Google-Trends zeigt nicht, dass Angriff auf Korrespondenten-Dinner inszeniert war
Online behaupten Nutzerinnen und Nutzer, der Angriff auf das Korrespondenten-Dinner am 25. April in Washington, D.C. sei inszeniert gewesen. Dafür stützen sie sich auf Daten des Dienstes Google-Trends. Doch dessen Daten liefern keine Beweise für die Behauptung, wie auch ein Google-Sprecher erklärt.
Am 25. April gegen 8:30 Uhr Ortszeit waren auf dem Korrespondenten-Dinner in Washington, D.C. Schüsse zu hören. Ein Mann durchbrach eine Sicherheitsabsperrung, offenbar um in den Festsaal des Hotels zu kommen, in dem eine Veranstaltung mit US-Präsident Donald Trump stattfand. Sicherheitsleute stoppten den Angreifer und brachten den US-Präsidenten und andere Gäste in Sicherheit.
Um den Vorfall bildeten sich schnell Verschwörungserzählungen. So behaupten mehrere Nutzerinnen und Nutzer international in Sozialen Netzwerken, dass der Name des mutmaßlichen Schützen bereits Stunden zuvor in Israel über Google gesucht worden sei. Das belegten Daten bei Google-Trends. Teils wird ganz offen behauptet, der Angriff auf das Korrespondenten-Dinner sei inszeniert gewesen.
Doch wie ein Sprecher von Google auf Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck erklärte, zeigen die verwendeten Daten weder, wie viele Suchen es gegeben hat, noch, wie viele Menschen eine Suche mit einem bestimmten Begriff durchgeführt haben. Teils seien die Ergebnisse absichtlich verfälscht, um keine Rückschlüsse auf einzelne Personen zuzulassen. Mehr dazu im Folgenden.

Was die Daten bei Google-Trends aussagen und was nicht
Im deutschsprachigen Raum machte vor allem der für die Verbreitung von Desinformation bekannte Youtube-Kanal „Vermietertagebuch“ mit der Behauptung auf sich aufmerksam. Darin zeigt Alexander Raue, der den Kanal nach eigenen Angaben betreibt, verschiedene Kurven auf Google-Trends.
Google-Trends ist ein Dienst, mit dem sich Suchanfragen auf Google analysieren lassen. Google selbst beschreibt den Dienst auf einer Informationsseite so: „Google Trends analysiert eine Stichprobe aller Suchanfragen in Google Search, um zu bestimmen, wie viele Suchanfragen in einem gewissen Zeitraum gestellt wurden.“ Der Dienst produziert für bestimmte Suchbegriffe, Zeiträume und Regionen, die alle separat eingestellt werden können, ein Diagramm und gibt einen Zahlenwert aus.
Im Screenshot in Raues Video zeigt Google-Trends für den Suchbegriff „Cole Allen“, den festgenommenen Verdächtigen beim Korrespondenten-Dinner, am 25. April 2026 um 19:04 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit einen Wert von 8 an. Dieser Wert zeigt nicht, wie ein Sprecher von Google uns auf Nachfrage erklärt, dass ein bestimmter Begriff acht Mal gesucht wurde oder acht Menschen danach suchten. Vielmehr zeigt der Wert, so Google auf seiner Informationsseite zu Google-Trends: „die Anzahl der Suchanfragen für einen bestimmten Begriff im Verhältnis zur gesamten Anzahl an Suchanfragen in Google“
Daten bei Google-Trends sind nicht zuverlässig, vor allem, wenn ein Begriff selten gesucht wird
Diese Ergebnisse seien vor allem bei Suchbegriffen, die wenig gesucht werden, nicht zuverlässig, wie der Google-Sprecher sagt: „Bei Themen, nach denen nur selten oder gar nicht gesucht wird, fügt ein Google-Trends-Diagramm häufig zufällige Daten hinzu, um die Privatsphäre der Nutzer zu schützen. Das bedeutet, dass ein Google-Trends-Diagramm, das einen Anstieg der Suchanfragen bei einem wenig beachteten Thema anzeigt, kein eindeutiger Beweis dafür ist, dass tatsächlich eine Suche stattgefunden hat.“ Oder anders formuliert: Aus Datenschutzgründen erfindet Google mitunter Suchanfragen zu bestimmten Begriffen.
Das zeigt sich auch daran, wie sich die Daten auf Google-Trends verändern. Wir haben an drei aufeinanderfolgenden Tagen (27. bis 29. April) den Suchbegriff „Cole Allen“ bei Trends eingegeben und die Ergebnisse für Israel dokumentiert. Anders als Alexander Raue, der sich die Ergebnisse der letzten 24 Stunden anschaute, haben wir uns, da diese Daten zum Zeitpunkt der Recherche nicht mehr verfügbar waren, die Ergebnisse der vergangenen Woche angeschaut. Sie weichen deutlich von denen von Raue ab.

Auch die Google-Trends-Ergebnisse vom 29. April für Deutschland belegen, dass die Daten nicht vertrauenswürdig sind. So zeigt der Dienst für Deutschland ab 22 Uhr am 25. April einen deutlich steigenden Graphen. Die gleiche Suchanfrage führt in einem anderen Internetbrowser dazu, dass bereits am 24. April ein Ausschlag angezeigt wird:

All das zeigt: Die Daten bei Google-Trends sind keine belastbare Quelle für die Behauptung und belegen die Verschwörungserzählung nicht. Dennoch werden sie immer wieder herangezogen, um vermeintliche Verschwörungen zu begründen. So zum Beispiel nach einem Anschlag auf eine Chanukka-Feier in Australien Mitte Dezember.
Auf eine Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck antwortete Raue nicht.
Redigatur: Steffen Kutzner, Gabriele Scherndl
Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:
- Artikel der Google News Initiative, „Google Trends: die Daten verstehen“: Link
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