Droht ein Apotheken-Sterben?
Heute blieben die meisten Apotheken zu – ihr Verband warnt vor einer Sparpolitik, die am Ende den Kunden schaden würde. Was steckt dahinter?

Liebe Leserinnen und Leser,
heute blieben die meisten Apotheken zu – ihr Verband wollte mit diesem bundesweiten Protesttag vor einer Sparpolitik warnen, die am Ende den Kunden schaden würde. Was steckt dahinter? Das schauen wir uns im heutigen Thema des Tages an. Wir wollen dazu auch von Ihren Erfahrungen hören.
Außerdem heute wichtig: Am Wochenende drehten sich viele Gespräche um Collien Fernandes – die mutige Schauspielerin, die vor ein paar Tagen im Spiegel öffentlich machte, dass ihr eigener Ehemann ihr über Jahre hinweg ihre Identität im Internet gestohlen und sie auf niederträchtige Weise zum Objekt seiner abgedrehten sexuellen Phantasien gemacht haben soll. Im heutigen „CORRECTIV ganz persönlich“ geht es anlässlich dieses Vorfalls darum, wer im Falle digitaler und sexualisierter Gewalt abseits der Täter noch alles zur Verantwortung gezogen werden muss.
Die Grafik des Tages dreht sich heute um die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. Und zwar insbesondere darum, was bei der SPD los ist, die dort enorm Stimmen einbüßte.
Und: Sie haben gewählt, wer die Cartoon-Arena der vergangenen Woche gewonnen hat. Abgeräumt hat diesmal Katharina Greve. Hier noch mal ihre Karikatur:

Was bewegt Sie heute besonders? Schreiben Sie mir: anette.dowideit@correctiv.org.
Thema des Tages: Droht ein Apotheken-Sterben?
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
CORRECTIV ganz persönlich: KI, Deepfakes und Verantwortung: Wie (sexueller) Missbrauch gedeckt wird
Grafik des Tages: Nach Landtagswahlen: Wo ist die SPD noch Volkspartei?
In ganz Deutschland blieben heute Apotheken geschlossen, in den meisten Fällen war nur eine Notfall-Versorgung verfügbar. Wir haben uns angeschaut, was dahinter steckt – und inwiefern dies für uns als Kundinnen und Kunden relevant ist.

