Kann ich Wero trauen?

Der europäische Zahlungsdienstleister soll die Alternative zu Paypal sein – unabhängig von US-Tech-Konzernen. Wir haben das System unter die Lupe genommen.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

in den vergangenen Monaten bekamen wir immer mal wieder E-Mails von Leserinnen und Lesern, die fragten, ob man CORRECTIV eigentlich auch Geld über den noch jungen europäischen Zahlungsdienstleister Wero spenden könne. Wero ist gewissermaßen der Gegenentwurf Europas zum amerikanischen Zahlungssystem Paypal. 

Paypal nämlich sehen viele Leute kritisch, weil es eben ein US-Unternehmen ist – das unter anderem vom ultralibertären Trump-Freund Peter Thiel und von X- und Tesla-Chef Elon Musk gegründet wurde. Auch wenn das Unternehmen heute unabhängig von den beiden ist, bleibt bei vielen Nutzerinnen und Nutzern die Sorge vor US-Einfluss. 

Anfang dieser Woche wurde nun eine Studie veröffentlicht, die zeigte: Die Deutschen zahlen immer seltener mit Bargeld, dafür immer häufiger elektronisch. Aus diesem Anlass hat unser Nachrichtenteam recherchiert: Wie funktioniert das Zahlen über Wero? Spricht wirklich so viel dafür, es anstatt Paypal zu nutzen? Mehr dazu steht im Thema des Tages. 

Thema des Tages: Kann ich Wero trauen?

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Schweizer Gütesiegel für Konfliktgold? • Gericht erklärt AfD-Millionenspende vor Bundestagswahl für unzulässig • Nach CORRECTIV-Recherche: Europäischer Datenschutzbeauftragter will Europols Schatten-IT untersuchen

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Trump, Insider, Money: Alles über Polymarket

Faktencheck: Keine Investitionsplattform – Tagesschau-Artikel und Video mit Friedrich Merz sind manipuliert

Gute Sache(n): Russlands Gesetz gegen NGOs • Smartes Kopfkissen warnt gehörlose Menschen • EU verbietet sexualisierte Deepfakes

CORRECTIV ganz persönlich: Warum bei uns im Café „Card only“ gilt

Grafik des Tages: Absurdes „Gerrymandering“

Was aber, wenn diese Daten in die falschen Hände geraten? Zum Beispiel in die von Regierungen, die Europa damit unter Druck setzen wollen? Dieses Problem hat die EU  schon vor längerer Zeit erkannt – und auch konkret als solches benannt:

„Wir erleben derzeit einen globalen Wandel hin zu einem multipolaren Währungssystem, in dem Zahlungssysteme und Währungen zunehmend als Instrumente geopolitischen Einflusses eingesetzt werden.“
Philip Lane
Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank

Ob nun das  europäische System Wero oder der digitale Euro dabei helfen können, Bürgerinnen und Unternehmen in der EU unabhängiger von den USA zu machen, steht in unserer heute veröffentlichten Analyse.

Person bezahlt mit dem Smartphone am Kartenlesegerät.
Derzeit sind wir beim digitalen Bezahlen in Europa noch stark abhängig von Tech-Firmen aus den USA. Europäische Alternativen könnten helfen unabhängiger zu werden. picture alliance / Westend61 | Jesús Martinez.

Was ist Wero überhaupt?
Auch das erklären wir im Text ausführlich. Kurz zusammengefasst: Er ist derzeit der einzige private Versuch, europaweite Zahlungsunabhängigkeit zu stärken. Hinter Wero stehen 25 europäische Banken und Zahlungsanbieter aus Deutschland, Frankreich und Belgien.

Es gibt – und das ist einigermaßen verwirrend – auch noch eine andere europäische Initiative: den „digitalen Euro“. Wie das alles zusammenhängt, und ob dieses System mit Wero wiederum konkurriert, erklären wir in unserem Text auch.

Ist man mit Wero unabhängig von US-Tech-Einfluss?
Überraschenderweise nicht wirklich. Denn – das hat kürzlich Netzpolitik.org aufgeschrieben: Auch Wero hängt mit einem US-Tech-Konzern zusammen, und zwar einer Tochter von Amazon. Wie unabhängig das Bezahlsystem dennoch ist, klären wir im Text.

Apropos US-Tech-Konzerne:
Heute hat das „Zentrum für Digitalrechte und Demokratie“ eine spannende Analyse veröffentlicht, die ich Ihnen sehr zum Anschauen empfehlen möchte: eine „Landkarte“ (eigentlich eine große Netzwerk-Grafik), die zeigt, welcher Tech-Konzern in Deutschland wie lobbyiert und mit wem verbandelt ist.

Bundesregierung plant niedrigere Luftverkehrsteuer 
Die Bundesregierung will die Luftverkehrsteuer senken und hat dazu einen Gesetzentwurf vorgelegt. Alle Flüge in den drei Ländergruppen sollen günstiger werden. Für 2027 rechnet die Regierung mit Steuermindereinnahmen von 330 Millionen Euro. CORRECTIV berichtete bereits Anfang des Jahres über die Luftverkehrsteuer. Hier nachzulesen. 
bundestag.de 

US-Strategie erklärt Europa zum Brutkasten des Terrorismus 
Die US-Regierung wirft Europa in ihrer Anti-Terror-Strategie vor, als „Brutstätte“ des Terrorismus zu dienen. Feindliche Gruppen nutzten die offenen Grenzen Europas, heißt es in dem veröffentlichten Papier. Schon das Sicherheitskonzept des Vorjahres griff den Umgang mit Migration in Europa scharf an. Verantwortlich für die Strategie ist Sebastian Gorka, dem US-Demokraten vorwerfen, ungarische Rechtsextreme zu unterstützen. 
welt.de

Goldbarren auf Schweizer Flagge im Hintergrund. Goldbarren gestapelt auf der Schweizer Flagge. Konzept der Goldreserven der Schweiz

Gericht erklärt AfD-Millionenspende vor Bundestagswahl für unzulässig
Das Berliner Verwaltungsgericht hat eine Sachspende von 2,35 Millionen Euro als unzulässig eingestuft – weil der wahre Spender nicht feststellbar war. Eine Berufung schließt die Partei nicht aus.
correctiv.org

Nach CORRECTIV-Recherche: Europäischer Datenschutzbeauftragter will Europols Schatten-IT untersuchen
Mehrere Abgeordnete haben im Innenausschuss des Europaparlaments Aufklärung über Europols unregulierte Datenanalyse gefordert. Auslöser war eine Recherche von CORRECTIV und weiteren Medien.
correctiv.org

Friedrich Merz beim Weltwirtschaftsforum in Davos am 21. Januar 2025 (Foto: Markus Schreiber / Picture Alliance / Associated Press)

So geht’s auch
Ein Forschungsteam hat einen Kopfkissenbezug entwickelt, der gehörlose Menschen im Schlaf warnt. Bei Feueralarm oder Einbruch weckt das Kissen durch Vibration. Die Wissenschaftler der Nottingham Trent University arbeiten an der Weiterentwicklung und suchen Industriepartner. 
heise.de

Fundstück
Das EU-Parlament und die Mitgliedsstaaten haben das KI-Gesetz geändert: Sexualisierte Deepfakes und künstlich erzeugte Inhalte, die Kindesmissbrauch darstellen, werden verboten. Gleichzeitig sollen vereinfachte Regeln das wirtschaftliche Potenzial von KI besser nutzen. 
zeit.de


An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Tristan Devigne, Till Eckert, Stella Hesch, Pamela Kaethner, Elena Müller und Sven Niederhäuser.