Nein, Ungarn ist den Brics-Staaten nicht beigetreten
Während in Ungarn die Parlamentswahl 2026 ansteht, heißt es online, das Land habe sich unter Ministerpräsident Viktor Orbán dem anti-westlichen Staatenbund Brics angeschlossen. Die Behauptung ist erfunden.
Kurz vor der Parlamentswahl in Ungarn am 12. April 2026 kursieren international mehrere Falschbehauptungen, die den Russland-nahen Regierungschef Viktor Orbán als besonders EU-kritisch darstellen. Etwa heißt es in mehreren Beiträgen auf Facebook und Youtube, dass Ungarn angeblich dem losen Staatenverbund Brics beigetreten sei. Die Abkürzung „Brics“ setzt sich aus den Namen der ersten Staaten im Bund zusammen – Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika.
Doch: Weder die Videos auf Youtube mit tausenden Aufrufen, noch der Facebook-Beitrag mit mehr als 6.000 Likes, nennen eine Quelle für die Behauptung. In einem Artikel, auf den der Facebook-Beitrag von 2. April verlinkt, heißt es: „In den kommenden Stunden sind weitere Informationen und Stellungnahmen von Regierungsvertretern und Analysten zu erwarten.“
Nichts davon ist bisher geschehen – und die Webseite mit dem Artikel hat auch kein Impressum. Das liegt daran, dass sie Teil eines Desinformationsnetzwerkes ist, über das wir hier berichtet haben.

Ungarn gehört nicht zu Brics-Staaten
Brics ist ein Verbund von inzwischen elf Mitglieds- und zehn Partnerstaaten; dazu gehören Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika – später dazu kamen unter anderem Uganda, Belarus, Kuba und Nigeria. Die Konrad-Adenauer-Stiftung schreibt, tendenziell werde die erweiterte Brics-Staatengruppe weltweit als anti-westliches Bündnis gesehen.
Die Partner- und Mitgliedstaaten von Brics sind auf der Webseite des Brics-Treffens 2026 aufgelistet und Ungarn gehört aktuell nicht dazu (Stand: 10. April 2026). Auch auf einer Webseite, die die Aktivitäten von Brics abdeckt, ist von einem Beitritt Ungarns nichts zu lesen.

Die Länder arbeiten hinsichtlich Themen wie Handel und Wirtschaft, Sicherheit, Kommunikation und Umweltschutz zusammen. Das Bündnis wird gemeinhin als ein Gegenentwurf zur Nato und anderen westlich geprägten Bündnissen verstanden. Ein Beitritt Ungarns, wo am 12. April 2026 Wahlen anstehen, würde dementsprechend eine Abkehr von der EU bedeuten.
Zwar hatte der ungarische Außenminister Péter Szijjártó laut russischen Medien schon im September 2024 gesagt, man wolle „sehr gerne eng mit allen Brics-Staaten zusammenarbeiten“ – eine Mitgliedschaft stehe aber nicht auf der Tagesordnung. Hätte sich Ungarn also aktuell den Brics angeschlossen, wäre darüber breit berichtet worden – solche Berichte finden sich jedoch nicht von belastbaren Quellen.
Redigatur: Sara Pichireddu, Sarah Thust
CORRECTIV im Postfach
Lesen Sie von Macht und Missbrauch. Aber auch von Menschen und Momenten, die zeigen, dass wir es als Gesellschaft besser können. Täglich im CORRECTIV Spotlight.