Was die Apotheker-Verbände sagen:
Ihnen geht es ums Geld. Verbandssprecher argumentieren, sie würden zu wenig Geld für die Abgabe rezeptpflichtiger Medikamente bekommen. Seit 13 Jahren seien die Honorare nicht mehr gestiegen, während die Löhne und alle anderen Kosten immer weiter wüchsen.
Die Verbände warnen, dass deshalb Apotheken in wirtschaftlicher Not seien – und gerade in ländlichen Regionen die Versorgung deshalb in Gefahr sei.
Unser Reporterinnen-Team hat mit verschiedenen Beteiligten gesprochen und dazu heute einen Beitrag bei Instagram veröffentlicht.
Was ist dran an den Sorgen?
Wir haben zum einen mit der stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschen Apothekerverbandes gesprochen, Anke Rüdinger. Sie sagt: Vor allem außerhalb von größeren Städten gebe es ein „Apothekensterben“.
„Die Apotheken in Deutschland sind seit Jahren chronisch unterfinanziert.“
Anke Rüdinger
Stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes
Laut einer Statistik der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) sind die durchschnittlichen Anfahrtswege zu Apotheken deutlich länger geworden. Im Jahr 2018 mussten rund 8.000 Menschen im Land fünf bis zehn Kilometer bis zur nächsten Apotheke fahren, 2023 waren es schon 97.000.
Die offiziellen Zahlen der ABDA zeigen allerdings auch (siehe hier, auf Seite 9): Die Zahl der Apotheken ist seit 1990 zwar gesunken, aber nicht dramatisch. Und dafür kamen ja Versandhändler hinzu.
Was sagen die verantwortlichen Krankenkassen?
Der GKV-Spitzenverband (also der Verband der gesetzlichen Krankenkassen) sagt: Die gesetzlich Versicherten in Deutschland hätten am Ende gar nichts davon, wenn die Kassen jetzt die Apotheken besser bezahlen würden. Denn dieses Geld sei schließlich Versichertengeld – das dann an anderer Stelle wieder fehlen würde.
Außerdem: Würde man jetzt für alle Apotheken im Land die Honorare anheben, dann würden ja nicht nur die Apotheken auf dem Land profitieren, sondern auch die in Großstädten, wo das Versorgungsnetz dicht ist.
Was macht die Bundesregierung?
Sie will unter anderem das sogenannte Packungsfixum steigern. Das ist die feste Summe, die Apotheken pro abgegebener Packung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten erhalten. Der Betrag soll nun von 8,35 auf 9,50 Euro steigen.
Die Apotheken wollen jedoch noch einmal die Forderungen bekräftigen, damit die Pläne der Regierung nicht wieder (auf Druck der Krankenkassen) aufgeweicht werden.
Und sie sagen, die Apotheken auf dem Land müssten gestärkt werden. Auch dieses Problem hat die Bundesregierung allerdings auf dem Schirm – und will eine ganze Reihe bürokratischer Hürden abbauen. Zum Beispiel soll es leichter sein, Zweigstellen zu öffnen.
Und dann ist da ja noch der schon erwähnte Versandhandel …
… auf den Kundinnen und Kunden in ländlichen Regionen zurückgreifen können (wenn auch nicht für Notfälle): Die Statistik der Apothekervereinigung zeigt (Seite 14), dass Versandapotheken mittlerweile etwa ein Fünftel der Umsätze des Apothekensektors erzielen.
Das sind übrigens nicht nur große Firmen – sondern auch knapp 3.200 klassische Apotheken haben eine Versandhandelserlaubnis.
Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Hat die Apotheke in Ihrem Ort geschlossen? Haben Sie andere Erfahrungen mit Apotheken gemacht, die Sie uns berichten möchten? Oder sind Sie selbst Apothekerin und wollen uns etwas zum Thema mitteilen? Dann schreiben Sie unserer Social-Media-Redakteurin: katharina.roche@correctiv.org.
Wahlkampf in Ungarn: Orbán muss Niederlage fürchten – bot Russland Hilfe an?
Nach 16 Jahren an der Macht liegt die Partei des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán in den aktuellen Wahlumfragen hinter der Oppositionspartei Tisza. Offenbar sieht Russland darin ein Problem: Nach Angaben der Washington Post soll der russische Geheimdienst vorgeschlagen haben, einen Mordanschlag auf Orbán zu inszenieren, um die Stimmung im Land zu verschieben. Zudem berichtete die Zeitung, dass Ungarn jahrelang Informationen von EU-Treffen an Russland weitergegeben haben soll.
wiwo.de/ t-online.de
OB-Wahl: Grünen-Politiker gewinnt in München
Der Grünen-Politiker Dominik Krause wird die Nachfolge von Dieter Reiter (SPD) als Oberbürgermeister der bayerischen Landeshauptstadt antreten. Mit 56,4 Prozent gewann Krause die Stichwahl in München. Reiter galt zuvor lange als Favorit, doch durch eine ungenehmigte Tätigkeit beim FC Bayern München war er zuletzt in die Kritik geraten.
welt.de
Trump verlängert Frist für Wiedereröffnung der Straße von Hormus durch den Iran
US-Präsident Donald Trump hat nach eigenen Angaben das Pentagon angewiesen, Angriffe auf iranische Energieinfrastruktur für fünf Tage auszusetzen. Damit verlängert Trump sein Ultimatum deutlich. Ursprünglich sollte es nach Mitternacht deutscher Zeit auslaufen. Zudem sprach Trump von guten Gesprächen zwischen den USA und dem Iran. Dies dementierte der Iran jedoch kurze Zeit später.
tagesschau.de

In dieser Fokusfolge spricht Tara-Louise Wittwer über Hass und Gewalt gegen Frauen. Dass die Episode geschrieben wurde, noch bevor Collien Fernandes ihren Fall öffentlich machte, zeigt umso mehr, wie wichtig das Thema ist.
tube.funfacts.de

