
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern ging es im Thema des Tages darum, wie schlecht es um die Ausstattung von Kindertagesstätten bestellt ist: Kinder werden dort wegen Personalmangels manchmal eher verwahrt als erzogen und gefördert – wenn sie überhaupt einen Kita-Platz haben.
Heute zeigt unser Bildungsteam in einer neuen Recherche, welche Auswirkung das auf die Schulen im Land hat: Immer mehr Erstklässlerinnen und Erstklässler sind so schlecht auf die Einschulung vorbereitet, dass sie die erste Klasse wiederholen müssen. Eine enorme Belastung fürs Bildungssystem. Mehr steht im Thema des Tages.
In der heutigen Grafik zeigt unser Grafik-Magier und SPOTLIGHT-Chef Sebastian Haupt: So hat sich die Zahl der Großspenden an Parteien entwickelt (und so gut schneidet dabei ausgerechnet die AfD ab).
Und nun bitte ich Sie um Ihre Stimme. Wir bereiten die nächste Cartoon-Arena vor – und Sie wählen wieder das Thema. Diesmal steht zur Auswahl:
- Wie faul sind die Deutschen laut einigen Politikern? (Krankentage, Teilzeit etc.)
- So dreckig sind unsere Flüsse (passend zu einer Recherche, die wir kommende Woche veröffentlichen)
- Wohnungsnot in Großstädten
Stimmen Sie hier ab oder per Klick aufs Bild:

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende! Schreiben Sie mir gern, welche Themen Sie bewegen und welche Sie sich im SPOTLIGHT oder in CORRECTIV-Recherchen wünschen: anette.dowideit@correctiv.org.
Thema des Tages: Das Sitzenbleiber-Problem
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Leserfrage der Woche: Gibt es Regeln, wie lange eine Baustelle in Frankfurt brach liegen darf?
CORRECTIV Events: Wahlkampf, der sich um die wirklichen Probleme dreht
Faktencheck: Wer psychisch erkrankt ist, bekommt keine bedingungslose Rente
Grafik des Tages: AfD bekommt plötzlich Millionen an Großspenden
Die Zahl der Grundschüler, die die erste Klasse wiederholen, wächst. Unsere Bildungsreporterin Alexandra Ringendahl hat herausgefunden: Im Schuljahr 2024/25 mussten bundesweit mehr als 40.000 Kinder in Deutschland die erste Klasse wiederholen. Damit bleiben sie drei statt zwei Jahre in der Schuleingangsphase, die das erste und zweite Schuljahr umfasst.
Ausführlich können Sie das in unserem Text auf correctiv.org nachlesen:

