
Rote Bete gegen Bluthochdruck, Tinnitus und gegen Erektionsprobleme? Was wird uns nicht alles reingespült an dubiosen Anzeigen unter Online-Artikeln, bei YouTube-Werbeunterbrechungen und vor allem auf Sozialen Plattformen, die Wundermittel bei medizinischen Problemen anpreisen.
Jetzt stellen Sie sich kurz vor, Ihre Ärztin tritt in einem dieser Videos als Werbeträgerin auf und empfiehlt höchst dubiose Pseudo-Arznei. Es ist für Sie nicht zu erkennen, dass es sich um einen Deepfake handelt, also ein Video, in dem Stimme und Inhalt manipuliert sind.
Wie schnell dadurch Vertrauen in die Medizin verspielt wird und wie schwer es für Ärzte ist, sich gegen solche falschen Vereinnahmungen zu wehren, haben meine Kolleginnen vom Faktencheck-Team recherchiert – und am Ende eine Wirkung erzielt, die selbstverständlich sein sollte.
Sie berichten unter anderem über eine Ärztin, die angeblich Rote-Bete-Kapseln gegen Erektionsstörungen auf TikTok empfiehlt. Als Ärztin ist sie tatsächlich auf der Plattform aktiv und postet auch Videos zu medizinischen Fragen. Die Pseudo-Werbung aber war ein Deepfake. Natürlich kommen dann Patientinnen und Patienten in die Praxis, die sich sehr über die angebliche Werbeaktion wundern.
Was für die Ärzte aber noch viel belastender ist: TikTok löschte die Deepfakes nicht, obwohl sie mehrfach gemeldet wurden. Wer also für solche Deepfake-Videos missbraucht wird, ist angesichts hunderttausendfacher Aufrufe zunächst schutzlos.
Die bemerkenswerte Wende: Kurz nach den Anfragen von uns bei TikTok verschwanden die Deepfakes plötzlich. Es kann natürlich keine Lösung sein, dass solche Videos erst durch kritische Presseanfragen gelöscht werden. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten, ob die Plattformen ihre Vorgehensweise ändern.
Diese Fälle zeigen zum einen, wie skrupellos betrügerische Anbieter mit Menschen umgehen, aber – und das betrifft uns als Gesellschaft – sie führen uns vor allem vor Augen, wie schwindelerregend Deepfakes für uns alle sind. Das geht bis in unser aller Privatleben: Hier empfiehlt ihre Ärztin scheinbar Nahrungsergänzungsmittel, in einem anderen Fall bittet die vermeintliche Stimme der eigenen Tochter am Telefon um Geld, weil sie angeblich einen Unfall gebaut hat.
Ein Ziel von uns ist es ja, in unterschiedlichen Formaten mit Ihnen zusammen über Themen ins Gespräch zu kommen. Am Ende dieses SPOTLIGHT berichtet meine Kollegin Annika Joeres davon, wie sie letzte Woche über unsere Rhein-Recherche mit Schülerinnen und Schülern und in einem Kölner Zirkuszelt diskutiert hat.
Ihnen wünsche ich ein erholsames Wochenende, natürlich auch mit unseren Empfehlungen der Woche!
Herzlich,
Ihr Justus von Daniels
Das brutale Vorgehen des Mullah-Regims
Vor einem Monat ließ Teheran die größten Proteste seit Jahrzehnten brutal niederschlagen. Seitdem trauen sich die Menschen kaum noch auf die Straße. Erst langsam lassen sich die schicksalhaften Tage rekonstruieren, die Irans Geschichte verändern dürften. Die Süddeutsche Zeitung hat in einer aufwendigen Recherche Fotos und Videomaterial ausgewertet, um die Tage des Widerstands zu rekonstruieren.
Zwei Tage im Januar (sueddeutsche.de, €)
Jahrelange Isolation
Wer aufgrund psychischer Erkrankungen eine Straftat begeht, soll im Maßregelvollzug Hilfe bekommen. Doch viele Kliniken sind überbelegt und haben zu wenig Personal. Die Folgen davon sind gefährlich, für Mitarbeitende und Patienten. 2024 waren mindestens 30 Menschen seit mehr als einem Jahr in Isolation. Einer davon ist Christoph, dessen Geschichte FragdenStaat erzählt.
