„Family and Friends“: Tracker zur Vetternwirtschaft bei der AfD
Die AfD sieht sich in der Affäre um Vetternwirtschaft vielen Vorwürfen ausgesetzt. CORRECTIV zeigt alle bislang bekannten Filz-Fälle und die relevanten Personen in der Übersicht mit fortlaufenden Updates.
Die AfD sieht sich im Superwahljahr 2026 schweren Vorwürfen der Vetternwirtschaft ausgesetzt. Nach einem parteiinternen Streit im AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt ist die Affäre um den Parteienfilz öffentlich geworden – und weitet sich auf andere Bundesländer aus. CORRECTIV gibt eine Übersicht zu den wichtigsten Punkten und Personen.
Vetternwirtschaft in der AfD: Das sind die Vorwürfe und Gesetze
Was sind die Vorwürfe?: In der AfD sind Vorwürfe aufgekommen, dass Abgeordnete und Politiker die Verwandten und Partnerinnen von anderen AfD-Abgeordneten als Mitarbeitende oder in der Fraktion beschäftigen. Insgesamt sind derzeit Personen aus elf verschiedenen AfD-Landesverbänden betroffen.
Wie sind die Regeln?: Abgeordneten steht eine Kostenpauschale zu, um ihre Mitarbeitenden zu bezahlen. Diese Pauschale kommt vom Bundestag und den Landesparlamenten. In der Affäre um Angestellte von AfD-Abgeordneten fließt so Steuergeld direkt zu den Verwandten und Partnerinnen von anderen AfD-Leuten. Auf Bundesebene steht Abgeordneten monatlich bis zu 26.500 Euro als Gehalt für die Mitarbeitenden zu, in Sachsen-Anhalt sind es etwa bis zu knapp 5.500 Euro.
Ist das legal?: Diese „Über-Kreuz-Beschäftigungen“ sind generell nicht illegal, wobei sich die Regeln je nach Bundesland unterscheiden. Vereinfacht ausgedrückt, regeln die Abgeordnetengesetze, dass Abgeordnete keine eigenen Partner oder Familienangehörige anstellen dürfen. Eine Anstellung von Verwandten oder Partnern anderer Abgeordneter ist hingegen zumindest in manchen Bundesländern rechtlich erlaubt. Aber selbst AfD-Co-Chef Tino Chrupalla stellte angesichts der Vetternwirtschafts-Vorwürfe gegen seine Partei ein „Störgefühl“ fest.
Partei-Filz: So reagiert die AfD auf die Vorwürfe
Die Vorwürfe sind für die AfD besonders heikel. Denn immer wieder hat sie sich als Aufräumpartei gegen den von ihr selbst beklagten Filz in der Politik dargestellt. 2023 forderte die AfD sogar einen „Untersuchungsausschuss zu familiären und persönlichen Verstrickungen“ zur Anstellung des Staatssekretärs Patrick Graichen im damals von Robert Habeck geführten Wirtschaftsministerium. In einer Bundestagsrede sprach Chrupalla damals vom „Vetternwirtschaftsministerium“ und einem „einem ganzen Familienclan“.
Die Vorwürfe gegen ihre eigene Partei nannte die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel hingegen „haltlos und völlig aufgebauscht“. Doch zuletzt zeigte sich die AfD-Spitze offen für eine Verschärfung des Abgeordnetengesetzes, außerdem setzte die Partei interne Kommissionen zur Aufklärung der Fälle in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ein. In Sachsen-Anhalt wird offenbar den ersten Mitarbeitenden gekündigt.
CORRECTIV zeigt die bisher bekannten Fälle der Vetternwirtschaft in der AfD, sortiert nach Bundesländern und Abgeordneten – einen Überblick gibt auch die interaktive Grafik. Hinweis: Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert. (Stand 27.02.2026)
Ausgangspunkt Sachsen-Anhalt: Jan Wenzel Schmidt beschuldigt Gruppe um Rausch und Siegmund
Im Zentrum der Vetternwirtschaft steht ein Streit im AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt. Dessen früherer Generalsekretär Jan Wenzel Schmidt erhob schwere Vorwürfe gegen mehrere AfD-Landtagsabgeordneter wegen der Beschäftigung ihrer Mitarbeitenden. Die angegriffenen AfD-Leute reagierten und machten ihrerseits Schmidt unter anderem Vorwürfe wegen fragwürdiger Anstellungen in seinem Büro. Im Landesverband Sachsen-Anhalt sind bisher die meisten Fälle bekannt geworden.
