Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

Diese für Audio optimierte Kompaktfassung des täglichen Spotlight-Newsletters ist von einer KI-Stimme eingelesen und von Redakteuren erstellt und geprüft.

Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

ich bekomme seit Montag immer noch E-Mails von Ihnen zum Thema Teilzeit. Am Montag hatte ich Sie im SPOTLIGHT gefragt: Was halten Sie vom Vorstoß des CDU-Wirtschaftsrates, das Recht für Arbeitnehmer auf Teilzeit einzuschränken? Der Rat findet, Beschäftigte sollen künftig begründen, weshalb sie in Teilzeit arbeiten wollen.

Viele Ihrer Zuschriften drehen sich um die Frage: Was gilt denn dann künftig als ausreichende Begründung? Zum Beispiel Kindererziehung: Müssten dann junge Mütter und Väter in Zukunft beweisen, dass sie für ihren Nachwuchs keinen Kitaplatz finden? Oder dass sie Vollzeitarbeit schon alleine deshalb nicht schaffen, weil die Kita oft krankheitsbedingt geschlossen bleibt?

In Deutschland herrscht nämlich eine Kita-strophe. Und die wirkt sich handfest auf die Arbeitsfähigkeit der Bevölkerung aus – und auf die Lebenschancen von Kindern. Mehr dazu im Thema des Tages.

Außerdem im SPOTLIGHT: Nach dem mutmaßlich linksextremistischen Anschlag aufs Berliner Stromnetz kürzlich hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) verkündet: Er werde jetzt mit neuen Stellen beim Verfassungsschutz hart gegen Linksextremismus durchgreifen. Unser Nachrichtenchef Ulrich Kraetzer ordnet im „Ganz Persönlich“ ein: Das ist Etikettenschwindel – die entsprechenden Stellen waren schon vorher eingeplant.

Und dann noch eine Info: Sie sehen ab morgen oben im SPOTLIGHT nicht mehr den Link zur Hörversion. Das liegt daran, dass wir ihn überarbeiten und im Frühjahr noch viel besser mit diesem Angebot zurückkommen möchten.

Haben Sie Hinweise für mögliche Recherchen, denen unser Team nachgehen könnte – zum Beispiel zu Korruption oder Machtmissbrauch? Dann schreiben Sie mir gern: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Die Kita-strophe geht weiter

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Tschetschenien vor dem Machtübergang Urteil für mehr Klimaschutz Durchsuchung bei Maschinenfabrik wegen Russlandgeschäften

Faktencheck: Video zeigt nicht, wie Dänemarks Politiker über Trumps Grönland-Forderung lachen

Gute Sache(n): So denken Jugendliche über den Wehrdienst • Lebendiger Baustoff schluckt CO2 • Protestlied: Streets of Minneapolis

CORRECTIV ganz persönlich: Warum ich aufhorchte, als das Bundesinnenministerium kurzfristig zu einer Pressekonferenz lud

Grafik des Tages: Aufregung ums Kindergeld

Das meiste davon ist nach wie vor aktuell – hier können Sie noch einmal gebündelt nachlesen, wozu es führt, dass Deutschland an Kita-Personal und Ausstattung spart.

Was es jetzt Neues dazu gibt:
Die Bertelsmann-Stiftung hat gerade eine Studie veröffentlicht, die zeigt: Der Missstand, über den wir damals berichteten, ist weiterhin unverändert groß. 

Den meisten Kitas fehlt es demnach so stark an Personal, dass sie Kinder nicht ausreichend fördern und betreuen können. Nur 14 Prozent aller Kindertageseinrichtungen, also jede siebte, haben genügend Erziehungspersonal, um zu erfüllen, was Wissenschaftler empfehlen – damit Kinder nicht nur ausreichend betreut, sondern zusätzlich erzogen und gebildet werden.

In Ostdeutschland sieht es demnach deutlich schlimmer aus als in Westdeutschland. Am dünnsten sind die Personaldecken in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gestrickt.

Woran es liegt:
An vielen Dingen: Kita-Personal verdient nicht sehr viel, gemessen am Stress und an der Verantwortung. Extrem schwierig ist es für Betreiber, qualifizierte Leute zu finden. Und die Krankenstände sind hoch – eben weil die Besetzung so klamm ist und die Erzieherinnen und Erzieher sich so viel abverlangen müssen. Ein Teufelskreis.

Für die Kinder führt das dazu:
Das hat unser CORRECTIV-Bildungsteam kürzlich in dieser Recherche gezeigt: Ziemlich viele Kinder (darunter deutlich mehr Jungen als Mädchen) sind nicht fit für die Einschulung – und ein Kita-Besuch hilft dann nur bedingt weiter. Die sogenannten Schuleingangsuntersuchungen, die sie vor dem Start in die erste Klasse durchlaufen, zeigen oft große Sprachprobleme. 

Zwei Jungen sitzen in einer Grundschule an einem Tisch und üben zu lesen.
In einer Grundschule üben zwei Jungen zu lesen. Foto: Matthias Balk, picture alliance / dpa

Das wiederum bedeutet, dass viele Schüler und Schülerinnen von Anfang an im Unterricht kaum mitkommen – sofern sie nicht in den Schuleingangsuntersuchungen zurückgestellt werden, also erst mit sieben statt mit sechs Jahren in die Schule gehen.

