„Islam-Hüpfburg“: AfD-Politiker behauptet über christlichem Fest, es sei muslimisch
Der AfD-Bundestagsabgeordnete Lukas Rehm verbreitet Bilder, die angeblich eine islamische Feier vor einer Kirche zeigen sollen. Doch zu sehen ist laut örtlichem Pfarrer das Tauffest einer christlichen Gemeinde in Leipzig.
Am 2. Mai 2026 hat der AfD-Bundestagsabgeordnete Lukas Rehm Bilder eines Festes auf dem Gelände einer Kirche in Leipzig veröffentlicht. Er schreibt dazu: „Islam-Hüpfburgen zwischen christlichen Gräbern“. Die Darstellung ist falsch. Die Bilder zeigen ein christliches Tauffest, wie die Kirchengemeinde erklärt.

Eritreische Gemeinde feiert Taufe in Leipziger Stephanuskirche
Auf Bildern, die Rehm auf Facebook, Instagram sowie der Plattform X veröffentlichte, sind keine religiösen Symbole des Islams auf den Bildern zu erkennen.
Bei der abgebildeten Kirche handelt es sich um die Stephanuskirche im Leipziger Ortsteil Mockau, wie der Abgleich mit Bildern auf Google Maps zeigt. Konrad Taut, einer der Pfarrer, gibt auf Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck an, dass auf den Bildern eine christliche Feier zu sehen ist. Am Abend des 2. Mai hätten Mitglieder einer eritreischen Gemeinde, die die Räume der Kirchengemeinde regelmäßig nutzen, ein christliches Tauffest gefeiert. „Wir freuen uns über die gemeinsame Nutzung unseres Kirchgebäudes mit Menschen, die ihre Traditionen aus der weltweiten christlichen Gemeinschaft mitgebracht haben“, so Taut. Dass die Eritreische Gemeinde in der Mockauer Stephanuskirche aktiv ist, geht auch aus mehreren Gemeindebriefen hervor, die die Matthäuskirchengemeinde online veröffentlicht.
Die Gemeinde habe zwar „immer wieder auch mit muslimischen Gästen Kontakt“, so Taut weiter. Religiöse Feste habe man bisher aber nicht zusammen gefeiert.
Hüpfburg stand nicht „zwischen christlichen Gräbern“
In seinem Beitrag schreibt Rehm zu den Bildern außerdem: „Während unsere Kirchen verfallen und unsere Friedhöfe leer bleiben, wird das Gelände einer christlichen Kirche zum Festplatz einer fremden Kultur umfunktioniert. […] Unsere Kirchen und Friedhöfe gehören den Deutschen und unserer Tradition – nicht zur Islamisierung!“
Taut ordnet dazu für die Stephanuskirche ein: „Bestattungen in unserem Kirchgarten sind seit vielleicht zweihundert Jahren nicht mehr durchgeführt worden.“ Die Grabsteine, die auf Rehms Bildern zu sehen sind, seien „aus ästhetischen Gründen“ errichtet worden und markierten keine tatsächlichen Gräber. Auf der Fläche, auf der die Feier stattfand, sei vermutlich nie bestattet worden. Die Gemeinde sei Träger eines aktiven Friedhofes, auf dem „selbstverständlich auch Menschen anderen Glaubens und anderer Nationen bestattet“ würden.
Nicht das erste Mal, dass Falschbehauptungen über eritreische Christen verbreitet werden
In den Kommentaren unter Rehms Beitrag auf Facebook äußern einige Nutzerinnen und Nutzer Zweifel an seiner Darstellung. Außerdem vermuteten einige, es handle sich um Bilder eines Fests auf dem Gelände der evangelischen St.-Laurentius-Kirchgemeinde im Leipziger Stadtteil Leutzsch, die schon 2017 aufgenommen worden seien. Diese Kirche sieht jedoch anders aus.

Rehm reagierte auf die Vorwürfe in seinen Kommentaren mit einem zweiten Facebook-Beitrag, in dem er bekräftigte, die Bilder seien aktuell. Eine Mitarbeiterin habe sie aufgenommen. Beide Beiträge zusammen wurden mehr als 1.000 Mal geteilt und mehr als 7.500 Mal mit „Gefällt mir“ markiert. Auf Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck antwortete er nicht.
Es ist nicht das erste Mal, dass Veranstaltungen von eritreischen Christen für muslimische Feste gehalten werden. 2017 überprüften wir eine ähnliche Behauptung: Ein Bild, ebenfalls aus Leipzig, solle Muslime zeigen, so die Behauptung. Auch in dem Fall handelte es sich jedoch um die Tauffeier einer eritreischen Gemeinde. Eritreische Christen tragen bei Tauffeiern Kopftücher und weiße Gewänder, weshalb sie häufig für Muslime gehalten werden.
Redigatur: Steffen Kutzner, Gabriele Scherndl
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