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Ulrich SiegmundFraktionsvorsitzender undLandtagswahl-Spitzenkandidat |
Der Vater von Ulrich Siegmund arbeitet im Bundestag für Thomas Korell. Es ist bereits die dritte Anstellung für den Vater des AfD-Spitzenkandidaten, zuvor arbeitete er beim heutigen Landtagsabgeordneten Matthias Büttner sowie bei Landeschef Martin Reichardt. Pikant ist auch das Gehalt: Siegmunds Vater soll bei Korell zeitweise rund 7700 Euro pro Monat verdient haben.
Ulrich Siegmund spielt als Fraktionsvorsitzender und Spitzenkandidat eine große Rolle. Mehrfach verteidigte er die Anstellungen mit dem Argument, die AfD müsse aus den eigenen Reihen rekrutieren, da es um Vertrauen gehe und man nicht vom Verfassungsschutz oder Reportern unterwandert werden wolle. Generell sieht Siegmund in den Vetternwirtschaft-Vorwürfen eine große Kampagne gegen seinen Wahlkampf.
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Tobias RauschLandtagsabgeordneter undparlamentarischer Geschäftsführer |
Gleich drei Geschwister von Tobias Rausch arbeiten bei der AfD-Bundestagsabgeordneten Claudia Weiss aus Sachsen-Anhalt. Weiss’ Tochter wiederum arbeitet in der Landtagsfraktion. Laut Medienberichten hat Weiss bereits angefangen, problematische Arbeitsverhältnisse aufzulösen.
Außerdem hat Rauschs Partnerin eine doppelte Anstellung: Zum einen arbeitet sie seit Juli 2023 für den stellvertretenden Landesvorsitzenden Oliver Kirchner, für fünf Stunden pro Woche soll sie monatlich rund 520 Euro erhalten. Zeitgleich ist Rauschs Partnerin in der AfD-Fraktion im Landtag Sachsen-Anhalt angestellt – hier verdient sie rund 6000 Euro brutto.
Kuriose Verquickung: Tobias Rausch soll auch mindestens vier Fußballern aus seinem Fußball-Klub SV Staßfurt 09 Mini-Jobs über 250 bis 300 Euro bei sich und anderen AfD-Abgeordneten beschafft haben. Rausch ist Vorstandsvorsitzender des Vereins.
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Thomas KorellBundestagsabgeordneter |
Der Bundestagsabgeordnete Thomas Korell ist neben der lukrativen Beschäftigung von Siegmunds Vater auch für dessen Landtagskollegen Matthias Büttner relevant: Korell hat beide Elternteile Matthias Büttners als Mitarbeitende unter Vertrag. Zusätzlich beschäftigt Korell den Schwager von Tobias Rausch. Korell, Büttner und Siegmund kommen alle aus der Region Altmark.
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Jan Wenzel SchmidtBundestagsabgeordneter undEx-Generalsekretär |
Im Zuge des Streits im Landesverband Sachsen-Anhalt wurde bekannt, dass auch der Bundestagsabgeordnete Jan Wenzel Schmidt sich Vorwürfe der Vetternwirtschaft ausgesetzt sieht: Er beschäftigte die Tochter und die Ehefrau des Landesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Martin Reichardt. Außerdem nahm Schmidt die Ehefrauen der Landtagsabgeordneten Hans-Thomas Tillschneider, Lothar Waehler und Christian Hecht unter Vertrag. Schmidts Ehefrau wiederum arbeitete zeitweise in der Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt. Aus AfD-Kreisen erfuhr CORRECTIV, dass Schmidt alle fragwürdigen Anstellungen aufgelöst habe. Schmidt soll aus der AfD-Bundestagsfraktion ausgeschlossen werden.
