Muster: Politischer Druck ersetzt rechtsstaatliche Verfahren.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert und Sebastian Haupt.