In der Gefängnispsychiatrie jahrelang isoliert (fragdenstaat.de)
Hacker enttarnt russisches Desinformations-Netzwerk
Seit Jahren schaut ein Hacker russischen Akteuren heimlich über die Schulter, während sie Desinformation verbreiten. ZDF.Frontal gibt Einblicke in die Desinformationskampagne namens Doppelgänger. CORRECTIV berichtete schon Anfang 2025 selbst über die Kampagne.
„Doppelgänger“-Kampagne: Desinformation aus Russland: (zdf.de, Video)
Wie Deutschland die Kontrolle über seine Rohstoffe verspielt
Lithium, Kupfer, Zinn: Die Bundesrepublik braucht dringend Rohstoffe – auch, um unabhängiger von China oder den USA zu werden. Doch im Wettlauf um Deutschlands Bodenschätze ist nicht einmal sichergestellt, dass die heimische Wirtschaft profitiert. Verscherbeln wir gerade unsere Zukunft? Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) hat dazu eine Recherche in mehreren Regionen gestartet.
Ausverkauf unserer Bodenschätze (rnd.de, €)
Wie evangelikale Netzwerke den Fußball erobern
Die evangelikal-charismatische „Awakening“-Bewegung will Europa „retten“ und zu Gott führen. Über die Fußball-Plattform „Ballers in God“ erreicht sie eine neue Zielgruppe und verknüpft homofeindliche Ansichten mit gefährlichen Heilsversprechen. Belltower News hat sich das evangelikale Netzwerk genauer angeschaut.
Ballers in God und Awakening Europe (belltower.news)
In diesem Elendsquartier wohnen Essensboten
Letzte Woche haben wir Ihnen an dieser Stelle eine Dokumentation des RBB über die Arbeitsbedingungen von Fahrradkurieren empfohlen. Eine Recherche des Falter aus Wien zeigt, wie prekär diese Menschen untergebracht sind: Die Fahrer von Foodora, Lieferando und Wolt liefern am Tag Essen aus – in der Nacht schlafen sie in einer schimmeligen, ungeheizten Absteige. Vermietet wird sie von einem der bekanntesten Investoren der Stadt.
In diesem Elendsquartier wohnt Ihr Essensbote (falter.at)
ARD-Recherche belastet Berliner Eisschnelllauf-Präsident
Im deutschen Eisschnelllauf wächst offenbar der Unmut unter Athletinnen und Athleten gegenüber der Verbandsspitze. „Die aktuelle Situation im Verband stellt für viele eine zusätzliche, erhebliche Belastung dar“, sagte Athletensprecher Hendrik Dombek im Interview der ARD, das am Montag veröffentlicht wurde und vor allem den Berliner Matthias Große, den Präsidenten der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG), schwer belastet.
ARD-Recherche belastet Berliner DESG-Präsident Große (sportschau.de)
Ich gebe zu: Mit Theater kenne ich mich kaum aus. Shakespeare-Figuren? Mir fallen nur der fiese König und das dösige Liebespaar ein. Über denkwürdige Inszenierungen könnte ich geschätzte elf Sekunden parlieren. Wahrscheinlich bin ich also eine Bühnenbanausin wie so viele. Und doch erlebte ich im Theater Köln zwei großartige Abende: Autor Calle Fuhr brachte unsere Recherche zu den unbekannten Giftstoffen im Rhein auf die Bühne. Trotz des ernsten Themas – es geht um Schadstoffe, die unsere Gesundheit bedrohen – war die Inszenierung überraschend humorvoll. Zugänglich für alle, mit musikalischen Einlagen, bei denen manche im Publikum mitsangen und mitschwangen. Zum anschließenden Publikumsgespräch kamen viele Menschen – voller Ideen und Fragen.