Neben den Beschäftigungen von Verwandten und Partnerinnen ist in Sachsen-Anhalt insbesondere die Anzahl der Mitarbeitenden auffällig: so beschäftigen die 23 Abgeordneten 162 Mitarbeitende, im Schnitt deutlich mehr als andere Fraktionen. Zeitweise beschäftigen Siegmund und Tillschneider jeweils zehn Angestellte, der Landtagsabgeordnete Felix Zietmann 13 Personen und die Abgeordnete Nadine Koppehel hat zwischenzeitlich sogar 16 Mitarbeitende.
In Sachsen-Anhalt hatte die Parteibasis einen Sonderparteitag wegen der Vetternwirtschafts-Affäre gefordert – dieser wurde aber von der Landesspitze abgeschmettert. Stattdessen soll eine Kommission zur Aufklärung der Vetternwirtschaft eingesetzt werden. Die Leitung dieser Kommission übernimmt der Landtagsabgeordnete Gordon Köhler, der nach CORRECTIV-Informationen ein enger Vertrauter der involvierten Abgeordneten Rausch, Siegmund und Reichardt ist.
Auch in Brüssel taucht eine Über-Kreuz-Beschäftigung auf: Der Europaabgeordnete Arno Bausemer, ebenfalls aus Sachsen-Anhalt, beschäftigt die Frau seines Parlamentskollegen Petr Bystron.
Quellen und Berichte zu Sachsen-Anhalt: ZDF, Volksstimme 1, ZEIT 1, CORRECTIV, T-Online, Mitteldeutsche Zeitung 1, ZEIT 2, Volksstimme 2, Mitteldeutsche Zeitung 2, MDR, Tagesschau, taz, MDR, Abgeordnetenwatch, Volksstimme 3, Süddeutsche Zeitung,
Nordrhein-Westfalen: AfD-Partnerinnen in den eigenen Büros
In NRW sind bislang fünf Fälle von fragwürdigen Anstellungen bekannt geworden. Bemerkenswert ist, dass der Filz-Verdacht auch den internen Machtkampf in NRW befeuert.
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Stefan Keuterstellvertretender Fraktionsvorsitzender undverantwortlich für Personalangelegenheiten |
Der heikelste NRW-Fall betrifft den Bundestagsabgeordneten Stefan Keuter: Der Essener beschäftigt nach Medienberichten seine Freundin direkt in seinem Büro. Es handelt sich demnach nicht um eine „Über-Kreuz-Beschäftigung“ wie in anderen Fällen, sondern eine direkte Anstellung auf Kosten des Steuerzahlers.
Keuter bestreitet, dass es sich bei seiner Angestellten um seine Partnerin handele. Allerdings sollen Privatfotos die beiden gemeinsam in Dubai und beim Oktoberfest zeigen. Außerdem berichtete T-Online, dass der Name der Frau auf dem Klingelschild und am Briefkasten an Keuters Privatadresse steht. Er nehme jedoch lediglich vorübergehend Post für sie entgegen, behauptet Keuter.
Besonders pikant: Keuter ist in der AfD-Bundestagsfraktion für Personalangelegenheiten zuständig.
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Klaus EsserLandtagsabgeordneter |
Der Landtagsabgeordnete Klaus Esser sieht sich Vorwürfen eines besonders kuriosen Anstellungsverhältnisses ausgesetzt: Demnach beschäftigte er in seinem Büro eine Mitte-Achtzigjährige, Geburtsjahr 1940. Esser wurde bereits vom NRW-Landtagspräsidenten zu einer Stellungnahme aufgefordert, die Gehaltszahlung über 450 Euro monatlich wurde gestoppt.
Klaus Essers Ehefrau wiederum arbeitet für dessen Landtagskollegen Markus Matzerath.
Esser geriet schon zuletzt in die Schlagzeilen, weil er mutmaßlich seine Hochschulabschlüsse gefälscht haben soll. Ende Januar hieß es, dass die Staatsanwaltschaft Aachen einen Strafbefehl über 13.500 Euro gegen den Landtagsabgeordneten beantragt.
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Hauke FingerBundestagsabgeordneter |
Auch der Bundestagsabgeordnete Hauke Finger beschäftigt wohl seine eigene Partnerin. Bevor Finger 2025 in den Bundestag einzog, war er selbst als Referent im Büro von Stefan Keuter und später bei der AfD-Bundestagsfraktion angestellt. Finger kommentierte die aktuellen Vorwürfe nicht.