Das Wichtigste in Kürze:
Besonders hoch ist die Zahl der Wiederholer in sozialen Brennpunkten. Dort gibt es Schulen, an denen bis zu 90 Prozent der Erstklässler die erste Klasse wiederholen müssen.
Im Durchschnitt sind an Brennpunktschulen ein Viertel der Kinder betroffen.
Allein im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl der Wiederholer innerhalb eines Jahres von 20.836 auf 22.894. Damit betrifft das inzwischen sechs Prozent aller Grundschüler in der Schuleingangsphase.
Auch in anderen Bundesländern wuchs die Zahl. In Schleswig-Holstein beispielsweise sind etwa sieben Prozent der Kinder betroffen.
Wie wir recherchiert haben:
Wir haben die Zahlen in den Kultusministerien der Bundesländer abgefragt. Zusätzlich haben wir eine Studie der „Wübben Stiftung Bildung“ unter 226 Grundschulleitungen in sozialen Brennpunkten ausgewertet.
Woran der Anstieg liegt:
Einer der wichtigsten Faktoren: Bundesweit steigt die Zahl der Kinder mit Migrationshintergrund, die im Jahr vor der Einschulung keine Kita besuchen. Laut den aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes gingen im Jahr 2023 von den Kindern mit Migrationshintergrund knapp ein Viertel nicht in eine Kita.
Das wiederum führt dazu, dass viele Kinder bei der Einschulung sehr schlecht Deutsch sprechen – und entsprechend nicht im Unterricht mitkommen.
Weshalb die steigende Wiederholerzahl ein Problem ist:
Wenn immer mehr Kinder in die erste Klasse kommen, ohne das Rüstzeug dafür zu besitzen, bedeutet dies eine steigende Belastung für Lehrerinnen und Lehrer – und für die Schulleitungen. Sie müssen die hohe Widerholerzahl irgendwie auffangen.
Gibt es Lösungsansätze?
Ja: die sogenannte vorschulische Förderung – allerdings bisher nur in manchen Bundesländern.
Vorbild ist dabei Hamburg: Das ist das einzige Bundesland, wo es schon seit 20 Jahren Vorschulklassen an Grundschulen im letzten Jahr vor der Grundschule gibt. Für Kinder, bei denen bei der Vorstellung mit viereinhalb Jahren sprachliche Defizite festgestellt werden, ist der Besuch verpflichtend.
Und in Hessen gibt es für Kinder mit Sprachförderbedarf bereits seit 2021 verpflichtende Vorlaufkurse und Vorklassen an Grundschulen. Ein paar andere Bundesländer versuchen es mit sogenannten Sprachstandserhebungen. Rheinland-Pfalz wie auch Bayern machen diese Erhebung schon für Kinder im Alter von viereinhalb Jahren. Bei Sprachförderbedarf müssen Kinder, die nicht genug Deutsch sprechen, verpflichtend eine Kita besuchen.
Berlin führt gerade ein sogenanntes „Kita-Chancenjahr“ ein, um Kinder dort besonders zu fördern und für die Schule fit zu machen. Und NRW hat gerade letzte Woche verkündet, demnächst sogenannte ABC-Klassen vor Beginn der Grundschule einzuführen, um die Sprachkompetenz von Kindern zu fördern.
EU-Außenminister haben neue Sanktionen gegen den Iran beschlossen
Die EU-Außenminister haben ein neues Sanktionspaket gegen den Iran beschlossen. Auf der Sanktionsliste stehen insgesamt 20 Personen und Organisationen, darunter hochrangige Mitglieder der iranischen Regierung. Grund für diesen Schritt sei das drastische Vorgehen des iranischen Regimes, erklärte Außenminister Wadephul. Außerdem soll die Revolutionsgarde als Terrororganisation eingestuft werden.
tagesschau.de
CDU-Frauen wollen Frauen zum Ausfüllen des Wehrdienst-Fragebogens verpflichten
Die Frauen-Union fordert, den neuen Wehrdienst-Fragebogen der Bundeswehr auszuweiten. Bislang müssen diesen nur junge Männer ausfüllen, nun sollen die jungen Frauen ebenfalls verpflichtet werden. So soll es in einem Antrag für den CDU-Bundesparteitag stehen. Zudem sprechen sich die CDU-Frauen für ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr aus.
deutschlandfunk.de
Rückgang der Stahlproduktion in Deutschland: Thyssen will Tausende Stellen streichen
Die Thyssenkrupp-Aktionäre haben sich heute zu einer Hauptversammlung in Bochum getroffen. Dort hat der CEO Miguel López für den anstehenden Umbau des Konzerns geworben. Dieser plant, Tausende Jobs zu streichen und die Stahlsparte zu verkaufen. Währenddessen demonstrierten Hunderte Beschäftigte vor dem Versammlungsort.
tagesspiegel.de