Genau das, finde ich, ist eines der vornehmsten Ziele von CORRECTIV: unsere Recherchen auf allen Wegen, an allen Orten zu verbreiten und diskutieren. Im Theater, in Schulen, in Zirkuszelten. Am Montagmorgen sprach ich in der zehnten Klasse der Gustav-Heinemann-Realschule in Duisburg über die unbekannten Schadstoffe im Rhein. Die Schülerinnen und Schüler hörten so aufmerksam zu wie ein bourgeoises Theaterpublikum. Am Ende kündigten sie an, weniger Kosmetikprodukte zu kaufen (die oft voller Chemikalien stecken) und ihre Mütter zu überzeugen, weniger Putzmittel zu verwenden. Die Rolle der Väter beim Putzen erwähnte ich nicht mal – ich war zu gerührt.
Und dann noch das Zirkuszelt Latibul am Kölner Rhein! Unter einem bunten Baldachindach haben meine Kollegin Katarina Huth und ich ebenfalls von den unbekannten Schadstoffen im Rhein erzählen können, und ob sie es glauben oder nicht: Auch dort wurde am Ende geschunkelt. Vielleicht lag es an der nahenden Karnevalsstimmung, vor allem aber an unserem Willen, die Menschen zu informieren – und zu unterhalten. Ganz ohne Hamlet, Othello, Romeo, Julia, Macbeth, Falstaff, König Lear und Prospero.

Tarnfirmen, Erpressungsvorwürfe und eine erfundene Adelige
Auf der Suche nach einer neuen Parteizentrale nutzt die AfD teils dubiose Firmenkonstrukte und hinterlässt verärgerte Geschäftspartner. Ein Vermieter spricht gar von Erpressung – und es gibt Verbindungen zu einer Adeligen, die gar nicht existiert.
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„Das ist nicht, was wir wollten“: Die SPD und die Rüstungsmilliarden
Verteidigungsminister Pistorius stößt mit seinen Rüstungsplänen ausgerechnet bei den eigenen Leuten auf Widerstand: Angesichts des Tempos fürchten SPD-Abgeordnete, ihre Kontrollfunktion nicht wahrnehmen zu können. Die Zinslasten könnten den Haushalt sprengen.
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Schärfere Regeln für türkische Asylbewerber: So konterkariert das EU-Parlament seine eigenen Beschlüsse
Das Europäische Parlament verschärft das Asylrecht. Auch die Türkei gilt künftig als „sicheres Herkunftsland“. Die Volksvertreter konterkarieren damit eigene Positionen. Denn das Parlament kritisierte das Land am Bosporus immer wieder wegen Menschenrechtsverletzungen und politischer Verfolgung.
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Millionen-Fiasko um illegale Deponie in Gelsenkirchen
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Monatelang war nicht bekannt, welche Schulen in Hessen im Rahmen des Startchancen-Programms gefördert werden. CORRECTIV liegt nun eine vollständige Liste vor und macht sie öffentlich.
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Chemiecocktail aus dem Rhein könnte in Bergbauseen landen
CORRECTIV-Recherchen zu unerforschten Stoffen im Rhein lassen an einem der größten Projekte vom Braunkohleriesen RWE zweifeln. Denn die geplanten Seen könnten mit potentiell gefährlichen Schadstoffen geflutet werden.
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Im Dienste des Vaterlandes? Oder im Dienste der CSU?
Der Generalinspekteur der Bundeswehr trat als Redner bei einer CSU-Veranstaltung auf – in der heißen Phase des Kommunalwahlkampfes. Hat der oberste militärische Repräsentant der deutschen Streitkräfte seine Neutralitätspflicht verletzt? .
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Millionen aus Katar: Wer finanziert die Sicherheitskonferenz?
Bei der Münchner Sicherheitskonferenz trifft sich die globale Sicherheits-Elite. Ein Teil der Geldgeber ist anonym. Jetzt zeigen CORRECTIV-Recherchen: Eine Millionensumme soll ab 2020 aus Katar geflossen sein.
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An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Miriam Lenz & Finn Schöneck.
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