CORRECTIV.Sunlight
Diese Veröffentlichung ist Teil des Recherche-Projekts zu Politikerinnen und Politikern. Für mehr Transparenz blickt CORRECTIV.Sunlight auf Interessenkonflikte, Unklarheiten in der Biografie, auf Personennetze und politische Positionen – kurz: Auf alles, was Wählerinnen und Wähler interessiert, um ihre Wahlentscheidung zu treffen. Sie haben einen Hinweis? Dann schreiben Sie uns unter sunlight@correctiv.org oder nutzen Sie unseren anonymen Briefkasten.
Neben Keuter, Esser und Finger geriet auch der Landtagsabgeordnete Christian Blex in den Fokus – ein bislang namentlich nicht bekannter Fraktionskollege soll zeitweise Blex’ Bruder angestellt haben. Christian Blex ist Schatzmeister des Landesvorstands.
Außerdem sieht sich die Gelsenkirchener Landtagsabgeordnete Enxhi Seli-Zacharias mit dem Vorwurf konfrontiert, sie beschäftige die Ehefrau von Andreas Laasch, dem Vorsitzenden des Duisburger AfD-Kreisverbands.
Quellen und Berichte zu Nordrhein-Westfalen: T-Online 1, Spiegel 1, Kölner Stadt-Anzeiger, T-Online 2, Spiegel 2, WDR, T-Online 3
AfD in Niedersachsen: Schlammschlacht und Korruptionsvorwürfe
In Niedersachsen hat die Vetternwirtschaft-Affäre der AfD besonders hohe Wellen geschlagen. Nicht, weil bislang so viele Fälle bekannt wurden, sondern weil der interne Streit im Landesverband erbittert geführt wird. Zwei Personen stehen im Fokus.
Ansgar SchleddeLandesvorsitzender undstv. Fraktionsvorsitzender |
Im Fokus der Vorwürfe in Niedersachsen steht der Landesvorsitzende Ansgar Schledde. Seine Ehefrau ist beim Bundestagsabgeordneten aus Niedersachsen, Danny Meiners, angestellt. Außerdem arbeitet Schleddes Ex-Frau für die Landtagsfraktion in Niedersachsen.
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Anja ArndtEuropa-Abgeordnete |
Die AfD-Abgeordnete in Brüssel, Anja Arndt, hat gegen den Landeschef Ansgar Schledde schwere Vorwürfe erhoben. In zwei Brandbriefen an den AfD-Bundesvorstand unterstellt Arndt, Schledde habe ein fragwürdiges Versorgungs-System aufgebaut. Der schwerste Vorwurf: Schledde soll AfD-Leuten Unterstützung für einen Listenplatz zugesichert haben, wenn er im Gegenzug über 35 Prozent des Budgets für Mitarbeitende bestimmen dürfe. Allein bei den 23 Bundestagsabgeordneten aus Niedersachsen wären dies rund 1,45 Millionen Euro jährlich. Arndt spricht von „mutmaßlicher Veruntreuung“.
Gleichzeitig arbeitet der Sohn von Anja Arndt für den AfD-Bundestagsabgeordneten Marc Bernhard aus Baden-Württemberg.
Außerdem wurde bekannt, dass die niedersächsische Bundestagsabgeordnete Martina Uhr sowohl ihren Lebensgefährten als auch dessen Tochter in ihrem Büro beschäftigt. Ihre Fraktion drängt auf Uhrs Rücktritt.
Öffentlich wurde auch, dass der Bundestagsabgeordnete Stefan Henze die Freundin des Bundestagsabgeordneten Dirk Brandes beschäftigt. Beide AfD-Männer stammen aus Niedersachsen.
