Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser,

die AfD – die Partei, die stets anmahnt, dass andere Parteien eine Mitnahmementalität hätten und gar nicht ans Volk denken würden – hat jetzt einen Skandal an der Backe, in dem es um genau so etwas geht: Vetternwirtschaft. 

Von Tag zu Tag kommen mehr Dinge ans Licht und politische Forderungen werden laut. Im Thema des Tages geben wir einen Überblick. 

Und in der Rubrik „Ganz persönlich“ schreibt heute Luisa Gehnen aus unserer Medienbildungssparte, der Reporterfabrik: Wieso diskutieren wir eigentlich ein Social Media-Verbot für Jugendliche – weshalb gehen wir davon aus, dass Erwachsene besser mit Sozialen Netzwerken umgehen können? 

In der CORRECTIV-Redaktion herrscht heute große Aufregung, weil am Montag etwas ganz großes Neues startet. Was genau, lesen Sie dann hier im SPOTLIGHT. Bis dahin übergebe ich an meinen Kollegen Justus von Daniels, der morgen – wie immer samstags – die investigative Woche Revue passieren lässt.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und freue mich, wenn Sie mir schreiben: Welche Themen treiben Sie gerade besonders um? anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Clan-Kriminalität in der AfD

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Tiktok – weshalb europäische Daten nach China gehen und was dagegen getan wird

CORRECTIV Events: Proteste in Moskau und Debatte in Gelsenkirchen

Faktencheck: Kernkraftwerke der vierten Generation machen Endlager nicht überflüssig

Gute Sache(n): Fachleute halten einen Gasnotstand für unwahrscheinlich • Remscheid: KI übersetzt Notrufe ins Deutsche • Trump will Akten zu Außerirdischen öffentlich machen

CORRECTIV ganz persönlich: Medienkompetenz: Vergesst nicht die Erwachsenen!

Grafik des Tages: Mieten in deutschen Großstädten – hier sind sie unbezahlbar

Umso härter trifft es nun wahrscheinlich viele Wähler, dass ausgerechnet bei der selbsternannten „Alternative für Deutschland“ ein heftiger Vetternwirtschaftsskandal Stück für Stück weiter ins Licht rückt.

Worum geht es noch mal?
Um sogenannte Über-Kreuz-Beschäftigungen. Wir von CORRECTIV und ein paar andere Medien berichteten darüber erstmals Anfang Februar.

Los ging das Ganze in Sachsen-Anhalt: 
Dort beschäftigen mehrere AfD-Abgeordnete Verwandte und Partnerinnen von Parteikollegen als Mitarbeitende: 

  • die Bundestagsabgeordneten Thomas Korell und Claudia Weiss, 
  • die Landtagsabgeordneten Tobias Rausch, Matthias Büttner, 
  • und der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl und Fraktionsvorsitzende, Ulrich Siegmund. 

Alle stammen aus dem Landesverband Sachsen-Anhalt. 

Dann weitete sich der Skandal aus:
Vergangene Woche berichteten wir, dass auch der AfD-Co-Chef Tino Chrupalla in seinen Wahlkreisbüros die Ehefrau eines Landtagsabgeordneten beschäftigt.

AfD-Co-Chef Tino Chrupalla sagte noch in der Talkshow von Caren Miosga, er habe ein „Störgefühl“ bei Vetternwirtschaft. In einem Bürgerbüro in Sachsen beschäftigt er aber selbst eine Partinerin eines sächsischen Landtagsabgeordneten. picture alliance / HMB Media | Uwe Koch

Und in Baden-Württemberg kam heraus, dass die Frau des dortigen AfD-Spitzenkandidats, Markus Frohnmaier, für einen AfD-Bundestagsabgeordneten arbeitet.

Ist das alles illegal?
Das ist nicht ganz trennscharf zu sagen. Explizit verboten ist laut Gesetz zwar nur das Anstellen der eigenen Familienmitglieder. 

Doch ein solches System des „Über-Kreuz-Anstellens“ läuft diesem Gesetz ebenfalls zuwider, wie uns Stimmen aus dem Landtag bestätigen: So fließt über das Gehalt der Mitarbeitenden wohl auch Steuergeld direkt zurück in die Familien. Im Landtag Sachsen-Anhalt werden die Beschäftigungen nun geprüft.