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche behauptet in einer Ansprache zum Thema Energiepolitik, dass jedes Jahr Strom für drei Milliarden Euro „einfach weggeworfen“ würde. Warum das so nicht stimmt.
correctiv.org
Endlich verständlich
Das ständige Scrollen auf dem Smartphone ist für viele Menschen zur Alltagsbeschäftigung geworden. Eine neue Studie der Universität Harvard hat nun gezeigt, dass unsere mentale Gesundheit deutlich unter dem Konsum von sozialen Medien leidet. Was hilft? Social-Media-Detox: Die Forschenden stellten fest, dass nur eine Woche ohne diese Apps Angstsymptome und Schlafprobleme um 16 Prozent reduziert, Symptome einer Depression sogar um 25 Prozent.
deutschlandfunknova.de
So geht’s auch
Sind Sie fit im Erkennen von Desinformation? Ein neues Projekt unserer Jugendredaktion Salon5 soll den Umgang mit Informationen stärken – vor allem bei jungen Menschen. So können Jugendliche selber zu Faktencheckern werden. Das Ziel des Accounts „salon5_faktenchecker“ ist es, gezielt gegen Desinformationen im Netz vorzugehen und eine informierte Online-Community zu fördern.
Salon5
Fundstück
Die sogenannte „Hummel-Challenge“ soll Forschenden dabei helfen, die Artenvielfalt von Hummeln in ganz Deutschland zu erforschen. Durch ein Foto können die Hummeln in einer App gemeldet und anschließend von Experten genauer unter die Lupe genommen werden. In den Vorjahren gab es durch die Challenge viele Sichtungen von seltenen Hummelarten.
zeit.de
Das ganze Wochenende über habe ich diskutiert. Es ging nicht nur um Collien Fernandes, deren schrecklicher Missbrauch, so der Vorwurf, weltweit Wellen schlug. Und deren Mut jetzt couragierte Menschen auf die Straße treibt. Sondern auch darum, dass dieser abscheuliche Fall zeigt, wie lange und auf welche Weise Frauen in diesem System missbraucht und hintergangen werden können – ohne, dass Täter auffallen.
Eins darf nicht außer Acht geraten: Welche Mittel dafür mitunter herangezogen worden sein sollen. Ich beschäftige mich als Redakteurin ausführlich mit KI – mit den Möglichkeiten, aber auch mit den ethischen und moralischen Fallstricken. Erste Verfahren zum Stimmklonen, wie mutmaßlich im Fall Fernandes, gibt es seit Ende der 90er. Dies erlaubt es heute, mit KI-generierter Technologie Inhalte zu verbessern.
Technik wie diese wurde jedoch hoffentlich nicht dafür entwickelt, andere Menschen digital zu missbrauchen oder Stimmen ohne vorherige Zustimmung zu entwenden. Dennoch erlaubt es die KI böswilligen Akteuren, zunehmend subtiler und ausgefeilter zu agieren. Das zwingt uns einerseits alle dazu, unsere Vorstellungen von Authentizität zu hinterfragen. Ein Gespür für Täuschungen zu entwickeln. Wege zu finden, die eigene Identität oder jene von Betroffenen – sowohl online als auch offline – wirksamer zu schützen. Wie das geht, was Fake und was richtig ist, berichtet bei CORRECTIV am laufenden Band die Faktencheck-Redaktion.
Die aktuelle Causa wirft aber in meinen Augen – wie immer im KI-Diskurs – auch das Thema Verantwortung in den Ring. Technik handelt nicht von selbst. Sie wird bereitgestellt und genutzt. Wir müssen also die Probleme benennen.
Das Problem sind Täter, die Gewalt mittels Technologie produzieren und verbreiten. Das Problem sind jene, die die Inhalte ansehen (und nicht melden). Das Problem sind Plattformen und Tech-Konzerne, die die Inhalte zulassen, von ihrer Reichweite profitieren und oft erst eingreifen, wenn der Schaden längst angerichtet ist; falls sie überhaupt eingreifen. Das Problem ist, dass Strafverfolgungsbehörden strukturell unterlegen sind, zu langsam, zu schlecht ausgestattet, zu selten in der Lage, im digitalen Raum konsequent durchzugreifen. Das Problem ist, dass den Betroffenen oft kaum jemand glaubt.
Alles in allem ist das größte Problem aber ein tief verankerter Frauenhass und ein System aus patriarchalen Machtverhältnissen, in dem sexualisierte Gewalt nicht Ausnahme ist, sondern Ausdruck von Kontrolle. Digitale Gewalt ist die Verlängerung realer Gewalt. Sie ist kein Einzelfall. Wir befinden uns inmitten eines strukturellen Megaproblems.

35 Jahre lang regierte die SPD in Rheinland-Pfalz. Am Sonntag verlor sie die Landtagswahl mit 25,9 Prozent klar gegen die CDU (31 Prozent). Das schlechte Abschneiden löst auch in der Bundes-SPD Diskussionen über mögliche Konsequenzen aus – und Sorgen. Denn die nächsten Wahlen folgen bereits im September.
Und die Niederlage folgt einem Trend: In vielen Bundesländern läuft die SPD ihrem Anspruch als Volkspartei deutlich hinterher. Das Selbstverständnis als „Arbeiterpartei“ wackelt ebenso: Gerade unter den Arbeiterinnen und Arbeitern setzen viele ihr Kreuz derzeit bei der AfD.
politik-kommunikation.de
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Ulrich Kraetzer und Jule Scharun.
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