Quellen und Berichte zu Niedersachsen: Ostfriesen-Zeitung, T-Online, Tagesschau, Bild 1, Welt 1, T-Online 2, Bild 2, Welt 2, Spiegel
AfD in Sachsen: Auch Co-Chef Chrupalla in der Kritik
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Tino ChrupallaCo-Vorsitzender der AfD Bundestags-Fraktion |
Auch beim Co-Vorsitzenden der AfD Bundestags-Fraktion, Tino Chrupalla, wurde ein fragwürdiges Beschäftigungsverhältnis publik: In seinen Wahlkreisbüros im sächsischen Weißwasser und im benachbarten Niesky beschäftigt er die Partnerin seines Parteifreundes, dem Landtagsabgeordneten Roberto Kuhnert. Zuvor hatte Chrupalla eingeräumt, angesichts der Vetternwirtschafts-Affäre in Sachsen-Anhalt ein „Störgefühl“ zu haben.
Die Ehefrau von Matthias Moosdorf, Bundestagsabgeordneter aus Sachsen, arbeitet in der Bundestagsfraktion – aber wohl schon, bevor er ein Mandat hatte.
Quellen und Berichte zu Sachsen: MDR, CORRECTIV, T-Online, Augsburger Allgemeine, ZEIT, Tagesschau
Thüringer AfD: Höcke warnt vor Scheitern der Partei wegen Vetternwirtschaft
Im AfD-Landesverband in Thüringen ist bislang nur eine fragwürdige Anstellung öffentlich geworden: Der Bundestagsabgeordnete Stefan Falko Schröder beschäftigt den Ehemann seiner Bundestags-Kollegin Wiebke Muhsal.
Bemerkenswert ist aber der Kommentar von AfD-Landeschef Björn Höcke zu den Vorwürfen. Bei X schrieb er: „Wir können nur an uns selbst scheitern. Aber dieses Scheitern gerät in den Bereich des Möglichen“. Der Co-Landesvorsitzende Stefan Möller sprach sich für strengere Regeln bei der Anstellung von Mitarbeitenden aus.
Hinweise zur Vetternwirtschaft: Haben wir einen Fall der Vetternwirtschaft übersehen? Dann schreiben Sie uns gerne eine Mail an sunlight@correctiv.org
Gleichzeitig gaben die beiden Höcke-Vertrauten Stefan Möller und Torben Braga in einer Zeit-Umfrage unter allen Bundestagsabgeordneten an, Angehörige von Kollegen zu beschäftigen. Demnach beschäftigen beide jeweils eine Kreistagsabgeordnete, deren Ehemänner ebenfalls im Kreistag sitzen – namentlich sind sie bislang nicht bekannt.
Quellen und Berichte zu Thüringen: FAZ, Deutschlandfunk, Thüringer Allgemeine, ZEIT, Welt
AfD in Brandenburg: Dreier-Gespann steht in der Kritik
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Mary Khan-HohlochEuropa-Abgeordnete |
In Brandenburg sticht ein Dreier-Netzwerk heraus: Die Europaabgeordnete Mary Khan-Hohloch beschäftigt die Partnerin von Jean-Pascal Hohm, der Landtagsabgeordneter und Bundesvorsitzender der neu gegründeten AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland ist. Hohm wiederum ist ein enger Vertrauter des Landtagsabgeordneten Dennis Hohloch, dem Ehemann von Mary Khan-Hochloch.
Brisant ist die Personalie auch deshalb, weil Mary Khan-Hohloch bereits 2023 wegen ungenauer Angaben in ihrem Lebenslauf von ihrer eigenen Partei gerügt wurde. Obwohl sie daraufhin zwei Jahre lang für AfD-Ämter gesperrt wurde, durfte sie für das Europa-Parlament kandidieren.
Quellen und Berichte zu Brandenburg: taz, ZEIT, Tagesschau 1, Tagesschau 2
Rheinland-Pfalz: Europa-Abgeordnete mit Draht ins rechtsextreme Vorfeld
Drei AfD-Politiker aus Rheinland-Pfalz sind derzeit im Fokus, es geht auch um Über-Kreuz–Anstellungen in Brüssel, NRW und Hessen.
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Alexander JungbluthEuropa-Abgeordneter |
Der radikale Europa-Abgeordente Alexander Jungbluth ist bislang die zentrale Figur in der Vetternwirtschaftsaffäre in Rheinland-Pfalz. Er beschäftigt die Tochter von Irmhild Boßdorf, die als stellvertretende Leiterin der AfD-Delegation ebenfalls im Europa-Parlament sitzt. Boßdorfs Tochter wiederum ist Gründerin und Kopf der rechtsextremen Vorfeldorganisation Lukreta. Die Boßdorfs stammen aus NRW. Alexander Jungbluth beschäftigt außerdem die Ehefrau des pfälzischen Bundestagsabgeordneten Sebastian Münzenmaier.