Leserfrage der Woche

SPOTLIGHT-Leserin Sabine O. hat uns gefragt: Gibt es Regeln, wie lange eine Baustelle in Frankfurt brach liegen darf? Gibt es ggf. Bußgelder, wenn sich zu lange nichts tut?
Wir haben bei der Stadt Frankfurt nachgefragt: Wenn eine Baustelle ohne triftigen Grund zu lange still liegt, kann die Anordnung der Baustelle von der Verkehrsbehörde widerrufen werden. „In diesem Fall liegt eine unerlaubte Sondernutzung des öffentlichen Raums vor, die Buß- oder Zwangsgelder nach sich ziehen kann“, heißt es in der Antwort der Stadt Frankfurt. Solche Sondernutzungsgebühren steigen mit zunehmender Baustellendauer deutlich an – als finanzieller Anreiz, Bauvorhaben zügig fertigzustellen.
Warum manche Baustellen so aussehen, als würde dort niemand arbeiten, begründet uns die Stadt Frankfurt so: „Manche Arbeiten sind von der Witterung, z.B. bestimmten Temperaturen abhängig und müssen daher kurzfristig unterbrochen werden. Bei anderen Bauabschnitten braucht das Material Zeit, um zu trocknen oder auszuhärten (…). Hinzu kommt, dass viele Arbeiten im Bereich Versorgungsleitungen unter der Erde stattfinden. Von außen sieht man dann Absperrungen, aber kaum Personal, obwohl im Untergrund kontinuierlich gearbeitet wird.“
Übrigens: Auf Autobahnen wird die Dauer einer Baustelle individuell berechnet. Eine Rolle spielen dabei zum Beispiel die Jahreszeit oder die Arbeitsbedingungen. Das teilte uns eine Sprecherin des Bundesministeriums für Verkehr mit. Bei einer Überschreitung der festgelegten Baudauer droht aber eine Vertragsstrafe. Diese sei auf maximal 5 Prozent der Netto-Auftragssumme begrenzt. Eine Übersicht über alle Baustellen und Sperrung gibt es auf dieser Webseite.

CORRECTIV Events

Community-zentrierte Wahlberichterstattung, Online
Wahlberichterstattung folgt oft der Agenda von Parteien und Kandidierenden, aber wie rücken die Themen der Menschen ins Zentrum? Darum geht’s im Webinar „Deine Stimme, deine Themen“ des CORRECTIV.StartHub am 2. Februar. Dazu gibt es Praxisbeispiele zu Community-Journalismus und Unterstützungsangebote für eigene Medienprojekte.
Anmeldung
David Schraven über „Die CORRECTIV-Story“, Wiesbaden
Wie wurde CORRECTIV zum größten gemeinwohlorientierten Medienhaus im deutschsprachigen Raum und wieso verbindet es Journalismus mit Medienbildung und Technologie? Darüber und über die Geschichte von CORRECTIV spricht Gründer und Publisher David Schraven auf der Lesetour am 4. Februar.
Ticket
Lesung mit Lena Schätte, Gelsenkirchen
Am 5. Februar liest Lena Schätte im SPOTLIGHT Gelsenkirchen aus ihrem Roman „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ – eine Geschichte über Familie, Zusammenhalt und das Aufwachsen in Armut. Danach gibt’s Raum für Gespräche.
Tickets

