Mächtige Männer und ein Energie-Raub
Plötzlich Krieg mit Iran – was kommt als nächstes aus den USA?

„Ich hätte mir im Januar nicht vorstellen können, dass ich heute sagen muss: Mein Land führt Krieg gegen den Iran.“
Diesen Satz sagte mir eine US-Amerikanerin diese Woche und ergänzte: „Wie viel Energie dieser Mann mir und uns allen nimmt.“ Natürlich sprach sie über Donald Trump. Darüber, dass sie und dass die amerikanische Gesellschaft nur noch reagiert: auf die tödlichen Schüsse von Einwanderungs-Beamten, auf den Griff nach Grönland, auf die ständige Verächtlichmachung der Demokratie.
Mächtige Herrscher, die Kriege führen. Erst Putin, jetzt Trump. Auch unser Nachrichten-Alltag ist vom ewigen Reagieren geprägt. Plötzlich wird alles zu einem Kampf ums Überleben.
Themen und Debatten, die sich darum drehen könnten, wie wir eine bessere Gesellschaft gestalten, geraten weit in den Hintergrund. Wie viel Zeit bleibt einer Regierung in der Woche, um substantielle Ideen zu entwickeln, wie Städte erneuern, Bildungschancen erhöhen oder digitale Projekte vorangebringen, wenn außenpolitisch Konflikt auf Konflikt folgt?
In unserer Redaktion sprechen wir oft genau darüber: Warum wir natürlich einen Schwerpunkt darauf legen, wie Konflikte und Kriege uns betreffen; und dass wir daher über Sicherheit und Rüstung berichten. Weil es um unser Leben geht. Andererseits wollen wir genau im Blick behalten, wie sich unser Lebensumfeld entwickelt. Ob es um Schulsozialarbeiter geht oder um umstrittene Energieprojekte, wer im Amt Gelder verschwendet und wie der Verödung der Innenstädte entgegengewirkt werden kann.
Wir haben bei CORRECTIV einen Grund-Optimismus, auch weil wir genau die Themen, die sich um den konkreten Alltag drehen, weiterverfolgen, selbst wenn Krieg oder dumpfe Drohungen die News dominieren.
Die Amerikanerin sagte auch noch: „Mal sehen, was bis zum Herbst noch alles passiert, mit dem niemand von uns rechnet. Es könnten ja auch gute Entwicklungen sein“. Geht es Ihnen ähnlich wie der Amerikanerin? Schreiben Sie mir gern.
Am Ende des SPOTLIGHTS geht es um einen digitalen Fund meines Kollegen Bensmann. In einem kurzen Post auf X zeigt der Rechtsradikale Martin Sellner in Reaktion auf die Wahl von Cem Özdemir in Baden-Württemberg das ganze Arsenal seiner Menschenverachtung.
Ihnen wünsche ich ein erholsames Wochenende, natürlich auch mit unseren Empfehlungen der Woche!
Herzlich,
Ihr Justus von Daniels
Sudan: Wie die RDF Zivilisten ausgehungert
Experten warnen: Sensor- und Satellitendaten zeigen gezielte Angriffe der „Rapid Support Forces“ (RSF) auf Bauerngemeinden im Sudan. Die RSF ist eine paramilitärische Organisation, die im Laufe des Bürgerkriegs im Sudan weite des Landes unter ihre Kontrolle gebracht hat. In den besetzen Gebieten zielen sie darauf ab, die Menschen davon abzuhalten, Lebensmittel zu produzieren. Der Guardian zeigt die Karten und Hintergründe in der Recherche.
‘Extraordinary cruelty’: images show longterm ‘starvation strategy’ in Sudan (theguardian.com, Englisch)
Kein Widerstand im Rechtsrockland?
Seit anderthalb Jahren betreibt der Neonazi Tommy Frenck im südthüringischen Brattendorf einen neuen Gasthof. Oft finden wöchentlich rechtsextreme Konzerte statt, die Behörden setzen den Umtrieben kaum etwas entgegen.
Neonazi-Konzerte und das Geschäft mit dem Hass (ardmediathek.de, Video)
Stolz, Stärke und Freiheit einer Betroffenen
Vor zehn Jahren erstattete eine junge Frau Anzeige gegen ihren Turntrainer. Er hatte ihr und mindestens neun weiteren Turnerinnen im Sportverein sexualisierte Gewalt angetan. Zu der Zeit waren sie Kinder, Jugendliche, Schutzbefohlene. Jahre später muss der Täter ins Gefängnis.
Stolz, Stärke und Freiheit einer Betroffenen (sportschau.de)
Deutscher Rechtsextremist jetzt „Exiljournalist“ in Moskau
Mario Rönsch inszeniert sich als Gejagter. Auf Youtube blickt er ernst in die Kamera, melodramatische Klaviermusik unterlegt seine Worte. „Für das, was ich tue, haben mich deutsche Geheimdienste quer durch Europa gejagt“, sagt er. „Dass ich noch am Leben bin, grenzt an ein Wunder.“ Die Kulisse: der Rote Platz in Moskau. Die Pose: selbstbewusst, trotzig, im Exil angekommen. Die ganze Recherche finden Sie beim Standard.
