Faktencheck

Nein, France24 berichtete nicht über Mordkomplott der Ukraine gegen Emmanuel Macron

Mitte Februar sagte Emmanuel Macron einen geplanten Besuch der Ukraine ab. Wenig später zirkulierte online ein Video mit dem Logo des Senders France24. Laut dem plante die ukrainische Regierung ein Attentat auf Marcon und wollte Russland dafür verantwortlich machen, um weitere Waffenlieferungen zu bekommen. Doch das Video ist ein Deepfake.

von Matthias Bau

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Ein gefälschtes France24-Video soll Menschen in Sozialen Netzwerken vorgaukeln, Emmanuel Macron habe in der Ukraine um sein Leben fürchten müssen (Symbolbild: Lafargue Raphael / ABACA / Picture Alliance)
Behauptung
Ein Video zeige, wie französische Medien berichteten, dass der französische Präsident Emmanuel Macron eine Reise in die Ukraine abgesagt habe, weil die ukrainische Regierung dort ein Attentat auf ihn geplant habe.
Bewertung
Manipuliert. Die Tonspur passt nicht zu den Lippenbewegungen des Nachrichtensprechers im Video. Laut dem Sender France24, dessen Logo im Video erkennbar ist, handelt es sich um eine Fälschung, die Stimme des Nachrichtensprechers wurde imitiert.

Nachdem der französische Präsident Emmanuel Macron eine geplante Reise in die Ukraine wegen Sicherheitsbedenken absagte, brodelte online die Gerüchteküche. Grund für die Absage sei ein durch die Ukraine geplantes Attentat auf Macron gewesen, heißt es am 15. und 16. Februar auf Facebook, X und Telegram. Das Attentat habe die Ukraine Russland in die Schuhe schieben wollen, um so weitere Waffenlieferungen von westlichen Staaten zu bekommen. All das ist in einem Video zu hören, das online in schlechter Qualität zirkuliert. 

Darin ist Julien Fanciulli zu sehen, Nachrichtensprecher von France24 – in der rechten unteren Ecke des Videos, das hellblaue Logo des Senders.

Auf X kursiert dieser gefälschte Beitrag des Senders France24
Auf X kursiert dieser gefälschte Beitrag des Senders France24 (Quelle: X; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

Video trägt France24-Logo, Ton und Bild stimmen nicht überein

In dem Video sagt die Sprecherstimme, dass es den französischen Geheimdiensten gelungen sei, Telefonanrufe und Nachrichten abzufangen, in denen es um das Mordkomplott gegangen sei. 

Laut einem Französisch-Muttersprachler klingt die Stimme des Sprechers jedoch abgehackt und unecht. Auch unabhängig von dessen Einschätzung ist das Video als Fake zu entlarven, denn die Lippenbewegungen passen nicht zum Gesagten.

France24 bezeichnet Video zu Emmanuel Macron als Deepfake

Über eine Stichwortsuche bei Google finden wir ein Dementi von France24 und einen Faktencheck der Webseite Euronews zu dem Video.

France24 schrieb bereits am 15. Februar, bei dem Video handele es sich um einen Deepfake. Dabei sei mittels Künstlicher Intelligenz die Stimme des Nachrichtensprechers Julien Fanciulli imitiert und unter ein echtes Nachrichtenvideo gelegt worden. 

Die Webseite Euronews berichtete am 19. Februar, der Fake sei zuerst in pro-russischen Telegram-Kanälen verbreitet und dann von russischen Regierungsmedien aufgegriffen worden. Auch der ehemalige russische Präsident, Dmitri Medwedew, verbreitete die Falschbehauptung auf X am 14. Februar. 

Bereits wenige Tage später, am 17. Februar, unterzeichneten sowohl Deutschland als auch Frankreich ein Sicherheitsabkommen mit der Ukraine und sicherten dem Land so langfristige militärische und wirtschaftliche Hilfe zu. 

Einen Überblick mit allen Faktenchecks von uns zum Krieg in der Ukraine finden Sie hier.

Redigatur: Max Bernhard, Kimberly Nicolaus

Die wichtigste, öffentliche Quelle für diesen Faktencheck:

  • Dementi von France24, 15. Februar 2024: Link