Politik

Nein, Peter Hahne hat keinen Wahlbetrug in Baden-Württemberg aufgedeckt

Angeblich Hinweise auf Wahlbetrug – und niemand bekommt es mit? Behauptungen dieser Art gehen im März 2026 online um: Etwa soll der rechtspopulistische Autor Peter Hahne von Manipulation bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg berichtet haben. Das hat er aber nicht.

von Sarah Thust

Peter Hahne-Mike-Schmidt-SZ Photo-picture-alliance
Der Autor Peter Hahne bei einer Gala im September 2024 – ihm werden aktuell Aussagen zur Landtagswahl in Baden-Württemberg in den Mund gelegt (Archivfoto: Mike Schmidt / SZ Photo / Picture Alliance)
Behauptung
Peter Hahne habe enthüllt, dass AfD-Stimmen bei der Wahl in Baden-Württemberg falsch ausgezählt worden seien.
Bewertung
Falsch. Es findet sich keine Aufnahme des ehemaligen ZDF-Korrespondenten Peter Hahne, in der er von angeblichen Beweisen für Wahlbetrug bei der Landtagswahl Baden-Württemberg im März 2026 berichtet. Laut Landeswahlleitung gab es dafür aktuell bisher keine nennenswerten Hinweise.

Was haben die Autoren Peter Hahne und Markus Krall mit dem AfD-Politiker Tino Chrupalla gemeinsam? Im März 2026 wurde allen dreien in Sozialen Netzwerken in den Mund gelegt, sie hätten von Wahlbetrug bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg gesprochen. Mit den Behauptungen über Markus Krall und Tino Chrupalla haben wir uns bereits beschäftigt – da war nichts dran.

Der als Rechtspopulist kritisierte Autor und ehemalige ZDF-Korrespondent Peter Hahne soll enthüllt haben, dass AfD-Stimmen bei der Wahl in Baden-Württemberg falsch ausgezählt worden seien. Wie in den Fällen Krall und Chrupalla, behauptete das zunächst der Youtube-Kanal „Nachrichten Aktuell“. Auf unsere Anfrage vom 30. März zu Hahne antwortete der Kanal nicht, löschte aber das Video. Das kursiert dennoch weiter, etwa auf X, weil es der pro-russische Account „Daniel Gugger“ geteilt hatte.

X-Beitrag mit Bild von Peter Hahne – dazu die Behauptung, Wahlfälschung bei Wahl in Baden-Württemberg fliegt auf
Daniel Gugger fällt immer wieder durch die Verbreitung pro-russischer Desinformation auf – er griff eines der Videos auf, die Peter Hahne Worte in den Mund legten, die er nicht gesagt hatte (Quelle: X; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

Den Kanal „Nachrichten Aktuell“ gibt es schon seit 2023. Allerdings teilt er erst seit rund einem Jahr regelmäßig Videos, meist im Sinne der AfD oder Russlands. Die Videotitel sind oft stark zugespitzt, sodass sie etwas ankündigen, was das Video gar nicht beweist. Sie werden auch auf X, Tiktok oder Facebook weiterverbreitet. Aktuell hat der Youtube-Kanal insgesamt mehr als 150.000 Abonnenten und bietet eine kostenpflichtige Mitgliedschaft an. Der Betreiber verdient damit also möglicherweise Geld. Youtube antwortete bis zur Veröffentlichung nicht auf Fragen, ob der Kanal monetarisiert ist oder dessen Inhalte gegen die Richtlinien verstoßen.

Mit den Schlagworten „Wahlbetrug“ und „Peter Hahne“ gingen darüber hinaus weitere Akteure hausieren: Eine Reihe von Facebook-Seiten verbreitete ähnliche Behauptungen in Form von Collagen und angeblichen Medienberichten. Etwa ein Foto von Hahne mit dem Text „hier wurde massiv betrogen“ oder angebliche Hinweise, die Hahne vorliegen würden, zum Beispiel von Wahlhelfern oder „Insidern“. 

Facebook-Beitrag mit Falschbehauptung - darunter ist ein Artikel verlinkt
Auch auf Facebook tauchten Behauptungen mit den Stichworten „Wahlbetrug“ und „Peter Hahne“ auf – sie verlinken auf scheinbare Medienberichte. Die Spuren dieses Netzwerkes führen nach Vietnam. (Quelle: Facebook; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Ein Netzwerk von angeblichen Medienseiten streut auf Facebook Falschbehauptungen über Wahlbetrug. Was hinter der Masche steckt, liegt noch im Dunkeln – Hinweise deuten nach Vietnam. Über die Hintergründe berichtet CORRECTIV.Faktencheck hier.

Keine nennenswerten Hinweise auf Betrug bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg

Zu den Fakten: Es finden sich keine Hinweise, dass sich Hahne überhaupt so geäußert hat. Einige behaupten, er habe das „im Interview bei einem unabhängigen Portal“ gesagt. Am Tag der Wahl, dem 8. März, sprach Hahne in einer Live-Sendung des rechtspopulistischen Meinungsmagazins Tichys Einblick. Auf diesen Ausschnitt bezieht sich auch der Youtube-Kanal „Nachrichten Aktuell“. Darin spricht Hahne aber weder von Wahlbetrug, noch von angeblichen Hinweisen. Wir haben Peter Hahne zudem selbst gefragt, ob er sich irgendwo anders geäußert hat. Eine Antwort erhielten wir bis zur Veröffentlichung nicht.

Über echte Manipulationsversuche wird in der Regel in vielen Medien berichtet. Die DPA hatte bereits am 12. März unter Berufung auf die Landeswahlleiterin und den Vorsitzenden des Wahlprüfungsausschusses im Stuttgarter Landtag (ein AfD-Politiker) berichtet, dass bei der Wahl in Baden-Württemberg keine Fälle von Wahlmanipulation bekannt seien. 

Wie uns die  Landeswahlleiterin in Baden-Württemberg am 25. März schrieb, gibt es bisher keine nennenswerten Hinweise oder Verdachtsmomente bezüglich Wahlbetrug bei der Briefwahl zur Landtagswahl. Nach der Prüfung der Wahlergebnisse veröffentlichte die Landeswahlleitung am 27. März das endgültige Ergebnis

Sollten noch Hinweise auftauchen, etwa dass Rechte im Wahlverfahren verletzt wurden, kann jede wahlberechtigte Person Einspruch gegen die Gültigkeit der Wahl einlegen. 

Redigatur: Paulina Thom, Gabriele Scherndl