Der mutmaßliche Leipziger Amokfahrer ist kein Afghane, sondern Deutscher
Der Verdächtige, der am 4. Mai mit einem Auto in der Leipziger Innenstadt zwei Menschen getötet haben soll, soll angeblich ein 31-Jähriger aus Afghanistan sein. Das ist falsch, er wurde laut Polizei in Leipzig geboren.
Bei einer mutmaßlichen Amokfahrt am 4. Mai wurden in einer Fußgängerzone in der Leipziger Innenstadt zwei Menschen getötet und weitere verletzt. Gegen den vor Ort festgenommenen Verdächtigen wird wegen zweifachen Mordes und mehrfachen Mordversuchs ermittelt, wie aus einer Pressemitteilung der Polizei Leipzig hervorgeht. Obwohl die deutsche Staatsangehörigkeit des Verdächtigen schon ab der zweiten Pressemitteilung zum Vorfall um 19.24 Uhr genannt wurde, wird im Netz verbreitet, der Mann sei angeblich Afghane.
Viele Beiträge verweisen als Quelle auf einen X-Beitrag eines Accounts namens FranceNews24.

FranceNews24 sieht dank des blauen Hakens nach einer offiziellen Redaktion aus, ist es aber nicht. Der blaue Haken verifiziert auf X keine offiziellen Accounts mehr. Die angebliche Redaktion hat zudem keine Webseite oder ein Impressum, sondern imitiert offenbar den Namen des französischen Fernsehsenders France 24. Der X-Account war für uns nicht erreichbar.
Der Account hatte den Beitrag um 18:38 Uhr veröffentlicht. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine offiziellen Informationen zum mutmaßlichen Täter, wie aus den Pressemitteilungen der Polizei hervorgeht. Erst gegen 19.30 Uhr wurden mehr Informationen im Rahmen einer Pressekonferenz veröffentlicht, darunter auch Angaben zur deutschen Staatsbürgerschaft des Tatverdächtigen.
Polizei Leipzig: Verdächtiger hat keinerlei Bezug zu Afghanistan
Wie die Pressestelle der Polizei uns telefonisch bestätigte, ist der festgenommene Mann kein Afghane, sondern in Leipzig geboren und aufgewachsen. Er habe nach aktuellem Kenntnisstand keinerlei Bezug zu Afghanistan. Ein Video der Festnahme, das am 4. Mai ab etwa 19 Uhr auf X kursierte, und den Verdächtigen deutlich zeigt, wurde inzwischen als echt bestätigt.
Redigatur: Matthias Bau, Gabriele Scherndl
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