Und wer in der Schule schon von Anfang an schwer mitkommt, schleppt dieses Problem oft durch die ganze Schullaufbahn. Und schlimmstenfalls auch durch seine anschließende Berufslaufbahn.

Was macht die Politik?
Immerhin hat sie das Problem erkannt: Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag ein Startchancen-Programm für Kitas angekündigt. Das heißt, es soll Fördergeld für Kitas geben, in denen Geld besonders knapp ist und in die besonders viele Kinder mit Sprach- oder sonstigem Förderbedarf gehen.

Bundesregierung stellt Maßnahmen zum Schutz kritischer Infrastruktur vor
Die Bundesregierung möchte die kritische Infrastruktur besser schützen: Schäden sollen schneller repariert und Notvorsorgungen eingerichtet werden. Informationen über die Lage der kritischen Infrastrukturen sollen nicht mehr öffentlich sein. Der Fokus liegt auf dem Schutz der Anlagen von Energieversorgern und Wasserwerken.
tagesschau.de 

USA: Weitere Proteste in Minneapolis
Nachdem ICE-Einsatzkräfte den Krankenpfleger Alex Pretti erschossen haben, halten die Proteste in Minneapolis an. Gestern wurden die beiden mutmaßlichen Todesschützen von ihrer Arbeit für die Einwanderungsbehörde suspendiert. Gleichzeitig werden auch unter den Republikanern Stimmen laut, die das brutale Vorgehen in Minneapolis und den Umgang der Regierung mit der Tötung Prettis scharf kritisieren. 
n-tv.de

Bleibt die Macht in der Familie? Tschetscheniens Machthaber Ramsan Kadyrow, sein Sohn Adam und Russlands Präsident Wladimir Putin. Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV, Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com
Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV, Quelle: Picture Alliance / ZUMAPRESS.com

Urteil für mehr Klimaschutz
Die Regierung muss beim Klimaschutz nachliefern. Das entschied heute das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Geklagt hatte die Deutsche Umwelthilfe.
correctiv.org

Nach CORRECTIV-Recherche zu Russland-Exporten: Durchsuchungen bei der Maschinenfabrik Köppern
Die Maschinenfabrik Köppern steht im Verdacht, Maschinen im Wert von mehreren Millionen Euro über Usbekistan nach Russland exportiert zu haben – trotz Sanktionen. Nun rückten Ermittler an zwei Standorten aus.
correctiv.org

Foto: Mads Claus Rasmussen / Ritzau Scanpix / Picture Alliance

So geht’s auch
Weniger CO2 mit Hilfe von Blaualgen. Die Algenart zählt zu der ältesten Lebensformen der Welt, ein Forscherteam der ETH Zürich sieht in ihnen einen lebendigen Werkstoff. Als Beschichtung auf Gebäudefassaden sollen die Algen Kohlendioxid aus der Luft binden. Dabei verhärtet sich die anfänglich weiche Schicht.
nationalgeographic.de 

Fundstück 
„Wir werden an die Namen von denen, die auf den Straßen von Minneapolis getötet wurden, erinnern.“ Bruce Springsteen besingt in seinem neuen Song „Streets of Minneapolis“ den Winter ’26 und reagiert damit auf die Tötungen bei Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde. Mit dem Song protestiert er gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump und fordert, dass „ICE die Stadt sofort verlässt“. 
rollingstone.de


Zunächst schien es, als würden meine Erwartungen erfüllt. „Wir rüsten auf im Kampf gegen Linksextremismus“, sagte Dobrindt. Dann sprach er über den vermutlich linksextremistischen Anschlag auf eine Stromleitung in Berlin, der 45.000 Haushalte von der Energieversorgung abgeschnitten hatte. „Wir ziehen daraus die Konsequenzen und verstärken den Kampf gegen den Linksextremismus, gegen den Linksterrorismus“, sagte Dobrindt.

Nun erwartete ich eine Auflistung konkreter Maßnahmen. Dobrindt schien zu liefern. Er sprach über zusätzliche Ermittlungsbefugnisse – allerdings nur über Maßnahmen, über die ohnehin schon lange diskutiert wird oder die sogar bereits beschlossen wurden. Vor allem aber sagte er: „Der Verfassungsschutz wird personell verstärkt, um das Phänomen Linksextremismus stärker in den Blick zu nehmen.“

Dobrindts Botschaft war platziert: Linksextremisten verüben einen Anschlag – und ich, der Innenminister, reagiere und biete den Extremisten die Stirn.

Dobrindts Sprecherin wollte die improvisierte Pressekonferenz dann auch beenden. Da meldete sich noch ein Kollege und wollte wissen, wie die zusätzlichen Stellen finanziert würden. Die Frage war berechtigt. Denn ein Minister kann sich Mittel für mehr Personal nicht selbst bewilligen. Er braucht das Parlament.

Dobrindt wirkte kurz angebunden. „Die haushalterische Vorsorge dafür ist bereits getroffen worden“, sagte er. Das stimmte. Und das war das Bemerkenswerte. Denn Dobrindt räumte damit ein, dass er gar nichts Neues verkündete. Sein Ministerium hatte die zusätzlichen Stellen, von denen nun die Rede war, vielmehr schon im Sommer vergangenen Jahres beantragt. Im November wurde der Haushalt dann vom Bundestag abgesegnet.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Ulrich Kraetzer und Lea Messerschmidt.