Mächtige Männer und ein Energie-Raub

Plötzlich Krieg mit Iran – was kommt als nächstes aus den USA?

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Justus von Daniels

Diesen Satz sagte mir eine US-Amerikanerin diese Woche und ergänzte: „Wie viel Energie dieser Mann mir und uns allen nimmt.“ Natürlich sprach sie über Donald Trump. Darüber, dass sie und dass die amerikanische Gesellschaft nur noch reagiert: auf die tödlichen Schüsse von Einwanderungs-Beamten, auf den Griff nach Grönland, auf die ständige Verächtlichmachung der Demokratie.

Mächtige Herrscher, die Kriege führen. Erst Putin, jetzt Trump. Auch unser Nachrichten-Alltag ist vom ewigen Reagieren geprägt. Plötzlich wird alles zu einem Kampf ums Überleben

Themen und Debatten, die sich darum drehen könnten, wie wir eine bessere Gesellschaft gestalten, geraten weit in den Hintergrund. Wie viel Zeit bleibt einer Regierung in der Woche, um substantielle Ideen zu entwickeln, wie Städte erneuern, Bildungschancen erhöhen oder digitale Projekte vorangebringen, wenn außenpolitisch Konflikt auf Konflikt folgt?

In unserer Redaktion sprechen wir oft genau darüber: Warum wir natürlich einen Schwerpunkt darauf legen, wie Konflikte und Kriege uns betreffen; und dass wir daher über Sicherheit und Rüstung berichten. Weil es um unser Leben geht. Andererseits wollen wir genau im Blick behalten, wie sich unser Lebensumfeld entwickelt. Ob es um Schulsozialarbeiter geht oder um umstrittene Energieprojekte, wer im Amt Gelder verschwendet und wie der Verödung der Innenstädte entgegengewirkt werden kann. 

Wir haben bei CORRECTIV einen Grund-Optimismus, auch weil wir genau die Themen, die sich um den konkreten Alltag drehen, weiterverfolgen, selbst wenn Krieg oder dumpfe Drohungen die News dominieren. 

Die Amerikanerin sagte auch noch: „Mal sehen, was bis zum Herbst noch alles passiert, mit dem niemand von uns rechnet. Es könnten ja auch gute Entwicklungen sein“. Geht es Ihnen ähnlich wie der Amerikanerin? Schreiben Sie mir gern.

Am Ende des SPOTLIGHTS geht es um einen digitalen Fund meines Kollegen Bensmann. In einem kurzen Post auf X zeigt der Rechtsradikale Martin Sellner in Reaktion auf die Wahl von Cem Özdemir in Baden-Württemberg das ganze Arsenal seiner Menschenverachtung.

Ihnen wünsche ich ein erholsames Wochenende, natürlich auch mit unseren Empfehlungen der Woche! 

Herzlich,

Kein Widerstand im Rechtsrockland?
Seit anderthalb Jahren betreibt der Neonazi Tommy Frenck im südthüringischen Brattendorf einen neuen Gasthof. Oft finden wöchentlich rechtsextreme Konzerte statt, die Behörden setzen den Umtrieben kaum etwas entgegen.
Neonazi-Konzerte und das Geschäft mit dem Hass (ardmediathek.de, Video)

Autor Box Marcus Bensmann

Sellners Beitrag auf X stieß auf Empörung selbst von Portalen wie Apollo und Nius. Dabei ist der Post kein Ausrutscher, sondern die Konsequenz der von ihm propagierten völkischen Ideologie. Diese teilt Staatsbürger in „Eigene“ und „Fremde“ und plant die als „nicht-assimiliert“ herabgewürdigten Staatsbürger durch „Anpassungsdruck“ und „maßgeschneiderte Gesetze“ so zu diskriminieren, um sie aus dem Land zu vertreiben.

Der harmlos klingende Begriff „ethnische Wahl“ bedeutet Überfremdung. Er entzieht Staatsbürgern mit Migrationshintergrund ihre Individualität und macht sie pauschal zur Bedrohung. Das ist der Kern des Konzepts der „Remigration“, das Sellner in der Veranstaltung unweit von Potsdam im Rahmen eines Masterplans im November 2023 vorstellte, wie die CORRECTIV-Recherche gezeigt hatte.

Die juristischen Manöver einiger Teilnehmer, befeuert von der Kanzlei Höcker, die seit zwei Jahren die mediale Öffentlichkeit beschäftigen, haben nicht die Absätze angegriffen, die das „Remigrations“-Konzept auch für Staatsbürger detailreich beschreiben. Dennoch erreichten die Klagen, dass bürgerliche Medien bis hin zur FAZ und Zeit Sellners völkischen Plan verharmlosten. Das erklärt vielleicht auch die Verwunderung über Sellners Aussagen zur Wahl in Baden-Württemberg. 

Mülldeponie. Erdhügel. Auf der linken seite ein gelber Bagger.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Martin Böhmer & Finn Schöneck.