Missbrauch: Was die Kirchenchefs wussten

In unserem Rechercheprojekt „Akten des Missbrauchs“ sind wir auf weitere Dokumente gestoßen. Sie bestätigen, dass die Kirchenoberen vom sexuellen Missbrauch durch Priester wussten.

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Autor Bild Anette Dowideit

der Missbrauchsskandal der katholischen Kirche geht weiter und weiter, er zieht immer größere Kreise. Unser Rechercheteam hat noch weitere Dokumente aus dem Inneren der katholischen Kirche bekommen. Und die zeigen noch einmal eindrücklich, wie viel die Kirchenoberen vom sexuellen Missbrauch durch Priester wussten. Mehr dazu im Thema des Tages.

Dazu empfehle ich Ihnen auch die aktuelle Fun Facts-Folge – auch dort geht es um unsere „Akten des Missbrauchs“-Recherche. 

Außerdem heute wichtig: Die Bundesregierung hat heute ihr neues Klimaschutzprogramm vorgelegt – weil sie unter Druck stand, dies zu tun. Es geht dabei um die Frage, wie wir bis 2045 Klimaneutralität erreichen können. Morgen wird es darum im SPOTLIGHT ausführlicher gehen. 

Thema des Tages: Missbrauch: Was die Kirchenchefs wussten

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Nach CORRECTIV-Recherche zu Phishing-Attacke: Innenpolitiker sehen Defizite im Umgang mit hybriden Bedrohungen Russlands

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Max Uthoff über geheime Vatikan-Akten

Faktencheck: Warum EU-Strafgelder für US-Techfirmen nicht mit Steuern europäischer Firmen vergleichbar sind

Gute Sache(n): Krankenversicherung, Mehrwertsteuer, Ehegattensplitting – über diese Reformen diskutiert die Bundesregierung aktuell • Hamburg: Wettbewerb zum Flächen-Entsiegeln • Rettungsversuche für gestrandeten Buckelwal

CORRECTIV ganz persönlich: Verein veröffentlicht Sachstand zu Gewalt im Sport

Grafik des Tages: Immer weniger Bewerbungen bei der Polizei

Die Recherche entwickelt sich nun immer weiter. Heute haben wir eine neue Story dazu veröffentlicht: Wir haben weitere wichtige Vatikan-Dokumente erhalten.

Nach der CORRECTIV-Recherche „Akten des Missbrauchs“ sind neue Dokumente aufgetaucht.

Das wichtigste neue Ergebnis:
Die nun aufgetauchten Briefe zeigen vor allem, wie tief Joseph Kardinal Ratzinger in die Sache verstrickt war, der spätere Papst Benedikt XVI.

Die Briefe bestätigen, dass Ratzinger und andere Kirchenobere nicht nur vom sexuellen Missbrauch durch Priester wussten – sondern sie sogar geheim hielten. Verantwortliche im Vatikan entschieden, wie mit den Tätern umzugehen sei: Teils wurden Fälle über Jahre verschleppt, Strafen wieder aufgehoben und der Wiedereinsatz von verurteilten Tätern ermöglicht. 

Vier dieser Briefe hat Ratzinger selbst unterschrieben.

Ein besonders brisanter Fall:
Im Jahr 1986 entschied Ratzinger, damals Leiter der Glaubenskongregation im Vatikan, dass der damalige Priester Peter H. die Messe mit Traubensaft statt Wein zelebrieren dürfe. 

Warum? Weil Peter H. ein verurteilter Sexualstraftäter war. Er hatte in Essen Kinder missbraucht – die Kirche hatte ihn deshalb schon 1980 nach München versetzt. (Wir berichteten zum Beispiel hier.)

Sechs Jahre später nun gab es Hinweise auf weitere derartige Probleme mit Priester H. Die Verantwortlichen in der Kirche fanden offenbar, dass man ihm besser keinen Alkohol geben dürfe, weil er dann noch übergriffiger zu werden schien. Die Lösung bestand für Ratzinger darin: Priester H. sollte beim Feiern der Messe besser nur noch Traubensaft statt Wein trinken. 

Diese Erlaubnis ermöglichte es der katholischen Kirche, H. wieder in einer Gemeinde einzusetzen. Dort hat er später erneut Jungen missbraucht.

Und nun zeigt ein weiterer Brief, den unser Rechercheteam erhalten hat: Einen ganz ähnlichen Freischein erhielt auch ein Priester in den USA. 

Drohne trifft Kraftwerk in Estland 
Eine Drohne hat ein Kraftwerk in Estland getroffen. Nach estnischen Angaben drang sie aus dem russischen Luftraum in das Nato-Land ein. Auch in Lettland wurde der Absturz einer Drohne gemeldet. Ob es sich bei den Fluggeräten um russische oder ukrainische Drohnen handelt, war lange unklar.
welt.de / tagesschau.de 

Saarländische AfD: Nachlässiger Umgang mit Steuergeld 
Die Saar-AfD-Fraktion ging nachlässiger mit Steuergeld um als bisher bekannt. Dies geht aus einem Prüfbericht des Landesrechnungshofs zu den Finanzen der Fraktion von 2020 bis 2023 hervor. Der Bericht nennt eine überbeanspruchte Handkasse, fehlende Ausgabenkontrolle sowie fragwürdige Warenbestellungen. 
sr.de

Die Innenpolitiker Politiker Marc Henrichmann (CDU, links im Bild) und Konstantin von Notz (Grüne) erkennen Nachholbedarf im Umgang mit hybriden Angriffen Russlands. (Foto: Picture Alliance / dts-Agentur)
Im Jahr 2024 ahndete die EU-Kommission Verstöße von Apple und Meta, online finden das manche offenbar unfair und ziehen einen schiefen Vergleich zwischen Steuern und Strafzahlungen
Symbolbild: Michael Kappeler / DPA / Picture Alliance

Das war einer von 236 Hilfegesuchen aus dem vergangenen Jahr, die bei der unabhängigen Ansprechstelle Safe Sport e.V gelandet sind. Der Verein berät seit 2023 Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die im Sport von Gewalt betroffen sind. Der Verein wurde 2022 bei der Sportministerkonferenz gegründet. Vergangene Woche haben sie ihren Jahresbericht veröffentlicht.

Über zwei Drittel der Anfragen, die von Betroffenen gestellt werden, kommen von Mädchen und Frauen. Der überwiegende Teil war zum Zeitpunkt der Gewalterfahrungen unter 18. Die Tatverdächtigen sind laut Bericht überwiegend Männer (84 Prozent) und in der Mehrheit als Trainer aktiv (in 77 Prozent der Anfragen).

In dem Bericht werden verschiedene Gewaltformen erfasst – darunter körperliche, sexualisierte und psychische Gewalt. Bei den Beratungsanfragen dominiert psychische Gewalt – wobei diese im Spitzensport signifikant häufiger vorkommt. Dagegen beziehen sich über die Hälfte der Beratungsanfragen im Breitensport auf sexualisierte Gewalt.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt und Jule Scharun.