In Deutschland gibt es keine bedingungslose Rente für Menschen, die an psychischen Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen leiden – auch wenn in Tiktok-Videos davon die Rede ist. Betroffene können aber eine Erwerbsminderungsrente beantragen.
correctiv.org
Endlich verständlich
Keine Wohnungsbesichtigung, weil der Name nicht deutsch genug klingt: Die Grundschullehrerin Humaira Waseem hat genau das offen gelegt und geklagt. Der Bundesgerichtshof hat entschieden: Der Name darf nicht darüber entscheiden, ob jemand eine Wohnung bekommt oder nicht und der entsprechende Makler muss Waseem 3.000 Euro Entschädigung zahlen. Deutschlandfunk Nova erklärt, dass das Urteil einiges ändert: Findet Diskriminierung statt, dann kann das bestraft werden. Das allerdings muss nachgewiesen werden. Ein Mittel können Testanfragen mit deutsch klingenden Namen sein, wie es im konkreten Fall Humaira Waseem gemacht hat.
deutschlandfunkova.de
So geht’s auch
Mit großer Mehrheit hat die Parlamentarische Versammlung des Europarats für ein Verbot sogenannter Konversionsbehandlungen gestimmt. Dagegen votierten vor allem Abgeordnete der AfD und ihre europäischen Verbündeten. Mit diesen „Behandlungen“ sollen queeren Menschen ihre sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität ausgetrieben werden. Das hat allerdings kein wissenschaftliches Fundament. Im Gegenteil: Betroffene berichten von psychischem Missbrauch durch die pseudowissenschaftlichen Methoden. Verbindlich ist der Beschluss des EU-Gremiums allerdings nicht, sondern hat zunächst empfehlenden Charakter.
n-tv.de / queer.de
Fundstück
Ungewöhnliches Auswilderungsprojekt: Es war eine lange Reise für Wisente aus Wittgenstein (NRW) und Berlin. Gemeinsam wurden sie in einem Nationalpark in Aserbaidschan ausgewildert, um dort laut einem WWF-Sprecher den „überlebensfähigen Wisent-Bestand im Süd-Kaukasus aufzubauen“.
wp.de
Deutschland rüstet auf. Es sind Milliardensummen, die derzeit und in der nahen Zukunft in neue Waffen- oder Überwachungssysteme für die Bundeswehr fließen. Ich beschäftige mich bei CORRECTIV schwerpunktmäßig mit diesem Thema. Bei meinen Recherchen stellte sich heraus: Im Mittelstand ist längst Goldgräberstimmung ausgebrochen.
Viele wollen ein Stück vom Kuchen. Und Unternehmen in gebeutelten Industrien sehen im Wechsel zur Rüstung einen Rettungsring: Der deutsche Verteidigungsindustrieverband teilte kürzlich mit, man werde von neuen Mitgliedsanfragen „überrannt“. Die Zahl der Unternehmen, die ihre Produktion von Maschinenbau oder Automobilteilen auf Rüstung umstellen wollen, hat sich binnen eines Jahres beinahe verdoppelt, von 243 auf 440.

Mich treibt diese Zahl um. Vor allem interessiert mich, was sich dadurch für die Mitarbeitenden in all den Unternehmen ändert, die vorher zum Beispiel jahrelang Auto- und jetzt Waffenteile produzieren sollen. Rechtlich, aber auch ganz persönlich.
Verstehen Sie das hier deshalb gerne als einen Aufruf: Falls Sie in einem Unternehmen arbeiten, das seine Produktion kürzlich umgestellt hat oder dies plant, melden Sie sich gerne bei mir. Ich möchte ins vertrauliche Gespräch mit Ihnen gehen und verstehen, was das mit Ihnen und dem Unternehmen macht. Und falls Sie Menschen kennen, die das betrifft: Leiten Sie das gerne weiter.
Ich bin jederzeit über Mail (till.eckert@correctiv.org) oder via Signal (tilleckert.90) zu erreichen.

Bundestagswahljahre sind Spendenjahre: Dann zeigen sich Unternehmen und wohlhabende Einzelpersonen besonders freigiebig gegenüber Parteien. Auffällig ist der Zuwachs bei der AfD. Während sie in den vergangenen Jahren kaum Großspenden erhielt, lag sie 2025 auf Rang zwei. Bei einigen der Millionen besteht allerdings der Verdacht, dass es sich um Strohmannspenden handelt, um den eigentlichen Ursprung des Geldes zu verschleiern. Was dahinter steckt und warum der Trend zu Großspenden problematisch sein kann, erklärt Lobbycontrol:
lobbycontrol.de
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Lea Messerschmidt und Jule Scharun.
CORRECTIV ist spendenfinanziert
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