Die Debatte, die nun in Gang kommt:
Verschiedene Spitzenpolitiker haben sich jetzt zur Frage geäußert: Ließe sich per Gesetz verhindern, dass Politiker ihren Familienmitgliedern Jobs zuschustern – und sich so Familien bereichern?

Vorgestern sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU):

„Ich würde uns eine gesetzliche Regelung gerne ersparen. Angesichts des Ausmaßes des Missbrauchs werden wir aber möglicherweise nicht darum herumkommen.“

Und gestern legte seine Parteikollegin Julia Klöckner nach, die Bundestagspräsidentin: Der „politische Anstand“ gebiete es, ordentlicher mit dem Steuergeld umzugehen, als dies derzeit bei einigen AfD-Abgeordneten der Fall sei:

„Das schließt sowohl Vetternwirtschaft, Selbstbedienung und anrüchige Anstellungskonstrukte aus.“

Atomstreit: Trump setzt Iran Frist bis Anfang März
Im Streit um das Atomprogramm des Irans setzt US-Präsident Donald Trump dem Iran eine Frist bis Anfang März, um einem Abkommen zuzustimmen. Schon seit Wochen droht der US-Präsident dem iranischen Regime mit Militärgewalt. Der iranische Botschafter kündigte für den Fall eines US-Angriffes „entschlossene und angemessene“ Gegenmaßnahmen an.
zeit.de    

Oberstes US-Gericht erklärt Trumps Zölle für unrechtmäßig
Das Oberste Gericht der USA entschied, dass der US-Präsident seine Befugnisse überschritten hat, als er mit der Begründung von Notstandsgesetzen umfangreiche Zölle gegen Handelspartner verhängte. Damit ist ein zentrales Element der Wirtschaftspolitik von Donald Trump gekippt. 
rnd.de

Neuanfang oder weiter so? Diskussion zur Kooperation von SPD, CDU, Grünen und FDP, Gelsenkirchen
In unserer Lokalredaktion SPOTLIGHT Gelsenkirchen diskutieren am 25. Februar Politikerinnen und Politiker von SPD, CDU, Grünen und FDP darüber, was sie in den nächsten Jahren in Gelsenkirchen verändern wollen.
Anmeldung

Die Kühltürme des stillgelegten Atomkraftwerks Gundremmingen in Bayern
Die Kühltürme des stillgelegten Atomkraftwerks Gundremmingen in Bayern (Foto: Michael Bihlmayer / Chromorange / Picture Alliance)

So geht’s auch
In Remscheid unterstützt Künstliche Intelligenz die Notrufzentrale: Das System „Live Translation“ übersetzt eingehende Notrufe ins Deutsche. Je nach Notfallort und -art erhalten Anrufende die Fragen in ihrer Muttersprache. 247 Mal wurde die KI im vergangenen Jahr eingesetzt. Sie soll Stress auf beiden Seiten reduzieren und im Ernstfall Zeit sparen. 
wdr.de

Fundstück
US-Präsident Donald Trump will nach eigenen Angaben Akten zu Außerirdischen und Ufos veröffentlichen. Dies steht im Zusammenhang mit einer Aussage von Barack Obama. In einem Podcast hat er auf die Frage, ob es Außerirdische gibt, scherzhaft geantwortet: „Es gibt sie, aber ich habe sie nicht gesehen.“ Später stellte er klar, dass seine Aussage auf der statistischen Wahrscheinlichkeit aufgrund der Größe des Universums beruht. Trump warf ihm jedoch vor, Informationen geteilt zu haben, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. 
zeit.de


In unseren Reporterfabrik-Workshops an Schulen erlebe ich etwas anderes. Jugendliche sind oft erstaunlich „pfiffig“. Sie durchschauen KI-Fakes, kennen die Logik von Algorithmen, wissen, wie Trends gepusht werden. Manche sorgen sich mehr um ihre Eltern als um sich selbst.

Und ehrlich: Wenn ich sehe, wie mein Umfeld mit ChatGPT, dubiosen Facebook-Posts oder Kettennachrichten umgeht, verstehe ich das.

Erwachsene halten sich gern für abgeklärter. Wir glauben, wir kämen schon klar mit der flackernden Überreizung, dem Kerngeschäft Sozialer Netzwerke. Oder wir ergeben uns: Ist halt so. Deepfakes, Desinformation, pornografischer Exzess: Gegenwart eben.

Aber auch wer meint, alles zu durchschauen, ist anfällig.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Pamela Kaethner, Ulrich Kraetzer, Jule Scharun und Dilara Schwidder.