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Damian LohrLandtagsabgeordneter |
Es wurde zudem öffentlich, dass die Ehefrau des rheinland-pfälzischen Landtagsabgeordneten Damian Lohr in der Landtagsfraktion arbeitet. Lohrs Schwester ist hingegen beim hessischen AfD-Fraktionschef Robert Lambrou unter Vertrag. Lohrs Stiefvater ist zudem in der Rathausfraktion Wiesbaden beschäftigt.
Quellen und Berichte zu Rheinland-Pfalz: ZEIT, Tagesschau, SWR, taz, Jüdische Allgemeine, Belltower News
Baden-Württemberg: Spitzenkandidat Frohmaier unter Druck
In Baden-Württemberg ist eine Über-Kreuz-Beschäftigung zwischen zwei Bundestagsabgeordneten bekannt geworden: der Bundestagsabgeordente Johann Martel beschäftigt die Partnerin des außenpolitischen Sprechers Markus Frohnmaier. Frohmaier tritt bei der Landtagswahl 2026 als Spitzenkandidat an. Er steht wegen seiner Nähe zu Russland und Trumps MAGA-Bewegung in der Kritik.
Der Bundestagsabgeordnete Marc Bernhard beschäftigt den Sohn der Europaabgeordneten Anja Arndt, sie stammt aus Niedersachsen.
Quellen und Berichte zu Baden-Württemberg: T-Online, CORRECTIV, SWR, Tagesspiegel
AfD Bayern: Wiedersehen in Berlin
Der bayerische Bundestagsabgeordnete Tobias Peterka beschäftigt die Frau von Hugh Bronson, der Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus ist. Bronson unterstützte seinen bayerischen Kollegen auch im Kommunalwahlkampf. Auch die Mitarbeiterin selbst ist spannend: sie war schon Justiziarin für die AfD Sachsen-Anhalt und Vorsitzende der Akademischen Erasmus-Stiftung – einem Vorgängermodell der heutigen AfD-Parteistiftung.
Die Ehefrau des bayerischen Europa-Abgeordneten Petr Bystron ist bei Parlamentskollegen Arno Bausemer aus Sachsen-Anhalt angestellt.
Quellen und Berichte zur AfD Bayern: CORRECTIV, BR
Forderungen und Rücktritt: Die Konsequenzen aus der Vetternwirtschaft-Affäre der AfD
Nachdem mehr und mehr Fälle der Vetternwirtschaft in der AfD bekannt wurden, fordern Politikerinnen und Politiker aus anderen Parteien sowie auch aus den Reihen der AfD selbst eine Aufarbeitung und Maßnahmen, um derartige Anstellungsverhältnisse künftig zu verhindern. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erwog ebenfalls Konsequenzen, auch wenn er dem Parlament „eine gesetzliche Regelung gern ersparen“ würde.
Am Donnerstag dieser Woche diskutierten die Parteien in einer von CDU und SPD einberufenen „Aktuellen Stunde“ zu den Vetternwirtschafts-Vorwürfen gegen die AfD.
Initiativen wie Transparency Deutschland fordern angesichts des Parteien-Filzes mehr Aufklärung: „Wenn die Berichte zutreffen, liegt hier ein klarer Missbrauch von öffentlichen Geldern vor“, sagt Wolfgang Jäckle, Transparency Deutschland-Experte für das Thema Interessenskonflikte. Transparency Deutschland hat sich demnach Ende Februar in einem Schreiben an Bundestagspräsidentin Julia Klöckner gewandt und die Bundestagsverwaltung aufgefordert, die Fälle zu untersuchen.
Mitarbeit: Stella Hesch, Isabel Knippel
Redaktion: Marius Münstermann, Justus von Daniels
Faktencheck: Marius Münstermann
Grafik: Sara Pichireddu, Ivo Mayr, Philipp Schulte












