Gesellschaft

Strom-Sabotage in Berlin: Video zeigt nicht „Vulkangruppe“ sondern ist aus Graffiti-Film

Nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz steht eine linksextreme „Vulkangruppe“ unter Verdacht. Ein aktuell verbreitetes Videostatement stammt jedoch aus einem 20 Jahre alten Film über Graffiti.

von Steffen Kutzner

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Der Stromausfall im Berliner Südwesten wurde durch einen Brandanschlag auf ein Kraftwerk ausgelöst. Das Bekennerschreiben einer linksextremen „Vulkangruppe“ halten der Verfassungsschutz und das Berliner Landeskriminalamt nach CORRECTIV-Recherchen für authentisch. (Foto: SOPA Images / Sipa USA / Picture Alliance)
Behauptung
Ein Video zeige eine Erklärung der Vulkangruppe zu dem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz Anfang Januar.
Bewertung
Falsch. Das Material zeigt einen Ausschnitt aus einem über 20 Jahre alten Video über die Berliner Graffiti-Szene.

„Wir sind ein Netzwerk, das über Berlin gespannt ist und weit über die Grenzen hinaus operiert. Eure nutzlosen Gesetze interessieren uns nicht. […] Da ihr uns nicht versteht oder verstehen wollt, operieren wir ab sofort gegen euch. Denn das einzige, das ihr anscheinend versteht, ist der pure Hass, und den könnt ihr haben.“ Diese Sätze fallen in einem Video, das zu dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz kursiert; es soll das Statement einer Vulkangruppe sein, die sich unmittelbar nach der Tat dazu bekannt hatte. Zu sehen sind drei Leute mit schwarzen Sturmhauben vor der Landesflagge Berlins. 

Die Aussagen in diesem Video haben nichts mit dem Brandanschlag in Berlin Anfang Januar 2026 zu tun (Quelle: Facebook; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Ein Beitrag mit dem Video auf Facebook hat über 1000 Kommentare. Ursprung scheint ein Tiktok-Kanal zu sein, dessen Name im Video zu sehen ist. Der Kanal hat nur wenige Follower und veröffentlicht überwiegend rassistische und Pro-AfD-Inhalte. Die auf Facebook geteilte Version des Videos findet sich dort nicht, aber ein Video, in dem jemand darauf reagiert. 

Doch mit dem Brandanschlag in Berlin hat das Video nichts zu tun.

Angebliches Videostatement ist über 20 Jahre alt und stammt aus Graffiti-Film

Über eine Bilder-Rückwärtssuche findet sich unter anderem ein Musikvideo mit Bezug zur Berliner Graffitiszene, in dem an mehreren Stellen Bilder der drei Maskierten auftauchen. Dieses Video mit dem Titel „Pure Hate und OGS“ wurde schon im September 2010 bei Youtube hochgeladen. Dass das Videostatement irgendetwas mit dem Brandanschlag 2026 zu tun hat, ist also ausgeschlossen. Sucht man weiter nach dem Titel „Pure Hate“ findet man einen 75 Minuten langen Film über die Graffitiszene in Berlin aus dem Jahr 2004. Darin findet sich exakt derselbe Ausschnitt, der jetzt als Videostatement verbreitet wird. 

Auf Youtube findet sich derselbe Ausschnitt, der aktuell auf Tiktok und Facebook geteilt wird. Dass der Ausschnitt mit dem aktuellen Brandanschlag in Berlin zusammenhängt, ist also ausgeschlossen (Quelle Youtube; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Auf unsere Anfrage reagierte der Tiktok-Kanal, der im Video auftaucht und die Behauptung offenbar zuerst im Kontext des Stromausfalls verbreitet hatte, bis zur Veröffentlichung nicht.

Nach dem Anschlag auf das Stromnetz im Süden Berlins am 3. Januar 2026 bekannte sich eine „Vulkangruppe“ zu der Tat. Davon distanzierte sich später eine andere „Vulkangruppe“. Sicherheitsbehörden schreiben linksextremen Vulkangruppen bisher rund ein Dutzend Anschläge zu, den ersten davon 2011. Das aktuelle Bekennerschreiben halten der Verfassungsschutz und das Berliner Landeskriminalamt nach CORRECTIV-Recherchen für authentisch.

Redigatur: Gabriele Scherndl, Sophie Timmermann

Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.

Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!

Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.

Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.