Gesellschaft

Wal „Timmy“: Profil wirbt mit Fake-Dokumenten auf Tiktok für Spenden

Auf Tiktok sammelt ein Profil seit Anfang April Spenden, um den gestrandeten Buckelwal „Timmy“ zu retten. Es nutzt dafür Dokumente, die offenbar mit KI generiert wurden. Die Regierung in Mecklenburg-Vorpommern warnte bereits vor der Fake-Kampagne. Digitale Spuren deuten auf eine Person aus Wuppertal.

von Max Bernhard

Buckelwal liegt weiter in Wismarer Bucht
Menschen demonstrierten Anfang April für die Rettung des gestrandeten Buckelwals – auf Tiktok versucht ein Nutzer derweil offenbar mit dem Schicksal des Wals Geld zu machen (Archivbild: Marcus Golejewski / DPA / Picture Alliance)
Behauptung
Ein Tiktok-Profil sammle Spenden für eine Rettungsaktion für den gestrandeten Wal Timmy. Die Aktion sei von der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern freigegeben worden und werde unter anderem von dem Meeresbiologen Fabian Ritter und der Gesellschaft zur Rettung der Delphine unterstützt, wie Dokumente belegen.
Bewertung
Falsch. Die gezeigten Dokumente sind laut dem mutmaßlichen Verbreiter gefälscht. Sie sind wahrscheinlich KI-generiert. Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern warnt vor der Spendenaktion. Ritter und die Gesellschaft zur Rettung der Delphine erklärten jeweils, dass ihr Name missbraucht wurde.

Wochenlang war der Buckelwal „Timmy“, teils auch „Hope“ genannt, vor der Insel Poel, Mecklenburg-Vorpommern, gestrandet. Mehrere Versuche, ihn zu retten, scheiterten – der Wal befindet sich nun in einem Lastkahn einer privaten Rettungsinitiative Richtung Nordsee. Daran gibt es teils Kritik von Expertinnen und Experten, weil die Aktion zusätzlichen Stress für das kranke Tier bedeuten könne.

In Medien und Sozialen Netzwerken bekam das Schicksal des Wals viel Aufmerksamkeit. Einige versuchen damit aber offenbar Geld zu machen: Ein Tiktok-Profil behauptet seit Anfang April, dass die Person dahinter bereit sei, eine Millionen Euro zu spenden, um Timmy zu retten. In mehreren Beiträgen teilt das Profil Screenshots von angeblichen E-Mails, Stellungnahmen und Dokumenten der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns oder des Meeresbiologen Fabian Ritter. Dazwischen postet es immer wieder vermeintliche Updates zur Rettungsaktion und Spendenaufrufe mit der Angabe einer Kontonummer.

In den Kommentaren zeigen sich einige Nutzerinnen und Nutzer dankbar, andere schreiben, sie hätten Anzeige erstattet oder fragen, wie viel Geld sie noch spenden sollen. Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern und Ritter warnen jedoch, dass es sich um Fälschungen handle. Eine Recherche von CORRECTIV.Faktencheck zeigt: Die Dokumente sind vermutlich KI-generiert. Die Spuren der Fake-Kampagne führen zu einer Person in Wuppertal.

Unter anderem im Namen von Fabian Ritter sammelt ein Tiktok-Profil Spenden – Ritter schreibt, er habe Anzeige erstattet (Quelle: Tiktok; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Angebliche Dokumente zur Spendenaktion von Wal „Timmy“ sind nicht authentisch  

Neben dem Ministerium und Ritter erklärte die in einem der angeblichen Dokumente genannte Gesellschaft zur Rettung der Delphine in einem Facebook-Beitrag, dass es sich um Betrug handele und sie nichts mit dem Profil zu tun habe. Auch ein angeblicher Spendenaufruf im Namen der Tierärztin Janine Bahr-van-Gemmert sei nicht authentisch, wie uns ihr Verein auf Nachfrage erklärte. Ritter schreibt, er habe bereits Anzeige erstattet, die Gesellschaft schreibt in ihrem Beitrag, sie habe das vor.

Dass die Dokumente höchstwahrscheinlich KI-generiert sind, lässt sich auch an einzelnen Details in den Bildern erkennen: Teils verschwimmt die Schrift oder es finden sich auffällige Rechtschreibfehler, statt „begutachtet“ steht dort etwa „becutachtet“ – das ist typisch für KI-generierte Bilder.

Sieht man sich die angeblichen Dokumente an, fallen schnell für KI-generierte Bilder typische Fehler auf: So verschwimmt etwa die Schrift (Quelle: Tiktok; Screenshots und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)

Spuren der Fake-Spendenaktion führen zu Person in Wuppertal

In einem der Screenshots auf Tiktok ist eine angebliche E-Mail-Adresse zu sehen, die offenbar einer Person aus Wuppertal gehört. Seit Oktober 2025 müssen Banken überprüfen, ob der angegebene Empfängername zur IBAN passt. So eine Überprüfung zeigt: Auch die angegebene Kontonummer gehört offenbar einer Person mit demselben Namen und zu einem Konto bei der Sparkasse Wuppertal.

Wir haben über die E-Mail-Adresse bei der Person dahinter nachgefragt. Sie schreibt: „Die von mir gemachten Angaben entsprachen nicht der Wahrheit und wurden von mir gefälscht. In diesem Zusammenhang habe ich Spenden erhalten, die auf falschen Voraussetzungen beruhten.“ Die Sparkasse habe das entsprechende Konto bereits gesperrt. Das Tiktok-Profil ist weiterhin online (Stand 30. April).

Die Polizei Wuppertal, die Sparkasse, das Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern und ein von der Person angegebener Anwalt antworteten bis zur Veröffentlichung nicht auf eine Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck.

Redigatur: Paulina Thom, Gabriele Scherndl