Strom-Sabotage in Berlin: Video zeigt nicht „Vulkangruppe“ sondern ist aus Graffiti-Film
Nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz steht eine linksextreme „Vulkangruppe“ unter Verdacht. Ein aktuell verbreitetes Videostatement stammt jedoch aus einem 20 Jahre alten Film über Graffiti.
„Wir sind ein Netzwerk, das über Berlin gespannt ist und weit über die Grenzen hinaus operiert. Eure nutzlosen Gesetze interessieren uns nicht. […] Da ihr uns nicht versteht oder verstehen wollt, operieren wir ab sofort gegen euch. Denn das einzige, das ihr anscheinend versteht, ist der pure Hass, und den könnt ihr haben.“ Diese Sätze fallen in einem Video, das zu dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz kursiert; es soll das Statement einer Vulkangruppe sein, die sich unmittelbar nach der Tat dazu bekannt hatte. Zu sehen sind drei Leute mit schwarzen Sturmhauben vor der Landesflagge Berlins.

Ein Beitrag mit dem Video auf Facebook hat über 1000 Kommentare. Ursprung scheint ein Tiktok-Kanal zu sein, dessen Name im Video zu sehen ist. Der Kanal hat nur wenige Follower und veröffentlicht überwiegend rassistische und Pro-AfD-Inhalte. Die auf Facebook geteilte Version des Videos findet sich dort nicht, aber ein Video, in dem jemand darauf reagiert.
Doch mit dem Brandanschlag in Berlin hat das Video nichts zu tun.
Angebliches Videostatement ist über 20 Jahre alt und stammt aus Graffiti-Film
Über eine Bilder-Rückwärtssuche findet sich unter anderem ein Musikvideo mit Bezug zur Berliner Graffitiszene, in dem an mehreren Stellen Bilder der drei Maskierten auftauchen. Dieses Video mit dem Titel „Pure Hate und OGS“ wurde schon im September 2010 bei Youtube hochgeladen. Dass das Videostatement irgendetwas mit dem Brandanschlag 2026 zu tun hat, ist also ausgeschlossen. Sucht man weiter nach dem Titel „Pure Hate“ findet man einen 75 Minuten langen Film über die Graffitiszene in Berlin aus dem Jahr 2004. Darin findet sich exakt derselbe Ausschnitt, der jetzt als Videostatement verbreitet wird.

Auf unsere Anfrage reagierte der Tiktok-Kanal, der im Video auftaucht und die Behauptung offenbar zuerst im Kontext des Stromausfalls verbreitet hatte, bis zur Veröffentlichung nicht.
Nach dem Anschlag auf das Stromnetz im Süden Berlins am 3. Januar 2026 bekannte sich eine „Vulkangruppe“ zu der Tat. Davon distanzierte sich später eine andere „Vulkangruppe“. Sicherheitsbehörden schreiben linksextremen Vulkangruppen bisher rund ein Dutzend Anschläge zu, den ersten davon 2011. Das aktuelle Bekennerschreiben halten der Verfassungsschutz und das Berliner Landeskriminalamt nach CORRECTIV-Recherchen für authentisch.
Redigatur: Gabriele Scherndl, Sophie Timmermann