Deutscher „Migrantenschreck“-Betreiber liefert jetzt Fake News aus Moskau (standard.at)
Als Reaktion auf den Wahlsieg der Grünen in Baden-Württemberg mit dem Spitzenkandidaten Cem Özdemir, veröffentlichte Martin Sellner, Kopf der Identitären Bewegung, einen Post auf X. Sellner schrieb, Özdemir sei der „erste muslimische Ministerpräsident von Baden-Württemberg“ und habe wegen einer „ethnischen Wahl“ gewonnen. Zudem meinte er, der Block der „nicht-assimilierten“ Wähler wachse mit jeder Wahl. Dies sei eine „Kolonisierung“.
Sellners Beitrag auf X stieß auf Empörung selbst von Portalen wie Apollo und Nius. Dabei ist der Post kein Ausrutscher, sondern die Konsequenz der von ihm propagierten völkischen Ideologie. Diese teilt Staatsbürger in „Eigene“ und „Fremde“ und plant die als „nicht-assimiliert“ herabgewürdigten Staatsbürger durch „Anpassungsdruck“ und „maßgeschneiderte Gesetze“ so zu diskriminieren, um sie aus dem Land zu vertreiben.
Der harmlos klingende Begriff „ethnische Wahl“ bedeutet Überfremdung. Er entzieht Staatsbürgern mit Migrationshintergrund ihre Individualität und macht sie pauschal zur Bedrohung. Das ist der Kern des Konzepts der „Remigration“, das Sellner in der Veranstaltung unweit von Potsdam im Rahmen eines Masterplans im November 2023 vorstellte, wie die CORRECTIV-Recherche gezeigt hatte.
Die juristischen Manöver einiger Teilnehmer, befeuert von der Kanzlei Höcker, die seit zwei Jahren die mediale Öffentlichkeit beschäftigen, haben nicht die Absätze angegriffen, die das „Remigrations“-Konzept auch für Staatsbürger detailreich beschreiben. Dennoch erreichten die Klagen, dass bürgerliche Medien bis hin zur FAZ und Zeit Sellners völkischen Plan verharmlosten. Das erklärt vielleicht auch die Verwunderung über Sellners Aussagen zur Wahl in Baden-Württemberg.
Bei Sellners Konzept geht es nicht um Einzelfälle, sondern um die pauschale Vertreibung. Der Begriff „Assimilierung“ ist ein Schraubstock, der so fest angezogen werden kann, dass selbst ein Cem Özdemir herausfallen kann. Peinlich sind Kommentare, die betonen, der Schwabe von den Grünen sei doch integriert. Sie gehen Sellner damit auf den Leim. Denn das Konzept der „Remigration” für „nicht-assimilierte“ stößt ein Tor zur Hölle auf. Es hilft nicht, einzelne Personen aus dem „menschenunwürdigen Konzept“ zu retten. Sellner hat schon bei dem Rechtsanwalt Chan-Jo Jun im November 2025 auf X deutlich gemacht, dass er auch den in Verden geborenen Anwalt nicht im Land haben will.
Auch in der bürgerlichen Mitte sollte verstanden werden, dass diese Zielsetzung, wie es der Bild-Kolumnist Harald Martenstein nennt, „illegitim“ ist, da sie Staatsbürgern Rechte entziehen und sie vertreiben will. Das Grundgesetz zieht jedoch eine Brandmauer um die Staatsbürger, was Verwaltungsgerichte immer wieder bestätigen. Eine politische Zielsetzung, die dies infrage stellt, verstößt gegen Grundgesetz und Menschenwürde. Solange in der AfD eine „Vielzahl” der Mitglieder unter Alice Weidels Patronage die Nähe zu diesem illegitimen Ziel suchen, befestigt die Partei selbst diese Brandmauer, denn damit überschreitet sie die Grenze zur Verfassungsmäßigkeit.

Schadstoffbelastete Böden: Anklage gegen Müll-Makler
Durchbruch bei Ermittlungen zu schadstoffbelasteten Böden in NRW: Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat einen Verdächtigen angeklagt. Nach CORRECTIV-Informationen handelt es sich um einen Müll-Makler, der schon in einen früheren Skandal um giftige Ölpellets verwickelt war.
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Innenministerium will Beratungsleistungen für Asylbewerber streichen
Träger sollen für die „behördenunabhängigen Asylverfahrensberatungen“ ab 2027 kein Geld mehr erhalten. Dobrindt-Ressort will im Haushalt keine Mittel mehr für die Leistungen einstellen. SPD kündigt Widerstand an
correctiv.org
Herausforderungen der Integration – mit Ahmad Mansour
In der Integrationsdebatte, so wirkt es oft, ist wenig Platz für Zwischentöne. Die radikalsten Positionen sind am lautesten, ein notwendiger faktenbasierter Diskurs bleibt häufig auf der Strecke. Emotionen und Gefühle statt Fakten und Zahlen – das spielt Populisten in die Hände, unser gesellschaftlicher Zusammenhalt erodiert jedoch. Deshalb ist in dieser Folge „CORRECTIV im Gespräch” der Psychologe und Autor Ahmad Mansour zu Gast bei CORRECTIV-Chefredakteurin Anette Dowideit.
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Aral, Shell und Co. verkaufen weniger Sprit
Der Spritabsatz bei Aral, Esso und Shell sinkt um bis zu acht Prozent, während er bei unabhängigen Tankstellen und B-Marken wie Jet stabil bleibt, teilte der Zentralverband des Tankstellengewerbes mit.
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An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Martin Böhmer & Finn Schöneck.
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