Deepfakes mit ZDF-Moderator Christian Sievers nach Hinweisen weiter auf Tiktok online
Deepfakes mit ZDF-Moderator Christian Sievers verbreiten eine erfundene Geschichte über einen Ukrainer. Hinweise von CORRECTIV.Faktencheck an Tiktok führten zur Löschung einzelner Beiträge. Der Fall zeigt, wie lückenhaft der Konzern dabei vorgeht.
ZDF-Moderator Christian Sievers spricht in einem Tiktok-Video angeblich von einem „Schock in Deutschland“. Demnach habe ein ukrainischer Geflüchteter in einem Supermarkt statt 180 nur 10 Euro für seinen Einkauf bezahlen wollen. Dazu werden vermeintliche Szenen von der Kasse eingeblendet.
Das Video erreichte über 600.000 Aufrufe. Dahinter steckt ein Deepfake – und es ist nicht der Einzige, der sich auf Tiktok verbreitet.
Sprachfehler entlarvt Tiktok-Video mit Christian Sievers als Deepfake
Eine Online-Suche liefert keine Ergebnisse für die angebliche Nachricht. Zudem fehlen Angaben wie Ort und Zeitpunkt. Zwar ist Sievers im Video sichtbar und auch seine Stimme ist zu hören, es wurde aber mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt, ein sogenannter Deepfake. Dabei werden Stimme und Antlitz einer Person mittels KI nachgeahmt und Mundbewegungen entsprechend angepasst. Dafür kann schon ein einzelnes Video der Person ausreichen.
Hört man genau hin, sind Ungereimtheiten zu erkennen. Zum Beispiel folgender sprachlicher Fehler: Statt „Zehn-Euro-Schein“, sagt Sievers’ Stimme im Video „Eins-Null-Euro-Schein“.
Das Tiktok-Profil, das den Deepfake mit Sievers veröffentlichte, hat weitere 21 solche Videos im Zeitraum Mai bis Juni veröffentlicht. Darunter auch eine angebliche Geschichten über einen arabischen Asylbewerber im Supermarkt. Aufgrund seiner Datenschutzeinstellungen konnten wir den Nutzer nicht kontaktieren.
Wir haben die Videos dem ZDF geschickt. Die Pressestelle bestätigte uns gegenüber, dass es sich um Deepfakes handelt.

Auch eine Aufnahme, die den behaupteten Vorfall im Supermarkt zeigen soll, enthält Hinweise auf KI. Die Finger einer Person gehen beispielsweise durch den Einkaufswagen hindurch und die Einkaufswaren auf dem Kassenband verschmelzen ineinander.

Deepfakes nicht als KI gekennzeichnet
Die Videos sind nicht mit einem KI-Label versehen, obwohl Tiktoks Richtlinien vorschreiben, dass „KI-generierte oder erheblich bearbeitete Inhalte, die realistisch wirkende Szenen oder Personen zeigen“ entsprechend gekennzeichnet sein müssen.
Zudem könnten die Videos gegen das Persönlichkeitsrecht oder Urheberrecht verstoßen, üble Nachrede oder Verleumdung darstellen. Wir berichteten über ähnliche Fälle, bei denen ein France24-Moderator, Bundeskanzler Friedrich Merz und ein Dutzend Ärztinnen und Ärzte betroffen waren.
Laut dem EU-Gesetz über digitale Dienste (Englisch: Digital Services Act, DSA) müssen Plattformen auf rechtswidrige Inhalte „angemessen, das heißt, verhältnismäßig“ reagieren, nachdem ein Nutzer solche Inhalte gemeldet hat, wie uns Jessica Flint, Anwältin für IT- und Wirtschaftsrecht im Februar 2025 erklärte.
Tiktok löscht nach Anfrage das Profil, andere Deepfakes mit Sievers bleiben online
Nach unserem Hinweis hat das ZDF die Videos laut eigener Aussage direkt an Tiktok gemeldet und das führte offenbar zu ihrer Löschung. Am Tag danach waren alle Deepfakes mit Christian Sievers auf dem Tiktok-Profil verschwunden.
Das Problem: Die Deepfakes verbreiten sich über andere Profile auf Tiktok weiter. Auch dort sind sie nicht als KI-generiert gekennzeichnet. Zudem kursieren weitere Videos, die Sievers zwar nicht zeigen, aber seine KI-Stimme mit der erfundenen Nachricht verwenden.
Wir haben Tiktok gefragt, warum die Deepfakes auf dem einen Profil gelöscht, auf anderen aber abrufbar sind. Dazu erhielten wir keine konkrete Antwort, stattdessen heißt es: „Wir haben die von Ihnen geteilten Inhalte geprüft und wegen Verstößen gegen unsere Community-Richtlinien entfernt. Wir erlauben keine Inhalte, die in Angelegenheiten von öffentlichem Interesse irreführend sind. Die betreffenden Inhalte waren nicht gekennzeichnet und nutzten KI.“
Das betroffene Tiktok-Profil sowie ein von uns beispielhaft mitgeschicktes Video auf einem anderen Profil wurden gelöscht. Damit ist der Deepfake jedoch nicht aus der Welt. Auf mindestens fünf anderen Profilen kursiert er weiter. Diese Videos machte Tiktok offenbar nicht ausfindig (Stand: 12. Juni 2026).
Redigatur: Max Bernhard, Sophie Timmermann