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Mit Crowdfunding wachsen

Bei Tsüri. ch spielen Crowdfunding-Kampagnen eine zentrale Rolle im Einnahmenmix. Warum die Schweizer zunehmend auf Crowdfunding statt auf Mitgliederkampagnen setzen, erläutern wir hier am Beispiel des Tsüri-Tipps.

von Tobias Hauswurz

Tsueri-Tipp
Bild: Tsüri.ch

Den Züritipp kannte in Zürich jeder. Das monatlich erscheinende Kulturmagazin war jahrzehntelang eine Institution in der Kulturberichterstattung der Stadt. Bis der Verlag Tamedia im September 2024 ankündigte, den Züritipp einzustellen. Daraufhin initiierte das Team um Tsüri-Gründer Simon Jacoby binnen weniger Tage ein Crowdfunding, um einen neuen Kultur-Newsletter zu finanzieren: den Tsüri-Tipp. Ziel waren 40.000 Franken (später auf 50.000 erhöht) – genug, um ein Jahr lang eine halbe Stelle für den Newsletter zu finanzieren. Innerhalb von fünf Tagen erreichten sie das erste Finanzierungsziel.

Das ist Tsüri:
Tsüri ist ein Community-zentriertes Lokalmedium aus Zürich in der Schweiz. Das Team um Gründer Simon Jacoby produziert digitalen Lokaljournalismus für eine junge Zielgruppe. Die Inhalte von tsüri.ch werden hauptsächlich über Newsletter verbreitet. Unter dem Namen Civic Media bemüht sich Tsüri-ch um den Austausch mit der Community und veranstaltet rund 30 Events pro Jahr.

Die Kampagne

Der Erfolg basierte vor allem auf dem perfekten Timing: Über 100 Kulturinstitutionen hatten zuvor mit einem offenen Brief auf das Züritipp-Aus reagiert. „Es entstand eine publizistische Lücke und ein Aufschrei aus der Kulturszene – ideal für unser Crowdfunding“, sagt Jacoby. Tsüri konnte schnell reagieren, dank der Erfahrung, die Jacoby und sein Team in den letzten Jahren mit Crowdfundings gesammelt hatten: Das Crowdfunding-Tool war rasch aufgesetzt, die Landingpage strukturiert, Newsletter mit den richtigen Botschaften verfasst. Ein Plakatwagen mit Werbung für das Crowdfunding lieferte gute Bilder für Social Media. Zudem teilten die Absender des offenen Briefes das Crowdfunding bereitwillig.

Mitglieder zahlen erneut

Normalerweise gelten Mitgliederkampagnen als Goldstandard für Wachstum. Die Idee: Mitglieder bleiben länger und zahlen regelmäßig, statt nur einmalig wie beim Crowdfunding. Auch Tsüri hat Mitgliederkampagnen durchgeführt und wird dies weiterhin tun. Für Simon Jacoby sind Crowdfundings jedoch ein effektiverer Weg, um neue Projekte zu starten. „Bei Crowdfundings können uns Mitglieder ein zweites Mal unterstützen“, sagt Jacoby. Viele Unterstützer im Crowdfunding sind bereits zahlende Mitglieder – für neue Projekte wie den Tsüri-Tipp sind sie bereit, erneut zu Geld zu geben.

Ein weiterer Vorteil, laut Jacoby: Sie lassen sich besser kommunizieren. „Bei Crowdfundings können wir eine bessere Geschichte erzählen und erklären, was Unterstützer erhalten, wenn sie mithelfen. “

Nachhaltigkeit bei Tsüris Crowdfundings

Doch was passiert, wenn das Geld aus dem Crowdfunding nach einem Jahr aufgebraucht ist? Für manche Produkte, wie einen Politik-Newsletter aus dem Stadtparlament, hat Tsüri schon mehrfach per Crowdfunding Geld gesammelt. Andere Projekte konnten mittelfristig ins normale Budget überführt werden, durch steigende Werbeeinnahmen oder Mitgliederzuwachs. Simon Jacoby plädiert für Transparenz: „Wir haben auch schon Projekte beendet, weil es keine Finanzierung mehr gab“, sagt er, „so ehrlich und flexibel muss man sein. “

Dieses Fallbeispiel ist Teil des Angebots vom CORRECTIV.StartHub, der Anlaufstelle für Journalistinnen und Journalisten, die ihr eigenes Community-zentriertes Medienprojekt gründen wollen.

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